The Social Network
| aktueller song: earlimart – before it gets better |
The Social Network
Vö: 07. Oktober 2010
Verleih: Sony Pictures
Genre: Biografie | USA 2010
Länge: 120 min
Regie: David Fincher
Drehbuch: Aaron Sorkin & Ben Mezrich
Musik: Trent Reznor & Atticus Ross
Kamera: Jeff Cronenweth
Schnitt: Kirk Baxter
Darsteller: u.a. Jesse Eisenberg, Bryan Barter, Joseph Mazzello, Justin Timberlake
Punkte: 5/10
An Mark Zuckerberg scheiden sich die Geister, an Facebook manchmal auch. Und dennoch: Wir alle nutzen das soziale Netzwerk täglich fast stundenlang und finden es – aller Skepsis zum Trotz – nützlich, oftmals sogar ganz cool. Mit der ersten Verfilmung der Gründungsgeschichte von Facebook verhält es sich genauso: Wir werden sie uns wohl alle anschauen, schon allein weil wir ein winziger Baustein des großen Systems sind. Und wir werden Mark Zuckerberg am Ende ganz sympathisch finden. Gerade die Eingangsszene beschreibt Zuckerberg bereits ziemlich treffend: Ein Nerd mit Hang zum Arschlochsein, arrogant, aber stets an den Gedanken anderer interessiert, auch wenn er darauf im Grunde gar nicht eingeht – er ist in seinem Kopf einfach schon fünf Schritte weiter! Genau das macht ihn in seinen Harvard-Tagen so sozial inkompetent und zum Loser bei den Frauen. Aber eben auch so erfolgreich.
“The Social Network” ist kein Imagefilm von Facebook, auch wenn man sich zurecht fragt, warum eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil, Facebook – und allen voran Mark Zuckerberg natürlich – distanzieren sich davon und betiteln diesen als eine rein fiktive Interpretation. Das mag sicherlich stimmen, aber gerade die dargestellte One-man-show hinterlässt nicht einmal einen faden Beigeschmack: Zuckerberg ist der sympathische Wichser (“Sie sind kein Arschloch, aber sie kommen so rüber”), es gibt die Guten und die Bösen, es gibt kaum Skandale, wenig Alkohol und noch weniger Sex. Vielmehr gibt es sogar wirklich gut eingefangene Bilder und eine exzellente musikalische Untermalung von Trent Reznor und Atticus Ross, die das wahre Highlight des Films ist.
Wenn man nun jemanden einen Vorwurf machen möchte, dann allein David Fincher, der zum erneuten mal aus einem guten, polarisierenden Thema einen dahinplätschernden Film macht. Durch die Sprünge zwischen den Zeitebenen, der studentischen Gründungszeit und den späteren Rechtsstreitereien zwischen den Mitgründern und den vermeintlich Betrogenen, wird zwar eine gewisse Abwechslung erzeugt wie auch eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation erweckt, der wirkliche Konflikt wird aber nie zugespitzt. Vielmehr wird er sogar heruntergespielt.
Ganz beispielhaft kann man dafür die gut umgesetzten Filmplakate heranziehen: “Du kannst keine 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen”. Oder: “Punk. Genie. Verräter. Milliadär.” – All diese Themen werden maximal angerissen, aber nie in dieser Drastik ausgespielt. Die Rolle der Medien oder der Community werden gar ganz ausgeblendet. Gerade in Anbetracht dessen, dass Facebook das komplette Kommunikationsverhalten, das Internet, die Werbewirtschaft, bei vielen Einzelpersonen sicherlich auch das ganze soziale Leben positiv wie auch oft negativ verändert haben wird, wäre erheblich mehr Tiefgang zwingend erforderlich gewesen.
Aber vielleicht ist es auch genau das, was Mark Zuckerberg an dieser Verfilmung stört: Die oberflächliche Betrachtung seiner Person, seiner wegweisenden Arbeit und seines Erfolgs. Und ohne ihm zu viel Gutes oder auch Böses unterstellen zu wollen, ihn wird “The Social Network” weder jucken noch nachhaltig beeinflussen, weil er zum einem sicherlich schon drei Schritte weiter denkt, auf Kritiker wie Neider ohnehin nichts geben wird und drittens dem Film ganz einfach auch jede Nachhaltigkeit fehlt. Er ist eine unkritische, weichgespülte Momentaufnahme. Wenn überhaupt.
© written for hdk








