Gute Gaben

Thursday, February 4th, 2010 at 23:48

| aktueller song: poison the well - nerdy |

Wive - Pvll
Vö: 05. Februar 2010
Label: Exile On Mainstream / Soulfood
Länge: 39:38 min
Hit: Lazarvs And Dives
Punkte: 6/10

Wive - Pvll

Von Depression, großem Schmerz und Zweifel war einst bei “Dry land” von A Whisper In The Noise die Rede. Doch die Zeiten sind vorbei. Im Falle des Schwermuts kann man das natürlich nur gutheißen, doch das vorläufige Ende dieser Band stimmt trotzdem traurig. Dennoch sind Wive keine gewöhnlichen Nachfolger, selbst wenn neben Ex-Schlagzeuger Matt Irwin auch Violistin Hannah Murray bei dem neuen Projekt dabei ist. Das war es dann nämlich schon an Gemeinsamkeiten.

Gänzlich unterschiedlich ist die Herangehensweise, auch wenn natürlich hörbare Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen sind. Trotzdem: Waren A Whisper In The Noise von ihrer Stimmungslage her eher die Vertonung der sieben Todsünden, so spiegelt dieses Album die Gaben des Heiligen Geistes wieder. Oder noch reduzierter gesagt: “Pvll” ist so etwas wie die gute Seele. Balsam für die Nerven. Da stört nicht einmal die eigenwillige Typographie, die einem permanent ein V für ein U vormacht.

Vor allem ist es aber auch ein überaus subtiles Album, welches zwischen Singer-Songwriter, Folk und verspielten Elektronikschnipseln sowie viel Klavier ganz besondere Charakteristika aufweist: Kreativität, Leidenschaft, Freundlichkeit, Barmherzigkeit und sogar eine gewisse Fürsorge. “Pvll” nimmt in den Arm, streichelt behutsam über Kopf und Geist und vermittelt das Gefühl von Geborgenheit. Und das nicht nur in “Lazarvs and dives”, wenn Meghan Irwin mit Isaac Everhart im Duett singt und beide dabei ziemlich verträumt nordeuropäisch klingen.

Vielleicht ist es sogar das Fehlen von sogenannten Hits, was “Pvll” so sympathisch macht, ohne dass man eigentlich genau weiß warum. Es ist größtenteils die Liebe zum Detail, die sich vor allem im Artwork mit der handbedruckten Baumwolle bemerkbar macht. Das gewisse Etwas von Wive entdeckt man erst dann, wenn man mehrmals versucht, sich in die mitunter sehr ruhigen Songstrukturen hineinzuversetzen. Keine heiße Affäre, eher etwas Ernstes mit Zukunft.

Tracklist:
01) toast to famines
02) teethy
03) langvage
04) lazarvs and dives
05) come, join the sea
06) attrition
07) the day bvrnt to death
08) widows
09) tongve of callvs
10) slvmber’s edit

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Jahrespoll 2009

Wednesday, December 16th, 2009 at 02:08

| aktueller song: titiyo - if only your bed could cry |

10 Alben des Jahres
01) Iamx – Kingdom Of Welcome Addiction
02) Archive – Controlling Crowds (Part I-III & IV)
03) Junius – The Martrydom Of A Catastrophist
04) Fever Ray – Fever Ray
05) Bring Me The Horizon – Suicide Season (Cut Up)
06) Bat For Lashes - Two Suns
07) Moby – Wait For Me
08) Thursday – Common Existence
09) Celeste – Misanthrope(s)
10) Lowood – Close To Violence

10 Songs des Jahres
01) Turboweekend – Up With The Smoke, Down With The Ash
02) Editors – In This Light And On This Evening
03) Troels Abrahamsen – End Scene
04) Amenra - Am Kreuz
05) Arms And Sleepers – The Motorist
06) Phantogram – Bloody Palms
07) The xx – Crystalised
08) Isis – Ghost Key
09) Röyksopp – This Must Be It (Apparat Remix)
10) Soap&Skin – Spiracle

5 Konzerte des Jahres
01) Iamx - Berlin, Festsaal Kreuzberg
02) Soap&Skin - Hamburg, Kampnagel
03) Archive - Berlin, Huxleys
04) Fever Ray - Berlin, Berghain
05) Nils Frahm - Börnsen, Bei Klaus

Club des Jahres
Baalsaal, Hamburg

Festival des Jahres
Melt! Festival

Schlechtestes Album des Jahres
The Sorrow - Origin Of The Storm

Enttäuschung des Jahres
Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion

Überraschung des Jahres
Health - Get Colour

Soundtrack des Jahres
Jamin Winans - Ink OST

Artwork des Jahres
Turboweekend - Ghost Of A Chance

Tourposter des Jahres
Melt! Festival (den mit Lack und Prägung)

Band des Jahres
Archive

Solokünstler des Jahres
Moby

Newcomer des Jahres
The xx

Hype des Jahres
Frittenbude

Vernachlässigstes Album des Jahres
Fall Of Efrafa - Inlé

Vernachlässigster Song des Jahres
Phantogram – You Are The Ocean And I’m Good At Drowning

Wiederentdecktes Album des Jahres
*shels – Sea Of The Dying Dhow

Wiederentdeckter Song des Jahres
Omega Massif – Unter Null

Videoclip des Jahres
Cinnamon Chasers - Luv Deluxe

3 Filme des Jahres
01) Ink
02) Män som hatar kvinnor
03) Alle Anderen

Spruch des Jahres
“Du weißt doch, wo die Küche ist”

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Was die Welt zusammenhält

Saturday, May 9th, 2009 at 23:36

| aktueller song: jeniferever - concrete and glass |

Isis - Wavering Radiant
Vö: 08. Mai 2009
Label: Conspiracy / Cargo
Länge: 54:04 min
Hit: Hand Of The Host
Punkte: 7/10

Isis - Wavering Radiant

Musik hat etwas mit Emotionen, Gefühl, Ausdruck und Kreativität zu tun - das unterschreibt einem jeder. Paradoxerweise erfordert gute Musik aber auch genau das Gegenteil: Struktur, Handwerk, klare Konzepte und feste Ziele. Das Bindemittel, das all das zusammenfügt und auch zusammenhalten muss, ist: Mathematik. Eine Übersicht der Mengenlehre.

Die Teilmenge: Eine Menge A heißt Teilmenge einer Menge B, wenn jedes Element von A auch Element von B ist. Daher muss es also ein Element geben, das quasi über allem thront, eine Menge B, die alles unter sich vereint. Bisher wechselte sich dieses Element bei Isis desöfteren ab, mal war es der Sound selbst, mal der Song, mal die Atmosphäre. Doch all das verkommt auf “Wavering radiant” auch nur zu Teilmengen, da das Grundelement diesmal ein anderes ist: Die Komplexität. Jeder andere Aspekt muss sich nun unterordnen, seien es die monumentaleren Melodien von “In the absence of truth” oder die erdrückendere Stimmung von “Panopticon”.

Die Gleichheit: Zwei Mengen heißen gleich, wenn sie dieselben Elemente enthalten. Und wenn diese gleich gewichtet sind. So zum Beispiel Kopf- und Bauchgefühl. Denn nach x-maligem Hören kommt man zu dem Schluss, dass beide Instinkte zwangsläufig ausgeglichen sein müssen. Zwar gibt es wieder vermehrt Passagen, die zum Versinken in tiefen Gitarren einladen, doch im gleichen Atemzug wirkt das Album auf kompletter Länge auch wesentlich nachdenklicher, organisierter und eben auch viel dichter als seine Vorgänger. Mitdenken wird also umso mehr gefordert.

Die Leermenge: Die Menge, die kein Element enthält, heißt leere Menge. Und die besaßen Isis glücklicherweise nie und klammern Sinnfreiheit auch diesmal aus, was aber auch eine Selbstverständlichkeit ist. Trotzdem macht sich gerade zu Beginn unterschwellig das Gefühl breit, die einzelnen Songs hätten an Seele eingebüßt oder Isis würden auf hohem Niveau stagnieren, von produktionstechnischen Details einmal abgesehen. Doch irgendwann, später als bei vorherigen Alben, macht es doch wieder “Klick” und die Gleichung unter dem Bruchstrich wird durchschaubarer: Latenz + Lakonie + Perfektionismus + Universalität ist ungleich Null.

Die Schnittmenge: Die Schnittmenge ist die Menge der Elemente, die in jedem Element enthalten sind. Mit großer Sicherheit ist genau das nämlich auch der Unterschied, der Isis von gewöhnlichen Bands abhebt: Die Gabe, Gefühle technisch perfekt zu transportieren, diese aber auch gleichzeitig einfach und komplex in einem darstellen zu können. Wie in “Hall of the dead”, dem Ohrwurmmonster als Opener, das die fehlerlose Durchschnittsmenge aus Kreativität und Konzept ist.

Die Vereinigungsmenge: Die Menge der Elemente, die in mindestens einem Element sind. Was quasi die duale Erweiterung des vorherigen Punkts ist: Isis loten den Grad der durchwanderten Gefühlszustande weiter und weiter aus, proben den Twist zwischen neuer alter Rohheit und fortgeführter Melodiösität und erreichen dabei den handwerklichen Höhepunkt mit großartigen Songs und einem in sich geschlossenen Album – ohne große Überraschungen. Die gibt es in der Mathematik eben seit hundert Jahren kaum noch. Und trotzdem hält sie die Welt weiterhin zusammen.

Tracklist:
01) hall of the dead
02) ghost key
03) hand of the host
04) wavering radiant
05) stone to wake a serpent
06) 20 minutes / 40 years
07) treshold of transformation

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Weil einfach einfach einfach ist

Tuesday, May 5th, 2009 at 00:36

| aktueller song: tina dico - he doesn’t know |

Static-X - Cult Of Static
Vö: 27. März 2009
Label: Reprise / Warner
Länge: 42:06 min
Hit: Tera-Fied
Punkte: 5/10

Static-X - Cult Of Static

Keep it clean and simple! Das ist eine der wenigen Phrasen, welche eigentlich immer Gültigkeit besitzt und obendrein auch noch Sinn ergibt. Static-X haben diese Weisheit seit 15 Jahren, sechs Studioalben und keinem Frisurwechsel konstant angewendet. Sie haben die Einfachheit sogar gänzlich verinnerlicht und sich dabei keinen Millimeter weiterentwickelt. Es ist folglich also auch völlig legitim, dass wir es uns ähnlich einfach machen und eine Art Best-of-Collage der Rezensionen von “Machine” bis “Cannibal” zusammenstellen. Ein symbolischer Querschnitt.

“Static-X bleiben sich in musikalischer Hinsicht mehr als treu: Staubtrockener Hochgeschwindigkeitsrumpelrock zwischen Presslufthammer, Rüttler und Dampfwalze, dessen Innovationsgehalt seit Jahren nur knapp jenseits der Null tendiert. Stabil und stilbewusst bleiben sie im Windschatten von Slipknot, Coal Chamber, Korn und Konsorten, gehen wie jene dann auch mal gelegentlich ein bisschen vom Gas oder erinnern auch mal an den Monster-Groove der seligen White Zombie. Aber mit dem Baukastenprinzip gewinnt man keine Schlachten” - auch vier Jahre nach “Start a war” nicht.

“Die einzelnen Tracks sind durchaus kompakt und wirken für sich genommen wie der berühmte Schlag ins Gesicht. Das Ganze hat allerdings einen Haken: Dem Album fehlt es an wirklichen Highlights. Meist brettert die Musik in ewig gleichem Tempo vor sich hin, während Static fast ununterbrochen wie am Spieß brüllt. Richtig gut werden Static-X bezeichnenderweise nur dann, wenn sie den Fuß ein wenig vom Gaspedal nehmen. Dann allerdings ziehen sie alle Register, die dieses Genre bietet. Resultat sind kalte, geradezu klinische Sounds” - die sich seit “Machine”-Zeiten nicht geändert haben.

“Aber: Die Truppe um Turmfrisurträger, Sänger, Gitarrist, Bandgründer und Namenspate Wayne Static versucht endlich, ihrer stilistischen Selbsteinstufung als “Evil Disco” gerecht zu werden. Und das sogar mit einigem Erfolg. Wo das Debüt-Album noch aus derbem neumetallischen Geboller, garniert mit Trance- und Industrial-Elementen, bestand und der Zweitling weitgehend nur dasselbe Spektrum in möglichst hoher Geschwindigkeit runterbretterte, taucht auf dem Drittwerk “Shadow zone” vermehrt ein nahezu revolutionäres Versatzstück auf: die Melodie” - die diesmal glücklicherweise sogar noch ausgebaut wird.

“Tatsächlich stechen Static-X mit ihrem steril-maschinellen Sound zu dieser markanten Stimme ihres Frontmannes in diesen Tagen noch mehr heraus als zur damaligen Zeit, in der es mit Fear Factory oder Spineshank immerhin noch Genre-Konkurrenz gab. Sicherlich lädt dieser antiseptische Stil und dessen weiterhin konsequente Fortführung dazu ein, der Band Stillstand vorzuwerfen, doch würde das “Cannibal” keineswegs gerecht werden. Gitarrensoli wie auch Elektroelemente rücken wesentlich mehr in den Vordergrund.” Man mag es kaum glauben, aber Static-X schreiben nach 15 Jahren mit “Tera-fied” ihren ersten vollwertigen Song. Das muss bei soviel dreistem Recycling auch mal festgehalten werden.

Tracklist:
01) lunatic
02) z28
03) terminal
04) hypure
05) tera-fied
06) stingwray
07) you am i
08) isolaytore
09) nocturnally
10) skinned
11) grind 2 halt

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Dummfang

Saturday, April 18th, 2009 at 15:35

| aktueller song: *shels - in dead palm fields |

Maroon - Order
Vö: 17. April 2009
Label: Century Media / EMI
Länge: 47:11 min
Hit: Schatten
Punkte: 3/10

Maroon - Order

André Moraweck bringt es in Unclesally*s auf den Punkt: “Im Osten sehen wir das pragmatisch: Wenn du ein Album ‘Cryptic enslaved malefaction of desire’ nennst, kriegt das nie einer zusammen.” Und im Grunde hat er damit selbst bereits alles Wichtige gesagt: Maroon machen es diesmal auf die ganz simple Tour, weil Ossis ja scheinbar geistig etwas beschränkt sind. Schönen Dank auch! Aber das eine bedingt ja nicht selten das andere, und schlussendlich ergibt sich daraus die Huhn-oder-Ei-Frage: Wurden die Ossis so einfältig im Hirn, weil sie täglich Maroons plumpen Metal ertragen mussten? Oder umgekehrt: Maroon so einfallslos, weil die Nordthüringer Heimat so dermaßen trostlos ist und dort nur Hirnis rumrennen? Man weiß es nicht.

Halten wir allerdings fest: Die einen haben zwar des Öfteren wirklich nicht alle Latten am Zaun, die anderen - sprich Maroon - müssen deswegen aber nicht gleich mit dem Vorschlaghammer drauflos keulen. Denn genau so hört sich “Order” an: Wie für Kloppies. So bekommen Ronny und Kevin einfach durchweg böse Gitarren mit fiesem Getrommel und Standardgeschrei eingetrichtert, da müssen sie aber immerhin um keine zwei Ecken mitdenken. Selbst die nicht ganz so ostdeutschen Titelparolen wie “Bombs over ignorance” oder “Stay brutal” kriegt Maik beim Mitgröhlen hin. Glückwunsch! Das klingt dann zwar in der Aussprache etwas provinzieller, unterstreicht aber den plakativen Charakter. Trueness und so!

Doch das allergrößte Problem ist vielmehr: Maroon führen sich selbst ad absurdum. Und auch bei allem Jux, genau dieser Punkt ist wirklich schade. Da kann es nämlich inhaltlich noch fünfzig Mal um kritische Worte bezüglich Religiosität, der Rolle des Staats, der Familie, von Freundschaft oder sonstwas gehen - die Botschaft scheitert ganz klar im Vermittlungsprozess. Manchmal ist das wie in der Politik: Entweder kapiert es keiner oder wir mündigen Subjekte werden als total blöd verkauft. In diesem Fall eher Zweiteres. Unter Maroons belanglosem, großteils gar einfallslosem melodischen Death Metal geht schlussendlich jegliches Interesse verloren, sich als Hörer tiefer mit Inhalten beschäftigen zu wollen. Nicht jeder ist eben so blöd wie er für gehalten wird!

Tracklist:
01) morin heights
02) erode
03) stay brutal
04) a new order
05) bleak
06) this ship is sinking
07) call of telah
08) leave you scared & broken
09) children of the next level
10) bombs over ignorance
11) wolves at the end of the street
12) schatten

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Bandname gesucht!

Monday, April 13th, 2009 at 22:09

| aktueller song: from oceans to autumn - reach |

Callisto - Providence
Vö: 03. April 2009
Label: Fullsteam / Rough Trade
Länge: 68:24 min
Hit: In Session
Punkte: 6/10

Callisto - Providence

Die Musikgeschichte ist voll mit Beispielen: Bands wechseln Labels, verlegen ihre Wohnsitze, tauschen Produzenten aus, rotieren in ihren Besetzungen, eines bleibt aber kontinuierlich gleich - der Bandname! Selbst dann, wenn sich nicht nur der Sound einmal um die eigene Achse gedreht hat, sondern die gesamte Band gleich mit. Viele scheitern daran - oft auch zu Recht - manche werden dabei aber erstaunlicherweise sogar besser. Poison The Well zum Beispiel. Bei Callisto wird sich das erst noch rausstellen.

Das Verwunderliche ist nur, dass im Grunde eigentlich gar nicht so viel passiert ist: Callisto sind immer noch Finnen, veröffentlichen auch “Providence” wie gewohnt über Fullsteam Records, und Christen sind sie auch noch. So weit so langweilig. Einzige Änderung ist nun, dass Jani Ala-Hukkala mit diesem Album neu als Sänger hinzugekommen ist. Auch das ist im Wesentlichen keine Zwei-Zeilen-News wert, würde sich dadurch nicht die komplette Band verändern. Warum auch immer. Zeitweilig sogar erheblich zum Langweiligen.

Gerade im Vergleich zu dem früheren Minialbum “Ordeal of the century” oder dem nicht nur namentlich tiefschwarzem “Noir” wirken Callisto, als sei ihnen inzwischen die große religiöse Eingebung gekommen und dürften sie sich nun zur Ruhe setzen. Zwar betreten sie mit dem andersartigen Gesang in “Dead weight” durchaus neue Gefilde, die besseren Sludge-Songs haben sie trotzdem früher geschrieben. Bis auf den mitreißenden zweiten Part von “In session” oder das experimentellere “New Canaan” spielen ohnehin zu viele Songs im mittleren Tempo, nicht selten auch mit trocken monotonen Melodien wie von Katanonia.

Überhaupt drückt die Stimme von Jani Ala-Hukkala dem ganzen Album einen neuen Stempel auf. Und das eben nicht nur im stimmlichen Bereich. Geschrien wird selten im Vergleich zu früher, sogar fast gar nicht mehr, genauso wie Anleihen von Celestine, Transmission0 oder Amenra nahezu vollständig verschwunden sind. Klar: Das muss natürlich nicht alles schlecht sein, ist es nämlich auch nicht, denn jedem Songs kann man durchaus seine spannenden Parts abgewinnen. Und das sollte man “Providence” hoch anrechnen, gerade auch bei einer Spielzeit von fast 70 Minuten, die zwar ihre Durchhänger haben, aber trotzdem nicht langweilig werden. Dies sind aber ganz einfach nicht mehr Callisto, sondern quasi eine neue Band, die früher zufällig genauso hieß. Neue Namensvorschläge leiten wir gerne weiter.

Tracklist:
01) in session
02) rule the blood
03) covenant colours
04) eastern era
05) new canaan
06) stasis
07) where the spirits tread
08) dead weight
09) drying mouths (in a gasping land)
10) providence

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Babypause

Sunday, April 5th, 2009 at 18:08

| aktueller song: neil on impression - irlanda |

Fever Ray - Fever Ray
Vö: 27. März 2009
Label: Rabid / V2 / Cooperative / Universal
Länge: 48:04 min
Hit: When I Grow Up
Punkte: 7/10

Fever Ray - Fever Ray

Man kommt einfach nicht daran vorbei, Fever Ray als eigenständiges Projekt abseits von The Knife zu sehen. Letztere sind bekanntlich in Babypause, aber von dieser ist absolut nicht viel zu spüren. Vielmehr bastelt Bruder Olof Dreijer an einer Elektrooper über Charles Darwin, während Karin Dreijer Andersson sich um ihr Kind kümmert. Und halt ihre Soloplatte aufnimmt. Nicht umsonst weiß man ja auch, dass Nachwuchs das Leben und die Einstellung der werdenden Eltern oft grundlegend verändert. Meist hin zu ausgeglicheneren Menschen. Fever Ray ist somit das persönlichste, gar intimste Album von Karin Dreijer Andersson, auch wenn natürlich absolut keine biografischen Parallelen vorliegen. Sagt zumindest die Musikerin. Insgeheim geht es der Kunstfigur deswegen nur rein zufällig um Leben und Tod, aber der Synthie-Pop ist derart bittersüß und wohlig einlullend, dass am Ende ganz klar das Positive überwiegt. Dem Baby sei Dank!

Tracklist:
01) if i had a heart
02) when i grow up
03) dry and dusty
04) seven
05) triangle walks
06) concrete walls
07) now’s the only time i know
08) i’m not done
09) keep the streets empty for me
10) coconut

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Zwei Seiten

Sunday, April 5th, 2009 at 18:03

| aktueller song: tephra - lower |

Kam:as - Neverstate
Vö: 03. April 2009
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 88:15 min
Hit: One Hour Hotel (Part II)
Punkte: 7/10

Kam:as - Neverstate

Kam:as haben zwei Gesichter. Das Album “Neverstate” besteht nämlich nicht nur aus zwei CDs, nein, vielmehr hat gleich die gesamte Band zwei Seiten. Und das ist eine Mischung aus viel Können und einigem Nichtwollen, aus Hingabe und Verweigerung. So könnten Kam:as durchaus kleine, verquergefrickelte Indiehits schreiben, wie sie zum Beispiel ihre Labelkollegen Ter Haar spielen - machen sie unterm Strich aber nicht. Denn jedesmal, wenn man sich gerade durch das Dickicht und den Blätterwald gekämpft hat (siehe Artwork), dann taucht ein Motivwechsel oder die durchaus gewöhnungsbedürftige Stimme auf. Aber das soll wohl auch so sein. Die Furcht vor zu viel Melodiösität schwingt zumindest immer mit. Genau das Gegenteil ist CD 2, eine rein instrumentale 45-minütige Live-Jam-Session - frei, unbekümmert, leicht und locker. Und dafür, dass diese als “Akustikdrama” betitel ist, auch ungewöhnlich milde gestimmt, aber voller Spannung und Abwechslungsreichtum. Die Medaille hat eben zwei Seiten. Zum Glück!

Tracklist:
01) stratosphone
02) no command for access
03) be careful with that hammer
04) the grand control
05) fallout kiss
06) dumbo queen
07) tell’em to lock up
08) this is the beginning of a beautiful ending
09) one hour hotel (part i)
10) one hour hotel (part ii)

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Archiv “Crack_the_skye.zip” hier entpacken

Tuesday, March 31st, 2009 at 19:01

| aktueller song: into the moat - grunt |

Mastodon - Crack The Skye
Vö: 27. März 2009
Label: Relapse / Warner
Länge: 50:03 min
Hit: The Last Baron
Punkte: 8/10

Mastodon - Crack The Skye

Verfluchen wir nicht die technischen Entwicklungen unserer Zeit, den Fortschritt in Nullen und Einsen, der uns so ruhmreiche Erfindungen eingebrockt hat wie rein digitale Sex-Erlebnisse, Pilzrahmsuppe in 58kb-Datenpaketen. Und nicht zuletzt digitale Bemusterungen der Plattenfirmen (für unsereins) beziehungsweise Downloads über iTunes & Co. oder schlimmstenfalls illegale Wege für Normalkonsumenten. Üben wir also keine grundlegende Systemkritik, das ist nun einmal der Lauf der Zeit, zeigen wir stattdessen lieber die Probleme auf, die sich daraus ergeben. Das wären: Rückbildung sexueller Fähigkeit trotz dreimaligem Aufrufen einschlägiger Internetseiten, Rückbildung des Geschmacksinns, da Champignons nur im ZIP-Format der elektronischen Suppe beigemischt werden. Und die Rückbildung jeglichen Verständnisses für Musik als individuelle Form von Kunst. Die wahren Leidtragenden: Mastodon!

Es tut weh, zu sehen, wie viele Gedanken sich Mastodon über ihr aktuelles Album und ihre Musik machen - seitenweise Statements über persönliche Schicksale, die den neuen Sound der Band beeinflussten, ebenso wie Kommentare zu inhaltlichen Konzepten, zur Produktion oder zum Hintergrund des abstrakten Artworks. Das Problem ist aber, in Zeiten von Bits und Bytes sieht man davon nicht viel, außer ein paar MP3s oder HTML-Seiten. Ein Cover von ein paar Hundert Pixel breit und hoch muss vielen das Gefühl und die Wirkung eines ganzheitlich illustrierten Konzepts über Himmel, Weltraum und russische Zaren vermitteln.

Doch eigentlich haben Mastodon alles richtig gemacht. Wahrlich alles! “Crack the skye” sind nicht nur bloß sieben Songs, bei denen es um eine multidimensionale Reise geht, in der der Hauptcharakter seinen entstellten Körper verlässt, in den Weltraum reist, zu dicht an die Sonne kommt, in ein Wurmloch gezogen und daraufhin in die Sphäre der Geister katapultiert wird, diese überzeugen muss, dass er selbst keiner ist, um daraufhin von einer russischen Sekte ins frühe 20. Jahrhundert geschleust zu werden, in Rasputins Körper erwacht, nach dem Mordanschlag ins Reich des Teufels kommt und um dann - endlich - in die Gegenwart zurückzukehren. Nein, “Crack the skye” vielmehr ist eine verdammte Achterbahnfahrt! Immer bergauf und bergab, im Sekundentakt zwischen Kopf und Magen hin und her.

Sieht man nun einmal von den Haupteinflüssen Thin Lizzy, Iron Maiden, Neurosis und Melvins ab, gibt es noch genau zwei Dinge, wegen denen Mastodon mittlerweile so gewaltig und gleichzeitig vertiefter als jemals zuvor klingen: zum einen Brent Hinds schwere Kopfverletzung nach der VMA-Schlägerei, zum anderen Produzent Brendan O’Brien. Letzter verlieh Mastodon einen noch größer angelegten Sound, rauer und rockiger, bei wesentlich mehr Raum für Gesang und Mehrstimmigkeit, auch wenn dafür das Geschrei weichen musste. Keiner wird es vermissen. Dafür sind Mastodon intimer denn je, nicht nur aufgrund der persönlichen Texte, die auch Brann Dailors verstorbener Schwester Skye gewidmet sind. Alles in allem eine Menge Stoff, für den die 50 Minuten kaum ausreichen, zumal die Hälfte der Botschaft im Jahr 2009 bei manchen im Nullen-und-Einsen-Wahn untergehen wird. Ab in den Plattenladen!

Tracklist:
01) oblivion
02) divinations
03) quintessence
04) the czar (i. usurper ii. escape iii. martyr iv. spiral)
05) ghost of karelia
06) crack the skye (feat. scott kelly)
07) the last baron

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Die Wurmzüngler

Thursday, March 19th, 2009 at 23:32

| aktueller song: anders teglund - i whisper, he lives |

Scraps Of Tape - Grand Letdown
Vö: 20. März 2009
Label: Zankyo / Tenderversion / Al!ve
Länge: 41:52 min
Hit: The Long Silence
Punkte: 7/10

Scraps Of Tape - Grand Letdown

Scraps Of Tape sind das Chamäleon unter den Bands: bunt, anpassungsfähig sowie gut und böse in einem. Faszinierende Wesen. Und dabei ist es egal, von welcher Seite man nun “Grand letdown” betrachtet. Das geht schon bei der Artenvielfalt dieser Viecher los, bei der es ungefähr 160 verschiedene gibt. Und von annähernd so vielen Musikrichtungen ließen sich Scraps Of Tape beeinflussen. Ganz offensichtlich ist das natürlich Postrock, doch die schon fast songorientierte Herangehensweise, der mittlerweile um ein Vielfaches vermehrte Gesang und die Vielzahl der einprägsamen Melodiebögen deuten aber auch auf eine ganze andere Gattung hin: Popmusik. Huch!

Doch noch viel mehr sind Chamäleons ja für ihre Anpassungsfähigkeit, ihre Farbwechsel und Rundumblick bekannt. All diese Eigenschaften haben sich auch Scraps Of Tape angeschafft, aus zwei Gründen sogar: Tarnung und Beeindruckung. So ist es also absolut nicht negativ gemeint, wenn man Scraps Of Tape anlässlich von “Grand letdown” Veränderund unterstellt. Sie sind tatsächlich eingängiger und zugänglicher geworden. Sie passen sich an, nicht dem Zeitgeist, sondern der künstlerischen Umwelt und dem herausfordernden musikalischem Umfeld. Das hat den Vorteil, dass sie nicht in der Postrock-Evolution gnadenlos gefressen werden, gleichzeitig aber auch weit über diesen Rand hinausschauen. Eines der besten Beispiele hierfür könnte “Filler” sein: Im Original von Minor Threat könnte hingegen diese Coverversion auch von Jeniferever stammen. Eine gute Mischung. Oder “The long silence” mit seinem Einschlag von The Appleseed Cast. Auch das Namedropping will schlie&szliglichüberleben.

Man sagt ja auch nicht umsonst, dass Chamäleons als Symbol für die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelten. So überwinden Scraps Of Tape in ihren Liedern angestaubten Postrock, nervigen Indierock und vor allem ihren Schatten. Dabei schaffen sie ihre ganz eigene Version zeitgenössischer Musik: oft härter als naheliegende Referenzen, oft aber auch weicher und intensiver. Das hat Zukunft. Ein weiterer fragwürdiger Mythos besagt, dass Frauen keine Chamäleons anschauen sollten, da sich sonst niemand für sie interessieren wird. Doch das ist Quatsch: 87% aller “Grand letdown”-Hörerinnen haben jetzt viel mehr Sex. Und besseren!

Tracklist:
01) bring the heavy
02) the long silence
03) the blindspot
04) linear opticts
05) filler (minor threat cover)
06) grand letdown
07) five fingers
08) brick by brick, building your own house
09) love them anyway
10) eric (carpet people cover)
11) master blaster

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