Zwei Seiten

Sunday, April 5th, 2009 at 18:03

| aktueller song: tephra – lower |

Kam:as – Neverstate
Vö: 03. April 2009
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 88:15 min
Hit: One Hour Hotel (Part II)
Punkte: 7/10

Kam:as - Neverstate

Kam:as haben zwei Gesichter. Das Album “Neverstate” besteht nämlich nicht nur aus zwei CDs, nein, vielmehr hat gleich die gesamte Band zwei Seiten. Und das ist eine Mischung aus viel Können und einigem Nichtwollen, aus Hingabe und Verweigerung. So könnten Kam:as durchaus kleine, verquergefrickelte Indiehits schreiben, wie sie zum Beispiel ihre Labelkollegen Ter Haar spielen – machen sie unterm Strich aber nicht. Denn jedesmal, wenn man sich gerade durch das Dickicht und den Blätterwald gekämpft hat (siehe Artwork), dann taucht ein Motivwechsel oder die durchaus gewöhnungsbedürftige Stimme auf. Aber das soll wohl auch so sein. Die Furcht vor zu viel Melodiösität schwingt zumindest immer mit. Genau das Gegenteil ist CD 2, eine rein instrumentale 45-minütige Live-Jam-Session – frei, unbekümmert, leicht und locker. Und dafür, dass diese als “Akustikdrama” betitel ist, auch ungewöhnlich milde gestimmt, aber voller Spannung und Abwechslungsreichtum. Die Medaille hat eben zwei Seiten. Zum Glück!

Tracklist:
01) stratosphone
02) no command for access
03) be careful with that hammer
04) the grand control
05) fallout kiss
06) dumbo queen
07) tell’em to lock up
08) this is the beginning of a beautiful ending
09) one hour hotel (part i)
10) one hour hotel (part ii)

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Tuesday, March 31st, 2009 at 19:01

| aktueller song: into the moat – grunt |

Mastodon – Crack The Skye
Vö: 27. März 2009
Label: Relapse / Warner
Länge: 50:03 min
Hit: The Last Baron
Punkte: 8/10

Mastodon - Crack The Skye

Verfluchen wir nicht die technischen Entwicklungen unserer Zeit, den Fortschritt in Nullen und Einsen, der uns so ruhmreiche Erfindungen eingebrockt hat wie rein digitale Sex-Erlebnisse, Pilzrahmsuppe in 58kb-Datenpaketen. Und nicht zuletzt digitale Bemusterungen der Plattenfirmen (für unsereins) beziehungsweise Downloads über iTunes & Co. oder schlimmstenfalls illegale Wege für Normalkonsumenten. Üben wir also keine grundlegende Systemkritik, das ist nun einmal der Lauf der Zeit, zeigen wir stattdessen lieber die Probleme auf, die sich daraus ergeben. Das wären: Rückbildung sexueller Fähigkeit trotz dreimaligem Aufrufen einschlägiger Internetseiten, Rückbildung des Geschmacksinns, da Champignons nur im ZIP-Format der elektronischen Suppe beigemischt werden. Und die Rückbildung jeglichen Verständnisses für Musik als individuelle Form von Kunst. Die wahren Leidtragenden: Mastodon!

Es tut weh, zu sehen, wie viele Gedanken sich Mastodon über ihr aktuelles Album und ihre Musik machen – seitenweise Statements über persönliche Schicksale, die den neuen Sound der Band beeinflussten, ebenso wie Kommentare zu inhaltlichen Konzepten, zur Produktion oder zum Hintergrund des abstrakten Artworks. Das Problem ist aber, in Zeiten von Bits und Bytes sieht man davon nicht viel, außer ein paar MP3s oder HTML-Seiten. Ein Cover von ein paar Hundert Pixel breit und hoch muss vielen das Gefühl und die Wirkung eines ganzheitlich illustrierten Konzepts über Himmel, Weltraum und russische Zaren vermitteln.

Doch eigentlich haben Mastodon alles richtig gemacht. Wahrlich alles! “Crack the skye” sind nicht nur bloß sieben Songs, bei denen es um eine multidimensionale Reise geht, in der der Hauptcharakter seinen entstellten Körper verlässt, in den Weltraum reist, zu dicht an die Sonne kommt, in ein Wurmloch gezogen und daraufhin in die Sphäre der Geister katapultiert wird, diese überzeugen muss, dass er selbst keiner ist, um daraufhin von einer russischen Sekte ins frühe 20. Jahrhundert geschleust zu werden, in Rasputins Körper erwacht, nach dem Mordanschlag ins Reich des Teufels kommt und um dann – endlich – in die Gegenwart zurückzukehren. Nein, “Crack the skye” vielmehr ist eine verdammte Achterbahnfahrt! Immer bergauf und bergab, im Sekundentakt zwischen Kopf und Magen hin und her.

Sieht man nun einmal von den Haupteinflüssen Thin Lizzy, Iron Maiden, Neurosis und Melvins ab, gibt es noch genau zwei Dinge, wegen denen Mastodon mittlerweile so gewaltig und gleichzeitig vertiefter als jemals zuvor klingen: zum einen Brent Hinds schwere Kopfverletzung nach der VMA-Schlägerei, zum anderen Produzent Brendan O’Brien. Letzter verlieh Mastodon einen noch größer angelegten Sound, rauer und rockiger, bei wesentlich mehr Raum für Gesang und Mehrstimmigkeit, auch wenn dafür das Geschrei weichen musste. Keiner wird es vermissen. Dafür sind Mastodon intimer denn je, nicht nur aufgrund der persönlichen Texte, die auch Brann Dailors verstorbener Schwester Skye gewidmet sind. Alles in allem eine Menge Stoff, für den die 50 Minuten kaum ausreichen, zumal die Hälfte der Botschaft im Jahr 2009 bei manchen im Nullen-und-Einsen-Wahn untergehen wird. Ab in den Plattenladen!

Tracklist:
01) oblivion
02) divinations
03) quintessence
04) the czar (i. usurper ii. escape iii. martyr iv. spiral)
05) ghost of karelia
06) crack the skye (feat. scott kelly)
07) the last baron

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Die Wurmzüngler

Thursday, March 19th, 2009 at 23:32

| aktueller song: anders teglund – i whisper, he lives |

Scraps Of Tape – Grand Letdown
Vö: 20. März 2009
Label: Zankyo / Tenderversion / Al!ve
Länge: 41:52 min
Hit: The Long Silence
Punkte: 7/10

Scraps Of Tape - Grand Letdown

Scraps Of Tape sind das Chamäleon unter den Bands: bunt, anpassungsfähig sowie gut und böse in einem. Faszinierende Wesen. Und dabei ist es egal, von welcher Seite man nun “Grand letdown” betrachtet. Das geht schon bei der Artenvielfalt dieser Viecher los, bei der es ungefähr 160 verschiedene gibt. Und von annähernd so vielen Musikrichtungen ließen sich Scraps Of Tape beeinflussen. Ganz offensichtlich ist das natürlich Postrock, doch die schon fast songorientierte Herangehensweise, der mittlerweile um ein Vielfaches vermehrte Gesang und die Vielzahl der einprägsamen Melodiebögen deuten aber auch auf eine ganze andere Gattung hin: Popmusik. Huch!

Doch noch viel mehr sind Chamäleons ja für ihre Anpassungsfähigkeit, ihre Farbwechsel und Rundumblick bekannt. All diese Eigenschaften haben sich auch Scraps Of Tape angeschafft, aus zwei Gründen sogar: Tarnung und Beeindruckung. So ist es also absolut nicht negativ gemeint, wenn man Scraps Of Tape anlässlich von “Grand letdown” Veränderund unterstellt. Sie sind tatsächlich eingängiger und zugänglicher geworden. Sie passen sich an, nicht dem Zeitgeist, sondern der künstlerischen Umwelt und dem herausfordernden musikalischem Umfeld. Das hat den Vorteil, dass sie nicht in der Postrock-Evolution gnadenlos gefressen werden, gleichzeitig aber auch weit über diesen Rand hinausschauen. Eines der besten Beispiele hierfür könnte “Filler” sein: Im Original von Minor Threat könnte hingegen diese Coverversion auch von Jeniferever stammen. Eine gute Mischung. Oder “The long silence” mit seinem Einschlag von The Appleseed Cast. Auch das Namedropping will schlie&szliglichüberleben.

Man sagt ja auch nicht umsonst, dass Chamäleons als Symbol für die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelten. So überwinden Scraps Of Tape in ihren Liedern angestaubten Postrock, nervigen Indierock und vor allem ihren Schatten. Dabei schaffen sie ihre ganz eigene Version zeitgenössischer Musik: oft härter als naheliegende Referenzen, oft aber auch weicher und intensiver. Das hat Zukunft. Ein weiterer fragwürdiger Mythos besagt, dass Frauen keine Chamäleons anschauen sollten, da sich sonst niemand für sie interessieren wird. Doch das ist Quatsch: 87% aller “Grand letdown”-Hörerinnen haben jetzt viel mehr Sex. Und besseren!

Tracklist:
01) bring the heavy
02) the long silence
03) the blindspot
04) linear opticts
05) filler (minor threat cover)
06) grand letdown
07) five fingers
08) brick by brick, building your own house
09) love them anyway
10) eric (carpet people cover)
11) master blaster

© written for plattentests

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Erster Eindruck: Stockholm

Tuesday, March 17th, 2009 at 16:11

| aktueller song: idiot pilot – good luck |

Erster Eindruck: Stockholm
(März 2009)

Metroplan Stockholm

Jeder schwärmt von Stockholm. Zwar weiß man nie genau, warum überhaupt, aber meist hat diese Person damit Recht. Teilweise zumindest. Denn eigentlich hat Stockholm gleich mehrere Probleme: Es sieht aus wie Budapest, ist dabei nur nicht ganz so schön. Zudem kann man im Frühjahr das Wetter getrost als mies beschreiben. Und überhaupt ist nicht alles Gold was glänzt. Letzteres gilt besonders für gern und auffällig getragene bunte Leggings. Leider sind die nämlich nicht immer von Vorteil. Natürlich sieht die durchschnittliche schwedische Hausfrau besser aus als ihr deutsches Pendant, die Anfang 20-Jährigen sowieso, aber das ist noch lange kein Freifahrtsschein für alle Freizügigkeiten. Es liegt aber vielleicht auch am englischen Flair, das über ganz Stockholm liegt: Die schwenglische Sprache, das Wetter, die Preise, die Kultur der jungen Generation. Großteils besteht die aus dem Zeigen, was man hat, gepaart mit einem Leben im gefühlten Individualismus, der schon längst Mainstream geworden ist. Es ist ein Spagat zwischen Kunst und Kommerz, Stilsicherheit und Überbetonungen, ein Zwist zwischen königlicher Küche und McDonalds. Zweiteres wird meist bevorzugt, auch wenn die Cafés, Bars und Restaurant wirklich hübsch und einladend aussehen. Es muss an den Preisen liegen. Doch der vermeintliche Vorteil ist, Stockholm ist nicht so hipp und pseudo wie London, sondern deutscher als einem lieb sein mag: adrett, entgegenkommend und vor allem gemütlich. Es ist quasi das Düsseldorf von Nordeuropa, wenn auch mit etwas mehr jugendlichem Flair, aber auch nicht weniger dekadent. Außerdem ist es trotz seiner Größe ähnlich überschaubar wie Hamburg, wobei man den Vergleich eigentlich umdrehen müsste, denn bekanntlich möchte Hamburg ja eher Stockholm sein. Warum auch immer. Und wenn dann noch ein Ostdeutscher das Highlight der ersten Stockholm-Tage darstellt – die Ausstellung von Andreas Gursky – dann ist die Desillusion perfekt. Und die rosarote Seifenblase geplatzt.

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Knapp daneben

Wednesday, March 4th, 2009 at 01:49

| aktueller song: imogen heap – have you got it in you? |

Scale The Summit – Carving Desert Canyons
Vö: 20. März 2009
Label: Prosthetic / Soulfood
Länge: 39:51 min
Hit: Sargasso Sea
Punkte: 6/10

Scale The Summit - Carving Desert Canyons

Es gibt ärgerliche Momente im Leben: Zwei Punkte an der nächst besseren Abiturnote vorbei gerutscht zu sein, beim Rekordversuch im Massenluftgitarrenspielen fünf Leute zu wenig akquiriert zu haben oder eben auf seinem Album vergessen, die Stimme aufzunehmen. So geschehen bei Scale The Summit. Fast hätte es ja sogar geklappt, auch ohne Sänger ein rundum gutes Instrumentalalbum einspielen, doch das obligatorische Quäntchen fehlte halt doch einfach. Knapp daneben ist bekanntlich auch vorbei. Das Gute dabei ist aber, dass auf “Carving Desert Canyons” trotzdem keiner den Kopf in den Sand steckt. Vielmehr spielen Scale The Summit froh und munter drauflos, haben auch keine Angst wie ihre alte Helden um ein Haar einmal zu viel zu frickeln, um danach aber recht zügig den Bocken über solide stampfende Metalparts zurück zur Melodie zu spannen. Das ist wirklich spannend und abwechslungsreich, zu keinem Zeitpunkt so langatmig wie so mancher Postrock und auch bei weitem nicht so nervig wie quietschiger Mathrock. Trotzdem: An zwei oder drei Stellen einen stimmlichen Überraschungseffekt eingesetzt, dann würde man sich im Nachhinein weniger ärgern. Beim nächsten Mal eben.

Tracklist:
01) bloom
02) sargasso sea
03) great plains
04) dunes
05) age of the tide
06) glacial planet
07) city in the sky
08) giants

© written for fuze magazine

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Der Schnarcheffekt

Thursday, February 26th, 2009 at 21:25

| aktueller song: frittenbude – superschnitzellovesong |

The Sorrow – Origin Of The Storm
Vö: 27. Februar 2009
Label: Drakkar / Sony BMG
Länge: 38:58 min
Hit: -
Punkte: 2/10

The Sorrow - Origin Of The Storm

Der Überfluss ist die Mutter der Langeweile. Sagt man ja so. Und da hat der Volksmund ausnahmsweise sogar einmal Recht, auch wenn viele ähnlich goldene Lebensweisheiten gerne ins Reich der Märchen abgeschoben werden dürfen. The Sorrow kennen sich aber scheinbar mit beidem bestens aus: Weisheiten und Metalmythen. Zudem sind sie in Sachen Langeweile mittlerweile sogar Spitzenreiter – “Origin of the storm” zeigt das von vorne bis hinten sehr eindrucksvoll.

Denn die Langeweile ist in der Tat ganz vorne mit dabei, nämlich bereits beim Cover: Ein Schiff inmitten starken Wellengangs, Blitze und Donner, dunkle Wolken. Gepaart mit dem Metalcore-Unwort der letzten fünf Jahre – Sorrow – und der weltweit abgedroschensten Schnörkelschriftart, wäre es also absolut nicht verwunderlich, würde man schon vor dem Einlegen der CD wegschnarchen. Wegen des äußerst innovativen Artworks wird demnach schon mal keiner zu “Origin of the storm” greifen. Doch es geht ja vorrangig auch um die inneren Werte, die Musik sozusagen.

Aber, um bei den Weisheiten zu bleiben: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. So sind The Sorrow hörbar von Trivium, Killswitch Engage, Lamb Of God oder auch Amon Amarth beeinflusst worden, klingen aber maximal wie die kleinen Enkel, die sich gerade imitierend das Sprechen abschauen. Der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm. Später wollen The Sorrow nämlich auch einmal groß und berühmt werden, deswegen versuchen sie erst gar nicht irgendeinem der dreizehn Lieder eine persönliche Eigenheit beizumischen. Das Bekannte hat sich ja auch erfolgreich bewährt.

Vielmehr geht deswegen ein Klischee fließend in das nächste über: Ob nun das klassische Klavierintro, der schon 76mal gehörte Einstieg in den Opener “Where is the sun?”, überhaupt fast alle unspektakulären Standardriffs oder auch die lustlos runtergesungenen Caliban’schen Refrains von Songs, die so heißen wie Sprüche aus einem Lexikon der peinlichsten Metal-Phrasen – manchmal möchte man sich für soviel Unkreativität fremdschämen. Gut, es ist ja nicht so, dass “Origin of the storm” durch und durch schlecht wäre. Immerhin hat Produzent Toni Meloni der Platte zu einem guten Sound verholfen. Aber: Wie kann man eine Band als Künstler wirklich ernstnehmen, wenn diese einmal das Metalcore-Genre von oben und nach unten durchkopiert, dabei die guten Ansätze ausklammert und am Ende sich auch noch selbst auf nur einem Album 13mal wiederholt? Das ist Überfluss und Überdruss in einem, völlig pur. Der Ursprung der Langeweile.

Tracklist:
01) apnoia
02) where is the sun?
03) my immortal guardian
04) scars
05) eyes of darkness
06) raising the devil
07) anchor in the storm
08) from this day on
09) heaven is no place for us
10) tempestuous
11) collector of tears
12) faceless
13) day of the lord

© written for plattentests

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Gewinnspiel: Universal vs. Echo 2009

Sunday, February 22nd, 2009 at 01:14

| aktueller song: war from a harlots mouth – scully |

Gewinnspiel: Universal vs. Echo 2009

Echo 2009

Eigentlich ist die Echo-Verleihung ja absolut keine News mehr wert, aber trotzdem berichtet jeder. Komisch. Vielleicht liegt es daran, dass sich der Initiator, die Deutsche Phono-Akademie, endlich zum wahren Sinn der Veranstaltung bekennt: Es geht nicht um Qualität von Musik, sondern die Ehrung der “erfolgreichsten Künstler und Produzenten des jeweils zurückliegenden Jahres” – sprich die, die den meisten Umsatz erzielt haben. Ein Eingeständnis immerhin.

Wie langweilig, eingeschlafen, künstlerisch wertlos und zeitlich hinterher der Preis mittlerweile ist, auch wenn er nach eigenen Aussagen “zu den weltweit prestigeträchtigsten Auszeichnungen seiner Art” gehört, zeigt sich am Beispiel des Marktführers Universal Music Group. 11 von 27 Preise gingen dabei an 9 verschiedene Künstler von Universal Music. Glückwunsch! Und auch Frank Briegmann, President & CEO von Universal Music Deutschland freut sich riesig: “Natürlich freue ich mich besonders, dass wieder einmal so viele Künstler aus unserem Haus zu den Preisträgern gehören. Wir sehen das als Bestätigung unserer Strategie, die auf eine kontinuierliche Entdeckung neuer Talente und den Ausbau langjähriger Partnerschaften setzt.”

Für Universal Music haben in diesem Jahr gewonnen:

Amy Winehouse
Kategorie Künstlerin International Rock/Pop
Album des Jahres National/International

Rosenstolz
Kategorie Bestes Video National
Ehrenecho für soziales Engagement

Stefanie Heinzmann
Kategorie Künstlerin National Rock/Pop

Ich+Ich
Kategorie Gruppe National Rock/Pop

Kastelruther Spatzen
Kategorie Gruppe Volkstümliche Musik

Die Ärzte
Kategorie Gruppe Rock/Alternative/Heavy Metal

Amy MacDonald
Kategorie Bester Newcomer International

Till Brönner
Kategorie Künstler National/International Erfolgreichste Jazzproduktion

Lionel Richie
Sonderpreis

Quizfrage: Wo sind die “kontinuierlich neu entdeckten Talente”?

Einsendugen werden unbegrenzt angenommen und der Gewinner bekommt ein Package aller Alben eben dieser jungen Universal-Talente.

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Proberaum I/II

Monday, February 16th, 2009 at 19:10

| aktueller song: luomo & apparat – love you all |

War From A Harlots Mouth
(November 2008)

War From A Harlots Mouth

Ab mehr oder weniger gleich ist das Studio für die Aufnahmen des kommenden Albums gebucht, doch War From A Harlots Mouth werkeln im Proberaum auf den letzten Drücker noch eifrig an Songs, Riffs und Abstimmung – hauptsächlich reißen sie aber Zoten! Zwischen Bier und Cola findet sich kurz Zeit einmal nachzufragen, was man also überhaupt im Proberaum so lernt:

Nico (Gesang): Man ist zu fünft im Proberaum, ist kreativ und findet heraus, dass die anderen auf dem gleichen Level sind wie man selbst. Es ist erstaunlich, wie ähnlich man in Bezug auf die Musik tickt. Es ist schön sowas zu entdecken. Wir sitzen im gleichen Boot und rudern nach vorne in dieselbe Richtung.

Daniel (Gitarre): Die eigenen Songs “tight” zu spielen. Oder im Sommer, bei verstärkten Ausdünstungen aller Beteiligten, auch mal mit verringerter Atemfrequenz zu funktionieren. Das hilft gerade live, vor allem unter klimatisch schwierigen Bedingungen immer noch “professionell” auszusehen.

Simon (Gitarre): Da der Sound im Proberaum stets beschissen ist, lernt man das, was man spielen muss, auch unter dürftigen Bedingungen ordentlich zu spielen.

Filip (Bass): Songs auswendig. Außerdem lernt man Kompromisse zu machen und die wichtige Lektion, dass ein wenig Aufräumen immer eine Verbesserung bedeutet.

Paul (Schlagzeug): Dass man als Musiker in einer Band nicht immer seinen Willen durchsetzen kann, sondern allen Ideen und Vorstellungen eine Chance geben muss. Das fällt manchmal schwer, denn Geschmäcker sind bekanntermaßen verschieden, aber es ist unabdingbar, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

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Für Dummies: Projektmanagement

Sunday, February 15th, 2009 at 23:28

Geld-Qualitäts-Zeit-Modell:

  1. Wenn gut und schnell, dann nicht billig
  2. Wenn schnell und billig, dann nicht gut
  3. Wenn gut und billig, dann nicht schnell

CC-Funktion / Antworten alle:

Jedes halbwegs moderne Mailprogramm besitzt eine CC-Funktion (Carbon copy), mit der mehrere Empfänger gleichzeit erreicht werden können. Zum Antworten gibt es entsprechend die Funktion “Antworten alle”. Ziemlich hilfreich, wenn man nicht alles 5-mal sagen will.

Betreffs:

Egal ob Briefe, Einladungen, ganz besonders aber bei Mails: Betreffs dürfen sich durchaus auf den Inhalt beziehen, was automatisches Sortieren, Weiterleiten, Einordnen nach Wichtigkeit und vor allem späteres Suchen erheblich vereinfacht.

Briefung-Ergebnis-Modell:

Ganz banal: Je schlechter das Briefing desto schlechter das Ergebnis.

Projektablauf (ideal):

  1. Definition: Analyse von Aufgaben, Problemen und Potentialen. Bestimmen von Zielen, Inhalten, Kosten, Ausmaß und Zeitumfang. Machbarkeit festlegen
  2. Auftrag: Zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
  3. Planung: Teamorganisation. Aufstellen von Aufgabenplänen, Abläufen, Terminen, Kapazitäten, Kommunikationsmethoden, Kostenplänen. Konzeptionierung eines sinnvollen Risikomanagements
  4. Durchführung / Kontrolle: Durchführung des Projekts bei gleichzeitiger Kontrolle, gegebenenfalls Planungsänderungen und Korrekturmaßnahmen. Controlling und Dokumentation des Projektfortschritts
  5. Abschluss: Reflektion und Präsentation von Auswertungen und Ergebnissen. Unter Umständen: Projektabbruch

Projektablauf (real):

  1. Enthusiastische Begeisterung
  2. Plötzliche Verwirrung
  3. Totale Ernüchterung
  4. Suche nach dem Schuldigen
  5. Bestrafung eines Unschuldigen
  6. Auszeichnung eines völlig Unbeteiligten
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Alter und Schönheit

Friday, February 13th, 2009 at 18:42

| aktueller song: larvae – the voice collapse |

Thursday – Common Existence
Vö: 13. Februar 2009
Label: Epitaph / SPV
Länge: 44:58 min
Hit: Beyond The Visible Spectrum
Punkte: 8/10

Thursday - Common Existence

Thursday werden alt. Das kann man an vielen Sachen erkennen: Den nicht mehr ganz so jugendlich aussehenden Promobildern mit Fokus auf tiefen Augenringen, der mittlerweile beachtlichen Veröffentlichungsliste mit einer EP, einer völlig unterbewerteten Split-CD mit Envy, fünf Studioalben sowie dem Klassiker jeder Band, die den Absprung verpasst hat – eine Best-of mit beiliegender DVD. Hinzu kommen: mehr Trennungsgerüchte als ein Jahr einzelne Tage hat, kreative Differenzen mit dem Ex-Majorlabel und mit sich selbst sowie nicht zuletzt der baldige 30. Geburtstag von Sänger Geoff Rickly. Ab dann wird es bekanntlich schwierig, im Haifischbecken der jungen wilden Bands noch so richtig Hardcore sein zu wollen. Im Umkehrschluss jedoch hat das Älterwerden auch seine guten Seiten: Man wird in der Regel genügsamer, anspruchsvoller, umgänglicher und vielleicht sogar zufriedener. All das hört man “Common existence” an.

Vor allem ist es ein guter Querschnitt, der gewissermaßen zwischen jugendlicher Intensität und der früheren Rohheit schwankt, gleichzeitig aber auch in sich wesentlich komplexer, homogener und verspielter wirkt. “Resuscitation of a deadman” und “Last call” erinnern dabei noch am ehesten an ältere Veröffentlichungen. Spätestens aber ab “As he climbed the darkmountain”, das man schon von der erwähnten Envy-Split kennt, zeigt sich die Weiterentwicklung deutlich: zurück zum Geschrei und hin zum gedankenversunkenen Ende. Überhaupt ist “Common existence” auf kompletter Länge erfreulich agil und abwechslungsreich. Manche werden daher behaupten, die Band sei jetzt endlich auf dem Zenit ihrer Karriere und das hier wäre die eigentliche Best-of. Besonders “Beyond the visible spectrum”, das balladenhafte “Time’s arrwow” und das postrockige “Circuits of fever” unterstreichen solche Gedanken. Von wegen altgewordene Emo-Band!

Erstaunlich ist allerdings nicht nur, wie konsequent Thursday ihre Entwicklung fortführen, sondern auch, wie selbstverständlich sie dies tun. Als sei es völlig normal, zu einem Zeitpunkt noch einmal derart aufzublühen, an dem viele die Band schon abgeschrieben haben. Je länger das Album dauert, desto mehr tasten sich Thursday an andere, neue Ufer heran. So könnte ein Song wie “Love has led us astray” auch gut und gerne von fortgeschrittenen Träumern wie The Appleseed Cast stammen. Und doch schließt sich im finalen “You were the cancer”, an dessen Ende auch noch einmal geschrien werden darf, der Kreis zum Anfang. Verweichlichung kann der Band also niemand vorwerfen. Nur die üblichen Pogo-Hits darf man vermissen. Aber aus dem Alter sind Thursday ja mittlerweile raus.

Tracklist:
01) resuscitation of a deadman
02) last call
03) as he climbed the darkmountain
04) friends in the armed forces
05) beyond the visible spectrum
06) time’s arrow
07) unintended long term effects
08) circuits of fever
09) subway funeral
10) love has led us astray
11) you were the cancer

© written for plattentests

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