Archive for April, 2009

Dummfang

Saturday, April 18th, 2009 at 15:35

| aktueller song: *shels – in dead palm fields |

Maroon – Order
Vö: 17. April 2009
Label: Century Media / EMI
Länge: 47:11 min
Hit: Schatten
Punkte: 3/10

Maroon - Order

André Moraweck bringt es in Unclesally*s auf den Punkt: “Im Osten sehen wir das pragmatisch: Wenn du ein Album ‘Cryptic enslaved malefaction of desire’ nennst, kriegt das nie einer zusammen.” Und im Grunde hat er damit selbst bereits alles Wichtige gesagt: Maroon machen es diesmal auf die ganz simple Tour, weil Ossis ja scheinbar geistig etwas beschränkt sind. Schönen Dank auch! Aber das eine bedingt ja nicht selten das andere, und schlussendlich ergibt sich daraus die Huhn-oder-Ei-Frage: Wurden die Ossis so einfältig im Hirn, weil sie täglich Maroons plumpen Metal ertragen mussten? Oder umgekehrt: Maroon so einfallslos, weil die Nordthüringer Heimat so dermaßen trostlos ist und dort nur Hirnis rumrennen? Man weiß es nicht.

Halten wir allerdings fest: Die einen haben zwar des Öfteren wirklich nicht alle Latten am Zaun, die anderen – sprich Maroon – müssen deswegen aber nicht gleich mit dem Vorschlaghammer drauflos keulen. Denn genau so hört sich “Order” an: Wie für Kloppies. So bekommen Ronny und Kevin einfach durchweg böse Gitarren mit fiesem Getrommel und Standardgeschrei eingetrichtert, da müssen sie aber immerhin um keine zwei Ecken mitdenken. Selbst die nicht ganz so ostdeutschen Titelparolen wie “Bombs over ignorance” oder “Stay brutal” kriegt Maik beim Mitgröhlen hin. Glückwunsch! Das klingt dann zwar in der Aussprache etwas provinzieller, unterstreicht aber den plakativen Charakter. Trueness und so!

Doch das allergrößte Problem ist vielmehr: Maroon führen sich selbst ad absurdum. Und auch bei allem Jux, genau dieser Punkt ist wirklich schade. Da kann es nämlich inhaltlich noch fünfzig Mal um kritische Worte bezüglich Religiosität, der Rolle des Staats, der Familie, von Freundschaft oder sonstwas gehen – die Botschaft scheitert ganz klar im Vermittlungsprozess. Manchmal ist das wie in der Politik: Entweder kapiert es keiner oder wir mündigen Subjekte werden als total blöd verkauft. In diesem Fall eher Zweiteres. Unter Maroons belanglosem, großteils gar einfallslosem melodischen Death Metal geht schlussendlich jegliches Interesse verloren, sich als Hörer tiefer mit Inhalten beschäftigen zu wollen. Nicht jeder ist eben so blöd wie er für gehalten wird!

Tracklist:
01) morin heights
02) erode
03) stay brutal
04) a new order
05) bleak
06) this ship is sinking
07) call of telah
08) leave you scared & broken
09) children of the next level
10) bombs over ignorance
11) wolves at the end of the street
12) schatten

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Bandname gesucht!

Monday, April 13th, 2009 at 22:09

| aktueller song: from oceans to autumn – reach |

Callisto – Providence
Vö: 03. April 2009
Label: Fullsteam / Rough Trade
Länge: 68:24 min
Hit: In Session
Punkte: 6/10

Callisto - Providence

Die Musikgeschichte ist voll mit Beispielen: Bands wechseln Labels, verlegen ihre Wohnsitze, tauschen Produzenten aus, rotieren in ihren Besetzungen, eines bleibt aber kontinuierlich gleich – der Bandname! Selbst dann, wenn sich nicht nur der Sound einmal um die eigene Achse gedreht hat, sondern die gesamte Band gleich mit. Viele scheitern daran – oft auch zu Recht – manche werden dabei aber erstaunlicherweise sogar besser. Poison The Well zum Beispiel. Bei Callisto wird sich das erst noch rausstellen.

Das Verwunderliche ist nur, dass im Grunde eigentlich gar nicht so viel passiert ist: Callisto sind immer noch Finnen, veröffentlichen auch “Providence” wie gewohnt über Fullsteam Records, und Christen sind sie auch noch. So weit so langweilig. Einzige Änderung ist nun, dass Jani Ala-Hukkala mit diesem Album neu als Sänger hinzugekommen ist. Auch das ist im Wesentlichen keine Zwei-Zeilen-News wert, würde sich dadurch nicht die komplette Band verändern. Warum auch immer. Zeitweilig sogar erheblich zum Langweiligen.

Gerade im Vergleich zu dem früheren Minialbum “Ordeal of the century” oder dem nicht nur namentlich tiefschwarzem “Noir” wirken Callisto, als sei ihnen inzwischen die große religiöse Eingebung gekommen und dürften sie sich nun zur Ruhe setzen. Zwar betreten sie mit dem andersartigen Gesang in “Dead weight” durchaus neue Gefilde, die besseren Sludge-Songs haben sie trotzdem früher geschrieben. Bis auf den mitreißenden zweiten Part von “In session” oder das experimentellere “New Canaan” spielen ohnehin zu viele Songs im mittleren Tempo, nicht selten auch mit trocken monotonen Melodien wie von Katanonia.

Überhaupt drückt die Stimme von Jani Ala-Hukkala dem ganzen Album einen neuen Stempel auf. Und das eben nicht nur im stimmlichen Bereich. Geschrien wird selten im Vergleich zu früher, sogar fast gar nicht mehr, genauso wie Anleihen von Celestine, Transmission0 oder Amenra nahezu vollständig verschwunden sind. Klar: Das muss natürlich nicht alles schlecht sein, ist es nämlich auch nicht, denn jedem Songs kann man durchaus seine spannenden Parts abgewinnen. Und das sollte man “Providence” hoch anrechnen, gerade auch bei einer Spielzeit von fast 70 Minuten, die zwar ihre Durchhänger haben, aber trotzdem nicht langweilig werden. Dies sind aber ganz einfach nicht mehr Callisto, sondern quasi eine neue Band, die früher zufällig genauso hieß. Neue Namensvorschläge leiten wir gerne weiter.

Tracklist:
01) in session
02) rule the blood
03) covenant colours
04) eastern era
05) new canaan
06) stasis
07) where the spirits tread
08) dead weight
09) drying mouths (in a gasping land)
10) providence

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Babypause

Sunday, April 5th, 2009 at 18:08

| aktueller song: neil on impression – irlanda |

Fever Ray – Fever Ray
Vö: 27. März 2009
Label: Rabid / V2 / Cooperative / Universal
Länge: 48:04 min
Hit: When I Grow Up
Punkte: 7/10

Fever Ray - Fever Ray

Man kommt einfach nicht daran vorbei, Fever Ray als eigenständiges Projekt abseits von The Knife zu sehen. Letztere sind bekanntlich in Babypause, aber von dieser ist absolut nicht viel zu spüren. Vielmehr bastelt Bruder Olof Dreijer an einer Elektrooper über Charles Darwin, während Karin Dreijer Andersson sich um ihr Kind kümmert. Und halt ihre Soloplatte aufnimmt. Nicht umsonst weiß man ja auch, dass Nachwuchs das Leben und die Einstellung der werdenden Eltern oft grundlegend verändert. Meist hin zu ausgeglicheneren Menschen. Fever Ray ist somit das persönlichste, gar intimste Album von Karin Dreijer Andersson, auch wenn natürlich absolut keine biografischen Parallelen vorliegen. Sagt zumindest die Musikerin. Insgeheim geht es der Kunstfigur deswegen nur rein zufällig um Leben und Tod, aber der Synthie-Pop ist derart bittersüß und wohlig einlullend, dass am Ende ganz klar das Positive überwiegt. Dem Baby sei Dank!

Tracklist:
01) if i had a heart
02) when i grow up
03) dry and dusty
04) seven
05) triangle walks
06) concrete walls
07) now’s the only time i know
08) i’m not done
09) keep the streets empty for me
10) coconut

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Zwei Seiten

Sunday, April 5th, 2009 at 18:03

| aktueller song: tephra – lower |

Kam:as – Neverstate
Vö: 03. April 2009
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 88:15 min
Hit: One Hour Hotel (Part II)
Punkte: 7/10

Kam:as - Neverstate

Kam:as haben zwei Gesichter. Das Album “Neverstate” besteht nämlich nicht nur aus zwei CDs, nein, vielmehr hat gleich die gesamte Band zwei Seiten. Und das ist eine Mischung aus viel Können und einigem Nichtwollen, aus Hingabe und Verweigerung. So könnten Kam:as durchaus kleine, verquergefrickelte Indiehits schreiben, wie sie zum Beispiel ihre Labelkollegen Ter Haar spielen – machen sie unterm Strich aber nicht. Denn jedesmal, wenn man sich gerade durch das Dickicht und den Blätterwald gekämpft hat (siehe Artwork), dann taucht ein Motivwechsel oder die durchaus gewöhnungsbedürftige Stimme auf. Aber das soll wohl auch so sein. Die Furcht vor zu viel Melodiösität schwingt zumindest immer mit. Genau das Gegenteil ist CD 2, eine rein instrumentale 45-minütige Live-Jam-Session – frei, unbekümmert, leicht und locker. Und dafür, dass diese als “Akustikdrama” betitel ist, auch ungewöhnlich milde gestimmt, aber voller Spannung und Abwechslungsreichtum. Die Medaille hat eben zwei Seiten. Zum Glück!

Tracklist:
01) stratosphone
02) no command for access
03) be careful with that hammer
04) the grand control
05) fallout kiss
06) dumbo queen
07) tell’em to lock up
08) this is the beginning of a beautiful ending
09) one hour hotel (part i)
10) one hour hotel (part ii)

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