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Steter Tropfen

Monday, January 12th, 2009 at 20:49

| aktueller song: devil sold his soul – crane lake |

Ter Haar – Delta
Vö: 12. Dezember 2008
Label: Sinnbus / Ali!ve
Länge: 34:14 min
Hit: Joni Versaal
Punkte: 6/10

Ter Haar - Delta

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Musik und der geschmacklichen Wahrnehmung. So hat ein Team von Wissenschaftlern der Universität Edinburgh in umfangreichen Selbstabschüssen herausgefunden, dass zum Beispiel Wein bei der richtigen musikalischen Untermalung ganz einfach besser schmeckt. Chardonnay soll bei “Atomic” von Blondie oder auch “Rock DJ” von Robbie Williams sein Aroma am besten entfalten, Cabernet Sauvignon hingegen eher bei “Won’t get fooled again” von The Who. Ob das nun wirklich stimmt oder stattdessen bei diesen Songs nicht eher der Wein schneller ranzig wird, sei erst einmal dahingestellt. Im Umkehrschluss stellt sich vielmehr die Frage: Welcher Wein passt nun zum Quasidebüt “Delta” von Ter Haar?

Der große Kenner findet das so heraus: Er legt die Platte gekühlt und ohne Vorwissen ein, dreht die Lautstärke auf halbe Stufe, und mit einem leicht kritischen Blick hört er das erste Lied “Pjotr”: ein Instrumental mit leichtem Atari-Sound, so intromäßig irgendwie, später dann aber doch etwas rockiger, wenn auch holprig. Mhh! Der zweite Tropfen schließt sich direkt an, das Holpern geht jedoch weiter, und eine Stimme passt sich dem an. Das erste Zwischenfazit nach kleiner Bedenkpause: ein Geschmack, an den man sich erst gewöhnen muss; prickelt etwas hektisch und immer lebendig auf der Zunge, rutscht aber nur mühsam die Kehle hinunter. Immerhin eigenständig.

Doch der Schein trügt ein wenig, Etikettenschwindel möchte man fast sagen. Ter Haar wollen nämlich gar nicht so Etepetete oder gar übertrieben kopflastig klingen, trotz ihrer kleineren Postrock-Ansätze und vertrackten Strukturen. Nach intensivem Hören und vor allem Trinken kommt man nämlich zu dem Schluss: Ter Haar klingen eher, wie Vinho de Mesa schmeckt, so ein portugiesischer Rosé-Fusel. Heißt: Ter Haar sind weder Hü noch Hott, nicht weiß, nicht rot und keineswegs anstrengend, doch in gewissen quirligen Momenten entnervend. Zwar sollen sie auch lieblich und fruchtig sein, doch auch das stimmt nicht so ganz. “Delta” klingt eher roh und kratzig, was aber den entscheidenden Vorteil hat, dass man die Herkunft quasi erschmecken kann – Don Caballero, Hella, vielleicht sogar At The Drive-In, nur weitaus weniger wütend. Doch ein entscheidender Faktor wurde bei allen geschmacklichen Tests und Diskussionen leider vergessen: je mehr Wein intus, desto besser. So auch bei Ter Haar. Prost!

Tracklist:
01) pjotr
02) a fryhole
03) mambocore
04) yatzy
05) joni versaal
06) gletscher
07) climb like a zeal
08) anti rodeo coalition
09) ping pong

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