Prinzipientreter
| aktueller song: stina nordenstam – i dream of jeannie |
Warship – Supply And Depend
Vö: 22. November 2008
Label: Hassle / Vagrant / Rough Trade
Länge: 38:48 min
Hit: Lousy horoscope
Punkte: 6/10
Wenn es um Prinzipien einer gerechten Plattenbesprechung geht, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man versucht ihnen treu zu bleiben, irgendwie auf Teufel kommt raus. Oder man übersieht sie einfach. Wir machen beides.
So kann man sich Warship ganz einfach als beliebige Band vorstellen: Eine Truppe aus zwei Typen jenseits des großen Teichs, die bedauerlicherweise keine zwei weiteren Freunde gefunden haben, die es konstant mit ihnen aushalten möchten, um so eine richtige Band zu gründen. Schlagzeuger Greg March und Bassist Darren Simoes von The Bled schauen nur auf Tour vorbei – vielleicht sind sie anderweitig zu beschäftigt, man weiß es nicht. Weitaus auffälliger ist ohnehin eine andere Sache, die Warship gerne wären, aber auch nicht geschafft haben: Hardcore sein! Vielleicht so wie United Nations letztens. Doch das erweist sich im Laufe der Zeit noch als wahrer Pluspunkt: “Supply and depend” lebt für ein richtiges Hardcore-Album nämlich zu sehr und zu gut von der allgegenwärtigen Stimme Francis Marks und von den mal mehr, mal weniger rockigen Stücken des Albums. Und am besten ohnehin von der Schunkelnummer “Lousy horoscope”.
Andersrum gesehen jetzt: Warship ist die neue Band von Francis Mark und Rob Lauritsen, zwei Mitgliedern der kürzlich aufgelösten From Autumn To Ashes. Das wandelt das Blatt auf einmal schlagartig, ebenso auch die Wahrnehmung. Gut, unter dem Strich dauert es maximal die ersten 17 Sekunden des ersten Tracks, dann ist das Geheimnis schon gelüftet, die Stimme kennt man ja. Doch die Erkenntnis stimmt trotzdem mulmig. Nach dem ganzen Hin und Her der Vorgängerband, nach dem Frust, den Mark schieben muss, wenn man nach dem Namen seiner neuen Band geht, nach dem kernigen Artwork – ja irgendwie dachte man da, man würde mal wieder ordentlich an die Wand geballert werden. Mitnichten allerdings! Warship fangen da an, wo auch From Autumn To Ashes oft angesetzt haben. Weg vom Doppelbass, hin zum Thursday-Rock. Genau dort liegen zwar auch die Stärken der Band, vor allem natürlich stimmlich und im Schlagzeugspiel, aber mal ganz plakativ gesagt: Der geile Song zum Austicken fehlt einfach.
Prinzipien hin oder her, man kann es quasi nur falsch machen. Ignoriert man den Kontext einer Band, erkennt man womöglich ihre Art und Weise als Ganzes nicht. Andersrum ernüchtert es unter Umständen jedoch. Schön deshalb, dass es bei Warship am Ende egal ist. Prinzipien halt. Für die Katz.
Tracklist:
01) toil
02) profit over people
03) wounded paw
04) where’s your leash
05) lousy horoscope
06) we’ve never been equal
07) fetus flytrap
08) empty vessel
09) the waiting list
10) indoors
© written for plattentests


