Archive for December, 2008

Prinzipientreter

Monday, December 29th, 2008 at 15:48

| aktueller song: stina nordenstam – i dream of jeannie |

Warship – Supply And Depend
Vö: 22. November 2008
Label: Hassle / Vagrant / Rough Trade
Länge: 38:48 min
Hit: Lousy horoscope
Punkte: 6/10

Warship - Supply And Depend

Wenn es um Prinzipien einer gerechten Plattenbesprechung geht, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man versucht ihnen treu zu bleiben, irgendwie auf Teufel kommt raus. Oder man übersieht sie einfach. Wir machen beides.

So kann man sich Warship ganz einfach als beliebige Band vorstellen: Eine Truppe aus zwei Typen jenseits des großen Teichs, die bedauerlicherweise keine zwei weiteren Freunde gefunden haben, die es konstant mit ihnen aushalten möchten, um so eine richtige Band zu gründen. Schlagzeuger Greg March und Bassist Darren Simoes von The Bled schauen nur auf Tour vorbei – vielleicht sind sie anderweitig zu beschäftigt, man weiß es nicht. Weitaus auffälliger ist ohnehin eine andere Sache, die Warship gerne wären, aber auch nicht geschafft haben: Hardcore sein! Vielleicht so wie United Nations letztens. Doch das erweist sich im Laufe der Zeit noch als wahrer Pluspunkt: “Supply and depend” lebt für ein richtiges Hardcore-Album nämlich zu sehr und zu gut von der allgegenwärtigen Stimme Francis Marks und von den mal mehr, mal weniger rockigen Stücken des Albums. Und am besten ohnehin von der Schunkelnummer “Lousy horoscope”.

Andersrum gesehen jetzt: Warship ist die neue Band von Francis Mark und Rob Lauritsen, zwei Mitgliedern der kürzlich aufgelösten From Autumn To Ashes. Das wandelt das Blatt auf einmal schlagartig, ebenso auch die Wahrnehmung. Gut, unter dem Strich dauert es maximal die ersten 17 Sekunden des ersten Tracks, dann ist das Geheimnis schon gelüftet, die Stimme kennt man ja. Doch die Erkenntnis stimmt trotzdem mulmig. Nach dem ganzen Hin und Her der Vorgängerband, nach dem Frust, den Mark schieben muss, wenn man nach dem Namen seiner neuen Band geht, nach dem kernigen Artwork – ja irgendwie dachte man da, man würde mal wieder ordentlich an die Wand geballert werden. Mitnichten allerdings! Warship fangen da an, wo auch From Autumn To Ashes oft angesetzt haben. Weg vom Doppelbass, hin zum Thursday-Rock. Genau dort liegen zwar auch die Stärken der Band, vor allem natürlich stimmlich und im Schlagzeugspiel, aber mal ganz plakativ gesagt: Der geile Song zum Austicken fehlt einfach.

Prinzipien hin oder her, man kann es quasi nur falsch machen. Ignoriert man den Kontext einer Band, erkennt man womöglich ihre Art und Weise als Ganzes nicht. Andersrum ernüchtert es unter Umständen jedoch. Schön deshalb, dass es bei Warship am Ende egal ist. Prinzipien halt. Für die Katz.

Tracklist:
01) toil
02) profit over people
03) wounded paw
04) where’s your leash
05) lousy horoscope
06) we’ve never been equal
07) fetus flytrap
08) empty vessel
09) the waiting list
10) indoors

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Mutter Theresa Musik

Thursday, December 18th, 2008 at 01:03

| aktueller song: plus 10 – waka wav |

Helios – Caesura
Vö: 07. November 2008
Label: Type / Indigo
Länge: 49:11 min
Hit: Hope Valley Hill
Punkte: 7/10

Helios - Caesura

Helios kann wirklich vieles sein: der Sonnengott der alten griechischen Mythologie, eine Rebsorte, eine zypriotische Fluggesellschaft, eine deutsche Sonde oder auch eine der größten Klinikgruppen Europas. Man merkt spätestens dann, dass der Name irgendetwas Besonderes an sich haben muss, wenn es sogar ein Magazin für Freikörperkultur unter diesem Titel gibt. Dabei geht es wohl stets um die Magie und Mythologie der Sonne als zentrales Gestirn am Himmel, um den Spender allen Lebens auf der Erde. Es geht um Freiheit, um die Universalität und die unbesiegbare Macht. Gleichzeitig bezieht man sich aber auch – und das ist das Erstaunliche – auf die durchweg außergewöhnlich positive Reputation, Mondscheinkinder einmal ausgenommen.

Ken Kenniff merkt davon mit Sicherheit nicht all zu viel, schließlich ist er weder ein gottähnlicher Titan, noch hat er irgendwas mit Krankenhäusern zu tun oder läuft gar splitterfasernackt durch die Gegend. Dennoch reiht sich sein musikalisches Projekt mühelos in jene Aufzählung mit ein. “Caesura” umgibt sich nämlich mit einer Sphäre aus eben dieser Form von erhabener Leichtigkeit, beruhigenden Sonnenstrahlen und dem Quäntchen unbezwingbarer Hoffnung, das ja doch immer irgendwo vorhanden ist. Vielleicht heißt deswegen gleich der erste Song “Hope valley hill” und klingt auch dementsprechend: ruhig, besonnen, freundlich und irgendwie nach süßem Elektropop, der absolut keinem weh tun möchte.

Im Gegenzug wäre das einzige, was man Helios negativ vorwerfen könnte, dass “Caesura” einfach viel zu lieb und zu nett für diese Welt ist. Aber genau darum geht im Endeffekt: Das Album will den Hörer an die Hand nehmen, ihm sachte und einfühlsam auf die Schulter klopfen und ihm aufbauend sagen, dass ja doch immer alles wieder gut werden würde. Der Mensch braucht so etwas schließlich: den rettenden Anker, die Musik zum Schwelgen und Träumen. Helios schaffen es – abgesehen von der Friedensnobelpreis trächtigen Botschaft – auch musikalisch interessant, bewegend, an manchen Stellen sogar dramatisch und ergreifend zu sein. Die Balance zwischen Pianoklängen, rein instrumentaler Electronica, entspannten Beats, sanften Akustikgitarren und zurückhaltenden Soundflächen ist manchmal sogar fast beängstigend perfektioniert. Wie Feng Shui für die gebeutelte Seele.

Tracklist:
01) hope valley hill
02) come with nothings
03) glimpse
04) fourteen drawings
05) backlight
06) the red truth
07) a mountain of ice
08) mima
09) shoulder to hand
10) hollie

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Kleinvieh macht auch Mist

Wednesday, December 17th, 2008 at 12:03

| aktueller song: verbose – the people below unawares |

Unearth – The March
Vö: 10. Oktober 2008
Label: Metal Blade / SPV
Länge: 44:18 min
Hit: Crow Killer
Punkte: 6/10

Unearth - The March

Oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die einen besonders erfreuen: Die kleine Überraschung der Freundin im öden Alltagstrott (Currywurst mit einem gekühlten Jever, halbnackt serviert zum Beispiel). Der WG-Mitbewohner putzt nach drei Monaten endlich einmal das Klo, völlig freiwillig sogar. Oder halt: Unearth, die alten Hasen des Metalcore, laufen doch noch einmal zu Hochform auf. Eher hätte man nämlich die Beispiele Nummer 1 und 2 als realistisch eingestuft, als dass man an die dritte Option geglaubt hätte. Irren ist aber nun einmal menschlich.

Es ist beileibe nicht so, dass auf “The march” von Unearth der Metalcore neu erfunden wird, aber diesen innovativen oder gar experimentellen Anspruch hatte die Band ohnehin nie. Oft reicht es eben auch aus, dass man seinen Kram nur einen kleinen winzigen Tick besser umsetzt als der Rest des Genres. Die Kombination aus Metalcore und Thrash Metal reißt natürlich niemanden mehr vom Hocker, hat aber durchaus irgendetwas Unbefangenes an sich, denn es gibt erfreuliche Alternativen zum minutenlangen Funktionstest der Doppelfußmaschine. Bei Unearth darf sich hier und da mal ein kleines Gitarrensolo einschleichen, was aber zum Glück auch nie elend lang ausgespielt wird. Schluss bevor es nervt, so muss es sein.

Auch die Idee “The march” als Konzeptalbum zu deklarieren, ist nix neues, zeigt aber doch, dass sich Unearth durchaus ein paar Gedanken mehr machen als viele ihrer Kollegen. So geht es um “The evil” und “The hopeful”, einerseits die machthungrigen politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Meinungsführer und auf der anderen Seite die hoffnungsvollen Dinge der Menschheit: Vertrauen und Weltfrieden. Das schlägt natürlich wieder in die typische Metalkerbe. Aber das sind Unearth unterm Strich ja auch irgendwo.

Vielleicht ist genau das der Reiz des Albums: “The march” ist bodenständig, aber dennoch nicht unbedingt plump. Es gibt sich außerdem nicht pseudointelligent, wirft durchaus aber eine differenzierte Sicht auf die Dinge; sei es nun thematisch oder auch musikalisch. So beweisen Unearth nämlich, dass einen gutes Mittelding zwischen völlig hohlem und total abgehobenem Metal gibt. Das ist angenehm unverkrampft und vor allem überraschend authentisch. Zum Glück wird es dabei aber nicht nackt präsentiert.

Tracklist:
01) my will be done
02) hail the shrine
03) crow killer
04) grave of opportunity
05) we are not anonymus
06) the march
07) cutman
08) the chosen
09) letting go
10) truth or consequence

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Jahrespoll 2008

Sunday, December 14th, 2008 at 23:22

| aktueller song: eustacia – in pro |

10 Alben des Jahres
01) From A Second Story Window – Conversations
02) As In Rebekkamaria – Queen Of France
03) Tiger Lou – A Partial Print
04) Junius – Junius
05) Thursday vs. Envy – Split
06) Mouth Of The Architect – Quietly
07) Daturah – Reverie
08) Suffocate For Fuck Sake – Blazing Fires And Helicopters On The Front Page Of The Newspaper. There’s A War Going On And I’m Marching In Heavy Boots
09) Bodi Bill – Next Time
10) United Nations – United Nations

10 Songs des Jahres
01) A Cold Dead Body – Our Best Years
02) Veto – Blackout
03) Pg.Lost – Yes I Am
04) Katy Perry – I Kissed a Girl
05) Cult Of Luna – Ghost Trail
06) Finn. – Julius Caesar
07) The Psyke Project – Not In My Time
08) Sleepmakeswaves – One Day You Will Teach Me To Let Go Of My Fears
09) The Black Ghosts – Some Way Through This
10) Come Sleep – To This Day: Not A Sound

Schlechtestes Album des Jahres
Insolence – Audio War

Enttäuschung des Jahres
Norma Jean – The Anti Mother

Überraschung des Jahres
Bossk

Artwork des Jahres
Dear John Letter – Between Leaves/Forestal

Tourposter des Jahres
Ufomammut & Lento Europatour

Band des Jahres
Tiger Lou

Solokünstler des Jahres
Tina Dico

Newcomer des Jahres
Crystal Castles

Hype des Jahres
Nihiling

Liveband des Jahres
Tegan and Sara

Wiederentdecktes Album des Jahres
Tegan and Sara – So Jealous (2004)

Wiederentdeckter Song des Jahres
Ellen Allien & Apparat – Turbo Dreams (2006)

Videoclip des Jahres
Justice – Stress

Film des Jahres
Waltz With Bashir

* jahrespoll 2007
* jahrespoll 2006
* jahrespoll 2005

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