Archive for November, 2008

Dance ’till you drop

Sunday, November 30th, 2008 at 00:04

| aktueller song: tiger lou – erroro error |

Thieves Like Us – Play Music
Vö: 21. November 2008
Label: Sea You / Cargo
Länge: 45:44 min
Hit: An Easy Tonight
Punkte: 6/10

Thieves Like Us - Play Music

Aus Alt mach Neu. So oder so ähnlich könnte der Ansatz von Thieves Like Us auf “Play Music” lauten: 80er-Jahre-Elektronic wird ins frühe 21. Jahrhundert transportiert. Dementsprechend klingen zumindest die Beats. Doch das wirklich markante ist vielmehr die Orientierungslosigkeit, die auf und auch mit der Platte einhergeht. Und das ist nicht zwangsläufig böse gemeint. “Play Music” will nämlich in erster Linie alles sein: Partymusik, Alt und Neu, Indie, Diskodance, gerne auch Pop, Anti, Hipster, unter Umständen auch Rausschmeißer, vor allem aber Zeitgeist. Nach entsprechendem Mischmasch klingen die Songs am Ende auch, der Vielfalt tut das aber trotzdem gut. Dass das Album zudem in London, New York, Berlin und Stockholm aufgenommen wurde, am Ende aber doch einhellig nach französischer Tanzmusik klingt, macht die Verwirrung perfekt. Party hard!

Tracklist:
01) program of the first part
02) drugs in my body
03) fass
04) an easy tonight
05) lady
06) program of the second part
07) your heart feels
08) miss you
09) desire
10) headlong into night
11) sugar and song

© written for spoonfork

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Antipop

Saturday, November 29th, 2008 at 19:49

| aktueller song: snow patrol – disaster button |

Polarkreis 18 – The Colour Of Snow
Vö: 17. Oktober 2008
Label: Vertigo / Universal
Länge: 40:54 min
Hit: Allein Allein
Punkte: 5/10

Polarkreis 18 - The Colour Of Snow

Die heutige Jugend polarisiere nicht mehr und sie könne sich an nichts mehr aufreiben, heißt es immer so schön. Unsinn! Über keine Band wird derzeit heftiger diskutiert als Polarkreis 18. Die eine Seite meint: Eine außergewöhnliche Band, die ihren Weg geht, egal was irgendwer sagt oder schreibt. Außerdem seien sie unberechenbar, vielseitig, schreiben moderne Popmusik für die breite Masse, die allerdings nie plump sei. All das stimmt sogar. Andersrum meinen die Nächsten: Polarkreis 18 wären dank der theatralischen, orchestralen Musik und der erhabenen Rolle ihres Sängers einfach nur noch nervig. Zudem würden die Synthesizer-Beats und Songstrukturen klingen wie Modern Talking. Auch das ist jedoch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Die Wahrheit liegt allerdings wie immer in der Mitte: Polarkreis 18 machen auch auf “The Colour Of Snow” gute Popmusik, selbst wenn diese zu oft zu klebrig klingt. Konsens sieht aber anders aus.

Tracklist:
01) tourist
02) allein allein
03) prisoner
04) untitled picture
05) the colour of snow
06) 130/70
07) rainhouse
08) river loves the ocean
09) name on my id
10) happy go lucky

© written for spoonfork

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Hoch hinaus

Wednesday, November 26th, 2008 at 05:32

| aktueller song: eustacia – saturday morning driver |

Bodi Bill
02. Juni 2008 – Berlin, Weekend Dachterrasse

Leider war ich selbst nicht vor Ort, aber der komplette Mitschnitt des Konzerts ist auf jeden Fall äußerst sehenswert. Tolle Aufnahmen! Tolle Band sowieso! Und bestimmt auch ein toller Abend.

© by hobnox & bodi bill

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Der Puzzlewahn

Monday, November 17th, 2008 at 23:15

| aktueller song: across the delta – elephant |

Exits To Freeways – Spilling Drinks, Spelling Names
Vö: 31. Oktober 2008
Label: Nois-O-Lution / Indigo
Länge: 50:11 min
Hit: H-Smile
Punkte: 6/10

Exits To Freeways - Spilling Drinks, Spelling Names

Musik selbst zu machen, das ist wie Puzzeln mit Tönen. Bei manchen Bands gleicht das manchmal sogar dem 18.000-Teile-Monster namens “Tropische Impressionen” von Ravensburger: überdimensional groß, kribbelbunt, vielfältig – und zum Verzweifeln. Erstaunlich ist allerdings, dass es scheinbar immer ein paar Verrückte gibt, die die Zeit und vor allem die Nerven und Ruhe für so etwas haben, wo das doch kaum allein zu bewältigen ist. Genau das Gleiche denkt man sich nämlich auch, wenn man erfährt, dass zu dem hübschen Bandnamen Exits To Freeways optional noch ein Spread Like The Veins On The Back Of My Hand dazugebastelt werden kann. Gut, die Hamburger puzzeln immerhin zu dritt, aber dafür ist im Gegenzug die Anzahl der Einzelteilchen noch etwas größenwahnsinniger. Das macht ihr Debüt “Spilling drinks, spelling names” nicht einfacher.

Schon der erste Song “Perfect perverts (taking pictures)” deutet somit die Richtung des Albums an: vielseitig, frickelig, auf irgendeine Weise auch überladen, selbst wenn es nie wirklich überfrachtet wirkt. Und natürlich zum Verzweifeln. Man braucht nämlich vor allem zwei Dinge, um das Debütalbum von Exits To Freeways wirken zu lassen, zu verstehen oder gar zu mögen: reichlich Zeit und noch mehr Aufmerksamkeit. Doch beides ist heutzutage oftmals schwer aufzubringen. Oberflächlich betrachtet könnten die Songs auf erster Ebene trotzdem sogar Indiehörern der mittelruppigen Gangart gefallen: nervöse Gitarren, schnell zappelnde Füße und ein teils ein leicht anstrengender, unbequemer und somit angesagter Gesang. Out ist schließlich das neue In. Alles halb so wild erstmal.

Anstrengend wird es allerdings ab genau dem Moment, in dem man versucht, die Songs zu verstehen oder zu analysieren. Wenn man mit System und Konzept zu puzzeln versucht, statt einfach die vielen, bunten Teilchen irgendwie blind zusammenzubringen. Denn zu viele Brüche, zu viele Stimmungen und zu viele Gefühlslagen durchziehen die fünfzig Minuten, die nur deswegen nicht zu lang sind, weil mit “H-smile” eine siebenminütige, halbinstrumentale Auf-und-ab-Halbballade ans Ende gepackt wurde – wo sie ausnahmsweise nicht einmal fehl am Platz ist. Was danach dennoch oder gerade deswegen zurückbleibt sind: viele Fragen, zwei Puzzelteilchen zu wenig, dafür aber ein nervös zappelndes Bein und ein kleiner Kopfschmerz an der Schläfe. Ein gutes Zeichen immerhin.

Tracklist:
01) perfect perverts (taking pictures)
02) six years after glamorama
03) neocon love rites
04) it’s so hard to know you now
05) narcissus as a fuckboy
06) shoegazer inc.
07) pageant wipeout interlude
08) bliss bluff
09) a list for actions
10) tourette red (a monster in my language)
11) desire_construction_disaster
12) no votes
13) h-smile

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Sonntagsstimmung

Monday, November 3rd, 2008 at 03:31

| aktueller song: left to vanish – give us barabbas |

Thievery Corporation – Radio Retaliation
Vö: 26. September 2008
Label: Esl / Rough Trade
Länge: 55:55 min
Hit: Beautiful Drug (Feat. Jana Andevska)
Punkte: 6/10

Thievery Corporation - Radio Retaliation

Mehr Schein als Sein. Eine eher nicht so gute, aber heutzutage oft alltägliche Praxis. Und hält man nun “Radio Retaliation” in den Händen, könnte man ähnliches denken. Die Pappverpackung, der Druck und das doppelseitige Posterbooklet sind fast noch besser als die CD selbst, würden zumindest böse Zungen behaupten. Das stimmt aber nicht ganz, denn Thievery Corporation sind auch nach weit über zehn Jahren die Speerspitze der Downbeat- und Lounge-Musik. Es gibt keinen Club und keinen Laden der Welt, der Thievery Corporation nicht spielen würde. Und das wird sich auch mit “Radio Retaliation” nicht ändern. Oft ist es zwar kein Kompliment, aber die fünfzehn Songs eignen sich einfach gut als Hintergrundmusik, die eben nicht nur seichte rumblubbert, sondern durch Elemente des Jazz, aus Dub oder auch Reggae die nötige Aufmerksamkeit weckt. So lässt es sich wohlig entspannen und regenerieren. Und auch wieder sein.

Tracklist:
01) sound the alarm (feat. sleepy wonder)
02) mandala (feat. seu jorge)
03) radio retaliation (feat. sleepy wonder)
04) vampires (feat. femi kuti)
05) hare krishna (feat. seu jorge)
06) el pueblo unido (feat. verny varela)
07) the forgotten people
08) 33 degrees (feat. zee)
09) beautiful drug (feat. jana andevska)
10) la femme parallel (feat. loulou)
11) retaliation suite
12) the numbers game (feat. chuck brown)
13) the shining path
14) blasting through the city (feat. notch)
15) sweet tides (feat. loulou)

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Die Abrechnung

Sunday, November 2nd, 2008 at 19:47

| aktueller song: a cold dead body – our best years |

Mr. Oizo – Lambs Anger
Vö: 28. November 2008
Label: Ed Banger / Because Music / Al!ve
Länge: 44:22 min
Hit: Z
Punkte: 5/10

Mr. Oizo - Lambs Anger

Mr. Oizo hat genau zwei Probleme, zwei Luxusprobleme wenn man so will. Zum einen wegen seinem Hit “Flat Beat” von 1999, der ihm auch noch fast zehn Jahre später den Ruf eines Electro-One-Hit-Wonders beschert. Und zum anderen wegen seinen Livesets, die aus allerhand Remixen bestehen, massig angespielten Hits und großer Experimentierfreudigkeit. So weit, so gut. Problem ist nun, das alles auf einem Album zu vereinigen, aber eben auch gleichzeitig alte Anhängsel über Bord zu werfen. Mit Flat Eric wird deswegen schon auf dem Cover abgerechnet: In der berüchtigten “Un chien andalou”-Szene von Salvador Dalí & Luis Buñuel wird dem armen gelben Kollegen das Auge aufgeschnitten, das hat zumindest Symbolcharakter. Musikalisch wird dann zwar ansehnlich und wesentlich popiger getanzt, aber auch ebenso ruppig durch die Tracklist gehetzt. Das wäre gar nicht nötig gewesen, aber nun sind immerhin alle Probleme vom Tisch. Ein vielseitiges Werk.

Tracklist:
01) hun
02) pourriture 2
03) z
04) cut dick
05) two takes it (feat. carmen castro)
06) rank
07) bruce willis is dead
08) jo
09) positif
10) lambs anger
11) erreur jean (feat. error smith)
12) steroids (feat. uffie)
13) gay dentists
14) pourriture 7
15) w
16) lars von sen
17) blind concerto

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Schwarzmalerei

Sunday, November 2nd, 2008 at 04:01

| aktueller song: thursday – as he climbed the dark mountain |

Declan De Barra – A Fire To Scare The Sun
Vö: 31. Oktober 2008
Label: Blackstar / Cargo
Länge: 28:39 min
Hit: Johanna
Punkte: 6/10

Declan De Barra - A Fire To Scare The Sun

Man kann nicht sagen, Declan De Barra sei ein Menschenhasser, aber irgendwas muss da wohl schief gelaufen sein. Das Debütalbum “Song Of A Thousand Birds” klang schon arg deprimiert (schön), aber die Welt scheint seitdem alles andere als besser geworden zu sein. “A Fire To Scare The Sun” ist deswegen nun vollends vertonter Pessimismus – oder zumindest starke Schwarzmalerei bzw. traurige Realität. Der nun vom Label kreierte Begriff des Indie Folk Noir könnte somit also fast treffend sein, zeichnen sich die zehn Songs doch noch mehr durch eine gewisse Hoffnungslosigkeit aus. Das heißt natürlich nun bei weitem nicht, dass der Konsum des Albums ohne Umwege zum Selbstmord führen würde – im Gegenteil. “A Fire To Scare The Sun” wirkt einfach nur noch mehr in sich selbst gekehrt und persönlicher, noch nachdenklicher und noch dunkler. Zeit um auch sich selbst mal ein paar essentielle Fragen zu stellen.

Tracklist:
01) until the morning comes
02) brightest start
03) on and on
04) diamonds
05) johanna
06) beautiful one
07) ghetto 101
08) 57 years
09) scraps to feed bones
10) red forest

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Herbsttristesse

Saturday, November 1st, 2008 at 19:55

| aktueller song: envy – a winter quest for fantasy |

Holmes – Wolves
Vö: 31. Oktober 2008
Label: Blackstar / Cargo
Länge: 49:48 min
Hit: Long Waiting
Punkte: 6/10

Holmes - Wolves

Schweden kann irgendwie alles, das ist nichts Neues. Indie, Postrock, Singer-Songwriter und Metal. Frauen und Natur pur sowieso. Nun versuchen sich die Schweden von Holmes aber auch auf den Fährten des Country. Das klingt vielleicht abwegig, aber so fern ist die Vorstellung gar nicht. Auch in Schweden sitzt man schließlich abends gern mit seiner Gitarre im Freien und singt bei Lagerfeuerlicht traurige Lieder. Einziger Unterschied ist vielleicht die nordische Kälte, weswegen “Wolves” um einiges intimer klingt und überhaupt konstant sparsam instrumentiert ist. Das wirkt zwar einerseits etwas kitschig und dramaturgisch nicht wirklich spannend, aber andererseits ist das gar nicht mal so schlimm, so ein schwedischer Herbst ist schließlich auch eher durchweg bodenständig kühl. “Long Waiting” steht dafür symptomatisch. Warm anziehen also!

Tracklist:
01) i might be wrong
02) storm
03) david letterman
04) relapse
05) possession
06) hold on
07) seven hours
08) satan
09) every time
10) wolves

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Onomastik

Saturday, November 1st, 2008 at 16:12

| aktueller song: in a nutshell – dialoguer |

Random Conflict – Escapism
Vö: 24. November 2008
Label: Glasstone / Code7 / PHD
Länge: 42:03 min
Hit: Escapism
Punkte: 5/10

Random Conflict - Escapism

Man soll ja nicht immer vom Bandnamen auf die Musik oder gar auf die Menschen dahinter schließen, da kommt nämlich meist nichts Gutes heraus. Aber andersrum: Man gibt sich einen Namen nicht ohne Grund und zumeist denkt man sich ja auch etwas dabei. Die große Frage ist nun, warum Random Conflict genau so heißen wie sie heißen. Was als Bandname erst einmal sehr abgedroschen klingt, ist es im Gegenzug aber nicht zwangsläufig. “Escapism” wirkt durchdachter als man es nach dem ersten Hören annehmen möchte. Dennoch: Man wird das Gefühl nicht los, das Wort “random” hätte im Kontext der Band eine wirklich große Bedeutung. Random im Sinne von chaotisch trifft zwar in einigen wenigen Momenten des Albums ebenso zu, meist ist es aber doch eher das zusammengewürfelte Random aus Eternal Lord und Carnifex. Vielleicht nicht ganz so plump, aber auch nicht viel abwechslungsreicher. Random im Sinne von ziellos halt.

Tracklist:
01) the pledge
02) my devil danced with his demon
03) 21 grams
04) knives and lint
05) heart on sleeve, head above water
06) ballrooms and blood trails
07) obsession is a young man’s game
08) it took 08 shots plus
09) forensics
10) the world is full of skydivers
11) escapism

© written for fuze magazin

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