Archive for September, 2008

Shortcuts: September 2008

Friday, September 19th, 2008 at 00:13

[mygal=shortcuts01]

Die Stiefbrüder

Verleih: Sony | 2008
Regie: Adam McKay
Punkte: 2/10

Handlung: Nancy und Robert sind beide Single, verlieben sich und heiraten. Nichts besonderes, wären da nicht je zwei Söhne, die schon locker auf die 40 zugehen, trotzdem aber noch zu Hause wohnen. Weil den beiden allerdings Geschwisterliebe fremd ist, kommt das Fass des Öfteren zum überlaufen. Spätestens dann, wenn die nackten Hoden das heilige Schlagzeug berühren.

Nachgeschmack: Wenn jemand in Komödien Schniedel-, Kack- und Furzgags spielen darf, dann ist das Leslie Nielsen. Bei allen anderen – eben auch John C. Reilly und Will Ferrell – ist das einfach nur blamabel. Da bringt übrigens auch der durchaus realsatirische Handlungsansatz nichts. Das Kind im Manne war eben schon immer sehr primitiv.

Nobody’s Perfect

Verleih: Ventura | 2008
Regie: Niko von Glasow
Punkte: 7/10

Handlung: Regisseur Niko von Glasow – selber durch den Contergan-Skandal 1961 geschädigt – portraitiert elf Schicksalsgefährten, um mit ihren nackt für einen Kalender zu posieren. Zwölf Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Behinderung oft verstohlen angesehen oder ausgegrenzt werden, gehen in die Offensive und thematisieren ihr Handikap. Ungewohnt freizügig.

Nachgeschmack: Von Minute zu Minute merkt man nicht nur Niko von Glasow selbst, sondern auch den anderen Persönlichkeiten an, wie sich ihr Selbstbewusstsein steigert. Der offene Umgang mit der Krankheit als Befreiung, ebenso wie der Weg hin zu neuen Freundschaften. Und ein Schlag gegen die Herstellerfirma Grünenthal und starre Mitmenschen. Alle Achtung!

Eagle Eye

Verleih: Universal | 2008
Regie: D.J. Caruso
Punkte: 4/10

Handlung: Sehr dubios: Erst stirbt der Bruder von Jerry auf mysteriöse Weise und dann hat er Unmengen an Geld auf seinem Konto. Zudem werden ihm noch allerhand Waffen, Pässe und Dokumente untergeschoben. Kein Wunder also, dass das FBI längst hinter ihm her ist. Einzig die unbekannten Drohanrufe retten ihn und Rachel, Mutter eines Sohnes der es ähnlich ergeht, vor der Polizei. Doch sie sollen einen Terroranschlag durchführen.

Nachgeschmack: Eigentlich keine schlechte Idee, die Steven Spielberg da hatte: Was könnte passieren, wenn die Kontroll- und Überwachungswut der Regierung außer Kontrolle gerät? Dumm nur, dass es darum eigentlich gar nicht geht, sondern vielmehr um Paranoia-Action, ein Ende mit zu viel Pathos und einem glattgebügeltem Thema ohne Tiefgang. Popcornkino.

Wall-E

Verleih: Pixar / Walt Disney | 2008
Regie: Andrew Stanton
Punkte: 8/10

Handlung: Wall-E ist ein Haushaltsroboter, der einsam und allein seit knapp 700 Jahren den ganzen Müll auf der Erde zusammenpresst, um ihn zu Wolkenkratzern aufzustapeln. Ansonsten ist der Planet tot – bis Einestages die Androidin Eve auf der Erde ausgesetzt wird. Wall-E, der noch außerordentlich grün hinter den Ohren ist, verliebt sich aber sofort in Eve. Die Liebesodyssee durch Raum und Zeit beginnt.

Nachgeschmack: Natürlich ist die Handlung keineswegs besonders einfallsreich, aber die Grundidee ist gut: Die verlassene Erde als Müllhalte, auf der sich zwei Roboter verlieben (unterschwellige Botschaft!). Kann ja passieren. Zudem muss man es heutzutage auch erst einmal hinbekommen, das Publikum Großteils nur durch Mimik und Gestik im großen Stil zum Lachen zu bringen. Ohne Furzwitze dieser süßen Blechkiste.

Der Baader Meinhof Komplex

Verleih: Constantin | 2008
Regie: Uli Edel
Punkte: 8/10

Handlung: Deutschland in den 70er-Jahren. Die radikalisierten Kinder der Nachkriegsgeneration um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin kämpfen gegen die US-Politik und gegen die Ungerechtigkeiten im Nahen Osten, der Dritten Welt und überhaupt. Die Geburtsstunde der RAF, die zehn Jahre Politik, Justiz und Industrie mit Terroranschlägen und Morden erschüttert. Eine Grundsatzfrage entbricht, die deutsche Geschichte schreibt.

Nachgeschmack: Es ist ein Versuch diese traumatische Zeit deutscher Nachkriegsgeschichte zwischen 1967 und 1977 so zu komprimieren, dass sie allen Seiten gerecht wird: Zeitzeugen, dem Kino und der Generation von heute, Verständnis für die politische Lage von damals, bei gleichzeitiger Verurteilung des RAF-Terrors, Detailtreue, Nüchternheit und Nähe zur Buchvorlage von Stefan Aust. Und die Rechnung geht auf. Das Thema des RAF-Terrors war stets bis heute aktuell und ist mit diesem Film umso mehr.

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Mensch beißt Hund

Thursday, September 11th, 2008 at 02:13

| aktueller song: anywhen – the siren songs |

The Sound Of Animals Fighting – The Ocean And The Sun
Vö: 05. September 2008
Label: Epitaph / SPV
Länge: 51:40 min
Hit: The Ocean And The Sun
Punkte: 6/10

The Sound Of Animals Fighting - The Ocean And The Sun

Mensch gegen Tier. Das war schon immer ein Thema wert und wird es wohl auch bleiben. In 10,000 B.C. lässt Roland Emmerich primitive Typen, die angeblich unsere Vorfahren gewesen sein sollen, gegen gewaltige Mammuts antreten. Im Römischen Reich zerfleischten Löwen arme Sklaven. Aber auch noch heute werden Menschen qualvoll von Tieren umgebracht: Als Partygag wollte ein Kerl den 20 cm langen Tropenfisch des Gastgebers lebendig verschlucken – er erstickte jedoch, weil der Fisch seine Rückenstacheln dabei aufrichtete. Und da sich das angespannte Verhältnis mit dem Aufkommen von tierischen Aliens in absehbarer Zeit nicht entspannen wird, ist es umso wichtiger, dem Ganzen endlich ein Konzeptalbum zu widmen.

Genau dafür stehen The Sound Of Animals Fighting schon mit ihrem Namen: Den alltäglichen Kampf der Natur und der Tiere mit all ihren Gewalten und universellen Mythen gegen uns, den Menschen, die kranke Nachgeburt der Evolution. Dennoch ist “The ocean and the sun” auf den ersten Blick gar nicht so blutrünstig, wie es die Geschichte eigentlich vorgibt. Kein Instrumentengemetzel, keine musikalischen Verfolgungsjagden auf Leben und Tod, stattdessen abermals weltumfassende Musikgeschichte: aus der folkig-orientalen Steinzeit, über ein noiserockendes Mittelalter und den Jazz der Moderne, bis hin zur postmodernen elektronischen Gegenwart. Natürlich resultiert diese Vielfalt zum einen daraus, dass die Mitglieder von The Sounds Of Animals Fighting bekanntlich aus ganz unterschiedlichen Bands wie Saosin, Circa Survive oder Finch stammen; zum anderen wurde aber auch das Konzept selbst noch einmal vertieft und noch weiter abstrahiert. Wenn auch nur mit durchwachsenem Erfolg.

So werden nun aus dem recht bodenständigen Schaf oder dem Wolf, als welche die Bandmitglieder auftraten, ein Walross, ein Stinktier, ein Luchs oder auch eine Nachtigall. Das mag zwar erst einmal witzig und marginal klingen, schlägt sich aber am Ende maßgeblich auf die Musik des Albums nieder. Die Bandbreite wird nun zwar größer, gleichzeitig werden neben den individuelleren Tierarten aber auch die Themen der Naturgewalten, der Diskrepanz zwischen Mensch und Natur und der Universalität zunehmend verkopfter und komplizierter. Dem widerspricht zwar die scheinbar zugänglichere Musik, genau das aber ist das Paradoxe an der Geschichte: Es macht das Ganze nicht eben einfacher. An vielen Stellen klingt “The ocean and the sun” deswegen schon fast ambient, ohne es jedoch zu sein. Allein die mannigfaltigen Motivwechsel, Spielereien und Hintergrundgeräusche sind nämlich des Öfteren aufreibender als so mancher Kampf zur besten Paarungszeit. Oder skurriler als so mancher Tod mit Tiereinwirkung. Der Teufel steckt eben im Detail.

Tracklist:
01) intro
02) the ocean and the sun
03) i, the swan
04) another leather lung
05) lude
06) cellophane
07) the heraldic beak of the manufacturer’s medallion
08) chinese new year
09) uzbekistan
10) blessings be your mister v
11) ahab
12) on the occasion of wet snow

© written for plattentests

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Teufelskreislauf

Wednesday, September 10th, 2008 at 17:28

| aktueller song: i am ghost – set me free |

Da beißt sich die Katze in den Schwanz …

Warner Music Group

Wie aberwitzig und paradox das Musikgeschäft mittlerweile ist, zeigte sich heute wieder einmal in einer kleinen Episode am Rande.

In einem ganz gewöhnlichen Presseaussand der Warner Music Group sollte auf die neue Single “Live Your Life” von T.I. zusammen mit Rihanna hingewiesen werden. So weit, so langweilig. Am Ende heißt es dann, man solle sich passend dazu schon einmal vorab den Auftritt der beiden bei den diesjährigen MTV Music Video Awards über diesen Youtube-Link anschauen. Das Problem ist aber: “This video is no longer available due to a copyright claim by a third party.” Das Mitschneiden und Hochladen von Fernsehshows dieser Art ist nämlich urheberrechtlich verboten. Somit das Fazit: Warner klagt sich entweder das eigene Promomaterial aus dem Netz. Oder Warner macht mit illegalen Sachen Werbung. Ist beides ziemlich unclever.

* warner music group

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Einen vor, zwei zurück

Wednesday, September 10th, 2008 at 00:14

| aktueller song: anywhen – the siren songs |

Underoath – Lost In The Sound Of Separation
Vö: 12. September 2008
Label: Solid State / Tooth & Nail / EMI
Länge: 41:33 min
Hit: Too Bright To See Too Loud To Hear
Punkte: 7/10

Underoath - Lost In The Sound Of Separation

Der Herr beginnt mit dem linken Fuß. Links einen langen Schritt nach vorn, rechts einen langen Schritt nach vorn, links kurz Seitschritt vor, rechts ran und dann Seitschritt links mit einer 1/8-Drehung gegen die Tanzrichtung. Danach noch ein paar mal rück-, seit- und vorwärts, gesprungen, gekreuzt und die Frau abschließend durch die Luft gewirbelt, fertig ist der Grundrhythmus. Klingt zwar nach einfachem Quickstep, ist aber eigentlich nur das neue Album von Underoath. Da die letzten Tanzstunden allerdings schon arg lange zurückliegen, machen wir uns bei dem Versuch, die Kenntnisse aufzufrischen, eher einen Knoten in die Holzbeine und tanzen im Grunde nur auf der Stelle. Underoath scheinbar auch. Wenn überhaupt.

Noch vor zwei Jahren konnten sie mit “Define the great line” jede Jury dieser Welt überzeugen. Das war Charakter, Rhythmus, Technik, aber auch Leidenschaft voller geschlossener Drehungen und atmosphärisch derart raumgreifend, dass es für glatte 8 Punkte auf der Bewertungsskala lockerte ausreichte. Auf “Lost in the sound of separation” wird nun zwar etwas mehr gekreuzt und gesprungen und wirkt die 1/8-Drehung insgesamt härter, aber spätestens wenn der Part kommt, bei dem die Partnerin durch die Luft geschmissen wird, erweist sich die Tanzfläche als zu klein. Vielleicht dachten sich Underoath ja, mehr Körpergeschwindigkeit, eine höhere Schrittfolge und knackig-kompakte Brecher wie der Opener “Breathing in a new mentality” oder Hits wie “We are the involuntary” würden einem Standardtanz wie dem Quickstep auf diese Weise mehr gerecht werden. Quick kann aber eben auch “flüchtig” bedeuten.

Der Vorteil ist allerdings, dass Underoath unlängst nicht mehr in dieser plumpen Fußtreterliga um Silverstein, Alesana oder auch Emarosa walzen, sondern im Grunde die goldene Medaille in der Screamo-Klasse mitnehmen wollen. So erinnert bereits “Emergency broadcast: The end is near” im ersten Albumdrittel zwar an die um einiges schleppendere Sperrigkeit des Vorgängers, aber erst gegen Ende scheinen Arme und Beine der Band vollends eingeschwungen zu sein: “Desperate times desperate measures” hopst erneut hitmäßig auf der Stelle, dafür aber mit viel Kraft im Sprunggelenk, bevor “Too bright to see too loud to hear” drei Schritte vor in Richtung Thrice geht und dort halbinstrumental mit einer Menge Pathos ausschwingt. Die Punktrichter zeigen ihre Tafeln hoch: 7/10! Nur Silber! Bitter!

Tracklist:
01) breathing in a new mentality
02) anyone can dig a hole but it takes a real man to call it home
03) a fault line, a fault of mine
04) emergency broadcast: the end is near
05) only survivor was miraculously unharmed
06) we are the involuntary
07) created void
08) coming down is calming down
09) desperate times desperate measures
10) too bright to see too loud to hear
11) desolate earth: the end is near

© written for plattentests

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Generationskonsens

Tuesday, September 9th, 2008 at 00:44

| aktueller song: maserati – kalimera |

Long Distance Calling & Leech – 090208
Vö: 26. September 2008
Label: Viva Hate / Cargo
Länge: 33:50 min
Hit: Leech – Inspiral
Punkte: 6/10

Long Distance Calling & Leech - 090208

Jung versus alt könnte das Motto dieser Split-EP lauten: Long Distance Calling wurden erst im Jahre 2006 ins Leben gerufen, Leech bereits 1995. Die einen spielen auf ihrem Debüt “Satellite Bay” erfrischenden Postrock, die anderen setzten zwischendrin sechs Jahre komplett aus. Gemeinsam spielen sie nun auf einer Augenhöhe: Long Distance Calling nehmen sich bei den neu aufgelegten Songs mit großen pathetischen Melodien und ambienten Spielerein etwas zurück, Leech legen dafür aber in Sachen dichter Atmosphäre und geschickter Melodiebögen um einiges zu. Das Ergebnis ist nach einer halben Stunde ausgeglichen, ergänzt sich gut, bleibt aber nur ein Appetithäppchen. Wenn auch ein ganz Leckeres.

Tracklist:
01) long distance calling – metulsky curse revisited
02) long distance calling – black bird vs. red bug
03) long distance calling & leech – intermission
04) leech – oktober
05) leech – inspiral

© written for fuze magazine

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Schmusekurs

Monday, September 8th, 2008 at 23:36

| aktueller song: limp bizkit – getcha groove on |

Leech – The Stolen View
Vö: 26. September 2008
Label: Viva Hate / Cargo
Länge: 53:01 min
Hit: Inspiral
Punkte: 6/10

Leech - The Stolen View

Auszeiten sind immer gut. Vor allem von der Arbeit, dem Alltag, aber auch den Mitmenschen oder der Musik. Zeit, in der man sich zurückzieht, mal die Gedanken schweifen lässt, sich manchem bewusst wird und den Horizont erweitert. Zeit die neue Energie frei setzt. So geschehen auch bei Leech. Ob nun freiwillig oder nicht, sei egal. Die knapp sieben Jahre zwischen dem letzten Album und “The Stolen View” taten der Band offenbar gut. Nicht, dass der instrumentale Postrock von Leech nun total fröhlich wäre, nein, zumindest klingt er aber erfrischend zeitgemäß. Gerade der überaus dezente Einsatz lieblicher Melodien und atmosphärischer Hintergrundelektronik verleihen dem Album seine Note, die besonders in “The Man With The Hammer” und “Inspiral” zum Tragen kommt. Problem nach so einem Rückzug aus dem täglichen Wahnsinn ist jedoch oftmals die neu gewonnene Genügsamkeit, die auch Leech ansatzweise befällt. Auf kompletter Länge wirkt “The Stolen View” deswegen fast zu ausgeglichen, vielleicht sogar gar zu harmonisch und zu besonnen. Zumal ja gerade Postrock im Grunde von seinen Auf und Abs, dem Wechsel zwischen Klimpern und Inferno lebt. Seele steckt hier trotzdem drin, wenn auch eine genügsame.

Tracklist:
01) silent state optimizer
02) the man with the hammer
03) ziipfe
04) inspiral
05) i was reversed
06) totem and tabu

© written for fuze magazine

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Masche durchschaut

Wednesday, September 3rd, 2008 at 02:00

| aktueller song: leech – inspiral |

Kyte – Kyte
Vö: 05. September 2008
Label: Erased Tapes / Indigo
Länge: 45:52 min
Hit: Planet
Punkte: 7/10

Kyte - Kyte

Sagte doch letztens jemand: “Du hörst diese Musik doch auch nur, um bei den Mädels überhaupt eine Chance zu haben.” Recht hat er! Metal hören und böse gucken ist ja auch leicht abschreckend, deswegen geht die Masche mit Kyte umso besser auf. Ein bisschen einen auf schüchtern machen, leicht zurückhaltend und dazu noch ein klein wenig geheimnisvoll tun, darauf fahren doch fast alle Schnittchen ab. Und wenn die dann sehen, dass man das selbstbetitelte Debütalbum von Kyte rauf und runter hört, dann schlussfolgern sie mit Sicherheit, dass man selbst genauso wie das Album ist: Bescheiden, total lieb und natürlich hübsch anzusehen. Daran besteht kein Zweifel.

Natürlich könnte jetzt von allen Seiten der Vorwurf kommen, das wäre alles andere als männlich, maximal etwas für Weichspüler oder Pussys und sei unter dem Strich sowieso nur komplette Mädchenmusik – ja, na und?! Allein schon die ersten Sekunden der Melodie von “Boundaries” sind einfach zum Liebhaben schön, klingen erstaunlich blumig und setzen sich so heimlich im Ohr fest wie deren Pollen in der Nase. Man wird sie auch genauso wenig wieder los, nur mit dem Unterschied, dass man das hier auch gar nicht möchte. Und als wäre das noch nicht Hit genug, offenbart “Planet” direkt danach die nächste kleine Postrock-Hymne, die zudem sogar der leicht treudoofen und peinlichen Kategorisierung Dream Pop gerecht werden könnte. Auch das wirkt ja manchmal durchaus aus-, äh? anziehend.

Selbst wenn man nun einen auf oberkritisch machen möchte und “Kyte” für ein wohlig aufreizendes Konsensalbum hält, da es so ganz ohne Scheu irgendwie unbefleckt klingt, dabei nirgendwo aneckt und auch wahrlich niemanden verschreckt – selbst dann dürfte man seinem Charme erliegen. Wo sich die Musik anderer Bands in irgendwelchen ausufernden Soundcollagen verliert, bewahren sich Kyte die Einfachheit der Struktur, die simple Melodie und nicht zuletzt auch den Mut zum pathetischen Traum voller Zuckerwatte und glücklich turtelnder Pärchen. So klingt das ganze Album nicht nur, als ob alles mit Samthandschuhen eingespielt wurde, sondern scheinen auch die sachten Gitarren und leichten Elektronikeinlagen regelrecht durch den Raum zu schweben. Von der Stimme ganz zu schweigen. Und die Schmetterlinge im Bauch tanzen sowieso im Dreieck.

Tracklist:
01) boundaries
02) planet
03) sunlight
04) home
05) ghosts
06) secular ventures
07) these tales of our stay
08) they won’t sleep

© written for plattentests

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