Archive for August, 2008

Erst denken, dann …

Tuesday, August 12th, 2008 at 14:23

| aktueller song: my brightest diamond – apples |

Cult Of Luna – Eternal Kingdom
Vö: 13. Juni 2008
Label: Earache / Rough Trade
Länge: 60:54 min
Hit: Following Betulas
Punkte: 8/10

Cult Of Luna - Eternal Kingdom

Am Anfang war der Gedanke, nicht das Wort. Zuerst denkt man immer etwas, bevor man den Mund aufmacht, auch wenn nur der Bruchteil einer Millisekunde dazwischen liegt. Zwar scheint es manchmal anders herum zu sein, ist es aber nicht. Somit ist unter diesem Aspekt eigentlich jedes Album ein Konzeptalbum, denn ohne eine zugrunde liegende Idee gäbe es gar keine Musik, keine einzige Note. Die Frage ist nun vielmehr, wie weit man diese Grundidee in den Vordergrund stellt und sie als roten Faden durch das eigene Werk zieht. Cult Of Luna machen das mittlerweile konsequenter, aufdringlicher, aber auch spielerischer und besser denn je.

Für viele Bands wäre es allein schon eine Geschichte wert, in einem alten Proberaum auf dem verlassenen Gelände eines Irrenhauses ein Album aufgenommen zu haben. Cult Of Luna sind aber nun einmal nicht irgendwer, schöpfen ihre Inspiration bekanntlich ganz anderen künstlerischen Quellen und setzen dem somit noch einen drauf. Dreh- und Angelpunkt ist diesmal das mystische Tagebuch “Tales from the eternal kingdom” von Holger Nilsson, was eher durch Zufall zwischen Zwangsjacke, verrostetem Psychobesteck und allerhand Zeichnungen von Patienten gefunden wurde. Doch hier beginnt erst die eigentliche Geschichte: Nilsson beschreibt eine abenteuerliche Welt, in der die Tiere um das böse Fabelwesen König Ugín – halb Mensch, halb Eule – einen Kampf gegen die guten Wesen – angeführt von einem Auerhahn – führen. Auch der Näcken (schwedisches Sinnbild für den Teufel) kommt in dieser Geschichte vor, soll er doch Nilssons Frau umgebracht haben. Vielmehr sitzt aber dieser selbst lebenslang in der Psychiatrie.

Was Cult Of Luna mit “Eternal kingdom” nun so einzigartig macht, ist die Herangehensweise an die Musik und die Kunst, sich dieser Grundidee der Geschichte – die ja wiederum auch auf verschiedenen Wahrheiten basiert – völlig auszuliefern. Gleichzeitig muss das alles zusätzlich in das bestehende Soundgewand der Band übersetzen werden. Hinzu kommt noch die bebilderte Ebene des Artworks, die das Album zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügt. Das mag in der Tat alles sehr überladen klingen, offenbart aber genau das, was anderswo oftmals fehlt: Tiefgang und Niveau. Cult Of Luna haben sich unlängst Narrenfreiheit erarbeitet und nutzen diese, um eben nicht nur sich selbst weiterzuentwickeln, sondern auch den Hörer ausreichend herausfordern zu können. Vom Umfang und der Art und Weise her ähnelt das schon beinahe den letzten Veröffentlichungen von The Ocean, Tool oder auch Mastodon.

Natürlich liegen dazwischen noch ein paar musikalische Welten, aber die Intentionen sind ebenso wie der Drang zur Neuerung die gleichen. Im Gegensatz zum fast perfekt melodischen “Somewhere along the highway” klingt “Eternal kingdom” wesentlich härter und rauer, ohne dies unterm Strich aber wirklich auch zu sein. Dieser innere Widerspruch ist das Ergebnis der neuen Vielfältigkeit, die zwar sehr durchdacht wirkt, trotz elektronischer Interludes und atmosphärischer Spielereien aber keineswegs aufgesetzt ist. “Eternal kingdom” besteht aus einer komplexen Geschichte, von der die Musik nur ein Teil zu sein scheint. Trotzdem offenbaren die sechzig Minuten voller abwechslungsreichstem Sludge fast genauso viele überraschende Momente, wie sie Fragen aufwerfen. Das gehört dazu, schließlich ist die Lebensgeschichte des Inspirators keineswegs durchsichtiger. Im Gegenteil: Monster, Krieg und gestörte Seelen sind ebenso präsent wie sich hoffnungsvolle Zwischenspiele neben dramatische Gitarrenschlachten gesellen. Man muss sich nur in die psychischen Abgründe vorarbeiten, um auf den Sinn zu stoßen. Die Idee ist schließlich die Message.

Tracklist:
01) lowlwgod
02) eternal kingdom
03) ghost trail
04) the lure
05) mire deep
06) the great migration
07) österbotten
08) curse
09) ugín
10) following betulas

© written for plattentests

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Außen hui, innen hui

Monday, August 4th, 2008 at 02:04

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Lykke Li – Youth Novels
Vö: 29. August 2008
Label: LL / Eastwest / Warner
Länge: 44:48 min
Hit: I’m Good, I’m Gone
Punkte: 6/10

Lykke Li - Youth Novels

Typisch Schweden mal wieder: Hübscher Kern mit hübsche Verpackung. Lykke Li erfüllt alle gängigen Klischees, Erwartungen und Hoffnungen, die man in Bezug auf schwedische Popmusik zu pflegen weiß. Da wären: Hübsche, junge Frau steht auf der Bühne und sieht gut aus. Das stimmt soweit. Da Nordländer aber in der Regel weder plump, noch billig sind, wird dieses sexy Image natürlich nicht eins zu eins übertragen. Deswegen sieht “Youth Novels” nicht nur von außen recht zurückhaltend, aber ansprechend aus, sondern klingt es auch. Schon “Melodies & Desires” hört man dies ganz deutlich an: Spärlich instrumentiert wie ein Intro, aber die markant liebliche Stimme mit den prägnanten Texten stets in den Mittelpunkt gerückt. Das ist schließlich auch das Konzept des ganzen Albums. Selbst wenn die sachten Gitarren in “I’m Good. I’m Gone” einmal durch elektronische Beats ersetzt werden, wird davon nicht abgerückt. Bat For Lashes lassen grüßen. Eine andere Möglichkeit hätte Lykke Li allerdings auch gar nicht, dafür müssten die Melodien nämlich noch etwas ausgereifter sein. Dennoch bewährt sich ihre Herangehensweise an Popmusik: Stilvielfalt, trotz scheinbarer Schüchternheit. Schweden halt.

Tracklist:
01) melodies & desires
02) dance, dance, dance
03) i’m good, i’m gone
04) let it fall
05) my love
06) tonight
07) little bit
08) hanging high
09) this trumpet in my head
10) complaint department
11) breaking it up
12) everybody but me
13) time flies
14) window blues

© written for spoonfork

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Hauptaugenmerk

Sunday, August 3rd, 2008 at 21:03

| aktueller song: heavy heavy low low – kids, kids, kids |

Gotye – Like Drawing Blood
Vö: 22. August 2008
Label: SNS / Lucky Numbers / Pinnacle / Rough Trade
Länge: 47:45 min
Hit: The Only Thing I Know
Punkte: 5/10

Gotye - Like Drawing Blood

Weniger ist manchmal mehr. Das klingt nach einem doofen Sprichwort, ist es aber nicht. Es ist wirklich so. Gotyes neues Album “Like Drawing Blood” kann davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen. Zum Beispiel das 21-sekündige Intro, in dem absolut gar nichts passiert oder zu hören ist, was aber unter dem Namen “Like Drawing Blood” sogar der Titeltrack sein soll. Das hätte man sich durchaus sparen können. Das interludeartige “Seven Hours With A Backseat Driver” lockert zwar mit einem Hauch von Weltmusik den poppigen und nicht selten auch ambienten, gar chilligen Indieelektro etwas auf, passt aber in seiner Vielzahl der Instrumentierung nicht unbedingt zum restlichen Album. Auch hier hätte ein Blick zurück aufs Wesentliche nicht geschadet. Dafür offenbart sich danach in “The Only Thing I Know” ein kleiner Hit, der gerade durch seine kleinen perkussiven Elemente hängen bleibt. Überhaupt liegen darin auch die Stärken von Gotye und nicht im Gesang, wie es “Learnalilgivinanlovin” belegt. Weniger wäre manchmal eben doch mehr.

Tracklist:
01) like drawing blood
02) the only way
03) hearts a mess
04) coming back
05) thanks for your time
06) learnalilgivinanlovin
07) puzzle with a piece missing
08) distinctive sound
09) seven hours with a backseat driver
10) the only thing i know
11) night drive
12) worn out blues

© written for spoonfork

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