Archive for April, 2008

Biene Maja

Wednesday, April 30th, 2008 at 00:25

| aktueller song: between the buried and me – all bodies |

Julith Krishun – Julith Krishun
Vö: 10. April 2008
Label: Altin Village / Mine / Shark Men
Länge: 28:29 min
Hit: Splintered Myself
Punkte: 6/10

Julith Krishun - Julith Krishun

Julith Krishun haben Hummeln im Arsch, so viel steht zumindest fest. Schlecht ist das keinesfalls, wurden doch sogar schon beim Zeichnen des Artworks viel zu viele Buntstifte verschlissen, viele Menschen aufgespießt und viele Augen visuell gefickt. Das ist anders, das ist gut! Aber irgendwie wird man den Gedanken nicht los, Julith Krishun hätten auch sonst einen erhöhten Mitteilungsbedarf, der sich eben nicht nur in der Discographie durch unzählbar viele Tapes, Demos, Splits und EPs wiederspiegelt, sondern eben auch konsequent die erste selbstbetitelte CD durchkreuzt – positiv wie negativ. Einerseits gibt es ordentlich chaotisch aufs Fressbrett, denn die Dresdner wissen durchaus, wie man dem Hörer kernigen Hardcore, Screamo, aber auch Rock, gepaart mit einer Menge stressiger Überforderung, vor den Latz knallen kann. Zann, The Number Twelve Looks Like You oder auch Officer Jones And His Patrol Car Problems lass grüßen. Andererseits fehlt jedoch die Struktur, die ein Album durchaus von einer Split-CD unterscheidet. Und auch wenn eine Spielzeit von 30 Minuten nicht ausufernd ist, so verpufft der Sturm in der zweiten Hälfte. Dafür gibt es dann aber noch “Splintered Myself”, da brummt die dicke Hummel nochmal so richtig.

Tracklist:
01) never touch the freezing cold
02) thecureeruceht
03) requiem for a dream
04) take me home
05) i sell myself
06) phoenix circles
07) nosferatu in love
08) keep breathing today
09) splintered myself

© written for fuze magazine

Posted in Platten
by admin

Die Aufholjagd

Tuesday, April 29th, 2008 at 01:36

| aktueller song: maybeshewill – heartflusters |

Time Has Come – White Fuzz
Vö: 23. Mai 2008
Label: Regain / Soulfood
Länge: 41:39 min
Hit: Keep Your Tongue From Evil
Punkte: 7/10

Time Has Come - White Fuzz

Die Regel bestätigt sich aufs Neue: Wenn überhaupt, legt man sich nur selbst Steine in den Weg! Seit langer Zeit geisterte der Bandname von Time Has Come durch die Musiklandschaft. Was man hörte, war zwar gut, aber man hörte nicht viel. Gelegentlich ein einzelner Liveauftritt, dann wurde es wieder ruhig und es beschlich einen das Gefühl, der Elan verfloss, bevor es überhaupt losging. So zumindest der Schein, in Wahrheit wurde natürlich lange im Verborgenen am Bandkonzept gearbeitet. Denn: Was lange währt wird gut, sagt man. Und oft hat man damit ja auch Recht. “White Fuzz” sollte alles andere als ein Schnellschuss werden, soviel wird zumindest schon im Opener “Keep Your Tongue From Evil” klargestellt. Der Sound wirkt wesentlich reifer, eigenständiger und versierter. Selbst der markante zweistimmige Gesang wird nach dem Ausstieg von Sänger Tobi ähnlich variabel beibehalten. Und mit schlappen sechs Minuten wird auch gleich eine deftige Marke gesetzt. Was aber auch zum Problem werden kann: Time Has Come spielen danach Alles oder Nichts und verpacken eine Menge Technik, viel Gekeife, erstaunlich viel Melodie und eben auch den einen oder anderen Schnörkel zu viel auf ihr Debüt. Aber man muss ja Boden gutmachen.

Tracklist:
01) keep your tongue from evil
02) a clown can get away with murder
03) when the promise of forever becomes a farewell on lease
04) something draws near from nothing
05) elevator to prypiat
06) the abandoned city (part 1)
07) … and no matter how fast you try to run you are always moving in slow motion
08) the abandoned city (part 2)
09) ignorance is bliss
10) the white fuzz

© written for fuze magazine

Posted in Platten
by admin

Nach dem Post ist vor dem Rock

Sunday, April 27th, 2008 at 22:23

| aktueller song: tina dico – undone |

Gregor Samsa – Rest
Vö: 25. April 2008
Label: Own / Ali!ve
Länge: 47:57 min
Hit: First Mile, Last Mile
Punkte: 7/10

Gregor Samsa - Rest

Die Klassik glaubt an objektive Gesetze, die Moderne hingegen beruft sich auf Kreativität. So oder so ähnlich haben wir es zumindest einmal gelernt, damals im Kunstunterricht. Die große Frage, die sich daraus ergibt: Was darf man sich überhaupt genau darunter vorstellen, wenn Gregor Samsa als “post modern classic” abgestempelt werden. Vielleicht so eine Art super- und hyperkreative Band, die sich nicht nur für Literatur von Franz Kafka interessiert, sondern auch in alten Zeiten der Wiener Klassik schwelgt? Um es vorwegzunehmen: Beides! Und sogar noch mehr. Denn im Gegensatz zu vielen aktuellen Bands, deren Musik man nur allzu gerne das Wortchen “Post” voranstellt, verdienen Gregor Samsa dieses Suffix wirklich.

Einfach gesagt, ist ja das Kennzeichen postmoderner Musik ein gewisser Pluralismus, das Vorhanden- und vor allem Nebeneinandersein von verschiedenen Sprachen im weitesten Sinne. Modelle und Verfahren werden nicht in unterschiedlichen Werken, sondern in genau einem umklammert. Schon allein deswegen dürften viele so genannte Post-Hardcore-Bands eigentlich gar nicht so betitelt werden, weil sie im Grunde oft viel zu uniform sind und einen die Gründung im Jahre 2001 nicht automatisch postmodern macht. Anders bei Gregor Samsa, die es zwar auch erst seit 2000 gibt, doch die unterm Strich alle Schlüsselmerkmale der Postmoderne vereinen. Das geht schon beim offensichtlichsten Kennzeichen los, dem Hybridcharakter, auch Stilmischung genannt: Post Rock trifft auf klassische Elemente, die bei “Rest” gegenüber “55:12″ noch mehr in den Vordergrund rücken. Selbst an Stellen, wo man auf dem Vorgänger noch das Gefühl hatte, es würde sich um Songs handeln, dem – in Anführungsstrichen gesehen – Hit “Even numbers” zum Beispiel, wird dies jetzt mehr und mehr negiert. Songs werden stattdessen zunehmend in Atmosphären aufgelöst – was keineswegs schlecht ist, um Gottes willen, die Sache aber auch nicht eben einfacher macht.

Zudem steigert “Rest” auch die Mehrfachcodierungen, sprich: die Deutungsmöglichkeiten, sowie die radikale Toleranz und Freiheit cinematischer Zeichenhaftigkeit, die den Normalos unter den Postrock-Bands ohnehin schon nachgesagt wird. Besonders beispielhaft dürfte da ein Song (?) wie “First mile, last mile” sein, der sich intertextuell bei so ziemlich allen Genres zwischen Ambient, Klassik und Rock bedient, sich emotional immer weiter reinsteigert, um sich dann selbst zu dekonstruieren. Der Vorteil ist, dass Gregor Samsa so der typischen laut-leise-Vernunft einzelner Songs, wie sie vermeintliche Genrekollegen oft spielen, eine strickte Absage erteilen – und genau deswegen auf “Rest” viel homogener klingen als diese. Das wirkt dann zwar noch irrealer, vervielfältigt andererseits die Interpretationen der möglichen Wahrheiten aufs Neue. Versteht erst einmal keiner? Willkommen in der Postmoderne!

Tracklist:
01) the adolescent
02) ain leuh
03) abutting, dismantling
04) company
05) jeroen van aken
06) rendered yards
07) pseudonyms
08) first mile, last mile
09) du meine leise

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Die Schlimmbesserung

Sunday, April 20th, 2008 at 20:17

| aktueller song: transit – trees |

Thrice – The Alchemy Index: Vol. 3 & 4 (Air & Earth)
Vö: 18. April 2008
Label: Vagrant / Rough Trade
Länge: 45:10 min
Hit: The Earth Isn’t Humming
Punkte: 6/10

Thrice - The Alchemy Index: Vol. 3 & 4 (Air & Earth)

Weniger wäre manchmal mehr – so resümierten wir bei “The alchemy index: Vol. 1 & 2 (Fire & water)”. Dieses Fazit haben wir dann mit konkreten Ansätzen als Art Briefing ausformuliert, unsere interne All-Star-Band hat dazu noch ein paar Beispiel-Demos aufgenommen und beides zusammen schickten wir daraufhin ausreichend frankiert rüber nach Orange County, California. Dustin Kensrue bedankte sich artig für diese nette Form der konstruktiven Kritik und wollte mal schauen, ob unsere Ideen noch eingebunden werden könnten. Eigentlich seien die EPs Nummer 3 und 4 aber schon bei der ersten Session fertig aufgenommen worden. Diese Vorgeschichte nur zum besseren Verständnis.

Danach wurde es erst einmal ruhiger um die Band, und auch wir haben nicht mehr viel gehört. Jetzt wissen wir: Sie haben jede Minute der Zeit effektiv genutzt, um unsere Anmerkungen doch noch irgendwie unter dem Druck des Veröffentlichungsdatums einzubauen. Umso schöner ist es jetzt zu sehen und zu hören, dass es doch noch Bands gibt, die sich mahnende Worte zu Herzen nehmen. So macht “Air & earth” gegenüber “Fire & water” mehr oder weniger eine Rolle zurück, unter anderem zu der großartigen Stimme ihres Sängers, die wieder vermehrt zur freien Entfaltung kommt. Weniger ist eben doch manchmal mehr. Ebenso wirken alle Songs untereinander geschlossener, homogener und atmosphärischer verknüpft – genau das wollten wir ja.

Eigentlich wäre somit auch der Weg zum “Album des Jahres” frei gewesen, doch wie es immer so ist, gehen Dinge immer genau dann schief, wenn man sie a) nicht selbst macht oder b) alles explizit sagt. So vergaßen wir in unserem Briefing zu erwähnen, dass genau die musikalische Varianz zwischen “Fire” und “Water” das Spannendste am Vorgänger war und bitte unbedingt beibehalten werden sollte. Stattdessen klingt nun “Earth” – abgesehen von “Come all you weary” – in seinem akustischen Gewand zwar wesentlich erdiger und bodenständiger, doch fehlt von der Grundstimmung her ganz eindeutig der Kontrast gegenüber dem etwas leichteren “Air”. Da wurde wohl der Satz: “Die zusammengehörenden Elemente sind als Einheit und Gegenspieler zu verbinden”, nicht bis zu Ende gelesen.

Nun ist es ja wirklich nicht so, dass wir manisch immer etwas suchen müssen, nur damit es etwas zu Nörgeln gibt, aber wir müssen es wohl noch einmal betonen: Weniger ist immer noch mehr! Diesmal halt nur an anderer Stelle. Die Songs von “Air & earth” sind wirklich allesamt große Klasse und lassen sehr oft Parallelen zu Dustin Kensrues Soloaufnahmen aufkommen – was ja auch absolut positiv ist. Aber irgendwie beißen sie sich auch selbst in den Schwanz, indem sie in den Konzeptgedanken der vier Elemente veröffentlicht werden und man dies daraufhin immer im Hinterkopf hat. Zum hinter die Ohren schreiben: Kompliziert bauen kann jeder.

Tracklist:
cd 1:
01) broken lungs
02) the sky is falling
03) a song for milly michaelson
04) daedalus
05) as the crow flies
06) silver wings

cd 2:
01) moving mountains
02) digging my own grave
03) the earth isn’t humming
04) the lion and the wolf
05) come all you weary
06) child of dust

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Nina Ruge flippt aus

Friday, April 11th, 2008 at 00:52

| aktueller song: kashee opeiah – after this act of deliverance |

Daturah – Reverie
Vö: 28. März 2008
Label: Golden Antenna / Broken Silence
Länge: 59:57 min
Hit: Hybrisma
Punkte: 7/10

Daturah - Reverie

Es ist die Sinnfrage! Die, die sich scheinbar jedem Mittzwanziger irgendwann stellt: Was mache ich hier eigentlich? Was kann man dagegen tun? Und was soll überhaupt der ganze Scheiß? All die komischen Freunde, die entweder noch Kind sind oder schon welche haben. Die Arbeit, die längst mehr Sklaventreiberei ist als alles andere. Und die Freundin erst, die mittlerweile nur noch Stress und Ärger macht, sobald der Mund aufgeht. Irgendwie war das in der Jugend alles besser, aber das ist sie wohl – die Blüte, die beste Zeit des Lebens, der Zenit. Danach dann die Krisenzeit, in der die Entscheidungsfreudigkeit um denselben Faktor abnimmt, wie die Selbstmordrate drastisch ansteigt. Jetzt bloß schnell den Absprung schaffen!

Irgendwie klingen Daturah auch so. Nicht, dass sie kurz davor wären, sich umzubringen. Jedenfalls wollen wir das mal nicht hoffen. Es ist eher die Mischung aus abgrundtiefer Verzweiflung, die aber komischerweise nicht nach hängenden Köpfen klingt. Daturah spielen nun einmal astreinen instrumentalen Postrock der Marke EF, Caspian, This Will Destroy You und wie sie nicht alle heißen, da lässt sich eine gewisse depressive Grundstimmung nicht verhehlen. Aber so ein bisschen ist das auch wie mit diesen Situationen, in denen immer die Leute angerannt kommen und einen fragen, was denn los sei, man sehe so bedrückt aus, wobei man doch in ganz normaler Verfassung ist. Die Standard-Mittwochslaune eben. Hört man das dann noch von vier anderen, ist man dann aber wirklich kurz davor auszuticken.

Etwa in diese Richtung gehen die wenigen, aber extrem wirkungsvoll eingesetzten Samples. Von Anklagen ist die Rede, von Arbeits- und Gesellschaftslosigkeit, von Überwachung und Einsamkeit, selbst von Narben, die sich aber niemand zufügt, keine Sorge. Vielmehr sind Daturah mit ihrem Zweitwerk “Reverie” genau darüber erhaben, über diesen Nihilismus. Wo “Hybrisma” gegen Ende mit dem unterlegten, zornigen Fluchen in der Tat bedrohlich klingen mag, ist “9″ genau das Gegenteil. Wenn man so will, könnte das der Moment sein, in dem es einem einleuchtet, dass das Leben eigentlich doch eine geile Geschichte ist, ähnlich geil wie dieses Album vielleicht. Daturah haben den Absprung geschafft, klingen unverkennbar spannend und bieten in zweifelnden Stunden immense Aufbauhilfen. Die Sinnfrage ist somit gelöst: Eigenes Ego durchziehen und alles wird gut!

Tracklist:
01) ghost track
02) hybrisma
03) 9
04) deep b flat
05) vertex

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Mitgedacht

Monday, April 7th, 2008 at 17:54

| aktueller song: amia venera landscape – a new aurora |

Son Of Dave – 03
Vö: 11. April 2008
Label: Kartel / Pias / Rough Trade
Länge: min
Hit: Low Rider
Punkte: 5/10

Son Of Dave - 03

Man lernt ja nie aus, das ist das gute am Leben. Der Kopf hinter dem Soloprojekt Son Of Dave, Benjamin Darvill, war immerhin Mitglied der Crash Test Dummies. Schau mal einer an! Oder ist es vielleicht sogar noch, wenn die noch aktiv sein sollten, man weiß es nicht. Jedenfalls ist es ja schon erstaunlich, dass der CD dann kein so ein überflüssiger Aufkleber anheftet, der uns das schlicht mit “03″ betitelte Album über deren Bekanntheit verkaufen will. Erstens: Das würde vorne und hinten sowieso nicht funktionieren, da musikalisch Welten zwischen den Crash Test Dummies und dem sehr improvisiert und kratzig klingenden Blues von Son Of Dave liegen. Zweitens: Kann man im Genre des rockigeren Folks ohnehin von einer etwas anspruchsvolleren Zielgruppe ausgehen, der Musik sei Dank. Hier ist alles durchweg ehrlich, inklusive Höhen und Tiefen. Da denkt jemand mit. Und man selbst muss es auch.

Tracklist:
01) your mercedes intro
02) old times were good times
03) nike town
04) lover not a fighter
05) low rider
06) hellhound
07) i’m not your friend no more
08) your mercedes
09) i just wanna get high with you
10) squat that rabbit
11) roller boogie

© written for spoonfork

Posted in Platten
by admin

Großer Kleinkram

Monday, April 7th, 2008 at 17:51

| aktueller song: last minute to jaffna – dawn |

De La Mancha – Atlas
Vö: 23. Mai 2008
Label: Crying Bob / Broken Silence
Länge: 63:44 min
Hit: Being A Hero Is Easy
Punkte: 6/10

De La Mancha - Atlas

Schmeißen wir das Vorurteil über Bord, Postrock oder alles was in diese Richtung geht, sei depressive Herbstmusik. Totaler Unsinn. Inklusive der ganzen Besprechungen, die sich ausschließlich auf genau das beziehen. Ja ja, melancholisches Kopfkino und so, zum Umbringen. Das Gegenteil ist hier eher der Fall: Aprilmusik, auch wenn sie erst im Mai veröffentlicht wird. Soll heißen: De La Mancha zwar wissen was sie wollen, stecken aber schön wechselhaft die Paletten zwischen einlullendem Postrock, sachter Indieeingängigkeit und – wenn man so will – stinknormalem, alternativem Rock ab. Das liest sich jetzt vielleicht zwar etwas schnöde, klingt aber auch nicht wirklich bombastisch, so im epischen Sinne gesehen – aber genau das ist gut! Gerade “Being A Hero Is Easy” ist dabei so schön unaufdringlich und gleichzeitig alles andere als depressiv. Wie sagt man so kitschig: Remember the small things!

Tracklist:
01) newfoundland
02) release all light
03) lotus seven
04) and rainy days
05) the kimono
06) superstoned
07) so let’s blow up our heads and leave
08) being a hero is easy
09) sleep

© written for spoonfork

Posted in Platten
by admin

À la carte

Friday, April 4th, 2008 at 13:28

| aktueller song: isis – garden of light |

Artikel zu Stadtnomaden, Küche_A la carte
(April 2008)

Stadtnomaden, Küche_A la carte

Ein Mann (24, selbstständiger Unternehmer) geht in ein Restaurant (gehobene Sternezahl):

Ober: Guten Abend, der Herr! Darf ich ihnen die Jacke abnehmen? Haben sie einen Platz reserviert?
Gast: Vielen Dank! Ja, ein Platz! (führt den Gast zu Tisch)
Ober: Haben sie schon etwas ausgewählt? À la carte oder Menü?
Gast: À la carte, bitte! Am liebsten diese “Küche_A la carte”, die scheint genau das Richtige für den kleinen Hunger zu sein. Darf man wissen, was sich da noch drin befindet – wegen meiner Allergien.
Ober: Selbstverständlich, aber keine Sorge, wir verzichten konsequent auf Zusatzstoffe: Keine verlierbaren Teile, werkzeugloser Aufbau!
Gast: Klingt gut!

Köche dieses geist- und geschmackvollem Gerichts sind die Stadtnomaden, ein Duo um die Industriedesignerin Linda Altman und den Schreinermeister Oliver Krapf. Und genau dieser Name deutet es schon an: Es geht um junge, dynamische, nie sesshaft werdende Menschen, die von Metropole zu Metropole hoppen und genau das auch von ihren Möbeln erwarten – kein langes Schrauben, nicht viel Platz in Anspruch nehmen, schnell aufbaubar sind und natürlich dabei stilvoll aussehen. Zeit ist bekanntlich Geld und falls man doch einmal die Kollegin in Singapur bekochen möchte, muss man natürlich Eindruck schinden. Mobilität und Flexibilität sind die Schlüsselbegriffe dieser Küche. Und unserer Generation.

Gast: Einmal, bitte! Zum Mitnehmen!

© written for spoonfork

Posted in Gestaltung
by admin

Absolut Tina

Wednesday, April 2nd, 2008 at 13:26

| aktueller song: rolo tomassi – seagull |

Tina Dico – Count To Ten
Vö: 29. Februar 2008
Label: Island / Universal
Länge: 49:33 min
Hit: Count To Ten
Punkte: 7/10

Tina Dico - Count To Ten

Entschuldigung, aber Tina Dickow klingt irgendwie nach russischem Wodka und Zwangsprostitution. Doch das soll uns nicht weiter abschrecken, da kennen wir bekanntlich nichts. Abgesehen davon, entpuppt sich das Vorurteil ziemlich schnell als pure Unwissenheit. Tina Dickow nennt sich mittlerweile nämlich Tina Dico und hat mit dem Sibirienfusel ungefähr genauso viel am Hut wie das Gesöff mit Absolut Vodka – rein gar nichts! Letzteres passt dafür wiederum ganz gut, nicht nur weil das eine aus dem schwedischen Åhus kommt und die Dame mit der Gitarre aus dem ähnlich klingenden, dänischem Aarhus. Auch die Verpackung stimmt bei beiden: geschmacklich, optisch, musikalisch. Gut, von Tina Dico trägt man am Morgen danach keinen dicken Kopf davon, dafür ist die Mischung aus Singer-/Songwriter und Pop nicht hart genug, aber es muss ja nicht immer gleich der totale Hartschuss sein. Schmecken muss es. Und das tut es!

Tracklist:
01) count to ten
02) on the run
03) open wide
04) night cab
05) you know better
06) sacre coeur
07) craftsmanship and poetry
08) my business
09) cruel to the sensitive kind
10) everybody knows
11) night cab (epilogue)

© written for spoonfork

Posted in Platten
by admin