Archive for March, 2008

In der Ruhe liegt die Kraft

Tuesday, March 25th, 2008 at 02:42

| aktueller song: giardini di miro – embers |

Artikel zu Across The Delta
(März 2008)

Across The Delta

Der gewöhnliche Deutsche neigt zu einer gewissen Grundpünktlichkeit – der Südländer laut Klischee jedoch eher nicht so. Zwar ist es jetzt schon witzig, dass Österreicher in diesem Zusammenhang als Südländer betitelt werden, aber was will man machen – Hamburg ist ja schon fast Nordeuropa. Genau deswegen ist es auch nicht wunderlich, dass man nach knapp einer Stunde Verzögerung des Interviews durchaus etwas ungeduldig wird. Doch dann, der Zufall wollte es so, taucht Johannes Reisinger, Sänger der Band Across The Delta, doch noch auf. “Sorry, tut mir leid!”, heißt es kurz und bündig, aber durchaus glaubwürdig, zur Begrüßung. Er steckte noch am Material für das kommende Album fest und sei darin total vertieft gewesen, meinte er begeistert. Ah, okay! Und eine beneidenswerte Arschruhe scheint er auch noch weg zu haben, der Südländer! Doch ein paar Augenblicke später, in denen der Nordeuropäer plauderisch auf seine Normallässigkeit zurückgeholte wurde, kann das Gespräch in die Vollen gehen.

Das erste interessante Thema wurde ja quasi schon zur Begrüßung gratis mitgeliefert: Ein neues Album – wobei doch “Dancing To Architecture” in diesen Tagen gerade erst einmal in Deutschland erscheint. Doch die Aufklärung folgt ebenso prompt wie einleuchtend: “Dancing To Architecture” erschien in Österreich schon im Jahre 2006. Das Material hat also schon einiges auf dem Buckel, weckt aber gerade erst jetzt mit Auftritten auf der Hauptbühne des Nova Rock Festivals und im Vorprogramm der Smashing Pumpkins die Erwartungen und Interessen in unserem Lande. “Der Grund, warum das Album mit dieser großen Verspätung in Deutschland erscheint, ist dass uns ein bisschen die Hilfe gefehlt hat. Deutschland ist zwar geographisch und kulturell kein großer Sprung für uns, aber wir wussten nie recht, an wen wir uns wenden können. Es fehlten die Anlaufstellen.” Die sind allerdings jetzt gegeben und die erste Tour außerhalb der vertrauten österreichischen Landesgrenze ist auch gebucht.

Somit könnte Across The Delta 2008 das erfolgreichste Jahr ihrer immerhin schon zehn-jährigen Bandgeschichte bevorstehen – zehn Jahre in denen sie am leichtfüßig verspielten Prog-Pop-Sound mit Gitarren genauso viel gefeilt haben, wie Bandnamen über Bord geworfen wurden. Doch so sind sie nun einmal, die Architekten – denn das ist ein Teil der Band sogar wirklich! Unzählige Pläne, Berechnungen und viele Diskussionen zur Musik und dem ganzen Drumherum gehören da zum Alltag, dem Album mag man das aber trotzdem nicht anhören, dafür pendelt es zu gut zwischen Kopf und Bauch. Und möchte man den Ausblicken des Sängers schon einmal Glauben schenken, dann soll es in Zukunft noch homogener und runder im Schaffen der Band zugehen. Er muss es ja wissen, er hat sich ja gerade eben noch zu lange darin verloren. Ein gutes Zeichen.

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Vereinfachte Formel

Monday, March 24th, 2008 at 17:35

| aktueller song: tegan & sara – monday monday monday |

Across The Delta – Dancing To Architecture
Vö: 28. März 2008
Label: Ink / Edel / Broken Silence
Länge: 40:26 min
Hit: Temporary Overdose
Punkte: 6/10

Across The Delta - Dancing To Architecture

“Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen”. Wie oft hat man diesen Satz nicht schon gelesen? Bestimmt so oft, dass er trotz aller Richtigkeit und Schönheit total verkommen zu sein scheint. Und bestimmt genau so oft wurde er schon missbraucht, allein in jeder Rezension zu Platten von The Mars Volta und anderem mathematischem Gewichse. Doch das ist Quark, denn die sind mittlerweile eher ein unästhetischer Krüppelbau statt moderner Architektur. Letzteres entwerfen Across The Delta da schon eher: klar, leichtfüßig, einfach, aber dennoch kantig, gelegentlich sogar sperrig, jedoch immer mit klaren Formen, Flächen und Linien. Und mit gehobenem Anspruch. Die Mischung ist aktuell, von früheren Zeiten beeinflusst, aber nach vorne gerichtet. Auf das Fundament aus leicht vertracktem Prog und sachtem Klavier bauen Across The Delta zusätzlich noch eine Etage aus poppiger Eingängigkeit und Tanzbarkeit. Und warum Across The Delta das so gut hinbekommen, ist ganz einfach: Zum einen gibt es die Band schon knapp zehn Jahre und zum anderen sind sie von Beruf wirklich Architekten, die eben Musik machen. Ohne dicke Formelwälzer.

Tracklist:
01 the intensive alibi
02) the loop
03) temporary overdose
04) intermission
05) divine princess
06) elephant
07) euphoria

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Aufstand in Hintertupfingen

Sunday, March 23rd, 2008 at 00:25

| aktueller song: fight amp – late bloomer |

Ill Niño – Enigma
Vö: 28. März 2008
Label: Cement Shoes / Soulfood
Länge: 53:57 min
Hit: The Alibi Of Tyrants
Punkte: 3/10

Ill Niño - Enigma

Nichts Neues in Lateinamerika, möchte man denken. Stimmt vorne und hinten aber nicht! Zum einen kommen Ill Niño höchstens gefühlt aus Südamerika und sind in New Jersey, USA, stationiert. Zum anderen ist neu, dass Ill Niño nicht mehr bei Roadrunner unter Vertrag sind, Shows in viel kleinere Clubs gebucht werden müssen und sich die Verkaufszahlen konsequent nach unten orientieren. Nicht einmal mehr die Top 100 der Billboard-Charts haben sie mit dem letzten Album “One nation underground” geknackt! Zeit also für einen grundlegenden Neuanfang. Eigentlich.

Nach sage und schreibe sieben Monaten im Studio und x-maligem Verschieben der Veröffentlichung von “Enigma” durfte man nun also wirklich gespannt sein, was Ill Niño aus dem Hut zaubern würden. Alles wäre drin gewesen: die Oktoberrevolution, die Xinhai-, die Februar- oder die Kubanische Revolution hätte es werden können. Jede ausgelutschte Mauer aus alten Zeiten hätte umgestürzt und abgerissen werden können. Am Ende wurde es die zwei Mann starke Kommunalrevolution in Fratzendorf zu Hintertupfingen vorm Wald, bei der die hochgeklappten Bordsteine in neuem tristen Grau erstrahlen.

“Enigma” macht genau da weiter, wo Ill Niño vorher schon aufgehört haben: Moderner Metal, Latino-Einschlag, Refrains zum Mitsingen, die obligatorische Ballade. Alles gut und schön, ja, gerade das Getrommel hat beim besten Willen sogar noch nach zehn Jahren irgendwo etwas Interessantes, doch das war es dann auch schon. Der komplette Rest ist auf das selbe Fundament gebaut, auf dem auch schon “Revolution revolución” aus dem Jahre 2001 basierte – nur waren damals noch eine Menge Hits auf dem Album vertreten. Richtige Revolutionen kommen eben aus dem Magen, das erkannte schon Napoléon Bonaparte vollkommen richtig. Blähungen kann er eher nicht gemeint haben.

Tracklist:
01) the alibi of tyrants
02) pieces of the sun
03) finger painting (with the enemy)
04) march against me
05) compulsion of virus and fever
06) formal obsession
07) hot summer’s tragedy
08) me gusta la soledad
09) 2012
10) guerrilla carnival
11) estoy perdido
12) kellogg’s, bombs, & cracker jacks
13) de sangre hermosa

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Konzipierte Konzeptlosigkeit

Friday, March 21st, 2008 at 00:36

| aktueller song: bodi bill – henry |

Interview zum Lieblingsempire
(März 2008)

Lieblingsempire Calendar 2008

Lieblingsempire – man mag von bilingualen Neologismen halten was man will, in diesem Fall passt er jedoch nur all zu gut. Genau danach haben Christoph Schwarze und Benjamin Bartosch nämlich gesucht: etwas das neu oder zumindest noch nicht in aller Munde ist, es aber bald sein könnte. Nun betreibt man mit jugendlichem, nicht aber naiv verblendetem Idealismus eine Plattform für Kunstprojekte aller Art, auf der sich Kulturjunkies aus allen Ecken zusammenfinden um gemeinsam zu Potte zu kommen. Weil bisher keiner schlau genug war, um kreative Ergüsse aus aller Welt Interessentengerecht zu komprimieren, erklären die beiden im popcultures-Interview Entstehungsprozess und Zukunftspläne.

Ich muss zugeben, dass mir zunächst etwas die Transparenz fehlte, was Euer Projekt anbelangt. Mir schien es so, als wolltet Ihr etwas starten ohne selbst eine genaue Richtung vorgegeben zu haben. Oder war das Teil Eurer Idee? Erst mit einem wild zusammengewürfelten, sich untereinander fremden Team ein gemeinsames Ziel erarbeiten und Lieblingsempire lediglich als Namen für Gruppendynamik walten zu lassen?

Christoph Schwarze: Gleich die schwerste und komplexeste Frage zum Einstieg, nicht schlecht. Aber um ehrlich zu sein – wir wollen uns mit dem Lieblingsempire auch gar keine Richtung vorgeben. Und wir wollten in der Tat auch einfach erst einmal etwas starten, irgendwas. Uns ging vieles auf den Sack: Schlechte Designs, diese ganzen sinnlosen Posergeschichten auf Youtube, das dreiviertelste Web 2.0. – diese Grundidee kann man auch produktiver nutzen. Ziel ist es also mit Gleichgesinnten etwas auf die Beine zu stellen, was über die Grenzen reiner Präsentationsplattformen a la Youtube oder Deviantart hinausgeht. Ob wir das Team der einzelnen Projekte “real” kennen oder nicht, ist egal – die Basis muss stimmen.

Benjamin Bartosch: Am Anfang war da sicher viel Sturm und Drang dabei, geleitet wurden wir aber vor allem von dem Interesse, was man erreichen kann, wenn man Dinge mal wirklich angeht und die schönen Gedanken nicht nur im Kopf verstauben lässt. Oft liegt es nämlich nur daran, dass man sich alleine nicht durchringen kann und man jemanden braucht, der mitzieht. Wir haben zwar zu zweit losgelegt, uns war aber klar, dass wir für die vielen Richtungen, die wir gerne einschlagen wollten, zahlenmäßig zu spärlich besetzt sind. Und nicht nur das, gerade der Austausch mit anderen gibt einem selbst neue Impulse, davon sollten alle profitieren. Ich würde uns jetzt einfach mal als Kommunikationsnerds bezeichnen, die auf der Suche sind nach motivierten Leuten, die genauso irren Spaß an spannenden Projekten haben wie wir – und im Idealfall natürlich noch was auf dem Kasten.

Was schwebte Euch vor, als Ihr dieses Projekt ins Leben gerufen habt? Stand direkt fest, dass Ihr Euch spontan inspirieren lassen würdet, um erst Interesse für ein bestimmtes Thema zu entwickeln? Oder ging es zunächst darum, eine “Marke” zu etablieren?

Benjamin Bartosch: Es ging nie darum solch eine Marke zu etablieren, die überall draufklebt, sondern vielmehr darum unseren Ideen ein Dach zu verleihen und einen Namen zu finden, mit dem man das alles identifizieren kann.

Christoph Schwarze: Zunächst ging es darum, spontan bestimmte Themen zu bearbeiten. Wir wollten uns kreativer an schon bestehende Dinge herantasten, als das bis jetzt oftmals der Fall war. Wir wollen uns auch thematisch nicht beschränken, dafür inspiriert uns alle doch täglich viel zu viel: Ein scheinbar belangloser Einkauf im Supermarkt genauso wie weltweite Rezession. Langfristig geht es schon darum, eine Art Marke zu etablieren – einen Spielplatz, der für alle offen ist. Irgendjemand schmeißt zum Beispiel die Idee in den Raum: “Lass uns eine Ausstellung machen”. Und wenn ein paar Leute Lust haben, setzen wir eben eine um. Vielleicht will aber auch nur irgendeine Band einen Flyer von uns gestaltet haben, auch darauf hat ein Grafiker bestimmt Lust.

Hat sich die Idee, nicht mit Kollegen, sondern völlig fremden Menschen zu arbeiten bei Euch von Beginn als eine der Hauptmotivationen festgesetzt? Der Gedanke, dass man sich nicht zwingend kennen muss, um gleiche kulturelle wie auch künstlerische Ideen zu verfolgen?

Christoph Schwarze: Vereinfachen wir das einmal ganz stark: Der Großteil des Webs besteht daraus, unter Bildern zu posten, dass die Frisur geil ist. Das bringt mir einen Scheiß, das ist verschwendete Zeit. Wir wollen neue Leute kennenlernen, mit ihnen arbeiten, uns selbst von ihnen inspirieren lassen. Diese Vielfältigkeit ist eine feine Sache. Die Frisur ist mir dabei total egal. Man baut sich somit ein Netzwerk auf, aus Leuten die etwa gleich ticken und die auch etwas machen wollen, die mit ihrer Kunst raus in die weite Welt wollen. Wir wollen das etwas bündeln. Und irgendwann mit allen eine riesige Party feiern.

Benjamin Bartosch: Auf der Party sollte die Frisur dann aber schon sitzen, sonst hagelt es wieder böse Kommentare. Aber mal im Ernst, mit scheinbar fremden Menschen zu arbeiten hat viele Vorteile, die bringen ihre eigene Welt einfach mit, wissen gar nicht wie man darauf reagiert, weil man sich eben noch nicht kennt. Das ist doch die schönste Art das ausgeleierte Konzept „Brainstorming“ zu praktizieren. Natürlich hat man gerne alte Freunde an Bord, aber die dürfen ja auch mitmachen.

Hat Euch der ganze Prozess, was die Mobilisierung von möglichen Interessenten angeht, nicht zwischendurch an den Rand der Verzweiflung getrieben? Ich stelle mir das zumindest als eine sehr aufwendige Sache vor.

Christoph Schwarze: Das auf jeden Fall. Das Aufwendigste ist die Kommunikation und genau dort scheitert auch das Meiste. Aber Kommunikation ist das A und O und die Welt ist groß, es gibt überall fähige Leute – man muss sie nur finden. Zudem ist es auch egal, ob ich eine E-Mail von Hamburg nach Bremen schicke oder von Berlin nach Buenos Aires, die Welt ist so klein wie nie zuvor. Regionalität ist im Internet nicht von Nöten.

Benjamin Bartosch: Leider erlebt man es immer wieder, dass einen Mails erreichen, deren Form die diverser Schmierzettel nur knapp übersteigt, daran verzweifelt man vielmehr. Ich war daher sehr erfreut, wie gut beispielsweise die Kommunikation im Verlauf der Kalenderplanung verlief, da hatten wir keine Probleme, trotz verschiedener Sprachen. Es gibt halt doch viele Leute, die wissen das Punkte und Kommata nicht nur für Smilys gut sind. Wenn das klappt, dann ist auch die Mailflut zu bewältigen. Die Motivation und Spontanität, mit der uns die Leute begegnet sind, hat uns natürlich ordentlich gefreut und in unserer Idee bestärkt. Wir wollen ja keine Massen rekrutieren, sondern eine handvoll Leute, das geht, zumal auch auf uns zugegangen wird.

Ihr habt nun einen Kalender für 2008 angefertigt, in dem für jeden Monat ein individuelles Bild von verschiedenen Künstlern angefertigt wurde. Hattet Ihr nicht die Befürchtung, dass, bei 12 verschiedenen Personen aus allen Teilen der Welt, so etwas wie eine Linie fehlt? Gibt es so etwas wie Vorgaben, an die sich jeder einzelne halten muss?

Benjamin Bartosch: Der erste Kalender 2007 entstand sehr spontan, hätte aber von Thematik und grafischer Umsetzung konzeptioneller nicht sein können. Natürlich hatten wir bei dessen Erstellung vor allem eine Menge Spaß, was man einzelnen Bildern ganz besonders ansieht. Die Zielvorstellungen waren damals also ganz andere. Der aktuelle Kalender war geplanter, scheint aber auf einige nicht so geradlinig und geschlossen zu wirken – das freut mich! Ich finde es schrecklich, zwölf Kreative per Biegen und Brechen auf ein Thema festzumünzen. Als Freunde der Abwechslung lag die Idee der Individualität einzelner Arbeiten in einem dennoch geschlossenem Werk für uns also auf der Hand. Jeder Monat eines Jahres hat auch viel eigenes, das ist doch schön. Genau dafür steht das Lieblingsempire.

Christoph Schwarze: In der Tat ist die Linie auf den ersten Blick schwer zu erkennen, aber genau das ist wiederum ein Anreiz sich genauer damit zu befassen. Wer darauf keinen Bock hat, soll es lassen. Auf Flüchtigkeit zielen wir nicht ab. Und wer genau hinschaut, wird sehen, dass es eine Linie gibt. Kalender über Katzenbabys gibt es genug, wir wollten einen, der vielfältig ist wie jeder einzelner dieser 365 Tage. Dass es trotzdem Vorgaben gibt, lässt sich nicht vermeiden. Das geht schon bei Größen und Auflösungen der Bilder los. Ansonsten soll jeder er selbst sein. Aber auch das beste Lieblingsempire funktioniert nicht ohne eine Art von gewissen Grundgesetzen.

Wie sahen Eure bisherigen Projekte bei Lieblingsempire aus? Was habt Ihr in Zukunft vor – seht Ihr Möglichkeiten, das Ganze auszubauen?

Christoph Schwarze: Unsere letzten Projekte waren allesamt sehr verstreut. Wir haben den Kalender dieses Jahr zum zweiten Mal gemacht. Auch haben wir uns mit der Gestaltung von Merchandise beschäftigt. Ein großes Fotoprojekt ist derzeit noch am Laufen. Im Grunde ging es noch gar nicht richtig los. Die Zukunft sieht so aus, dass wir uns erstmal eine Webseite basteln, um alle Aktivitäten besser zu bündeln, organisieren und auch präsentieren zu können. Den jährlichen Kalender wird es natürlich weiterhin geben. Aber wir wollen uns auch breiter aufstellen: wir wollen mit Journalisten oder auch Modedesignern zusammenarbeiten. Das Thema einer kollektiven Ausstellung ist natürlich immer aktuell. Aber eins nach dem Anderen.

Benjamin Bartosch: Bisher haben wir überall mal reingeschnuppert, nette Leute kennengelernt. Jetzt geht es aber erst richtig los. Was genau über laufende Projekte hinaus passieren wird, entscheidet eine lockere Dynamik, die Dinge, die uns begegnen und alle die an Bord sein wollen.

© milan werner / popcultures

* lieblingsempire
* popcultures

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Die Weisheit des Alterns

Tuesday, March 11th, 2008 at 00:58

| aktueller song: benea reach – awakening |

Earth – The Bees Made Honey In The Lion’s Skull
Vö: 15. Februar 2008
Label: Southern Lord / Soulfood
Länge: 53:23 min
Hit: Hung From The Moon
Punkte: 7/10

Earth - The Bees Made Honey In The Lion's Skull

“Lern etwas Anständiges, Junge!”, hatte Vatern immer gesagt gehabt. “Was Solides, man will ja später mal Frau und Kind ernähren können.” Man selbst, gerade grünschnäbelige 17 geworden, zu allem eine Meinung, aber im Grunde kein Plan, dachte sich nur: “Komm, Klappe mal, Alter!” Jetzt, mächtig viele Philosophiesemester und einige politische Protestwahlkreuze und Steinwürfe später, hat Papa plötzlich Recht: Idealismus ist gut und schön, bringt aber nichts.

Auch wenn es hart klingt und nicht gerade für die Band spricht: Earth hatten diese Erkenntnis in knapp 20 Jahren Bandgeschichte nicht. Dabei würde doch ein Blick bei Wikipedia unter dem komischen, aber doch treffenden Genrebegriff “Drone Doom” völlig zum Augenöffnen ausreichen: “Der Drone-Doom-Metal genießt auch innerhalb der Metalszene kaum Anerkennung und ist ein sehr spezielles Subgenre, weshalb die Zahl der praktizierenden Musikgruppen sehr klein ist und diese praktisch keine kommerziellen Erfolge erzielen können.” Optimisten und Postidealisten sagen: Earth gehen auch mit “The bees made honey in the lion’s skull” konsequent ihren Weg.

Sie gehen weiter, sie werden nicht jünger und somit weiser. Und genau das ist das Gute. Earth müssen niemand mehr etwas beweisen. Jedes Kind weiß, dass diese Band das Gebrumme, Gezirpe, das ellenlange und unendlich langsame Gedröhne perfektioniert hat. Vor Jahren schon. Es gibt ja sogar schon Tribute-Alben, und sogar Kurt Cobain war Fan. Längst geht es vielmehr darum, sich zu öffnen. Earth weichen also ab von ihrem strickten Pfad, verlassen die höchste Stufe der Philosophie und Hypnose und werden greifbarer. Natürlich alles relativ gesehen. Vielleicht ist das der Weg; möglicherweise nicht zur Erkenntnis, aber unter Umständen zur kleinen Einsicht. Ein Weg, der auch schon mit dem neuaufgelegten “Hibernaculum” beschritten wurde: mehr Bodenständigkeit.

Im Falle einer Drone/Doom-Band geht dies allerdings nur nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit. Trotzdem dürfte mit Sicherheit Stargast und Gitarrenaltmeister Bill Frisell einen großen Verdienst an dieser Entwicklung haben, denn seine Spanne zwischen Noise und Folk verleiht dem Album durchaus etwas Rockiges. Gesellen sich zu Dylan Carlson und Adrienne Davies noch so illustre Persönlichkeiten wie unter Anderem Steve Moore oder Don McGreevy, dann hat man seit langem wieder einmal das Gefühl Earth seien eine Band und kein Mythos. Persönlicher und näher denn je. Besser denn je. Noch 40 Jahre in diese Richtung weiterentwickeln und sie könnten glatt Frau und Kind von dieser Musik ernähren.

Tracklist:
01) omens and portents i: the driver
02) rise to glory
03) miami morning coming down ii (shine)
04) engine of ruin
05) omens and portents ii: carrion crow
06) hung from the moon
07) bee made honey in the lion’s skull

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War From A Harlots Mouth, Hamburg

Sunday, March 2nd, 2008 at 03:58

| aktueller song: tiger lou – patterns |

War From A Harlots Mouth
07. Dezember 2007 – Hamburg, Markthalle

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