Archive for February, 2008

Fast paradox

Friday, February 15th, 2008 at 18:04

| aktueller song: architects – always |

Genghis Tron – Board Up The House
Vö: 22. Februar 2008
Label: Relapse / Rough Trade
Länge: 43:29 min
Hit: Things Don’t Look Good
Punkte: 7/10

Genghis Tron - Board Up The House

Man muss die Sache mal aus einem anderen Blickwinkel sehen, liebe Kollegen! Nicht Genghis Tron haben ein Problem – Ihr habt es! Von Außenseitern ist immer die Rede, von freakigen Nerds, von chaotischer Unordnung, von Extremen, von kranker Musik. Das ist totaler Knet. Nicht jeder, der mehr als drei Akkorde spielen kann, verbreitet gleich totale musikalische Tumulte. Nicht jeder, der einmal ins Mikrophon schreit, macht gleich einen auf nihilistischste Kloppimusik der Welt, das wissen wir doch mittlerweile. Und nicht jeder, der Elektronik und einen Drumcomputer in seine Songs einbaut, ist eines dieser hoffnungslos verlorenen Cyberkids.

Vielmehr sind Genghis Tron erschreckend normal: drei Kerle, mäßig attraktiv, Jeans und Deichmann-Schuhe. Zwei davon zusätzlich mit Bart und Brille. Das Bandfoto könnte also unter dem Gesichtspunkt Sexiness wesentlich mehr hermachen. Das äußerlich vielleicht wirklich einzige Ungewöhnliche an ihnen könnte demnach maximal die Tatsache sein, dass sie eben keinen menschlichen Schlagzeuger haben, was aber in heutiger Zeit mit Sicherheit keinen mehr vom Hocker reißen wird. Auch musikalisch gesehen ist der Ansatz von Genghis Tron eigentlich recht simpel, wenn auch das Ergebnis einigen schwer in die Knochen fahren könnte. Genghis Tron vertonen im Grunde jedoch nur die logische Konsequenz dessen, was Musik als stinknormale Kunstform ausmacht: viele Farben mischen, schöne bunte Bilder malen, sich stetig weiterentwickeln und Grenzen ausloten. Und neu definieren. Siehe auch das Cover.

Was Genghis Tron mit “Board up the house” abliefern, ist so was wie musikalischer Surrealismus: Eine scheinbar konstruierte Welt der Abstraktion und Zombies, in der die jetzige Realität reflektiert werden soll. Jeder 80er-Beat wird ins neue Jahrtausend transportiert, kein Ausflug in die pure Aggression ist willkürlich, und trotz des anarchistischen Stilmixes fügt sich jedes Element ins andere ein. Auf kompletter Albumlänge sogar. Fast paradox im Grunde. Doch genau das sind Genghis Tron auch, deswegen werden sie auch in Zukunft als nonkonforme Einzelkämpfer abgestempelt werden. Zu Unrecht, wohlgemerkt, denn sie handeln nicht bewusst revolutionär, sondern werden vielmehr dazu deklariert. Kunst aufzunehmen, wiederzukäuen und gequirlt auszuspucken, war schon immer das eigentliche Stilwerk. Nur im Metal vielleicht nicht, aber das sind Genghis Tron sowieso schon fast gar nicht mehr. Vielleicht auch nie gewesen.

Tracklist:
01) board up the house
02) endless teeth
03) things don’t look good
04) recursion
05) i won’t come back alive
06) city on a hill
07) the whips blow back
08) colony collapse
09) the feast
10) ergot
11) relief

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Lückenfüller

Monday, February 11th, 2008 at 09:53

| aktueller song: limp bizkit – boiler |

Artikel zu Heaven Shall Burn
(Dezember 2007)

Heaven Shall Burn Heaven Shall Burn

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Nach dem Winterschlaf

Saturday, February 9th, 2008 at 03:31

| aktueller song: deloise – clasic wars |

This Is Hell – Misfortunes
Vö: 15. Februar 2008
Label: Trustkill / SPV
Länge: 44:13 min
Hit: Last Days Campaign
Punkte: 6/10

This Is Hell - Misfortunes

Und täglich grüßt das Murmeltier. Schläft man? Träumt man? Irrt man? Oder ist das doch alles real? Zwickt mal bitte jemand! Ja doch, es scheint so, als wäre man im Hier und Jetzt. Mysteriös. Gefühlt gestern kam doch erst “Sundowning” raus. Und heute schon wieder ein neues Album von This Is Hell, seltsam. Eine kurze Recherche verrät, dass gestern der 16. November 2007 war. Heute ist Februar 2008. Immerhin ein Winterschlaf dazwischen, dennoch eine komische Veröffentlichungspolitik mal wieder.

Was sich erst einmal nach Geldmache anhört und bitteren Aufstoß hervorrufen könnte, entpuppt sich dennoch als ganz cleverer Schachzug. Auch für die Band selbst wohlgemerkt. Zwar wurde im November in Deutschland ein altes Album von 2006 erstveröffentlicht, was längst nicht mehr repräsentativ war – vom Sound her und überhaupt – doch This Is Hell erwecken nun immerhin den Eindruck, als hätten sie sich binnen der letzten drei Monate mal so richtig weiterentwickelt. Clever gemacht.

Doch auch wenn man sich von diesem Trick 17 nicht blenden lässt, dann muss man zweifelsohne zugeben, dass This Is Hell mit “Misfortunes” in die Riege dieser Hardcore-ohne-Umwege-Bands vorgestoßen sind. Soll heißen: direkter, trockener Sound, modern angehaucht und dick produziert. Gerne auch einmal auf Kosten der Intensität, aber auch das haben Dead Hearts oder Comeback Kid schon erfolgreich vorgemacht.

Dabei ist genau das gar nicht einmal die Ecke, in die This Is Hell vordringen wollen. Vielmehr würden sie doch zu gern in die gleiche dreckig-schleppende Kerbe von Modern Life Is War schlagen, die sich immerhin zutrauen, über den kleinen Teller des Genres hinauszublicken. So hört sich “Misfortunes” zumindest an. Langsam tasten sich This Is Hell vor, gelegentlich klingt es an, doch erst mit dem vorletzten Song zeigen This Is Hell ihr ganzes Potenzial offen und direkt. “Last days campaign” ist melodiös, intensiv, anders, aber trotzdem Hardcore genug. Und zudem noch real, ohne Irren und ohne Murmeltiere.

Tracklist:
01) reckless
02) infected
03) disciples
04) in shambles
05) realization: remorse
06) without closure
07) remnants
08) resuscitate
09) fearless vampires
10) you are the antithesis
11) end of an era
12) memoirs
13) last days campaign
14) cement shoes

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Schmerzfrei

Monday, February 4th, 2008 at 04:56

| aktueller song: the is hell – in shambles |

Missent To Denmark – A Clue, A Hint, A Love
Vö: 26. Oktober 2007
Label: Motor Digital
Länge: 38:18 min
Hit: On And On You Brake The Waves
Punkte: 6/10

Missent To Denmark - A Clue, A Hint, A Love

Die Dänen sollen ja schon ein glückliches Volk sein. Zu doof, dass Missent To Denmark aber aus Bayern kommen. Da wurde wohl wirklich was fehlgeleitet. Naja, Hauptsache erstmal Dänemark im Bandnamen. Und vor allem den Charakter in der Musik: Dänemark, das liebliche Land da oben. Ein bisschen verträumt, ein bisschen Gitarre. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Netter Gesang, nicht eigen, aber auch nicht schlecht. Dänemark ist schon nett, ja, aber so global, weltpolitisch gesehen doch eher zurückhaltend. Selbiges bei der Band. Das ist so ein bisschen wie mit der Schweiz. Mal süß, etwas popig, schön dort gewesen zu sein, aber gelegentlich etwas zu konsensfixiert. “On And On You Brake The Waves” ist ein wirklich toller Song, so wie “A Clue, A Hint, A Love” ein schön rundes Album ist. Das tut wirklich keinem weh.

Tracklist:
01) guide me and i’ll guide you
02) weatherforecasts will lead us
03) the secret street
04) open book (open world)
05) no philosophy
06) lost & found
07) in my room
08) a record from above
09) where people can meet
10) onand on you break the waves

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Bloom vs. Boom

Saturday, February 2nd, 2008 at 05:28

| aktueller song: cat power – living proof |

Lou Rhodes – Bloom
Vö: 15. Februar 2008
Label: A&G / Rough Trade
Länge: 40:46 min
Hit: They Say
Punkte: 6/10

Lou Rhodes - Bloom

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, Lou Rhodes ist die ehemalige Stimme von Lamb. Die sind aber mittlerweile Geschichte, also fangen wir auch gar nicht erst mit absurden Vergleichen an. Das hat “Bloom” auch gar nicht nötig, selbst wenn das alles hier nach dem ersten Hören gar nicht so recht zünden mag. Bis dahin kann man sich ja bei einem Glas Rotwein das hübsch gezeichnete Booklet, was mit etwas Einbildung sogar fast so holzbraun riecht wie es aussieht, anschauen. Irgendwann macht es dann jedoch klick und diese vom Farmleben inzwischen recht folkige Stimme entwickelt sich, mit den passend unscheinbaren Gitarren dazu, zu richtigen Songs, ganz leise und bedächtig, das Gegenteil von pathetischem Rotwein-Schmalz. Das ist also eher was fürs schwerere Gemüt, Lou Rhodes ist ja schließlich nicht Lamb.

Tracklist:
01) the rain
02) greatness in a speck of dust
03) icarus
04) never loved a man (like you)
05) all we are
06) chase all my winters away
07) this love
08) they say
09) sister moon
10) bloom

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Mädchenpop

Friday, February 1st, 2008 at 15:15

| aktueller song: lamb – one |

Tegan And Sara – The Con
Vö: 29. Februar 2008
Label: Vapor / Sire / Warner
Länge: 36:40 min
Hit: Are You Ten Years Ago
Punkte: 7/10

Tegan And Sara - The Con

Mädchenpop. Das klingt irgendwie immer so herablassend, zumal wenn es aus dem Mund eines Kerls kommt. Aber um das ein für allemal klarzustellen: Mädchenpop ist kein Schimpfwort! Es ist vielmehr eine bloße Tatsache – zwei Mädchen, die rein zufällig Zwillinge sind, machen Pop. Der zwar gerne Indierock wäre, was aber unterm Strich nicht weiter dramatisch ist, Popmusik ist ja nicht doof. Die von Tegan & Sara sowieso nicht. Dafür ist “The Con” viel zu vielschichtig ausgefallen, viel zu interessant auch die Entwicklung vom Punk zum jetzigen Elektro-Gitarrenpop, inklusive einer Menge Charme und einer namenhaften Gästeliste von Afi bis Death Cab For Cutie. Herausgekommen ist ein Album zwischen Tiefgang und moderner Tanzbarkeit, was sich aber auch dann seinen künstlerischen Anspruch bewahrt. Mädchenpop mit Kopf.

Tracklist:
01) i was married
02) relief next to me
03) the con
04) knife going in
05) are you ten years ago
06) back in your head
07) hop a plane
08) soil, soil
09) burn your life down
10) nineteen
11) floorplan
12) like o, like h
13) dark come soon
14) call it off

© written for spoonfork

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