Die Eier legende Wollmilchsau
| aktueller song: khoma – hyenas |
Junius – Junius
Vö: 08. Februar 2008
Label: Make My Day / Al!ve
Länge: 45:41 min
Hit: Hiding Knives
Punkte: 7/10
Es gibt sie also doch noch: die gute, alte Überraschung. Das Gefühl, dass einen gerade etwas aus den Socken gehauen hat. Irgendwas, womit man in diesem Moment absolut gar nicht gerechnet hätte. Nicht so wie Weihnachten, Geburtstage oder Linkin Park, bei denen man schon vorher weiß, was es als Geschenk unterm Baum geben wird. Nein, gemeint sind die richtig richtigen Überraschungen – Radiohead spielen ein kostenloses Konzert nur für Plattentests.de-Leser in unserem Redaktionskeller, der Chef bewilligt bei einem geselligen Feierabendbier die längst überfällige Gehaltserhöhung, die Freundin hält einem voller Jubel ein Ultraschallbild unter die Nase. Ein Junge. Die Überraschung ist perfekt. Ganz ohne Schleifchen.
Genau so kommen auch Junius daher: aus heiterem Himmel, ohne rotes Geschenkband, extrem schlicht verpackt und mit einem Cover ohne Bandname. Völlig unscheinbar also. Positiv kommt ebenso hinzu, dass im Vorfeld nicht einmal großer medialer Wirbel gemacht wurde, der wieder irgendein neues Superding ankündigt. Es trifft einen um so unerwarteter. Junius aus Boston platzen einfach so ins Ohr, kleben dort fest wie Schmalz am Wattestäbchen und wollen nicht mehr weg. Müssen sie auch nicht, Geschenktes verschenkt man erstens nämlich nicht weiter, und zweitens will man das selbstbetitelte Debütalbum auch überhaupt nie mehr hergeben. Allein schon wegen “Hiding knives”, nach dem Intro der eigentliche Opener: spannend bis ins Letzte arrangiert, aber spielerisch leicht vorgetragen und auch nach zigmaligem Hören immer noch Spaß bringend.
Wobei es schon fast etwas paradox ist, wenn diesen Spaß ein Album mit so einer dunkel-melancholischen Grundstimmung zwischen älteren Dredg, Joy Division und iLIKETRAINS bereiten kann. Doch es ist vielleicht vielmehr das Gefühl, endlich einmal wieder von einer Platte auf kompletter Länge gefesselt zu werden, die man völlig jungfräulich neu entdecken und für sich erschließen kann – auch wenn die Lieder zuvor schon auf zwei EPs veröffentlich wurden, die sowieso kaum einer kennen wird. Vielleicht ist es aber auch genau die richtige Mixtur zum richtigen Zeitpunkt, die Junius das Besondere verleiht: eine Stimme, die nicht selten an Mattias Klostrup von Dúné erinnert, diese sympathische Angepisstheit von Brand New, die dunkle Härte von Isis bei gleichzeitiger Zerbrechlichkeit von The Appleseed Cast. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach der Eier legenden Wollmilchsau. Kann sogar sein, überraschen würde das jetzt zumindest auch niemand mehr.
Tracklist:
01) (elan vital)
02) hiding knives
03) from the isle of the blessed
04) (elan fatale) inaudible secrets
05) forcing out the silence
06) (the annunciation)
07) blood is bright
08) a word could kill her
09) in the hearts of titans
10) at the age of decay
11) lost in basilica
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