| aktueller song: heaven shall burn – of no avail |
Interview mit Tephra
(Oktober 2007)

Ohne euch jetzt in eine Kategorie stecken zu wollen, aber ich habe letztens den tollen Satz gelesen, dass Postrock nur ein Problem hätte: Man kann ihn sich nicht merken. Woran erkennt man Tephra, was ist eure Stärke oder euer spezielles Merkmal bei den Songs, auf dem neuen Album allgemein?
Ach ja, dieses Schubladending. Wie wäre es mit DHL-Rock oder UPS-Rock!? Unsere Stärken oder spezielles Merkmal an den Songs des neuen Albums sind, dass der Sound im Gegensatz zum Vorgänger viel größer und mächtiger produziert ist und wir auch diesen Isis-Einfluss, den wir auf unserem Debüt hatten, hinter uns gelassen haben. Sie sind viel eigenständiger und facettenreicher geworden und reiten nicht die ganze Zeit auf dem gleichen Pfad, Abwechslung war uns sehr wichtig beim Schreiben der Songs. Ich denke, wir haben es geschafft nicht so genretypisch zu klingen, unsere eigene Note ist deutlich zu hören.
Euer neues Album “A Modicum Of Truth” wirkt in der Tat um einiges eigenständiger. Hat euch der Vergleich zum ersten Album genervt, ihr seid “nur” ein deutscher Abzug von Cult Of Luna? Den konnte man ja schon des Öfteren lesen. Machen es sich Journalisten zu leicht in diesen Tagen?
Als Journalist brauch man ja auch Anhaltspunkte zum Schreiben, wenn man über den Sound irgendwelche Bands berichten will. Nervig, würde ich aber nicht sagen, das geht hier rein und da wieder raus. Manchmal hat man aber schon das Gefühl, dass manche Rezensenten einmal für zehn Minuten reinhören, sich gar nicht damit richtig auseinandersetzen und meinen zu wissen, welche Qualität ein Album besitzt. Schön für sie, aber dadurch entgehen manchen Konsumenten schöne Alben, weil sie sich voll und ganz darauf verlassen, was sie lesen. Deswegen wie Oma schon immer gesagt hat: „Junge, verlass dich nie auf die anderen, geh raus und mach dein Ding!“
Wie war es überhaupt als noch relativ neue Band gleich im Vorprogramm von Cult Of Luna, Red Sparowes oder ähnlichen Größen zu spielen? Angst vor deren sagenumwobener Perfektion gehabt?
Nein, eigentlich nicht! Sagenumwobene Perfektion würde ich nicht dazu sagen, denn diese Leute sind genauso wie du und ich, dass keiner perfekt ist perfekt. Wir hatten das Glück immer bestens mit denen klarzukommen und von ihnen persönlich auf Tour eingeladen zu werden, so was nimmt schon ein wenig die so genannte Angst. Es war eher so, als wir von den Red Sparowes eingeladen worden sind und dann auf der Tour vor teilweise 400 bis 600 Leuten gespielt haben, dass das eine unglaubliche Erfahrung für uns war. Manchmal hat das schon unsere Knie zum Zittern gebracht, aber das hat sich dann nach einiger Zeit gelegt, weil wir nach jeder Show einen gewissen Erfolg erlebt haben und das uns sehr gepusht hat.
Auch bei euch wirkt wenig dem Zufall überlassen. Wie entstehen bei euch die Songs in der Regel, abgesehen von “Jemand kommt mit einer Idee”. Was sind eure Inspirationsquellen oder Orte oder Situationen, in denen ihr kreativ werdet?
Ja aber einer kommt tatsächlich mit einer Idee. Es ist aber häufig so, dass diese Ideen nicht einfach so entstehen. Alles was um uns herum passiert, ist etwas Inspirierendes, Beeinflussendes und jeder von uns versucht das dann in Songs und Ideen auszudrücken. Danach wird es vorgestellt, wir machen uns an die Arbeit und sehen dann, ob es gelingt und zu einem Song komponiert werden kann.
Als besondere Komposition entpuppt sich der Brocken “In The Valley”. Wer ist denn die nette Stimme in dem Song? Welchen Reiz hat es für Musiker eigentlich immer wieder gerne sanfte Frauenstimmen zu integrieren?
Diese nette Frauenstimme in dem Song ist von Sonja Baumann (Hey Jane / Monophone). Bezaubernd! Das war eigentlich alles sehr spontan im Studio. Als sie diesen Part eingesungen hat, hat uns das glatt umgehauen. Checkt alle ihre Bands, für Freunde von Motorpsycho ein gefundenes Fressen.
Als Hörer pickt man sich ja gerne einzelne Songs heraus. Welche grobe Gesamtidee steckt aber eigentlich hinter dem Album?
Noch einmal den Sturm vor der Ruhe zu entfesseln, denn momentan machen wir uns schon Gedanken zur nächsten Veröffentlichung. Es könnte ganz anderen Pfaden folgen …
Bleiben wir aber beim Jetzigen: Sludge‘ige Musik lebt von Endzeitstimmungen, Urwesen, Vulkanen, Meeren, Naturgewalten und Katastrophen, immer ein bisschen mystisch angehaucht. Ist das Realitätsflucht?
Ist das aber nicht immer so bei Musikern und Künstlern im Allgemein? An dem Zeitpunkt, wo sich ein Künstler mit seiner Sache beschäftigt, gibt es nichts anderes als seine eigene Welt. Man entzieht sich dem tristen Alltag. Auf eine Art und Weise ist das Befreiung.
Witzig ist ja immer zu wissen, was Musiker normalerweise so hören, als andere Art der Befreiung sozusagen. In einem Interview nanntet ihr einmal Tom Waits, Depeche Mode oder David Bowie. Wie spannt sich dann der Bogen zu der Musik von Tephra?
Das ist eine schwierige Frage. Es kommt halt einfach so. Das macht uns und all unsere Einflüsse aus.
Abgesehen von der reinen Musik, spielt das Medium Film im Postrock eine große Rolle. Einer aus eurer Band ist Filmemacher, habe ich gehört. Welchen Stellenwert und welche Macht haben die Bilder zur Musik, die ihr ja auch teilweise live abspielt? Unterstützendes Element, gleichbedeutender Teil der Kunst oder nur eine nette Spielerei für den Eintrittspreis?
Dennis, der das eine Zeitlang bei uns gemacht hat, kam spontan mit dieser Idee. Es war schon ein unterstützendes Element und auch sehr gewaltig, weil seine Bilder auch so düster wie unsere Musik waren. Leider hat er momentan zu wenig Zeit und wir müssen halt auf ihn verzichten, aber früher oder später wird er wieder dabei sein.
Wie sehen ansonsten die Pläne aus für die Zukunft, abgesehen von einer baldigen Tour? Was würde euch künstlerisch reizen? Vielleicht etwas völlig Abwegiges …
Shows und Touren, so oft es geht, klar. Eine neue Veröffentlichung auch. Gibt halt so vieles, was man noch machen möchte. Gerne auch eine Reise zum Mond und das erste Riff im All spielen.
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