Archive for November, 2007

Schreckenserkenntnis

Thursday, November 29th, 2007 at 17:28

| aktueller song: dúné – john wayne vs. mary chain |

Severance – Ein blutiger Betriebsausflug
Vö: 26. Oktober 2007 (DVD)
Verleih: HanWay / Splendid
Genre: Horror-Satire | GB 2006
Länge: 92 min
Regie: Christopher Smith
Drehbuch: Christopher Smith, James Moran
Musik: Christian Henson
Kamera: Ed Wild
Schnitt: Stuart Gazzard
Darsteller: u.a. Danny Dyer, Laura Harris, Toby Stephens, Tim McInnerny, Claudie Blakley, Andy Nyman
Punkte: 7/10

Severance

Ein realer Film sollte es werden. Ein Film, der das wiederspiegelt, was uns in dieser Welt täglich wiederfährt: Terror, Gewalt, Irrsinn, Spaß und Pornographie. Sagte zumindest Regisseur Christopher Smith. Und je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr wird einem bewusst: Genau so ist es eigentlich auch. Gut, dass beim Betriebsausflug eines Rüstungsunternehmens gelegentlich gekifft wird, soll vorkommen. Dass dann aber die Reisegruppe von ein paar verärgerten, leicht waffensüchtigen Osteuropäern zermetzelt wird, mag fernab der Realität sein, ist aber immerhin urkomisch dargestellt. Spätestens dann, wenn blankbusige Blondinen dreckbeschmiert in Zeitlupe rumballern, weiß man aber, das hier ist alles bitterböse Satire und ein Splatterfilm mit Botschaft. Die mag zwar erst einmal in der Fülle der Witze untergehen, wirkt aber spätestens dann nach, wenn man mal wieder den Fernseher einschaltet: Denn was uns dort berieselt, ist genauso hohl und klischeegeladen, wie es hier clever persifliert wird. Treffer.

© written for soldout

Posted in Filme
by admin

Alltagstrist

Wednesday, November 28th, 2007 at 03:19

| aktueller song: envy – fading vision |

Bury My Sins – King Of All Fears
Vö: 25. Oktober 2007
Label: Guideline / Pängg
Länge: 37:36 min
Hit: Suction
Punkte: 3/10

Bury My Sins - King Of All Fears

Bury My Sins machen es eigentlich richtig: Sie schließen mit ihrer Vergangenheit ab und kümmern sich einzig um das Hier und Jetzt. Beneidenswert. Eyeless View waren schließlich gestern und ohnehin gingen und kamen seitdem noch einige Mitglieder. Vielleicht ist das aber auch gerade der Knackpunkt. Hier und Jetzt, ist das eben knackiger Metalcore, ohne Schmachtpart und mit der Tendenz zu viel Metal – aber auch dem Kurs hin zu durchschnittlichem Standard, mit wenig Langzeitwirkung. Zeitlos sieht also mit Sicherheit anders aus, auch wenn der kurze Moment sicher noch schlimmer aussehen könnte. Unterm Strich bringt das nur nicht wirklich viel, denn Bands, Augenblicke, Stimmungen, Riffs, Geschrei und die Songs selbst gehen, wie sie gekommen sind. Und das ohne ein bleibendes „Tschüß“ zu hinterlassen. Eigentlich traurig, da dass frühere Umfeld ja durchaus für kreative Eigenständigkeit und Eindringlichkeit bekannt war. Doch früher liegt nicht umsonst in der Vergangenheit, was zählt ist das Heute. Ein mauer Tag.

Tracklist:
01) the longest storm
02) suction
03) colossus
04) waving flags in times of fire
05) death of ijob
06) unknown / unheard
07) swarm of piranha
08) electric sun
09) love gets murdered

© written for soldout

Posted in Platten
by admin

Alkorock

Monday, November 26th, 2007 at 04:07

| aktueller song: i might be wrong – she knites lakes |

Nights Like These – Sunlight At Secondhand
Vö: 02. November 2007
Label: Victory / Soulfood
Länge: 41:25 min
Hit: Empty Lungs
Punkte: 6/10

Nights Like These - Sunlight At Secondhand

Wenn sich zwei Betrunkene gegenüber sitzen, knallen sie sich meist Lebensweisheiten um die Ohren. Mit rauer Stimme wird dann emotionsgeladen das ausdiskutiert, was einem auf der Seele brennt. Nights Like These machen mit „Sunlight At Secondhand“ nichts anderes. Schleppend bis prügelnd scheppern die Tracks zu kräftigen Zeilen, bis einem der Schädel brummt. Dabei erlebt man latent aggressive, wütende, aber auch verträumte Momente. Der postrockige Instrumentaltrack „Collective Unconscious” mutet dabei an wie der diffuse, melancholische Heimweg nach einer durchzechten Nacht. Eine kurze Verschnaufpause inmitten des sonst drückenden, kratzigen Geschreis, bei dem einem wie in „Empty Lungs“ schon mal ein unterhaltsamer Husten rausrutschen kann. Aber hey, wenn man wie die Fünf aus Tennessee kommt, dann spült man den Frosch im Hals einfach mit einem Schluck Whiskey runter. Was bleibt ist der Wermutstropfen, dass so ein Trip nicht jedermanns Sache ist, genauso wie der dicke Kopf am Morgen danach

Tracklist:
01) heart of the wound
02) black the sun
03) samsara
04) bay of pigs
05) collective unconscious
06) claw your way out
07) empty lungs
08) veteran thieves
09) electric winds
10) king

© written for soldout

Posted in Platten
by benjamin bartosch

Kunterbunt

Monday, November 26th, 2007 at 03:37

| aktueller song: envy – evidence |

I Might Be Wrong – It Tends To Flow From High To Low
Vö: 23. November 2007
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 38:52 min
Hit: Cold Comfort
Punkte: 7/10

I Might Be Wrong - It Tends To Flow From High To Low

Es wird immer zu viel philosophiert, über Werte, Kreativität und Vielfalt zum Beispiel. Oft werden Sachen dabei einfach nur totgeredet und nie umgesetzt – Vielfalt ade. I Might Be Wrong quatschen nicht viel, sondern handeln. Erst die EP „Cold Comfort“ mit diversen Remixen ihres Indiepop-Hits, jetzt das komplette Album dazu hinterher. Und da geht es wahrlich bunt zur Sache und das nicht nur bei dem farbenfrohen Straßenwollknoll im Artwork. Musikalisch ist das vor allem ebenso vielfältig irgendwo zwischen Indie, Pop, Elektronik, viel Tanzbarkeit, aber auch mindestens genauso viel Zurückgelehntheit. Der sachte Ausgleich zur Erholung nach einer rasanten Fahrt auf eben jener Knollautobahn vielleicht. Fallen lassen ist also genauso erlaubt wie Mitwippen und fröhliches Grinsen. I Might Be Wrong zaubern einem wieder zehnmal das Lächeln ins Gesicht zurück und sind so etwas wie eine Art Aufbau- und Alles-wird-gut-Musik: Liebevoll, gelassen, ein bisschen nachdenklich, aber immer süß. Lasst euch also alle mal drücken!

Tracklist:
01) always north
02) cold comfort
03) decor d’accord
04) lightning stripes, then rain
05) one room second try
06) paternoster patrol
07) repeat rewind
08) she knits lakes
09) we don’t wear colours
10) library day

© written for soldout

Posted in Platten
by admin

Spätlese

Sunday, November 25th, 2007 at 00:33

| aktueller song: nights like these – collective unconscious |

A Whisper In The Noise – Dry Land
Vö: 19. Oktober 2007
Label: Exile On Mainstream / Soulfood
Länge: 54:46 min
Hit: As We Were
Punkte: 8/10

A Whisper In The Noise - Dry Land

„Dry Land“ heißt das Album und genauso klingt es auch: trocken, nüchtern, herb und einsam. Wer wegen dieser Aneinanderreihung der vielleicht unvorteilhaften Adjektive jetzt aber schlussfolgert, dass A Whisper In The Noise öde klingen, hat wohlmöglich in vielen Kreisen recht. Hat aber mit Sicherheit auch keine Phantasie. Und kein Herz. Denn gerade dahin geht das Album, bei dem Worte wie trübselig, schwervoll, gar traurig eine völlig neue Bedeutung gewinnen. Selten zuvor haben so wenige Streicher so weh getan, selten zuvor gingen ein paar tiefe Klaviertasten so sehr ins Mark und noch seltener wurde mit so wenig Aufregung so viel Wirkung erzielt. „Dry Land“ ist schwerer als eine gute Kiste Rotwein der ausgewähltesten Sorte, aber mindestens genauso stilvoll, vielleicht am Ende sogar der richtige Geschmack aus Melancholie, subtiler Schönheit, etwas Zuversicht und ganz viel Einfühlungsvermögen, sowie dem puren phantasievollen Genuss. Ohne bitteren Nachgeschmack wohlgemerkt. Herr Ober, bitte nachschenken!

Tracklist:
01) as we were
02) awaken to winter
03) a new dawn
04) this time its
05) in will
06) sons
07) armament
08) you the orphan
09) beautys grace
10) go now
11) true love will find you in the end

© written for soldout

Posted in Platten
by admin

Böse Konzepte

Thursday, November 22nd, 2007 at 03:20

| aktueller song: me and him call it us – headache |

The Great Deceiver – Life Is Wasted On The Living
Vö: 05. Oktober 2007
Label: Deathwish / Indigo
Länge: 45:20 min
Hit: Discontent
Punkte: 5/10

The Great Deceiver - Life Is Wasted On The Living

Irgendein Vorbild braucht man, das ist klar. Am besten einen Star, jemand Einflussreichen. Der Mentor von The Great Deceiver ist demzufolge auch niemand Geringeres als Converge-Schreihals Jacob Bannon. Doch damit nicht genug. Zwar klingen The Great Deceiver, wie es sich für eine “Ex-At The Gates”-Band gehört, viel schwedischer als Converge, doch dem ganzen Rest würde etwas mehr Eigenständigkeit gut tun. Bannon als Labelchef, als Designer und auch als Produzent, hinterlässt Spuren des Übermaßes. Was bei ihm und Converge als Konzept, Stilmerkmal und Wiedererkennungsmerkmal fungiert, ist bei The Great Deceiver schlichte Gleichförmigkeit. Dass es auch abwechslungsreicher und eindringlicher gehen könnte, zeigen das schleppende “Discontent” und das abschließende “21st Century Heartburn”. Zweifelhaft ist allerdings, ob man überhaupt bis dahin vordringt, die Berechenbarkeit zuvor kommt einem nicht gerade entgegen. Immerhin knallt es aber und sieht dreckig-böse aus, Göteborg-Metal und Bannon sei Dank.

Tracklist:
01) home to oblivion
02) lifeline lost
03) running with scissors
04) the big radiating nothing
05) annihilating liberty
06) a life transparent
07) in the wake of progress
08) a myth retired
09) small town ignorance
10) escapeplan routed
11) discontent
12) 21st century heartburn

© written for soldout

Posted in Platten
by admin

Collagentechnik

Wednesday, November 21st, 2007 at 21:14

| aktueller song: trap them – fucked as punk |

Troy von Balthazar – Troy von Balthazar
Vö: 27. Oktober 2007
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 42:39 min
Hit: Perfect
Punkte: 6/10

Troy von Balthazar - Troy von Balthazar

Musik machen, das ist wie Bilder malen. Farben werden gemischt, Spuren übereinander gelegt und so kombiniert, dass sie verwischen und irgendwas Gesamtes entsteht – mal mehr oder weniger professionell. Troy von Balthazar entschied sich für die Collagentechnik, viele Schnipsel werden erst einmal willkürlich kreuz und quer zusammengeflickt, scheinbar zumindest. Aber eigentlich ist genau das die Kunst: Indie, Pop, Electronica, Rock, Sing- & Songwriter und die nötige Portion Experimentierfreudigkeit so zusammen zu kleben, dass es eben so klingt wie “Troy von Balthazar” klingt – bunt und unkonventionell. Vieles wirkt unausgegoren und fetzenartig, aber das muss wohl so sein. Man kennt ja die Collagen mit den vielen Klebestreifen und herausgerissenen Motiven, die einzeln betrachtet ja fast nebensächlich sind. Doch geht man einen Schritt zurück, dann verschmelzen die teils arg krummen Töne oder auch die skurril kratzige Atmosphäre zu dem, was es sein soll: bunte Kunst, mit allen seinen Für und Wieder.

Tracklist:
01) tvb has fingers
02) took some $$
03) magnified
04) i block the sunlight out
05) dogs
06) numbers
07) real strong love
08) bad controller
09) perfect
10) old black joe
11) color comes
12) you, when you’re drunk
13) rainbow
14) cover us
15) playground
16) heroic little sisters

© written for soldout

Posted in Platten
by admin

Resozialisierung

Friday, November 16th, 2007 at 00:35

| aktueller song: thrice – the messenger |

The Dillinger Escape Plan – Ire Works
Vö: 09. November 2007
Label: Relapse / Rough Trade
Länge: 39:45 min
Hit: Dead As History
Punkte: 7/10

The Dillinger Escape Plan - Ire Works

Alben über Webstreams zu hören, ist ungefähr genauso wie Nudeln mit Tomatensoße in der Instantversion zu essen und dann diese aufblasbare Kuh aus dem EMP zum Nachtisch von hinten zu beglücken – unlecker, pervers und gesundheitsgefährdend. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes, und da kommt auch nichts bei rum. Man fühlt sich danach immer noch genauso hungrig und genau das Gegenteil von befriedigt. Nichts gegen Einsparpolitik der Labels, im Gegenteil, uns schmeckt ja so Billigfraß ganz gut, aber irgendwie ist die Vorstellung peripher: Erst abgefertigt werden und dann hochpopkulturell irgendwas zusammenerörtern, deuten, bewerten, interpretieren und urteilen. Geht einfach nicht.

So hört man nun die ersten Sekunden von “Fix your face” und weiß bei Leibe weiß nicht, was man denken soll. Es kracht, ist laut, wird wieder leise, schreit, rauscht, drischt, rockt, kratzt, brummt und klingt dabei irgendwie, naja, schon irgendwie nur mäßig, so vom Sound her. Das kann jetzt an The Dillinger Escape Plan liegen, weil man bei denen ja nie weiß, was einen erwartet. Es kann aber auch an den 96-kBit/s-MP3s oder sonstwas liegen, keine Ahnung. Gehört der kratzige, leicht rauschende Sound zum Konzept? Ist das letztendlich gar gewollt? Oder liegt es ganz einfach an einem drittklassigen Flashplayer, der einem mächtig den Genuss vermiesen und die Vorfreude nehmen kann? Vielleicht sollte man in Zukunft ohnehin die Produktion in Bewertungen außen vorlassen, Artworks spielen ja auch keine Rolle mehr.

Passend zur angepissten Stimmung des ersten Songs gibt es danach zum Glück gleich noch einen Brecher, mit dem man seinem Frust erneut freien Lauf lassen kann. Argh!!! Stresst, aber tut verdammt gut, so zum Runterkommen. Schafft man es dann doch, dem Ganzen eine Sekunde lang ein ruhiges Ohr zu gönnen, wird man feststellen, dass “Ire works” bis dahin erstaunlicherweise fast schon so rock’n'rollig ist, wie es Every Time I Die mittlerweile auch geworden sind. Gut, das ist jetzt nicht die Neuerung, für die The Dillinger Escape Plan mit jedem neuen Album eigentlich bekannt sind, aber spätestens ab “Black bubbelgum” dürften dann doch einige hochschrecken: mitsingbare Eingängigkeit, gefolgt von – wenn überhaupt – lediglich leicht verwirrter Elektronik und einem Detektivkrimi-Interlude, bevor es danach wieder in die Kerbe geht. Einzeln betrachtet ist das die bisher leichteste Kost der Band, aber selbst die muss in genau dieser Reihenfolge muss auch erstmal verstanden und verkraftet werden.

Zumal es danach nicht besser wird. In der zweiten Hälfte spitzt sich dieser Wechsel zwischen scheinbar wirrem Krach, bewusst chaotisch-mathematischen Gitarren, andererseits aber auch rein rockigen Elementen, Melodiosität und wirklich ruhigen Parts noch mehr zu. Und genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet, eröffnet sich in “Dead as history” plötzlich der prägnanteste Gesang des ganzen Albums, und “Mouth of ghosts” entpuppt sich mit seinem Strandfeeling als bester Gute-Nacht-Song der Woche. Allein durch die Tatsache, dass man derart entspannt aus einer Platte von The Dillinger Escape Plan entlassen wird, beweist die stetige Weiterentwicklung der Band. So einfach geht das – und man hat schon lange gar keine Lust mehr, über Flashplayer zu meckern.

Tracklist:
01) fix your face
02) lurch
03) black bubblegum
04) sick on sunday
05) when acting as a particle
06) nong eye gong
07) when acting as a wave
08) 82588
09) milk lizard
10) party smasher
11) dead as history
12) horse hunter
13) mouth of ghosts

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Elementarteilchen

Thursday, November 15th, 2007 at 22:34

| aktueller song: circa survive – living together |

Thrice – The Alchemy Index: Vol. 1 & 2 (Fire & Water)
Vö: 09. November 2007
Label: Vagrant / Pias / Rough Trade
Länge: 49:13 min
Hit: Digital Sea
Punkte: 7/10

Thrice - The Alchemy Index: Vol. 1 & 2 (Fire & Water)

Konzepte, Businesspläne, Hochrechnungen, all das gab es zwar sicher schon bei den alten Römern, aber erst heute scheint es in der Blütezeit angekommen zu sein. Alles ist rational durchkalkuliert. Viel wurde gemunkelt im Vorfeld des aktuellen Thrice-Albums: Von vier Naturelementen war die Rede, von einer 4er-CD-Box, von einzelnen EPs, von irgendwas zwischen Himmel und Erde, von Laut und Leise, von diesem und jenem. Nebenbei tüftelte das neue Label im Hintergrund, dass der Rauch der glühenden Köpfe bis hierher zu sehen war, Videos wurden gepostet, immer wieder Statements gestreut und und und. Offene Kommunikation, die Erwartungen schürt, den Luftballon immer weiter aufpustet und jetzt endlich, endlich platzen lässt. Peng!

Wurde auch Zeit, und nun ist das Geheimnis gelüftet: Es wurde definitiv zu viel geplant! Vielleicht auch nur die Erwartungen einiger zu hoch geknöpft, aber irgendwie wurde versucht, das Rad neu zu erfinden, zumindest wurde dermaßen viel Wirbel gemacht, als hätte man genau das vor. Letztendlich gelang dies allerdings nicht. Das Gute ist jedoch, dass das vielleicht noch gar nicht einmal das Problem der Band ist, denn die hat im Grunde fast alles richtig gemacht.

Gerade der zweite Part der vier Elemente, die EP “Water”, ist kurz und knapp gesagt das Beste, was Thrice bisher an Songs geschrieben haben. Nie war nämlich Niedergeschlagensein so schön wie zu den Refrains von “Digital sea” oder “Open water”, die so beängstigend intim und zerbrechlich wirken, ohne dabei depressiv zu sein. Da kann man sich nur geborgen fühlen. Den Blick etwas weiter in die Ferne lässt im Kontrast dazu “Lost continent” schweifen, ein bedachter, sehr orchestraler Song, in dem sich die herrliche Stimme von Dustin Kensrue völlig entfaltet. Auf diese wird zwar in “Night diving” komplett verzichtet, aber selbst Isis-Epik passt hervorragend auf eine “Water”-EP. “The whaler” fängt einen dann nach dem Ausflug auf die hohe See wieder behutsam ein, und leichte Elektronik umhüllt die inzwischen ziemlich weichgespülte Seele. Hach ja.

Dann die Wende um 180 Grad, die “Fire”-EP. Ebenfalls sechs Songs, die nicht nur konzeptionell aufbrennen sollen, sondern es auch instrumental machen. Allein schon die Eröffnung mit “Firebreather” lässt die Gitarren in Deftones-Manier scheppern, nicht übertrieben hart, aber durchaus kernig und stets wiedererkennbar. Noch eine Schippe heiße Glut kann dann aber “The messenger” drauf legen, was zwar elektronisch beginnt, in dem aber auch ordentlich geschrien werden darf. Überhaupt wird kontinuierlich aufgeschüttet, sei es nun durch weitere robuste Gitarren in “The arsonist” oder durch die drückende Atmosphäre in “Burn the fleet”, die einen abermals die Deftones durch den Kopf kreisen lassen.

Alles wahrlich beeindruckend, doch vernachlässigt gerade die “Fire”-EP die zwei größten Eigenschaften von Thrice zu sehr: Jene grandiose Stimme ihres Sängers und die nachhaltige Stimmung der Songs, einzeln und untereinander. Am treffendsten ist dabei noch der schleppende Zerstörer “The flame deluge”, der genau das zumindest versucht, was “The alchemy index: Vol. 1 & 2″ als Tüpfelchen auf dem I fehlt: Die zusammengehörenden Elemente Feuer und Wasser als Einheit und Gegenspieler zu verbinden, konzeptionell und musikalischer. Leider jedoch nicht physisch. Weniger wäre manchmal doch mehr.

Tracklist:
cd 1:
01) firebreather
02) the messenger
03) backdraft
04) the arsonist
05) burn the fleet
06) the flame deluge

cd 2:
01) digital sea
02) open water
03) lost continent
04) night diving
05) the whaler
06) kings upon the main

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Riff im All

Thursday, November 15th, 2007 at 00:17

| aktueller song: heaven shall burn – of no avail |

Interview mit Tephra
(Oktober 2007)

Tephra

Ohne euch jetzt in eine Kategorie stecken zu wollen, aber ich habe letztens den tollen Satz gelesen, dass Postrock nur ein Problem hätte: Man kann ihn sich nicht merken. Woran erkennt man Tephra, was ist eure Stärke oder euer spezielles Merkmal bei den Songs, auf dem neuen Album allgemein?

Ach ja, dieses Schubladending. Wie wäre es mit DHL-Rock oder UPS-Rock!? Unsere Stärken oder spezielles Merkmal an den Songs des neuen Albums sind, dass der Sound im Gegensatz zum Vorgänger viel größer und mächtiger produziert ist und wir auch diesen Isis-Einfluss, den wir auf unserem Debüt hatten, hinter uns gelassen haben. Sie sind viel eigenständiger und facettenreicher geworden und reiten nicht die ganze Zeit auf dem gleichen Pfad, Abwechslung war uns sehr wichtig beim Schreiben der Songs. Ich denke, wir haben es geschafft nicht so genretypisch zu klingen, unsere eigene Note ist deutlich zu hören.

Euer neues Album “A Modicum Of Truth” wirkt in der Tat um einiges eigenständiger. Hat euch der Vergleich zum ersten Album genervt, ihr seid “nur” ein deutscher Abzug von Cult Of Luna? Den konnte man ja schon des Öfteren lesen. Machen es sich Journalisten zu leicht in diesen Tagen?

Als Journalist brauch man ja auch Anhaltspunkte zum Schreiben, wenn man über den Sound irgendwelche Bands berichten will. Nervig, würde ich aber nicht sagen, das geht hier rein und da wieder raus. Manchmal hat man aber schon das Gefühl, dass manche Rezensenten einmal für zehn Minuten reinhören, sich gar nicht damit richtig auseinandersetzen und meinen zu wissen, welche Qualität ein Album besitzt. Schön für sie, aber dadurch entgehen manchen Konsumenten schöne Alben, weil sie sich voll und ganz darauf verlassen, was sie lesen. Deswegen wie Oma schon immer gesagt hat: „Junge, verlass dich nie auf die anderen, geh raus und mach dein Ding!“

Wie war es überhaupt als noch relativ neue Band gleich im Vorprogramm von Cult Of Luna, Red Sparowes oder ähnlichen Größen zu spielen? Angst vor deren sagenumwobener Perfektion gehabt?

Nein, eigentlich nicht! Sagenumwobene Perfektion würde ich nicht dazu sagen, denn diese Leute sind genauso wie du und ich, dass keiner perfekt ist perfekt. Wir hatten das Glück immer bestens mit denen klarzukommen und von ihnen persönlich auf Tour eingeladen zu werden, so was nimmt schon ein wenig die so genannte Angst. Es war eher so, als wir von den Red Sparowes eingeladen worden sind und dann auf der Tour vor teilweise 400 bis 600 Leuten gespielt haben, dass das eine unglaubliche Erfahrung für uns war. Manchmal hat das schon unsere Knie zum Zittern gebracht, aber das hat sich dann nach einiger Zeit gelegt, weil wir nach jeder Show einen gewissen Erfolg erlebt haben und das uns sehr gepusht hat.

Auch bei euch wirkt wenig dem Zufall überlassen. Wie entstehen bei euch die Songs in der Regel, abgesehen von “Jemand kommt mit einer Idee”. Was sind eure Inspirationsquellen oder Orte oder Situationen, in denen ihr kreativ werdet?

Ja aber einer kommt tatsächlich mit einer Idee. Es ist aber häufig so, dass diese Ideen nicht einfach so entstehen. Alles was um uns herum passiert, ist etwas Inspirierendes, Beeinflussendes und jeder von uns versucht das dann in Songs und Ideen auszudrücken. Danach wird es vorgestellt, wir machen uns an die Arbeit und sehen dann, ob es gelingt und zu einem Song komponiert werden kann.

Als besondere Komposition entpuppt sich der Brocken “In The Valley”. Wer ist denn die nette Stimme in dem Song? Welchen Reiz hat es für Musiker eigentlich immer wieder gerne sanfte Frauenstimmen zu integrieren?

Diese nette Frauenstimme in dem Song ist von Sonja Baumann (Hey Jane / Monophone). Bezaubernd! Das war eigentlich alles sehr spontan im Studio. Als sie diesen Part eingesungen hat, hat uns das glatt umgehauen. Checkt alle ihre Bands, für Freunde von Motorpsycho ein gefundenes Fressen.

Als Hörer pickt man sich ja gerne einzelne Songs heraus. Welche grobe Gesamtidee steckt aber eigentlich hinter dem Album?

Noch einmal den Sturm vor der Ruhe zu entfesseln, denn momentan machen wir uns schon Gedanken zur nächsten Veröffentlichung. Es könnte ganz anderen Pfaden folgen …

Bleiben wir aber beim Jetzigen: Sludge‘ige Musik lebt von Endzeitstimmungen, Urwesen, Vulkanen, Meeren, Naturgewalten und Katastrophen, immer ein bisschen mystisch angehaucht. Ist das Realitätsflucht?

Ist das aber nicht immer so bei Musikern und Künstlern im Allgemein? An dem Zeitpunkt, wo sich ein Künstler mit seiner Sache beschäftigt, gibt es nichts anderes als seine eigene Welt. Man entzieht sich dem tristen Alltag. Auf eine Art und Weise ist das Befreiung.

Witzig ist ja immer zu wissen, was Musiker normalerweise so hören, als andere Art der Befreiung sozusagen. In einem Interview nanntet ihr einmal Tom Waits, Depeche Mode oder David Bowie. Wie spannt sich dann der Bogen zu der Musik von Tephra?

Das ist eine schwierige Frage. Es kommt halt einfach so. Das macht uns und all unsere Einflüsse aus.

Abgesehen von der reinen Musik, spielt das Medium Film im Postrock eine große Rolle. Einer aus eurer Band ist Filmemacher, habe ich gehört. Welchen Stellenwert und welche Macht haben die Bilder zur Musik, die ihr ja auch teilweise live abspielt? Unterstützendes Element, gleichbedeutender Teil der Kunst oder nur eine nette Spielerei für den Eintrittspreis?

Dennis, der das eine Zeitlang bei uns gemacht hat, kam spontan mit dieser Idee. Es war schon ein unterstützendes Element und auch sehr gewaltig, weil seine Bilder auch so düster wie unsere Musik waren. Leider hat er momentan zu wenig Zeit und wir müssen halt auf ihn verzichten, aber früher oder später wird er wieder dabei sein.

Wie sehen ansonsten die Pläne aus für die Zukunft, abgesehen von einer baldigen Tour? Was würde euch künstlerisch reizen? Vielleicht etwas völlig Abwegiges …

Shows und Touren, so oft es geht, klar. Eine neue Veröffentlichung auch. Gibt halt so vieles, was man noch machen möchte. Gerne auch eine Reise zum Mond und das erste Riff im All spielen.

© written for soldout & popcultures

Posted in Interviews
by admin