Archive for October, 2007

Showkampf

Monday, October 22nd, 2007 at 00:18

| aktueller song: reverend & the makers – 18-30 |

Maroon – The Cold Heart Of The Sun
Vö: 19. Oktober 2007
Label: Century Media / EMI
Länge: 45:09 min
Hit: The Iron Council
Punkte: 5/10

Maroon - The Cold Heart Of The Sun

Wenn der Matador in der gefüllten Arena mit seinem roten Tuch zur großen Show schreitet, es ein-, zweimal elegant hin und her wedelt, dreht der Stier plötzlich völlig durch. Hass steigt in ihm auf, und wie wahnsinnig rennt er los, um den Stierkämpfer aufzuspießen. Einfach erst mal drauf! Maroon wurden mit “When worlds collide” von vielen verteufelt: als Metalcore, als Mitläufer, als Prolls ohne Biss. Teils zurecht, teils unfair. Doch allen, die Maroon zum Mainstream wandern sahen, sollen nun mit “The cold heart of the sun” für ihre Vorschnelligkeit bluten. Wenn es nach der Band geht, zumindest.

Sagt man einer Band, die sich so dermaßen vehement gegen jegliche Szenen zu stemmen versucht, dass sie letztendlich selbst nichts anderes sei als durchschnittlicher Standard, ist es nicht verwunderlich, dass “(Reach) The sun” so explizit nach einem angestochenen Stier klingt. Noch nicht einmal richtig die Fahne des Metalcore-Mainstream als Provokation gewedelt, drehen Maroon aus Todesangst leer. Hauptsache, erst einmal alles anders machen. Sind die ersten Sekunden des Infernos ohne Hörner in der Magengegend überstanden, kommt erst einmal etwas Entspannung in die brenzlige Situation. Wobei man trotz allem natürlich auf der Hut sein muss, denn “Only the sleeper left the world” lädt genau wie der Rest von “The cold heart of the sun” keineswegs zum Kuscheln ein. Das Biest ist immer noch im Ring und lebt.

Das Doping zum angepeilten Sieg heißt diesmal Männlichkeit, noch mehr Härte, mehr Metal, mehr Wut und Wumms für drei Stiere. Doch die große Frage ist, inwieweit sich reine Kraft gegen das taktische Geschick des Matadors auszahlt. “My funeral song” zeigt zumindest, dass man sich nicht zwangsläufig die Hörner abstoßen muss, und selbst die Halbballade “Some goodbes are farewells” am Ende fügt sich ganz gut in die Strategie. Doch dazwischen bleibt insgesamt nicht viel Spielraum, die Arena ist genretechnisch nicht sehr weitläufig, und der Durst nach Blut und der Sensation des Breakdowns im Gegenzug ziemlich groß. Auch bleibt einem Tier von Album trotz körperlicher und technischer Überlegenheit nicht viel anderes übrig als die Provokateure auf den Spieß zu setzen.

Maroon wollen die besseren Stiere sein, haben aber am Ende trotzdem den Kampf verloren, da dass Ablaufprinzip bekannt ist. Doch das Statement kommt an: Sie lassen sich nicht an der Nase rumführen, setzen im Gegenzug markante Momente, die Spannung erzeugen zu wissen. Doch der Spaß ist von kurzer Dauer, nach dreimaligem Durchdrehen, viel aufgewirbeltem Staub, dem liebenswerten Gerotze in “The iron council” und einer Extrarunde macht der Matador kurzen Prozess. Es folgt der kreative Todesstoß. Es ist halt doch immer der gleiche Ablauf. Aber die Show war’s wert.

Tracklist:
01) (reach) the sun
02) only the sleeper left the world
03) steelbath your heart
04) my funeral song
05) black halo!
06) the cold heart of the sun
07) for those unseen
08) as truth becomes vain
09) the iron council
10) fear the most them who protect
11) some goodbes are farewells

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Soljankafete

Tuesday, October 16th, 2007 at 00:01

| aktueller song: narcissus – blessed coma |

Reeperbahnfestival: Lucky Soul, Logh, The Kissaway Trail, The Floor Is Made Of Lava
28. September 2007 – Hamburg, Grüner Jäger

[mygal=reeperbahnfestival01]

Reeperbahnfestival 2007

Die Mische machts bekanntlich, dachten sich auch die Veranstalter des Reeperbahnfestivals. Anders lässt sich zumindest nicht erklären wie ein solches Soljanka-Lineup zu Stande kommt. Was ja eigentlich nicht schlimm sein muss. Eigentlich wohlgemerkt. Der Übergang von witzig gemeintem, aber bei weitem nicht so heiß wie angekündigtem Indierock von The Floor Is Made Of Lava, hin zu The Kissaway Trail sollte sich als noch verkraftbar herausstellen. Immerhin überraschten die mit erstaunlich atmosphärischen Parts. Diese toppten Logh zwar mit links, weswegen es auch absolut nicht verwunderlich war, wenn bei so herzzerreißender Postpop-Melancholie viele im Publikum den Drang verspürten Körperberührungen auszutauschen. Was aber wiederum auch am bis zum Bersten gefüllten Jäger gelegen haben könnte. Fakt ist aber, dass danach das blonde Erwachen in Form der Sängerin von Lucky Soul kam: bunt, poppig, quietschig und irgendwie viel zu gut gelaunt, während sich der Großteil noch in diversen Traumsphären befindet. Viele gehen, andere lassen sich die Soljanka trotzdem nicht vermiesen.

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Halbe Eier

Monday, October 15th, 2007 at 21:31

| aktueller song: logh – the invitation |

The Bled – Silent Treatment
Vö: 05. Oktober 2007
Label: Vagrant / Pias / Rough Trade
Länge: 35:46 min
Hit: Breathing Room Barricades
Punkte: 6/10

The Bled - Silent Treatment

Es gibt solche und solche, das war schon immer so. The Bled waren dabei früher sicher stets die anderen, die die in der Schule gemobbt wurden wegen irgendwas, wirkliche Gründe braucht man da ja sowieso nicht. Wie auch immer, jedenfalls haben sie bestimmt ordentlich einstecken müssen, nur weil sie kaputte Hosen anhatten, sich nicht trauten, in der ersten Klasse die zwei Meter vom Klettergerüst zu springen oder weil sie als Homos beschimpft wurden, weil sie die blonde Sunny-Barbie aus der Parallelklasse für eine doofe Schlampe hielten. Ein ganz normales Schulzeittrauma eigentlich. Der Unterschied ist nur, dass sich The Bled nie davon erholt haben.

Es gibt viele Möglichkeiten, solch eine zerrüttelte Jugend zu verarbeiten. Schulmassaker gehören definitiv nicht dazu, das nur so nebenbei bemerkt. Die einen werden dann also die größten Streber, bekommen Physik-Nobelpreise, die anderen gehen in die Politik oder grinsen gestört in die Kameras des Unterschichtenfernsehens. Oder gründen eben eine Band und lassen all das raus, was sie früher gern gemacht hätten, aber sich halt nicht getraut haben. So Slipknot-mäßig. The Bled würden das auch gerne.

Das Problem ist aber: The Bled trauen sich immer noch nicht so ganz. Aber sie würden gerne, das muss man ihnen lassen, und das hört man auch. So hätte “Silent treatment” durchaus nach mehr Stock im Arsch klingen können, macht es aber zum Glück nicht. Doch es braucht seine Zeit, bis The Bled auftauen. Das soll nicht heißen, dass ihnen etwas mehr Prolloattitüde gut tun würde, aber gerade die ersten Songs klingen doch noch zu sehr nach unsicheren, eingezogenen Schultern und vorsichtiger Abwartestellung. Mehr als auf den freieren Vorgängern “Pass the flask” und “Found in the flood”. Keinem mögen sie irgendwie weh tun. So fallen auch die Refrains nicht ganz so poporientiert aus, die harten Breaks könnten im Gegenzug etwas mehr Pfeffer verkraften, aber wir wissen ja, The Bled sind nicht so die Draufgängertypen. Außerdem soll das ja keine Schocktherapie werden.

Letzteres wäre dann auch nicht wirklich authentisch, wenn eine der braveren unter all diesen unzähligen Post-Hardcore/-Metalcore-Bands auf einmal zum freidrehenden Rundumschlag ausholt. Vielmehr geht die Rechnung genau dann auf, wenn beide Seiten durchblitzen: die sachte Bubiseite mit einprägsamen Gesanglinien wie in “Asleep on the front lines”, die dann aber auch gerne einmal gegen Ende ins chaotisch Ausflippende abdriftet. Der Liebling aller darf schließlich auch einmal auf den Tisch hauen. In eine ähnlich spannend vielfältige Kerbe schlägt auch das markante “Breathing room barricades”. Härte trifft Melodie und das endlich einmal völlig befreit, konsequent und unbefangen. Wenn jetzt noch die Handbremse im Kopf umgelegt wird, dann haben The Bled ihr Trauma überwunden. Dann gibt’s auf die Nuss.

Tracklist:
01) shadetree mechanics
02) you should be ashamed of myself
03) threes away
04) asleep on the front lines
05) platonic sleepover massacre
06) starving artiste
07) silver lining
08) some just vanish
09) breathing room barricades
10) beheaded my way
11) my bitter half

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Ein Naturschauspiel

Sunday, October 14th, 2007 at 23:29

| aktueller song: troy von balthazar – took some $$ |

Tephra – A Modicum Of Truth
Vö: 12. Oktober 2007
Label: Riptide / Cargo
Länge: 68:05 min
Hit: In The Valley
Punkte: 7/10

Tephra - A Modicum Of Truth

Das Brodeln:
Vor der Eskalation kocht es für gewöhnlich. Dass dies bei Tephra nie wirklich auf halber Flamme passierte, bewies schon das selbstbetitelte Debüt, was sich vor skandinavischen Kollegen oder unzähligen Isis/Neurosis-Nebenprojekten nicht zu verstecken brauchte, womöglich sogar zu sehr danach klang. Nun prallen die Einflüsse aber nicht mehr frontal wie Kontinentalkolosse aufeinander, sondern haben sich verformt, bewegt und verändert und wissen sich frei zu entfalten, den Effekten sei Dank. Nicht ohne Hindernisse allerdings, denn der Erdkern ist immer noch verdammt heiß und unruhig. “Apollo” funkt den aktuellen Stand noch ziemlich sachlich an die Zentrale, aber spätestens “Big black mountain” macht seinem Namen alle Ehre – unter der Erdkruste brodelt und rumort es deftigst.

Der Ausbruch:
Da kann man sich noch so lange vorbereiten, wenn es passiert, passiert es: Der Vulkan spuckt Feuer, die Natur lässt ihre Muskeln spielen, und der Mensch hat das Nachsehen. Es ist ja nicht so, dass Tephra einen nicht warnen würden, denn gerade die minimalistischen Zwischenspiele “A modicum of truth” und “Wolfs chamber” sind schon wie aus dem Krater steigender Rauch, bedrohlich und wenig verheißungsvoll. Das erste Magma wird plötzlich kilometerhoch in die Luft geschossen. Da bringt dann auch Rennen nichts mehr. Wenn die Erde erst einmal richtig rummst, dann kann man das gefährliche Spiel einfach nur über sich ergehen lassen. Das Spiel mit Feuer, mit der Zerstörung, mit dem Tod, aber auch mit dem funkelnden Schauspiel, was innerhalb von drei Songs – von “Until the end” bis “Crossways” – dreißig Minuten geballt abgefeuert wird.

Das Abkühlen:
Was zurückbleibt, ist von der rauen Stimme extrem viel verspuckte glühende Lava und tief brummendes Gestein, was so manches Dorf unter sich begraben und in bizarre Formen verwandelt hat. Tragisch, aber schön irgendwo. Zumal wenn sich das Schauspiel dann mit einer bittersüßen Frauenstimme in “In the valley” dem Ende neigt, womit dann auch die letzte fließende Lava abgekühlt erstarren dürfte und sich nach der dramatischen Stunde zur Ruhe setzt. Kein Zuckerscklecken sicher, wenn man so mittendrin ist, aber ein faszinierendes Naturereignis, vielleicht auch weil man es nicht jeden Tag miterleben sollte. Brachial und energisch packend. Lebend rauskommen sollte man nur …

Tracklist:
01) apollo
02) big black mountain
03) changes
04) a modicum of truth
05) until the end
06) rivers eyes
07) crossways
08) wolfs chamber
09) clearance
10) lost one
11) in the valley

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Schnell und schmutzig

Tuesday, October 9th, 2007 at 19:21

| aktueller song: the postal service – sleeping in |

Parkway Drive – Horizons
Vö: 08. Oktober 2007
Label: Epitaph / Burning Heart / SPV
Länge: 36:39 min
Hit: Boneyards
Punkte: 5/10

Parkway Drive - Horizons

Sex sells, logisch. So schlau ist man marketingstrategisch mittlerweile auch am anderen Ende der Welt, in Australien. Und menschliches Triebleben und Hardcore liegen ja auch nicht so weit auseinander, selbst wenn man über alle erdenklichen Doppeldeutigkeiten einmal hinwegsieht. Was da so gebalzt wird, ist schon manchmal erschreckend. Aber Parkway Drive sind nun auch nicht komplett dumm und wissen das längst durchschaute Konzept gekonnt zu verfeinern und auszuweiten. Wortkreatisten würden ihre Musik wohl “Quick and dirty”-Core nennen.

Da kann jetzt natürlich auch wieder viel hineininterpretieren werden, und um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Alles ist irgendwie richtig. Alles kann, nichts muss sozusagen, positiv wie negativ. Parkway Drive sind momentan die Speerspitze des halbwegs anspruchsvollen Metalcore, und dem wirklich bemerkenswert guten Geschrei des Sängers Winston McCall zu lauschen, ist für unsereins ähnlich angenehm, wie für Mädchen das Begaffen seiner geleckten Tattoos. Hat sicher beides seinen Reiz, wobei manche Jungs ja einfach nur gern genauso tough wären wie McCall und sich freiwillig mal besabbern lassen würden. Doch dazu müssten sie erstmal ein ähnlich gelungenes Brett wie “Killing with a smile” vorlegen. Dann wäre es sogar verdient.

Aber wie es nun einmal ist mit den stets heiß begehrten Jungs, die wiederum wissen, dass sie von allen Seiten heiß begehrt werden: Sie ruhen sich auf ihrem Charme aus, sie lassen die anderen erstmal machen und sich die Zähne an ihnen ausbeißen, weil sie ja am Ende sowieso alle abbekommen. Wenn man also die schnelle Abenteuernummer will, dann ist “Horizons” perfekt: wilde Party, harter Stoff, krasser Absturz, ein Abend lang volle Kanne Spaß und Action. Aber eben auch das böse Erwachen am nächsten Nachmittag: verkatert, Kopfschmerzen und mit dem Gedanken, einen komischen Trip hinter sich zu haben. Woher die Durchschnittsfrau neben einen/einem kommt, ist dabei genauso unklar, wie die Frage, warum man zu so viel Durchschnitts-Metalcore so böse absacken konnte. Wegen den Hormonen vielleicht.

Aber mal so mit Abstand und klarem Kopf gesehen: Der Sinn des Lebens kann das nicht sein, denn wenn das Leben durchweg genauso konsequent breakdownig wäre, einen immer nur auf die Umme ginge, aber im Grunde keine wirkliche Abwechslung bieten könnte, dann würde der Spaß schnell ähnlich zäh wie ausgekauter Kaugummi. Was also bleibt, ist die Erinnerung an eine kurzweilige Genussbefriedigung der etwas schnelleren und schmutzigeren Sorte. Aber man wird ja dennoch irgendwie älter und reifer, und Parkway Drive sollten das auch mal probieren. Spaß kann man trotzdem haben. In jeder Hinsicht.

Tracklist:
01) begin
02) the sirens’ song
03) feed them to the pigs
04) carrion
05) five months
06) boneyards
07) idols and anchors
08) moments in oblivion
09) breaking point
10) dead man’s chest
11) frostbite
12) horizons

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Die Bluthochkultur

Monday, October 8th, 2007 at 12:11

| aktueller song: envy – scene |

Between The Buried And Me – Colors
Vö: 28. September 2007
Label: Victory / Soulfood
Länge: 64:09 min
Hit: Sun Of Nothing
Punkte: 7/10

Between The Buried And Me - Colors

Between The Buried And Me machen gewissermaßen das Gleiche wie Green Day. Bloß halt ein kleines Stückchen zurückhaltender, medial gesehen. Während die Pop-Punker im Vorfeld zu “American idiot” mächtig auf die verbale Kacke gehauen und schon Monate zuvor angekündigt haben, ein Werk zu veröffentlichen, was die restliche Musikwelt nachthaltig beeinflussen und inspirieren wird, machen genau dies Between The Buried And Me einfach stillschweigend. Ohne Brimborium, einfach so, peng, und da ist das Prachtstückchen. Der Rest ist dann aber ähnlich, vorausgesetzt, man denkt sich einfach den punkigen Teil der theatralischen Ausuferungen raus und gleichzeitig Metal, Chaos, Mathematik und verdammt viel Technik rein, Blut, aber auch Pop inklusive. Vorhang also auf für die krawalligste Oper seit Macbeth von Shakespeare.

Selbst die Millionenseller von Green Day hatten ja sogar etwas von der Blutrünstigkeit des Feldherren, auch wenn sich das eher auf die mit Georg W. Bush abrechnende textliche Ebene bezogen hat. Bei Between The Buried And Me liegt die Gewalt eindeutig im Bereich der Instrumente. Was im ersten Akt mit dem Intro “Foam born (a) the backtrack” noch verhältnismäßig gesittet losgeht, entwickelt sich spätestens in “(B) the decade of statues” zur axtschwingenden Bestie, ohne Ruhepause auf dem Schlachtfeld wohlgemerkt. Ganz unüblich zum klassischen Aufbau gibt es vielmehr überhaupt keine Pausen, auch keine erfüllten Schicksale, sondern durchweg fliegende Waffen.

Es hat ja eigentlich sogar etwas Ästhetisches, so metallisch-brutaler Mittelalterkampf, der sich auch gerne der alten Herrscher von Pink Floyd oder neueren Techniken von Devin Townsend bedient. Da wird noch taktiert, werden endlos viele Tricks und ausgefallene Kniffe ausprobiert, und obendrein gibt es noch massig geboten für die Augen (Artwork) und Ohren (Krawumms). Doch auch wenn es auf “Colors” neben allerhand Metzeleien und gefühlten dreitausend Motivwechseln gewiss die popigsten Momente der Band gibt (“Sun of nothing”), handelt es sich unterm Strich immer noch um eine volle Stunde nervenaufreibende und anstrengender Metaloper.

Natürlich ist das ein harter Brocken, den man da vor die Füße geknallt bekommt. Und wenn dann überall auf der Bühne, in allen Ecken und Ende und zu jeder Sekunde etwas Neues passiert, dann ist man fast so überfordert, wie wenn man die Sendezeit aller Singles von Green Day zusammenrechnen muss. Geht natürlich beides nicht und macht irgendwie Kopfschmerzen, aber den Nerds und Feuilletons dieser Welt wird das ziemlich schnuppe sein. Opern sind nun einmal auch besser als ihr Ruf. Selbst bei Green Day.

Tracklist:
01) foam born (a) the backtrack
02) (b) the decade of statues
03) informal gluttony
04) sun of nothing
05) ants of the sky
06) prequel to the sequel
07) viridian
08) white walls

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(E)ll(i)ps(e)

Tuesday, October 2nd, 2007 at 00:51

| aktueller song: mt. – add obvious errors |

Sdnmt – The Goal Is To Make The Animals Happy
Vö: 28. September 2007
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 45:47 min
Hit: Jazz™
Punkte: 8/10

Sdnmt - The Goal Is To Make The Animals Happy

“n dr Krz lgt d Wrz” soll einmal irgendjemand im Vollsuff gelallt haben, und jeder, der schon ein einziges Mal an so einen kleinen, fiesen Underberg genippt hat, kann das nur bestätigen. Auch das mit der gestörten Aussprache danach. Fragt sich jetzt nur, wie das mit Ex-Seidenmatt ist: Darf man jetzt nach der Namenänderung immer noch Seidenmatt sagen? Spricht man es einzeln als S, D, N, M, T? Oder formt man neuerdings noch obskurdere Wortkrämpfe á la “EITS” für Explosions In The Sky, “FMTM” für From Monument To Masses oder, noch schlimmer, “AYWKUBTTOD” für …And You Will Know Us By The Trail Of Dead? Spätestens mit Letzterem wären wir dann wirklich wieder bei irgendwelchem Wortgeschrubbe ab zwei Promille aufwärts. Es kann also viel spekuliert werden, was sich hinter der Verkürzung des Namens verbirgt. Vielleicht sollen auch einfach nur Journalisten ein paar Zeichen geschenkt werden, als kleines Entgegenkommen. Oder Seidenmatt/SDNMT waren nach all den Abfeierungen der letzten Jahre doch etwas neben der Spur unterwegs. Soll ja vorkommen.

Es könnte jedoch ganz einfach zum Konzept gehören, was mit stetigem Hören von “The goal is to make the animals happy” sogar immer wahrscheinlicher wird. In der Kürze liegt bekanntlich die Würze – haben wir ja eben erst gelernt. Was schon beim Namen losging, setzt sich dann über die charmant-witzige Dankesliste fort und endet in der Musik an sich. So komprimieren SDNMT ihre freudige Mischung aus Postrock, Indie und feinster Elektronik nochmals um durchschnittlich eine Minute, erreichen damit sogar radiotaugliche Längen, aber eben auch ihre bis dato kompaktesten, viel mehr auf den Punkt gebrachten Songs.

Da ist kein Schnörkel zu viel, vielmehr überhaupt nichts Unnötiges. Eher genau das Gegenteil ist der Fall, denn trotz des geringeren Umfangs wirkt das Album wesentlich vielseitiger, was nicht nur ein Prädikat des vermehrten Gesangs ist, sondern ganz allgemein eins der herzlichen Liebe, die in diese Dreiviertelstunde hinein gesteckt wurde. Denn es wurde auch jene Kritik erhört, dass “If you use this software often … buy it” zu glatt sei. Alles zwischen Raum, Effekten, Instrumenten und Spielereien wurde abermals erweitert, obwohl doch weniger manchmal mehr ist. SDNMT finden den perfekten Mittelweg. Ganz ohne GSTTTR.

Tracklist:
01) basses basses
02) 26/20 (sql where is it?)
03) sho-ryu-sdnmt
04) tears don’t cry
05) waking the forest
06) jazz™
07) smallest narrative unt
08) still a cool pair of kicks
09) time is only my zeit
10) g.ranulat u.nd z.ehren, y.all

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