Alle guten Dinge sind drei
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Artikel zu Neaera
(August 2007)
Alle guten Dinge sind drei, so sagt man es zumindest immer. Doch im Musikgeschäft drehen sich die Räder bekanntlich andersrum und im Falle von Neaera dient die Zahl vielleicht gar nicht einmal als Glücksbringer, sondern genau das Gegenteil ist der Fall: Drei Vokale im Bandnamen nacheinander stellen für viele Leute unüberwindbare Hürden in Sachen korrekter Rechtschreibung und sachgemäßer Aussprache dar. Dann erscheint mit “Armamentarium” jetzt das berühmt-berüchtigte dritte Album, an dem schon richtig viele Bands mit Schmackes gescheitert sind. Und das ganze passiert auch noch im dritten Jahr aufeinander. Oh Schreck. Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen diabolisch, aber es kommt ja auch immer alles genau so wie man es gerade nicht denkt. Grund genug also, dass Neaera-Sänger Benny Hilleke dazu einmal Stellung bezieht und ein paar gängige Vorurteile und Schauermärchen relativiert. Am Ende ist nämlich immer alles halb so schlimm wie es scheint. Meistens zumindest:
Der Name:
Allein schon beim Schreiben eures Bandnamens muss man doppelt und dreifach nachschauen, ob man nun Neaera mit all seinen Vokalen richtig geschrieben hat. Spätestens wenn diesen jemand mit zwei Promille aussprechen will, entstehen bestimmt ganz witzige Verwurstungen.
Ja, das mit den Ausspracheproblemen hören wir häufiger, aber wirklich kuriose Geschichten in Bezug auf den Namen gibt es leider nicht. Noch nicht. Es ist immer nur ganz witzig, in welchen Schreibkombinationen der Name auf Flyern oder Postern auftaucht. Da hatten wir von Nahera bis Nereaeaerara auch schon alles Mögliche dabei. Ich glaube, ich fange bald an die wenigen Flyer zu sammeln, auf denen der Name richtig geschrieben steht.
Der Rhythmus:
Ihr habt “Let The Tempest Come” ziemlich schnell nach der ersten Platte veröffentlicht und jetzt legt ihr “Armamentarium” wieder sehr schnell nach. Seit ihr immer so unzufrieden und wollt die Alben schnell verdrängen? Immerhin gab und gibt es ja viele gespaltene Meinungen zu euren Platten.
Nun, gespaltene Meinungen gibt es immer, das ist klar. Insgesamt gesehen hatte “Let The Tempest Come” bei dem Großteil der Reviews sogar noch etwas besser abgeschnitten als “The Rising Tide Of Oblivion”. Es ist für uns aber alles andere als ein Übergangsalbum. Unser bisheriger Veröffentlichungsrhythmus von einem Jahr hört sich vielleicht kurz an, aber letzten Endes haben wir über ein Jahr lang an den Songs gesessen. Viele Bands schließen sich für ein paar Monate im Studio ein und schreiben ein komplettes Album. Das würde bei uns wahrscheinlich nicht funktionieren, deswegen schreiben wir kontinuierlich und über das Jahr verteilt. Und wenn ein Song oder Album unserer Meinung nach fertig ist, warum sollten wir dann noch weiter daran rumschrauben? Dann geht es also schnell ab ins Studio.
Das Album:
“Armamentarium” ist nun das verflixte dritte Album, das ja immer als Wegweiser einer Band gilt. Ist an der Story wirklich etwas dran? Und was habt ihr anders gemacht, dass euch diese Geschichte nicht zum Verhängnis wird?
Das mit der Richtungsweisung sehe ich nicht so. Es ist ja auch nicht so, dass wir auf “Armamentarium” etwas völlig Anderes machen als auf den Vorgängeralben. Als Musiker entwickelt man sich von Album zu Album weiter, ob nun zum Besseren oder zum Schlechteren sei aber erst einmal dahingestellt. Wir hatten einfach den Ansporn keinen Müll abzuliefern, aber dass wir bewusst anders an die Sache rangegangen sind, war nicht der Fall. “Armamentarium” ist einfach noch einmal eine Ecke härter als seine Vorgänger und es wird häufiger mit der Bolt-Thrower-Panzerfaust geschossen, ohne allerdings dabei die Melodien völlig außer Acht zu lassen.
Na, wer sagt es denn, scheint doch alles irgendwie noch beim Alten zu sein im Hause von Neaera: die Namensdebatte bietet sogar nach fünf Jahren Bandbestehen immer noch reichlich Gesprächsstoff und Verwirrungen, selbst die Band hat sogar noch den fleißigen Enthusiasmus kontinuierlich Songs zu schreiben, die dann pünktlich im Jahrestakt unters Volk gebracht werden. Dass das dann außerdem nicht einmal mit Stagnation einhergehen muss, beweist “Armamentarium” allein dadurch, dass es sich von seinen deutschen und schwedischen Death/Metalcore-Freunden still und heimlich in kleinen Schrittchen emanzipiert. Obendrein beschleicht einen das mulmige Gefühl, dass man erstmalig ein rundum geschlossenes Album von Neaera serviert bekommt, was konzeptionell mit dem düsteren Artwork beginnt und sich atmosphärisch durch alle Songs hinweg durchzieht. Im Vergleich dazu haben genau das Caliban bis jetzt nicht einmal nach zehn Jahren hinbekommen. Maximal ansatzweise wenns hoch kommt, doch der Vergleich hinkt ja mittlerweile genauso wie Opa mit Krückstock. Und mit dem Rest wurde ebenfalls aufgeräumt. Zum Teufel also mit dem 3er-Trauma!
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