Archive for September, 2007

Alle guten Dinge sind drei

Wednesday, September 26th, 2007 at 00:58

| aktueller song: immanu el – panda |

Artikel zu Neaera
(August 2007)

Neaera

Alle guten Dinge sind drei, so sagt man es zumindest immer. Doch im Musikgeschäft drehen sich die Räder bekanntlich andersrum und im Falle von Neaera dient die Zahl vielleicht gar nicht einmal als Glücksbringer, sondern genau das Gegenteil ist der Fall: Drei Vokale im Bandnamen nacheinander stellen für viele Leute unüberwindbare Hürden in Sachen korrekter Rechtschreibung und sachgemäßer Aussprache dar. Dann erscheint mit “Armamentarium” jetzt das berühmt-berüchtigte dritte Album, an dem schon richtig viele Bands mit Schmackes gescheitert sind. Und das ganze passiert auch noch im dritten Jahr aufeinander. Oh Schreck. Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen diabolisch, aber es kommt ja auch immer alles genau so wie man es gerade nicht denkt. Grund genug also, dass Neaera-Sänger Benny Hilleke dazu einmal Stellung bezieht und ein paar gängige Vorurteile und Schauermärchen relativiert. Am Ende ist nämlich immer alles halb so schlimm wie es scheint. Meistens zumindest:

Der Name:
Allein schon beim Schreiben eures Bandnamens muss man doppelt und dreifach nachschauen, ob man nun Neaera mit all seinen Vokalen richtig geschrieben hat. Spätestens wenn diesen jemand mit zwei Promille aussprechen will, entstehen bestimmt ganz witzige Verwurstungen.
Ja, das mit den Ausspracheproblemen hören wir häufiger, aber wirklich kuriose Geschichten in Bezug auf den Namen gibt es leider nicht. Noch nicht. Es ist immer nur ganz witzig, in welchen Schreibkombinationen der Name auf Flyern oder Postern auftaucht. Da hatten wir von Nahera bis Nereaeaerara auch schon alles Mögliche dabei. Ich glaube, ich fange bald an die wenigen Flyer zu sammeln, auf denen der Name richtig geschrieben steht.

Der Rhythmus:
Ihr habt “Let The Tempest Come” ziemlich schnell nach der ersten Platte veröffentlicht und jetzt legt ihr “Armamentarium” wieder sehr schnell nach. Seit ihr immer so unzufrieden und wollt die Alben schnell verdrängen? Immerhin gab und gibt es ja viele gespaltene Meinungen zu euren Platten.
Nun, gespaltene Meinungen gibt es immer, das ist klar. Insgesamt gesehen hatte “Let The Tempest Come” bei dem Großteil der Reviews sogar noch etwas besser abgeschnitten als “The Rising Tide Of Oblivion”. Es ist für uns aber alles andere als ein Übergangsalbum. Unser bisheriger Veröffentlichungsrhythmus von einem Jahr hört sich vielleicht kurz an, aber letzten Endes haben wir über ein Jahr lang an den Songs gesessen. Viele Bands schließen sich für ein paar Monate im Studio ein und schreiben ein komplettes Album. Das würde bei uns wahrscheinlich nicht funktionieren, deswegen schreiben wir kontinuierlich und über das Jahr verteilt. Und wenn ein Song oder Album unserer Meinung nach fertig ist, warum sollten wir dann noch weiter daran rumschrauben? Dann geht es also schnell ab ins Studio.

Das Album:
“Armamentarium” ist nun das verflixte dritte Album, das ja immer als Wegweiser einer Band gilt. Ist an der Story wirklich etwas dran? Und was habt ihr anders gemacht, dass euch diese Geschichte nicht zum Verhängnis wird?
Das mit der Richtungsweisung sehe ich nicht so. Es ist ja auch nicht so, dass wir auf “Armamentarium” etwas völlig Anderes machen als auf den Vorgängeralben. Als Musiker entwickelt man sich von Album zu Album weiter, ob nun zum Besseren oder zum Schlechteren sei aber erst einmal dahingestellt. Wir hatten einfach den Ansporn keinen Müll abzuliefern, aber dass wir bewusst anders an die Sache rangegangen sind, war nicht der Fall. “Armamentarium” ist einfach noch einmal eine Ecke härter als seine Vorgänger und es wird häufiger mit der Bolt-Thrower-Panzerfaust geschossen, ohne allerdings dabei die Melodien völlig außer Acht zu lassen.

Na, wer sagt es denn, scheint doch alles irgendwie noch beim Alten zu sein im Hause von Neaera: die Namensdebatte bietet sogar nach fünf Jahren Bandbestehen immer noch reichlich Gesprächsstoff und Verwirrungen, selbst die Band hat sogar noch den fleißigen Enthusiasmus kontinuierlich Songs zu schreiben, die dann pünktlich im Jahrestakt unters Volk gebracht werden. Dass das dann außerdem nicht einmal mit Stagnation einhergehen muss, beweist “Armamentarium” allein dadurch, dass es sich von seinen deutschen und schwedischen Death/Metalcore-Freunden still und heimlich in kleinen Schrittchen emanzipiert. Obendrein beschleicht einen das mulmige Gefühl, dass man erstmalig ein rundum geschlossenes Album von Neaera serviert bekommt, was konzeptionell mit dem düsteren Artwork beginnt und sich atmosphärisch durch alle Songs hinweg durchzieht. Im Vergleich dazu haben genau das Caliban bis jetzt nicht einmal nach zehn Jahren hinbekommen. Maximal ansatzweise wenns hoch kommt, doch der Vergleich hinkt ja mittlerweile genauso wie Opa mit Krückstock. Und mit dem Rest wurde ebenfalls aufgeräumt. Zum Teufel also mit dem 3er-Trauma!

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Täglicher Wahnsinn

Wednesday, September 26th, 2007 at 00:37

| aktueller song: ef – hello scotland |

Täglicher Wahnsinn: Rumstehen
(September 2007)

Der tägliche Irrsinn des normalen Stinolebens dreht sich – wie könnte es anders sein – um Technik, die den Menschen so ziemlich genau gar nichts bringt. Rolltreppen für genau zwölf Stufen in Kaufhäusern zum Beispiel. Und hier zählt die typische Oma- und Behindertenausrede nicht einmal, weil vier Meter nebenan ein Fahrstuhl ist. Aber es ist schon interessant anzusehen, wenn sich da so stinkend faule Wesen glücklich und zufrieden ihren Arsch diese ein Meter Höhenunterschied nach oben liften lassen. Vielleicht weiß man selbst aber auch diese kurzen Sekunden des Glücks einfach nicht zu schätzen, wer weiß. Immerhin ist der Arsch aber noch straff, womit man dann auch schon fast beim nächsten Aufreger des Tages wäre: Technik, die ohne viel Brimborium auch mal straffer aus dem Arsch kommen könnte. Allen voran die guten Pfandautomaten. Wenn sie ohnehin einmal nicht verstopft wären. Warten, Klappe auf, Flasche rein, warten, Klappe zu, warten, scannen, warten, noch einmal scannen, warten, Flasche zerdrücken, warten, Klappe auf für die Nächste. Endlich, gefühlte dreißig Stunden später. Eh man dann so seine zehn Falschen PET-Cola weggebracht hat und schlussendlich den Bon in den Händen hält und sowieso erst noch warten musste, bis die vier Leute vor einem ihren kompletten Einkaufswagen á hundert Flaschen leer hatten, ist man entweder eingeschlafen, verhungert oder zigfach ausgeflippt. Über so Leute, die Tonnen von Müll bunkern vor allem, aber auch die scheiß Automaten, die trotz modernster Teilchenbeschleunigung und Rekordgeschwindigkeiten überhaupt kein Ding aus der Hüfte kommen. Und dann auch noch dieses, jenes und überhaupt alles irgendwie. Argh!

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Verfolgungswahn

Tuesday, September 25th, 2007 at 00:11

| aktueller song: preschool tea party massacre – myspace beatdown |

Baroness – The Red Album
Vö: 07. September 2007
Label: Relapse / Rough Trade
Länge: 55:48 min
Hit: Rays On Pinion
Punkte: 7/10

Baroness - The Red Album

Baroness sind in der Szene allgegenwärtig. In den Medien, im Musikgeschäft, in der Kunst. Um so erschreckender dass “The red album” erst das Debütalbum ist, obwohl man doch die Band schon so lange kennt, schon so viel gehört, gelesen und gesehen hat. Verwunderlich irgendwie, zumal Sänger John Baizley schon jetzt seinen festen Platz in den Annalen zu haben scheint. Die Covergestaltungen zu den aktuellen Alben von Darkest Hour und Pig Destroyer runden den gegenwärtigen Baroness-Overkill ab. Bei so viel Omnipräsenz könnte man nun unproblematisch eins und eins zusammenzählen und glatt denken, dass hiermit schön jemand auf Erfolg getrimmt wird. Aber falsch!

Baroness ist mit Sicherheit kein Kalkül, Baroness ist eher ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk, das man erst einmal verstehen muss. Und das ist wahrlich auch gar nicht so einfach, denn das Album an sich ist zwar ähnlich bunt und greifbar wie das selbstgestaltete Cover, aber auch mindestens genauso universell. Einzig die Überforderung des Hörers könnte dann wohlmöglich einkalkuliert sein, denn Baroness wollen scheinbar ganz bewusst keine kleinen Brötchen backen. Stattdessen geht es zentral um den Jugendstil der vorletzten Jahrhundertwende, politische und künstlerische Rebellion, aber auch Tradition, um Handwerk und modernste Technik und das alles wiederum gemixt mit ganz viel Sludge, Doom und klassischem Südstaatenfeeling. Das muss man erst einmal in dieser Kombination verkraften.

Aber das Konzept geht letzten Endes auf, und das ist, was bei Musik als Kunstform zählt. So fügen sich nämlich die hunderte Symbole und Metaphern im Artwork problemlos in die genauso verschnörkelt-aufgebläht, aber nie völlig überladenen Songs ein. Doch bekommen Baroness ziemlich zeitig den Bogen und wissen neben all den schweren Riffs und schleppenden Monstern an Songs hin und wieder auch einmal Interludes oder ruhigere Töne einzuschlagen. Fast könnte man behaupten, dass mit “The red album” das System mit dem Nebeneinandersetzen von beruhigenden und demolierenden Elementen perfektioniert wurde, schon allein weil genau diese Grundidee der Hell/Dunkel und Gut/Böse-Existenz auch gestalterisch mit gleicher Detailliebe umgesetzt wurde. Wenn nur jetzt noch der Gesang weniger monoton-stressig wäre, dann könnten uns Baroness ab diesem Zeitpunkt an wirklich jeder Ecke begegnen.

Tracklist:
01) rays on pinion
02) the birthing
03) isak
04) wailing wintry wind
05) cockroach en fleur
06) wanderlust
07) aleph
08) teeth of a cogwheel
09) o’appalachia
10) grad
11) untitled

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Charakterdarsteller

Monday, September 24th, 2007 at 22:10

| aktueller song: long distance calling – jungfernflug |

Oceansize – Frames
Vö: 28. September 2007
Label: Superball / SPV
Länge: 65:53 min
Hit: Trail Of Fire
Punkte: 6/10

Oceansize - Frames

Es ist fast wie im Film. Egal ob Hollywood-Blockbuster oder indonesischer Independent-Streifen: Mitentscheidend über Erfolg oder Misserfolg ist immer auch das Casting der Schauspieler. Die eine oder andere grobe Fehlbesetzung hat nämlich schon so manch gute Geschichte gegen die Wand fahren lassen. Umgekehrt ist es aber nicht selten der Fall, dass eine gute Bestückung der Haupt- und Nebenrollen so einiges rettet und über so manche Ungereimtheiten gekonnt hinwegtäuschen kann. Die optimale Besetzung scheinen Oceansize mittlerweile gefunden zu haben, aber trotzdem steht und fällt vieles mit ihrem Hauptdarsteller, Sänger Mike Vennart.

Wenn Oceansize aus den Boxen flimmern, pendeln die Reaktionen zwischen abgöttiger Anbetung, aber auch sinnlichen Fragezeichen im Kopf. Irgendwie abhängig von der Tagesform der Band selbst. Und wäre es nun irgendwie möglich gewesen, dass sie das ganze “Frames”-Album am selben Tag geschrieben und aufgenommen hätten wie die ersten Lieder der Platte, dann wäre ganz sicher was richtig Großes im Kasten gewesen. Da stimmt jede Kameraeinstellung, jede Ausleuchtung, jede Gestik und Mimik und jedes schaurig schön gesungene Wort, das dramaturgische Drehbuch sowieso. Einfach alles eben. Die perfekte Atmosphäre, die man unter der Regie von Oceansize auch aus den vergangenen Werken “Effloresce” und “Everyone into position” gewohnt ist.

Danach will man zwar nicht den Teufel an die Wand malen, aber was Oceansize mit dem ersten Part von “Only twin” und dem später folgenden “Sleeping dogs and dead lions” geritten hat, will man nicht unbedingt in allen Einzelheiten wissen. Fest steht allerdings, dass sich die Band zwar wirklich bemüht zeigt, den Soundumfang zu erweitern, aber dabei den plumpen Fehler begeht, viel zu viel zu wollen. Die Folge ist dann ein Song, der zwar breit gefächert ist, diverse Elemente vereint, diese aber eher grob zusammgeschustert ausspuckt, statt mit wirklichem Konzept dahinter. Das macht zwar alles in allem der jährlichen Goldenen Himbeere für Sylvester Stallone noch keine Konkurrenz, liegt jedoch unter dem eigentlichen Können der Band.

Und eines wird auch noch deutlich: Galionsfigur Mike Vennart sollte nicht unbedingt in die Rolle des aufbrausenden Actionhelden gesteckt werden. Denn auch wenn Oceansize die Ausbrüche neben den vielen bedächtigen Tönen ganz gut stehen, so macht das Geschrei nicht wirklich so extrem viel her. Es gibt halt einfach bestimmte Charaktere, die passen in das melancholisch-verzweifelte Schema viel zu gut rein und sind darin auch weltklasse. Wie leider nur in einigen, aber nicht allen Songs von “Frames”. Nächstes Mal wieder ein strafferes Drehbuch – dann kehrt auch die Hochspannung zurück.

Tracklist:
01) commemorative____t-shirt
02) unfamilar
03) trail of fire
04) savant
05) only twin
06) an old friend of the christy’s
07) sleeping dogs and dead lions
08) the frame

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Reeperbahnfestival 2007

Tuesday, September 18th, 2007 at 00:19

| aktueller song: jeniferever – swimming eyes |

Reeperbahnfestival 2007
27.-27. September 2007 – Hamburg, Reeperbahn Clubs

Reeperbahnfestival 2007

Über 10.000 Besucher waren dabei, als es im September 2006 zum ersten Mal hieß: drei Tage nonstop Musik vom Feinsten in den Hamburger Clubs rund um die und auf der Reeperbahn. Bei der ersten Auflage des Reeperbahn Festivals spielten über 200 Bands auf mehr als 20 Bühnen. Dank der großen Resonanz seitens der Medien, die das außergewöhnliche Geschehen auf dem Kiez hautnah und begeistert verfolgten, wurde das Festival deutschlandweit bekannt. Musikbegeisterte jeden Alters genossen an den drei Abenden in den verschiedenen Theatern und Clubs eine gute Mischung aus international etablierten Acts und Newcomern aller Genres.

Nach diesem Mega-Auftakt geht das Reeperbahn Festival nun in die zweite Runde. Das Ticket gilt erneut für die dicht beieinander liegenden Spielstätten auf dem Kiez. Hier werden dieses Mal über 100 internationale Newcomer und etablierte Acts auftreten, die es bei diesem in Deutschland einzigartigen Club-Festival zu entdecken gilt. Neben den vielen Live-Acts in den Clubs wird sich das Festival ein weiteres Mal durch diverse Specials abheben (Führungen, Ausstellungen etc.). Die Besucher haben die Möglichkeit, sich ein eigenes Programm zusammenzustellen und sie haben die Qual der Wahl. Unser Tipp wie immer: Sich treiben lassen und offen sein für unerwartete Entdeckungen! Die Festival-Tickets sind in bewährter Form als 3-, 2- oder 1-Tages-Tickets erhältlich und das zu sensationell günstigen Preisen.

Lineup:

In Hamburg ist ja eigentlich immer irgendwas los und wenn man wollte, könnte man alle drei Tage auf irgendein Konzert gehen. Fast könnte man sagen, man sei gesättigt. Doch schaut man sich das Lineup des diesjährigen Reeperbahnfestivals an, brennt es einem schon wieder sofort in der Ohrmuschel, im Tanzbein, in der Kehle und überall. Denn selbst ein ausgebuchtes Hamburg hat bestimmt in seinen Sternstunden kein derart interessantes Lineup gesehen, was so unbefangen zwischen Stars & Sterchen und feinsten Newcomern im Indie- und Popbereich pendelt. Somit dürften wirklich alle Geschmäcker musikalisch abgedeckt sein und jeder Club kann die drei Tage mit einem interessanten Lineup glänzen. Bloß endet wohl alles wieder mit dem selben dramatischen Ausgang: der Mensch kann sich nicht zerteilen. Leider.

Bands:
1000 Robota, 2529, Alberto, Amaree, An Pierlé & White Velvet, Anna Ternheim, Ash, Assoto Sounds Connaisseurs, Balboa Inn, Bernhard Eder, Biffy Clyro, Björn Berge, Björn Kleinhenz, Boys Noize (Live), Butterfly Bangs, Coheed And Cambria, D.I.M. (Live), Dan Mackenzie, Dawn Penn, Der Fall Böse, Die Mannequin, Die Springer, Die Zimmermänner, Dj E.A.S.E. (Nightmares On Wax), Dr. Ring-Ding, Dr.Norton, Dúné, Eight Legs, Eisenvater, Erlend Ropstad, Fertig Los!, Fetsum, Figurines, Five!Fast!!Hits!!!, Frankreich Muss Bis Polen Reichen, Friedemann Weise, Friska Viljor, Ghost Dog, Grand Avenue, Gypsies, Hanne Hukkelberg, Hard-Fi, Hip Hop Academy Hamburg, Indra Afia, Infocus, Jade Ell, James Kakande, Jennifer Rostock, Jessica Beach, Jim Pansen, Johnossi, Jonatha Brooke, Juliette & The Licks, June Madrona, Justin Nozuka, Karpatenhund, Keser, Kolkhorst, Lassard, Leo Can Dive, Lichter, Logh, Love Ravers, Lucky Soul, Lukas Kasha, Marfa, Maria Mena, Metro Riots, Milla Kay, Mister George, Molotov Jive, Montreal, Mr Brown, Murder, My Brightest Diamond, Neat Neat Neat, Neils Children, Norma Bek, Nukular, Ofrin, Olsen, Omar, Postscriptum, Profession Reporter, Rhesus, Roachford, Rooney, Rose, Royal Wood, Salim Nourallah, Say Hi, Schrottgrenze, Sebastian Waldejer, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Shout Out Louds, Siva, Slowtide, Sorgente, Stars, State Radio, Stompin’ Souls, Superpunk, Susie Asado, Tele, Ter Haar, The (International) Noise Conspiracy, The Ark, The Cribs, The Far Cries, The Floor Is Made Of Lava, The Jim Jones Revue, The Kissaway Trail, The Pigeon Detectives, The Raveonettes, The Sewer Rats, The Sugars, Thirst., Tom Hugo, Tommy Reeve, Tunng, Velojet, Wingenfelder, Young Soul Rebels

Infos:

3-Tagesticket: 55,00 Euro
2-Tagesticket: 38,00 Euro
1-Tagesticket: 26,00 Euro

* reeperbahnfestival
* spielplan 2007

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Die Leichtigkeit des Seins

Tuesday, September 18th, 2007 at 00:01

| aktueller song: íon – anathema maranatha |

Long Distance Calling – Satellite Bay
Vö: 28. September 2007
Label: Viva Hate / Cargo
Länge: 58:42 min
Hit: Built Without Hands
Punkte: 8/10

Long Distance Calling - Satellite Bay

Postrock hat ein Problem: seinen Ruf. Vereinsamte Jungs der dunkleren Seite des Lebens, oft ohne größere sozialen Kontakte und mit Hang zum Misanthropischen, sitzen eingeschlossen in ihren fensterlosen Kämmerchen, versinken gedanklich in parallelverschobenen Welten und denken dabei, sie hätten dennoch vielmehr Durchblick und Umsicht, ganz einfach, weil sie mehr von Kulturen verstehen würden. Sagt der Volksmund. Nicht umsonst eignen sich Do Make Say Think, Explosions In The Sky oder wie sie alle heißen gleichermaßen zum Aufhängen oder zum abgehobenen Philosophieren am späten Abend, je nachdem. Doch da muss mehr sein. Oder?

Glücklicherweise steht mit “Satellite bay” jetzt sogar ein wirklich entzückender Gegenbeweis parat, der belegt, dass nicht zwangsläufig nur Leute in Postrock-Bands spielen, weil sie denken, sie wären etwas Besseres, bloß weil sie zehn Semester Musikwissenschaften auf dem Buckel haben. Im Gegenteil, denn ein Teil von Long Distance Calling kommt sogar aus der komplett entgegensetzten Ecke, qualitativ gesehen: einer deutschen Death-Metal-Band. Misery Speaks. Muss man jetzt nicht zwangsläufig kennen, aber es ist schon interessant anzuhören, was Schlagzeuger Janosch Rathmer und Gitarrist Florian Füntmann einerseits maximal Durchschnittliches im Metalbereich verzapfen, um einen dann mit Long Distance Calling so dermaßen positiv vor den Kopf zu stoßen.

Allein die Tatsache, dass in der durchweg englischen Tracklist der erste Song als Ausnahme “Jungfernflug” heißt, hat schon irgendwas Sonderbares, zumindest sticht er hervor. Und das auch klanglich, denn in den zehn Minuten gibt es keine Spur von inhumaner Endzeitstimmung, vielmehr bringen ausgerechnet die fiesen Metaller schöne bunte Melodiebögen unter. Überhaupt ist “Satellite bay” ein erstaunlich dynamisches Album mit vielen Höhen und wenigen Tiefen, aus der dramaturgischen Sicht jetzt. Der Standardfehler ziemlich vieler Postrock-Bands – dass sich Alben ziehen wie Kaugummi im Sommer – wird durchweg vermieden, das trotz Songs jenseits der fünf Minuten. Mit Sicherheit ist das wiederum auch ein Produkt daraus, dass ganz bewusst vereinzelt verzerrte Stimme eingebaut wurden und sogar in “Built without hands” mit Peter Dolving (u.a. The Haunted) ein durchaus prominenter Sänger gefunden wurde, der sich mit seiner Variabilität perfekt in den Song einfügt.

Wüsste man nicht, dass die Band schon alte Hasen im Musikmachen sind, würde man fast erschrecken, so rundum glanzvoll und ausgereift präsentiert sich “Satellite bay”. Einerseits sitzt jeder Ton, wo er sitzen soll und geht locker-leicht ins Ohr. Andererseits ist das Ganze weit entfernt von Perfektionismus, sondern in seiner Natürlichkeit alles andere als abgehoben, steht mit beiden Füßen im Leben. Ohne Blenden und Geschwätz, ohne Musikwissenschaften und ohne Grund zum Aufhängen. Ruf gerettet.

Tracklist:
01) jungfernflug
02) fire in the mountain
03) aurora
04) horizon
05) the very last day
06) built without hands
07) swallow the water

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Vorsicht, Seuchengebiet!

Monday, September 17th, 2007 at 23:01

| aktueller song: long distance calling – aurora |

As I Lay Dying – An Ocean Between Us
Vö: 27. August 2007
Label: Metal Blade / SPV
Länge: 43:15 min
Hit: Wrath Upon Ourselves
Punkte: 6/10

As I Lay Dying - An Ocean Between Us

Die Topstory könnte morgen lauten: “Vogelgrippe überlebt – neuer mutierter Virus schlägt zurück!” Dabei war die Vogelseuche eigentlich schon schlimm genug. Allein was “Shadows are security” für missratene Vögel so optisch dahinvegetieren ließ, Junge Junge. So manche Tätowierung konnte man kaum mehr von Windpocken unterscheiden, aber immerhin passten die speckigen Haare eines Großteils der Hörerschaft zu den Speckfressen unterhalb der Stirn. Doch jetzt ist der Virus mutiert und fasst könnte man von den Symptomen her auf das schon bekannte, äußerst lebensgefährliche Korn-Syndrom schließen.

Dabei ist allerdings das wirklich Erstaunliche, aus was für einer Mücke dabei ein Elefant gemacht wird. Oder aus einem belanglosem Schnupfen ein dramatischer Beinahtot. Bei “Frail words collapse” ging es einem noch echt gut, selbst “Shadows are security” war eigentlich alles anderes als eine Krankheit, aber trotzdem kamen einige nicht ohne sichtbar psychischen Schaden aus der Sache raus. Da hat wohl die ein ohne andere Doublebass ein bisschen Mus im Hirn angerichtet. Und das ist ja nicht einmal zwangsläufig die Schuld der Band. Doch ist die Kacke erst am Dampfen, hilft auch kein Wedeln mehr. Der Ruf ist im Arsch.

Und aus der Geschichte muss man jetzt erst einmal wieder rauskommen. Also As I Lay Dying. Und ganz ehrlich, da wird sich auf “An ocean between us” schon mächtigst gedreht und gewendet, der ein oder andere Thrash- oder gar Deathcore-Ausflug gewagt, aber am Ende wird es dann wohl doch wieder nur so sein wie immer: alles ist ganz stumpf Metalcore und aus Prinzip scheiße. Wie neue Korn-Alben eben. Doch das sich wirklich was tut, dass das Album zwar nicht unbedingt durchweg spannend ist, aber durchaus sehr dynamisch, wollen dann viele sicher nicht sehen. Außer man ist ein matschbirniger die-hard-Fan, aber das ist ja auch nicht besser.

Trotzdem: As I Lay Dying kopieren sich immerhin nicht so bewusst selbst oder infizieren sich mit ihrem eigenen Bakterien und Keimen, wie das Killswitch Engage auf ihrem letzten Album so schön als Antibeispiel vorgemacht haben. Denn bei aller eklig-klebrigen catchy Singwehwehchen, die wirklich manchmal klingen wie wenn man mit einem Finger in einer eitrigen Wunde bohrt, sind gerade die harten Parts um einiges massiger und abwechslungsreicher. Natürlich ist das mittlerweile alles steril sauber geputzt, aber prophylaktisch macht man das nun einmal, wenn eine Seuchengefahr droht. Zum Glück gibt es aber Entwarnung beim Korn-Syndrom. Reine Panikmache alles, aber kennt man ja nicht anders von der BILD.

Tracklist:
01) separation
02) nothing left
03) an ocean between us
04) within destruction
05) forsaken
06) comfort betrays
07) i never wanted
08) bury us all
09) the sound of truth
10) departed
11) wrath upon ourselves
12) this is who we are

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Traumaforschung

Thursday, September 13th, 2007 at 00:16

| aktueller song: editors – all sparks |

Heartbreak Engines – One Hour Hero
Vö: 14. September 2007
Label: People Like You / SPV
Länge: 39:38 min
Hit: Bad Job Jesus
Punkte: 3/10

Heartbreak Engines - One Hour Hero

Ob es in der Natur der Menschen liegt, sich zumeist schlechte Dinge im Leben zu merken, wurde bis jetzt noch nicht wirklich psychologisch bewiesen. Aber vielleicht gibt da irgend so eine Traumatheorie, dass sich tiefe Narben einfach eher im Gehirn festsetzen, wer weiß. Oder wir haben alle den gleichen Fetisch, auch gut möglich. Fast so wie diese Rockabillys mit ihrem Haarmobfetisch. Und dann noch ein “Heartbreak” in Bandname und “No more sorrow”-Zeilen im Text. Geht eigentlich gar nicht sowas. Da regt man sich gar nicht mal mehr über die Herze, Adler und Totenköpfe auf dem Cover auf. Aber es passt immerhin, denn viel weiter weg als von Klischeestandards wagen sich Heartbreak Engines ohnehin nicht. Punk, Rock, Rock’n’Roll und Psychobilly wie in jeder Kiezkneipe, in der es zwar immer ordentlich Bier, Skulls und Sternchen gibt, aber eben auch selten vielfältige Musik. So bleibt auch nur zu hoffen, dass dem Schlagzeuger Rocco nicht der Arm einschläft, während dem Rest einfällt, man könne doch mal ein Lied komplett aus “oh oh ohs” machen. Alles nicht wirklich prickelnd. Aber vielleicht ist es wirklich so, dass sich immer zuerst das Negative festsetzt, aber meist gibt es ja trotzdem irgendwo doch noch was Gutes. Hoffen wir es für Heartbreak Engines zumindest.

Tracklist:
01) one hour hero
02) love’s a dagger
03) black gold rebel
04) give it up
05) god’s black day
06) invisible wounds
07) morning star
08) bad job jesus
09) mountain of madness
10) not my war
11) gunwitch

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Mensch-Maschine

Wednesday, September 12th, 2007 at 00:07

| aktueller song: ef – tomorrow my friend … |

C-187 – Collision
Vö: 31. August 2007
Label: Mascot / Rough Trade
Länge: 41:19 min
Hit: Collision
Punkte: 5/10

C-187 – Collision

Mensch und Maschine, das ist wie Himmel und Hölle, so richtig vertragen die sich wohl nie miteinander. Der Technikklotz macht dabei stumpf das, was der Benutzer eingibt, aber der wiederum regt sich über dessen Doofheit auf. Auch paradox irgendwie. C-187 klingt vom Namen her schon wie eine Mittelstreckenrakete und hört sich auch so an, außer dass es beim Drücken des Auslöseknopfes keine musikalisch-emotionale Explosion gibt, sondern maximal ein kleines Rütteln unter den Füßen. Stattdessen sieht das Ding gewaltig aus mit seinen dicken Waffen im Booklet, dicken Gesichtern auf den Fotos und dicken Saiten an den Instrumenten, ist am Ende aber gerade einmal so einschüchternd wie Thrash Metal Waffen beim Abgesang des Kalten Krieges. Und der ganze Rest zwischen Abschuss und Einschlag ist dann halt genau das, was eine Rakete so macht den Großteil ihrer Lebenszeit: schnurgerade durch die Luft fliegen bis zum mehr oder weniger großen Boom. Also eher unspannend insgesamt. Zu allem Überfluss ist dann die Reise ja noch nicht einmal wirklich lang, so von der Halbwertszeit her. Was bleibt ist also allerhöchstens ein kleiner Krater, viel Rost und die Erkenntnis, dass es besser Schockerwaffen gibt als monotones Gedresche und rein technische Versiertheit. Mensch und Machine vertragen sich nun einmal nicht. Zu Recht.

Tracklist:
01) collision
02) cruisin’ for a bruisin’
03) roadblock (d.o.a.)
04) drugged and mugged
05) stalker
06) murda
07) homicide
08) p.c.p. (murda in my head)
09) rip deal
10) sidewalk chalk
11) knee deep in
12) life is dead
13) strapped with heat
14) new territory

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Breites Wissen

Tuesday, September 11th, 2007 at 20:56

| aktueller song: team sleep – blvd. nights |

Every Time I Die – The Big Dirty
Vö: 14. September 2007
Label: Plastic Head / Ferret / Soulfood
Länge: 36:08 min
Hit: Pigs Is Pigs
Punkte: 6/10

Every Time I Die - The Big Dirty

Und? Und? Wer hat es gesehen? Das TV-Highlight nach dem Sommerloch? Was von Jung bis Alt mittlerweile komischerweise jeder schaut, der Großteil davon, weil der Moderator ja ach so charmant ist. “Wer wird Millionär?” mit dem Günther! Süß. Da ist ja jetzt auch noch alles neu, alles angeblich noch besser und spannender. Wurde ja auch Zeit, ehrlich gesagt. Aber wen juckt das schon, wenn Günni der Schelm mit seiner neuen Bubibrille jetzt noch neckischer und drolliger wirkt. Sogar die BILD-Zeitung war hellauf begeistert davon. Doch gezockt wurde ganz nebenbei auch noch.

In einer leider nicht auf RTL gesendeten Outtake-Runde für Musikfreunde durfte Horst ran, arbeitsloser KFZ-Mechaniker aus dem Saarland. Eigentlich ging es nur um läppische 500 Euro, doch die Metalcore-Frage, welches das spritzigste Wortspiel sei – A) “We’rewolf” B) “Rendez-Voodoo” C) “INRIhab” D) “Depressionista” – konnte er leider nicht richtig beantworten, da er auf A tippte, aber letztendlich alle maximal halbwitzig sind. Schade. Aber überhaupt wirken Every Time I Die aus Buffalo auf ihrem nunmehr vierten Album ernster und überlegter als zuvor. Vielleicht liegt das ja am Alter. Wie Jauch mit seiner Brille.

Doch wirklich gesetzten Hardcore bekommt man trotzdem nicht vorgesetzt. Vielmehr haben sich Every Time I Die mittlerweile musikalisch so breit zwischen Hardcore, Metal und rollendem Rock’n'Roll aufgestellt, dass sie fast mit Prof. Dr. Rudolph irgendwas mithalten könnten, der mit seinem unfassbaren Allgemeinwissen fast die 500.000 Euromarke geknackt hätte. Respekt für das große Repertoire, was sich da so im Laufe der Karriere angesammelt hat.

Da applaudiert das Publikum gerne zu den schnell und scharf geschossenen richtigen Antworten, denn so wirklich war nicht ganz klar, was man nach dem etwas zerfahrenen “Gutter phenomenon”, was auch so ein bisschen nach Sommerloch klang, erwarten durfte. Doch Every Time I Die rocken mit kantigen Riffs und etwas Südstaatenfeeling neuen Schwung in die eingefahrene Show. Ganz ohne Telefonjoker und Pipapo.

Tracklist:
01) no son of mine
02) pigs is pigs
03) leatherneck
04) we’rewolf
05) rebel without applause
06) cities and years
07) rendez-voodoo
08) a gentlemans sport
09) inrihab
10) depressionista
11) buffalo gals
12) imitation is the sincerest form of battery

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