Archive for August, 2007

Manege frei

Thursday, August 30th, 2007 at 01:10

| aktueller song: parkway drive – carrion |

Diablo Swing Orchestra – The Butcher’s Ballroom
Vö: 28. September 2007
Label: Candlelight / Plastic Head / Soulfood
Länge: 50:19 min
Hit: Heroines
Punkte: 5/10

Diablo Swing Orchestra - The Butcher's Ballroom

Drei Dinge, an die man sofort denken muss, noch bevor die Hälfte des ersten Liedes erreicht ist: Krusty der Clown von den Simpsons, die theatralischen 20er oder 50er Jahre – da kann man sich eins aussuchen – und die eigene Kindheit. Das mag vielleicht erst einmal komisch klingen in dieser Verbindung, ist es aber schlussendlich auch. Denn zu den Trompeten gleich zu Beginn könnte jeden Augenblick der Clown mit seiner roten Nase auf seinem Einrad in der Manege einrollen, sich gekonnt beim Jonglieren auf den Mund legen, während man sich als 6-jähriger Stift total einen abfreut und nebenbei an klebriger Zuckerwatte leckt, so furchtbar süß wie die Stimme der Sängerin. Natürlich ist dieses Roncalli-Spektakel nicht wirklich lustig, aber immerhin dafür eins: bunt und abwechslungsreich. Und sicherlich hat sich der Direktor dahinter auch ein tolles Konzept ausgedacht mit all diesen Mixturen aus Jazz, Swing, Trash, Theaterprunk, Metal, mittelamerikanischem Chilibohnenflair, Szeneneinteilungen und bizarrem Opernspiel. Das Problem ist ja nur, dass das keiner durchschaut, gar rafft. Was bleibt, ist buntes Treiben, viel Halligalli, gestörte Sinne wegen des Overflows und ähnlich viele Fragezeichen. Aber eben auch lebhaftes Entertainment.

Tracklist:
01) balrog boogie
02) heroines
03) poetic pitbull revolutions
04) ragdoll physics
05) d’angelo
06) velvet embracer
07) gunpowder chant
08) infralove
09) wedding march for a bullet
10) qualms of conscience
11) zodiac virtues
12) porcelain judas
13) pink noise waltz

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Big Brother

Tuesday, August 28th, 2007 at 21:52

| aktueller song: chevelle – midnight to midnight |

Will Haven – The Hierophant
Vö: 31. August 2007
Label: Bieler Bros. / Rough Trade
Länge: 51:59 min
Hit: King’s Cross
Punkte: 4/10

Will Haven - The Hierophant

Will Haven haben sich zwar nicht in diversen Bunkern verschanzt – außer man interpretiert die Bandpause der letzten Jahre als ähnliche Isolation – aber dennoch muss man spontan irgendwie an diese Vorzeigefreundschaft aus alten RTL2-Tagen denken. Will Haven sind dann in diesem Falle hier Zlatko, bloß halt mit einem etwas ausgeprägteren Wortschatz. Jürgen wird gespielt von Chino Moreno, eben jener großer Bruder der Musikszene Sacramentos, der auf alles ein Auge hat und gern den kleinen Geschwistern aus der Patsche hilft. Sehr nett von dem Guten. “Großer Bruder, Du bist immer da.”

Gitarrentechnisch klingt “The hierophant” dann auch ganz entfernt nach den Deftones, was aber noch nicht einmal das Problem ist. Vielmehr hätte Chino, wenn er schon ab und an im Studio vorbeischaut und mit dem mittleren Bruder, Shaun Lopez (Far, The Revolution Smile), das Album der Kleinen produziert, ihnen das lernen sollen, was Jürgen auch seinem Zlatko beibringen musste: sprechen. Beziehungsweise singen. Der Neue hinterm Mikro, Jeff Jaworski, reiht sich mit seiner Monotonie problemlos ein.

Auch von der Morenoschen Abwechslung fehlt jede Spur. Dafür ist im Gegenzug dann der Einfluss von Shaun Lopez etwas größer gewesen, denn als ehemaliger Gitarrist versteht dieser immerhin, das Saitenspiel bei Will Haven gekonnt in Szene zu setzen. Doch was bringt einem die neu erlangte Eingängigkeit, die großen Namen im Umfeld, die eigene durchaus beachtliche Vergangenheit mit gestandenen Metalbands on Tour, die diversen Nebenprojekte oder der neu erlangte Elan, wenn am Ende nicht mehr rauskommt als einförmiger Standardmetal ohne große Melodien? Der zwar immerhin gerne mehr wäre, aber eben nur eine ähnliche Halbwertszeit hat wie unser geliebter Zlatko/Jürgen-Hit. Welche aber immerhin durch Dick und Dünn gehen, trotz fehlender Qualität. Ist doch aber auch schön, so eine Freundschaft fürs Leben.

Tracklist:
01) grey sky at night
02) king’s cross
03) helena
04) hierophant
05) caviar with maths
06) landing on ice
07) skinner
08) handlebars to freedom
09) day without speaking
10) singing in solitary
11) sammy davis jr’s one good eye
12) firedealer
13) dark sun sets

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180-Grad-Drehung

Monday, August 27th, 2007 at 01:00

| aktueller song: war from a harlots mouth – mulder |

Ephel Duath – Pain Remixes The Known
Vö: 20. Juli 2007
Label: Earache / Rough Trade
Länge: 44:32 min
Hit: Hole VI
Punkte: 7/10

Ephel Duath - Pain Remixes The Known

Ephel Duath haben schon irgendwie einen Schaden. Positiv gemeint jetzt. Erst liefern sie mit “Pain Necessary To Know” eines dieser total kranken, noisigen und verstörenden Experimentalfrickelplatten ab, bei der man sich danach zu Recht mehr als durchgeleiert fühlt, um dann eine Wendung einmal um die eigene Achse hinterher zu schieben. Sic! Ephel Duath geben sich nun für düster-ambienten Chillout her. Wobei das Entspannende daran dann doch besser in Gänsefüßchen gesetzt werden sollte, denn was Lorenzo Esposito Fornasari da aus dem Vorgängeralbum zusammenremixt, ist nicht unbedingt minder verstörend, bloß anders eben. So wie Charlie Clouser vielleicht. Ähnlich dunkel-industrial erklingen die mit “Hole” durchnummerierten Songs, inklusive aller kryptischen Verzerrungen und Aphex Twin’schen Schreierein. Doch trotzdem macht sich Ruhe und Lockerung breit, denn gerade Songs wie “Hole VI” könnten durchaus problemlos auf jedem “Cafe Ibiza”-Sampler Platz finden, so melodiös,eingängig und verträumt erscheint sein musikalisches Thema. Dennoch – und das ist das wirklich erstaunliche – geht trotz des kompletten Genrewechsels und der teils bis zur Unkenntlichkeit neu gestalteten Songs nie der Charakter der Band verloren, das will schon was heißen. Sehr Positiv gemeint.

Tracklist:
01) hole i
02) hole ii
03) hole iii
04) hole iv
05) hole v
06) hole vi
07) hole vii
08) hole viii
09) hole ix

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Globalisierungsbefürworter

Saturday, August 25th, 2007 at 20:57

| aktueller song: sigur rós – gong |

Devil Sold His Soul – A Fragile Hope
Vö: 31. August 2007
Label: Eyes Of Sound / Indigo
Länge: 52:16 min
Hit: As The Storm Unfolds
Punkte: 9/10

Devil Sold His Soul - A Fragile Hope

In Zeiten der bösen Globalisierung wird als Gegenstrom alles lokalitätsbezogener, konservativer. Auch in der Musikwelt. Komplexe Arrangements werden im stetigen Kampf mit der Zeit schnell ad acta gelegt und stattdessen klischeebehaftete Standardriffs abgefeiert wie Entdeckung des neusten Schreis. Schlechte Karten im Grunde für Devil Sold His Soul, die somit eigentlich alles falsch machen. Eigentlich. Denn uneigentlich machen sie alles richtig, sie schauen über jeden Tellerrand des Metal, des Postrock, des Hardcore und schaffen sowas wie den globalen Krach von Welt. Allein das ist schon eine kleine Sensation. Nicht selten erinnert “A Fragile Hope” dabei an die Kollegen von Envy, die auch schon gekonnt das komplette Spektrum zwischen kollektiven Nihilismus, Verzweiflung, aber auch Hoffnung und Aufbruchsstimmung abzustecken wussten. Doch Devil Sold His Soul setzen dem noch einen drauf, indem sie die Blicke noch weiter schweifen lassen und somit mehr als nur einen kleinen qualitativen Wegweiser für andere Bands abliefern. Experimentelle Stimmeffekte, gar cleaner Gesang, bollender Hardcore, treibender Postrock und all das bei einer Intensität und Variabilität, die in Zeiten der Engstirnigkeit verdammt weh tut. Und eben nicht selten einen selbst an die Grenzen zwängt. Mehr Globalisierung bitte.

Tracklist:
01) in the absense of light
02) as the storm unfolds
03) the starting
04) sirens chant
05) at the end of the tunnel
06) between two words
07) awaiting the flood
08) dawn of the first day
09) the coroner
10) hope

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Logikfolge

Friday, August 24th, 2007 at 01:11

| aktueller song: plus49 – plain |

Interview mit Benny Hilleke / Neaera
(August 2007)

Neaera

Allein schon beim Schreiben eures Bandnamens muss man doppelt nachschauen, ob man nun Neaera richtig geschrieben hat. Spätestens wenn diesen jemand mit zwei Promille aussprechen will, entstehen ganz witzige Verwurstungen. Was war eure kurioseste Geschichte in Bezug auf den Bandnamen?

Ja, das mit den Ausspracheproblemen hören wir häufiger, aber wirklich kuriose Geschichten in Bezug auf den Namen gibt es leider nicht. Noch nicht. Es ist immer nur ganz witzig, in welchen Schreibkombinationen der Name auf Flyern oder Postern auftaucht. Da hatten wir von Nahera bis Nereaeaerara auch schon alles Mögliche dabei. Ich glaube, ich fange bald an die wenigen Flyer zu sammeln, auf denen der Name richtig geschrieben steht.

Neaera kommt aus der griechischen Mythologie. Was fasziniert eigentlich so dermaßen viele Bands an diesen alten Geschichten?

Das kann ich dir auch nicht genau sagen. Als wir damals in einem Buch auf den Namen gestoßen sind, hatte uns dieser in erster Linie wegen seiner Schreibweise, aber auch seiner ungewöhnlichen Aussprache gefallen. Wir wussten also weder wer oder was Neaera überhaupt war, noch dass es sich um etwas aus einer Mythologie handelte. Aber ich muss auch ehrlich gestehen, als wir herausfanden, dass Neaera eine Figur aus der griechischen Mythologie war, hat das positiv zu der finalen Namensentscheidung beigetragen.

Und warum benennt man sich überhaupt nach einer Nymphe oder etwas solzialer ausgedrückt, einer Hetäre?

Naja, wenn es sich bei Neaera um einen ultrafiesen Dämon aus der Unterwelt oder ähnliches gehandelt hätte, hätte ich sicherlich auch nichts dagegen gehabt, aber eine Nymphe war irgendwie auch ganz interessant. Wäre Neaera andererseits eine Obst- und Gemüsehändlerin gewesen, hätten wir uns das wahrscheinlich doch noch einmal überlegt. Das Wort Hetäre kannte ich im Übrigen bis gerade eben gar nicht, also vielen Dank, das merke ich mir jetzt für die nächsten Interviews vor.

Komischerweise liest man bei euch diese typische Bandnamen-Story auch nirgendwo. Seit ihr das nie gefragt wurden, obwohl es sich ja zwangsläufig aufdrängt oder blockt ihr das immer ab, weil es einfach nervt?

Nein, wir blocken grundsätzlich gar keine Fragen ab. Alles wird brav beantwortet, selbst wenn gewisse Fragen dabei sind, bei denen einem die Antwort vielleicht nicht mehr so auf der Zunge brennt. Die Bandnamen-Frage taucht aber eigentlich recht oft in Interviews auf, aber wie du schon sagtest, ist die Frage ja auch nahe liegend. Wenn ich mir Interviews zu Bands mit ungewöhnlichen Namen durchlese, interessiert mich persönlich ja die Geschichte zur Namensentstehung auch, deswegen ist das legitim.

Wie nervig war es denn eigentlich, in den Anfangstagen immer als Kopie von Caliban oder Heaven Shall Burn abgestempelt zu werden, obwohl dazwischen ja im Grunde auch schon Welten liegen?

Klar war das ein bisschen nervig, aber man konnte das den Leuten auch nicht wirklich übel nehmen, man wurde ja förmlich zugeschissen mit Bands wie uns. Dass man als Hörer dann irgendwann keine Lust oder kein Ohr für die vielleicht vorhandenen Unterschiede zu Caliban oder Heaven Shall Burn hat, ist kein Wunder. Aber ein paar Ähnlichkeiten sind ja nun auch nicht von der Hand zu weisen, schließlich erfinden wir auch nichts Neues. Wahrscheinlich hätte ich damals selbst zu den Leuten gehört, die uns als Kopie bezeichnet haben.

Dennoch: Gerade mit dem ersten Album “The Rising Tide Of Oblivion” seit ihr regelrecht von heute auf morgen durch die Decke geschossen. Danach wurde es etwas ruhiger bis sehr ruhig um euch. Woran lag das? Kam das alles viel zu schnell so im Nachhinein gesehen?

Für uns wurde es eigentlich alles andere als ruhig, denn wir spielten mehr und mehr Konzerte und hatten das Glück bei einigen Tourneen als Support mitfahren zu können.

Trotzdem habt ihr “Let The Tempest Come” ziemlich schnell nach der ersten Platte veröffentlicht und jetzt legt ihr “Armamentarium” wieder sehr schnell nach. War “Let The Tempest Come” also nur ein halbes Übergangsalbum, was ihr schnell verdrängen wolltet? Immerhin gab es viele gespaltene Meinungen dazu.

Nun, gespaltene Meinungen gibt es immer, das ist klar. Insgesamt gesehen hatte “Let The Tempest Come” bei dem Großteil der Reviews sogar noch etwas besser abgeschnitten als “The Rising Tide Of Oblivion”. Es ist für uns aber alles andere als ein Übergangsalbum. Unser bisheriger Veröffentlichungsrhythmus von einem Jahr hört sich vielleicht kurz an, aber letzten Endes haben wir über ein Jahr lang an den Songs gesessen. Viele Bands schließen sich für ein paar Monate im Studio ein und schreiben ein komplettes Album. Das würde bei uns wahrscheinlich nicht funktionieren, deswegen schreiben wir kontinuierlich und über das Jahr verteilt. Und wenn ein Song oder Album unserer Meinung nach fertig ist, warum sollten wir dann noch weiter daran rumschrauben? Dann geht es also schnell ab ins Studio.

“Armamentarium” ist nun das berühmt-berüchtigte dritte Album, das ja immer als Wegweiser gilt. Ist da wirklich was dran?

Das sehe ich nicht so. Ich meine, es ist ja auch nicht so, dass wir auf “Armamentarium” etwas völlig Anderes machen als auf den Vorgängeralben. Als Musiker entwickelt man sich von Album zu Album weiter, ob nun zum Besseren oder zum Schlechteren sei aber erst einmal dahingestellt.

Inwiefern unterscheidet sich dann eurer Meinung nach “Armamentarium” von seinen Vorgängern?

Ich denke “Armamentarium” ist noch einmal eine Ecke härter als seine Vorgänger und es wird häufiger mit der Bolt-Thrower-Panzerfaust geschossen, ohne allerdings dabei die Melodien völlig außer Acht zu lassen.

Was ist das Ziel, das ihr mit diesem Album verfolgt habt? Habt ihr bewusst irgendetwas anders gemacht als zuvor?

Natürlich hatten wir den Ansporn, keinen Müll abzuliefern, aber dass wir bewusst anders an die Sache rangegangen sind oder wir ein bestimmtes Ziel mit diesem Album verfolgt haben, war nicht der Fall.

Das Album klingt insgesamt etwas atmosphärischer und weniger songorientiert. Eine Entwicklung, die zum Beispiel Caliban erst nach mindestens fünf Alben gelernt haben. Ist dieser Prozess wirklich so schwierig und entwickelt sich erst mit der Reife einer Band?

Schwierige Frage. Da wir nicht bewusst etwas anders gemacht haben, muss es ja irgendwie an einem Reifungsprozess einer Band liegen, den man allerdings selbst unter Umständen gar nicht so richtig wahrnimmt.

Wie geht es dann nach der Veröffentlichung für euch weiter? Es steht eine kleinere Tour im Oktober mit Deadlock auf dem Plan, aber längerfristig?

Es sind ein paar Shows und Touren im Ausland im Gespräch, aber da ist noch nichts in trockenen Tüchern, also abwarten, was da noch so passieren wird. Wirklich planen kann man sowieso nicht, denn sobald man sich auf irgendwas einstellt, kommt eh irgendwas dazwischen und man wirft alle alten Pläne über den Haufen.

Ganz groß im Kommen scheinen ja wieder Split-CDs zu sein. Das wäre doch was für euch als weiterer Plan. Mit wem würdet ihr denn dann gerne einmal eine Split aufnehmen? Oder liegt vielleicht doch so ein Plan sogar schon in der Schublade?

Nein, da gibt es keine konkreten Pläne. Ich bin gegenüber Split-Cds auch eher geteilter Meinung, weil beide Bands nur eine halbe Platte dazu beisteuern und dann irgendwie etwas Ganzes daraus geschustert wird. Gut, wenn einem beide Bands gefallen, ist das vielleicht eine coole Sache. Findet man aber nur eine Band toll, kauft man zwangsläufig ein halbes Album zum vollen Preis und bezahlt die andere Hälfte für eine Band, die man im schlimmsten Fall richtig kacke findet. Nichtsdestotrotz gibt es sicherlich Bands, mit denen ich mir so was gut vorstellen könnte. Misery Speaks, Fear My Thoughts oder Heaven Shall Burn zum Beispiel. Im Falle einer Heaven Shall Burn/Neaera-Split hätten die Leute dann auch direkt das Original und die Kopie auf einem Album.

Ein Punkt, der auch immer gerne diskutiert wird, sind die Cover und Artworks. Welchen Stellenwert hat bei euch diese Kunst um das hörbare Album drumherum?

Während die beiden Vorgängeralben vom graphischen Stil her noch nichts über den musikalischen Inhalt verraten sollten, haben wir dieses Mal bewusst auf ein düsteres Artwork gesetzt. Es muss halt irgendwo die Musik wieder zu finden sein.

Sonstige momentane Gedanken …

Argh, da bin ich schlecht drin. So ganz spontan habe ich gerade ein Bild von Homer Simpson vor Augen, auf dem sich in seiner Denkblase zwei Affen den Kopf lausen.

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Anders als die Anderen

Wednesday, August 22nd, 2007 at 00:06

| aktueller song: sdnmt – basses basses |

Interview mit Erik Müller / Of Quiet Walls
(August 2007)

Of Quiet Walls

Wer schreibt denn eigentlich eure Pressetexte? Die Leute vom Label? Lest ihr die Texte vor dem Aussand zum Absegnen gegen? Oder wie ist da bei euch der Ablaufprozess?

Das war eine der wenigen Aufgaben, die wir aus der Hand gegeben haben. Allerdings habe ich da natürlich noch einmal einen Blick drauf geworfen. Da Matze (Village Kids), Bastl (Shark Men) und wir mittlerweile auch ganz gute Kumpels geworden sind, wussten die beiden schon Bescheid, in welche Richtung wir ungefähr denken und haben dementsprechend auch die Texte verfasst.

Der Hintergrund ist nämlich, dass man beim Lesen des Textes den Eindruck bekommen könnte, ihr wärt richtig angepisst von “der Szene” selbst. Ist das nur meine Einbildung oder ist da etwas dran?

Du hast schon ganz richtig das Wort “Szene” in Anführungsstriche gesetzt, so mach ich das auch immer. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass alle “Szene” sein wollen, sie wollen nichts verpassen, alle Bands kennen, über alles Bescheid wissen, was aber bekanntlich unmöglich ist. Dabei wird oft vergessen, dass man auch unterschiedliche Geschmäcker haben kann. Und wenn man dann in Millionen von Internetforen, Web 2.0-Auftritten oder sonstigen Informationsquellen nur Beleidigungen und Anschimpfungen liest, dann frag ich mich doch, ob die Leute überhaupt noch an einer gemeinsamen Szene interessiert sind oder ob sie andere Meinungen durch Eigenprofilierung abwerten wollen. Oder gar nichts akzeptieren. Es fehlt letztendlich wohlmöglich an positiver Kommunikation.

Bleiben wir beim Nervfaktor. Was geht euch mehr auf die Ketten: das ständige Kategorisieren und Kategorisiert werden oder die ganzen Photoshop-Artworks, wovon ihr euch in beiden Fällen – laut Pressetext – distanzieren wollt? Seid ihr eigentlich Antis?

Das Schlimme ist wohl eher das sofortige Abwerten beim Hören und Lesen bestimmter Stichwörter. Sei es Metalcore, Old-School, Emocore, Indie oder Chaos, was auch immer. Irgendwie scheint da bei vielen Leuten eine rote Lampe im Kopf zu leuchten, das Gehirn wird direkt abgeschaltet und man hat nur noch die üblichen Vorurteile im Kopf: Metalcore, das ist ohnehin nur eine billige Kopie. Oder bei Elektro: das hören nur Dumme. Furchtbar so was. Insofern sind wir vielleicht doch Anti, also gegen den Musikfaschismus. Aber keine Angst, wir haben nichts gegen Photoshop-Artworks, da gibt es schließlich auch sehr schicke Sachen. Allerdings hat man es in letzter Zeit doch etwas stark mit Totenköpfen, Blut, Tauben und weiß der Fuchs noch was, übertrieben. Von daher waren wir sehr glücklich als Paul uns diesen jetzigen Entwurf geschickt hat. Außerdem hätte gar nicht so viel Blut auf das Cover gepasst, wie wir uns das gewünscht hätten.

Was macht ihr eurer Meinung nach dann bewusst anders als andere Bands, um euch von diesen zu distanzieren? Worin unterscheidet sich eure Herangehensweise?

Naja, sagen wir mal so, jede Band geht an das Songwriting und an Freundschaft anders ran. Sicher sind wir nicht einzigartig, was das angeht und einige Distanzen zu anderen Künstlern sind sehr nahe, aber das ist im Grunde bei allen Musikern ähnlich. Heute kann man doch kaum noch völlige Eigenständigkeit erzielen und komplett neue Wege schaffen. Was wir allerdings von uns behaupten können ist, dass wir mit einem unglaublichen Anspruch an unsere eigene Musik gehen, was sich allerdings auch nicht selten sehr kontraproduktiv auswirkt. Um ein Lied Bühnenreif zu schreiben, brauchen wir schon mal vier bis sechs Monate, da auch ständig parallel an allen alten Songs gebastelt wird und neue Ideen verworfen werden. Das Problem entsteht, weil wir keine wirklichen Songstrukturen haben, also völlig auf Strophe und Refrain verzichten. So entstehen verschiedene Parts, die erst mal zum endgültigen Puzzle zusammengefügt werden müssen. Eine Probe pro Woche reicht da nicht aus. Die verschiedenen Instrumente und Gesangslinien werden dann auf das Grundgerüst aufbauend von jedem einzeln zu Hause erarbeitet und später im Proberaum diskutiert und zusammengefügt. Ob es andere Bands gibt, die genau so umständlich rangehen … keine Ahnung.

Es ist weiterhin die Rede davon, dass es schwer möglich ist eine vergleichbare Band in Deutschland zu finden, die ähnlich klingt. Zu welchen Bands seht ihr trotzdem musikalisch und/oder inhaltliche Parallelen? Welche Bands haben euch beeinflusst?

Beeinflusst haben uns auch Bands, die uns nicht gefallen. Dann können wir sagen, so was wollen wir nicht machen. Aber natürlich gibt es Vorbilder, an denen man sich orientiert. Tatsächlich sind die aber bei fast allen unterschiedlich, da wir auch privat unterschiedlichste Musikgeschmäcker haben. Hören unsere Gitarristen beispielsweiße viel Norma Jean oder The Chariot und ich als Sänger zum Beispiel At The Drive In, Tomte oder Refused, dann entsteht bei jedem einzelnen Musiker unserer Band ein anderer Anspruch an sein Spezialgebiet. Von daher treffen unterschiedlichste Elemente aufeinander und am Ende sollte es auf einen guten Mix hinauslaufen. Der Einfluss an sich kommt aus den unterschiedlichsten Bereichen, sei es Indie, Hardcore, Chaos, Metalcore oder was auch immer. Gut und mit Ernst muss die Musik gemacht sein.

Außerdem scheint für euch die “Do it yourself”-Einstellung von hohem Stellenwert zu sein. Könnt ihr nicht teilen oder habt ihr Angst die Kontrolle von dem zu verlieren, was um die Band herum alles passiert und euch wohlmöglich jemand reinreden will?

Warum sollte man jemandem Kontrolle über persönliche Sachen überlassen, wenn man auf dem Weg viel gelernt hat und auch eine Menge an Freunden mit vielen Fähigkeiten gefunden hat? Sicher hätten wir uns einen teuren Produzenten holen können, der dann aber nicht weiß, was wir wollen und wir auch noch viel Geld dafür bezahlen müssen. Deswegen haben wir uns entschieden in der Produktion etwas runterfahren zu müssen, dafür aber viel mehr Of Quiet Walls reinstecken können wie es anders möglich nicht der Fall gewesen wäre. Genauso sehen wir das auch in Merchandise/Booking/Kontakt-Angelegenheiten. Wahrscheinlich hast du sogar Recht und wir haben doch etwas Angst die Kontrolle zu verlieren und am Ende mit etwas dazustehen, was uns nicht gefällt oder ganz oder gar nicht wir selbst sind. Aber momentan ist es gut so wie es läuft und so soll es auch bleiben erstmal.

In welchem Zusammenhang steht dazu die Tatsache, dass ihr das komplette Album nochmals als MP3-Datein auf die CD gebrannt habt. Eine Aufforderung an die Leute, die Daten explizit weiterzuschicken?

Wir wussten anfangs auch nicht, dass die MP3-Dateien direkt auf der CD wiederzufinden sind. Nachdem dann die erste gepresste Platte in meinem Computer lag, fiel mir das erst auf. Aber es ist doch ein schöner Nebeneffekt.

Woher kam die Idee dazu? Gerade für kleine Bands ist es doch eher kontraproduktiv, weil die Band doch ohnehin ein Minusgeschäft ist. Da klammert man sich doch eher an jeden noch so müden Euro. Und Village Kids und Shark Men waren davon sicher auch nicht begeistert, oder?

Abgesehen davon, dass es keine Absicht war, liegt es in unserem Sinne, die Hörer mit der Musik zu erreichen und vielleicht zum Nachdenken anzuregen. Geld verdienen wir damit nicht und werden es wohl auch nie tun. Die Ausgaben sind einfach immer viel zu hoch, von daher verzichten wir lieber auf den einen oder anderen Euro und haben lieber ordentlich Spaß den Konzerten. Was gibt es schöneres als Leute auf einem Gig zu sehen, die deine selber geschriebenen Lieder mitsingen und nach dem Konzert zu dir kommen und sagen: “Hey, war ein cooles Konzert”. Und wenn dann noch nach einem gelungenen Auftritt jemand eine Original-CD kauft, ist doch alles bestens, selbst wenn es nur eine pro Konzert wäre, gäbe das einem die Kraft genau diesen Weg weiterzugehen.

Ebenso als Zusatzmaterial gibt es ein ziemlich gut gemachtes Video, mit teils tollen Kameraeinstellungen. Liegt das Video dabei, um den Leuten zu zeigen, wie eine Liveshow bei euch aussieht?

Kurz und knapp: so ist es. Ich denke wir haben live eine zusätzliche Energie, die wir niemals auf Platte rüberbringen könnten. Aber das soll der Konzertbesucher für sich selber entscheiden.

Laut Pressetext war das größte Problem eurer EP, dass ihr diese Intensität der Liveshows einfangen und auf die Platte pressen wolltet. Ist euch das in vollster Zufriedenheit gelungen?

Eher nicht. Das ist auch unmöglich. Die Produktion könnte noch so dick ausfallen und es würde wohl nie ein Livekonzert ersetzen. Bei keiner Band. Allerdings gibt es da eine nette Episode zu dem Thema: Als damals der Produzent Ross Robinson mit At The Drive-In zu dem Meilenstein “Relationship Of Command” im Studio stand, hat man die kompletten ersten Aufnahmen verworfen, weil er meinte, das seid nicht ihr, das wäre lahm. Er hat den Jungs geraten sich frei zu fühlen, wie auf der Bühne, sie sollten tanzen zu den Aufnahmen. Das zweite Ergebnis hat solch eine Intensität, wie ich sie kaum ein anderes Mal gehört habe. Vielleicht sollten wir auch so an die nächste Aufnahme rangehen, um ein Stück des Auftritts in die Lieder zu bekommen.

Wo wir gerade bei den Aufnahmen sind: Besonders auffällig ist der ziemlich dick aufgetragene Sound, der in “Hey Jack you lost reality” mit dem wummernden und brummenden Bass seinen Höhepunkt erreicht. Ist Reginald “Fieldy” Arvizu von Korn da euer Vorbild gewesen?

Eher nicht. Wir haben an dieser Stelle versucht diesen einen Ton unglaublich intensiv zu gestalten. Nach locker einem Monat des Tüftelns haben wir uns dann dafür entschieden. Das ist natürlich noch nicht ausgereift, aber das gibt uns den Ansporn es zu verbessern. Aus den gemachten Fehlern lernen und sie verändern oder verbessern eben. Aber Korn ist dann doch nicht in unserer Vorbilderliste zu finden.

Im Gegenzug sind die Elektronikspielereien dafür sehr verhalten und reduziert arrangiert. Was nehmt ihr euch für das kommende Album an Weiterentwicklung vor? Was wollt ihr ausbauen oder verbessern?

Eric, unser Mann für elektronische Sachen, ist auch später zur Band gestoßen. Auf die Aufnahmen hatte er noch keinen Einfluss. Da sieht man mal wieder, wie überrascht die Leute auf einem Konzert dann immer sind: Wo kommt das denn her, das ist doch gar nicht auf der Platte. Tja, bei Of Quiet Walls gibts immer etwas Neues zu entdecken. Ideen sind reichlich viele vorhanden, vor allem weil wir seit den Liedern zu “Dope Disco And The Hetero Elephant” auch schon zwei Jahre weiter Musik gemacht haben. Wir können sagen, dass die neuen Songs sehr viel vertrackter, sphärischer und chaotischer sind, die Texte politischer und noch weniger zwischenmenschlich. Zum ersten Mal soll auch bei den Aufnahmen Elektronik eingesetzt werden. Mehr Chöre sind auch geplant. Es soll einfach alles noch mehr wir selbst sein, mit aller Energie versuchen wenigstens einen kleinen Stein ins Rollen zu bringen. Mit Sicherheit werden wir auch wieder mit unserem guten Freund Steffen Bajorat als Produzenten zusammenarbeiten. Vielleicht haben ja auch die Labels Interesse weiter mit uns zu arbeiten. Wer weiß!? Never change a winning team.

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Politikkritiktrick

Monday, August 13th, 2007 at 22:08

| aktueller song: iron & wine – sodom, south georgia |

Wisdom In Chains – Class War
Vö: 19. Juni 2007
Label: Eulogy / Alveran / A-Team
Länge: 38:12 min
Hit: No Smiles In The Ghetto
Punkte: 6/10

Wisdom In Chains - Class War

Um eine gute Rezension über eine Hardcoreplatte zu schreiben, muss man eins machen: Politisch werden. Also einfach möglichst viele an den Haaren herbeigezogene Argumente rhetorisch wie Kronjuwelen verpacken, zusammenhangslos diskutieren und maßlos übertreiben. Schließlich schreibt man auch für Millionen von Lesern! Unterstellungen und Anmaßungen über die angebliche Plattitüde dieser Musikrichtung gehören da ebenso zum Programm, wie das, was man gemeinhin als political incorrectness bezeichnet. Ja, man hat es nicht leicht, wenn man wie Wisdom In Chains eine Platte veröffentlicht, die “Class War” heißt und mit Fotos der Industrialisierungzeit illustriert ist. Da erwartet man doch zumindest musikgewordene Politmanifeste, die kraftvoll vorgetragen werden und zu jeder Zeit kämpferisch sind.

Und tatsächlich treibt das punkige Schlagzeug die Lieder gewaltig voran und groovt vor allem bei den zahlreichen Singalongs jedem Pennywisefans ein dickes Lächeln ins Gesicht. In “London Gospel” formen sich sogar unweigerlich die Worte “Bro Hymn” im Kopf des geneigten Hörers. Doch alleine darauf lässt sich dieses Album nicht beschränken. Mal versprüht man den brachialen Charme von Hatebreed und Sick Of It All, dann rollt es wieder wie bei Justice und wer Ignite mag und den geheimen Wunsch hegt, deren Sänger möge doch endlich mal in den Stimmenbruch kommen, der wird mit Songs wie “No Smiles In The Ghetto” ordentlich bedient. Okay, das war jetzt sicherlich politisch inkorrekt, aber wie sonst sollte man die Facetten dieser inspirationsgeprägten Band beschreiben? Wobei man dabei Inspiration nicht mit Plagiatismus verwechseln sollte. Letztendlich funktioniert es doch beim Songwriting wie mit der Politik: Es kommt einfach nur darauf an, altbekannte Sachen anders und frisch zu verpacken. Der schaurig-emotional vorgetragene Akustiksong am Ende ist dabei mit Sicherheit der witzige Bonuspunkt. Und wer diese Ironie nicht versteht, der kann wirklich weiterhin CSU wählen.

Tracklist:
01) sound of the end
02) early grave
03) i don’t care
04) cap city
05) class war
06) this is mine
07) my promise
08) living in a fog
09) killing time
10) life isn’t fair
11) horrible crimes
12) no smiles in the ghetto
13) land of kings
14) no justice for the working man
15) london gospel
16) violent assault

© written for triggerfish & dosenmusik

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by benjamin bartosch

Neoparvenü

Monday, August 13th, 2007 at 22:04

| aktueller song: sdnmt – time is on my zeit |

Nora – Save Yourself
Vö: 20. Juni 2007
Label: Trustkill / SPV
Länge: 36:01 min
Hit: Somebody Call Somebody
Punkte: 6/10

Nora - Save Yourself

Eine der wichtigsten Aufgaben abseits des wöchentlichen Plattenzerreißens ist es natürlich, mit oberschlauen Weisheiten unserer unerschöpflichen Lebenserfahrung einen auf superclever zu machen. Wir haben den Dreh schließlich raus mit dem Leben so im Allgemeinen. Und um den ganzen verträumten Idealisten, Freizeitjongleuren und nachwuchslinken G8-Gegnern einmal die Augen zu öffnen und den braven Schülern keine rosaroten Illusionen zu servieren: Erstens: Das Leben ist hart. Zweitens: Das Leben ist ein Kampf. Drittens: Das Leben ist eine Erbkrankheit. Und viertens: Am Leben stirbt man. Zu allem Überfluss ist auch die Zeit, in der man aktiv denkt, tatsächlich rar und kostbar. Und ja, wirklich auch bares Geld am Ende. Verdammt, sind wir kleine Yuppies.

Aber so schlimm ist das wiederum auch nicht, denn damit befinden wir uns ja in guter Gesellschaft. Ärgerlich zwar für uns, dass Carl Severson letztendlich dieses Jahr doch wieder die Nummer eins der coolsten Karriereschweine im Hardcorebusiness geworden ist. Aber immerhin wurde Jamey Jasta endlich einmal die hinteren Plätze verwiesen. Schon allein, weil Ferret mit Poison The Well oder Heavy Heavy Low Low den viel geileren Kram am Start hat als der Kollege Jasta mit seinen Bollo-Hoods auf Stillborn. Sogar Nora sind mittlerweile feuriger als Hatebreed.

Zwar ist “Save yourself” keinesfalls eine dieser überproduzierten Trustkill-Platten, aber unterm Stricht ist das ja sogar ein positiver Aspekt. Zumal wenn man stimmungstechnisch nicht selten an den Wahnsinnsbrecher “The fiancée” von The Chariot denken muss, der vergleichbar trocken, rotzig, pissig und herrlich nervend klingt. Nur mit dem Unterschied vielleicht, dass sich Nora eher anhören wie die neue Coca-Cola Zero schmeckt: echt im Geschmack, aber ohne den final kickenden Zucker. Das ist natürlich für den Magen einfacher zu verdauen und bringt beim Zahnarzt auch weniger Probleme beim Ankleben abgebrochener Ecken mit sich. Insgesamt aber könnte es doch noch mehr anti sein.

Doch diesen vermeintlich widersprüchlichen Spagat machen ja Nora bekanntlich gerne. Der aggressive, noisige Hardcore in all seiner strikten Gradlinigkeit spiegelt da keineswegs die sehr persönlichen und nachdenklichen Texte wieder. Und auch die bewusste Entwicklung hin zu mehr Tiefgang und atmosphärischer Detailverliebtheit steht dabei im Gegensatz zu Labelkollegen wie Terror oder It Dies Today, die einzig mit Uninspiriertheit zu glänzen wissen. Respekt aber dafür, dass Nora ihr Ding durchziehen, ohne nach links und rechts zu schauen, und dass dabei erstaunlicherweise noch auf Qualität gesetzt wird. Das stellt nicht nur das Nebenprojekt Burnt By The Sun zusätzlich unter Beweis, sondern ist eben auch der Hauptjob bei Ferret. Yuppiebrüder im Herzen.

Tracklist:
01) somebody call somebody
02) scum.
03) broken
04) save yourself
05) famous last words
06) have you ever had a really bad day
07) just like johnny
08) the moment, the sound, the fury
09) chances aren’t
10) the ending

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Anno Dazumal

Thursday, August 9th, 2007 at 22:08

| aktueller song: nora – broken |

Magnapop, Karamel
07. August 2007 – Hamburg, Molotow

[mygal=magnapop01]

Magnapop

Für sieben Euro dürfe man an diesem Abend nicht viel erwarten, meinte der nachdenkliche Sänger von Karamel leicht ironisch nach einer seiner spitzen Wortwitz-Balladen. Teilweise sollte er zumindest Recht behalten. Denn gerade mehr Leute hätte man bei dem Preis durchaus erwarten dürfen. Und die, die da waren, schauten dann auch noch so wie der Schlagzeuger: ausdruckslos. Viel Arbeit hatte er auch nicht und die wirklich charmante Poesie ist ihm sicherlich schon vertraut. Bekannt präsentierten sich auch Magnapop. Scheinbar nicht jedem vom Namen her, weil trotz prominenter Förderung durch Michael Stipe die Band bislang nie wirklich den Durchbruch geschafft hat, dafür aber umso mehr vom Sound. Viel Pixies, ein bisschen weniger The Donnas und noch eine Briese That Dog. Vielleicht alles nicht ganz so bunt, aber das ist dieser Abend sowieso nicht. Solide stattdessen, von Grund auf trocken rockend und vielleicht ein bisschen altbacken noch dazu. Wobei Letzteres sogar nicht einmal böse gemeint ist, schließlich war zum Beispiel in den 90ern der Euro noch zwei Mark wert.

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Wald vor lauter Bäumen

Monday, August 6th, 2007 at 23:08

| aktueller song: torche – the last word |

Boy Hits Car – The Passage
Vö: 20. Juli 2007
Label: Golf / Cargo
Länge: 57:23 min
Hit: Love’s Subtle Scheme
Punkte: 3/10

Boy Hits Car - The Passage

So genannte Musikkritiker sind schon echt verdammt seltsam. Sitzen den ganzen Tag vor ihrem Musikabspielgeräten und gaffen dabei genauso treudoof in der Welt herum wie jene so genannten “Freaks”, denen ProSieben derzeit etwas mehr Aufmerksamkeit widmet, als irgendwer ertragen könnte. Natürlich müssen sie aber im Gegenzug von allem Ahnung haben und überall ihre Meinung kundtun. Auch zu Boy Hits Car hatte man eine solche. Die aber taugte manchmal eher wenig, denn entgegen der publizierten Ansicht war durchaus nicht alles New Metal, war knapp nach der Jahrtausendwende die Gitarre aufdrehte. Selbst das Indiz, daß sich Boy Hits Car 2001 mit Granaten wie Kid Rock, Linkin Park oder Limp Bizkit die Hauptbühne bei Rock am Ring teilten, zieht nicht. Da habt ihr es euch wohl ein bisschen sehr einfach gemacht mit der Stigmatisierung.

Trotzdem haben Boy Hits Car einiges an Schelte verdient, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Zugegeben, mit dem verschnörkelten “I’m a cloud” hatten sie nach einigem Unter-die-Nase-Reiben endlich einen Hit. Aber wenn man den gleichen Song schon vom eigenen Debüt recyclet hat, muß man den noch lange nicht bei jedem Schrutz weiter vermarkten. Und dabei war nicht einmal das World Wrestling Entertainment das Bewammsteste, bei dem der Song hausieren ging, sondern Dragon Ball Z. Hallo?

Nun könnte man ja gleich einwenden, was einen der Kram von vorgestern denn jetzt noch interessiere, aber die mindermotivierte Salamitaktik setzt sich bis heute fort: Nachdem “The passage” 2005 zunächst über die Band-Website und auf Konzerten erhältlich war, gab’s 2006 einen offiziellen Release in den Staaten. Und 2007 stellt uns Golf das Ganze auch hierzulande in die Läden. Hätte man innerhalb dieser Jahre wenigstens das moosige Booklet einmal geändert, würden wir ja schon einen Handstand vor Freude machen. Einarmig wohlgemerkt.

Das hätte nämlich auch noch den positiven Nebeneffekt. dass man noch einen Arm frei hätte, um sich einen Finger ins Ohr zu stecken. Tief und fest. Und diesen hätte man bitte auch erst nach exakt 57:23 Minuten wieder herausgenommen. Denn sonst könnten Hirn, Herz und Seele kleinere Schäden davontragen, wenn Cregg Rondell seine vierzehn Versionen des selbstbetitelten “Lovecore” trällert. Leider gibt es von diesem in Kitsch getränkten “I never felt so alone”-Liebesfrust mit diesen schrecklich langgezogenen quot;Gooooone, oh ooohh oh”-Nachwehen viel zu viele. Und das nennt sich dann Konzeptalbum. Selbst die vereinzelt vorkommenden guten Medoliebögen versuppen im Selbstmitleid. Das ständige Pathos-Overachievement klingt zwar wie von vor vier Jahren und hätte genauso gut auch von Earshot oder Breaking Benjamin stammen könnten, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich werden. Boy Hits Car und vor allem ihr Sänger leiden schließlich schon schwer genug an der Welt.

Tracklist:
01) as day fades …
02) tonight
03) escape the world
04) the sound of a breaking heart
05) these burning memories
06) windswept
07) love’s subtle scheme
08) forever and a day
09) everything
10) you don’t care
11) beneath the sea’s bed
12) this song for you
13) all the love we hold inside
14) the passage

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