Archive for July, 2007

Wenn und Aber

Tuesday, July 31st, 2007 at 00:37

| aktueller song: do make say think – you, you’re awesome |

The Number Twelve Looks Like You – Mongrel
Vö: 10. August 2007
Label: Eyeball / Cargo
Länge: 37:27 min
Hit: Jay Walking Backwards
Punkte: 6/10

The Number Twelve Looks Like You - Mongrel

Reduziert man die Welt, die Gesellschaft, die Menschen auf das Wesentliche, dann bleiben nur Nullen und Einsen, Top oder Flop und gut oder böse. Entweder, oder! Himbeeren oder Erdbeeren. Hund oder Katze. Dazwischen gibt es zumeist nicht viel. Es gibt ja schließlich auch nur Stress oder Spaß. Das Ganze in einigen wenigen Ausnahmefällen vielleicht noch wahlweise nacheinander: Erst Spaß, dann Stress (Abend in Berlin) oder umgekehrt – Stress vorm Spaß (Versöhnungssex). Aber im Grunde war’s das doch. Schwarz-weiß-Malerei per excellence. Aber so ist der zivilisierte Affe nun einmal. Bis jetzt!

The Number Twelve Looks Like You sind welche dieser Grenzgänger und Meinungsspalter, die entweder als Geniestreich oder Wahnsinnige abgestempelt werden. Stichwort Schwarz/Weiß und so. Doch “Mongrel” beweist, dass eben Genie und Wahnsinn in der Kunst oft miteinander verschmelzen und diese Trennung fast unmöglich ist. Das gehört einfach zusammen. Ohne zuvorigen Stress schließlich auch kein Versöhnungssex. Ganz einfache Formel. Es geht sogar so weit, dass “Mongrel” phasenweise echt nervt. Alleine diese Stimmen schon! Dagegen sind die Blood Brothers teilweise noch ein richtig süßes Zuckerschlecken. Von den zighundert jazzigen Frickelfrackelbreaks mal ganz abgesehen. Quietsch, Break, Knüppel, Geschrei, Lärm, Dumdidum, Melodieansatz, Break, nächster Song. Da steigt das Hirn irgendwann schon zu Recht aus.

Aber andererseits, was hier als Stressercore angekündigt wird, bietet in “Jay walking backwards” einen so hängenbleibenden melodischen Abschluss, dass man gar nicht von wirren Songstrukturen sprechen kann, auch wenn natürlich die Doublebass durchweg knattert und eine herrlich hohe Anzahl von Motivwechseln angepeilt wird. Wenn da nicht schon zu diesem frühen Zeitpunkt Stress und Spaß eine komplette Symbiose eingehen würden. Irrwitzig, das alles. Da entpuppt sich zusehens auch die anstrengende Überlastung und Überfrachtung der Songs als interessante Zwiespältigkeit: Technische Experimente in Massen, die einen total kirre machen, wenn man versucht, die Klangwelten irgendwie schematisch zu erfassen und andererseits dennoch verborgene Melodien und tanzbare Passagen, die den hektisch-nervösen Zappelphillipp in einem wecken könnten. Schöner Spagat, spaßiger Stress.

Tracklist:
01) imagine nation express
02) el piñata de la muerte
03) jay walking backwards
04) grandfather
05) alright, i admit it … it was a whore house
06) paper weight pigs
07) sleeping with the fishes, see?
08) cradle in the crater
09) the weekly wars
10) the try (thank you)

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Ende im Gelände

Monday, July 30th, 2007 at 23:49

| aktueller song: editors – come share the view |

Still Remains – The Serpent
Vö: 03. August 2007
Label: Roadrunner / Warner
Länge: 41:52 min
Hit: The Serpent
Punkte: 5/10

Still Remains - The Serpent

Es gibt ja bekanntlich richtig hohle Sprüche im deutschen Volksmund. Vor allem zum Stichwort “Ende”. Da rufe man sich nur so Phrasen wie “Ende gut, alles gut!”, “Aller Anfang ist schwer, doch ohne ihn kein Ende wär’” oder “Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei” kurz ins Gedächtnis zurück. Egal, wer das mal so in die Welt gesetzt hat, der/die Hellste war der/die bestimmt nicht. Und dass sich solch ein Quatsch von vor zig Jahrzehnten oder Jahrhunderten bis heute noch im Bewusstsein hält, das ist ja das Allerschlimmste überhaupt. Dabei weiß doch heutzutage schon jedes Baby, dass die Wirklichkeit anders aussieht als die Realität. Drei Belege.

Aller Anfang ist schwer, doch ohne ihn kein Ende wär’.

Allein der erste Teil ist schon total falsch, denn nicht jeder Anfang ist schwer. Im Gegenteil. Am Anfang ist immer Licht und die Idee. Und zumeist sind die gar nicht einmal so schlecht, da man ja zu Beginn noch frisch ist, Elan hat und gelegentlich sogar kreative Ansätze versprüht. “The serpent” ist also mehr als nur ein Intro, denn dafür ist der Instrumentalsong zu lang, zu vollgestopft und zu selbstständig. Still Remains stellen klar, dass sie keine reinen Metalcore-Kinder sind, sondern vielmehr die Söhne von In Flames. Und die Halbbrüder von Enter Shikari.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Eine nicht unerhebliche Zahl von Dingen hat doch gerade eben gar kein Ende: die Dummheit der Menschen, klar. Aber auch so kleine Geschichten wie die chronische Staatsverschuldung oder noch kleiner: unsere eigene. Bei allen ist ein Ende allzeit ausgeschlossen. Bei “The serpent” hat man ein ähnliches Gefühl. Mit ein paar Aufs (“The serpent”, “Maria”) und Abs (“An undesired reunion”, “The river song”) könnte man das Album Jahre einfach so durchlaufen lassen, ohne dass es einen sonderlich stört oder sich irgendwer groß aufregt. Aber auch ohne das Gefühl, andauernd auf irgendwelchen euphorischen Wellen zu schwimmen. Es schwappt und es existiert halt einfach so. Endlos womöglich.

Ende gut, alles gut!

Das ist ja sowieso der größte Lacher von allen. Also, wenn am Ende wirklich immer alles gut werden würde, dann bräuchten wir uns ja gar keine Sorgen mehr machen. Über nichts. Dann wäre auch mit Sicherheit gerade das Ende des Albums eben nicht nur so durchschnittlich, sondern würde eher weiter ein paar Wege abseits ausloten, wie das “Dancing with the enemy” versucht. Nicht besonders gut zwar, aber es zeigt immerhin frische Ansätze in einem müden Genre. Kopf hoch also, die Steinzeit ging schließlich auch nicht zu Ende, weil die Steine ausgingen.

Tracklist:
01) the serpent
02) the wax walls of an empty room
03) stay captive
04) anemia in your sheets
05) maria
06) dropped from the cherry tree
07) dancing with the enemy
08) the river song
09) sleepless nights alone
10) an undesired reunion
11) avalanche

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Fantasy Filmfest 2007

Monday, July 30th, 2007 at 22:56

| aktueller song: envy – further ahead of warp |

Fantasy Filmfest 2007

“Das Fantasy Filmfest ist ein Publikumsfestival, wie man es sich wünscht: innovativ, provokativ, unterhaltsam, exklusiv, wagemutig, frech und jung.”
Cinema München

Fantasy Filmfest 2007

Während sich das Hollywoodkino an Remakes und Sequels berauscht, bekommt ihr im Sommer 2007 ausschließlich Originale und Originelles zu sehen. Was die Aktualität des Programms angeht, brechen wir diesmal alle Rekorde. Niemals hattet ihr so viele Chancen, ganz vorn dabei zu sein: Acht Spielfilme werden zum allerersten Mal der Weltöffentlichkeit präsentiert. Darunter Stuart Gordons genial-böse Black Comedy STUCK oder der heiß erwartete THE DEATHS OF IAN STONE. Über fünfzig deutsche und europäische Premieren, wer will sich das entgehen lassen?!

Vorbei sind die Tage des Punk-Splatter-Trash-Festivals. Durch euch, unser Publikum – nicht tot zu kriegende Horrorfans, unermüdliche Thrillertüftler und phantasievolle Geisterjäger – konnte das Fantasy Filmfest zu einer der wichtigsten, weltweit bekannten Genreveranstaltungen werden. Von Kult bis okkult, von triefendem Blut bis trockenem Humor gibt es Böses, Schräges, Fieses und Unglaubliches aus Deutschland(!), Norwegen, Mexiko, Belgien und natürlich aus Japan, Korea, China, Frankreich, Kanada, Spanien und den USA. Neuseeland, Argentinien, Russland heißen drei wichtige Zwischenstopps auf unserer achttägigen Tour: Opening-Knaller BLACK SHEEP wird als Klassiker in die Geschichte des Fantasy Filmfest eingehen, mit LA ANTENA präsentieren wir unser bis dato wohl anspruchsvollstes, schönstes Centerpiece, ganz zu schweigen vom krönenden Abschluss – endlich eingetroffen: DAYWATCH!

Diesmal konntet ihr schon seit Mai unter www.fantasyfilmfest.com verfolgen, welche Filmtitel ins Programm genommen wurden. Denn nicht nur ihr habt den filmischen Sommerhighlights entgegenfiebert – auch wir konnten es kaum erwarten.

Für welche Programme werdet ihr euch entscheiden? Die aufregend-elegante Reihe “French Connection”? Kurz und bündig für GET SHORTY? Für den Trends setzenden “Focus Asia”, die rattenscharfe “Midnight Madness” oder die “Official Selection” mit ihrem frischen Querschnitt aus Horror, Thriller, Science-Fiction und Animation (mit diesmal fünf Meisterwerken ein weiterer Rekordbrecher)?

Für besondere Spannung wird der “Fresh Blood”-Publikumspreis sorgen: Ihr bestimmt den besten Film im Wettbewerb junger Regisseure, die auf dem Fantasy Filmfest ihren ersten oder zweiten Spielfilm vorstellen. Frohes Zittern.

Festivalstädte:
München, 24. Juli – 01. August | Cinema & City
Stuttgart, 25. Juli – 01. August | Metropol
Frankfurt, 01. – 08. August | Cinestar Metropolis
Nürnberg, 01. – 08. August | Cinecitta’
Bochum, 08. – 15. August | Union Filmtheater
Köln, 08. – 15. August | Cinedom
Berlin, 15. – 22. August | Cinemaxx Am Potsdamer Platz
Hamburg, 15. – 22. August | Cinemaxx Am Dammtordamm

Programm:
* auflistung aller filme

Das offizielle Programmheft liegt im Festivalkino aus oder kann per Post bestellt werden. Weitere Infos dazu auf der Filmfest-Webseite beachten.

Preise:
Einzelkarte: 8€
Dauerkarte: Infos auf der Filmfest-Webseite beachten

weitere Infos:
* filmfest webseite

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Highfield 2007

Saturday, July 28th, 2007 at 19:23

| aktueller song: in this moment – ashes |

Highfield 2007
17.-19. August 2007 – Hohenfelden (Erfurt), Stausee

Highfield 2007

Eine relaxte Atmosphäre, eine traumhafte, direkt am Stausee Hohenfelden gelegene Location und seit Jahren ein Alternative-Lineup, das sich gewaschen hat: Das Highfield-Festival ist nicht nur das größte Indie-Rockfestival im Osten der Republik, es besticht ganz einfach auch durch seine generelle Einzigartigkeit. Wo kann man schon direkt an einem See, eingebettet in eine wunderschöne Waldlandschaft so spektakuläre Acts wie in den letzten Jahren Muse, Placebo, Korn, Faithless, Foo Fighters, Silbermond, Motorpsycho, Farin Urlaub, Nightwish, Seeed, Heather Nova erleben? Nicht nur die jährlich nach Hohenfelden pilgernden 25.000 Besucher schätzen dieses atmosphärische Festival, auch für die meisten Bands ist das Highfield eines der schönsten Festivals des Landes.

Lineup:

Na endlich, es wird doch wieder was mit dem Highfield Festival. Nachdem es vor einigen Jahren noch so Aussah, als ob sich das Festival im Mittelmaß ansiedeln wwürde und nur die üblichen Sommerfestival-Bands präsentiert, ist jetzt wieder Leben in der Bude. Die stilistische Breite, die sich bei der letzten Ausgabe schon angedeutet hat, wird diesen August nochmals ausgeweitet. Zu Bands wie Tocotronic und Billy Talent kann man jetzt schon die Masse hüpfen sehen, die dann auch noch einen Exklusivauftritt der Newcomer von The Enemy erleben darf. Mit From Autumn To Ashes erhält sogar der Hardcore wieder Einzug in Thüringen – wer hätte daran jemals geglaubt? Ähnliche Verwunderung bei gleichzeitiger Vorfreude dürfte sich bei Silverchair breit machen, bei denen man sicher gespannt sein darf, was sie im Jahr 2007 noch so auf Lager haben. Und noch ist das Lineup auch nicht vollständig. Die Spannung steigt. Trommelwirbel.

Bands:
+44, … And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Ash, Biffy Clyro, Billy Talent, Brand New, Chris Cornell, Cobra Starship, Dinosaur Jr., Eagles Of Death Metal, Enter Shikari, Fall Out Boy, From Autumn To Ashes, Funeral For A Friend, Hellogoodbye, Interpol, Jimmy Eat World, Kaiser Chiefs, Karpatenhund, Klaxons, Leo Can Dive, Mia, Millencolin, Moneybrother, Silverchair, Silversun Pickups, Sparta, Tegan & Sara, The Academy Is, The Enemy, The Films, The Shins, The Sounds, The Used, Tocotronic

Infos:

Tickets: 79 Euro (mit Camping, ohne Müllpfand)
Tickethotline: 01805 853653 (14ct/min)

* highfield
* highfield (forum)

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Alter Ego

Wednesday, July 25th, 2007 at 00:05

| aktueller song: deftones – cherry waves |

Beach – Play It To Death
Vö: 20. Juni 2007
Label: Sinnbus / Al!ve
Länge: 43:40 min
Hit: Spare Parts
Punkte: 6/10

Beach - Play It To Death

Man weiß nicht, was man davon halten soll. Von Berlin und so. Das pendelt alles zwischen Schmutz und Formvollendung. Die Leute, die Stadt, die Musik. Eingebildete Hochkultur versus peinlichem Trash. Mittendrin Sinnbus, das stets nachdenklich wirkende Label der zurückhaltenden Leckerbissen. Rein optisch, vom Charme her, von den Künstlern. Fast könnte man das Ganze mit Understatement betiteln. Nie zu leise, nie zu laut, aber stets schön. Und Beach reihen sich da optimal ein, ohne sich aber am Ende doch irgendwo einreihen zu lassen. Zu fassettenreich ist “Play It To Death”, das sich zwischen Indierock und Ansätzen von Punk, Postrock und sachtem Noise auch der Frage stellen muss, ob nicht vielleicht doch etwas der rote Faden fehlen könnte. Im Grunde eigentlich nicht, denn im Gegenzug zieht sich der Gesang ziemlich linear durch das gesamte Album. Nie vordergründig fesselnd, aber das darf man ja auch nicht erwarten. Stattdessen subtil wie eh und je, ohne großartige Überraschungen. Aber auch dafür steht ja Sinnbus auch – die schönen Moment abseits der kalten Schulter suchen zu müssen. Vielleicht klingen Beach aber auch einfach bloß deswegen wie eine Vertonung der Labelcharakteristik, weil die Personalien fließend übergehen. Ganz latent natürlich nur.

Tracklist:
01) timer
02) pray or pay
03) glass container
04) a shape on tape
05) decode
06) subtalk
07) mimi cries
08) linear
09) capture the flag
10) spare parts

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Strg+C, Strg+V

Monday, July 23rd, 2007 at 23:41

| aktueller song: korn – do what they say |

The Sorrow – Blessings From A Blackened Sky
Vö: 27. Juli 2007
Label: Drakkar / SonyBMG
Länge: 50:20 min
Hit: Death From A Lovers Hand
Punkte: 3/10

The Sorrow - Blessings From A Blackened Sky

Es wäre doch mal eine Idee für eine Rezension gewesen: hornbuckelbeinalte Textpassagen einfach irgendwie wie wild neu aufzulegen. Texte-Sampling inklusive Anaphern- und Anadiplose-Gescratche. Immer schön Copy & Paste, schließlich haben sich manche von uns auch schon auf diese dreiste Art und Weise durch das Abitur gemogelt, die Diplomarbeit bestanden und die ersten Jahre in der freien Wirtschaft erfolgreich zusammengeheuchelt. Die einen nennen es Beschiss, die anderen Effektivität. Damit verdienen manche richtig Schotter.

Genau auf diesen Zug wollen neuerdings sogar unsere verschlafenen Nachbarn aus Österreich aufspringen. Da würde sich der Einfall mit dem Rezensions-Puzzle aber so was von anbieten und passen wie der Arsch auf die Klobrille. Im Grunde wäre das zwar sicher alles witzig und herausfordernd, aber beileibe immer noch viel zu viel Aufwand für ein Album, dem man zu keiner Sekunde künstlerische Mühe entnehmen kann. Auch wenn man doch so gern etwas finden würde – geht einfach nicht. Dabei sollen doch The Sorrow die ultimativste aller neuen Geheimwaffen sein, die aus dem eigenen Umfeld als die Metalcore-Wiederauferstehung beklatscht werden. Doch für diese fünf Minuten Ruhm wird blind einfach alles getan – koste es, was es wolle. Alles, was geschmacklich, ethisch, juristisch und nicht zuletzt menschenrechtlich wirklich äußerst fragwürdig ist, gehört selbstverständlich dazu.

Die Tatsache, dass auf “Blessings from a blackened sky” mehr kopiert wird als in chinesischen Hinterhöfen, erscheint gegenüber der Gewissheit, dass hier im Grunde ein Verstoß gegen die Genfer Ohrmuschelkonventionen vorliegt, noch völlig harmlos. Dagegen war unser schulisches Geschummel reinster Hobbykriminalismus. Das ist wie fertige Diplomarbeiten im Internet zu bestellen und den Namen zu ändern. Am Ende steht zwar The Sorrow drauf, ja, aber in jedem noch so kleinen Nebensatz, in jeder Note und jeder Stimmlage des Sängers schwingt so viel Killswitch Engage, As I Lay Dying, Unearth und/oder Caliban mit, dass mit einem Edding der Bandname fett durchgestrichen und der Verstoß dem Prüfungsamt mitgeteilt gehören würde. Dreist, so etwas. Die Produktion ist solide und fett, aber eine wirkliche Spannung besteht eigentlich nur darin, zu raten, welches Riff von welcher Band geklaut wurde und welcher Melodiebogen einem schon seit Jahren von jemand anderes bekannt ist. Es lebe die Zwischenablage!

Tracklist:
01) elegy
02) the dagger thrust
03) death from a lovers hand
04) knights of doom
05)
06) numbers of failure
07) far beyond the days of grace
08) from this life
09) her ghost never fades
10) darkest red
11) thirteen years
12) saviour welcome home

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Emigration, Immigration & Regurgitation

Monday, July 16th, 2007 at 00:10

| aktueller song: darkest hour – pathos |

Artikel zu Arcana Cain
(Juni 2007)

Arcana Cain

Herzlichen Willkommen im Jahre 2007, dem Jahr des endgültigen kollektiven Kotzkrampfes. Der Überdruss an Freizeit und Einfältigkeit bringt ohnehin nur noch perverse Kiezgänger hervor, Berliner Pseudoghettokinder oder wahlweise auch metrosexuelle Emobubis aus Köln. Glücklich schätze sich der, der in der beschaulichen Pampa wohnt, denn dort gibt es immerhin noch so etwas wie Kultur. Also bitte, ein hoch auf das Dorf!

Arcana Cain haben nun also das unfassbare Glück im mittlerweile aussterbenden Hof “vom bayrischen Staat mit Nichtbeachtung gestraft zu werden”, wie es Sänger Boris Künzel charmant formuliert. Und im Endeffekt ist es doch auch genau dieser Umstand, der jedem Hardcorejünger das Wasser des Elans im Mund zusammenlaufen lässt: Do it yourself um jeden Preis. Genau das ist es auch, was Arcana Cain bis jetzt gemacht haben: über selbstorganisierte Konzerte sich eine kleine Szene aufbauen, das selbstbetitelte erste Album unter die Leute streuen, um dann über – wie das so schön neudeutsch heißt – Socializing mit der befreundeten Band Elision an den Deal mit My Favourite Toy zu gelangen. So einfach geht das.

Doch auch in den beschaulichen Ecken Deutschlands hält der Verfall langsam Einzug und für Bands, die von sich behaupten Anspruch zu haben, bieten sich nun zwei Möglichkeiten an: Bewusster Tiefgang und Stilvielfalt oder Ironie und Galgenhumor. Arcana Cain gehen beide Wege. “Von einer tolleranten Hardcoreszene kann man ja nicht mehr sprechen, also soll ein Song wie ‘Hey, Nice Haircut!’ einfach die ‘Szene’ und deren ganze Modeerscheinungen etwas provozieren”, kommentiert Boris Künzel den ironischen Part, der sich in einer Abrechnung mit dem Schickimicki Hollywoods fortsetzt und in “I.N.R.I.” gipfelt – einer vernichtenden Vergeltung mit den existierenden Weltreligionen.

Kein leichter Stoff und spätestens bei der Tatsache, dass das Album der verstorbenen Mutter des Sängers gewidmet wurde und ein Song als Aufarbeitung dieses Traumas fungiert, dürfte den emotionalen Tiefgang mehr als verdeutlichen. Doch Kopf in den Sand stecken zählt im Metal/Hardcore bekanntlich nicht, weswegen auch “Billy Talent aus Hof” oder “Slayer aus Oberkotzau”, wie sich Arcana Cain wahlweise mit einem kleinen Augenzwinkern selbst betiteln, mit ihrem Debütalbum im Rücken kräftig durchstarten wollen. Raus aus dem Dorf, rein ins Getümmel der deutschen Metallandschaft sozusagen. Aber dann bitte nicht in Köln schockiert vor den Dom brechen oder so.

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Slayer aus Oberkotzau

Sunday, July 15th, 2007 at 02:49

| aktueller song: nonpoint – bullet with a name |

Interview mit Arcana Cain
(Juni 2007)

Arcana Cain

Was ist und was bedeutet Arcana Cain?

Boris Hager: Nun ja, das entstand bei der üblichen Suche nach einem passenden Bandnamen. Ich las zu diesem Zeitpunkt gerade “Der Geblendete” von Dean Koontz. In diesem Buch ist mir einer der bisher interessantesten Bösewichte begegnet: Junior Cain. Aus meiner Begeisterung für diesen Charakter und dem alten englischen Ausdruck “arcana” für Geheimnis, formte sich Arcana Cain. Für mich stellt der Name den dunklen, geheimen Ort im inneren einer jeden Person dar.

Hof kennt man noch daher, als man als Ossi aus Südthüringen direkt nach der Grenzöffnung in die erstbeste Stadt des Westens wollte, um das Begrüßungsgeld abzustauben. Seitdem hat sich aber auch nicht viel dort getan dort. Oder?

Boris Hager: Eher im Gegenteil: Die Einwohnerzahlen gehen ständig zurück, die Arbeitslosenzahlen steigen hingegen. Vom bayrischen Staat wird unsere Grenzregion eher mit Nichtbeachtung gestraft. Der Wirtschaft geht es somit natürlich auch nicht gut, vor allem dem Mittelstand und dem Einzelhandel. Ich schätze mal, dass fast die Hälfte aller Geschäftsflächen in Hof leersteht. Und als Jugendlicher haut man hier nach dem Abi sowieso schleunigst ab.

Wie wächst in einer Region, die sicherlich nicht zu den Hochburgen der Metal/Hardcoreszene gehört, eine Band wie eure heran?

Boris Hager: Wir alle machen Musik seitdem wir 15 oder 16 Jahre alt sind. Unsere Konzerte haben wir immer selbst organisiert und bis heute einfach nie damit aufgehört. Örtliche Indiediscos wie das Rockwerk und der Fernverkehr haben ihr übliches dazu beigetragen, dass sich eine alternative Szene entwickeln konnte. Mittlerweile ist es tatsächlich möglich, bei Konzerten von regionalen Bands einen Saal mit 300 Leuten zu füllen. Zurzeit organisiert ein Freund in Tims Location, der Grünen Haidt, viele Shows von Bands aus der ganzen Welt und nicht selten spielen die hier vor dem größten Publikum auf ihrer gesamten Tour. Auf dem Land geht eben mehr als in der gesättigten Großstadt!

Markus Künzel: Wir können uns wirklich nicht beklagen was unsere Region angeht. Ich betrachte es sogar eher positiv, Teil einer sehr überschaubaren Szene zu sein. Man kennt und respektiert sich und geht sogar auf die Konzerte der anderen Bands, selbst wenn man nicht auf deren Musik steht. “Support your local scene” funktioniert bei uns sehr gut. Auch gibt es kaum Berührungsängste zwischen den verschiedenen Stilrichtungen. Das Publikum hier ist sehr offen und sieht sich sogar eine softe Emoband und eine Grindcore-Combo am gleichen Abend an.

Größere Konzerte gibt es erst wieder in Nürnberg – muss man ansonsten immer die Schunkeltruppe auf jeder Kirmes supporten, um nach oben zu kommen?

Boris Hager: Okay, wir müssen zugeben, dass wir uns als Band noch nicht sehr weit von unserer Heimat entfernt haben. Wir waren diesbezüglich auch ein wenig faul, was das suchen von Shows angeht, aber das wollen wir jetzt ändern und unser Album unter die Leute bringen!

Bleiben wir bei den Konzerten: Ihr habt die Möglichkeit – von mir aus auch in Hof – ein Festival-Lineup eurer Wahl zusammenzustellen. Die Bedingungen: 5 Lieblingsbands, eine reine Mädchenband, eure liebste Chartband, eine tote Band, eine total angesagte und eine Band, die überhaupt nicht rein passt. Wen würdet ihr verpflichten und warum?

Boris Hager: Coole Frage! Gut, die fünf Lieblingsbands sind einfach: Die Princess Die, Transistor Transistor, The Death Of Anna Karina, Modest Mouse und The Blood Brothers. Die Mädchenband wäre bei mir … äh McQueen, obwohl ich mir da jetzt gar nicht so sicher bin, ob da komplett nur Mädels dabei sind!? Als Chartband wären Tokio Hotel dabei! Die Jungs würde ich echt gern einmal kennenlernen. Die tote Band ist auch wieder einfach: At The Drive-In – die habe ich leider nie live gesehen. Ansonsten vielleicht noch Enter Shikari, weil die ja gerade der heißeste Scheiß sind. Irgendwie nicht wirklich reinpassen würde demnach dann Coaxial, die den genialsten abstrakten Hip-Hop der Welt machen.

Apropos verpflichten, wie kam es zu dem Deal mit My Favourite Toy?

Boris Hager: My Favourite Toy kenne ich als Label noch aus der Zeit, in der ich einen eigenen kleinen Plattenladen hatte und ich war eigentlich schon immer von der Qualität der dort veröffentlichten Sachen überzeugt. Dann wurden Elision unter Vertrag genommen, mit denen wir eng befreundet sind und so haben wir auch Dirk kennengelernt. Bei einer Show, die wir für Dirks Band A Sailors Grave veranstaltet haben, habe ich ihm eine CD von uns untergeschoben und am nächsten Tag hat er mir sein Angebot geschickt – muss ihm wohl gefallen haben.

Euer Album ist ein Re-release, was nicht selten an Filme erinnert, die als Special Edition mit 15 Extraminuten irgendwann wiederveröffentlicht werden. Schöne Sache, braucht aber meist keiner. Warum ist das bei euch nicht so?

Boris Hager: Weil es sich bei dem Release genau genommen um unsere selbst gemachte Erstpressung handelt, die wir unter einem eigenen Label vertreiben wollten. Jetzt haftet diesen CDs aber ein hübscher My Favourite Toy Sticker an.

Markus Künzel: Die Scheibe läuft zwar unter Re-release, ist aber eigentlich keines. Es gab bisher keinen Vertrieb für unsere CD, weshalb man sie auch nur beim Presswerk Flight13 oder auf unseren Konzerten kaufen konnte. Reviews gab es auch keine. Es ist also davon auszugehen, dass 99% aller deutschen Hardcore-Hörer noch nicht einmal unseren Bandnamen kennen.

Dann zum besser Kennenlernen: was ist der Kerngedanke des Albums? In welchem Zusammenhang stehen dazu die abgehackte Hand und die zerschnittenen Finger, die ja im Artwork und auf den Merchandise-Artikeln als immer wiederkehrendes Symbol fungieren?

Boris Hager: Einen bestimmten Kerngedanken gibt es in diesem Sinne eigentlich nicht. Es ist auch kein Konzeptalbum. Vielmehr kann man das Artwork mit den einzelnen Texten insofern miteinander verbinden, als dass die Texte Missstände in verschiedenen persönlichen Lebenslagen beschreiben, aus denen man sich befreien kann, indem man die schlechten Dinge erkennt und sich selbst dagegen auflehnt. Und sei es der eigene innere Schweinehund. Der Arm, die Hand und die Finger stehen hierbei für das Greifen nach der Lösung, was eben auch manchmal mit Schmerz verbunden ist.

Kommen wir vom Groben etwas ins Detail: die Fatah und Hamas knallen sich in Gaza und im Westjordanland die Kugeln um die Ohren. Israel, Libanon oder Iran – der komplette Nahe Osten droht auf Grund politisch-religiöser Konflikte zu explodieren. Welche Bedeutung und welche Rolle spielt dabei ein Song wie “I.N.R.I”, den ihr mit “Individuality Neutralizes Religious Infection” untertitelt habt?

Boris Hager: Zugegeben, dieser etwas plakative Text spiegelt meine persönliche Einstellung und die daraus resultierende Wut auf Religion als weltliche Institution wieder. Was den Menschen Religion bisher gebracht hat, weiß jeder selbst und bedarf angesichts deiner aufgeführten Beispiele keiner weiteren Erklärung. Es geht in dem Song aber auch um die Notwendigkeit von Glauben und die menschliche Suche nach dem Sinn seines Daseins. Ich hab mich damit abgefunden, dass es auf viele Dinge keine Antworten gibt, aber deshalb blind einer Religion nachzueifern, halte ich schlichtweg für den falschen Weg.

Welchen Einfluss hat Politik, Kultur oder allgemein der tagesaktuelle Weltzustand auf euch persönlich und auf euch als Musiker? Wie spiegelt sich das in der Musik wieder, nicht nur gegebenenfalls textlich, auch musikalisch?

Boris Hager: Wir sind keine rein politische Band, vielmehr verarbeiten wir die Dinge auf einer zwischenmenschlichen Ebene. Ich maße mir nicht an, in jeder politischen Situation den Durchblick zu haben, aber wie man von diesen Geschehnissen im Alltag beeinflusst wird, darüber können wir Songs schreiben.

Man muss ja kein Tom Morello sein, der sein Gesicht für jede Demonstration hergibt, im Kleinen gesprochen: Wie wichtig sind heutzutage Inhalte in der Musik und auf welche legt ihr besonderes Hauptaugenmerk?

Boris Hager: Die Texte sind mir sehr wichtig und nehmen bei mir in der Musik 50% ein. Ich bin leider kein Philosoph oder Dichter, versuche aber trotzdem einigermaßen anspruchsvolle Zeilen aufs Papier zu bringen. Meine Inhalte sind sehr persönlich gehalten, ich denke aber trotzdem, dass jeder in der Band oder auch jemand Außenstehendes sich irgendwo damit identifizieren kann.

Markus Künzel: Für mich als Hörer sind Texte wichtig, aber auch genreabhängig. Nimmt die Band sich und Ihre Aussagen ernst oder nicht? Ich kann beispielsweise über einen Text der Kassierer schmunzeln, weil ich es als Spaß auffasse. Probleme habe ich jedoch mit Bands, die versuchen eine bestimmte Weltanschauung als die einzig wahre zu verkaufen. Egal, ob es die von Hitler, Christus oder Ian MacKaye ist.

Euer Song “Hey, Nice Haircut!” hat etwas von einer Parodie der üblichen Myspace-Kommentare unter den Bildern 17-jähriger Girlies. Ist der oberflächliche Schein erst einmal wichtiger als der ganze Rest? Warum dreht sich der Song?

Boris Hager: Ja, der Song soll einfach ein wenig unsere “Szene” und deren Modeerscheinungen provozieren! Wer sich nicht entsprechend kleidet, die Haare nicht stylt und sich nicht so verhält, wie man es erwartet, der wird auch nicht akzeptiert. Von einer toleranten Hardcore-Szene kann man also mittlerweile nicht mehr sprechen. Wobei wir uns da selbst nicht ausnehmen, wie schon der Chorus am Schluss anprangert: we are the fashion whores!

Die vermutete Ironie setzt sich fort: “Jerry Bruckheimer Made Me Do It”. Habt ihr Fluch der Karibik 3 auch schon für genauso überflüssig befunden wie den Teil davor? Wie steht ihr zu Jerry Bruckheimer, dem Regisseur und Produzent des Bombast-Mainstreams?

Boris Hager: Ja, das ist wohl einer der Texte, mit dessen Aussage ich ziemlich allein dastehe. Ich sammle Filme seit ich zwölf bin und arbeite seit Jahren als Filmvorführer in einem Kino. So bekommt man den Verfall der Filmindustrie hin zum hirnlosen Kommerzdrecklieferanten besonders stark mit. Interessant ist für mich daher die Frage: gibt Hollywood den Geschmack vor oder reagieren die nur auf das zunehmend anspruchslos werdende Publikum? Diese Thematik lässt sich dann wiederum auf die Gesellschaft übertragen, in der im Moment wohl eher Spaß und billiges Entertainment angesagter als Nachdenken ist. Und ja, ich hasse alle Filme von Jerry Bruckheimer!

Witzig war auch der Kommentar in eurem Profil, ihr wäret “die Billy Talent aus Hof”. Wenn man beim Sprechen nuschelt, hören manche bei eurem Namen auch die Band Acacia Strain raus. Welche Verwechselung wäre euch lieber?

Boris Hager: Ähm … dieser Kommentar beruht auf einer Aussage meinerseits, als ich uns bei einer der letzten Shows mit eben diesen Worten dem Publikum vorgestellt habe. Auf der Bühne höre ich irgendwie mit dem normalen Denken auf und fange an Müll zu reden wie du siehst. Und verwechselt uns mit allem – nur nicht mit Billy Talent!

Markus Künzel: Ich finde solche Sprüche ganz lustig. Wir haben uns auch schon als “Slayer aus Oberkotzau” vorgestellt. Sowas bricht oft das Eis und soll zeigen, dass wir keine superernsten Toughguys sind. Die Verwechslung mit The Acacia Strain wäre mir sicher lieber – tolle Musiker, die sich nie dem Mainstream angebiedert haben. Über Billy Talent sage ich an dieser Stelle nur: sie machen Stadionrock! Punkt.

Und wenn wir einmal beim Verwechseln sind: ihr müsstet sechs Songs covern, drei, die ihr verehrt als Band und drei, die auf jeden Fall verbessert werden müssten. Welche wären das und warum?

Boris Hager: Gerne covern würde ich “Bury Me With It”, meinen Lieblingssong von Modest Mouse, “Memphis Will Be Laid To Waste” von Norma Jean, und “Wolf Like Me” von TV On The Radio. Letzteres haben wir schon zweimal live versucht, einmal war es okay, das andere Mal haben wir den Song so derbe verhunzt, das hat mir richtig weh getan. Zu den anderen drei kann ich nur sagen, dass ich es mir nicht anmaßen würde, einer Band ihren Song zu verbessern, egal ob er mir gefällt oder nicht.

Wer ist Silvia H., der das Album gewidmet wurde?

Boris Hager: Das ist meine Mutter. Sie ist während der Aufnahmen zu dem Album an Krebs gestorben. Dieses Ereignis hat ganz deutliche Spuren auf den Aufnahmen hinterlassen, vor allem was meinen Gesang angeht. Ich habe daraufhin auch den Text zu “Cure For” im Studio geschrieben und auch das Einsingen und die ganze Zeit mit Freunden im Studio haben mir da sehr geholfen. Somit waren auch alle einverstanden, dass wir ihr unser erstes Album widmen. Sie hat mich und unsere Musik auch immer unterstützt. Sie hat uns auch damals unsere erste Gesangsanlage geschenkt.

Wie sieht der (gesponnene) Masterplan aus? Wo sieht man euch 2010? Frustriert in anderen Bands oder vor 15.000 Japanern in Tokioer Arenen mit Billy Talent als Support?

Boris Hager: Ich mache mir da eigentlich keine großen Gedanken drüber. Mit der Musik, die wir machen, wird sich an unserer Situation nicht viel ändern, was ich auch gut finde. Es ist schön jetzt von einem Label unterstützt zu werden und wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann mit der Band in möglichst vielen Ländern aufzutreten und dabei viele nette Menschen kennenzulernen! Aber Ausverkauf kommt mir nicht in die Tüte!

Markus Künzel: Mir geht es da ähnlich. Ich habe zwar – wie wahrscheinlich jeder Musiker – so meine Träume, möchte aber immer meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden: Künstler und nicht Dienstleister zu sein. Ich würde auch gerne als Band in der ganzen Welt rumkommen, da hat man es mit einem Major-Deal sicher einfacher. Allerdings schreckt mich die Tatsache ab, dass fast alle Hardcorebands, die diesen Weg gegangen sind, plötzlich angepasster und massentauglicher klangen als vorher. Meist ging damit auch die alte Fanbasis flöten und nach kurzer Zeit war die Band komplett verheizt. So nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Boris Hager: Ich danke auch.

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Schönredner

Saturday, July 14th, 2007 at 15:42

| aktueller song: deftones – when girls telephone boys |

Arcana Cain – Arcana Cain
Vö: 06. Juli 2007
Label: My Favourite Toy / Alive
Länge: 35:27 min
Hit: Termites
Punkte: 6/10

Arcana Cain - Arcana Cain

Man kann ja viel schönreden und auch viel interpretieren, aber manchmal können auch wir mit unserer Wortgewandtheit Dinge nicht hinbiegen: den Sticker auf dem Debütalbum von Arcana Cain zum Beispiel. “For friends of Refused”. Naja, fragwürdig. Da würde uns sicher Verwandteres einfallen, aber uns fragt ja niemand. Egal, denn ganz tief drinnen blitzen Refused vielleicht dann doch sogar ein bisschen durch. Ganz wenig, nicht von der Musik her, die bei Arcana Cain bei weitem strukturierter und weniger experimentell ist, allerdings etwas von der Intensität jener … ja, doch. Aber nicht ganz. Immerhin allerdings! Das war‘s dann aber auch, denn mit politischen Manifesten, Straight Edge und MTV hat der Fünfer aus dem beschaulichen Frankenländ’le mit Sicherheit nichts am Hut. Und wird es wohlmöglich auch nie haben. Stattdessen beweisen Arcana Cain etwas Göttliches, was schon fast auszusterben drohte: bissigen Zynismus! Abgesehen von unser aller Hassobjekte Nummer eins – den Fashionvictims – werden so neben dem Hollywood-Lifestyle gleich mal alle Weltreligionen durch die Bank weg persifliert. Gute Sache, zumal wenn dabei grundsolider moderner Hardcore mit Variabilität in der Stimme und der Instrumentalisierung geboten wird. Sauber. Ohne Schönreden sogar.

Tracklist:
01) cure for
02) jerry bruckheimer made me do it
03) hey, nice haircut!
04) playful beings
05) i.n.r.i. (individuality neutralizes religious infection)
06) yours sincerely, …
07) termites
08) we sold our soul
09) …
10) revolution vs. romance
11) prototyp

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Schönheitswettbewerb

Saturday, July 14th, 2007 at 02:52

| aktueller song: devil sold his soul – the starting |

Of Quiet Walls – Dope Disco And The Hetero Elephant
Vö: 06. Juli 2007
Label: Shark Men / Village Kids
Länge: 24:27 min
Hit: Hey Jack You Lost Reality
Punkte: 6/10

Of Quiet Walls - Dope Disco And The Hetero Elephant

Hübsch, hübscher, am hübschesten, das ist hier die Frage! Ob die sieben Jungs optisch was hermachen, davon kann sich jedes Mädchen über die üblichen Standardwege selbst einen Eindruck verschaffen, uns ist das aber erstmal schnurzpiepegal. Wir beschäftigen uns derweil mit dem Rest. Und siehe da, Part zwei – das Artwork – ist sogar schon einmal hübscher als viele andere derzeit, die nur so vor Blut und Klischee strotzen. Hohl sowas, aber egal, Of Quiet Walls machen es ja besser. Und auch der dritte Teil kommt erstaunlich klischeefrei daher, wenn man bedenkt, was die Mischung aus Metalcore, Screamo und Hardcore schon so manch peinlichen Ausfall ausgespuckt hat. Chemnitz ist schließlich auch nicht der Ruhrpott. Dort versteht man wenigstens noch etwas davon, wie man clean singen kann, ohne dass man den Part mit einem Top-of-the-pops-Refrain verwechseln könnte. Hübsch. Im Gegenzug gibt es selbstverständlich auch mächtig was aufs Kerbholz, auch wenn diese vereinzelt eingestreuten elektronischen Effekte in der heimischen Selbstproduktion noch nicht überzeugend zur Geltung kommen. Aber selbst das bekommt manche Band im Ruhrpott noch nicht einmal hin. Echt hübsch, ja. Und die Mädels haben jetzt bestimmt auch fertig recherchiert. Na? Meinung?

Tracklist:
01) exterior set blueprint
02) angelo the painter
03) the last outlaw is a dropout
04) hey jack you lost reality
05) of quiet walls
06) no one is laughing at the clown anymore
07) everydays tragedy

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