Archive for June, 2007

Fehler im System

Sunday, June 10th, 2007 at 00:45

| aktueller song: editors – all sparks |

The Used, Head Automatica
05. Juni 2007 – Hamburg, Große Freiheit 36

The Used

“Bitte, was läuft hier denn schief?” Genau dieser Satz war es, den sich sicher einige an diesem Abend des Öfteren gedacht haben. Dass man zu der christlichen Zeit von 20:30 Uhr vor der Großen Freiheit, abgesehen von ein paar Flyerverteilern, nur ein paar Jungspunde sah, konnte einen zu Recht stutzig machen, schließlich war das Lineup namentlich gut besetzt: Head Automatica, Funeral For A Friend und natürlich The Used. Dazu letztere beiden sogar noch mit brandaktuellen Alben im Gepäck.

Doch siehe da, einiges lief anscheinend wirklich schief – oder ging an vielen einfach kommunikativ vorbei. Nachdem kurz vor neun immer noch kein Ton aus der Halle erklang und irgendwie sich auch keine großen Massen hinein getrauten, durfte man sich nun auch ganz offiziell einen Kopf machen. Rein rechnerisch war es schon gar nicht mehr möglich, dass drei Bands an diesem Band spielen könnten und als danach die ersten Töne erklangen, waren das mit Sicherheit nicht Funeral For A Friend, die den Abend eröffnen sollten. Wo eben jene Band verblieben ist, ist dabei eine genauso ungelöste Frage, wie jene, wo die ganzen Leute waren. In der Freiheit zumindest nicht.

Aber sind wir ehrlich und nennen das Kind beim Namen: verpasst haben sie nicht wirklich etwas! Zwar war es schon einen kleinen Zusatzapplaus wert, dass Daryl Palumbo & Co. endlich einmal den Weg nach Deutschland gefunden haben, nachdem dies zu Glassjaw-Zeiten nie möglich war. Doch Head Automatica wollten zu keiner Sekunde zünden, was nicht nur daran lag, dass der halbe Veranstaltungsort leer war, sondern vielmehr daran, dass das charakteristische der Band nicht rüberkam. Tanzbaren Indie von einer gefühlt drei Meter höhen Bühne und vor zurückhaltendem Publikum zu spielen, welches eh nur auf Bert wartete, ist schon undankbar, aber ist dann die Band selbst noch distanziert und etwas verloren auf der großen Bühne, tut es einem fast schon leid, wie Head Automatica ignoriert wurden. Unter diesem Gesichtspunkt ist es dann auch noch doppelt so hart, wenn man sich eingestehen muss, dass die Musik auf Platte wesentlich vielfältiger, wenn auch weniger rockig, klingt, was zwar live von Vorteil sein kann, aber eben das gewissen Quäntchen missen lässt.

Genau das sollten auch The Used vermissen lassen, auch wenn Frontentertainer Bert McCracken – wie eigentlich immer – außerordentlich gut drauf war. Witzchen hier und da, Interaktion mit dem Publikum. Alles vorhanden. Ebenso das wunderbar angestimmte “Hoppe, hoppe, Reiter”, was mit amerikanischem Slang durchaus amüsant klang. Doch irgendwann sollte damit auch einmal Schluss sein, denn spätestens beim dritten Mal hintereinander nutzt sich auch der beste Witz ab. Glücklicherweise etwas weniger verbraucht waren dann die alten Hits aus den Tagen von “The Used” und “In Love And Death”, die nicht nur wegen ihrer Bekanntheit und Mitsingtauglichkeit recht unkompliziert ins Ohr gingen, sondern auch weil damals noch geröhrt werden durfte. Problem war nämlich ganz einfach, dass jene ruhigeren Songs und Neuere von “Lies For The Liars” einfach in den leisen Passagen stimmlich überhaupt nicht ankamen. Und zu Recht fragt man sich in solchen Momenten, welchen Job der Mann hinter den Soundreglern macht oder besser hätte machen sollen, damit The Used noch halbwegs glimpflich aus diesem Abend rauskommen könnten. Also irgendwas lief hier wirklich schief.

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Lachnummer

Sunday, June 3rd, 2007 at 23:24

| aktueller song: pitbulls in the nursery – strong |

An Albatross
21. Mai 2007 – Hamburg, Hafenklang-Exil

[mygal=analbatross01]

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Lost highway

Sunday, June 3rd, 2007 at 22:47

| aktueller song: balboa & rosetta – project mercury |

Pelican – City Of Echoes
Vö: 04. Juni 2007
Label: Hydra Head / Indigo
Länge: 42:32 min
Hit: Win With Hands
Punkte: 7/10

Pelican - City Of Echoes

“And the Oscar©®™ in the category ‘Best imagination pictures’ goes to … ‘The fire in our throats will beckon the thaw’ by Pelican!” Jubel bricht aus, das Kodak Theatre versinkt in Beifallsstürmen, bedrohlich dunkel und unwetterartig wie das Album selbst. Minutenlang. Zeitungen schreiben von einem “epischen Applaus”. Pelican freuen sich schüchtern, schütteln verlegen Hände, geben Jodie Foster als Preisübergeberin links und rechts Küsschen, winken kurz etwas künstlich raus an die Milliarden an den Bildschirmen und bedanken sich mit den Worten: “It’s just like … wow! Cheers!”. Danach besteht der Abend nur noch daraus, sich zu Langweilen, dumm rumzusitzen, mit Jared Leto Bierchen zu kippen und mit Pamela Anderson zu sprechen, ohne ihr einmal ins Gesicht zu schauen.

Klingt eigentlich nach einer witzigen Veranstaltung, schließlich hat auch Christina Aguilera ganz interessiert ihre Handynummer rausgerückt, und das nicht nur, um endlich einmal mit richtigen Künstlern in Kontakt zu kommen. Doch Pelican war das alles – unverständlicherweise – viel zu viel. Kein scheiß Hollywoodkino mehr, keine scheiß Silikonbrüste und auch kein scheiß endloses Epikgeblubber mehr, so der feste Beschluss der Band. Alles müsse ein bißchen zurückgeschraubt werden, damit ja kein Academy-Award-Honk auf “City of echoes” aufmerksam werden wird und man diese Tortur noch einmal mitmachen müsse.

Doch Pelican haben nun einmal seit Jahren ihren festen Platz in dem neuen Lieblingsgenre der Juroren: verkaufbar, dunkel-mystisch bis melancholisch, stets intelligent, wenn auch manchmal pseudo-künstlerisch, laut, jung, hip und immer so ein bißchen Underground. Doch es gibt immer Techniken, um sich zu öffnen und gleichzeitig andere vor den Kopf zu stoßen, damit diese sich abwenden. Kürzere, weniger weitschweifige Liedumfänge zum Beispiel – für viele Fans schon ein Kriterium. Oder etwas wohlwollendere Melodien, die den dunklen Fetisch nicht mehr vollends bedienen und befriedigen wollen. Oder gar einfach mal akustische Vierminüter als Höhepunkt nach und vor metallischen Schlachten im Unterholz, was dem Darstellen hüpfender, glücklicher Kinderseelen auf einer bunten Blumenwiese bei sonnigem Wetter direkt in der inhaltlichen Mitte eines Film Noir gleichkommt. Fast eine Schande, aber auch dieser Auf- und Ausbruch sitzt.

Pelican haben ein kleines David-Lynch-ähnliches Filmmeisterwerk abgeliefert, was weniger üppig und somit detaillierter und liebevoller wirkt, was aber auch wieder großes, kultiges Kopfkino im 16:9-Format geworden ist und zugleich dieses Jahr dem Juryvorsitz um Vin Diesel glücklicherweise durch die Lappen rutscht. Doch haben solche Veranstaltungen ohnehin nichts mit Qualität an sich zu tun, und deswegen ist eine Nichtnominierung auch nicht dramatisch. Im Gegenteil, Pelican würde es freuen nach dem Stress.

Tracklist:
01) bliss in concrete
02) city of echoes
03) spaceship broken – parts needed
04) win with hands
05) dead between the walls
06) lost in the headlights
07) far from fields
08) a delicate sense of balance

© written for plattentests

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Ficken mit Maynard

Friday, June 1st, 2007 at 17:33

| aktueller song: grails – dead vine blues |

KHZ – Reality On A Finer Scale
Vö: 11. Mai 2007
Label: Propain Wreckords / H’art
Länge: 59:04 min
Hit: Empty
Punkte: 6/10

KHZ - Reality On A Finer Scale

Da wird so manchem Bauarbeiter ein Herz in der Hose aufgehen: ordentlicher Rock, massig Bier, dicke Silikonmöppse und lecker Schweiß als Tüpfelchen auf dem i noch dazu. Bei KHZ werden Männerträume wenigstens noch 1:1 umgesetzt! So muss das sein. Und wenn dann der Blickfang noch von irgendwelchen “fucks” röhrt … Oh Gott, die Gute weiß scheinbar, auf was Kerle so richtig stehen. Fast schon zu schade aber, dass das Album ansonsten zu gut ist, um als billige Wichsvorlage zu dienen, auch wenn der Einstieg wahrlich nicht zu mehr taugt. Doch nach dem ersten Vorspiel dürfte auch den Leuten was aufgehen, die nicht nur auf den kurzen “It’s Yours”-Quicky stehen, sondern eher auf etwas Ruhigeres, aber immerhin auch Abwechslungsreiches. Und man sollte sich nicht daran stören, wenn A Perfect Circle mitpoppen wollen. Denn die haben ihren Stempel richtig tief reingedrückt in dieses Album und mehr als weiße Flecken hinterlassen. Ausprobieren weils Spaß macht, aber bitte auch wegwischen.

Tracklist:
01) it’s yours
02) let it go
03) broken (what could’ve been)
04) test my faith
05) it
06) envy
07) breathing deeper
08) inside
09) rubberhead
10) now it never ends
11) empty
12) find your way, pts. 1 & 2
13) alone
14) find your way, pt. 3
15) stay all night

© written for triggerfish & dosenmusik

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