Die Wüste lebt
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Kill Kim Novak – 03:05
Vö: 25. Mai 2007
Label: Alveran / Soulfood
Länge: 47:03 min
Hit: Crush Me
Punkte: 6/10
Vom Namen her könnte das Kaff irgendwo im Sachsenland liegen: Soest. Richtig schön “Söööeeessd” ausgesprochen, damit es auch entsprechend dümmlich klingt. Selbst Kim Novak klingt so ein bisschen nach Tschechei plus Kevin-ähnlichem Trendvornamen aus ostdeutschen Vorstadtprovinzen, sprich teilbebauten Kuhweiden. (Anm. d. Red.: Bevor böse Lesermails kommen: Der Autor stammt aus den neuen Bundesländern, darf darüber also Witze machen.) Und ein Blick auf die Landkarte offenbart dem Quotenossi Erstaunliches: Auch in Westfalen gibt es kulturelle Äcker mit Häusern. Die Auswahl ist nicht sonderlich groß, an dem was man zur Abwechselung machen könnte. Wenn in NRW das Leben pulsiert, dann ist Soest sicher nicht die Hauptschlagader. Ein bißchen Pferdeäpfel pflücken, Steine übern Teich fitscheln oder sich auf dem jährlichen Dorffest abschießen, welches zwar von der Größe her eigentlich schon als Stadtfest durchgehen könnte, aber irgendwie doch Provinzcharakter hat. So oder so, es ist das Highlight. Auch musikalisch.
Denn dort wird dann alles verbraten, was die Soester Jugendkultur so zu bieten hat: paukenschlagende Karnevalsvereine, singende Maiköniginnen als Rollergirl verkleidet und Schülerbands, die mal was Rockiges covern wollen. Halt Nirvana und so. Pfui. Aber zum Glück gibt es in diesem Trott aus allerhand Schmutz noch Leute, die an der holden Fahne der CDU-Idylle sägen, den ganzen Quatsch nicht verkraften und mit “03:05″ endlich das längst überfällige Debütalbum rausbringen, was gleich im ersten Song die Abneigung, Wut und Verzweifelung zusammenfasst: “Ich kann nicht”. Und damit gar nicht erst viele heimischen Kiddies auf den dummen Gedanken kommen könnten, Kill Kim Novak aus Trendgründen toll finden zu müssen, wurde auch viel auf Seiten der Band getan, um ihre Songs schwierig genug zu halten. Positiv gemeint natürlich.
Angefangen selbstverständlich bei den teils deutschen Texten, die für globalisierte Kinderohren nicht selten schon ungewohnt genug sein düften. Aber auch die Mischung aus 90er-Jahre-Hardcore, der trotzdem als moderner Screamo durchgehen könnte, mit der einerseits guten Produktion, die aber nicht selten bei Lautstärkeverhältnissen und Samples noch zu willkürlich erscheint. Alles etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus spannend und vor allem bodenständig ehrlich. Und wenn sich dann zu interpretationswürdigen Texten noch gutes Geschrei (“Gefühle”), Geschrammel (“Ich weiß wo Du bist”) oder hin und wieder auch hübsche Melodiebögen (“Crush me”, “Girl I feel”) gesellen, dann kann man echt froh sein, dass Kill Kim Novak sich nicht im Soester Bürgerbunker als Support für Helgas Schunkeltruppe verrammschen. Helau!
Tracklist:
01) intro
02) ich kann nicht
03) gefühle
04) crush me
05) take it
06) unterjocht
07) ich weiß wo du bist
08) kaskaden
09) wissen!?
10) girl i feel
11) dierioten
12) zwielicht
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