Archive for April, 2007

Sziget 2007

Monday, April 30th, 2007 at 18:18

| aktueller song: sparta – atlas |

Sziget 2007
08.-15. August 2007 – Budapest, Obudai Insel

Sziget 2007

15 Jahre Sziget Festival – und kein bisschen leise! Wer hätte gedacht, dass aus dem kleinen, feinen Wochenende mit einer Hand voll ungarischer Bands 15 Jahre später eines der beliebtesten und größten europäischen Festivals mit bestem internationalen Line-Up wird?! Ein Grund mehr zu feiern. Wie immer auf einer grünen Donauinsel mitten in Budapest mit 1.000 Acts auf 60 Bühnen. Über sieben Tage harte Gitarrenriffs, poppiger Indie, bunte Weltmusik, elektronische Beats und klassischer Jazz. Tag und Nacht. Inmitten von 400.000 Indie-Boys und Hard-Rockern, Electro-Freaks, Rastafaris und Ska-Punks aus aller Welt.

Lineup:

Von hart und treibend bis depressiv und zärtlich – seit 1991 begeistern Tool mit ihren hypnotische Hymnen und melodischer Aggression jeden Metal-Fan. Und mit ihrem letzten Album “10.000 Days” haben sich die vier Kreativen klar selbst übertroffen. Kein bisschen leise kommt das Londoner Quartett The Rakes daher, jedoch um einiges poppiger und melodiöser. Vielschichtig und groovig wird die New Yorker Punk-Funk-Formation! ihre einzigartige Mischung aus Funk-Bässen, House-Bleeps, Spaghetti-Western-Gitarren, Afro-Polyrhythmen, Disco-Clappings & Philly-Soul auf die Main Stage bringen. Endlich beehrt der französische DJ, Produzent und Labelbesitzer Laurent Garnier mit klaren Beats die Party Arena – passioniert, draufgängerisch, eigenartig und vielseitig. Kompromisslos hart und gewohnt intensiv wird Napalm Death, eine der bekanntesten und stilprägendsten Bands der Metal-Szene, das Sziget Festival anheizen. Die Franzosen Pleymo stehen ihnen mit ihrem explosiven, durch Hip-Hop-Beats, derben Riffs, Scratching und Electronica aufgemischten Nu-Metal in nichts nach. Was will das Rocker-Herz mehr?!

Bands:
Chemical Brothers, Pink, Madness, Nine Inch Nails, The Hives, !!!, Faithless, Mando Diao, The Killers, The Good, The Bad & The Queen, Mika, The Rakes, Gogol Bordello, Gentleman, Tool, Sportfreunde Stiller, Kaizers Orchestra, Juliette And The Licks, Sinéad O’connor, Leningrad, Hyper, Gus Gus, Hooverphonic, Laurent Garnier, Timo Maas, Plump Djs, Satoshi Tomiie, Silicon Soul, Dave Clarke, Dj Hell, Goldie, Killing Joke, Nitzer Ebb, Unkle, Hammerfall, Napalm Death, Pleymo, Within Temptation, Fun-Da-Mental, Cassius, Negative, Iamx, Sud Sound System Cesaria Evora, Salif Keita, Skatalites, Manu Dibango, Mari Boine, Babylon Circus, Eddie Palmieri, Rachid Taha, Varttina, Sergent Garcia, Tinariwen, Orchestre National De Barbes … und viele mehr!

Reiseangebot:

Keine Lust, Deine Anfahrt selbst zu organisieren? Kein Problem, denn der Reisepartner Cool-Tours bietet von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus Reisen zum Sziget Festival an. Dich erwarten bei Cool-Tours günstige Flug-Packages ab Frankfurt-Hahn, Hannover, Köln, Nürnberg und Stuttgart nach Budapest, inklusive Bustransfer vom Flughafen direkt auf die Festivalinsel und das dortige Areal von Cool-Tours. Außerdem gibt es ab Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder Busreisen in modernen Fernreisebussen. Die Busse bringen Dich direkt auf das Camping-Areal und holen Dich am Ende des Festivals dort auch wieder ab.

Zusätzlich erhältst Du die Campcard, mit folgenden Leistungen:

  • eigenes, abgegrenztes und reserviertes Camping-Area im Nordosten der Festivalinsel
  • 50 % Rabatt auf Stadtrundfahrten und für die Donaucruise
  • Bis zu 20 % Ermäßigung in diversen Restaurants in Budapest
  • 1 Freibier am Getränkestand des Cool-Tours Camping-Areals

Infos:

Kombiticket: 120 Euro (ohne Camping)
Kombiticket: 150 Euro (mit Camping)

* sziget

© written for triggerfish

Posted in vorbericht
by admin

Expedition Hoffnung

Sunday, April 29th, 2007 at 10:25

| aktueller song: jada morning – in ribbons |

Jesu – Conqueror
Vö: 05. Mai 2007
Label: Hydra Head / Indigo
Länge: 57:55 min
Hit: Transfigure
Punkte: 6/10

Jesu - Conqueror

Jesu trauen sich langsam nach draußen. Raus aus ihrem dunklen, stickigen Kämmerlein mit diesem kleinen Fenster, durch das sie auf dem selbstbetitelten Debüt ab und an zaghaft lugten, sich aber letztendlich nicht wagten, einen Schritt in die helle Landschaft davor zu setzen. Eng, bedrohlich, beklemmend und zu tiefst dunkel waren diese Zeiten. Mit der EP “Silver” kam nicht nur namentlich etwas glänzend funkelnde Hoffnung in den Raum. Nein, es war auch der Blick durch das Loch in die weite Welt, welcher Horizonte öffnet. Menschlich und musikalisch.

Vorsichtig tapsen Jesu mit “Conqueror” nun in einer ihnen nicht gänzlich unbekannten, aber dennoch nicht sonderlich vertrauten Welt. Die Welt der Hoffnung, im Entferntesten auch die Welt des Pop und der Farben. Natürlich mag man das nicht auf den ersten Blick vernehmen, denn das Artwork, die Songs und die Texte sind immer noch von diesem melancholisch-traurigem Schleier überzogen. Doch die Schritte führen von der Depression in Richtung Leben. Graue Industrieanlagen und kilometerhohe Schornsteine erwecken zwar noch längst keine Partystimmung, aber symbolisieren immerhin menschliches Dasein.

Eine Existenz von Zuversicht und Glaube, die sich auch schon im ersten Song “Conqueror” wiederspiegelt. “All our colours will always be with us.” Licht am Ende des Tunnels gänzlich ohne Weltuntergangsgitarren und Misanthropengesang. “Transfigure” setzt dem sogar noch einen drauf, wenn der Song beinahe in einer weihevollen Liebesbekundung gipfelt. Und der Beginn von “Mother Earth” erst, das zurückhaltend verspielt beginnt, sich zwar zuspitzt, aber trotz aller Schwerfälligkeit am Ende diese schleppend-schleichende herzige Melodie zulässt.

Es ist wie auf jeder Entdeckungsreise: Jesu betreten sachte neuen, fruchtbaren Boden, tasten sich vorsichtig hier und da heran und probieren unter Bedacht Frisches aus. Doch der eigentliche Gehalt jeder Exkursion ergibt sich erst aus den Erkenntnissen über Sackgassen, in die man gegangen ist, und die liegen bei Jesu in ihrer Gutgläubigkeit und Zaghaftigkeit. Man spürt zwar die Mischung aus ruhiger Freude und bedrückten Bedenken, vermisst aber in Songs wie “Old year” oder “Brighteyes” diese kindlich, naive Unbekümmertheit, auch einmal hinter der Absperrung zu spielen, da der eigene Bolzplatz mittlerweile langweilig geworden ist. Die Entdeckung der Welt ist längst nicht abgeschlossen. Eine Reise der Trippelschritte.

Tracklist:
01) conqueror
02) old year
03) transfigure
04) weightless & horizontal
05) medicine
06) brighteyes
07) mother earth
08) stanlow

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Live, bunt und in Farbe

Saturday, April 28th, 2007 at 19:55

| aktueller song: suffokate – betrayal |

The Chariot – The Fiancée
Vö: 13. April 2007
Label: Solid State / Century Media / EMI
Länge: 29:41 min
Hit: And Shot Each Other
Punkte: 8/10

The Chariot - The Fiancée

Das Belanglose – der Hintergrund:

Ja, The Chariot ist die Band des ehemaligen Norma-Jean-Sängers Josh Scogin. Ja, The Chariot sind auch eine dieser Christen-Bands von Solid State, die aus ihrer religiösen Gesinnung keinen Hehl machen. Und ja, The Chariot – oder besser: Josh Scogin persönlich – hat für “The fiancée” auch einmal wieder die komplette Mannschaft an den Instrumenten ausgetauscht. Angeblich waren das Debütalbum und die folgende EP (Achtung, witzige Songtitel!) noch nicht so ganz das Wahre. Aber die Storys haben alle schon Bart bis Bagdad.

Das Wesentliche – die Musik:

Viel wichtiger ist, dass die Band jetzt angekommen ist: am Ziel, sowohl personell, wie auch musikalisch. Die wahre Definition von The Chariot. Das sagen sie zumindest selbst, und wir umrahmen es rot und setzen ein fettes Ausrufezeichen dahinter. Ende der Diskussion.

Viel anderes bleibt uns auch gar nicht übrig, denn “The fiancée” ist während seiner Laufzeit von gerade einmal 29 Minuten trotz allem derart vielfältig, dass der Scrollbalken explodieren würde, wenn wir alle Facetten ausführlich umschreiben würden. Ganz oben in der Liste müsste man dann allerdings die einzigartige, fesselnde Atmosphäre dieses Albums anbringen. Ein riesiger Topf feinster Gulasch aus allem, was dermaßen köstlich schmeckt, dass man sich am liebsten totfressen würde. Stampfender Metal, diffuser Krach per excellence, rotziger Punk, gegeneinander um die Wette quietschende Gitarren und abertausende Dinge mehr. Und über allem thront natürlich diese total angepisst-kranke Stimme von Sänger Josh Scogin, die schon in den ersten Sekunden von “Back to back” klar macht, dass es hier heftigst zur Sache gehen werden wird. Meine Herren!

Doch dabei ist das Rezept und Konzept dahinter eigentlich so dermaßen simpel, dass man sich fragt, warum es nicht viel mehr Alben dieses Kalibers gibt. The Chariot haben es einfach geschafft, ihre Spielfreude, ihre Emotionen und ihre Livequalitäten auf Platte zu transportieren. Mit all ihren kleinen charmanten Fehlern, die sich beim Liveeinspielen der Instrumente nun einmal einschleichen. Aber eben auch mit all ihrer Lebendigkeit. Und das Ergebnis klingt regelrecht nach dreckigem Keller, umgefallenen Bierflaschen und stinkendem Zigarettenqualm. Eine Menge Spaß quasi. Und genau das macht “The fiancée” auch aus.

Bei allem Faible für dissonantes Geschrammel und grundehrlichen, atmosphärischen Hardcore, der nicht selten in seiner Intensität an Poison The Well erinnert, legen The Chariot obendrein noch eine locker-flockige Experimentierfreudigkeit an den Tag, die ein Schmaus für die von Standard geschädigten Ohren ist. Oft nur vom Geschrei getragene Passagen mögen da erst der Anfang sein, doch wenn dieses dann zusätzlich langsam in mehrstimmige Chöre übergehen (“And shot each other”), wird es allemal hörenswert. In dem Abschlusssong “Forgive me nashville” gibt es sogar im zweiten Teil eine vollkommen unbehelligte Kirchenhommage. Und die ist sogar nicht einmal peinlich. Respekt!

Das Zusätzliche – die Randbemerkung:

Erst fällt es gar nicht so richtig auf, aber dann ertappt man sich doch dabei, wie man da sitzt und sich einen Kopf macht. Darüber, was in der aufpolierten Version von “Kenny Gibler (Play the piano like a disease)” von der “Unsung EP” gegenüber der jetzigen von “Then came to kill” anders ist, vielleicht eher noch weniger. Aber dafür über die Songtitel des Albums umso mehr. Hintereinander gelesen sind diese ein Auszug aus einem Kinderrätsel. Viel Spaß beim Philosophieren also. “If you don’t believe this story’s true / Ask the blind man, he saw it, too!” Und beim Rest zu “The fiancée” stimmt der Euch bestimmt auch zu.

Tracklist:
01) back to back
02) they faced each other
03) they drew their swords
04) and shot each other
05) the deaf policeman
06) heard this noise
07) then came to kill (feat. hayley williams)
08) the two dead boys
09) forgive me nashville

One Fine Day in the Middle of the night

One fine day in the middle of the night
Two dead boys got up to fight
Back to back they faced each other
Drew their swords and shot each other

One was blind and the other couldn’t see
So they chose a dummy for a referee
A blind man went to see fair play
A dumb man went to shout “hooray!”

A paralyzed donkey passing by
Kicked the blind man in the eye
Knocked him through a 9 inch wall
Into a dry ditch and drowned them all

A deaf policeman heard the noise
And came to arrest the 2 dead boys
If you don’t believe this story’s true
Ask the blind man, he saw it, too!

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Ober-Cowboy

Friday, April 27th, 2007 at 21:53

| aktueller song: zombi – legacy |

Earth – Hibernaculum
Vö: 27. April 2007
Label: Southern Lord / Soulfood
Länge: 36:44 min
Hit: Coda Maestoso In F(Flat) Minor
Punkte: 7/10

Earth - Hibernaculum

Earth müssen eigentlich niemanden mehr irgendetwas beweisen. Den Kultstatus haben sie eh längst inne, und die höchste Ehre, die ein Künstler oder eine Band erfahren kann – die nachhaltige Beeinflussung eines ganzen Genres – bekamen Dylan Carlson und Co. auch schon erwiesen. Somit beantwortet sich die Frage, was man als Band nun als nächstes tun könnte, gerade eben nicht von selbst. Das letzte reguläre Album “Hex (or printing in the infernal method” wurde abermals als Meilenstein gefeiert, Livealben wurden sowieso schon genug veröffentlicht, und eine Split mit den Genre-Größen Nummer zwei von SunnO))) wurde ebenfalls letztes Jahr aufgenommen.

Was also nun machen? Auflösen? Oder doch noch ein Livealbum? Eine Raritätensammlung? Eine Remixplatte? Oder einmal eine schicke DVD? Da Earth nie halbe Sachen machen und auch sonst immer künstlerische Grenzen auslosten wollen, ist die Antwort relativ banal: alles auf einmal! Und so wird “Hibernaculum” eine Art inoffizielles Best-of-Album inklusive Raritäten und neuinterpretierten Songs. Da allerdings Earth mit Sicherheit nie eine jener Bands sein wird, die Songs ihrer eigenen Vorbilder verwurschteln, liegt es auch relativ nahe, dass sie eigene Klassiker noch einmal in das Hier und Jetzt transportieren.

So geschehen mit dem ersten Dreiviertel der Songs auf “Hibernaculum”, das mit der Neuauflage der alten Klassiker fast noch sphärischer und noch betörender erklingt. Denn gerade dadurch, dass Adrienne Davies wieder hinter dem Schlagzeug sitzt und Steve Moore und Greg Anderson von Sunn0))) für das dezente Keyboardspiel und die sachten Synthesizer-Sounds federführend sind, erstrahlen zwar “Ouroboros is broken” und “Coda maestoso in f(flat) minor” immer noch drohend dunkel, aber trotzdem wesentlich heller und ambienter als je zuvor. Und in diesem Gewand der Konzentration auf unterschwellige Melodien anstelle dröhnenden Dooms machen sich Earth allemal nicht schlecht.

Überhaupt klingen alle Songs – inklusive der Rarität “Plague of angels” von der limitierten Earth-Sunn0)))-10-Inch – in ihrer Art und Weise viel mehr nach countrylastigem Western, was nicht nur am Gitarrenspiel und dem Einsatz von Hörnern liegt, sondern auch trockenen Produktion überhaupt. Optisch wird dies natürlich hervorragend mit der konzeptuell dazugehörigen Live-DVD von Seldon Hunt belegt, der Earth auf ihrer Europatour filmisch eingefangen hat. Inklusive Jeans und Hemd mit Adleraufdruck. Nur die Ponys mussten zu Hause bleiben.

Tracklist:
01) ouroboros is broken
02) coda maestoso in f(flat) minor
03) miami morning coming down
04) plague of angels

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Es werde Mensch

Thursday, April 26th, 2007 at 01:09

| aktueller song: lamb – darkness |

Es werde Mensch
(April 2007)

Clemens Kogler – Herr Bar:

Technik, Technik, Technik. Soweit das Auge reicht. Es beginnt mit dem morgendlichen Zähneputzen, bei dem die extrem-bequeme Dr. Best Mega 5000 zum Einsatz kommt, damit man seinen Arm nicht schon so früh am Morgen bewegen muss. Zum Mittag gibt es lasch aufgewärmte Tiefkühlmoppelkotze bei drei Minuten und 600 Watt. Und seinen Feierabend verbringt man vor dem trendy Flachbildschirm oder schaut sich völlig verpixelt-pickelige Teenies an, die Model, Superstar oder sonstwas werden wollen. Hauptsache im Fernsehen. Schöne Scheiße, schöne Technik, schönes Leben!

Vor lauter Freizeit lassen wir uns einfach nur berieseln und umgeben uns mit überflüssiger Technik, in der Hoffnung unser Leben würde so einfacher. Weit gefehlt! All die Gadgets dieser Welt hindern uns daran selbstständig zu handeln. Sie klauen uns die elementarsten Fähigkeiten der Sinneswahrnehmung und fühlen sich dabei noch nicht einmal schuldig. Im Gegenteil, wir lieben ja diese Helferlein. Doch eigentlich müssten wir den Großteil des überflüssigen Schrutzes verdammen, ja gar verbannen, sind sie doch dafür verantwortlich, dass sich im Winter Strandatmosphäre in uns breit macht, es Mitte Mai noch schneit oder uns so viele Zivilisationskrankheiten in die Hölle befördern. Vom Verlust jeglicher kommunikativer Fähigkeit abseits von Smileys und kryptischen Abkürzungen mal ganz abgesehen. Allein dafür müsste es schon lebenslänglich geben.

Doch was bringt schon das ewige Gejammere um den Verfall der sozialen Kompetenzen oder das Verfluchen von nutzlosen, technischen Entwicklungen? Viel schöner ist die Welt von Clemens Koglers “Herr Bar”. Eine Welt, in der scheinbar alles im Einklang ist. Ein Traum! Tiere rennen freudig über die Wiese, Züge und Flugzeuge düsen durch die Landschaft und trotzdem blühen die Blumen noch in ihren schönsten Formen und Farben. Ideologisch geprägte Wahnvorstellungen? Vielleicht früher, aber heute oder gar in der Zukunft sicher nicht. Selbst geregelte Jahreszeiten gibt es in Clemens Koglers Welt noch. Völlig verrückt.

Richtig absonderlich wird es ab dem Zeitpunkt, wenn der Betrachter realisiert, dass der Mensch selbst das Bindeglied seiner Welt ist. Und es steigt oder fällt mit ihm. Tiere, Technik und Natur sind nämlich auch nur Menschen. So zumindest in dem Video, in dem Vögel aus Händen geformt sind, Pflanzen aus Fingern und Eisenbahnen aus Kussmündern. Doch was abstrakt und witzig erscheint, verdeutlicht zwei elementare Dinge: Der Mensch hält als scheinbares Überwesen alle Fäden in der Hand. Und setzt sich über alles hinweg: Tier, Natur und Vernunft. Und zweitens: Alles hat ein Ende, und sogar ein gutes Ende – mit uns, dem Leben und der Welt.

Aber “Herr Bar” ist mehr als ein putziges Video, in dem Schokoküsse zu Heißluftballons mutieren oder nackte Genitalien als Bäume auf der Wiese stehen. Vielmehr ist sein Film ein Appell: Ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit und Mut. Mut, die Dinge seiner täglichen Umgebung auch einmal mit anderen Augen zu sehen. Besser eine rosarote Brille als sich blind zu stellen. Clemens Kogler thematisiert den Missstand der Ellenbogengesellschaft, wird aber nicht moralisch, sondern gibt Verbesserungsvorschläge: Konzentration auf das Wesentliche. Und abseits jeglicher Technisierung den Alltages erforschen. “Technik darf die menschlichen Fähigkeiten nicht ersetzen” meinte der Rennfahrer Mario Andretti. Sonst passiert uns dasselbe wie in Koglers Film: Wir fressen uns selbst. Die gefletschten Zähne haben wir schon.

* video: clemens kogler – herr bar (d, 2007)
* music: clark, warp records

© written for oh! videomagazine

Posted in Video, texte
by admin

Drei Wetter Taft

Saturday, April 21st, 2007 at 14:34

| aktueller song: the chariot – they drew their swords |

Static-X – Cannibal
Vö: 27. April 2007
Label: Reprise / Warner
Länge: 36:58 min
Hit: Cannibal
Punkte: 6/10

Static-X - Cannibal

Ob nun eisige Kälte auf einem Fischkutter im Nordpolarmeer, Monsunregen in Bangladesch oder tropische Hitze im privaten Arbeitszimmer: Das Wichtigste ist, dass die Frisur sitzt. In den oberen Firmenreihen zieht man es mittlerweile sogar in Erwägung, Wayne Static als Aushängeschild einzusetzen, da sich indessen bei der blonden Löwenmähne aus der Werbung der Saft ausgeschubst hat. Und das Kerlchen doch ein viel besserer Werbeträger wäre.

Bei Static-X ist immer noch alles senkrecht. Auf dem Kopf und auch so. Den künstlerischen Abstiegen nach “Wisconsin death trip” wurde genauso getrotzt wie zig Ein- und Ausstiegen diverser Bandmitglieder, wobei einige moralisch und strafgesetzlich überaus fragwürdig waren, aber das ist ein anderer Schuh. Viel wichtiger ist allerdings die Erkenntnis, dass Static-X den Knall verpennt haben, was aber letztlich gar nicht einmal so schlimm ist. Leadgitarrist und Programmierfreak Koichi Fukuda ist inzwischen wieder an Bord, und die Band in Originalbesetzung tut nun so, als wäre die New-Metal-Blase nie geplatzt. Da muss wohl auch einiges von diesem beharrlichen Drei Wetter Taft in den Boxen hängengeblieben sein, wenn nun “Cannibal” so klingt als wäre es anno 2000 aufgenommen wurden. Das waren noch Zeiten!

Doch was oftmals als Beleidigung fungiert, kann für manche aber auch ein Kompliment sein. Und tatsächlich stechen Static-X mit ihrem steril-maschinellen Sound zu dieser markanten Stimme ihres Frontmannes in diesen Tagen noch mehr heraus als zur damaligen Zeit, in der es mit Fear Factory oder Spineshank immerhin noch Genre-Konkurrenz gab. Doch wer nun denkt, Static-X würden sich als Überlebende auf den Lorbeeren ausruhen, muss auch leider enttäuscht werden. Sicherlich lädt dieser antiseptische Stil und dessen weiterhin konsequente Fortführung dazu ein, der Band Stillstand vorzuwerfen, doch würde das “Cannibal” keineswegs gerecht werden.

Allein schon im Titeltrack wird deutlich, dass sowohl Gitarrensoli, wie auch Elektroelemente wesentlich mehr in den Vordergrund rücken. Und das auf dem Härteniveau von “Wisconsin death trip”, wie das anschließende “No submission” unter anderem beweist. Natürlich ist das auf die gesamte Albumlänge alles nicht ganz so rund, aber damit haben Static-X auf ihrem “Evil disco”-Trip eh nichts zu tun. Das sieht man schließlich schon an dem eckigen Klotz auf dem Kopf vom Sänger.

Tracklist:
01) cannibal
02) no submission
03) behemoth
04) chemical logic
05) destroyer
06) forty ways
07) chroma-matic
08) cuts you up
09) reptile
10) electric pulse
11) goat
12) team hate

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Pollenplage

Friday, April 20th, 2007 at 14:41

| aktueller song: the chariot – they drew their swords |

Haste The Day – Pressure The Hinges
Vö: 23. März 2007
Label: Century Media / EMI
Länge: 62:21 min
Hit: Chorus Of Angels
Punkte: 3/10

Haste The Day - Pressure The Hinges

So langsam wird schon wieder Sommer. Da sprießen hier und da zig Blümchen aus allen Ecken, farbenfroh wie hunderttausende Metalcore-Bands und deren omnipräsenten Pollen in Form von Veröffentlichungsfluten, pubertären Fans und Klischeewahn fliegen auch noch ungehalten umher. Hatschi. Gesundheit! Danke.

Doch es ist wie immer: es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Früher war das echt alles noch okay, da konnte man zu den ballernden und geifenden Hits namens “Blue 42″ und “American Love” auf jeder noch so großen Frühlingswiese richtig heftig krachen gehen. Keine Sau hat’s gestört. Das hat noch Fun gemacht. Aber vor zwei Jahren ging‘s dann langsam los mit der Plage. Kleine Pollen umschwirbelten uns auf “When Everything Falls” wie süße Melodien und dachten sie könnten uns ärgern. Taten sie auch teilweise. Klein, aber rotzfrech die Biester. War aber noch auszuhalten das Ganze.

Dieses Jahr ist aber der totale Overkill. Die Frontpolle Jimmy Ryan wurde erfolgreich bekämpft und immun gemacht und stattdessen durch Stephen Keech ersetzt. Von jetzt an läuft die Nase ununterbrochen. Sie weiß gar nicht mehr, auf was sie zuerst allergisch reagieren soll. Den Austausch dieser markanten, angestochenen Stimme durch diesen trällernden Standard? Diese unspannende Strukturiertheit in allen Songs durch die Bank weg? Die aalglatte Produktion, die jedem englischen Golfrasen Konkurrenz machen könnte? Oder gar doch die cleanen Refrains, die im Ohr stechen und fiepen, als ob sich die Megaallergie schlechthin direkt im Hirnzentrum breit machen würde.

So rennt man nun stets mit dem vollgerotzten Taschentuch durch die Kante oder übersieht sogar fast die paar schönen Dinge, die der Frühling doch noch für einen parat hat. Die feinen Doublebässe gegen Ende des Titeltrack “Pressure The Hinges” zum Beispiel. Oder “Chorus Of Angels”, das im verspielten Midtempo-Bereich als verspielte Halbballade zu glänzen vermag. Da weiß man wenigstens noch, was man am Frühling hat. Aber ansonsten: gute Besserung!

Tracklist:
01) eye of the needle
02) pressure the hinges
03) the minor prophets
04) the oracle
05) white collar
06) needles
07) janet’s planet
08) servant ties
09) stitches
10) vertigo
11) akeldema
12) eremu
13) chorus of angels
14) in memory
15) sea of apathy (demo)
16) chorus of angels (demo)

© written for popcultures

Posted in Platten
by admin

Kurz und knapp

Thursday, April 19th, 2007 at 01:02

| aktueller song: imperial – remember hell |

Raised Fist, To Kill, I Hate Sally, Berri Txarrak
12. April 2007 – Karlsruhe, Substage

Raised Fist

Man stelle sich vor, es wäre ein Konzert und keiner ginge hin. Fast so geschehen im Karlsruher Substage. Da konnte einem die erste Band Berri Txarrak schon fast leid tun, bei der trotz hinausgezögertem Beginn hochgerechnet 35 Mann vor der Bühne standen. Dadurch dass das Substage nicht gerade winzig ist und der obligatorische Sicherheitsabstand von drei Metern bewahrt werden musste, war die gefühlte Anzahl allerdings noch erheblich geringer. Allein nur der Ansatz von Stimmung war also komplette Fehlanzeige. Und die Band trug dazu noch erheblich bei. Denn abgesehen von dem für einen Otto-Normal-Deutschen recht kryptischen Namen, wurde auch nur schwer verständliche Musik geboten. Das lag zum einen daran, dass die Texte in Baskisch gesungen werden und zum anderen daran, dass die Mischung aus Punkrock, Metal, Hardcore und zig anderen Geschichten einfach zu viel des Guten ist. So verlieren sich Berri Txarrak immer mehr in wilden Stil und Taktwechseln zwischen Ignite und System Of A Down und schlussendlich verstreuen sich die ohnehin wenigen Besucher in andere Ecken des Clubs.

I Hate Sally hatten es da um einiges einfacher. Zwar herrschte immer noch gähnende Leere vor der Bühne, aber immerhin waren ein paar Leute sichtlich gespannt darauf, was wohl die wuselige Sängerin Dee Prescott so zusammenschreien würde. Das war zwar insgesamt nicht mehr als guter Durchschnitt, weil stimmlich wie instrumental eine gewisse Varianz fehlte, aber immerhin um einiges druckvoller als die Band zuvor. Zur Belohnung für eine engagierte Show an der Schnittstelle zwischen Punk, Hardcore und Metal sah man sogar ein paar Köpfe mitnicken und Füße mitwippen. Immerhin.

Mit einer großen Menge Gespringe und Rumgehüpfe wollten To Kill dem noch eins draufsetzen, aber schossen sich mit eigener Plakativität selbst ins Abseits. Zwar fühlten sich ein paar zu diesem teils recht erfrischend old-schoolig angehauchtem Edger-Hardcore zum bewegen animiert, doch ein ebenso großer Teil konnte sich das Schmunzeln zu ad absurdum führender Straight-Edge-Propaganda nicht verkneifen. Gerade auf Momente, in denen man überraschenderweise Einflüsse von Modern Life Is War zu vernehmen mochte, folgte wieder diese Prollomanier in Stile von Teamkiller oder Final Prayer & Co. Nein, danke, denn das hätten To Kill eigentlich gar nicht nötig.

Der “Ja, bitte, geht doch”-Gedanke schwirrte einem dafür aber des Öfteren bei Raised Fist durch den Kopf. Zum einen weil das Substage nun mittlerweile doch halbwegs gut besucht war und außerdem weil Raised Fist überraschend gut waren, hatten sich doch viele vorherige Show oft der klinisch trockenen Atmosphäre ihrer Songs angepasst. Doch dass es auch anders geht, bewiesen die Schweden heute tatsächlich, denn nicht umsonst stand die Show unter dem Motto “Fickt die Bude kaputt!”. Zumindest sagste dies Sänger Alexander “Alle” Rajkovic in gutem Deutsch nicht nur einmal. Doch trotz heftigem Treiben auf der Bühne, hochrotem Geschrei des Frontmannes und extrem lauter Boxenbeschallung schwappte der Funke nie so wirklich über, wie man das von anderen Raised Fist Shows gewohnt war, in denen Publikum und Bühne verschmolzen und Menschen sich übereinander stapelten. Doch Raised Fist sahen es gelassen und zogen ihre Sache so konsequent durch, wie es sich für eine routinierte Hardcore-Band gehört. Dementsprechend schnell war dann allerdings auch mit dem aber trotz allem recht abwechselungsreichen Set Schluss, das sowohl einen Großteil an Songs von aktuellen Album “Sound Of The Republic” beinhaltete, nebenbei allerdings auch ältere und ganz alte Sachen berücksichtige. Kurz aber gut sozusagen. Das Ohrenpiepen am nächsten Tag hat sich also gelohnt.

© written for triggerfish & last.fm

Posted in Konzerte
by admin

Selbstläufer

Monday, April 16th, 2007 at 14:25

| aktueller song: the secret – oslo |

Interview mit Patrick Grün / Caliban
(April 2007)

Caliban

Euer neues Album ist im Kasten. Was sind die Gründe, warum man sich als Hörer “The Awakening” unbedingt anhören sollte?

Ich denke, dass “The Awakening” das beste Album ist, was wir je gemacht haben. Wir haben es geschafft, alle Stärken der letzten 4 Alben zu komprimieren und unter einen Hut gebracht.

Wie unterschied sich die Herangehensweise beim Schreiben und Einspielen im Vergleich zu den Vorgängern? Was ist anders? Oder was auch gleich?

Wir haben diesmal alles komplett in die Hände unseres Gitarristen Marc gegeben. Er hat mit Benny Richter (Butterfly Coma) alle Songs geschrieben und die ganze Vorproduktion gemacht. So konnten wir uns auf unsere Sachen konzentrieren. In meinem Falle das Trommeln.

Ihr habt das Album diesmal selbst produziert. Warum? Was birgt das für Vorteile und worin liegen die Nachteile dieser do-it-yourself-Aktion?

Das war gar nicht so geplant und wurde schnell zum Selbstläufer. Marc hat mit Benny gearbeitet und an den Songs gebastelt. Schnell wurde klar, dass das die perfekte Arbeitsweise ist und das Benny der beste Mann für dieses Album. Es war dann nicht mehr notwendig noch jemand anderen mit ins Boot zu nehmen. Der Vorteil ist einfach, dass wir mit einem guten Freund das Album aufgenommen haben und da keine Berührungsängste hatten, da man sich schon seit Jahren kennt.

Im Vorfeld wurde verkündet, Caliban würden sich wieder mehr an ihren Wurzeln orientieren. Spielte diese Hardcore-Mentalität da auch mit rein, sprich effektiver mit weniger Mitteln selbst viel rauszuholen und bewirken zu können?

Nein! Eine Richtung zurück zu den Wurzeln ist einfach eher nur im Songwriting zu sehen. Wir haben ein härteres Album geschrieben, was sich eher an “Vent” und “Shadow Hearts” anlehnt.

Für den Vorgänger musstet ihr viel Schelte von Kritikern und Fans einstecken, weil das Album angeblich zu uninspiriert, zu hitorientiert und überproduziert war. Viele ältere Fans wendeten sich ab. Wie geht ihr damit um?

Wir bringen immer nur das Album raus was wir auch für gut halten. Dass man nicht immer jeden Geschmack trifft ist klar. Aber das wollen wir ja auch nicht. Dass sich Leute abwenden, weil ihnen ein Album nicht gefällt, ist hart, aber nun einmal wahr. Aber vielleicht gewinnen wir diese mit dem neuen Album zurück.

Ist diese Kritik auch der Grund dafür, warum “The Awakening” so schnell in die Läden kommt, schließlich ist der Vorgänger nur knapp ein Jahr alt.

Wir hatten zwei Daten für unseren Release. Mai und September. Und da wir zwischen zwei Touren Zeit hatten und Marc weitestgehend die Songs im Kasten hatte, haben wir uns für Mai entschieden und dann das Kind in trockene Tücher gebracht. Und außerdem ist bei Release “The Undying Darkness” 15 Monate alt.

“The Awakening” wirkt komplexer, weil es weniger Hits hat und mehr Wert auf die Stimmung legt. Warum geht es genau und was ist das Ziel des Albums in euren Augen?

Wir haben kein genaues Ziel gehabt. Wir wollten keinen logischen Nachfolger zu “The Undying Darkness” machen sondern eher ein Album machen, womit keiner gerechnet hat, sprich den sogenannten Aha-Effekt erzeugen. Die Texte sind nicht mehr so negativ und traurig. Quasi wie ein Phönix aus der Asche. Es ist jetzt auch mal Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Erhofft ihr euch, weil es eben wieder etwas härterer zur Sache geht, alte Fans zurückzugewinnen?

Das war nicht das Ziel irgendeinen zu gewinnen, aber ich kann mir vorstellen, dass ältere Fans die auf “Vent” und “Shadow Hearts” stehen, dieses Album wieder eher zusagt als “The Opposite From Within” oder “The Undying Darkness”.

Es gibt kein obligatorisches Intro mehr, stattdessen aber in einigen Songs verschiedene Arten von Interludes und kleine elektronische Spielereien. Was hat euch beeinflusst speziell im letzten Jahr, um mal was anderes zu versuchen?

Benny hatte ja schon auf den Vorgängern ein bisschen was an Intros oder Keyboardspielereien beigetragen. Das hat uns einfach gut gefallen und wir wollten das einfach ein wenig häufiger auftauchen lassen. Das lockert die ganze Sache ein wenig auf und macht es, zumindest für meinen Geschmack, interessanter.

“The Awakening” wirkt sehr bemüht, aber an einigen entscheidenden Stelle vielleicht nicht konsequent genug, weil die Songs bis auf einige Zwischenparts eben doch auf Nummer sicher gehen. Warum nicht mehr künstlerische Experimentierfreudigkeit?

Das sehe ich ganz anders. Wir sind viel experimenteller geworden und vertrackter in einigen Stellen. Das Songwriting wird konsequenter durchgeführt und die Songs sind alle sehr stimmig. Aber ich kann nicht sagen, dass sie auf Nummer sicher gehen.

Müssen einfach bestimmte Klischees heutzutage erfüllt werden wie z.B. Blut oder Totenköpfe auf Covern und Shirts, “dreckige” Optik bei Myspace oder den Bandseiten? Langweilt das nicht auf die Jahre?

Auf dem neuen Album ist kein Totenkopf. Auf “The Undying Darkness” auch nicht. Unsere Myspace-Seite ist klar und sehr undreckig. Aber du hast Recht wenn du sagst, dass das Merch oftmals so aussieht. Aber das Ding ist, dass es so verlangt wird. Nicht von uns, sondern von den Leuten die es tragen. Die Leute wollen Totenköpfe, Flügel, Blut und so einen Scheiß auf dem Shirt. Also, haben wir auch was für diese Leute im Petto. Aber wir bieten ja auch andere Dinge an und wenn du die dann von den Verkaufszahlen her betrachtest, siehst du, die Leute wollen keine Experimente in dem was sie tragen. Leider!

Falls euch das komplette Metal-Leben einmal langweilig werden würde, was würdest du stattdessen machen? Oder was hättet du in einem zweiten Leben für höhere Ziele der Selbstverwirklichung abseits der Musik?

Ich würde gerne eine Bungaloanlage in Thailand besitzen. Nach meinem Urlaub vor 10 Jahren, träume ich von nichts anderem mehr.

Zum Abschluss ein paar reale Lebenstipps: was sollte man in diesen ersten Frühlingstagen unbedingt machen? Und was für Musik sollte dabei auf jeden Fall laufen?

Für Leute wie mich mit Heuschnupfen, nicht zu lange warten – wie ich – Medikamente zu nehmen. Ich dachte, ich müsste sterben als die ersten Sonnenstrahlen kamen und die Pollen flogen. Aber sonst, raus an die Luft und dazu Seeed und Clueso hören, mit Kollegen chillen den lieben Gott einen netten Menschen sein lassen.

Vielen Dank meinerseits. Wenn nun noch irgendwas gesagt werden soll, möchte oder gar muss …

Ich bin kein Mensch großer Worte, aber ich danke allen die uns über all die Jahre supportet haben und mit uns durch dick und dünn gegangen sind. Ohne Euch wären wir nichts. Danke!

© written for popcultures

Posted in Interviews
by admin

Schicksalsbegnadigung

Friday, April 13th, 2007 at 21:36

| aktueller song: caliban – i believe … |

Saliva – Blood Stained Love Story
Vö: 20. April 2007
Label: Island / Universal
Länge: 39:58 min
Hit: Broken Sunday
Punkte: 4/10

Saliva - Blood Stained Love Story

Was soll man zu Saliva eigentlich noch sagen? Im Grunde haben wir doch alles schon durchgekaut und abgearbeitet. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir die Band auch schon längst abgehakt. Saliva machen Neo-Grunge im Nickelback-Stil, geben sich und ihre Musik für verdammt primitive Filme wie “The Fast And The Furious”, “Spiderman” oder auch “Daredevil” her und scheinen mittlerweile auch für jedes zweite Computerspiel irgendwas zusammenzuzimmern. Und und und. Nicht zu vergessen die Songs für das World Wrestling Entertainment, aber das hatten wir ja auch schon. Ach, und Filme macht Frontmann mittlerweile auch. Alles in allem gibt das sicher ordentlich Zaster, kann aber trotzdem nichts an der Tatsache ändern, dass man sich als Hörer trotz emsigen Outputs seitens der Band einzig an diese Nummer mit Chad Kroeger erinnern kann. Schrecklich.

Und das war ohnehin nur der Beginn eines künstlerischen Abstiegs, der sich auf unserer Seite mehr als anschaulich wiederspiegelt: im Jahre 2002 4/10, 2003 dann 3/10 und 2004 atemberaubende 2/10. Nicht wenige Bands von Welt lösten sich nach unseren aufrüttelnden Verrissen glücklicherweise auf, doch Saliva wollten nicht hören. Ausgerechnet jetzt wollen sie es sogar noch einmal beweisen. Und das scheinbar richtig, denn Josey Scott und Co. ließen sich mit “Blood stained love story” ordentlich Zeit. Ein letztes Aufzucken vielleicht.

Fast ist man schließlich beim Hören dann überrascht, vielleicht sogar entsetzt, was die Ohren da aufzunehmen scheinen. Denn abgesehen von den P.O.D.-mäßigen “Boom!”-Sprechchören ist die erste Single “Ladies and gentlemen” um einiges weniger peinlich als erwartet. Typisch glattgebügelter Radiorock mit einprägsamer Melodie also, aber da hätte man durchaus mehr falsch machen können. Völlig verrückt wird es danach bei “Broken sunday”. Nicht, dass der Song an sich abgedreht wäre oder so, nein. Dadurch, dass hier auf weitere peinliche Unwörter verzichtet wird, mausert er sich zum Höhepunkt des Albums. Überhaupt ist das Anfangstrio verblüffend okay, wenn man in diesem Zusammenhang das Wort “gut” umgehen möchte, weil es einem selbst unangenehm wäre. “Never gonna change” ist eine der vielen Powerballaden, die aber abgesehen von der Eingängigkeit eben nicht diese nervende Nickelback-Stimme besitzt.

Doch als man gerade dabei war, sein Urteil über Saliva nochmals zu revidieren und ihnen noch eine Chance zu geben, kommt mit “King of the stereo” der beste Beweis dafür, dass die Band es in den letzten drei Jahren doch nicht verlernt hat, blamable Song zu schreiben. Witzigerweise wird man jetzt noch einmal an P.O.D. erinnert, was nicht unbedingt nur an der Ähnlichkeit des Songnamen zu “Roots in stereo” liegt, sondern am genauso albernen Gesinge und dem “Uhu” im Hintergrund. Schreck lass nach! Aber für die vorherbestimmte 1/10 hat es dann doch nicht gereicht.

Tracklist:
01) ladies and gentlemen
02) broken sunday
03) never gonna change
04) king of the stereo
05) one more chance
06) going under
07) twister
08) black sheep
09) starting over
10) here with you

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin