Angie vs. Metal
| aktueller song: eminem – mosh |
Darkness Over Europe: Caliban, Bleeding Through, All Shall Perish, I Killed The Prom Queen, Butterfly Coma
24. März 2007 – Berlin, SO 36
[mygal=caliban01]
Dunkel war es an diesem Abend wirklich über Europa. Und über Berlin speziell. Mächtig dunkel. Zum einen war halb Deutschland wieder wie blöd scharf auf Fußi mit Kuranyi und die gefühlten anderen 30 Millionen versammelten sich kollektiv vorm Brandenburger Tor, um sich anzuhören wie Angie über europäische Verfassungen visioniert. Beides ist aber nach 15 Minuten hohl und langweilig. Also doch lieber wieder Metalkrach der Europa- und Kickerhysterie vorgezogen.
Doch auch im Berliner SO 36 war es heute erst einmal nicht anders – nämlich ebenso voll und hysterisch. Und hohl irgendwie auch. Denn wenn man überpünktlich 20 Uhr, wie es die Karte vorschreibt, eintrifft und dann noch genau drei Songs von I Killed The Prom Queen sieht, dann hat wohl jemand das mit der Zeitumstellung an diesem Wochenende nicht ganz geblickt. Mehr als ärgerlich wieder einmal für die Band Butterfly Coma, die in einer halbleeren Halle spielte und dabei so tun musste, als würde sie dieser Umstand überhaupt nicht stören. Aber auch ärgerlich für die Leute, die sie verpassten. Zum Glück war das interkulturelle Publikum ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, sonst hätten sie doch glatt das Klischee des stets organisatorisch-pünktlich korrekten Deutschen revidiert.
Ebenfalls nochmal überdenken sollte man das Urteil über die Australier von I Killed The Prom Queen, denn über eine solide Leistung kamen die drei gehörten Lieder keineswegs hinaus. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass ohnehin nur fünf Songs gespielt werden durften und der neue Sänger Colin Jeffs in seiner Rolle als Frontmann noch nicht richtig warm geworden ist. Zwar knüppelte das “Music For The Recently Deceased”-Eröffnungs-Dreiergespann aus “Sharks In Your Mouth”, “Say Goodbye” und “666″ auch live ordentlich, doch der Funke konnte bei einem derart kurzen Gastspiel nicht überspringen und schwupsdiwups sagten die Jungs dann wirklich goodbye.
Fast hatte man schon Angst, wenn das bei den nächsten drei Bands in diesem atemberaubenden Tempo weitergehen sollte, dass man sich wirklich noch am Brandburger Tor Monrose oder Joe Cocker anschauen musste. Doch All Shall Perish sei Dank sollte daraus nichts mehr werden, denn wer nach diesem Auftritt noch lauffähig war, hat entweder das komplette Set auf dem Klo verbracht oder hatte einen großen Beschützer, wie diese kleinen Mädchen, die sich im wirklich übel abgehenden Pit aufgehalten haben, aber sobald sie auch nur berührt wurden, der beschützende Freund kam und epileptisch um sich schlug. Der brave Ritter. Aber ganz abgesehen davon war die Partystimmung wirklich berechtigt, denn “The Price Of Existence” in Liveform animierte nicht nur die schier tausendfachen Stagediver, sondern sorgte auch weit hinten für Kopfnicken. Spaß gab es trotz stressig-wummernder Hassmucke aber auch zur Genüge auf der Bühne, denn Sänger Eddie hatte Geburtstag, sein Neffe wurde geboren und sicher noch zig andere Glücksfälle, die ihn selbst zum Stagediven und wilden Rumwirbeln anstachelten. Witziger Höhepunkt waren dann die locker 15 weiblichen Fans beim Hand-in-Hand-Stagediven. Schön gemacht von denen. Und der Band sowieso.
Bleeding Through hatten daraufhin leichtes Spiel in der Mischung aus noch bestehender Euphorie und gleichzeitiger Vorfreude auf Caliban. Selbstverständlich machte die Band wieder einen auf dicke Hose, aber im Gegensatz zu früheren Shows konnten sie diesmal überraschenderweise auch musikalisch überzeugen. Doch sieht man von dem Intro und einigen Zwischensequenzen einmal kurz ab, fragt man sich trotzdem immer noch, warum sie die Keyboarderin Marta Peterson eigentlich live dabei haben. Nichts gegen die junge Dame, aber ihr qualitativer Status reicht einfach nicht über das Gutaussehen hinaus, obwohl doch eigentlich musikalisch mit dem Tastengedrücke noch viel mehr rauszuholen wäre, aber stattdessen werden die elektronischen Spielereien einfach vom restlichen Krach übertönt. Schade. Aber angesichts der erheiterten Lage dürfte das so ziemlich jeden egal gewesen sein und das Publikum war ohnehin schon dreiviertelst fertig.
Der finale Abschuss kam dann für viele, als Caliban nach dem Opener “I Rape Myself” und “In The Revenge” schon beim dritten Song zur mittlerweile vollkommen künstlich-gestellten wall of death aufriefen. Doch siehe da, auch beim 345345-mal machen wieder alle mit und “Stigmata” wird zum reinen Prügelsong. Glücklicherweise gab es aber mit einem erneuten Geburtstagsständchen für All-Shall-Perish-Eddie eine kurze Verschnaufpause und 20 Flaschen Wasser ins Publikum. Aber wirklich große Entspannungszeiten gab es trotzdem nicht, denn Sänger Andy Dörner verzichtete diesmal auf große Reden und auch viele Songs vom aktuellen “The Undying Darkness” und beschränkte sich mehr aufs Wesentliche. Und das waren diesmal viele härtere Songs und ein neuer, der aber – abgesehen davon, dass er instrumentaler klang – gar nicht einmal sonderlich herausstach. Ob das nun gut oder schlecht ist, dürfte dann “The Awakening” restlos aufklären. Fest steht allerdings jetzt schon, dass Caliban trotz all ihrer Für und Wieder immer noch ordentlich Dampf machen können. Einzig die cleanen Gesangsstimmen von Denis Schmidt gingen wieder einmal unter, aber das gehört ja mittlerweile genauso zur Band wie die wall of death und das Gefühl das komplette Set wäre ein einziger Breakdown. Wobei allerdings letzteres ja nicht zwangsläufig schlecht sein muss.
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