Archive for March, 2007

Angie vs. Metal

Friday, March 30th, 2007 at 02:21

| aktueller song: eminem – mosh |

Darkness Over Europe: Caliban, Bleeding Through, All Shall Perish, I Killed The Prom Queen, Butterfly Coma
24. März 2007 – Berlin, SO 36

[mygal=caliban01]

Darkness Over Europe: Caliban

Dunkel war es an diesem Abend wirklich über Europa. Und über Berlin speziell. Mächtig dunkel. Zum einen war halb Deutschland wieder wie blöd scharf auf Fußi mit Kuranyi und die gefühlten anderen 30 Millionen versammelten sich kollektiv vorm Brandenburger Tor, um sich anzuhören wie Angie über europäische Verfassungen visioniert. Beides ist aber nach 15 Minuten hohl und langweilig. Also doch lieber wieder Metalkrach der Europa- und Kickerhysterie vorgezogen.

Doch auch im Berliner SO 36 war es heute erst einmal nicht anders – nämlich ebenso voll und hysterisch. Und hohl irgendwie auch. Denn wenn man überpünktlich 20 Uhr, wie es die Karte vorschreibt, eintrifft und dann noch genau drei Songs von I Killed The Prom Queen sieht, dann hat wohl jemand das mit der Zeitumstellung an diesem Wochenende nicht ganz geblickt. Mehr als ärgerlich wieder einmal für die Band Butterfly Coma, die in einer halbleeren Halle spielte und dabei so tun musste, als würde sie dieser Umstand überhaupt nicht stören. Aber auch ärgerlich für die Leute, die sie verpassten. Zum Glück war das interkulturelle Publikum ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, sonst hätten sie doch glatt das Klischee des stets organisatorisch-pünktlich korrekten Deutschen revidiert.

Ebenfalls nochmal überdenken sollte man das Urteil über die Australier von I Killed The Prom Queen, denn über eine solide Leistung kamen die drei gehörten Lieder keineswegs hinaus. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass ohnehin nur fünf Songs gespielt werden durften und der neue Sänger Colin Jeffs in seiner Rolle als Frontmann noch nicht richtig warm geworden ist. Zwar knüppelte das “Music For The Recently Deceased”-Eröffnungs-Dreiergespann aus “Sharks In Your Mouth”, “Say Goodbye” und “666″ auch live ordentlich, doch der Funke konnte bei einem derart kurzen Gastspiel nicht überspringen und schwupsdiwups sagten die Jungs dann wirklich goodbye.

Fast hatte man schon Angst, wenn das bei den nächsten drei Bands in diesem atemberaubenden Tempo weitergehen sollte, dass man sich wirklich noch am Brandburger Tor Monrose oder Joe Cocker anschauen musste. Doch All Shall Perish sei Dank sollte daraus nichts mehr werden, denn wer nach diesem Auftritt noch lauffähig war, hat entweder das komplette Set auf dem Klo verbracht oder hatte einen großen Beschützer, wie diese kleinen Mädchen, die sich im wirklich übel abgehenden Pit aufgehalten haben, aber sobald sie auch nur berührt wurden, der beschützende Freund kam und epileptisch um sich schlug. Der brave Ritter. Aber ganz abgesehen davon war die Partystimmung wirklich berechtigt, denn “The Price Of Existence” in Liveform animierte nicht nur die schier tausendfachen Stagediver, sondern sorgte auch weit hinten für Kopfnicken. Spaß gab es trotz stressig-wummernder Hassmucke aber auch zur Genüge auf der Bühne, denn Sänger Eddie hatte Geburtstag, sein Neffe wurde geboren und sicher noch zig andere Glücksfälle, die ihn selbst zum Stagediven und wilden Rumwirbeln anstachelten. Witziger Höhepunkt waren dann die locker 15 weiblichen Fans beim Hand-in-Hand-Stagediven. Schön gemacht von denen. Und der Band sowieso.

Bleeding Through hatten daraufhin leichtes Spiel in der Mischung aus noch bestehender Euphorie und gleichzeitiger Vorfreude auf Caliban. Selbstverständlich machte die Band wieder einen auf dicke Hose, aber im Gegensatz zu früheren Shows konnten sie diesmal überraschenderweise auch musikalisch überzeugen. Doch sieht man von dem Intro und einigen Zwischensequenzen einmal kurz ab, fragt man sich trotzdem immer noch, warum sie die Keyboarderin Marta Peterson eigentlich live dabei haben. Nichts gegen die junge Dame, aber ihr qualitativer Status reicht einfach nicht über das Gutaussehen hinaus, obwohl doch eigentlich musikalisch mit dem Tastengedrücke noch viel mehr rauszuholen wäre, aber stattdessen werden die elektronischen Spielereien einfach vom restlichen Krach übertönt. Schade. Aber angesichts der erheiterten Lage dürfte das so ziemlich jeden egal gewesen sein und das Publikum war ohnehin schon dreiviertelst fertig.

Der finale Abschuss kam dann für viele, als Caliban nach dem Opener “I Rape Myself” und “In The Revenge” schon beim dritten Song zur mittlerweile vollkommen künstlich-gestellten wall of death aufriefen. Doch siehe da, auch beim 345345-mal machen wieder alle mit und “Stigmata” wird zum reinen Prügelsong. Glücklicherweise gab es aber mit einem erneuten Geburtstagsständchen für All-Shall-Perish-Eddie eine kurze Verschnaufpause und 20 Flaschen Wasser ins Publikum. Aber wirklich große Entspannungszeiten gab es trotzdem nicht, denn Sänger Andy Dörner verzichtete diesmal auf große Reden und auch viele Songs vom aktuellen “The Undying Darkness” und beschränkte sich mehr aufs Wesentliche. Und das waren diesmal viele härtere Songs und ein neuer, der aber – abgesehen davon, dass er instrumentaler klang – gar nicht einmal sonderlich herausstach. Ob das nun gut oder schlecht ist, dürfte dann “The Awakening” restlos aufklären. Fest steht allerdings jetzt schon, dass Caliban trotz all ihrer Für und Wieder immer noch ordentlich Dampf machen können. Einzig die cleanen Gesangsstimmen von Denis Schmidt gingen wieder einmal unter, aber das gehört ja mittlerweile genauso zur Band wie die wall of death und das Gefühl das komplette Set wäre ein einziger Breakdown. Wobei allerdings letzteres ja nicht zwangsläufig schlecht sein muss.

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Relativitätstheorie

Tuesday, March 27th, 2007 at 17:26

| aktueller song: arsonists get all the girls – limbo |

Shadows Fall – Threads Of Life
Vö: 30. März 2007
Label: Roadrunner / Warner
Länge: 49:02 min
Hit: Burning The Live
Punkte: 5/10

Shadows Fall - Threads Of Life

Die Zeit ist nun einmal relativ und daran können auch Shadows Fall nichts ändern. Zum einen ist es wirklich so, dass die Mannen um Brian Fair scheinbar versuchen wollen neue Maßstäbe in Sachen Veröffentlichungsintervalle zu setzen, andererseits wird genau das auch zum Problem und fällt der Band nun auf die Füße. Und so muss schon das Doppelgespann aus dem Opener “Redemption” und “Burning The Live” mit relativ differenzierten Ohren gehört werden. Zum einen sind die beiden Songs relativ eingängig und dazu stets relativ wummerig, aber dennoch relativ melodisch und trotzdem relativ aggressiv-metallisch noch dazu. Nicht ohne der Spaß, aber nichtsdestotrotz letztenendes vielleicht doch relativ schnell vergessen, weil Shadows Fall ja eben nicht sonderlich viel Zeit hatten der Kreativität vollends freien Lauf zu lassen.

Neben all den okayen, aber auch nicht mehr, klingenden Metalriffs und den zum Glück nicht allzu weit in den Vordergrund gemischten Doublebässen, sticht vor allem der Gesang heraus und rettet, was die teils doch etwas angestaubten Melodien verspielen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Halbballade “Another Lost Hero” am Ende auch gar nicht einmal so doof klingt und trotz fast steriler Cleanheit irgendwie hängenbleibt. Nur schade letztendlich, dass damit der Track Nummer sechs schon das Ende der Platte bildet. Qualitativ gesehen. Denn was die ersten drei bis vier Songs noch etwas knackig macht, versammeln sich in den letzten nur schon längst verbrauchte Ideen, die ein bisschen aufpoliert wurden oder neu in Szene gesetzt wurden. Kann man machen, sollte man aber nicht unbedingt, wenn man eine Platte durchweg spannend halten möchte. Also das nächste Mal bitte mehr Zeit nehmen liebe Shadows Fall, denn selbst eine Veröffentlichung nach 18 Monaten ist noch schnell hinterher geschoben. Relativ gesehen.

Tracklist:
01) redemption
02) burning the live
03) stormwinds
04) failure of the devout
05) venomous
06) another lost hero
07) final call
08) dread uprising
09) the great collapse
10) just another nightmare
11) forevermore

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Ganz in weiß

Friday, March 23rd, 2007 at 17:17

| aktueller song: logh – a new hope |

Polarkreis 18, Radar
21. März 2007 – Jena, Rosenkeller

[mygal=polarkreis01]

Polarkreis 18

“Bass, Bass, wir brauchen Bass! Was geht’n Alter? Bass, Bass wir brauchen Bass!”

Das dachte sich sicher auch die Vorband Radar an diesem Abend. Denn nachdem das Konzert nach gefühlten fünf Stunden des endlosen Wartens endlich einmal losging, regierte die Prämisse “je mehr umso besser”. So stand man nun in der neuen Konzertkammer des Rosenkellers und wurde förmlich überrollt vom Bassbrummen. Und da das Gewölbe bis auf diesen kleinen Eingang keinerlei Zufluchtsmöglichkeiten bot und ohnehin schon relativ voll war, fühlte man sich erstmal schier erschlagen. Aber im Grunde soll‘s das auch schon gewesen sein mit Verwunderungen, denn nachdem nach zwei Songs die Soundprobleme bereinigt wurden, entpuppte sich die instrumentale Musik der Band als großes Sammelsurium von Postrock-Klängen, die aber in Sachen Dramaturgie, Spannung und schöne Melodien nicht allzu viel Gutes auffahren konnte. Zwar wird das Set gegen Ende hin etwas abwechslungsreicher, was aber auch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass auf und vor der Bühne kühle Distanziertheit herrschte und das alles am Ende nicht mehr als einen Anstandsapplaus wert war. Schade drum.

Mehr als bedauerlich war weiterhin, dass sich die Technikprobleme auch bei den Senkrechtstartern von Polarkreis 18 nicht legen sollten. Und so addierten sich zu den fünf Stunden vor Radar locker noch einmal gefühlte vier bevor die fünf Dresdner Jungspunde die Bühne betraten. Das Keyboard konnte glücklicherweise ausgetauscht werden, aber spätestens beim Ausfall der Akustikgitarre musste dann mit der Elektrischen improvisiert werden. Was im Übrigen gar nicht einmal so dumm war, denn ansonsten wäre der Pathosfaktor sicher nochmals um einiges höher ausgefallen. Also nichts gegen Klavierballaden als Zugabe oder seichten Indierop/rock à la “Chiropody”. Im Gegenteil. Aber die Theatralik die Felix Räuber während seiner Show darbietet ist schon gewöhnungsbedürftig und sorgte beim Publikum für einige Verwirrungen. Aber auch das Gegenteil war der Fall – und das ist jetzt keine Story – denn so junge Kerle komplett in weiß gehüllt, konnte so mancher Mann (!) nicht verkraften und versuchte des öfteren den anderen jungen Mann am Mikro zu begrabschen. Kein Ei, stimmt wirklich. Aber die Band ließ sich von soviel Fan sein nicht aus der Ruhe bringen und auch das stetige Gerede und Getratsche ignorierten sie gekonnt. Nur kurz vor der Klavierzugabe hatte man das Gefühl der Sänger sei ziemlich genervt gewesen davon und schwieg anschließend einfach bis sich die Lautstärke im Publikum zumindest etwas legte. Zum Glück fiel dieser Umstand bei den restlichen Songs nicht sonderlich schwer ins Gewicht, denn die Hits wie “Crystal Lake” und “Dreamdancer” wurden energisch abgefeiert. Und auch beim finalen Soundgewichse wurde die Lautstärke mit schierem Noise-Abgang überboten. Sehr hübsch, denn gerade das zeigte noch einmal, dass Polarkreis 18 nicht unbedingt die süße Popband mit Drang zur orchestralen Anmutung ist, sondern vielmehr kniffige Soundtüfftler. Auch wenn der Kniff mit der Technik ihnen in Jena einen Strich durch die Rechnung machte. Auch schade drum.

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Bis morgen

Thursday, March 22nd, 2007 at 20:00

| aktueller song: preschool tea party massacre – riggs! |

A Day To Remember – For Those Who Have Heart
Vö: 23. März 2007
Label: Victory / Soulfood
Länge: 42:39 min
Hit: The Plot To Bomb The Panhandle
Punkte: 5/10

A Day To Remember - For Those Who Have Heart

Einige Bandnamen sind einfach viel zu schön, um wahr zu sein. Und viel zu einladend, um auf die Steilvorlagen zur Verwurstung und Überinterpretation nicht einzugehen. Natürlich sind uns die Regeln aus dem Seminar “Musikjournalismus für Dummies in 24 Stunden” noch bekannt, aber auch der Aufbaukurs “Musikkritik 2.0 in drei Lektionen” kann uns davon nicht abhalten: “A Day To Remember” beschreibt einfach alles, was bei “For those who have heart” zum Schluss hängen bleibt – die Erinnerung an einen Tag, an dem man so kurz davor war, ein kleiner Hype zu sein, bevor das komplette Popcore-Genre wegen kollektiver Einfallslosigkeit geschlossen wurde. Schade drum.

Knapp daneben ist aber bekanntlich auch vorbei. Und so ist es wirklich höchst fraglich, ob sich morgen oder gar heute abend noch jemand an diesen poppigen Hardcore erinnert, der oftmals stimmlich und instrumental punkig angehaucht ist und genau dann regelmäßig die Metalcore-Keule auspackt, kurz bevor man sich zwischen den sonnigen Mitsingpassagen die Wattebällchen vor Emohit-Alarm gequält noch tiefer ins Ohr reindrückt. Im Grunde ist das Ganze ja gar nicht einmal so extremst doof, weil die Mischung zwischen bolzender Härte und schwulstigem Poprock hier auf eine neue, extremere Stufe gestellt wird. Poppunk ist dann also auch wirklich richtiger Pop mit all seinen quietschenden oh-la-la-las. Und Metalcore auch diese stampfende Breakdown-Schiene, bei der harte Jungs austicken und der Sänger beim Schreien das komplette Mikro verschlingt. Und das wohlgemerkt in 1×3 Minuten! Kann man also durchgehen lassen.

Problematisch wird es dann nur, wenn die Bandmitglieder eindeutig zu viel in dem Kurs “Hitorientierung in drei Minuten” gesessen haben. Denn abgesehen von der obligatorischen Ballade “The price we pay” und einiger weniger Spielereien zur Auflockerung in “Monument”, folgt jeder Song ein und demselben bürokratischen Schema F. Und was anschließend dabei rauskommt, ist ein Album, das unvorstellbar unspannend ist. Immerhin gibt es aber zum Runterkommen mit “The plot to bomb the panhandle” tatsächlich einen Hit, der heraussticht und etliche Tage überdauern könnte. Und beim Rest geht es einem dann so wie A Day To Remember selbst in einiger Zeit: Man erinnert sich zurück an den Tag, an dem man soooo knapp davor war, das beste aus Emo und Metalcore zu verbinden, das Hypometer auch gestimmt hat, aber es dann leider doch nicht geklappt hat, weil nicht viel auf Dauer hängen bleibt. Damn it!

Tracklist:
01) fast forward to 2012
02) speak of the devil
03) the danger in starting a fire
04) the plot to bomb the panhandle
05) monument
06) the price we pay
07) colder than my heart if you can imagine
08) show em the ropes
09) a shot in the dark
10) here’s to the past
11) i heard it’s the softest thing ever
12) start the shooting

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Party, Paartyyy!

Friday, March 16th, 2007 at 00:01

| aktueller song: zozobra – soon to follow |

Enter Shikari – Take To The Skies
Vö: 16. März 2007
Label: Pias / Rough Trade
Länge: 52:43 min
Hit: Enter Shikari
Punkte: 5/10

Enter Shikari - Take To The Skies

Klaro, schöne Sache mit Frauchen oder der Klassenprinzessin so gemütlich auf dem Sofa zu liegen, Wein in Griffweite und ergreifenden Postrock im CD-Player. Hach! Aber tagein, tagaus dieser “Spaß”? Nein, schönen Dank auch. Mit Sicherheit nicht. Für das Familien-Spießer-Ding sind wir doch alle noch viel zu jung. Und da zählen bekanntlich andere Sachen: Wann ist endlich wieder Wochenende? Wann ist man das nächste Mal betrunken? Wieso kann man eigentlich nicht jeden Tag Party machen?

Enter Shikari haben das allerdings raus. Definitiv. Erst mischen die MySpace mit 92.159 Freunden (Stand: 13. März 2007, 11:38 Uhr MEZ) auf, ohne irgendwas Großes in der Hand geht es dann mit den übergroßen Billy Talent auf Tour in noch megagröße Hallen. Und wenn jetzt endlich das längst überfällige Debütalbum rauskommt, drehen einige Mädels sicher schon beim Hören des Namens Enter Shikari völlig frei und überall blicken Glitzerherzchen auf. Verständlich, immerhin besteht die Band ja auch aus vier blutjungen Bubis mit blonden Strähnchen. Aber auch die Musik ist schließlich für Mädchen gemacht.

Mädchen, die vor einiger Zeit noch diese Schlümpfe-Technoplatten gehört haben und sich bei Enter Shikari in den klaren Gesangspassagen an genau diese Zeit erinnert fühlen. Und auch Mädchen, die das Comeback der DJ-Bobo-Beats nicht mehr abwarten können und schon ganz wuschig darauf sind, zu den zig Interludes und mit Trance unterlegten Songs ihre Hüften wippen zu lassen. Party olé! Doch der Punkt ist, dass man sich das alles erst schön trinken muss. Mit nüchternen Ohren betrachtet ist der Gesang eine relativ dünne bis wirklich nervige Sache (“Mothership”, “Anything can happen in the next half hour …”), und die elektronischen Elemente übertreffen auch selten das 90er-Jahre-Bravo-Hits-Niveau. In anderen Ländern wird schon für weniger hingerichtet.

Doch das mit dem Schönsaufen klappt wirklich. Denn gerade der Einstieg in das Album mit diesem Intro und anschließendem Popdance-Hit “Enter Shikari”, der mit Mädchengekreische beginnt, dann so metalcorig loswummert und dazu ordentlich Geschrei dabeihat. Ja doch, das kann was. Mit zwei Promille. Da macht es irgendwie Spaß, selbst einmal wieder ein bisschen rumzuzappeln. Auch wenn man natürlich nicht weiß, ob man eher die Breakdownpose auspacken soll oder die alten Mayday-Moves. Überhaupt sind die Songs genau dann fetzig, wenn Scooter sich im Hardcore probiert oder umgekehrt circa Funeral For A Friend Prodigy-Samples in ihre Songs einspielen. Erfrischend witzig und durchweg partytauglich allemal. Der Soundtrack zum Flatrate-Saufen.

Doch jeder Spaß hat irgendwann einmal sein Ende. Am nächsten Morgen über dem Klo oder eben nach dreimaligen Hören, weil beispielsweise die “Labyrinth”-Synthesizer ganz einfach nicht so sonderlich toll sind, und die Kollegen von Underoath oder Horse The Band, jeweils in ihre Richtung, durch dieses Tastendrücken vielmehr rausholen zu wissen. Vielleicht ist es also auch gar nicht so verkehrt, wenn einem auf “Take to the skies” ohnehin eine gewisse Liveatmosphäre durch Gekreische und Geklatsche vorgegaukelt wird. Allein zuhause oder mit Freundin funktioniert das eh nicht. Samstagabend im Rockschuppen zum Doppeldecker umso besser. Enter Shikari haben das Partyprinzip nun mal durchschaut: Immer schön die Mädchen angeln, die Kerle kommen dann von alleine.

Tracklist:
01) -
02) enter shikari
03) mothership
04) anything can happen in the next half hour …
05) -
06) labyrinth
07) no sssweat
08) today won’t go down in history
09) -
10) return to energizer
11) -
12) sorry you’re not a winner
13) -
14) jonny sniper
15) adieu
16) ok, time for plan b
17) -

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Groezrock 2007

Friday, March 9th, 2007 at 12:39

| aktueller song: amen ra – the pain it is shapeless |

Groezock 2007
27.-28. April 2007 – Meerhout-Gestel (Belgien)

Groezock 2007

Angefangen hat es wie immer als kleines Hinterhof Konzert, doch mittlerweile ist das Groezrock nicht mehr wegzudenken. Jahr für Jahr treffen sich alte Helden und neue heiße Anwärter im idyllischen Dörfchen Meerhout, um so richtig derbe zu rocken. Zum letztjährigen 15. Geburtstag wurde das Festival erstmalig auf 2 Tage ausgedehnt, aber dieses Jahr wurde das Groezrock nochmals erweitert. So gibt es nun auch am Freitag zwei Bühnen zur Verfügung:

Lineup:

Freitag – 27. April 2007

We Rock Stage

  • Enter Shikari
  • Saosin
  • Big D & The Kids Table
  • Motion City Soundtrack
  • All American Rejects
  • New Found Glory

Eastpak Core Stage

  • Gallows
  • Senses Fail
  • Stretch Arm Strong
  • No Turning Back
  • Caliban
  • Death By Stereo

Samstag – 28. April 2007

We Rock Stage

  • Death Before Disco
  • Hit The Lights
  • Streetdogs
  • The Ataris
  • Mxpx
  • Mad Caddies
  • Tiger Army
  • Rise Against
  • Strung Out
  • Lagwagon
  • Jimmy Eat World
  • Lost Prophets

Eastpak Core Stage

  • Cancer Bats
  • Full Blown Chaos
  • Deadline
  • The Bronx
  • Aiden
  • Sparta
  • Terror
  • Converge
  • Thursday
  • Ignite
  • Hatebreed

Infos:

Freitag: 28 Euro
Samstag: 43 Euro
Kombiticket: 58 Euro (ohne Camping)
Kombiticket: 64 Euro (mit Camping)

* groezrock (be)
* groezrock (de)
* groezrock (myspace)

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Argwohn

Tuesday, March 6th, 2007 at 21:25

| aktueller song: bodi bill – traffic jam |

Unknown
Titel: Unknown
Vö: 15. Februar 2007
Verleih: Ascot Elite
Genre: Thriller | USA 2006
Länge: 98 min
Regie: Simon Brand
Drehbuch: Matthew Waynee
Musik: Angelo Milli
Kamera: Steve Yedlin
Schnitt: Luis Carballar
Darsteller: u.a. Jim Caviezel, Greg Kinnear, Bridget Moynahan, Joe Pantoliano, Barry Pepper
Punkte: 7/10

Unknown

Handlung:

Völlig überrascht wachen fünf Männer in einer total heruntergekommenen und zerfallenen Industrieanlage aus der Bewusstlosigkeit auf, die irgendwo im Nirgendwo der Wüste liegt. Alle sind noch sichtlich gezeichnet von einem brutalen Kampf, bei dem einer angeschossen wurde, zwei noch gefesselt sind und überhaupt jeder irgendwelche Blessuren davongetragen hat. Doch das schlimmste überhaupt ist, alle haben keinerlei Erinnerung an das, was geschehen ist, wie sie hierher gelangt sind und wer sie überhaupt eigentlich sind. Schnell schöpft jeder Verdacht gegen den anderen und keiner traut keinem. Bruchstückhafte Erinnerungen, die mit der Zeit wiederkehren, verstärken dieses Misstrauen zusehends. Doch aller Hass gegeneinander bringt nichts, denn immerhin sitzen scheinbar alle momentan im selben Boot in dieser verlassenen Gegend. Rätselhafte Telefonanrufe, eine Leiche im Spind und alte Zeitungsschnipsel lassen die Situation weiter nach oben kochen, doch mittlerweile hat sich auch “Besuch” in der Anlage angekündigt, von dem die fünf auch nicht wissen, auf wessen Seite er steht. Doch die Zeit bringt Rat.

Hintergrund:

Aus nicht ganz verständlichen Gründen erscheint dieser Film in Deutschland nur auf DVD, obwohl sich das Ergebnis durchaus sehen lassen kann und auch die Darsteller einiges hermachen. So kann man mit Schauspielern à la James Caviezel (Déjà Vu, The Passion Of The Christ, Frequency), Greg Kinnear (Little Miss Sunshine, Godsend), Barry Pepper (Flags Of Our Fathers, Saving Private Ryan), Bridget Moynahan (Lord Of War, I. Robot), Joe Pantoliano (Bad Boys II, Memento, Matrix), Jeremy Sisto (Wrong Turn) und Peter Stormare (Constantine, 8mm, Armageddon) durchaus von einem Staraufgebot sprechen. Und auch Regisseur Simon Brand ist längst kein unbekannter Name mehr, der sich mit dem Drehen von Musikvideos einen guten Ruf machte. Sein größtes Problem beim Drehen von Unknow bestand in der Locationauswahl, bei der sich während der Dreharbeiten herausstellte, dass der für perfekt geglaubte alte Industriekomplex schon in vier anderen Filmen als Kulisse diente. Doch durch differenzierte Blickwinkel kaschierte Brand mit seinem Kamerateam diesen “Fehler”.

Sinn:

Freilich erinnert der Handlungseinstieg mit diesem irgendwo Aufwachen und nicht mehr Wissen wie man dahin gekommen ist, stark an Saw und Cube gleichzeitig, aber davon sollte man sich nicht beirren lassen. Denn schon zu Beginn wird deutlich, dass “Unknown” sich bewusst abgrenzen will. Besonders in den Anfangsszenen besticht der Film durch scharfkantige Schnitte und schönen Kamerafahrten, die mehr an eine gewisse Videoästhetik erinnern. Auch mit der Story an sich wird das kreative Potential nochmals unter Beweis gestellt und durch das Springen zwischen den Handlungssträngen gepaart mit Flashbacks stets die Spannung hochgehalten. Und gerade dann, wenn man gegen Ende denkt den Film und Charaktere durchschaut zu haben und dieser droht etwas abzuflachen, kommt nochmals eine Wendung, die abermals alles in ein anderes Licht rückt. Clevere Idee, auch wenn manche Ideen und Entscheidungen der Akteure zu plötzlich und zu ruckartig passieren. Etwas mehr psychologischer Tiefgang wäre gerade bei der Thematik des Identitätsverlusts also wünschenswert gesehen. Aber am Ende klärt sich ja alles auf. Großteils.

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falsche Zurückhaltung

Monday, March 5th, 2007 at 16:08

| aktueller song: polarkreis 18 – comes around |

Callejon, War From A Harlots Mouth, Willschrey, N-Jected
03. März 2007 – Düsseldorf, Stahlwerk

Callejon

Da hat es der Veranstalter wohl etwas zu gut gemeint mit dem Heimspiel des Düsseldorfer Headliners Callejon. Zwar war das Stahlwerk recht gut besucht, aber die Lücken zwischendrin doch ziemlich groß. Und überhaupt stellte das Düsseldorfer Publikum an diesem Abend wieder einmal unter Beweis, warum es mit Sicherheit nie eine Metal-Hardcore-Hochburg hier geben wird. Durchgehende Reserviertheit war die ernüchternde Folge.

So versuche auch N-Jected-Sänger Hubertus mit spitzen Ansagen die Leute vor der Bühne irgendwie in Bewegung zu versetzen, doch funktionierte dies nicht einmal bei seinen Schreiparts. Und dabei waren sowohl der Sound und auch die klaren Gesangslinien, die den Songs einen Touch von 36 Crazyfists verleihen, im Grunde in Ordnung. Vielleicht lag es aber auch daran, dass N-Jected mit 40 Minuten zu Beginn schon mit Abstand die längste Spielzeit hatten und für diese Zeit die Songs trotz variablen Gesangs relativ ähnlich und vorhersehbar daherkommen.

Größe Überraschungen hatten dann dafür Willschrey parat, auch wenn diese sich erstmal auf die Bandmitglieder selbst bezogen. So war der Sänger mit seinem angebrochenen Arm ziemlich gehandicapt und zudem musste die Band auf den Gitarrist Nummer zwei verzichten. Doch davon ließ sich keiner beirren und die halbe Stunde bot einen abwechslungsreichen Querschnitt durch Neues und Altes. Doch trotz Sympathieoffensive zu melodischem Hardcore wurde der solide Auftritt, der zwar mit einem mäßigem Sound zu kämpfen hatte, nur mit dem honoriert was die Leute am besten konnten: rumstehen und maximal Szenenapplaus verteilen.

Vielleicht war es deswegen gar nicht einmal so schlimm, wenn die nächste lokale Band Phatetic Illusions nicht auftreten konnte und stattdessen War From A Harlots Mouth aus Berlin spielten. Der Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn War From A Harlots Mouth waren mit Abstand die härteste Band des Abends und wenn das jetzt mit der Bewegung im Publikum nichts werden sollte, dann ist wohl Hopfen und Malz verloren. Und siehe da, immerhin ein paar Typen, die denken sie wären es, rudern leicht hohl und ein bisschen übertrieben in der Mitte rum, während auf der Bühne gefrickelt und gebolzt wird. Als Bonus gibt es mit “Uptown Girl … Uptown Girl … I Had A Crush On You, Oh Uptown Girl” sogar noch so etwas wie einen Mitsinghit. Doch die Zeit drängt und mittlerweile waren es kaum noch 30 Minuten, die für die Show übrig blieben.

Zudem müssen ja auch noch Callejon abgefeiert werden, die nach etlichen Querelen zum Heimspiel ansetzen dürfen, nachdem die letzte Tour gestrichen wurde. So ist es also auch nicht verwunderlich, dass sich nun doch langsam einmal das Publikum zu Wort meldet. Immerhin ist die Bühne auch mächtig groß, so dass auch dort ordentlich Gas gegeben werden kann. Zwar litt der Sound darunter etwas und auch die neuen Songs passten noch nicht so wie sie einmal werden sollten, aber immerhin wurde ordentlich rumgewuselt und einmal das komplette Album “Willkommen im Beerdigungscafé” runter gerockt. Zudem noch als Zugabe der alte Kracher “Astronaut”. Fein. Und endlich merkt man auch mal, dass paar Leute anwesend waren.

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Promoaufkleber

Sunday, March 4th, 2007 at 23:11

| aktueller song: 30 seconds to mars – the end of the beginning |

McQueen – Break The Silence
Vö: 26. Januar 2007
Label: Demolition / Plastic Head / Soulfood
Länge: 31:50 min
Hit: Break The Silence
Punkte: 6/10

McQueen - Break The Silence

Huch, da ist ja diesmal gar kein Aufkleber auf der CD! Schade, dabei hat der überdimensionierte “For fans of”-Sticker oft schon vor dem Hören des ersten Tons vieler Debütalben für einige ausgelassenen Lacher gesorgt. Aber lassen wir uns davon nicht beirren: Spielen wir doch jetzt selbst einmal Marketingchef und kleben eigenhändig einen drauf. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Referenzen ziemlich breit gefächert werden, weil sich damit natürlich die potentielle Käufermasse vergrößert. Und weil nun McQueen vier schnittige Girlies sind, die mit dezenten Miniröcken und Netzstrümpfen Blicke erhaschen wollen, könnte man durchaus Bif Naked schon einmal festhalten. Modernen, etwas punkigeren Rock macht die schließlich auch. Ohne Metaleinschlag zwar, aber egal, Frauen müssen da zusammenhalten.

Da wären wir auch schon fast bei Punkt zwei. Ganz wichtige Zielgruppe sind nämlich auch die toughen school girlz, die den fucked up bitches in der Klasse einmal ordentlich den Mittelfinger empor strecken. Am besten beide gleichzeitig. Und ja, die Schreibweise muss auch so sein, weil McQueen scheinbar auf diesen Slang stehen und textlich gerne in dieser “Cool”-Sprache pöbeln. Im Booklet nachzulesen lohnt also nicht unbedingt, aber beim Anhören ist dies noch halbwegs erträglich. Was zum Großteil daran liegt, dass die Stimme von Sängerin Leah Duors gar nicht einmal so schlecht ist und sowohl in ruhigen Passagen im Titelsong bis hin zu rotzigem Geschrei im Minihit “Neurotic” relativ variabel und kraftvoll ist. Nicht schlecht.

Auch nicht schlecht ist wieder einmal, wie jeder einzelne Song auf Mitsinghymne getrimmt wurde, die alle lockerflockig und ohne großes Nachdenken ins Ohr huschen. Selbstverständlich ist das dann gegen Ende ziemlich ausgekaut, weil Experimentieren nicht unbedingt zu den Hobbies der Klassenrebellinnen gehört, aber darum geht es bekanntlich auch nicht, wenn man der Barbietussi ins Gesicht spucken will. Dazu reicht es allemal. Und bevor der Gedanke unter den Tisch fällt. Ganz wichtig ist auch noch der Name von Crucified Barbara auf diesem Kleberlein, weil wenn man den Schwedinnen die Haarfarbe rumdreht, das eine Solo pro Lied klaut und etwas Kreide auf die Stimmbänder schmiert, man könnte sie fast mit McQueen verwechseln. Hinzukommt, dass die mit Motörhead zusammen auf Tour waren und das soll ja marketingtechnisch auch nicht das Schlechteste sein. Also fassen wir zusammen: “For fans of Bif Naked, Crucified Barbara, The Distillers und alle rotzigen Girlbands”. Und für alle die Avril Lavigne für babyhaften Mädchenrock halten.

Tracklist:
01) neurotic
02) dirt
03) running out of things to say
04) break the silence
05) numb
06) the line went dead
07) blinded
08) bitch
09) not for sale
10) don’t know how to break it to you

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