Archive for February, 2007

Abgefrickelt

Sunday, February 25th, 2007 at 13:13

| aktueller song: 27 – the light |

With Passion – What We See When We Shut Our Eyes
Vö: 02. März 2007
Label: Earache / Rough Trade
Länge: 52:33 min
Hit: What We See When We Shut Our Eyes
Punkte: 6/10

With Passion - What We See When We Shut Our Eyes

Nach dem ersten Hören ist das Fazit eigentlich schon fast im Kasten: besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht! Ganz eindeutige Geschichte also. Und als erstes schießen einem dabei natürlich Between The Buried And Me durch den Kopf. Diese wirre Mischung aus wahnsinnigen Breaks, die keiner so recht verstehen mag, dazu deathiges Gedresche und beides auf einem technisch beachtlichen Niveau. Puh!

Selbstverständlich ist dann auch mit “Triumph Over Tragedy” das obligatorische Keyboardintermezzo mit an Bord, was in diesem Falle in seiner orchestralen Art durchaus sehr erholsam wirkt, da die Frickelbrocken drum herum zum einen selten unter fünf Minuten lang sind und obendrein so viele Soli, Themenwechsel, winzige Ansätze von Melodie und gröbste Unordnung enthalten, dass der ganze Spaß schnell zu stressig werden könnte. Abgesehen davon könnte natürlich auch der Vorwurf laut werden, With Passion wollten mit ihrer Version des selbsternannten “Melodic Technical Death Metal” zwischen jenen Between The Buried And Me, The Dillinger Escape Plan und entfernteren At The Gates einfach zu viel des Guten und verzettelten sich daraufhin irgendwo.

Doch man glaubt es kaum und wagt es gleich gar nicht zu sagen: der Zweitling ist schon die eingängigere Variante! Was bei “In The Midst Of Bloodied Soil” noch ein progressiver Klumpen aus Gequietsche hier und Gedudel dort war, kann auf “What We See When We Shut Our Eyes” immerhin schon fast als Song betitelt werden. Zwar wurde der Einsatz von verspielten Keyboards wesentlich reduziert und eindeutig eine trashigere Richtung eingeschlagen, aber das tut dem ganzen keinerlei Abbruch. Was fehlt ist diesem ganzen hektischen Gezappel der Instrumente und dem zusätzlich solidem Geplärre eine eigene Note zu verleihen, die vielleicht nach dem mehrmaligen Hören den ersten Gedanken relativiert, dass hier von dort und überall die Rosinen ohne persönliche Briese raus gepickt wurden. Aber dem ist noch nicht so.

Tracklist:
01) pale horse’s ride
02) through the smoke lies a path
03) what we see when we shut our eyes
04) triumph over tragedy
05) tales of sirens
06) encryption
07) r.j. macready
08) forgotten amongst screams
09) vengeance in departure
10) a road for the worthy

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kaltes Wasser

Sunday, February 18th, 2007 at 18:23

| aktueller song: cult of luna – adrift |

3 Grad kälter
Titel: 3 Grad kälter
Vö: 16. März 2006
Verleih: Blue Eyes / Sabotage / Absolut Medien
Genre: Drama | D 2005
Länge: 104 min
Regie: Forian Hoffmeister
Drehbuch: Florian Hoffmeister, Mona Kino
Musik: Frank Hoyer
Kamera: Busso von Müller
Schnitt: Susanne Hartmann
Darsteller: u.a. Sebastian Blomberg, Meret Becker, Bibiana Beglau, Alexander Beyer
Punkte: 6/10

3 Grad kälter

Handlung:

Jan macht genau das, was sich viele wünschen, aber keiner traut: er haut einfach ab und lässt auf einen Schlag alles stehen und liegen. Was für ihn damit Freiheit bedeutet, machen sich die gemeinsamen Freunde Frank, Steini und Marie Sorgen. Auf der Suche im fernen Spanien erblickt Frank Jan am Strand, doch verschweigt er es den anderen, da er sich inzwischen in Jans Freundin Marie verliebt hat, die Jan bei seinem Verschwinden hat sitzen lassen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden Frank und Marie ein Paar, doch Marie hat das Fortgehen von Jan nie überwunden und so schreibt sie einen Brief, den sie aber dann doch nicht abschickt und stattdessen in den Müll schmeißt. Da Frank diesen aber findet und ihr Geständnis liest, beschließt er ihn selbst abzusenden. Plötzlich steht Jan nach Jahren wieder vor den Türen seiner alten Freunde. Und wirklich begeistert scheint keiner zu sein, da mit dem überraschenden Auftauchen viele Probleme aufkochen. Die Beziehung von Frank zu Marie. Die eigenen Gewissen. Der Verzweiflung von Jans Bruder Olli. Sein verlogener Freund Steini. Was ist also wichtiger, zu lieben oder geliebt zu werden?

Hintergrund:

Thematisch bietet “3 Grad kälter” wenig Anstößigkeit, Fragwürdiges oder Unmoralisches, aber dennoch ist der Film ziemlich umstritten und die Lager könnten kaum gespaltener sein. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn sozusagen. Einerseits wird der Film auf der Prämiere ausgepfiffen und anerkannte Filmportale und Magazine vergeben Kritikernoten grenzwertig gegen Null. Auf der anderen Seite hagelt es positives Feedback in den Feuilletons und wichtige Preise wie zum Beispiel den Silberner Leoparden auf dem Filmfest in Locarno. Fast könnte man also sagen, dass Regisseur Florian Hoffmeister mit seinem Debütfilm das Ziel erreicht hat: die Diskussion. Zuvor machte sich Florian Hoffmeister schon einen guten Namen als Kameramann für “Liegen lernen” oder auch “Paul is dead”, für die er zahlreiche Preise gewann.

Sinn:

Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Klar findet man sich anfänglich unter den vielen Charakteren nicht zurecht und fragt sich des Öfteren, wer nun wer sei und mit wem was zu tun hat. Extralange Bildeinstellungen, wortkarge Gespräche und die durchweg wehmütige Grundstimmung tun dann ihr übriges. Fast könnte man das Wort langweilig in den Mund nehmen, zumal dieser Stil die komplette Spielzeit konsequent durchgezogen wird. Doch das Ding ist ganz einfach, dass diese “langweilige” Ausdrucksweise in Sprache und Bildern nahezu perfekt zur Grundaussage des Films passt. Schließlich gibt es nicht für alles immer eine Erklärung und wahrhaftige Freiheit bedarf keinerlei Rechtfertigung. Zudem geht es in dem Film durchweg um das Unausgesprochene und welche Folgen es hat, nicht genug miteinander über die zwischenmenschlichen Probleme zu sprechen. Aufgrund genau jener Schwierigkeit ergeben sich auch erst all die Streitfragen zwischen den Charakteren. Unter diesen Umständen fallen nicht einmal die stoischen Gesichtsausdrücke der Darsteller sonderlich störend ins Gewicht, denn die Leistungen dieser sind durchaus passabel. Sogar noch mehr als das sind im übrigen die wirklich klassen Bildaufnahmen, die gerade zu Beginn über die etwas verwirrend zusammenlaufenden Handlungsstränge hinwegtrösten, aber das Kühle und Distanzierte künstlerisch einfangen. Immer schön subtil.

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Endzeitstimmung

Saturday, February 17th, 2007 at 14:24

| aktueller song: beneath the sky – last call |

Renaissance
Titel: Renaissance
Vö: 28. Dezember 2006
Verleih: Ascot Elite
Genre: Animationsthriller | GB/F 2006
Länge: 101 min
Regie: Christian Volckman
Drehbuch: Alexandre de La Patellière, Mathieu Delaporte
Musik: Nicholas Dodd
Kamera: Marc Miance (3D Executive Producer)
Schnitt: Pascal Tosi
Sprecher: u.a. Daniel Craig, Catherine McCormack, Jonathan Pryce, Sir Ian Holm
Punkte: 7/10

Renaissance

Handlung:

Das Paris im Jahre 2054 sieht düster aus. Der omnipräsente Großkonzern Avalon kontrolliert so ziemlich die ganze Stadt: verdeckte Mitarbeiter überwachen mafiaähnlich jede Straße, Kameras zeichnen jede Bewegung der Menschen auf und übergroße Werbetafeln runden die Propaganda ab. Doch auch all das kann nicht verhindern, dass das hübsche und aufstrebende 22-jährige Forschungsgenie Ilona Tasuiev spurlos verschwindet. Alle Indizien deuten auf eine Entführung hin. Doch auch der zuständige Polizeiinspektor Karas, der jeden seiner Fälle sachlich, zuverlässig und effektiv löst, kann in dem undurchsichtigen Pharmakonzern nicht viel Stichhaltiges in Erfahrung bringen. So nimmt er gemeinsam mit Ilonas ebenso schöner Schwester Bislane jede noch so kleine Spur auf, auch wenn die gegen so manche Vorschriften verstoßen. Doch der Erfolg gibt ihm recht, denn so langsam durchschaut er die weiße Weste von Konzernchef Paul Dellenbach und seinem Unternehmen. Ilona kam einem brisanten Thema auf die Schliche und die Zeichen einer großangelegten Verschwörung verdichten sich immer mehr.

Hintergrund:

Renaissance wurde komplett über das “Motion Capture”-Verfahren realisiert, was eine besondere Art der Bewegungserfassung darstellt. So werden bei dieser Technik menschliche Bewegungen so aufgezeichnet, dass es einem Computer ermöglicht wird diese Abläufe zu lesen und daraufhin weiter verarbeitet werden können. Die menschlichen Darsteller werden dazu in einen Anzug gesteckt, der mit verschiedenen weißen Bällen und Sensoren bestückt ist. Zahlreiche Kameras zeichnen dabei die Bewegungen der Markierungen auf und werten diese durch eine Bewegungserfassungssoftware aus, welche die Daten daraufhin in digitaler Form zur Weiterverwundung bereit stellt. Jene Rohdaten können dann wahlweise in verschiedene 3D-Systeme importiert und weiterbearbeitet werden. In einem Drahtgittermodell werden dann alle Punkte und Bewegungen verknüpft. Nachdem die Daten gerendert wurden, sieht es für den Betrachter aus, als würde die virtuelle Figur die Bewegungen des ursprünglichen Schauspielers ausführen.

Sinn:

“Renaissance” ist ein Film Noir, der dunkler nicht hätte sein können. Kantige und eigenwillige Charaktere in der düsteren Zukunft aus Intrigen, Gewalt und Verbrechen. Und selbstverständlich gibt es kaum Lichtblicke oder Glücksgefühle. Doch all das muss hinter den beeindruckenden Bildern anstehen. Animierte schwarz-weiß-Optik voller Kontraste, die stilvoll und erfrischend neu daherkommt. So neu sogar, dass der Film zu Beginn ziemlich anstrengend werden – rein optisch gesehen. Als Zuschauer wird einem die Möglichkeit genommen, sich an Farben oder Kleidungen der Charaktere zu orientieren. Was zählt, ist einzig die Mimik und Gestik und somit eine Reduzierung auf das eigentlich Wesentliche, was uns aber schon fast wieder zu hoch ist. Im Umkehrschluss ist es dann vielleicht schon verständlich, dass die Story des Film nicht sonderlich kreativ oder ausgefallen ist. Der Beginn ist schleppend, bevor man im wahrsten Sinne des Wortes lange im Dunkeln gelassen wird. Selbst das überraschende Ende ist ja für einen Film Noir irgendwo Pflicht. So mischt sich schließlich doch eine klitzekleine Brise Enttäuschung unter das überschwängliche Schwärmen über das extravagante und mehr als treffende Bilddesign. Fast hätte es also doch eine Wiedergeburt eines ganz großen Underground-Klassikers werden können. Knapp vorbei.

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Hypnotika

Thursday, February 15th, 2007 at 02:32

| aktueller song: sans seraph – eyes |

Justice – Escapades
Vö: 12. März 2007
Label: Reflections / Cargo
Länge: 36:55 min
Hit: I Need Air
Punkte: 3/10

Justice - Escapades

Hardcore ist schnell und hart. Ob das nun alles besonders kreativ oder gar innovativ ist, juckt bekanntlich kein Schwein. Hauptsache Schweiß, Geschrei, Emotionen und vor allem eine Menge Energie. Darum geht’s doch eigentlich. Wenn dann noch eine Band wie Justice den Kopf einen kleinen Blick hinter den Horizont wirft und ihre Version von Hardcore-Musik etwas gedrosselt und vertrackt gestaltet, dann ist das doch eigentlich relativ löblich. Immerhin ein Ansatz von Neuerung in einem wertkonservativen Genre. Gerade der Opener “I Need Air” schlägt noch eine ansehnliche Brücke zwischen groovender Melodie, ohne die nötige Energie missen zu lassen und wirkt dabei weder zu verschnörkelt, noch zu gradlinig. Und mit der Unterstützung durch Richie Birkenhead (Underdog, Into Another) wird dem ganzen auch stimmlich Abwechslung verliehen.

Doch das war‘s dann plötzlich. Erschreckenderweise plätschert das restliche Album im wahrsten Sinne einfach nur vor sich hin. “Don’t Tell Anyone” lässt einen nochmals kurz seine Meinung überdenken, da die schleppenden Instrumentalparts durchaus interessant sind, doch spätestens wenn die Stimme wieder einsetzt wird klar, dass das nichts Großes mehr werden wird. Verwunderlich ist, dass sich Justice ihrer Hardcorewurzeln doch bewusst sind, außerdem machen sie sogar einen leidenschaftlichen Sänger auf das Cover, aber dann vergessen sie urplötzlich, dass genau jene Energie und Power das Grundgerüst im Hardcore-Genre ist. Und so besinnt sich “Escapades” darauf, diese begonnene Midtempo-Stimmung so konsequent durchzuziehen, dass die Songs am Ende völlig träge und phlegmatisch vorbeilaufen. Zwar schön, dass Justice über den standardisierten Hardcore-Tellerrand geblickt haben, aber beim Essen dann vor Müdigkeit in der Soße einzuschlafen fetzt auch nicht wirklich.

Tracklist:
01) i need air
02) see me glow
03) don’t tell anyone
04) unsure
05) up and down
06) coming down
07) guilty
08) to remind me
09) do you know
10) push it to the edge
11) oh how we laughed

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Kicherbiest

Tuesday, February 13th, 2007 at 17:21

| aktueller song: mewithoutyou – orange spider |

The Host
Titel: Gwoemul
Vö: 29. März 2007
Verleih: MFA+
Genre: Science-Fiction-Drama | ROK 2006
Länge: 119 min
Regie: Joon-ho Bong
Drehbuch: Chul-hyun Baek, Joon-ho Bong, Won-jun Ha
Musik: Lee Byung-woo
Kamera: Kim Hyung-ku
Schnitt: Kim Seon-Min
Darsteller: u.a. Song Kang-ho, Byeon Hie-bong, Park Hae-il, Bae Du-na, Ko Ah-sung
Punkte: 3/10

The Host

Handlung:

Der amerikanische Militärstützpunkt nimmt es nicht so genau mit dem Entsorgen von giftigem Chemiemüll und so werden alle toxischen Mittel einfach in den nahegelegenen Han-Fluss mitten in Seoul geschüttet. Im Laufe der Jahre entwickelt sich daraus eine Mutation, eine Art amphibisches Monster in Übergroße, das nicht nur unheimlich sportlich ist, sondern sich auch hervorragend zu Land und zu Wasser fortbewegen kann. Scheinbar wahllos kidnappt das Ungeheuer nun Menschen und bringt sie in ein Versteck irgendwo in die Kanalisation. Manchmal nur die Überreste in Knochenform, aber manche sogar noch lebend. So auch die 12-jährige Tochter Hyun-seo des tollpatschigen Imbissbesitzers Gang-du. Doch als ihn seine totgeglaubte Tochter anruft und sagt, dass sie noch am Leben sein, mobilisiert er zusammen mit seinem Vater Hie-bong die restlichen Mitglieder seiner verqueren Park-Familie, um das junge Mädchen zu retten. Doch der Plan entpuppt sich als nicht ganz so einfach, da eigenes Missgeschick und die fehlende Unterstützung der Polizei und des Militärs, dass das komplette Gebiet zum Ausnahmezustand erklärt hat, sich als äußert hinderlich erweist.

Hintergrund:

Regisseur und Drehbuchautor Joon-ho Bong besitzt nach seinen beiden Filmen “Barking Dogs Never Bite” und “Memories Of Murder” bereits so etwas wie Kultstatus in seiner Heimat. In Südkorea hat “The Host” so mittlerweile über 130 Millionen Dollar eingespielt und wurde somit zum erfolgreichsten Film aller Zeiten vor “King And The Clown”. Rein rechnerisch dürfte also fast jeder dritte Einwohner Südkoreas diesen Film im Kino gesehen haben, dessen Konzept zu diesem Monsterfilm Regisseur Joon-ho Bong bereits an der High School im Kopf herumschwirrte.

Sinn:

Das Gute zuerst: endlich einmal ein Bestienfilm, in dem kein Superheld die Welt rettet und keine Armee die halbe Stadt zerbombt nur wegen einem Monsterfisch. Stattdessen nimmt eine schräge Familie den Kampf mit der Kreatur auf. Doch viel besser ist das auch nicht, da diese in vielen Szenen ebenso völlig hohl überzogen ist. Grundsätzlich wäre dies aber ja auch kein Problem, doch wird im Film nie so recht deutlich, was nun einer dieser gelegentlich vorkommenden, satirischen Seitenhiebe in Slapstickform ist oder ob es sich doch um erstaunliche Schwächen und Logikfehler in der Story handelt. Zu oft merkt man, wie erzwungen die Dialoge und verschiedenen Ebenen sind. Dramatische Momente, trockene Situationskomik und Ansätze von Horrorelementen sind zwar vorhanden, doch kratzen sie stets nur an der Oberfläche, ohne je zu wirken und intensiv zu ergreifen. Hinzu kommt das finale Zusammentreffen zwischen der Familie und dem Monster, dass “The Host” vollends unfreiwillig komisch macht. Trotz dass die Grafikspezialisten von Weta Workshop und Orphanage an den Spezialeffekten arbeiteten, wirkt in jener Szene das Monster so dermaßen albern-schlecht animiert, dass die Macher lieber auf diese Szene hätten verzichten sollen, um nicht komplett ins C-Film-Genre abzurutschen.

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Remake

Friday, February 9th, 2007 at 00:05

| aktueller song: a perfect circle – passive |

Callisto – Noir
Vö: 16. Februar 2007
Label: Fullstream / Pias / Rough Trade
Länge: 53:44 min
Hit: Wormwood
Punkte: 7/10

Callisto - Noir

Ist das jetzt sonderlich clever, gar Kalkül? Ein tiefgründiges Konzept? Eine Hommage? Vielleicht auch sogar ein gefälliger Zufall? Oder möglicherweise doch nur ein Spiel mit abgedroschenen Klischees? Callisto betiteln ihr zweites Album “Noir”. Und alles passt irgendwie. Jede noch so winzige Kleinigkeit erfüllt das, was man im Entferntesten mit “noir” alles verbinden kann. Film Noir allen voran. Unkonventionelle und düstere Krimiästhetik mit schlimmem Ende.

Natürlich springen Callisto auf diese Kopfkino- und Filmmusikschiene auf, dessen Klischee jeder fast oder rein instrumentalen Postrock-Band anheftet. Aber selten kamen all jene Stilmittel und bewussten oder unbewussten Einflüsse dermaßen augenscheinlich und explizit zum Zuge. Morbide schwarz-weiße Fotographie mit kontrastreichem Schatteneffekt bei miserablen Lichtverhältnissen als Cover. Hinterwäldler und Flüchtende in der Tracklist. Alles verschrobene Charaktere. Dazu eine Menge Pathos. Und das nicht nur als Songtitel.

Denn gerade jener Song “Pathos” versprüht so viel Pathos und schleppendes Leiden, dass man emotional eine eigene Tragödie daraus stricken könnte. Und die Tatsache, dass Callisto auf “Noir” wesentlich besonnener und ruhiger, fast könnte man sogar kühler sagen, daherkommen als zuvor, macht es nicht unbedingt einfacher. Dunkle Atmosphären werden zusätzlich mit jazziger Bläser-Melancholie zum Spiel der Akustikgitarre verstärkt, so dass der Metaphernwahn vollends beginnen kann und dem Pathetischen die Krone aufsetzt. Selbst die kurzen Momente, in denen die langen Instrumentalparts ausnahmsweise einmal einen Ansatz von Farbe enthalten, verstehen Callisto in bester Film-Noir-Tradition abrupt durch vereinzeltes Gegrunze zu beenden. Es könnte ja sonst jemand auf die Idee kommen, diese pessimistische Welt zu verlassen.

Doch bei aller Sympathie für jedes denkbare dunkle Szenario, bekommen Callisto stets noch den Bogen. Egal ob nun das Saxophon in “Wormwood”, spärliche Synthesizer-Einspieler oder knappe Töne einer Oboe: “Noir” verkommt nicht durch und durch zu einem nihilistischen Werk in bloßer Endzeitstimmung und reiner Brachialität, wie es Transmission0 arrangieren könnten. Vielmehr lassen Callisto den zwingend notwendigen Freiraum zur Selbstreflexion, was mittlerweile wahrscheinlich das fünfzehnte von fünfzig Stilmitteln des Film Noir wäre. Die Antihelden Hollywoods hätten es bestimmt nicht besser gemacht, denn das hier ist mit Sicherheit eine neumodische Hommage. Da sind wir uns jetzt einig.

Tracklist:
01) wormwood
02) latterday saints
03) the fugitive
04) backwoods
05) a close encounter
06) pathos
07) folkslave
08) woven hands

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Charmeoffensive

Thursday, February 8th, 2007 at 23:25

| aktueller song: kinski – edge set |

Do Make Say Think – You, You’re A History In Rust
Vö: 16. Februar 2007
Label: Constellation / Southern / Al!ve
Länge: 48:25 min
Hit: A With Living
Punkte: 7/10

Do Make Say Think - You, You're A History In Rust

Perfektion ist nichts. Makellose Schönheit ist nichts. Denn der wahre, charmante und zugleich umwerfende Reiz sind doch die kleinen Fehler und Macken. Diese niedlichen Sommersprossen auf der zu kleinen Nase. Das süße, aber irgendwie ein bisschen zu naiv-verschmitzte Gekicher dazu. Oder diese peinliche Fettnäpfchenaktion auf der letzten Betriebsversammlung über den modischen Ausrutscher des Chefs. All das verleiht uns doch Persönlichkeit und macht uns so liebenswert.

In der musikalischen Welt des Überdrusses sieht das keinen Deut anders aus. Perfektion ist nichts, wenn die Persönlichkeit fehlt. Der Charakter. Und somit das Liebenswerte. Zu konstruiert wirken oft die tiefschwarzen Ausuferungen mancher Postrock-Bands, die nach zwanzig Minuten mit Hilfe dreier Gitarren, die vollends auf Sturm und Apokalypse geschaltet sind, dem Ende der Welt erschreckend nahe kommen. Auch der Beginn von “Bound to be that way” klingt nicht gerade nach Blümchentanz, sondern eher nachdenklich innehaltend. Doch Do Make Say Think sind auf der guten Seite: Ziemlich plötzlich geht in dem Song die Sonne auf, und die gespielte Melodie könnte man durchaus mit leichtfüßig und erheitert bezeichnen.

Auch von überlangen Strukturen scheint die kanadische Band nicht mehr viel zu halten. Die zweiten drei Minuten entpuppen sich, nach einer kleinen Pause mit ganz entfernten Hintergrundgeräuschen, als eigenständiger Song unter dem gleichen Titel. “A with living” offenbart dann das, was wir mit diesen charakterbildenden Feinheiten meinen, die erheblich zur Authentizität und Persönlichkeitsentfaltung beitragen. Statt ausladender Überproduktion hört und sieht man förmlich das gemütlich eingerichtete kleine Studio. Und man sieht auch Tony Dekker und Alex Lukashevsky mit einem ganz leichtem Lächeln im Gesicht vorm Mikrophon singen, während daneben die Gitarristen mit ihrer Akustikgitarre sitzen und so an den Saiten zupfen, dass man jeden feinen Anschlag und jedes Entlang gleiten beim Umgreifen zu hören vermag.

Zwar reiht sich das überraschend gerade “The universe!” hervorragend in diese natürliche Atmosphäre ein, doch für einen durchweg rockenden Song, ohne überaus große Experimente mit unterstützenden Instrumenten, besitzt dieser etwas wenig Druck und wirkt vor dem verspielten “A tender history in rust” nicht unbedingt originell. Umso mehr kleine Feinheiten gibt es dafür in “Herstory of glory” oder “Executioner blues” zu entdecken. Kinderstimmen aus der Proberaumecke, Marimbaphone und viele andere hübsche Instrumente. Sogar Geklatsche und Gepfeife. All das eingefangen mit einer Authentizität die Persönlichkeit wiederspiegelt. Frei und unbefangen, ohne Drang zur Perfektion. Und genau das macht es so interessant. Trotz einiger Macken. Oder wegen?

Tracklist:
01) bound to be that way
02) a with living
03) the universe!
04) a tender history in rust
05) herstory of glory
06) you, you’re awesome
07) executioner blues
08) in mind

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Zeitmanagement

Wednesday, February 7th, 2007 at 23:08

| aktueller song: haste the day – blue 42 |

Killswitch Engage, The Haunted, Bring Me The Horizon
26. Januar 2007 – Chemnitz, Südbahnhof

[mygal=killswitchengage01]

Killswitch Engage

Mächtigst kalt war es. Und das nicht einmal zu knapp. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich gewesen, wenn der Andrang vor den noch geschlossenen Toren des Chemnitzer Südbahnhofs recht groß war. Alle wollten ein Plätzchen im etwas weniger kalten Vorraum haben. Und irgendwie wird es doch sogar etwas kuschelig eng und ein bisschen wärmer. Schön. Auch schön war übrigens, dass man gar nicht so lange auf die erste Band des Abends warten musste. Vielleicht dachten sich die Veranstalter ja, den Einheizer etwas vorzuziehen, damit dem armen Publikum nicht vollends etwas abfriert. Obwohl natürlich eher die Theorie wahrscheinlich ist, dass es sich hier um eine groß angelegte Tour handelt, auf der nichts dem Zufall überlassen wird und alles minutiöse durchgeplant ist. Ohnehin ging im Vorfeld schon einiges drunter und drüber.

Des einen Leid ist des anderen Glück. So geschehen auch bei der Vergabe des Slots für die erste Vorband. Bei Bury Your Dead stieg der Sänger aus, die Europatour sollte angeblich dennoch mit Ersatz gespielt werden und am Ende stehen doch die jungen Engländer von Bring Me The Horizon auf dem Plan. Rein optisch haben die zwar ihren eigenen Stil noch nicht so ganz gefunden und auch die Mischung aus Deathmetal und Metalcore ist nicht die innovativste, aber durchaus sehr solide. Vor allem Sänger Oliver Sykes wirbelt ordentlich umher und begeistert mit durchaus beachtlichem Geschrei. So ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass schon beim Opener einige ihre Arme kreisen lassen. Immerhin handelt es sich hierbei auch um die mit Abstand härteste Band des Abends. Doch neben reinem Krach gibt es mit “Tell Slater Not To Wash His Dick” auch Songs zu hören, die zeigen, dass Bring Me The Horizon etwas mehr Verspieltheit gar nicht einmal so schlecht steht. Doch zu mehr sollte es am heutigen Abend leider nicht reichen. Nicht wegen der Leistung, sondern wegen des Zeitplans.

Eben jener Plan ruft danach The Haunted auf die Bühne. Und so recht weiß man nicht, was man als Fazit mitnehmen soll. Einerseits überraschen The Haunted live mit Vielseitigkeit, Abwechslung und breitgefächerter Setlist, die von direkten Thrash-Songs für die Helden der täglichen Malocher-Arbeit, über melodiöse Mitsing-Hymnen, hin zu verspielten Instrumentaleinlagen des aktuellen Albums “The Dead Eye” reicht. Andererseits springt der Funke nicht so recht über, da die Band, abgesehen von einigen wenigen Ansagen zwischen den Songs, sehr distanziert wirkt und zudem das relativ junge Publikum mit dieser Form des klassischen, melodischen Death Metal scheinbar nicht so viel anzufangen weiß. Das schmälert natürlich nicht die Leistung der Band, denn gerade die komplexen Stücke der aktuellen Veröffentlichung wissen zu überzeugen.

Auch überzeugen tut der für den verletzten Adam Dutkiewicz eingesprungene Ex-Soilwork-Gitarrist Peter Wichers. Zwar kommt dieser mit seinen Einlagen nicht ganz an die Albernheiten des Killswitch-Engage-Stammgitarristen heran, sammelt aber dafür mit seinen nach hinten gegelten Haaren und Oberlippenbart wesentlich mehr Lässigkeitspunkte. Dem Publikum scheint dieser Wechsel völlig egal zu sein, denn Killswitch Engage werden so oder so abgefeiert, auch wenn die Halle als einige wenigen auf dieser Tour nicht ausverkauft ist. Seis drum. Kollektive Killswitch-Rufe ertönen trotzdem zwischen einigen Liedern und auch der sich kloppende Kreis in der Mitte wächst beachtlich an. Proportional dazu steigen auch die Lobeshymnen von Sänger Howard Jones an das Chemnitzer Publikum, dass sich in Sachen Textsicherheit zu allen gespielten Songs von “The End Of Heartache” und “As Daylight Dies” das Prädikat “sehr gut” verdient. Zur Belohnung gibt es wiederum witzige Einlagen der Roadies, Späße mit dem Dildokuchen an das Geburtstagskind der mitreisenden Mannschaft und sympathische Sprüche von Howard Jones. All das wirkt aber ein bisschen über die Tatsache hinweg, dass es soundtechnisch mit Sicherheit nicht der beste Tag von Killswitch Engage war. Das Schlagzeug bollerte zwar ordentlich und auch der Gesang konnte überzeugen, doch gerade die Feinheiten der verspielteren “My Curse” oder “The Arms Of Sorrow” des neuen Albums gingen etwas unter. Einiges gerettet hat dafür die obligatorische Zugabe “My Last Serenade”, auch wenn natürlich das Hauptaugenmerk der Setlist nicht auf jenen älteren Songs lag und nur ein Extrasong etwas dürftig ist. Aber das ist natürlich die Schuld des Zeitplans.

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Gefühlswirrwarr

Sunday, February 4th, 2007 at 04:00

| aktueller song: drop dead, gorgeous – e.r. |

World Trade Center
Vö: 28. September 2006
Verleih: UIP
Genre: Drama | USA 2006
Länge: 129 min
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Andrea Berloff
Musik: Craig Armstrong
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: David Brenner, Julie Monroe
Darsteller: u.a. Nicolas Cage, Michael Pena, Maria Bello, Maggie Gyllenhaal, Frank Whaley
Punkte: 3/10

World Trade Center

Handlung:

Selbstverständlich ist der frühe Morgen des 11. September 2001 für John McLoughlin, den Senior Sergeant der New Yorker Hafenpolizei, ein ganz gewöhnlicher Tag. Wie an jedem Arbeitstag gibt er seiner Frau einen Abschiedskuss, schaut nochmals kurz in die Zimmer seiner Kinder und begibt sich auf seinen Arbeitsweg von New Jersey in die New Yorker Innenstadt. Nicht viel anders sieht es bei seinem Kollegen Will Jimeno aus, dessen Frau gerade zum zweiten Mal schwanger ist. Es sollte eigentlich ein routinemäßiger Patrouilleneinsatz in Midtown Manhattan werden, doch nachdem im Polizeipräsidium die Meldung eintrifft, dass angeblich ein Flugzeug in das World Trade Center eingeschlagen ist, werden alle verfügbaren Einheiten umgehend an die Unfallstelle geschickt. McLoughlin, sein junger Kollege Jimeno und das restliche Team gehören zu den ersten Helfern vor Ort. Schnellstmöglich soll nun das komplette World Trade Center evakuiert werden, in das mittlerweile auch ein zweites Flugzeug eingeschlagen ist. Dazu versucht Sergeant McLoughlin und seine Truppe über die Lobby in die oberen Stockwerke des Hauses zu gelangen. Doch schon stürzt das komplette Hochhaus zusammen und begräbt die Polizisten und hunderte andere Menschen unter sich. Die verzweifelten Rettungsversuche laufen von nun an Tag und Nacht auf Hochtouren.

Hintergrund:

Die Terroranschläge am 11. September 2001 waren eine Reihe von Selbstmordanschlägen auf zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten, die vom islamistischen Terrornetzwerk Al-Qaida koordiniert und ausgeführt wurden. Die Attentäter entführten zwischen 8:10 Uhr und etwa 9:30 Uhr vier Verkehrsflugzeuge auf Inlandsflügen, lenkten zwei davon in die Türme des World Trade Centers in New York City und einen in das Pentagon in Arlington, Virginia. Ein weiteres Flugzeug mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nach Kämpfen zwischen Attentätern und Besatzung sowie Fluggästen in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania ab. Letzteres Ereignis versucht Paul Greengrass in seinem Film “Flug 93″ zu rekonstruieren, der im Gegensatz zu Oliver Stones “World Trade Center” ohne große Stars auskommt. Da dieser Film auf wahren Tatsachen beruht und die beiden Charaktere John McLoughlin und Will Jimeno tatsächlich zu den nur 20 Überlebenden gehörten, die aus dem eingestürzten World Trade Center gerettet werden konnte, überließ Regisseur Stone McLoughlin selbst die Entscheidung, wer ihn im Film darstellen solle. Neben Nicolas Cage standen unter anderem Mel Gibson, George Clooney, Harrison Ford, Kevin Costner und Tommy Lee Jones in der engeren Auswahl. Beide Filme sorgten schon bei den ersten Vorführungen des offiziellen Trailers im Vorfeld für Unruhen in amerikanischen Kinosälen. Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 kamen insgesamt 2.973 Menschen ums Leben.

Sinn:

Das mit Sicherheit größte Problem von “World Trade Center” ist die Frage, was man nun davon halten und denken soll. Einerseits wird vielleicht das brisanteste Thema der moderneren Geschichte verarbeitet, was die ganze Welt beschäftigt und nachhaltig verändert hat. Aber andererseits handelt es sich hierbei um eine filmerische Aufarbeitung, die sich irgendwo verliert, ohne Ziel herumirrt und aufgrund von Pathos, wenig Handlung und wenig Tiefgang oberflächlich erscheint. Ein Film mit angezogener Handbremse, dem man in jeder Minute anmerkt, dass er lange nicht das im Stande zu leisten ist, was man von solch einem Werk erwartet. Eindringlich und minimalistisch soll die scheinbar endlose Zeit des Überlebenskampfes der Verschütteten dargestellt werden. Das ist natürlich aufrührend, doch auf der anderen Seite kann man wegen der mangelnden Einführung in die Handlung nichts über die Person in Erfahrung bringen und sich somit schwer identifizieren und Gefühle entwickeln. Das geht wiederum auf die Kosten der Emotionalität, die zwar vorprogrammiert ist, weil jedem die Bilder der Berichterstattung stets vor Augen sind, aber nicht, weil der Film als solcher überaus ergreifend ist. So pendelt “World Trade Center” ebenso neutral und gefühlsunsicher zwischen den Stühlen wie sein Publikum. Und trotzdem fühlt man sich danach irgendwie schlecht, weil in Anbetracht der Ereignisse und dem Mitleid gegenüber allen Opfern und Hinterbliebenen man gerne emotionaler reagieren würde, es der Film aber nur an einigen wenigen Stellen tatsächlich zulässt.

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Kopfstimme

Friday, February 2nd, 2007 at 00:11

| aktueller song: polarkreis 18 – comes around |

Schräger als Fiktion
Vö: 08. Februar 2007
Verleih: Sony Pictures
Genre: Tragikomödie | USA 2006
Länge: 113 min
Regie: Marc Forster
Drehbuch: Zach Helm
Musik: Britt Daniel
Kamera: Roberto Schaefer
Schnitt: Matt Chesse
Darsteller: u.a. Will Ferrell, Maggie Gyllenhaal, Dustin Hoffman, Emma Thompson
Punkte: 7/10

Schräger als Fiktion

Handlung:

Harold Cricks Leben ist mehr als langweilig. Und sein Job als Steuerprüfer ist mit Sicherheit auch nicht der attraktivste. Vielleicht liegt es ja sogar daran, dass Harold ein vereinsamter Einzelgänger ist, dessen aufregendste Tagesbeschäftigung das Zähne putzen ist. Doch sein Leben soll sich von einen Tag auf den anderen schlagartig ändern. Eines Morgens vernimmt er bei eben jener Morgenwäsche eine Frauenstimme, die ihn fortan für immer verfolgt und jede seiner Tätigkeiten kommentiert. Kein Arzt und kein Psychiater können ihm weiterhelfen. Einzig Literaturprofessor Jules Hilbert kommt langsam aber sicher hinter das Problem von Harold. Er ist eine Romanfigur im neusten Roman der Erfolgsautorin Karen Eiffel, an dem Karen schon seit einigen Jahren schreibt. Als wenn das noch nicht verwirrend genug wäre, stellt er mit erschrecken fest, dass die Schriftstellerin jeden Hauptdarsteller ihrer Bücher am Ende auf tragische Weise sterben lässt. Doch ausgerechnet jetzt hat sich Harold in die quirlige und rebellische Ana Pascal verliebt. Die Tragödie ist also vorprogrammiert, doch Harold kämpft entschlossen für sein nun nicht mehr langweiliges Leben und seine Liebe zu Ana. Und somit natürlich auch gegen seine Schöpferin Karin Eiffel.

Hintergrund:

Marc Forster gehört zu einem der derzeit vielversprechendsten Regisseure und bewies mit “Monster’s Ball”, “Stay” oder “Wenn Träume fliegen lernen” sein Talent für grenzüberschreitende Filme zwischen Wahrheit und Fiktion oder Traum und Realität. Gesellt sich dazu das originelle Drehbuch von Zach Helm, was all diese Aspekte nochmals vereint, dann lässt sich auch Emma Thompson nicht 2-mal bitten und sagte dem Dreh zu, nachdem sie nur ein Viertel des Skriptes gelesen hatte. Ähnlich überwältig waren auch die Juroren des “National board of review”, bei denen Helm den Preis für das beste Drehbuch gewinnen konnte.

Sinn:

Irgendwie ist es ja schon etwas gewagt, das schön skurrile Drehbuch von Zach Helm mit derartigen Stars zu besetzen und dann noch Will Ferrell als Hauptdarsteller einzusetzen, der bislang allenfalls in halbwitzigen Komödien als tragende Figur überzeugen konnte. Und jetzt diese ernste, tragische Rolle. Doch genau wie bei den restlichen Darstellern, geht die Besetzung mehr als auf und Ferrell mimt seinen Steuer-Harold, wie man sich einen Steuerberater erstmal vorstellt. Dennoch ist “Schräger als Fiktion” alles andere als steif. Witzige Situationskomik, tritt auf nachdenkliche Momente, die auch ohne die obligatorische Tränendrüse melancholisch wirken. Atmosphärisch erinnert dieser tragisch-komische Film, mit seinen teils neurotischen Charakteren, nicht selten an die Werke eines Woody Allen, die sich auch zumeist irgendwo zwischen Tragödie, Komödie, Theater, Drama und Liebesfilm einpendeln. Allen’s Wortwitz inklusive. Einzig das etwas banale Ende wirkt im Vergleich zur restlichen Story etwas mau und ernüchternd. Aber wirklich enttäuschend ist nur die miserable deutsche Übersetzung des Originaltitels. Das gleicht aber der Witz mit der Mail/Mehlbox wieder locker wieder aus.

© written for triggerfish

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