Lieblingsempire 2007
| aktueller song: bring me the horizon – black & blue |
Lieblingsempire Kalender 2007 (London)
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| aktueller song: he is legend – china white ii |
Fear My Thoughts – Vulcanus
Vö: 15. Januar 2007
Label: Century Media / EMI
Länge: 57:01 min
Hit: Vulcanus
Punkte: 5/10
Eine kreuzgefährliche Sache ist das mit diesen oberflächlichen Äußerlichkeiten. Man begibt sich meist auf verdammt dünnes Eis und lässt sich im Grunde fast immer viel zu leicht blenden von diesem ersten schönen Schein. Der Besuch von Eva Padberg in unserer gemütlichen, zu 98% aus Herren bestehenden Redaktion war echt spitze, bis rauskam, dass sie einen echt komisch schrägen Musikgeschmack hat und sogar selbst Technomusik macht. Igitt.
Fear My Thoughts haben zwar auch lange Haare, übergroße Sonnenbrillen im Bienenlook und posieren galant im Wind auf hübsch bearbeiteten Hochglanzbildern, machen aber im Gegenzug auch hörbare Musik. Dennoch muss auch bei “Vulcanus” aufpassen und erst einmal vorsichtig auschecken, wie dick beziehungsweise dünn das Eis ist, auf das man sich begibt. Der entscheidende Eindruck nach diesen berüchtigten ersten Sekunden ist zu Beginn: Wow! Verdammt, sieht die gut aus! Ähh, halt! Wir waren ja schon bei der Platte hier: Wow! Ist das alles aber fett geworden!
Mit “Accompanied by death” geht der Spaß ganz schön beachtlich los. Zügig, hurtig-trashig, aber auch irgendwie etwas zu bündig. Vielleicht ist man aber auch erst einmal etwas zu geschockt von dem Perfektionisten, der da hinter den Knöpfen und Reglern gewütet haben muss, damit das hier so sauber klingt, wie es letztendlich klingt. Spätestens beim nächsten Song “Blankness” kommt dann aber etwas Licht ins Dunkel: Fear My Thoughts wollten nämlich auch einmal im Leben einen Stadion-Mitsing-Song haben. Und die Rechnung geht auf, jetzt fehlt nur noch die Megaarena. Überhaupt muss man irgendwie zwangsläufig an die größeren Kaliber denken. Ob das jetzt nun das gar hymnische “Culture of fear” ist, was in Gedanken Opeth an einem vorbeiziehen lässt oder “Gates to nowhere”, zu dem auch solch eine superteure Pyroshow à la In Flames passen würde, ist dabei fast egal.
Bei allen Gedankenspielchen kann man aber getrost festhalten, dass Fear My Thoughts einen weiteren deutlichen Schritt weg vom Hardcore und hin in Richtung Metal, mit nicht zu knappen Spielereien zwischendrin, gemacht haben. Und wenn man das Bandfoto noch dazurechnet, dann ist der Schritt noch viel größer. Weil das ist schon mächtig Metal irgendwie. Schade halt nur, dass das wirklich hörenswerte und echt gut arrangierte instrumentale Titelstück “Vulcanus” zwischen so uninspirierte Klischeeboliden gestopft wurde, die obendrein einen überbelasteten Charme versprühen, der eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Genau wie diese fünf Tonnen Make-up auf diesen Models immer. Schlimm.
Tracklist:
01) accompanied by death
02) blankness
03) culture of fear
04) accelerate or die
05) stamp of credence
06) survival scars
07) vulcanus
08) soul consumer
09) both blood
10) gates to nowhere
11) lost in black
12) wasteland
© written for plattentests
| aktueller song: thrice – for miles |
Dead Poetic – Vices
Vö: 22. Januar 2007
Label: Tooth & Nail / Solid State / Century Media / EMI
Länge: 50:58 min
Hit: Paralytic (Feat. Chino Moreno)
Punkte: 7/10
Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten, und das Runde muss ins Eckige, und Geld ist genauso rund und rollt deswegen immer weg und und und … Zack, das wären exakt 18,69€ ins interne Phrasenschwein, womit ganz nebenbei auch schon fast zwei Präsente für den Jahrespoll 2007 refinanziert wären. Sehr gut. Und damit wir zur nächsten Umfrage in Pi mal Daumen 50 Wochen und 2 Stunden die besten Preise überhaupt verschicken können, werden wir von nun an halbwitzig-abgedroschene Redewendungen vermeintlicher Persönlichkeiten auch nicht mehr rausredigieren. Da jubelt sich unser blauockergelbes Sparschwein einen ab.
Das Ding ist nämlich auch, dass sich Dead Poetic prima in die obere Reihe einbauen lassen. Denn “Vices” ist ein verdammt rundes Album geworden, ohne musikalische Verbrechen und stattdessen mit vielen, sehr vielen sehr feinen Melodien. Und mit Augenzudrücken wäre dieser Rezensionsbaukastensatz sogar schon die nächsten zwei Euro wert. Aber jetzt einmal ganz ohne Scheiß: Dead Poetic haben sich wirklich gemacht. Der etwas lahme Halbemo-Vorgänger “New medicines” wurde komplett ad acta gelegt und gleich daneben die Hälfte der Band mit. Und weil auf jedes Ende ein neuer Anfang folgt, übernahmen die Verbliebenen einfach 50% der Personaleinlagen von Beloved. Selbstverständlich war das keine feindliche Übernahme, sondern alte Freunde machen jetzt einfach in einer Band zusammen Musik. So ist das eben.
Aber was kommt nun dabei raus, wenn man zwei melodische Rockbands mischt, die früher gerne einmal auf die Emodrüse gedrückt haben, obwohl sie ungeschminkt sind, die auch gerne einmal metallisch wurden, obwohl sie eigentlich viel zu brav dafür sind und die auch neuerdings gerne das ein oder andere mal Thrices “Vheissu” gehört haben? Ach ja, und bei denen auch gerne einmal Chino von den Deftones als Helfer vorbeischaut, weil der ja auch mit zunehmenden Alter immer wehmütiger wird. Klingt reichlich unspannend, oder? In der Schnittmenge fast nach einer Menge Schwiegermutterrock.
Um sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen zu müssen, wird der vielleicht härteste Song des Albums “Cannibal vs. cunning” direkt an den Anfang gepackt. Aber um ehrlich zu sein, heißt “hart” in diesem Fall eher treibend im Sinne einer 90er-Jahre Alternativeband. Was ja jedoch nicht per se schlecht sein muss. Wer aber jetzt schon das Geschrei sucht, muss leider enttäuscht werden. Das muss wohl irgendwie abhanden gekommen sein. Aber mal ganz unter uns: So wirklich vermissen tut das auch gar keiner, wenn mit “In coma” in Rockballadenform der melodische Höhepunkt des Albums aufgefahren wird. Naja gut, vielleicht ist die Sache mit dem Höhepunkt streitbar, nachdem man “Paralytic” mit Chino Morenos Stimme gehört hat. Aber mutig und hübsch anzuhören sind beide allemal. Zwar sind Dead Poetic um einiges gemächlicher geworden, aber vor allem auch um einiges ehrlicher und erwachsener. Da vergisst man sogar das kindische Fazit-Phrasenklopfen am Ende. In der nächsten Rezension dann.
Tracklist:
01) cannibal vs. cunning
02) lioness
03) self-destruct & die
04) narcotic
05) in coma
06) long forgotten
07) pretty pretty
08) sinless city
09) victim
10) paralytic (feat. chino moreno)
11) animals
12) crashing down
13) copy of a copy
14) vices
© written for plattentests
| aktueller song: parkway drive – blackout |
Parkway Drive – Killing With A Smile
Vö: 19. Mai 2006
Label: Resist / Suburban / Soulfood
Länge: 39:37 min
Hit: Anasasis (Xenophontis)
Punkte: 7/10
“Ein Bollo springt im Pit ganz albern rum,
Er hat vor lauter Tattoos ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag der Bollo sein,
Der da mosht im Pit so fein
Mit dem bunten Tattoo-Mäntelein?
Der Bollo kreist im Publikum mit einem Bein
Und hat auf dem Kopf so ein Tüchelein …”
Wie ihr es sicher erahnen könnt, gibt es wieder etwas aus dem Metalcore-Lager zu berichten. Ja, ja, genau dieser Metalcore, den wir an vielen Stellen schon für kreativ tot erklärt haben und trotz (beziehungsweise gerade wegen) aller Hipness viel Halbes und kaum Ganzes zustande bringt. Und dessen unterhaltsamsten Episoden nicht die Bands selbst, sondern deren (teils bekloppten) Fans schreiben. Aber über diese kleine und äußerst witzige Spezies der armekreisenden Kerlchen im pubertären Balzverhalten zu lästern, ist auch nicht mehr sonderlich kreativ. Dem Genre entsprechend eben.
Doch siehe da, Bollo-Prollo, Straight Edge, Ganzkörpertattoos und dieses ganze Gerümpel hin oder her – es geht doch noch was in der Szene. Während grob geschätzte Dreiviertel aller Bands schön brav auf die Melodieschiene setzen und mit glasklarem Gesang die Schwiegermutter beeindrucken wollen, wählen Parkway Drive einen etwas anderen Ansatz. So wird der Krach am Bach nicht durch schwulstig-schwule Singalongs unterbrochen. Oder eben andersrum die obligatorische, hier Gott sei Dank nicht vorhandene Ballade durch eine fies quiekende Zweitstimme. Nein, nein. Melodik und Haue paaren sich auf “Killing with a smile” zu elf hochmelodischen Hieben ohne Peinlichkeiten.
In Sachen Plattenauftakt durch “Gimme a D” drängt sich schon in den ersten Sekunden die Parallele zu Darkest Hour auf, die mit “With a thousand words to say but one” auch die ersten paar Sekunden ruhig angehen lassen, bevor dann aber richtig ordentlich vom Leder gelassen wird und man schon fast Angst bekommt, weil der Opener bereits nach einmaligem Hören zur Minihymne mutiert. Doch schnell, lies: ebenfalls beim zweiten Song, wird auch hier klar, daß das lange noch nicht alles ist. “Anasasis (Xenophontis)” prügelt sich einprägsam ins Mittelhirn, und wenn man nicht aufpasst, ertappt man sich schnell dabei, wie alle vier Gliedmaßen zu zucken beginnen. Achtung, Suchtgefahr! Ähnlich wie damals bei “Convalescence”.
Selbstverständlich, hinkt der Vergleich zwischen beiden Bands auf Dauer, ganz einfach weil die Australier von Parkway Drive viel weiter weg vom schwedischen Metal wohnen und in hübscher Regelmäßigkeit kollektiv zum Breakdown ansetzen. Doch die Quintessenz ist letztendlich die gleiche: In diesem Genre nie dagewesene extreme technische Versiert- und Verspieltheit, knackig-treibende Härte, melodischer Metal und durchweg angenehmes Hardcore-Gebrülle schließen sich keineswegs aus. Im Gegenteil. Und daran können auch einfältig-egoistische Pithelden nichts ändern.
Tracklist:
01) gimme a d
02) anasasis (xenophontis)
03) pandora
04) romance is dead
05) guns for show, knives for a pro
06) blackout
07) picture perfect, pathetic
08) it’s hard to speak without a tongue
09) mutiny
10) smoke ‘em if ya got ‘em
11) a cold day in hell
© written for plattentests
| aktueller song: by a thread – crushed beneath |
Textures – Drawing Circles
Vö: 21. April 2006
Label: Listenable / Soulfood
Länge: 48:19 min
Hit: Touching The Absolute
Punkte: 7/10
Die Welt ist eine simple Wiederkehr. Etwas entsteht. Es wächst und gedeiht, bevor es dann natürlich oder unnatürlich zu Grunde geht. Vergänglichkeit ist die einzige Konstante des Lebens. Und das war schon früher so, ganz früher sowieso, und heute ist diese Tatsache selbstverständlich auch noch gültig. Ob es nun das antike Römische Reich war, Albert Einstein, die Schönheit von Kate Moss oder der Erfolg dieser Stilrichtung namens Metalcore. Alles hat die Zeit dahingerafft oder ist gerade wenigstens kräftig dabei.
Die große Frage ist also nicht, wie man dieses ohnehin nicht überwindbare Naturgesetz kippen kann, sondern was man daraus macht und vor allem was danach kommt. In Rom ist damals ein bißchen viel Chaos ausgebrochen, nach Albert Einstein kam ein großes Loch, nach Kate Moss irgendein anderes minderjähriges Magermodel. Uund nach Metalcore? Möglicherweise Textures. Die Voraussetzungen sind gar nicht einmal so schlecht, denn die große Stärke und das wirklich Interessante dieser Band ist die musikalische Mischung, die dem Standard-Metalcore-Sound ganz offensichtlich Lebewohl sagt und gleichzeitig vielen anderen Genres ein kurzes Hallo zuwirft, sich dabei aber mit keinem wirklich anfreundet. Beziehungsweise: bewußt nicht anfreunden will.
“Drive” beginnt wie Metalcore in einer instrumentalen Variante, wird dann aber, wenn das Geschrei einsetzt, abwechselungsreicher wie variabler und geht nahtlos in “Regenesis” über, in dem ordentlich gedroschen und gebrüllt werden darf, bevor es über einen späherischen Part im Chorus fast träumerisch wird, um am Ende wieder wilde Doublebässe fliegen zu lassen und ordentlich zu quieken. Und das klingt dann in der Tat auch so verschachtelt wie der vorhergehende Satz. Wirklich einheitliche und einfache Strukturen sucht man also schon bereits hier vergeblich, dennoch sind die wechselnden Parts erstaunlich greifbar und keineswegs bloß kunterbuntes Wirrwarr.
Und auch der Rest bewegt sich irgendwo im Zwischenraum von Meshuggah-Gitarren (“Millstone”), fast unvergleichbar bollerndem Schlagzeuggewummer (“Denying gravity”), instrumentalen und atmosphärischen Parts einer Post-Rock-Band (“Illuminatio”, “Surreal state of enlighentment”) und jazzigen Ansätzen im Mammuthit “Touching the absolute”, bei dem schon fast das Gefühl entsteht, daß Textures einfach zu viel wollen. Und bei dem man gleichzeitig fast vergißt, die durchgängige Melodiosität zu erwähnen, die trotz aller krachender Vielfalt und grenzenverwischenden Übergänge vieler Songs nie aus den Augen gelassen wird. Die Mischung macht es eben, die “Drawing circles” so frisch und innovativ erscheinen läßt, ohne dabei zerfahren zu wirken. Wenn also das hier das Danach des Metalcore ist, dann kann dieser im Grunde aussterben. Aber sofort bitte.
Tracklist:
01) drive
02) regenesis
03) denying gravity
04) illuminatio
05) stream of consciousness
06) upwards
07) circular
08) millstone
09) touching the absolute
10) surreal state of enlighentment
© written for plattentests
| aktueller song: killwhitneydead – duct tape and death threats |
Auch dieses Jahr hat die Redaktion von Plattentests.de wieder ihre internen Charts aufgestellt. Heraus kam dabei folgendes Ergebnis:
Alben des Jahres 2006
Songs des Jahres 2006
Ansehen kann man das ganze auch nochmal hier:
Jahrespoll 2006 – Die Rangliste der Redaktion
Ich hatte nun die Ehre noch eine Mini-Single-Rezension zu schreiben, die genau jetzt nochmal erscheint …
Thursday – A City By The Light Divided
Vö: 14. Juli 2006
Label: Victory / Island / Universal
Länge: 46:00 min
Hit: Autumn Leaves Revisited
Punkte: 7/10
Die Kinder der Einöde sind frustriert. Keine Konzerte. Nicht einmal halbhübsche Mädels! Das einzige, was blüht, sind Pferdeäpfel. Und natürlich diese hochmelodische Ansporn-Single zur Brandstiftung von Thursday hier. Burn this city! 10-9-8 und ab ins Ohr. Wieder und wieder! 7-6-5 und ab in unser aller frusterfüllten Herzen. Haß lass nach! 4-3-2-1 und ab in unsere Jahrecharts. Der Einöde sei Dank.
Tracklist:
01) other side of the crash / over and out (of control)
02) counting 5-4-3-2-1
03) sugar in the sacrament
04) at this velocity
05) we will overcome
06) arc – lamps, signal flares, a shower of white (the light)
07) running from the rain
08) telegraph avenue kiss
09) lovesong writer
10) into the blinding light
11) autumn leaves revisited
© written for plattentests