Archive for October, 2006

halbes Strohmännchen

Monday, October 30th, 2006 at 01:22

| aktueller song: lampshade – clean |

The Wicker Man
Vö: 02. November 2006
Verleih: Warner
Genre: Mystery-Thriller | USA 2006
Länge: 102 min
Regie: Neil LaBute
Drehbuch: Neil LaBute, Anthony Shaffer
Musik: Angelo Badalamenti
Kamera: Paul Sarossy
Schnitt: Joel Plotch
Darsteller: u.a. Nicolas Cage, Kate Beahan, Ellen Burstyn, Frances Conroy
Punkte: 4/10

The Wicker Man

Handlung:

Eigentlich wollte Polizist Edward Malus nur einem kleinen Mädchen ihre Puppe wiedergeben, die sie auf dem kalifornischen Highway aus dem Autofenster hat fallen lassen. Doch als er den Wagen anhält, rast wenige Sekunden später ein außer Kontrolle geratener Truck ungebremst in die Kombi-Limousine. Das Auto fängt Feuer und explodiert noch bevor Edward das Kind und ihre Mutter befreien konnte. Monatelang steht der Polizist unter Schock und schluckt Tabletten, bevor er unerwartet eine zweite Chance bekommt. Von seiner Ex-Verlobten Willow bekommt er einen zweifelhaften Hilferuf, dass ihre Tochter verschwunden sei und Edward der einzige sei, dem sie vertraue. Sofort macht er sich zu der Privatinsel “Summersisle” auf. Ein Ort, an dem noch immer eigentümliche Traditionen bewahrt werden und nichts so ist, wie es scheint. Doch von der Tochter ist weit und breit keine Spur, selbst die Einwohner wissen angeblich nichts über sie. Doch je näher der “Tag des Todes und der Wiedergeburt” rückt und je weiter sich Edward in die Geheimnisse der Inselbewohner vortastet, desto näher kommt er dem verschwundenen Kind auf die Spur. Aber auch dem Wicker Man.

Hintergrund:

“The Wicker Man” ist eine amerikanische Neuauflage des gleichnamigen britischen Horror-Films aus dem Jahre 1973, der in den USA mittlerweile ein Underground-Klassiker ist. Damals kam diesem Film besondere Brisanz zu, weil er im Zuge der sexuellen Revolution die aufkommende Frauenbewegung thematisierte und die Geschlechterrollen neu verteilte. Umstritten war deswegen auch die Rolle der Ex-Verlobten, insbesondere deren Nackttänze. Der amerikanische Regisseur Neil LaBute setzt anno 2006 nun mehr auf Thrillerelemente, statt reiner Provokation, was einerseits aber verwunderlich ist, da gerade jener durch streitbare Theaterstücke sich einen Namen gemacht hat.

Sinn:

Am Anfang scheint alles gut zu sein. Die Exposition in die dramatische Handlung lässt Gutes vermuten, Kamera und Montage haben den nötigen Independent-Charakter und die beginnende mysteriöse Geschichte ist im Gegensatz zu ähnlichen Genreproduktion angenehm subtil verpackt. All das verleiht dem Film eine angenehme Atmosphäre, die erst mit dem zunehmender Dauer und damit verbunden zunehmender Seltsamkeit und Absurdität unfreiwillig komisch wird. Auch im Zusammenhang mit dem zwar überraschenden und ungewöhnlichen Ende wäre hingegen mehr drin gewesen, denn dieses wirkt doch etwas plump und banal. Zieht man zudem das Original zu dem Vergleich hinzu, so wirkt die Neuauflage scheinbar belanglos, auch wenn ein spannendes Fantasymärchen geschaffen wurde. Schlussendlich fehlt allerdings die nachhaltige Wirkung. Da rettet auch die erneute Erkenntnis nichts, dass Nicolas Cage irgendwie jede Rolle überzeugend verkörpern kann, denn dass konnten wir uns auch schon vorher denken.

© written for popcultures

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Warten lohnt

Sunday, October 29th, 2006 at 17:55

| aktueller song: pretty girls make graves – holy names |

O2 Music-Flash: Deftones
16. Oktober 2006 – Köln, E-Werk

[mygal=deftones01]

O2 Music-Flash: Deftones

Nerven braucht man, denn bekanntlich zieht sich bei den Deftones immer alles in bisschen in die Länge. Aber plötzlich sind sie da. Völlig überraschend, wie es nun einmal der Sinn und Zweck der “O2 Music-Flash”-Veranstaltungen ist, gastieren Chino Moreno & Co. für einen Abend im Kölner E-Werk, um exklusiv ihr kommendes Album vorzustellen. Der Rummel ringsum und das Geheimnis im Vorfeld sind wie bei jeder Veröffentlichung natürlich immens. So ist es auch alles andere als verwunderlich, wenn sich schon gegen 17 Uhr die ersten Fans vor der Halle versammeln, um sich persönlich ein Bild vom Stand der Dinge zu machen. Und wer zuerst kommt, der ma(h)lt bei diesem kostenlosen Konzert schließlich auch zuerst.

Nachdem 20 Uhr die Pforten geöffnet wurden, war die Halle zum Leidwesen jener, die nicht mehr rein konnten, auch ziemlich schnell voll. Das dürfte zum einen daran gelegen haben, dass das E-Werk für eine Band vom Status der Deftones relativ familiär ist und nicht zuletzt auch daran, dass es erbärmlich kalt draußen war. Doch frieren sollte im weiteren Verlauf des Abends keiner mehr, denn schließlich war es im Publikum kuschelig eng. In diesem Zusammenhang meinte es der DJ zwar sicherlich gut mit uns, wenn er heiße R’n'B-Rhythmen lautstark aus den Boxen wummern ließ, doch irgendwie waren die etwas Fehl am Platz.

Wie dem auch sei, so konnte wenigsten die sich abermals hinziehende Zeit bis zum Auftritt mit ironischen Hüftschwungeinlagen überbrückt werden. Doch gegen 21:40 Uhr war es dann endlich soweit: Licht aus und die Deftones betraten nacheinander die abgedunkelte Bühne, um nach Jahren wieder einmal in einer deutschen Halle zu spielen. Und schon der erste neue Song, verwandelte das Publikum in eine tobende Masse, denn dem Großteil dürfte der schon im Vorfeld veröffentlichte Song “Beware” bekannt gewesen sein. Abgesehen davon wird auch schon nach diesen ersten fünf Minuten klar, dass man wirklich auf das neue Album gespannt sein darf, da “Beware” nahezu perfekt Härte und andererseits jene schwere dichte Atmosphäre zusammenfasst, für die die Deftones bekannt sind und geschätzt werden.

Untermauert wird das Ganze von einer schönen und stimmigen Lichtshow, einem exzellenten Sound und einer Lockerheit, die man nach all den Quälereien fast nicht mehr erwartet hätte. Gerade bei den folgenden Evergreens “My Own Summer (Shove It)” oder auch “Fieticiera” entpuppen sich die Deftones als ziemlich gut gelaunt, auch wenn nur wenige bis gar keine Worte fallen. Aber gerade Chino hüft kreuz und quer über die Bühne und auf seine Box in der Mitte und wieder runter, während Stephen Carpenter auch das Rocken zurückerlernt hat. Schön anzusehen und anzuhören.

Und besonders schön und überraschend zugleich war, dass man endlich einmal “Passenger” live miterleben dufte, bei dem auch Maynard James Keenans Part von Chino gesungen wurde, wenn auch natürlich zerzerrt und stark verhallt, aber das Tat dem Ganzen keinerlei Abbruch. Zwar wurden insgesamt ja nur vier neue Song von “Saturday Night Wrist” gespielt, aber trotz allem wurde mit Überraschungen nicht gegeizt: “RX Queen” gehört schließlich auch nicht zum Standard-Liveprogramm und mit dem trockenen, aber rhythmischen “Rapture” entdeckt man abermals neue Seiten. Nach einer kleinen Pause gab es mit “Change” und “Hole In The Earth” die vielleicht stärksten Songs überhaupt im atmosphärischen Doppelpack, bevor der “7-Birthmark-Words”-Mix das 90-Minütige außergewöhnliche Set abschloss. Also auf die nächsten 18 Jahre bitte.

Setlist:
01) beware
02) my own summer (shove it)
03) fieticiera
04) passenger
05) nosebleed
06) engine no. 9
07) be quiet and drive (far away)
08) around the fur
09) rapture
10) digital bath
11) when girls telephone boys
12) root
13) cherry waves
14) rx queen

15) change (in the house of flies)
16) hole in the earth
17) 7-birthmark-words

© written for stardust, photos by kirsten opitz

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Kunst verpflichtet

Saturday, October 28th, 2006 at 00:32

| aktueller song: heavy heavy low low – mall-nutrition |

Isis – In The Absence Of Truth
Vö: 03. November 2006
Label: Ipecac / Soulfood
Länge: 64:48 min
Hit: Not In Rivers, But In Drops
Punkte: 9/10

Isis – In The Absence Of Truth

Es sind die immer üblichen Klischees, die scheinbar jeder Platte irgendwie anheften. Was bei Metalcore die ganzen ganzkörpertätowierten toughen Jungs sind, ist bei Post-Rock, Post-Doom-Metal oder wie man das nennen mag, das Klischee mit der epischen Depression. Selbstverliebte Kunststudenten, die sich in ihrer Melancholie ertränken und denken, sie seien irgendwie besser und überhaupt viel weiser als der Rest. Nicht zu vergessen der intelligentere Horizont, der genauso endlos ist, wie die endlosen Ozeane auf den typischen Covern. Schöne Vorurteile.

Doch völlig aus der Luft gegriffen ist so was ja nie, also muß auch etwas dran sein. Kunst spielt im Falle von Isis schon einmal definitiv eine entscheidende Rolle. Nur weiß man da nie genau, wo man anfangen soll: bei Isis als Symbol für die Kunst, sich auf nichts festlegen zu können und zu wollen? Derart zwischen all den Stühlen des Ambient, Rock und Metal zu tanzen, daß diese mit der Zeit selbst verblassen. Oder dieses einmalige Kunststück, den Hörer schon nach den ersten 40 Sekunden von “Wrists of kings” so in den Bann gerissen zu haben, daß man die restliche Stunde wie hypnotisiert in fernen Welten rumschwebt? Oder gar als symbolische Achterbahnfahrt des Lebens? All das und viel mehr. Denn es bedarf schon ein ungeheures künstlerisches Können, derart viele Facetten und mögliche Emotionen so zu verknüpfen, daß diese keineswegs zerfahren wirken, sondern im Gegenteil vielmehr in sich stimmig sind. Und das trotz der Tatsache, daß “In the absence of truth” wesentlich vielfältiger, harmonischer, rhythmischer und nicht zuletzt auch abwechslungsreicher als seine Vorgänger ist. Tiefste Verneigung.

Aber wie dem auch sei: Isis emanzipieren sich von einer Reihe dieser anfänglichen Klischees. Das beginnt schon beim Cover, was glücklicherweise nicht wieder auf diese nihilistische Depressionsthematik referiert. Und auch tonnenschwere Melancholie muss neuerdings oft beinahe entspannend wirkenden Melodien weichen. Zusätzlich unterstützt werden diese dann von der zurückhaltenden Singstimme Aaron Turners wie beispielsweise in “1,000 shards”. Das heißt aber wiederum nicht, daß wegen mehr Melodiösität und mehr Gesang die gefürchteten Ausbrüche weichen mußten. Weit gefehlt. Denn wenn, wie in “Garden of light” auf Sturm umgeschaltet wird, dann paßt auch hier schier alles. Eine perfekte Produktion läßt die Growls noch fruchteinflößender klingen, und zur Beschreibung des Schlagzeugspiels reicht nicht einmal mehr die Phrase “extremst druckvoll” aus.

Isis stehen scheinbar mittlerweile über all diesen Dingen. Über diesen Stigmatisierungen des Genres. Über den Ozeanen, den dunklen Wolken und der erdrückenden Leere. All das wird nun zu reinen Stilmitteln degradiert, denn keiner weiß besser als Isis selbst, daß Kunst keineswegs eindimensional ist und immer neue Wege braucht. Der Einfluß schöner und positiver Elemente. Die Melodie. Der Gesang. Die Extreme. Das Neue am Horizont. Das oberste und letzte Kunstgesetz ist: jedes zu brechen.

Tracklist:
01) wrists of kings
02) not in rivers, but in drops
03) dulcinea
04) over root and thorn
05) 1,000 shards
06) all out of time, all into space
07) holy tears
08) firdous e bareen
09) garden of light

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Tropeninstitut

Friday, October 27th, 2006 at 00:15

| aktueller song: deftones – beware |

SunnO))) & Boris – Altar
Vö: 27. Oktober 2006
Label: Southern Lord / Soulfood
Länge: 53:39 min
Hit: The Sinking Belle (Blue Sheep)
Punkte: 8/10

SunnO))) & Boris – Altar

Komischerweise passen Musik und Biologie neuerdings erstaunlich gut zusammen. Tanzende Moleküle und so. Auch “Altar”, das Kooperationsalbum von SunnO))) & Boris, wäre eine mikroskopische Untersuchung wert. Bei hochrangigen Wissenschaftlern in riesigen Laboren in irgendsoeinem hypermodernen Ökounternehmen. Denn allein schon die Vorstellung, daß zwei so experimentelle und auf ihre Weise kranke Bands nun gemeinsam etwas aushecken, ließ nichts Gutes erahnen. Überforderung vorprogrammiert. Also haben wir uns einfach das Album geschnappt und sind einmal zu den Leuten gegangen, die sich mit derlei exotischem Kram auskennen sollten.

Und unsere neuen Forscherfreunde waren hin und weg von dieser außergewöhnlichen Schöpfung der Musikevolution. Von einer neuen Stufe schwärmten sie. Eine sensationelle Kombination. Eine beispielslose Symbiose. Zwei völlig unterschiedliche Arten kreieren etwas völlig Neues. Einerseits SunnO))) mit ihrem langwierigen, zugegeben oft auch langweiligem Suchen und Finden nach dem perfekt brummenden Ton, aber andererseits die krachend-rockigen Boris.

Und schon “Etna” zeigt, wie perfekt diese Protokooperation funktioniert. Aus einer lockeren Anfangsbeziehung entwickelt und steigert sich der dröhnende Sound, bis beide Individuen scheinbar eins werden und die brummenden Töne mit dem wilden Getrommel verschmelzen. Von einer Allianz, die die Vorteile und Stärken beider Bands gekonnt vereint, sprechen die Wissenschaftler. Beide Teile scheinen sich regelrecht zu einem neuen – höheren – Ziel anzustacheln, denn anders wäre auch das fast poppig-traurige “The sinking belle (Blue sheep)” nicht zu erklären. Einzeln wären beide wohl kaum für so viele Melodien in Kombination mit dem butterweichen Gesang von Jesse Sykes zu haben. Und auch nicht für das Ambient-Stück “Fried eagle mind”, das sich erst gegen Ende zu einem dunklen, kratzenden Monster entwickelt.

Den berauschenden Abschluß findet dieses kleine Drone-Meisterwerk mit Blick über den Tellerrand in “Blood swamp”, in dem Kim Thayil von Soundgarden messerscharf seine Gitarre wetzt. Das piept und fiept regelrecht im Ohr. Unsere Doktorenfreunde sitzen am Tisch und halten sich schmerzverzerrt die Ohren zu. Wir können nur grinsen. Aber mit der perfekten Symbiose haben die Männer vom Fach trotzdem Recht.

Tracklist:
01) etna
02) n.l.t.
03) the sinking belle (blue sheep) (feat. jesse sykes)
04) akuma no kuma (feat. joe preston)
05) fried eagle mind
06) blood swamp (feat. kim thayil)

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Kotzbrocken

Thursday, October 26th, 2006 at 23:12

| aktueller song: shun – closure |

Converge – No Heroes
Vö: 20. Oktober 2006
Label: Epitaph / SPV
Länge: 41:43 min
Hit: Grim Heart / Black Rose
Punkte: 7/10

Converge - No Heroes

Das Converge-Phänomen. Es gibt nur zwei Seiten: Entweder man liebt sie oder haßt sie. Dazwischen existiert nichts. Kompromisse sind scheiße. Entweder ganz oder gar nicht also. Und das sowohl bei der Band als auch beim Publikum. Zum Teufel also mit “Jane Doe” und “You fail me”. Meilensteine von gestern. Es geht sowieso nur um das Hier und Jetzt. Die Kunst des Weiterentwickelns in der eigens geschaffenen Nische. Die Kunst des Augenblicks. Die momentane Wut und Aggression gepaart mit der hohen Kunst, diese zu vertonen.

Und die ist groß. Verdammt groß. Von “Heartache” bis zu “Vengeance”. Reines Gedresche. Vertonter Haß. Wut. Das pure Angepißtsein. Kleine Hardcore-Brocken mit der Aufschrift “Hier! Friß oder stirb, Arschloch!” “Weight of the world” ist dann der instrumentale Ausklang dieses Rundumschlags. Die kurze Minute zum Verschnaufen. Aber auch die bedrückende Minute vor dem Sturm. Falsch, vor dem Orkan und der endgültigen Verwüstung. Der Titeltrack “No heroes” putzt dann locker alles. Schwupps, in rund vier Minuten wurde plötzlich alles kurz und klein gehackt, bevor sich die gesamte Platte über das schleppende “Plagues” zuspitzt, um sich dann im überlangen “Grim heart / Black rose” zum Höhepunkt aufzuplustern.

Ein herzliches Willkommen im kreativen Converge-Gehirn, denn hier fließt so ziemlich alles zusammen: instrumentale Dramatik, die eingängige Singstimme vom Gast Jonah Jenkins (Miltown, Only Living Witness), der Ausbruch am Ende und all das verpackt in Struktur mit einem inhaltlichen rotem Faden. Doch vom Kopf geht es danach auch genauso schnell wieder in die Magengegend. “Orphaned” und “Versus” ballern in gewohnter Converge-Manier alles weg. Einzig das zwischenzeitliche “Lonewolves” überrascht mit seinem großteils klarem Gesang von Schreihals Jacob Bannon. Verblüffend ist auch “Trophy scars”, das in der Tat glatt als Single durchgehen könnte. Nur selten erlebt man Converge derart tanzbar und melodiös. Zum Feiern fast.

Nun, Converge gehen ihren Weg unbeirrt weiter, wenn auch einen Tick weniger brillant als auf den Vorgängern. Musik zwischen Krankheit und Kunst. Dazwischen gibt es nicht viel. Das ist ihr Stil. Ihre Nische. Ihr Leben. Genauso wie Bannon mit kleineren Abweichungen seinem gestalterischen Stil treu bleibt. Den kennt man, da weiß man, was man hat. Und er ist großartig, läßt bloß wenig Platz für große Kompromisse. Aber die sind ja ohnehin scheiße. Und wer hätte überhaupt im Entferntesten nur daran geglaubt, daß Converge zum Verhandeln vorbeigekommen sind?

Tracklist:
01) heartache
02) hellbound
03) sacrifice
04) vengeance
05) weight of the world
06) no heroes
07) plagues
08) grim heart / black rose
09) orphaned
10) lonewolves
11) versus
12) trophy scars
13) bare my teeth
14) to the lions

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Die Verlierer-WG

Sunday, October 22nd, 2006 at 12:47

| aktueller song: sepultura – false |

Dry Kill Logic – Of Vengeance And Violence
Vö: 29. September 2006
Label: Psycho Drama / Repossession / Rough Trade
Länge: 52:48 min
Hit: Kindgom Of The Blind
Punkte: 5/10

Dry Kill Logic - Of Vengeance And Violence

Jeder kennt diese Momente, in denen man kaum glaubhafte Geschichten vernimmt, denen unweigerliche Gedanken folgen. Man fragt sich: “Halloooo?! Wie bescheuert muß man denn eigentlich sein?” Wenn man zum Beispiel erfährt, daß der ehemals beste Kumpel mit dem 1,1er-Abitur und BLW-Uni-Abschluß mittlerweile in Mecklenburg-Vorpommern wohnt, seit Jahren Hartz IV bezieht und das auch noch ziemlich klasse findet. Oder wenn man erfährt, daß dieser Horst jetzt mit Lottokönig Klaus von vor 5 Jahren gemeinsam eine 34qm-Wohngemeinschaft gründet, weil jener seine 4 Millionen auch schon verpulvert, versoffen oder sonstwas hat. Klasse.

Okay okay, zugegeben: Das ist extrem, und Dry Kill Logic wohnen sicherlich auch noch nicht in Mecklenburg-Vorpommern, aber irgendwas ist trotzdem schief gelaufen. Auf die ganzen Zickereien und Streitigkeiten mit ihren Labels Steamhammer und Roadrunner oder auch innerhalb der Band selbst wollen wir aus Platzmangel gar nicht erst eingehen. Aber auch sonst. Denn pünktlich zum Song “Kindgom of the blind” schreckt man plötzlich und völlig unerwartet hoch, nachdem man zuvor die letzten 20 Minuten gelangweilt von gutem Standard-Metalcore immer weiter weggeschlummert ist.

“Oh, mein Gott?! Was war das?!” Am besten noch einmal die CD aus dem Player rausholen und schauen, ob man wirklich noch die richtige drin hat. Ja, Dry Kill Logic. “Scheiße, die können die ja verdammt catchy und hypereingänige Songs in Halbballadenform schreiben.” Und noch einmal Scheiße: “Das klingt sogar nach was.” Stop! Repeat. Noch einmal hören. “Kingdom of the blind”. Sehr schön.

Aber danach geht es wieder los. Doublebass hier und da und überall. Breakdown. Moshpart. Geschrei. Ein paar cleane Gesangsstimmen zum Mitsingen. Jedes der aufgerundet zweieinhalb Soli vor (“4039″) und nach (“Confidence vs. consequence”) DEM Song könnte man also gut gemeint schon als “nette Abwechselung” durchgehen lassen. Die selbstredend in der nächsten Double-Break-Mosh-Attacke aber wieder vergessen wird. Und dann, genau in all diesen Momenten, fragt man sich wieder und wieder: “Warum verschleudert eine Band ihr Potential so dermaßen?” Schwer begreiflich.

Denn auch im abschließenden “In memoria di” oder teilweise in “My dying heart” zeigen Dry Kill Logic, daß sie locker zu mehr in der Lage wären, als eine weitere – wenn auch ordentliche – Metalcore-Band zu sein. Denn im Grunde sind alle Voraussetzungen erfüllt. Das hippe Metalcore-Programm haben sie drauf, und einige weitere gute Ansätze sind auch vorhanden. Also macht was draus, denn in der Verlierer-WG von Horst und Klausi ist eh kein Platz mehr für euch.

Tracklist:
01) l5 [prologue]
02) my dying heart
03) 4039
04) caught in the storm
05) from victim to killer
06) innocence of genius
07) boneyard
08) kingdom of the blind
09) dead mans eyes
10) confidence vs. consequence
11) breaking the broken
12) lying through your teeth
13) in memoria di

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Man dankt

Saturday, October 21st, 2006 at 12:25

| aktueller song: mediavolo – mass anasthesia |

Lamb Of God – Sacrament
Vö: 13. Oktober 2006
Label: Prosthetic / Epic / SonyBMG
Länge: 46:14 min
Hit: Walk With Me In Hell
Punkte: 6/10

Lamb Of God - Sacrament

Dankbarkeit ist eine Herzensangelegenheit sagte einst Jean-Baptiste Massillon sinngemäß.

“D.Randall would like to thank:
Anyone in this world with half a brain and worthy of respect. As for the rest of you, (that being 99,9999999% of humanity) you are a disease on this planet, festering and rank. You are killing the earth. If had a genetic bomb that would exterminate you all, I would drop it now. Take a look around at the world we live in – ya’ll have fucked it up and you have no one to blame but yourselves.”

Aber er muss es wissen, denn Sänger Randy Blythe hält nicht viel von realitätsfernem Geschwafel. Keine Monster und so. Stattdessen jedoch ebenso harsche Sozial- und Politikkritik. Ja, “Sacrament” ist immer noch tagesaktuell und politisch. Und die Nachrichten machen einen so krank und auch verdammt wütend. Das hört man bei Lamb Of God auch schließlich in jeder Sekunde. Aber selbst das kommt wiederum alles von Herzen.

“Lamb Of God would also like to thank the following for constant support:
Pro-Mark Sticks, ESP Guitar, GHS Strings, Sennheiser, EMG Pickups, Tech 21 NYC …”

Das ist auch bitter nötig, denn sicher täglich mußten all diese Firmen LKW-weise neue Technik ins Studio karren. Da werden ganze Schlagzeugsets allein im Opener “Walk with me in hell” in wüsten Moshparts zerknüppelt. Dazu gesellen sich zig von Slayer und anderen Thrash-Bands inspirierte Riffs und massenhaft Soli, die locker mehrere Kilometer an Saiten reißen ließen. Und dann wieder das rhythmische, fast perkussive, Drumming von Chris Adler. Ja, “Sacrament” ist ein technisches Album, das mit Majorbudget auch dementsprechend prall und wuchtig klingt. Am markantesten dürfte jedoch die Stimme des Sängers sein. Schreien, Geifern, Fluchen, Rotzen, Brüllen, Gröhlen, Plärren, Kreischen, Speien. Es gibt kaum etwas, was der Typ nicht kann. Fehlt nur noch der Dank an den Hersteller der Halsschmerztabletten.

Auch leider unter den Tisch gefallen ist der Dank an Pantera. Aber vielleicht wäre das letzten Endes doch zu offensichtlich gewesen, denn im Grunde geht “Redneck” auch ohne expliziten Verweis als lupenreine Hommage an die omnipräsenten Helden durch. Aber selbst der schon genannte, auf modern gemachte Opener und das verhältnismäßig melodische “Descending” wirken trotz aller Strukturiertheit abwechslungsreich und bieten nach Knüpplern wie “Forgotten (Lost Angels)” den nötigen Kontrast zum Festklammern. Lamb Of God hingegen könnten nach so vielen Alben langsam einmal die Genregrenzen loslassen.

“Don’t fear death, because it’s comin’ anyway bitch cakes. Instead fear never having truly lived.”

Augen zu und durch.

Tracklist:
01) walk with me in hell
02) again we rise
03) redneck
04) pathetic
05) foot to the throat
06) descending
07) blacken the cursed sun
08) forgotten (lost angels)
09) requiem
10) more time to kill
11) beating on death’s door

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Herbstkummer

Friday, October 20th, 2006 at 00:41

| aktueller song: spylacopa – bassface |

Under Byen – Samme Stof Som Stof
Vö: 20. Oktober 2006
Label: Morningside / Pias / Rough Trade
Länge: 53:27 min
Hit: Den Her Sang Handler Om At Få Det Bedste Ud Af Det
Punkte: 7/10

Under Byen - Samme Stof Som Stof

Naturverbundenheit ist keinesfalls nur etwas für Okös, Hippies oder fanatische Grüne, die aus Prostest ihr Leben lang barfuss laufen. Vielmehr dient die Natur vielen als Inspirationsquelle und als Platz zum Zurückziehen, um seine Gedanken frei zu sammeln. Under Byen taten das auch. In den tiefen und dunklen Wäldern Schwedens wurden die neuen Songs aufgenommen. Und so klingt es auch. Melancholisch nämlich. Passend zum Beginn der herbstlichen Tage also. Kunterbuntes Laub und davonfliegende Vogelschwärme runden die seufzende Herbstpop-Stimmung ab. Hach, ja.

Aber Davonfliegen war schon ein gutes Stichwort, denn hin und wieder machten das Under Byen auch mal. So ging es auf Inspirations- und Songschreibereise nach Brüssel zum Beispiel, wo in alten Häusern mit allerhand Materialien experimentiert wurde. Zwischendurch gab es einige Konzerte, in der die Band den Charme der Liveimprovisation neuentdeckte. Und das ist die wesentliche Entwicklung gegenüber dem in Björkambiente schwelgenden “Det Er Mig Der Holder Træerne Sammen”. Songs wie “Film Og Omvendt” oder “Af Samme Stof Som Stof” spielen nur so mit neuen Ansätzen und absurden, aber herrlich funktionierenden Instrumentalisierungen. Das macht das Verständnis natürlich keineswegs einfacher, aber bei genauerem Hinsehen bzw. Hinhören entfalten sich unzählige schaurig-schöne Melodien. Wie in der Natur eben. Und dann noch diese Atmosphäre dazu! Hach ja, aber der Herbst kann kommen.

Tracklist:
01) pilot
02) den her sang handler om at få det bedste ud af det
03) tindrer
04) heftig
05) panterplanker
06) af samme stof som stof
07) film og omvendt
08) mere af det samme og meget mere af det hele
09) siamesisk
10) liste over sande venner og forbilleder
11) palads
12) slå sorte hjerte

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Der Schmuddelclub

Thursday, October 19th, 2006 at 00:05

| aktueller song: moby – the sky is broken |

These Arms Are Snakes – Easter
Vö: 13. Oktober 2006
Label: Jade Tree / Cargo
Länge: 46:26 min
Hit: Crazy Woman Dirty Train
Punkte: 6/10

These Arms Are Snakes - Easter

Ganz klar, These Arms Are Snakes ist eine Band, die in kleine, verschwitzte Hinterhoflokale gehört. Rotziger Noise, der genauso verquer ist, wie all die verqueren Gestalten in der muffigen Bude da hinten. So muss das sein. Das ist auch ein Grund, warum “Easter” im heimischen Wohnzimmer zwischen Kuschelsofa und Ikea-Schrankwand nur schwerlich zündet. Für gewöhnlich fehlt dort einfach der nötige Qualm. Das Chaos. Die Schmuddelatmosphäre. Und Grund Nummer 2 ist, dass schon der eröffnende Song “Mescaline Eyes” viel geradliniger rockt als das wirre Vorängeralbum “Oxeneers Or The Lion Sleeps When Its Antilope Go Home”. Zum Glück gibt aber auch den Gegenpol im abschließenden “Crazy Woman Dirty Train”. Da kratzt wieder alles, alles wirkt zerfahren, unberechenbar und schief und krumm. Überhaupt wird die Platte gegen Ende viel undurchsichtiger und experimenteller im Kontrast zum Beginn. Willkommen zurück Schmuddelclub, wenn auch nur für einen kurzen, aber energischen Auftritt.

Tracklist:
01) mescaline eyes
02) horse girl
03) subtle body
04) desert ghost
05) child chicken play
06) hell’s bank notes
07) abracadabraca
08) deer lodge
09) lady north
10) perpetual bris
11) coporeal
12) crazy woman dirty train

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Überraschungseffekte

Wednesday, October 18th, 2006 at 10:01

| aktueller song: oceansize – music for a nurse |

Hurt – Vol. 1
Vö: 22. September 2006
Label: Capitol / EMI
Länge: 56:56 min
Hit: Overdose
Punkte: 6/10

Hurt - Vol. 1

Unverhofft kommt oft. Plötzlich einsetzender monsunähnlicher Regen, wenn man voll gepackt mit Aldi-Tüten vom Einkauf kommt. Oder die selten verläßlichen öffentlichen Verkehrsmittel, die immer genau dann Oberleitungsausfälle haben, wenn man sein entscheidendes Vorstellungsgespräch hat. Verflucht! Doch einmal im Jahr geschieht unangekündigt sogar mal etwas Gutes. Okay, beim Lottospielen hat es für uns leider nicht gereicht, deswegen nagt die Redaktion weiter am Hungertuch. Mist! Aber soll der sympathische Krankenpfleger doch seine 37,5 Millionen Euro haben. Dafür erreichte uns die Tage ja ganz unverhofft das Debüt-Album von Hurt.

Und siehe da, uns passiert auch einmal etwas Positives, womit wir nicht gerechnet haben. Juchuu! So ganz haben wir die Lottoniederlage zwar noch nicht verdaut, denn gerne hätte wir auch ein oder zwei Milliönchen angenommen, die wir dann prompt – sozial wie wir nun einmal sind – großteils für gute Zwecke gespendet hätten. Zum Beispiel dafür, daß sich Hurt einen ordentlichen Designer engagieren können, der ihnen zumindest ein nur halb so häßliches Cover und Booklet basteln kann. Denn scheinbar haben die ihr gesamtes Major-Budget beim Aufnehmen und Abmischen des Albums verbraten. Aber wenn dem so sei, dann hat es sich zumindest gelohnt.

Denn es ist schon etwas erschreckend und erstaunlich zugleich, was einen beim Hören plötzlich für Gedanken und Bandnamen durch den Kopf schießen. Tool! Bloß irgendwie mehr bauch- statt kopflastig. Emotionaler. Gleichzeitig muß man beim Einsetzen des zwischen weinerlich und aggressiv variierenden Gesangs an Ed Kowalczyk von Live denken. Oder an eine abwechslungsreichere und intelligentere Ausgabe von Staind und Shinedown. Da hilft kein Drehen und Wenden, man bleibt immer bei den großen Namen hängen. Und das für ein Debüt-Album wohlgemerkt. Nicht einmal Akustikgitarren und die vereinzelt mit Streichern untermalten Songs wirken kitschig. Damn it!

Exemplarisch für unser unverhofftes Gejubel sollte man sich nur einmal “Overdose” herauspicken. Alles von laut bis leise und von nachdenklich bis austickend wurde hier durchaus eigen in aufgerundet sieben Minuten zusammengepackt. Durchaus beachtlich. Sicherlich ist “Vol. 1″ ein ziemliches, manchmal dadurch störendes Auf-Nummer-sicher-Album. Aber ein gutes und eingängiges. Das ist ja auch nichts schlimmes, denn auch unser sympathischer Krankenpfleger wäre schön blöd, wenn er sein Glück sofort verpulvern würde. Wir gönnen es beiden von Herzen.

Tracklist:
01) shallow
02) rapture
03) overdose
04) falls apart
05) forever
06) losing
07) unkind
08) danse russe
09) dirty
10) cold inside
11) house carpenter

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