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Music Media Campus 2006
18. – 22. September 2006 – Berlin, Popkomm Messe

“Themen, Trends und journalistischer Geschmack – wer schreibt was für wen?: Redaktionelle Unabhängigkeit versus Anzeigengeschäft – was bedeutet es ein Musikmagazin zu produzieren und nach welchen Kriterien werden Themen und Künstler für die Veröffentlichung ausgewählt. Dieser Workshop im Rahmen der Popkomm Messe diskutiert und trainiert verschiedene Formate des Musikjournalismus und die besonderen Anforderungen an zielgruppengerechte Sprache und Schreibstil.” (Ausschreibung)
Ein Blick in eine Welt, in der Sender, Empfänger und Produzent ein und dasselbe sind
Nachdem sich Moderator Jens Quandt ordnungsgemäß bei jedem Sponsor vorbildlich bedankt hat, ist die Bühne frei zum inoffiziellen Beginn der Popkomm Messe 2006. Und Tim Renner (Motor Entertainment) spricht einem wirklich aus der Seele, wenn er sich humoristisch, aber vor allem auch fachkundig, über die großen Konkurrenten im Musikgeschäft „lustig“ macht. Verschlafen haben sie die digitale Revolution, sich gar darüber amüsiert. Wohl wahr. Und wenn man an dieser Stelle an die Trägheit der Major-Labels bei der Konferenz im Rahmen der c/o pop zurückdenkt, dann hat man das zwar alles schon mal gehört, fühlt sich aber wieder einmal bestätigt. Fragt man sich nur, warum diese großen Konzerne nicht selbst mitbekommen, daß sich das Geschäft radikal gewandelt hat. Denn daß der “Konsument” mittlerweile, abgesehen vom reinen Empfänger, eben auch Sender und gar zum Produzent selbst geworden ist, daß sehen sogar unsere Omas.
Music sounds better with you – Musikjournalismus in der Praxis
Fast so schwammig wie das Thema war, auch diese Podiumsdiskussion. Was aber nicht zwangsläufig heißt, daß es langweilig war, denn gerade Yessica Yeti (Musiker, Redaktion uncle sally’s) und Buzz Dee (Gitarrist von Knorkator) übertrafen sich an Witzigkeit und dem Klopfen von Sprüchen. Fragen, was Musikjournalismus nun kenn- und auszeichnet, blieben aber weitestgehend unbeantwortet, auch wenn ohnehin schnell ein Konsens gefunden wurden wäre. Und daß es in Zukunft Musikjournalisten geben muss und geben wird, dürfte neben Caroline Frey (Chefredaktion uncle sally’s), Fritz Braum (Geschäftsfüher Four Music) und Thomas Müller (Motor FM) auch allen anderen ohnehin klar sein. Die wirklich spannende Fragen allerdings, wie genau diese Tätigkeit im Zuge der von Tim Renner angesprochenen und kommenden Entwicklung aussehen wird, wurde fast völlig umgangen. Schade eigentlich, aber dafür gab es ja die netten Interviewepisoden mit abgedrehten Musikern zur Aufheiterung.
Fritz Music Tour
Das volle Touristenprogramm einmal anders. Zwar ging es im klimatisierten Bus kreuz und quer durch Berlin, aber eben nicht zum Brandenburger Tor und dem Fernsehturm im Fußball-Look. Ziel war die Berliner Club- und Musiklandschaft. Nette Episoden gibt es schließlich zu jedem Club, egal ob nun Knaack, Magnet, SO 36, den legendären Tresor-Club oder die riesigen Festivalhallen. Ganz nebenbei erfährt man auch wie Wir sind Helden zu ihrem Namen kamen, wo sie selbst gern ausgehen oder daß Rod von den Ärzten die Love Parade ganz dufte findet. Ganz nett fanden übrigens auch Depeche Mode unsere Hauptstadt, sonst wären sie wohl kaum in den 80ern dorthin gezogen. Und auch Iggy Pop und David Bowie dürften noch die ein oder andere Erinnerung an Berlin haben, denn haben sie doch tatsächlich des öfteren ziemlich viel Alkohol, Drogen und Frauen konsumiert. Wieder was Geschichtliches gelernt. Nichts gelernt hat im Gegenzug Bushido, denn der stellt im auf der Tour vorgeführten Interview eindrucksvoll unter Beweis, daß er mit Abstand zur Intelligenz-Unterschicht von Deutschland gehört. Wir bedanken uns für die witzige Tour und gratulieren Bushido zu 10 IQ-Punkten.