Archive for September, 2006

Harte Mischung

Thursday, September 28th, 2006 at 21:21

| aktueller song: breach – seven |

Intronaut – Void
Vö: 20. November 2006
Label: Goodfellow / Lifeforce / Soulfood
Länge: 50:18 min
Hit: Teledildonics
Punkte: 7/10

Intronaut - Void

Erfrischungen sind verdammt klasse. Gesunde Luft und ein gekühltes Bier nach einem schweißtreibenden Konzert zum Beispiel. Oder auch zu Hause das Einlegen des Debüt-Albums von Intronaut. Herrlich. Böser Metal, zäher Sludge, düsterer Doom, verspielter Prog und rotziger Stoner nebeneinander, ineinander und übereinander hat man dieser Form selten gehört. Das macht Sinn und ist eine erfrischend neue Mischung. Aber irgendwie auch mächtig schwere Kost, wenn gleich zwei Sänger in ihr Mikrofon plärren. Denn genau dort wachsen danach sicher keine hübschen Blümchen mehr. Doch gibt es auch hier und da klitzekleine Lichtblicke und melodische Verschnaufpausen, wenn wie in “Teledildonics” einen eine dunkle, aber verträumte Atmosphäre umschließt. Das bietet Abwechselung, tut erstaunlich gut, aber drückt auch wie nach einem guten Konzert noch am nächsten Morgen noch im Kopf.

Tracklist:
01) monolithic vulgarity
02) gleamer
03) fault lines
04) nostalgic echo
05) teledildonics
06) iceblocks
07) rise to the midden
08) fragments of character (bonus track)

© written for unclesally*s

Posted in Platten
by admin

Fachbericht vom Klo

Sunday, September 24th, 2006 at 00:43

| aktueller song: hurt – cold inside |

Popkomm 2006
20. – 22. September 2006 – Berlin, Messe

Popkomm 2006

Pssst. Wir wollen euch ein kleines Geheimnis verraten: also, wer nicht auf die popkomm konnte, der hat nichts verpasst. War ohnehin irgendwie langweilig. Aber nicht weitersagen, ge?!

Um eins klarzustellen: wir meinen nicht die Konzerte! Im Gegenteil. Dort flossen eine Menge Schweiß, Bier und die ein oder andere melancholische Freudenträne. Aber wer jetzt dachte, ihm seien auf den Messeausstellungen Stars und Sternchen entgangen, hat sich geschnitten. Stattdessen traf man viel zu viele gekränkte Anzugträger hinter langweiligen Ständen, die gute Miene zur schlechten wirtschaftlichen Situation der Musikindustrie machten. Vergeblich übrigens. Zuviel Schlechtes gab es in letzter Zeit auf unsere wählerischen Ohren. Grund genug also, sich genau dort einmal umzuhören, wo diese Verwurstungen eigentlich hingehören: ins Klo.

Schließlich gehören die fleißigen Reinigungsfachkräfte der popkomm als Durchschnittverbraucher auch zur Zielgruppe der Industrie und legen zudem erstaunliche Musikkenntnisse an den Tag. Okay, dieses Wissen beweisen die vier befragten Frauen und Männer, die kurioserweise ohne Absprache alle anonym bleiben wollen, nicht auf Anhieb. Privat wird dann doch eher “Wolfgang Petry und das aktuelle Zeug halt wegen der Kinder” oder “Techno und so Dance” gehört, aber großes Interesse an Musik haben alle. Immerhin.

Selbst nach Feierabend schlendern sie noch einmal über die Messe und erleben diese als durchweg positiv und informativ. Und das obwohl “Manager in der Regel alle Stehpinkler sind” und es deswegen eigentlich “kaum Zeit für eine Mittagspause oder zum Rauchen” bleibt. Da würde es sich ja anbieten, wenn zur Erleichterung der Arbeit ein bisschen Musik in den Toiletten gespielt werden würde. Genau hier erweist sich dann das Personal als Frau bzw. Mann vom Fach. So würde dann neben Bob Sinclar feat. Gary Pine mit dem Fußball-WM Song “Love Generation” unter anderem auch Christina Stürmer mit „Nie genug“ auf den popkomm-Klos erklingen. Euphorische und vor allem erfolgreiche Geschäfte aller Art wären damit mehr als vorprogrammiert.

Doch trotz der Begeisterung auf allen Seiten findet das Reinigungspersonal, dass “zu wenig Normalmenschen wie wir” in die Messe eingebunden werden. Da stimmen wir heimlich einmal zu, denn irgendwie kamen wir uns mit unseren zerrissenen Hosen unter so vielen Krawatten auch etwas peinlich vor. Aber pssst, ge.

Posted in business
by admin

Music Media Campus

Friday, September 22nd, 2006 at 00:21

| aktueller song: glass casket – i slept |

Music Media Campus 2006
18. – 22. September 2006 – Berlin, Popkomm Messe

Music Media Campus 2006

“Themen, Trends und journalistischer Geschmack – wer schreibt was für wen?: Redaktionelle Unabhängigkeit versus Anzeigengeschäft – was bedeutet es ein Musikmagazin zu produzieren und nach welchen Kriterien werden Themen und Künstler für die Veröffentlichung ausgewählt. Dieser Workshop im Rahmen der Popkomm Messe diskutiert und trainiert verschiedene Formate des Musikjournalismus und die besonderen Anforderungen an zielgruppengerechte Sprache und Schreibstil.” (Ausschreibung)

Ein Blick in eine Welt, in der Sender, Empfänger und Produzent ein und dasselbe sind

Nachdem sich Moderator Jens Quandt ordnungsgemäß bei jedem Sponsor vorbildlich bedankt hat, ist die Bühne frei zum inoffiziellen Beginn der Popkomm Messe 2006. Und Tim Renner (Motor Entertainment) spricht einem wirklich aus der Seele, wenn er sich humoristisch, aber vor allem auch fachkundig, über die großen Konkurrenten im Musikgeschäft „lustig“ macht. Verschlafen haben sie die digitale Revolution, sich gar darüber amüsiert. Wohl wahr. Und wenn man an dieser Stelle an die Trägheit der Major-Labels bei der Konferenz im Rahmen der c/o pop zurückdenkt, dann hat man das zwar alles schon mal gehört, fühlt sich aber wieder einmal bestätigt. Fragt man sich nur, warum diese großen Konzerne nicht selbst mitbekommen, daß sich das Geschäft radikal gewandelt hat. Denn daß der “Konsument” mittlerweile, abgesehen vom reinen Empfänger, eben auch Sender und gar zum Produzent selbst geworden ist, daß sehen sogar unsere Omas.

Music sounds better with you – Musikjournalismus in der Praxis

Fast so schwammig wie das Thema war, auch diese Podiumsdiskussion. Was aber nicht zwangsläufig heißt, daß es langweilig war, denn gerade Yessica Yeti (Musiker, Redaktion uncle sally’s) und Buzz Dee (Gitarrist von Knorkator) übertrafen sich an Witzigkeit und dem Klopfen von Sprüchen. Fragen, was Musikjournalismus nun kenn- und auszeichnet, blieben aber weitestgehend unbeantwortet, auch wenn ohnehin schnell ein Konsens gefunden wurden wäre. Und daß es in Zukunft Musikjournalisten geben muss und geben wird, dürfte neben Caroline Frey (Chefredaktion uncle sally’s), Fritz Braum (Geschäftsfüher Four Music) und Thomas Müller (Motor FM) auch allen anderen ohnehin klar sein. Die wirklich spannende Fragen allerdings, wie genau diese Tätigkeit im Zuge der von Tim Renner angesprochenen und kommenden Entwicklung aussehen wird, wurde fast völlig umgangen. Schade eigentlich, aber dafür gab es ja die netten Interviewepisoden mit abgedrehten Musikern zur Aufheiterung.

Fritz Music Tour

Das volle Touristenprogramm einmal anders. Zwar ging es im klimatisierten Bus kreuz und quer durch Berlin, aber eben nicht zum Brandenburger Tor und dem Fernsehturm im Fußball-Look. Ziel war die Berliner Club- und Musiklandschaft. Nette Episoden gibt es schließlich zu jedem Club, egal ob nun Knaack, Magnet, SO 36, den legendären Tresor-Club oder die riesigen Festivalhallen. Ganz nebenbei erfährt man auch wie Wir sind Helden zu ihrem Namen kamen, wo sie selbst gern ausgehen oder daß Rod von den Ärzten die Love Parade ganz dufte findet. Ganz nett fanden übrigens auch Depeche Mode unsere Hauptstadt, sonst wären sie wohl kaum in den 80ern dorthin gezogen. Und auch Iggy Pop und David Bowie dürften noch die ein oder andere Erinnerung an Berlin haben, denn haben sie doch tatsächlich des öfteren ziemlich viel Alkohol, Drogen und Frauen konsumiert. Wieder was Geschichtliches gelernt. Nichts gelernt hat im Gegenzug Bushido, denn der stellt im auf der Tour vorgeführten Interview eindrucksvoll unter Beweis, daß er mit Abstand zur Intelligenz-Unterschicht von Deutschland gehört. Wir bedanken uns für die witzige Tour und gratulieren Bushido zu 10 IQ-Punkten.

Posted in business
by admin

Kurz gelacht

Thursday, September 21st, 2006 at 03:58

| aktueller song: tool – schism |

Ich, Du und der Andere
Vö: 21. September 2006
Verleih: UIP
Genre: Komödie | USA 2006
Länge: 109 min
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch: Mike LeSieur
Musik: Rolfe Kent
Kamera: Charles Minsky
Schnitt: Peter B. Ellis
Darsteller: u.a. Owen Wilson, Matt Dillon, Kate Hudson, Michael Douglas
Punkte: 4/10

Ich, Du und der Andere

Handlung:

Carl und Molly könnte es nicht besser gehen. Traumhochzeit, ein schönes Haus, gute Jobs und große Liebe. Das perfekte Leben. Natürlich bleibt das nicht lange so, denn nachdem Carls bester Kumpel Dupree arbeitslos um Asyl bittet, kann dieser natürlich nicht ablehnen und das Chaos nimmt fortan seinen Lauf. Während Carl und seine Ehefrau noch hoffen, daß sich das Problem von allein löst, werden die Partys von Dupree immer ausgelassener und mit der Zeit fühlt er sich fast wie zu Hause. Da kommt es schon einmal dazu, daß das halbe Wohnzimmer abfackelt oder das Bad überschwemmt wird. Trotz aller Umstände freundet sich die gutherzige Molly mit dem Tollpatsch Dupree an, was Carl vor Eifersucht völlig zum Ausrasten bring, so daß am Ende neben der Freundschaft auch sein Job und seine Ehe in Gefahr sind.

Hintergrund:

Die beiden Regiebrüder Anthony und Joe Russo scheinen ein Faible für schräge Filmtitel zu haben, denn ihre vorherige Filminszenierung trug den ebenso verqueren Titel “Safecrackers oder Diebe haben’s schwer”. Prägnanter hingegen wirkt der kurze Gastauftritt des zig-malen “Tour de France”-Siegers Lance Armstrong, der – wie sollte es anders sein – mal kurz durchs Bild radelt. Ausgeradelt hat sich hingegen während der Dreharbeiten die 6-jährige Ehe von Kate Hudson und dem Black Crowes Sänger Chris Robinson. Da trifft aber Owen Wilson keinerlei Schuld.

Sinn:

“Ich, du und der Andere” dürfte ohne Zweifel in der Kategorie “unspannendster Filmtitel” die Nase vorn haben. Doch leider war das auch schon der einzige Preis, den es zu gewinnen gibt, denn ansonsten dominiert eindeutig das Mittelmaß. Mittelprächtige Witze und Sketche über Sex und Junggesellen, die von mittelprächtigen Stereotyp-Charakteren dargestellt werden. Klar ist es etwas witzig, wenn der Tollpatsch Dupree die halbe Bude abfackelt, aber nun ja sind wir ehrlich, trotzdem haben wir schon mehr gelacht. Schlussendlich lebt der Film von Owen Wilsons Timing für Situationskomik und wurde bewusst auch daraufhin ausgerichtet. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn deswegen Michael Douglas und Kate Hudson vergleichsweise untergehen. Dupree und die Anderen eben.

© written for triggerfish

Posted in Filme
by admin

Endgegner

Saturday, September 16th, 2006 at 00:10

| aktueller song: fear my thoughts – ghosts of time |

Mastodon – Blood Mountain
Vö: 08. September 2006
Label: Relapse / Warner Bros.
Länge: 68:14 min
Hit: Sleeping Giant
Punkte: 7/10

Mastodon - Blood Mountain

Um diesen Berg ringen sich zig Legenden und Sagen, doch bis heute hat sich noch kein Lebewesen hinauf gewagt. Zu gefährlich scheinen die Gefahren und Hindernisse auf dem Weg. Ungeheuer, Naturgewalten und Wahnvorstellungen müssen überwunden und durchlitten werden. Doch das Ziel ist zu verlockend: die nächste Stufe der menschlichen Evolution. Der Übermensch?

Mastodon treten nun die Reise an und wollen den “Blood mountain” erklimmen. Alle sind angespannt, denn es wird ein Höllentrip, auf dem Blut fließen wird und jederzeit Überraschungen aus dem Hinterhalt einen das Leben kosten können. Noch nicht richtig gestartet, lauert am Fuße des Berges auch schon die erste Gefahr. “The wolf is loose”. Ein gefährlicher Wolf, der zu allem bereit ist und ohne Kompromisse kurz und schmerzlos an die Grenze geht. Doch die Irrreise hat erst begonnen. Mit harten Richtungswechseln und vielen Wendungen müssen sich nun die Reisenden soloartig am “Crystal skull” vorbeikämpfen, bevor sie auf den schlafenden Riesen treffen. Ein riesiges schleppendes Monster, was einen sofort umschlingt und in die Tiefe reißt, wenn man nicht leise und in gemäßigten Tönen an ihm vorbei schleicht.

Und so langsam machen sich zudem auch die Strapazen der Odyssee bemerkbar: Der Hunger und der schon längst verloren gegangene richtige Pfad kosten Kraft und gehen an die Nerven. “Capillarian crest” wirkt jazzig-hektisch, suchend, gestört und irgendwie auch verzweifelt. Doch es gibt auch so etwas wie Wunder. Denn kurz bevor Mastodon in “Circle of cysquatch” von einäugigen Yetis ziemlich wüst zerfleischt werden, wendet sich das Blatt, und diese stellen sich als doch ganz liebenswert heraus. Also Grund genug, um in “Bladecatcher” eine ausgelassene Science-Fiction-Party zu feiern. Doch die Feier soll nicht lange andauern, denn die “Colony of birchmen” – eine Rasse kleiner Baummenschen – schließen sich zusammen zu einem Riesenbaum in Josh-Homme-Form und jagen die Reisenden trotz markant melodiöser Stimme in die Flucht.

Über Motörhead-Zomies und trügerisch schöne Melodielandschaften kommen Mastodon dem Gipfel immer näher. Das Ziel schon vor Augen und “Siberian divide” fast überwunden, passiert das kaum für möglich gehaltene. Der Absturz. Und das ziemlich abrupt und heftig. Alle drehen durch und zerfleischen sich selbst. Stille. Der Himmel öffnet sich, und Deep Purple klimpern auf ihrer Gitarre. Ist das das Ziel jetzt? Sollte das nicht so ausgehen, daß auf dem Gipfel Schädel und Köpfe rollen müssen und alles in einer riesigen “Mastodon vs. Monster”-Schlacht endet? Ist der “Blood mountain” der unbezwingbare Überberg? Ist die Evolution jetzt gescheitert? Keine Ahnung, nervenaufreibend war die Reise allemal. Aber sind Mastodon jetzt wirklich tot?

Tracklist:
01) the wolf is loose
02) crystal skull
03) sleeping giant
04) capillarian crest
05) circle of cysquatch
06) bladecatcher
07) colony of birchmen
08) hunters of the sky
09) hand of stone
10) this mortal soil
11) siberian divide
12) pendulous skin

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Die neue Welt

Friday, September 15th, 2006 at 12:47

| aktueller song: envy – left hand |

Envy – Insomniac Doze
Vö: 08. September 2006
Label: Rock Action / PIAS / Rough Trade
Länge: 57:54 min
Hit: Scene
Punkte: 8/10

Envy - Insomniac Doze

Was sind die Werte einer heutigen Profilierungsgesellschaft? Alles muß besser gemacht, alles getoppt werden, alles muß schneller gehen. Keine Zeit, sondern Streß, Hektik, Erfolgsdenken. Nein, Erfolgswahn ist das sogar. Verloren gegangen der Blick für das Schöne. Es dominiert die Oberflächlichkeit, weil kein Interesse mehr besteht, sich längerfristig mit etwas zu beschäftigen. Bescheuert. Japan, das Superlativenland mit seinen Ameisenarbeitern, geht als Beispiel voran. Das Land des Lächelns. Ha! Man hat zu lächeln, auch wenn in flitzenden Monstermetropolen die Zeit davon rennt. Hauptsache, der Yen rollt. Geld, das Heilmittel für alles. Irgendwie.

Envy sind Japaner. Und steuern entgegen. Mit Erfolg. Das Ergebnis ist das Zurückerlangen verloren gegangener Charaktereigenschaften. Bescheidenheit. Zurückhaltung. Nachdenkliche Emotionalität statt unkontrollierter Wutausbrüche. Romantische Melancholie. Der Sinn und das Auge für Ästhetik. Authentizität. Subtile Schönheit. Überall. Wahrlich nicht plakativ. Ein Truck vor grauem Himmel auf dem Cover, völlig unscharfe Bilder mit verqueren Belichtungen im Booklet. Beides sicher nicht die Schönheit in reinster Form. Aber da. Da, unterschwellig schwingt etwas mit, was es trifft, was “Insomniac doze” zu etwas Besonderem macht. Vielleicht ist es auch das Konzept, die Idee dahinter, die sich durchzieht wie ein gefestigtes Weltbild. Selbst das ist nicht alltäglich heute.

Ein episches Weltbild aus Melancholie, gepaart mit wahrhaftiger Verzweifelung, die selten so sehr nach Tränen und Halsschmerzen geklungen hat. Eine fesselnde, oft beängstigende Atmosphäre, deren Sperrigkeit allgegenwärtig ist. Die aber prachtvolle Schönheit preisgibt. Diese unterschwelligen, blumigen Melodien, die so zurückhaltend, aber gleichzeitig ähnlich erleuchtend sind wie in die dunkelste Nacht einfallende Lichtstrahlen. Und wenn man sich die Zeit nimmt, die Ruhe nimmt und auch die Energie, die heute keiner mehr aufbringen möchte, um sich auf etwas Unbekanntes, Komplexes einzulassen, dann öffnet sich einem das schwerelose Meer aus umschlingenden Minimalismus und hochrot angeifernden depressivem Schmerz.

Vorbei die Zeiten, in denen Erzählgesang diesen Märchenonkelton besaß. Vorbei auch die Zeiten, in denen Envy etliche Alben lang selbst noch auf der Suche nach jenen genannten Eigenschaften waren. Intelligenter Prog-Screamo-Postrock? Oder einfach unbeschreiblich. Moderne Reduktion verspricht Offenbarung und öffnet die Augen. Augen für das Wichtige, das Wesentliche, das, worauf es ankommt. Zufriedenheit. Scheiß auf Profilierung.

Tracklist:
01) further ahead of warp
02) shield of selflessness
03) scene
04) crystallize
05) the unkonwn glow
06) night in winter
07) a warm room

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

kleiner Streber

Monday, September 11th, 2006 at 17:18

| aktueller song: mastodon – hand of stone |

Misery Signals – Mirrors
Vö: 15. September 2006
Label: Plastic Head / Ferret / Soulfood
Länge: 49:33 min
Hit: The Failsafe
Punkte: 7/10

Misery Signals - Mirrors

Es ist doch immer wieder derselbe Mist. Da hat man eine tolle Idee oder kann etwas Bestimmtes besonders gut, aber dann kommt so ein Dorfdödel daher und weist einen erstmal in die Schranken. Das schlimme dabei ist, der Typ hat Recht. Fuck. Das war damals in der ersten Klasse schon so, als man felsenfest davon überzeugt war, daß 2+2=5 ist. Aber nein, knapp daneben. Verdammt!

Und jetzt ist man um einiges älter, geändert hat sich aber rein gar nichts. Da hat man schon auf jedem Dorffest mit seiner Metalband gespielt, eine kleine selbst organisierte Tour hinter sich und dann erwischt es einen wieder kalt. Misery Signals posten einen Instrumental-Track auf ihrer MySpace-Seite, um einen neuen Sänger zu finden. Klar macht man mit, schließlich hat man Erfahrung.

Bullshit. Karl Schubach ist der neue Mann. Der hat vorher in noch keiner Band gespielt und wusste sicher nicht einmal, wie man das Mikro allein richtig festhält. Wieder wurde man ausgestochen. Und das Schlimmste: der Typ macht seinen neuen Job perfekt. Wer war noch einmal Jesse Zaraska? Vergessen. Denn ohnehin ist der Neue noch variabler im Umgang mit seiner Stimme.

Auch instrumental werden die Melodien jetzt noch melodiöser eingesetzt, als man das vom Vorgänger “Of Malice And The Magnum Heart” noch gewohnt ist. Doch wer nun denkt, man wird eingemummelt von irgendwelchen Strebern im Melodiewahn, der muss sich schon in den ersten Sekunden des Openers “Face Yourself” zum Gegenbeweis zusammenschreien lassen. Und selbst die Single “The Failsafe” lässt weder brüllende Härte, noch melodische Mitsingparts vermissen, bevor sie in einem halbakustischen Instrumentalpart ausklingt. Vielleicht lässt “Mirrors” etwas die so lieb gewonnene Sperrigkeit vermissen, was aber trotz allem nichts daran ändert, daß Misery Signals immer noch die intelligenteren Songs in diesem überfüllten Genre schreiben. Was ist Metalcore? Egal, die Jungs wissen es eh besser.

Tracklist:
01) face yourself
02) the failsafe
03) post collapse
04) migrate
05) one day i’ll stay home
06) something was always missing, but it was never you
07) reverence lost
08) sword of eyes
09) offering to the insatiable sons of god (butcher)
10) anchor
11) mirrors

© written for popcultures

Posted in Platten
by admin

Edelpop

Sunday, September 10th, 2006 at 01:45

| aktueller song: misery signals – mirrors |

Christina Aguilera – Back To Basics
Vö: 11. August 2006
Label: Rca Int. / Sony BMG
Länge: 78:54 min
Hit: Hurt
Punkte: 5/10

Christina Aguilera - Back To Basics

Stagnation ist öde und langweilig, also wird es Zeit sich einmal wieder neu zu erfinden. Außerdem gehört das ja auch irgendwie zum Geschäft. Aber wie? Und vor allem was soll Christina Aguilera verändern, wenn sie schon alles einmal war? Das unschuldige Teenie-Mädchen hat sie genauso imitiert, wie die Britney-Kopie. Das Leben als Pop-Schlampe danach war auch nicht das Wahre. Zu viele ergötzten sich täglich an ihr. Zudem erfüllt Paris Hilton diesen Job ja mittlerweile mit Bravur. Also was dann? Schließlich müssen auch alle zufrieden gestellt werden.

Ganz einfache Lösung: Marilyn Monroe! Das ist Glamour, Kunst und Sex in einem. Und genau das ist jetzt Christinas Ding. Ihre schmuddeligen Erotikposen hat sie zum Glück noch nicht verlernt und damit es nun auch mit der Kunst klappt, wurde prompt Linda Perry engagiert. Im Gepäck hatte diese geschätzte 753 Platten aus dem Zeitraum von 1920 bis 1960 und eine Menge Jazz, Blues und Soul. Alles dabei. Nicht zu vergessen den dicken HipHop-Typen, der den ganzen Tag auf seinem Vinyl rumscratcht.

Das klingt nach Vielfalt, ist aber im Ergebnis dann doch sehr einfältig. Alles in einen Topf geschmissen, kommt auf der ersten CD von “Back To Basics” wenig Nachhaltiges raus. Von wegen Konzeptalbum der 20er, 30er und 40er. Gerappe, Gescratche, Fanhymnen und die “Still Dirrty”-Fortführung klingen wie gute Popmusik heute klingen sollte. Nicht mehr und nicht weniger.

Doch daß da mehr geht, daß weiß Linda, Christina und das wissen auch wir. Sie kann schließlich singen. Also wird der dicke DJ wieder nach Hause geschickt. Damit spart man zusätzlich sogar Geld, womit man prima die Hochglanzfotos im Booklet finanzieren kann, die so sehr glänzen, daß man jeden Fettfinger sieht. Vorsicht also.

Nicht ganz so aufpoliert erscheint dann die zweite CD, die tatsächlich dem Anspruch des Albums gerecht wird. Billie Holiday, Otis Redding, Etta James und Ella Fitzgerald werden nicht nur als Vorbilder genannt, sondern sind sogar erkennbar. Eine reduziertere Atmosphäre, eine geringere Dichte, dafür aber viel mehr Stimme, erzeugen tatsächlich den Ansatz eines längst vergangenen Swing-Spirits. Und ganz nebenbei mischt sich mit “Hurt” doch noch das bis dato vergeblich gesuchte subtile Lieblingslied ein. Schön und irgendwie immer noch verrucht genug. Na also.

Tracklist:
CD 1:
01) intro (back to basics)
02) makes me wanna pray
03) back in the day
04) ain’t no other man
05) understand
06) slow down baby
07) oh mother
08) f.u.s.s. (interlude)
09) on our way
10) without you
11) still dirrty
12) here to stay
13) thank you (dedication to fans …)

CD 2:
01) enter the circus
02) welcome
03) candyman
04) nasty naughty boy
05) i got trouble
06) hurt
07) mercy on me
08) save me from myself
09) the right man
10) back to basics (bonus video)

© written for triggerfish

Posted in Platten
by admin

Schwäißgerüch

Friday, September 8th, 2006 at 02:14

| aktueller song: volt – volt |

Volt – Rörhät
Vö: 01. September 2006
Label: Exile On Mainstream / Soulfood
Länge: 36:34 min
Hit: Hospital In Wales
Punkte: 6/10

Volt - Rörhät

“‘Rörhät’ Kerl, das is nü zu glöhm, abor di röggn wie de öldn Schlübbor deenor Schwieschormuddor.” Hä? Was? Wie bitte? Ach so, verstehe. Ist aber schon eine komische Sprache, das Sächsisch da. Nur gut, daß die Chemnitzer Volt des Englischen mächtig sind und auch sonst nichts weiter auf ihren Herkunftsort verweist. Im Radius von 60 Kilometern besteht ohnehin musikalisches Sperrgebiet.

Aber jetzt noch einmal zurück zu dem Kommentar vom Beginn. Der Junge hat nämlich recht, wenn er behauptet, “Rörhät” würde rocken. Denn in der Tat krackt diese knappe halbe Stunde ziemlich derb, aggressiv und vor allem energisch. Das riecht verdammt nach versifftem Proberaum, eingehüllt in Bier- und Schweißduft. Oder alternativ eben auch nach alten stinkenden “Schlübborn”. Aber so genau haben wir uns mit diesem Thema noch nicht befaßt. Holen wir aber später vielleicht nach, falls genug Bestechungsgeld ins Redaktionssparschwein fließt.

Wichtiger ist ohnehin erst einmal die Platte, denn die geht schließlich schon ziemlich wild los. “Kreuz” versprüht von Beginn an diese schmuddelige Atmosphäre, die Volt so wild und ungestüm machen und manch einen zu derartigen Vergleichen inspiriert. Auch das rohe “Frommburg” oder das dynamische “Zwiggillusion” klingen ähnlich verquer wie ihre Titel, doch die Mischung aus Stoner und treibenden Rock geht auf. Stinkender Schweiß ist somit garantiert.

Ab “Hospital in Wales” wird dann zwar der Noisfaktor etwas heruntergeschraubt, aber gerade dieses klingt deswegen vielleicht am verstörtesten. Denn die Stimme von Sänger Andre droht während des schleppenden Beginns jede Sekunde völlig auszubrechen. Das klingt zwar gewöhnungsbedürftig, aber wirkt schon irgendwo beängstigend. Da hat sich bestimmt das ein oder andere angestaut da unten im Kämmerlein. Nur so würde sich auch das 12-minütige “Volt” erklären lassen. In seiner hypnotischen Art und Weise und diesem quälenden kranken Schrei des verzweifelnden Ausbruchs am Ende erklärt es symptomatisch alles und wiederum nichts. Aber egal: Das Ding rockt auch so dreckig ums Eck. Und hinterher bitteschön mit Schwiegermutters Schlüpfern einmal kräftig durchwischen.

Tracklist:
01) kreuz
02) griffel
03) frommburg
04) zwiggillusion
05) stativ
06) hospital in wales
07) praecrox
08) dr. crox medua
09) volt

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Zuspätkommer

Thursday, September 7th, 2006 at 17:00

| aktueller song: johnny truant – the bloodening |

Highfield Festival 2006
20. August 2006 – Stausee Hohenfelden (Erfurt)

Highfield 2006

Das jährliche Highfield Festival ist Pflicht für jeden Thüringer, der von sich behauptet Stromgitarrenmusik zu hören. Genauso Pflicht, wie Born-Senf auf original Thüringer Bratwürsten. Senf. Kein Ketchup, ihr Luschen! Aber das ist eine andere Story. Zurück zum Festival. Das war dieses Jahr zwar ziemlich durchwachsen, aber man wohnt ja ums Eck.

Inselhypes, deutsches Mittelmaß und Festivaldauerbrenner bescheren zwar dem Veranstalter den größten Besucheransturm und besten Ticketvorverkauf, aber qualitativ sicher nicht das beste Line-up der letzten Jahre. Was bleibt also anderes übrig, als alles zu boykottieren und pünktlich zur allerletzten Band am Sonntagabend zu erscheinen. Eigentlich völlig bekloppt und auch die Ticketfrau dachte dies bestimmt, als anderswo der Abbau schon beginnt und sie nun noch ein 3-Tages-Ticket abreißen darf – für eine Band. Man hat’s ja.

Gut, dank der Überpünktlichkeit durfte man doch das halbe Set von Gentleman bewundern, der erstaunlicherweise nach 3 Jahren seine Ansagen zwischen den Liedern verändert hat. Respekt. Und überhaupt auch dafür, dass er auf der Bühne am Abend um einiges besser aufgehoben ist, als 14 Uhr Nachmittags wie noch ein paar Tage zuvor beim Sziget in Budapest. Ähnliches gilt auch für Massive Attack, die eigentlich nirgends anders hinpassen, als in die Festival-Headliner-Position, die sie auch in Erfurt mit Sternchen und Bienchen erfüllen.

Extremst guter Sound, auch wenn dieser in der Regel bei elektronischen Bands eher dünn ausfällt. Dazu ein einfallsreiche Lichtanimation, die zwischen einfachen Punkten und ganzen politischen Büchern auch so ziemlich im kompletten Farbkreis erleuchten kann. Zu sehen gab es also nicht viel, denn jegliche andere Lichtquelle wurde abgestöpselt und somit standen nur Silhouetten auf der Bühne. Mal größer, mal kleiner, mal in weiblicher Form. Das waren dann die verschiedenen Sänger, die nach so ziemlich jedem Lied wechselten, was es aber ungemein abwechselungsreich und spannend machte. Das wurde den meisten dann sicher auch zu anspruchsvoll, denn trotz guter Musik wurde es erschreckend leer am Stausee. Dafür freuten sich aber umso mehr “Ältere” und Pärchen, dass sie nun auch einmal ganz vorne zu melancholischen Liedern unter freiem Sternenhimmel knutschen dürfen. Hach ja.

Posted in Konzerte
by admin