Sinnesflut
| aktueller song: placebo – sleeping with ghosts |
Sziget Festival 2006
09. – 16. August 2006 – Budapest, Obudai Insel
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Wenn man das Sziget Festival in in Worte fassen will, dann müsste man einen Roman schreiben. Zu vielfältig ist die gesamte Woche, zu viele Bands sieht man überall, zu viele Episoden ereignen sich am Rande und schlussendlich ist die Atmosphäre auch viel zu schön für öde Worte. Trotzdem möchten wir euch einen klitzekleinen Eindruck nicht vorenthalten:
- A -
Anreise: Aus Deutschland ziemlich lang, aber problemlos. Nur zig verschiedene Autobahn-Vignetten diverser Durchfahrtsländer behindern die Sicht aus der Frontscheibe.
American Gladiator: Witziges Remake der amerikanischen Kult-Sport-Action-Show. Eine der unzähligen Attraktionen für zwischendurch.
Auchan: Übermäßig großer Einkaufsmarkt direkt in der Nähe. Paradies für jegliche Schnäppchen.
Ausmaß: 60 Hektar Festivalgelände, 66 Veranstaltungsorte, 30.000 Quadratmeter Campingplatz und 3.500 Quadratmeter Bühne, mit 500 heimischen und 250 ausländischen Künstlern aus 44 Ländern. Mindestens. Eine Stadt für sich.
- B -
Beatsteaks: “Sabotage”-Cover als Opener zündet genau so wie Queens of the Stone Age’s “No One Knows”. Großer Spaß vor und auf der Bühne.
Besucherzahl: 385.000! Rekord bis heute. Dadurch daß sich aber alles verläuft, liegt die gefühlte Besucherzahl weit darunter.
Blind Myself: Die Entdeckung. Progressiver Metal. Schwere Kost, die nicht selten in die Richtung von Neurosis geht.
Bridge To Solace: Angesagter Metalcore aus Ungarn, die aber in ihrer monotonen Setlist untergehen.
Budapest: Unbedingt einen Ausflug wert. Von der Festivalinsel einfach per Schiff zu erreichen. Zum Spottpreis natürlich.
Bühnen: 60 an der Zahl! Wer bei dieser Auswahl nichts findet, dem kann auch nicht mehr geholfen werden.
- C -
Cathedral: Düster, metallastig, aber trotzdem ähnlich anschaulich wie Malkovich.
Coldcut: Terroristen wollten 10 Flugzeuge entführen, deswegen konnte die Band nicht aus London anreisen. Schade.
- D -
Dreher: Das Festivalbier, das seinem Namen mit Umdrehungen zu (oft) gerecht wird. Einzig der DJ im Dreher-Zelt liefert nicht den nötigen Schwung.
- E -
Ewiges Laufen: Geschätzte hunderte Kilometer verläuft man in dieser Woche quer über die Insel hin und zurück. Blasen sind im Eintrittspreis inklusive.
Exploited: “25 Jahre Anarchie und Chaos”. Angeblich. Die Show wirkt allerdings zeimlich müde. Vielleicht waren 25 Jahre doch zu viel.
Eintritt: Mit rund 120€ für eine Woche Musik, Party, Abenteuer und Sehenswürdigkeiten eigentlich ein Witz. Fast geschenkt.
- F -
Fear Factory: Machen seit Jahren die selben Songs zum selben Thema, aber reißen trotzdem das gesamte Zelt mit. Seltsam aber unterhaltsam.
Franz Ferdinand: Ganz England, äh Ungarn, tanzt. Das Hochjubeln hat sich gelohnt, mitreißend fühlt sich aber anders an.
- G -
Gathering, The: Gothic-Musik am Nachmittag und dann noch in farbenfrohem Outfit. Zündet nicht wirklich.
Geld: Insgesamt wirklich billig. Für 100€ lebt man wie die Made im Speck. Fast wie Luxusurlaub. Sonne inklusive.
Gentleman and The Far East Band: Guter Auftritt, gutes Wetter, gute Stimmung. Wieso aber seit Jahren die ewig gleichen Ansagen?
Gomez: Betroffen von dem selben Problem wie Coldcut, müssen auch Gomez absagen. Scheiß Terroristenpack.
- H -
Hit: Der am meisten gehörte Song während der gesamten Festivalwoche war eindeutig “Smack My Bitch Up” von Prodigy. Gute alte Zeiten.
- I -
Iggy and the Stooges: Ein alter Mann macht noch einmal auf jung. Ganz witzig. Iggy auch. Und auch die Tanzeinlagen der Fans zu “No Fun”.
Ill Nino: Sollten auftreten, aber eine kurzfristige Lineup-Änderung verschlug die Band auf irgendeine andere Bühne. Keine Ahnnung wohin.
- J -
Jazz Szipad: Kunterbunte Bühne mit Jazz-Künstlern aus aller Welt. Für Hochkulturinteressierte ein absolutes Muss.
- K -
Karaokebar: Jeden Abend aufs Neue ein Highlight, wie sich vom kleinen, betrunkenen Mädchen bis zum Metalopa alle zum Obst machen.
Kultur: Lernt man viel, wenn man einen Ausflug ins nahe Budapest unternimmt. Unbedingt je einmal bei Sonnenschein und spät Abends gehen.
- L -
Living Colour: Vom Pech verfolgt, zerflog so ziemlich alles an Technik was es nur gibt. Gingen leider im miesen Sound unter.
Logikspiele: Da sieben Tage Durchtrinken keiner verkraftet, lohnt ein Ausflug ins Spielezelt um die Zellen kurz wieder zu aktivieren.
- M -
Menschen: 6000 Menschen brauchten 15 Tage, um das Sziget aufzubauen. Wahnsinn. Hat sich aber mehr als gelohnt.
- N -
Nationalitäten: Kein Kontinent war im Publikum und bei den Künstlern nicht vertreten. Multikulti.
- O -
Organisation: Ein Wort: perfekt! An alles wurde gedacht. Einzig kurzfristige Lineup-Änderungen klingen unter.
- P -
Party Area: Für jeden das richtige, wenn man früh 5 Uhr noch tanzen will. Bitte, aber nicht direkt daneben Zelten. Anstrengend.
Placebo: Inklusive 2 zusätzlicher Livemusiker und guter Setlist, aber leider zu routiniert. Haben wir alle schon besser gesehen.
Prodigy, The: Zurückversetzt in die 90er, hört man all seine Lieblingshits von damals. Schöner Bassbumms zum Abschluss des Festivals.
Profit: 50 Millionen HUF.
- Q -
Quimby: Populäre ungarische Band irgendwo zwischen dEUS, Nick Cave und Tom Waits. Komische Mischung, aber durchaus ansehnlich.
- R -
Radiohead: 2 Stunden Musik von einem anderen Stern von einer Band ebensfalls von dort. Trauen wir uns, es als Konzert des Jahres zu betiteln?
Rasmus, The: Plätschender Teenie-Goth-Metalpop. Und nein, auch mit Pressebändchen kann ich euch Kleinen nicht zu einem Autogrammen verhelfen.
Robert Plant: Die Legende dreht auf. Von Jung bis Alt versammelt sich alles vor der World Music Stage. Beeindruckend.
- S -
Security: In so friedlicher Atmosphäre kaum von Nöten, daher auch stets freundlich.
Sick Of It All:
Silent Disco: Witziges Erlebnis alle mit Kopfhörern tanzen zu sehen, aber von außen nichts zu hören. Nur die Musik ließ manchmal zu wünschen übrig.
Sport: Fußball, Tennis, Basketball, Tischtennis, American Football, Kanu, … alles da. Und macht bei sonnigem Wetter ungemein Spaß.
Subscribe: Sind nicht nur genau sunnyboymäßig wie Incubus, sondern klingen oft auch wie die etwas härtere Ausgabe davon.
- T -
Toiletten: Selten solch saubere und luxuriöse Dixies gesehen. Mit Waschbacken und fließend Wasser sogar. Fast wie zu Hause also.
- U -
Umweltschutz: Politik wird auf dem Sziget auch groß geschrieben. Verdeutlicht wird das durch eine ganze Straße mit Infozelten verschiedenster Organisationen.
- V -
Verpflegung: Grob geschätzte 534 Fressbuden an jeder Ecke. Von Pizza, über Chinesisch bis zu Hähnchen. Innenstadt und Supermarkt in der Nähe. Perfekt.
- W -
Wetter: Sonnig bis heiß. Leichter Regen nur Nachts und minimale Windbriesen aus Nordwest oder so. Eigentlich perfekt in allen Situationen.
Wir Sind Helden: “Ihr seid doch gar keine Ungarn.” Genau so war es. Deutsche Volkfeststimmung mit Mitsinghits am Fließband.
- X & Y-
Unbekannt.
- Z -
Zelten: Eigentlich überall möglich, wo 2qm Gras oder Straße frei sind. Einzige direkt neben den größen Partyzelten sollte man sich nicht niederlassen.
© written for triggerfish






