Archive for August, 2006

Sinnesflut

Wednesday, August 30th, 2006 at 14:30

| aktueller song: placebo – sleeping with ghosts |

Sziget Festival 2006
09. – 16. August 2006 – Budapest, Obudai Insel

[mygal=sziget01]

Sziget Festival 2006

Wenn man das Sziget Festival in in Worte fassen will, dann müsste man einen Roman schreiben. Zu vielfältig ist die gesamte Woche, zu viele Bands sieht man überall, zu viele Episoden ereignen sich am Rande und schlussendlich ist die Atmosphäre auch viel zu schön für öde Worte. Trotzdem möchten wir euch einen klitzekleinen Eindruck nicht vorenthalten:

- A -
Anreise: Aus Deutschland ziemlich lang, aber problemlos. Nur zig verschiedene Autobahn-Vignetten diverser Durchfahrtsländer behindern die Sicht aus der Frontscheibe.
American Gladiator: Witziges Remake der amerikanischen Kult-Sport-Action-Show. Eine der unzähligen Attraktionen für zwischendurch.
Auchan: Übermäßig großer Einkaufsmarkt direkt in der Nähe. Paradies für jegliche Schnäppchen.
Ausmaß: 60 Hektar Festivalgelände, 66 Veranstaltungsorte, 30.000 Quadratmeter Campingplatz und 3.500 Quadratmeter Bühne, mit 500 heimischen und 250 ausländischen Künstlern aus 44 Ländern. Mindestens. Eine Stadt für sich.

- B -
Beatsteaks: “Sabotage”-Cover als Opener zündet genau so wie Queens of the Stone Age’s “No One Knows”. Großer Spaß vor und auf der Bühne.
Besucherzahl: 385.000! Rekord bis heute. Dadurch daß sich aber alles verläuft, liegt die gefühlte Besucherzahl weit darunter.
Blind Myself: Die Entdeckung. Progressiver Metal. Schwere Kost, die nicht selten in die Richtung von Neurosis geht.
Bridge To Solace: Angesagter Metalcore aus Ungarn, die aber in ihrer monotonen Setlist untergehen.
Budapest: Unbedingt einen Ausflug wert. Von der Festivalinsel einfach per Schiff zu erreichen. Zum Spottpreis natürlich.
Bühnen: 60 an der Zahl! Wer bei dieser Auswahl nichts findet, dem kann auch nicht mehr geholfen werden.

- C -
Cathedral: Düster, metallastig, aber trotzdem ähnlich anschaulich wie Malkovich.
Coldcut: Terroristen wollten 10 Flugzeuge entführen, deswegen konnte die Band nicht aus London anreisen. Schade.

- D -
Dreher: Das Festivalbier, das seinem Namen mit Umdrehungen zu (oft) gerecht wird. Einzig der DJ im Dreher-Zelt liefert nicht den nötigen Schwung.

- E -
Ewiges Laufen: Geschätzte hunderte Kilometer verläuft man in dieser Woche quer über die Insel hin und zurück. Blasen sind im Eintrittspreis inklusive.
Exploited: “25 Jahre Anarchie und Chaos”. Angeblich. Die Show wirkt allerdings zeimlich müde. Vielleicht waren 25 Jahre doch zu viel.
Eintritt: Mit rund 120€ für eine Woche Musik, Party, Abenteuer und Sehenswürdigkeiten eigentlich ein Witz. Fast geschenkt.

- F -
Fear Factory: Machen seit Jahren die selben Songs zum selben Thema, aber reißen trotzdem das gesamte Zelt mit. Seltsam aber unterhaltsam.
Franz Ferdinand: Ganz England, äh Ungarn, tanzt. Das Hochjubeln hat sich gelohnt, mitreißend fühlt sich aber anders an.

- G -
Gathering, The: Gothic-Musik am Nachmittag und dann noch in farbenfrohem Outfit. Zündet nicht wirklich.
Geld: Insgesamt wirklich billig. Für 100€ lebt man wie die Made im Speck. Fast wie Luxusurlaub. Sonne inklusive.
Gentleman and The Far East Band: Guter Auftritt, gutes Wetter, gute Stimmung. Wieso aber seit Jahren die ewig gleichen Ansagen?
Gomez: Betroffen von dem selben Problem wie Coldcut, müssen auch Gomez absagen. Scheiß Terroristenpack.

- H -
Hit: Der am meisten gehörte Song während der gesamten Festivalwoche war eindeutig “Smack My Bitch Up” von Prodigy. Gute alte Zeiten.

- I -
Iggy and the Stooges: Ein alter Mann macht noch einmal auf jung. Ganz witzig. Iggy auch. Und auch die Tanzeinlagen der Fans zu “No Fun”.
Ill Nino: Sollten auftreten, aber eine kurzfristige Lineup-Änderung verschlug die Band auf irgendeine andere Bühne. Keine Ahnnung wohin.

- J -
Jazz Szipad: Kunterbunte Bühne mit Jazz-Künstlern aus aller Welt. Für Hochkulturinteressierte ein absolutes Muss.

- K -
Karaokebar: Jeden Abend aufs Neue ein Highlight, wie sich vom kleinen, betrunkenen Mädchen bis zum Metalopa alle zum Obst machen.
Kultur: Lernt man viel, wenn man einen Ausflug ins nahe Budapest unternimmt. Unbedingt je einmal bei Sonnenschein und spät Abends gehen.

- L -
Living Colour: Vom Pech verfolgt, zerflog so ziemlich alles an Technik was es nur gibt. Gingen leider im miesen Sound unter.
Logikspiele: Da sieben Tage Durchtrinken keiner verkraftet, lohnt ein Ausflug ins Spielezelt um die Zellen kurz wieder zu aktivieren.

- M -
Menschen: 6000 Menschen brauchten 15 Tage, um das Sziget aufzubauen. Wahnsinn. Hat sich aber mehr als gelohnt.

- N -
Nationalitäten: Kein Kontinent war im Publikum und bei den Künstlern nicht vertreten. Multikulti.

- O -
Organisation: Ein Wort: perfekt! An alles wurde gedacht. Einzig kurzfristige Lineup-Änderungen klingen unter.

- P -
Party Area: Für jeden das richtige, wenn man früh 5 Uhr noch tanzen will. Bitte, aber nicht direkt daneben Zelten. Anstrengend.
Placebo: Inklusive 2 zusätzlicher Livemusiker und guter Setlist, aber leider zu routiniert. Haben wir alle schon besser gesehen.
Prodigy, The: Zurückversetzt in die 90er, hört man all seine Lieblingshits von damals. Schöner Bassbumms zum Abschluss des Festivals.
Profit: 50 Millionen HUF.

- Q -
Quimby: Populäre ungarische Band irgendwo zwischen dEUS, Nick Cave und Tom Waits. Komische Mischung, aber durchaus ansehnlich.

- R -
Radiohead: 2 Stunden Musik von einem anderen Stern von einer Band ebensfalls von dort. Trauen wir uns, es als Konzert des Jahres zu betiteln?
Rasmus, The: Plätschender Teenie-Goth-Metalpop. Und nein, auch mit Pressebändchen kann ich euch Kleinen nicht zu einem Autogrammen verhelfen.
Robert Plant: Die Legende dreht auf. Von Jung bis Alt versammelt sich alles vor der World Music Stage. Beeindruckend.

- S -
Security: In so friedlicher Atmosphäre kaum von Nöten, daher auch stets freundlich.
Sick Of It All:
Silent Disco: Witziges Erlebnis alle mit Kopfhörern tanzen zu sehen, aber von außen nichts zu hören. Nur die Musik ließ manchmal zu wünschen übrig.
Sport: Fußball, Tennis, Basketball, Tischtennis, American Football, Kanu, … alles da. Und macht bei sonnigem Wetter ungemein Spaß.
Subscribe: Sind nicht nur genau sunnyboymäßig wie Incubus, sondern klingen oft auch wie die etwas härtere Ausgabe davon.

- T -
Toiletten: Selten solch saubere und luxuriöse Dixies gesehen. Mit Waschbacken und fließend Wasser sogar. Fast wie zu Hause also.

- U -
Umweltschutz: Politik wird auf dem Sziget auch groß geschrieben. Verdeutlicht wird das durch eine ganze Straße mit Infozelten verschiedenster Organisationen.

- V -
Verpflegung: Grob geschätzte 534 Fressbuden an jeder Ecke. Von Pizza, über Chinesisch bis zu Hähnchen. Innenstadt und Supermarkt in der Nähe. Perfekt.

- W -
Wetter: Sonnig bis heiß. Leichter Regen nur Nachts und minimale Windbriesen aus Nordwest oder so. Eigentlich perfekt in allen Situationen.
Wir Sind Helden: “Ihr seid doch gar keine Ungarn.” Genau so war es. Deutsche Volkfeststimmung mit Mitsinghits am Fließband.

- X & Y-
Unbekannt.

- Z -
Zelten: Eigentlich überall möglich, wo 2qm Gras oder Straße frei sind. Einzige direkt neben den größen Partyzelten sollte man sich nicht niederlassen.

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Hochglanzduft

Tuesday, August 29th, 2006 at 06:57

| aktueller song: he is legend – i am hollywood |

Das Parfüm – Die Geschichte eines Mörders
Vö: 14. September 2006
Verleih: Constantin
Genre: Drama | D, F, E 2006
Länge: 147 min
Regie: Tom Tykwer
Drehbuch: Andrew Birkin, Bernd Eichinger, Tom Tykwer
Musik: Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Alexander Berner
Darsteller: u.a. Ben Whishaw, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Dustin Hoffman
Punkte: 7/10

Das Parfüm

Handlung:

Jean-Baptiste Grenouille wird im Jahre 1738 auf einem völlig verdreckten und stinkenden Fischmarkt unter einem Verkaufsstand geboren und ausgesetzt. Während die leibliche Mutter dafür gehängt wurde, wächst der Junge in einem Weisenhaus auf und entdeckt schon schnell sein außergewöhnliches Talent: sein Geruchssinn. Nach der erniedrigenden Arbeit in der Gerberei von Grimal, gelangt er zu dem mittlerweile erfolgslosen Parfümeur Giuseppe Baldini. Im Laufe der Zeit hat Grenouille längst Millionen von Düften in seinem Kopf abgespeichert und lernt nun die theoretischen Grundlagen im Umgang mit Gerüchen. Besessen davon Eigengerüche von Menschen konservieren zu wollen und der Erkenntnis, daß er selbst keinen besitzt, gelangt er schnell an seine psychischen Grenzen. In “dem Rom der Düfte”, Grasse, erlernt er neue Techniken und beginnt nach und nach für sein perfektes, unwiderstehliches Parfüm zu morden. Mit Erfolg.

Hintergrund:

Mit dem Film “Das Parfüm” wird einer der erfolgreichsten deutschen Romane verfilmt. 1985 erschien das gleichnamige Drama von Patrick Süskind, den erst kein Verlag haben wollte, der dann aber alle Rekorde brach: 449 Wochen durchweg in den Bestsellerlisten, Übersetzung in 45 Sprachen, 15 Millionen verkaufte Exemplare und somit erfolgreichstes deutsches Buch seit Erich Maria Remarques “Im Westen nichts Neues”. Umso erstaunlicher, daß die Rechte des Buches erst 20 Jahre nach Erscheinen frei gegeben wurden und somit der Film erst jetzt realisiert werden konnte. Um dann noch den hohen Erwartungen gerecht zu werden, wurden weder Kosten noch Höhen gescheut. Mit 50 Millionen Euro Produktionskosten handelt es sich somit um die aufwendigste deutschsprachige Produktion überhaupt.

Sinn:

Eine Zweigleisigkeit die aufgeht. Egal ob das im Dreck versinkende Paris des 18. Jahrhunderts mit all seinen stinkenden Bürgern oder andererseits butterweiche und blumige Provence-Landschaften. In jeder Einstellung wird man schier übermannt von der Liebe zum Detail, mit der “Das Parfüm” von Tom Tykwer gedreht wurde. Moderne Ästhetik pur. Gefühlvolle Kamerafahrten in Zeitlupe, Makroaufnahmen und perfekte sitzende Schnitte. Noch besser kann man Schönheit und Dreck nicht optisch gleichzeitig umsetzen. Nicht zu vergessen die aufwendigen Filmsets und Kostüme. Ähnlich perfekt erscheinen auch die schauspielerischen Leistungen. Besonders der bis dato relativ unbekannte englische Theater-Schauspieler Ben Whishaw verkörpert Grenouille extrem ausdrucksstark. Einziges Manko dürfte dabei sein, daß er für diese Rolle einfach zu gut aussieht. Denn in der Tat erscheint der Massenmörder Grenouille zu freundlich und das nicht nur allein wegen der Tatsache, daß er im Film “nur” 13 Jungfrauen, statt wie im Buch 25, umbringt. Auch kommt sein im Buch beschriebener Hass gegenüber den Menschen, das Bild des Massenmörders und der hinterlistigen Zecke nur sehr selten zum Vorschein. Aber spätestens bei den wiederum umwerfenden Aufnahmen in der etwas verharmlosteren finalen Massenorgie, erscheinen diese Änderungen gegenüber dem Original als nichtig. Literaturverfilmungen sind nun einmal nichts weiter als Interpretationen.

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Abrechnungskurs

Monday, August 28th, 2006 at 02:52

| aktueller song: narziss – verloren |

Heaven Shall Burn – Deaf To Our Prayers
Vö: 25. August 2006
Label: Century Media / EMI
Länge: 47:47 min
Hit: Of No Avail
Punkte: 7/10

Heaven Shall Burn - Deaf To Our Prayers

Höher, schnell, weiter. Das sind die Prämissen unserer heutigen Gesellschaft. Alle Furz lang muss man sich zwanghaft neu definieren, um modern und angesagt zu bleiben. Ständige Revolution. Schwachsinn inbegriffen. Heaven Shall Burn haben ihre Maßstäbe bereits gesetzt und grenzen sich jetzt ab. Alles bloß kein Metalcore. Kein theatralisches Intro, sondern direkt mit “Counterweight” ins Eingemacht bitte. Das gibt zwar kein Innovationspreis für den besten Opener, aber knüppelt schön drauf los.

Zum Teufel also mit dem Superlativenwahn. Darum geht es auch gar nicht, denn schließlich gehört nicht nur apokalyptisches Kopfnicken dazu, sondern auch Gehirn einschalten. Und so wird sich thematisch eben auch mit schwerer altdeutscher Polit-Dramatik von Gerhart Hauptmann und Heinrich Heine in “Of No Avail”, “The Final March” oder auch “Armia” auseinander gesetzt. Dabei auch nicht zu vergessen der Albumtitel selbst, der auch einer Gedichtzeile Heines entspringt. Und sogar der kontroverseste Boom der heutigen Medienkultur wird in “mybestfriends.com” thematisiert. Das schreit nach Ironie, liebe MySpace-User.

Heaven Shall Burn scheinen also irgendwie auf einem Abrechnungskurs zu sein. Kritische und politische Texte ohne typisches Herzschmerz-Trallala gab es zwar schon auf “Antigone”, doch erscheint “Deaf To Our Prayers” um einiges düsterer, brutaler, direkter und nichts zuletzt auch rücksichtsloser. Nichts da also mit der Entwicklung hin zum Metalcore und fein dahinplätschernden Songs. Stattdessen Konzentration auf düsteren Metal und durchweg knüppelnde Songs. Am Ende also doch noch höher und vor allem schneller.

Tracklist:
01) counterweight
02) trespassing the shores of your world
03) profane believers
04) stay the course
05) the final march
06) of no avail
07) armia
08) mybestfriends.com
09) biogenesis (undo creation)
10) dying in silence
11) the greatest gift of god

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Budapest

Sunday, August 27th, 2006 at 01:56

| aktueller song: heaven shall burn – armia |

Budapest, August 2006

[mygal=budapest01]

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Ohne Kommentar

Saturday, August 26th, 2006 at 02:27

| aktueller song: thomas d. – liebesbrief |

armes Deutschland
heute im Düsseldorfer Hauptbahnhof …

Am Bahnsteig läuft auf den Nachrichtenleinwänden die Meldung, daß ein mittlerweile 18-jähriges Mädchen nach einer Entführung acht Jahre lang in einem 2×3 Meter kleinen Keller gefangen gehalten und misshandelt wurde. Eine etwa Gleichaltrige am Bahnsteig verfolgt die Meldung und sagt zu ihrer Freundin: “Ey krass, die hat doch gar nichts von ihrem Leben gehabt. Die hat ja nicht mal ‘n Fernsehr.” Die Freundin: “Ey, Scheeeeeeeiße man.”

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conference c/o pop

Friday, August 25th, 2006 at 02:19

| aktueller song: omega massif – eiswüste |

conference c/o pop 2006
24. & 25. August 2006 – Köln, RheinTriadem

c/o pop 2006

Das Panel – und Workshop-Programm der conference c/o pop vermittelt an zwei Tagen einen kompakten Überblick der aktuellen Entwicklung. Praxisnah und Branchen übergreifend. Internationale Gäste präsentieren neue, viel versprechende Digital-Formate und stellen sich der kritischen Debatte. Die conference c/o pop 2006 gliedert sich in die Themenreihen “Digital”, “Rechte” und “Games”. Dazu kommt das vielfach nachgefragte Workshop-Programm. Hier vermitteln gestandene Praktiker geschäftliches juristisches Basiswissen mit dem Schwerpunkt “Digitale Märkte“.

Eröffnungsveranstaltung: Zwischen Robbie und MySpace – Wie modern ist die Musikindustrie?

Birgit Adels (President EMI Music Germany) und Tina Funk (Senior Vice President EMI Music Germany) starten gemütlich in den Morgen. Neben den eigenen Biographien, Andeutungen von Vermarktungsstrategien und einem oft lächerlichem cool-economy-business-Slang, wird wenig Inhalt geboten. Hoffentlich ist die künftige Ausrichtung bei den Majors nicht ähnlich verwaschen. Die “schau mer ma”-Philosophie gab es schließlich lang genug. Eben auch ein Grund, warum Majors momentan alles andere als moderne Strategien aufweisen, aber dies war eh kein Thema der “Diskussion”. Trotz des Veranstaltungstitels.

Das digitale Gespenst – Neue Strategien für die New Economy 2.0?

Vier verschiedene Vertreter der Musikbranche stellen ihre Zukunftskonzepte vor. Die Jamba! GmbH und Christopher Gersten (Managing Director Universal Music) versuchen krampfhaft auf den verpassten Zug des abermaligem Internetbooms aufzuspringen. Doch beide Projekte (Jamba! Music und Pure) schnarchen der Zeit hinterher. Rainer Henze (Geschäftsführer Laut AG) ist da schon einsichtiger, wenn er behauptet Laut.de sei eh nie technischer Vorreiter gewesen und auch neue Projekte hätten eher Spielplatz-Charakter. Einzig Ben Drury (Geschäftsführer 7 Digital, London) trifft mit seinem Independent-Downloadshop den Nerv der Zeit. Und während sich alle Fragen, wieso last.fm als so genannter Web 2.0-Spezialist nicht in dieser Runde vertreten ist, schießt sich Moderator Ralf Niemczyk selbst völlig ins Abseits. Selten während einer Diskussion soviel Unwissen, Ignoranz und stupide Ablehnung auf einem Haufen erlebt.

Gemeinsam zum Erfolg? (Workshop)

Netzwerke, Networking und Kooperationsmanagement sind heute unerlässliche Kompetenz im modernen Arbeits- und Wirtschaftsleben. Doch die konkrete Nutzung dieser Methoden oder gar das erfolgreiche Funktionieren ist kein Selbstläufer. Dr. Ingo Dammer (Geschäftsführer conpara GmbH) veranschaulicht Grundwissen, Systeme, Regeln, Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Gelingen derartiger Projekte. Und das mit einem Wissen bei gleichzeitigem Humor. Da kann man nur alles mitnehmen. Mehr als aufschlussreich.

Update Online Business International (Workshop)

Oke Göttlich (finetunes GmbH). Jan Clasen (Rechtsanwalt bkp-Kanzlei). Ronny Krieger (International Sales Director Beatport). Labels. Gema. Abrechnung. Automatisierung. Gesetze. Downloads. Retailer. Jura-Wirrwarr. Viralmarketing. Europarecht. Independent. Endverbraucher. Sales. Money money. Qualität. Urheberrecht. Preispolitik. Industrie. Majorkritik. Special interests. Support. Konsum. Künstlerausbeutung. Verträge. Shops. Community. Nach knapp 2 Stunden rasende Kopfschmerzen.

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Freakshow

Thursday, August 24th, 2006 at 00:09

| aktueller song: walls of jericho – welcome home |

Mastodon, Good Witch Of The South, Aschera
22. August 2006 – Bochum, Matrix

[mygal=mastodon01]

Mastodon

Mit den Zeiten ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Da hat man sich über die Jahre verinnerlicht immer eine Stunde zu spät zu kommen, weil eh noch keine Band ein Bein auf die Bühne setzt und jetzt wird man gnadenlos dafür bestraft. Okay, ob das Verpassen von Aschera nun ein Verlust war oder nicht, kann wenn man sie nicht gesehen hat schlecht beurteilt werden. Aber schon irgendwie eigenartig, daß man eine komplette Band verpasst, wenn man schon 20:20 Uhr das Matrix betritt.

Viel kann jedoch nicht losgewesen sein, denn selbst bei Good Witch of The South kann man die Leute noch einzeln abzählen. Das kann natürlich daran liegen, daß diese Erotikversion von Malkovich sowohl musikalisch, wie auch vom Verhalten her, viele abschreckt. Denn nicht zuletzt einige junge Damen lästern hinterrücks über den Bierbauch des Sängers. Uns ist das natürlich völlig Wurst, denn die Musik der Herren ist völlig in Ordnung. Ein bißchen chaotisches hier und da, amüsantes Pornointro und viel Gezappel auf der Bühne. Malkovichähnlich eben. Nur diese Nippelshow hätte man uns ersparen können.

Doch ganz allein daran konnte es auch nicht liegen, denn selbst als für Mastodon die Bühne frei gemacht wurde, war das Bochumer Matrix immer noch überschaubar leer. Eigentlich verwunderlich für eine Band, die in den USA schon fast Co-Headliner-Slot mit Slayer besetzt. Wie dem auch sei, der Musik tat das sowieso kein Abbruch. Und auch der Band selbst, scheint es reichlich Schnuppe zu sein, wie viele Leute sich in dem Kellergewölbe versammelt haben. Trotz furchteinflößender Körpergrößen, Ganzkörpertätowierungen und Vollbärten begrüßen die vier Musiker ganz brav ihr Publikum und machen überhaupt eher einen witzigen Eindruck, statt einem der Musik entsprechend bösen. Da wird gestrahlt, gegrinst, selbstironisch gewitzelt und alles untermalt von dieser unnachahmlichen freakschen Gestik und Mimik. Einzig bei den Shouts sieht das Bild etwas anders aus. Da tritt eine Energie hervor, die man in jeder einzelnen hochroten Halsader der beiden Sänger ablesen kann. Als Ausgleich für diesen Ausbruch wird dafür aber nach jedem Lied der Freundin im Publikum angezwinkert. Charmant. Ähnlich liebenswert war auch die Songauswahl, die kaum Material vom bald erscheinenden Album “Blood Mountain” enthielt, dafür aber somit sehr ausgewogen war. Jedoch wurde mit “Circle Cysquatch” der vermeintliche Kracher der neuen Scheibe gespielt, welcher auch beim Publikum ähnlich gut ankam, wie der abschließende Vorzeigesong “Blood & Thunder”. Danach war Schluss. Keine Zugabe, aber das ist egal. Wir sind jetzt sowieso noch viel gespannter auf die Platte.

© written for triggerfish

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Problembewältigung

Wednesday, August 23rd, 2006 at 15:17

| aktueller song: ostinato – entwine |

Hatebreed – Supremacy
Vö: 25. August 2006
Label: Roadrunner / Universal
Länge: 36:28 min
Hit: Never Let It Die
Punkte: 6/10

Hatebreed - Supremacy

Daß das Leben kein Kinderhort mit Ganztagsbetreuung ist, wissen wir nicht erst seit diesem Satz jetzt. Das Leben ist stattdessen oft sogar richtig fies, dreckig, gemein und nicht zuletzt auch übelst anstrengend. Ungerecht sowieso. Und das durchzieht sogar alle sozialen Schichten. Fangen wir also etwas weiter unten an. Den armen Hartz-IV-Empfängern wird nicht nur immer mehr Geld gestrichen, nein, man nimmt ihnen sogar das mittägliche Talkshow-Programm vom Sender. Schweinerei. Selbst unserer Redaktion geht es kaum besser. Bis auf ein paar vereinzelte Schlechtwetter-Festivals war auch dieses Jahr wieder kein kollektiver Rock’n'Roll-Urlaub finanzierbar. Da denkt man sich doch, daß es wenigstens die großen Rockstars besser haben. Aber denkste. Pustekuchen.

Hatebreed spielten sich live drei Jahre die Finger wund. So wund, wie wir sie uns in diesem Zeitraum tippten und der Hartz IV-Freak zappte. Klar, irgendwann ist man ausgebrannt und am Ende. Beim Durchzappen des Satellitenprogramms vielleicht etwas später. Hat man aber wie Jamey Jasta ein erfolgreiches Label zu managen, eine noch erfolgreichere Band und neben hundert anderen Verpflichtungen im Grunde keiner Millisekunde Freizeit, dann tritt das Burnout-Syndrom sicher ziemlich schnell ein. Dank Fanpost in Größenordnungen unserer Spamattacken im Forum, gibt es Hatebreed allerdings noch. Puh, Glück gehabt.

Und das Ding ist: Hatebreed scheinen jetzt irgendwie mächtig gewurmt von dem ganzen Streß zu sein und holen zum Rundumschlag aus. Schon zum Opener kann man sich gut vorstellen, wie sogar der träge Hartz-IV-Mensch einen ungeahnten Adrenalinschub verspürt, aus Frust volle Banane in den blöden Fernseher tritt, weil jener nur Mist abspielt und danach der Sachbearbeiterin in der Arbeitsagentur an die Gurgel geht. Das ist Hardcore. Schon allein die die Tracklist liest sich so, als wolle man reinen Tisch machen. Getreu der üblich knüppelnden “Destroy everything”-Botschaft: alles zermürben, was einem stinkt im Leben. Was das alles genau sein kann, erfährt man in den sehr persönlichen Texten des auch musikalisch rückbesinnenden “Horrors of self” und dem Minihit “Never let it die”. Harte Zeiten. Um genau das auch durch gesteigerte Brutalität zu verdeutlichen und den Thrash-Anteil zu erhöhen, haben sich Hatebreed auch mit dem Ex-Terror-Gitarristen Frank “3 Gun” Novinec verstärkt. Vielleicht schnappen wir uns auch einmal die noch nicht existierende Band The Spam Killers und nehmen einen Song über unsere Redaktionsprobleme auf. Untermalt mit stetigem Hardcore-Krach natürlich. Wenn’s hilft …

Tracklist:
01) defeatist
02) horrors of self
03) mind over all
04) to the threshold
05) give wings to my triumph
06) destroy everything
07) divine judgement
08) immortal enemies
09) the most truth
10) never let it die
11) sitting venom
12) as diehard as they come
13) supremacy of self

© written for plattentests

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Bratislava

Tuesday, August 22nd, 2006 at 14:48

| aktueller song: horse the band – sand |

Bratislava, August 2006

[mygal=bratislava01]

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Bretterkunde

Monday, August 21st, 2006 at 17:02

| aktueller song: envy – scene |

Full Blown Chaos – Within The Grasp Of Titans
Vö: 25. August 2006
Label: Stillborn / Abacus / Alveran / Soulfood
Länge: 39:50 min
Hit: Rise & Fight
Punkte: 6/10

Full Blown Chaos - Within The Grasp Of Titans

Was es alles für verschiedenste Bretterarten gibt, weiß jeder, der schon einmal im Baumarkt war. Kleine, große, runde, eckige, Fußbodenbretter, Ablagebretter oder auch Brettchen fürs Abendessen. Dafür muß man sogar nicht einmal Handwerker sein. Aber auch sonst erreicht die Vielzahl ein erschreckendes Ausmaß. Für die Denker unter uns gibt das Sortiment das altehrwürdige Schachbrett und andere Brett- … ähh … Gesellschaftsspiele her. Die unzähligen Studenten werden ebenfalls täglich damit konfrontiert: erst das schwarze Brett nach Wohnungsinseraten durchforsten und dann doch wieder in irgendeiner Bretterbude unterkommen. Sogar Frauen wurden berücksichtigt, denke man nur an das Bügelbrett. Angeblich benutzen das sogar heutzutage sogar Männer! Selbst wer von alle dem gar keinen Schimmer hat, kommt an der Bretterherrschaft nicht vorbei. Schließlich handelt es sich dann um einen Trittbrettfahrer oder einfach einen x-beliebigen Klaus mit Brett vorm Kopf. Wo waren wir noch gleich?

Ach ja: Letzteres haben zwar Full Blown Chaos nicht selbst, aber knallen es dafür dem Hörer doppelt und dreifach vor den Schädel. Womit wir dann auch schon wieder ruckzuck in der nächsten Kategorie wären: dem Metalbrett. Und wenn wir uns dessen Beschaffenheit näher anschauen, stellen wir fest, daß dies relativ viele oben genannte Eigenschaften vereint. Eine noch relativ kleine Band spielt mächtig groß auf. Shows hier und da, Touren mit Slipknot, Sepultura, Hatebreed und anderen Genregrößen. Dazu Jamie Jasta, Sänger von Letzteren, als Vorgesetzten beim Stillborn-Label. Der Durchbruch für Full Blown Chaos ist also scheinbar nur eine Frage der Zeit. Denn auch “Within the grasp of titans” ist eine runde Geschichte, die zwar sofort die Fußbodenbretter fulminant in tausend Ecken zerknüppelt, aber zur Mitte der Scheibe hin Abwechslung zeigt, wie es sich für ein wahres Brett gehört.

Zudem verlieh Eric Rachel dem ganzen einen so wuchtigen Sound, daß dieser fast massiver ist als jede Ebenholz-Schrankwand. Und daß während der 13 brachial-einfachen Songs auch wenig Zeit für irgendwelche Kinderspielchen bleibt, dürfte sich von selbst verstehen. Eher würden die unzähligen knallharten Moshparts, Breaks und Doublebass-Ausuferungen zu anderen Formen von Gesellschaftsspielen einladen, auf die wir hier aber nicht näher eingehen wollen und auch keinerlei Haftung übernehmen. Das einzige, was Full Blown Chaos in der Bretterkunde noch nicht so ganz raus haben, ist die Sache mit dem Waschbrettbauch. Aber dann wär’s ja auch kein ordentlicher Metal.

Tracklist:
01) trials of triumph
02) chopping block
03) burning age
04) solemn promoise
05) anchored heart
06) rise & fight
07) suffer in silence
08) life of sorrow
09) hollowed
10) vendetta
11) against the grain
12) kingdom undone
13) the voorhees complex

© written for plattentests

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