Archive for June, 2006

Gefangen

Thursday, June 29th, 2006 at 23:45

| aktueller song: noob – new blood |

Joan As Police Woman – Real Life
Vö: 30. Juni 2006
Label: Pias / Rough Trade
Länge: 38:14
Hit: I Defy
Punkte: 8/10

Joan As Police Woman - Real Life

Die letzte Straftat ist noch gar nicht so lange her. Nein, kein Mord oder so was. Nur zu schnell durch eine Baustelle gebrettert. Zack, Blitz. Und 30 Euro weniger in der Tasche. Aber ab jetzt ist das egal. Jetzt erst recht. Denn Joan Wasser ist als Polizeifrau zurück. Das heißt: Führerschein absichtlicher vergessen und noch drei Promille intus haben. Ach ja und wo war noch einmal das Bremspedal?! Keine Ahnung, ist auch egal. Hauptsache man wird angehalten und am besten unverzüglich von Joan mit aufs Revier genommen.

Da liegt man dann dort in der Ausnüchterungszelle. Die Bilder im Kopf drehen sich ganz wild und man ist von dieser komischen Stimmung befallen. Melancholie. Aus den Boxen in der Zelle erklingt die Musik von Joan. Klassische Streicher, poetische Klaviertöne, sanfte Gitarren und diese Stimme noch dazu. Mmh. Irgendwie verbreitet sich Einsicht, dass das Getane vielleicht nicht richtig war. Doch der Ausrutscher war aber gut. So ist das “Real Life” nun mal. Einerseits wunderschön, spontan und unberechenbar, doch der Übergang hin zu Verzweifelung oder Pathos ist fließend.

Energische, gar freudige Momente wie “Christobel” oder “Eternal Flame” sind der Ausgangspunkt. Die Hochs. Der Kick. In den Morgenstunden kommt dann aber das flau-soulige Gefühl von “Save Me” und “Anyone”. Man reflektiert alles noch einmal und spätestens, wenn man auf der kalten Pritsche zu sich kommt, Joan elegant wie eh und je die Zelle abermals aufschließt und man noch einmal das famose “I Defy” hören darf, wird einem klar: soulige Punkrock-Klassik ist genau mein Ding und man wird wieder das Gesetz brechen, nur damit man dort noch einmal diese zartbitteren Momente erleben darf.

Tracklist:
01) real life
02) eternal flame
03) feed the light
04) the ride
05) i defy
06) flushed chest
07) christobel
08) save me
09) anyone
10) we don’t own it

© written for popcultures

Posted in Platten
by admin

Flagge zeigen

Monday, June 26th, 2006 at 17:45

| aktueller song: 3 – trust |

Various Artists – Vans Warped Tour 2006
Vö: 23 Juni 2006
Label: Side One Dummy / Cargo
Länge: 156:49
Hit: Bedouin Soundclash – Rude Boy Don’t Cry
Punkte: 7/10

Various Artists - Vans Warped Tour 2006

Langsam nervt es gewaltig. Vom fettesten Prosche bis zur Rostlaube in Opel-Form – alle haben sie während der Fußball-WM mindestens ein Fähnchen, Wimpelchen, Fläggchen oder Aufkleberchen irgendwo hingeklatscht. Motorhaube, Stoßstange, Festerscheibe, ganz egal. Der Wahn kennt keine Grenzen. Danke Poldi und Schweini. Klinsi und Jogi freut’s hingegen, sie können gar nicht genug bekommen von dieser schwarz-rot-goldenen Hysterie. Angie und Köhler (endlich mal einer ohne i-Laut am Ende) schließen sich dem bunten Treiben bedingungslos an und propagieren den neuen Patriotismus. Zum Glück aber noch ohne aufgemalte Deutschland-Flagge auf der Stirn.

Dem Fußball-Ignoranten bleibt nichts, worauf er stolz sein könnte. Plattenveröffentlichungen und Konzerte werden im Name des Leders gegen Null zurückgefahren. Und festivalmäßig hängen wir Deutschen doch sowieso hinterher. Stattdessen bringt die Compilation zur amerikanischen Vans Warped Tour auch dieses Jahr das Faß zum überlaufen. Das Neid-Faß, das Einmaliger-Sampler-Faß und natürlich auch das Wir-wollen-auch-so-ein-Festival-Faß. Einer der wenigen Momente also, in denen man dann doch gerne Ami wäre. Oder zumindest den Sommer über in den Staaten unterwegs sein möchte. Doch dem Großteil gebührt diese Ehre leider nicht, also müssen wir uns mit immerhin zwei übervollen CDs begnügen. Und eigentlich reicht das schon aus, um uns neidisch zu machen. Das geht schon beim Cover los. Punk-Gitarre, fetzige Sonnenbrillen, viele grinsende Leute, Palmen. Oberklasse.

Dann kann’s im Grunde losgehen. Auf Saves The Day folgt Underoath, gefolgt von Matchbox Romance, wiederum gefolgt von NOFX und Flogging Molly. Für die ersten fünf Hits ist also mit Sicherheit gesorgt. Und eigentlich kann man das von den Namen her kaum toppen. Anti-Flag vielleicht, aber die leiten ja schon mit ihren kritischen “No future”-Tönen die zweiten 80 Minuten ein. Zwar schmücken die folgenden Bands ihre Fahnen und Banner mit “kleineren” Namen, aber wir Deutsche sind trotzdem erstaunt, was sich überm Teich alles für Newcomer ankündigen. Ob nun Bald-Durchstarter Moneen, die mittelbekannten Chiodos oder gar Pop-Punk von und mit All Time Low. In allen erdenklichen Sparten ist für Nachwuchs gesorgt.

Zwischen so vielen jungen wilden Bands schwenken From First To Last, Rise Against, Good Riddance und ähnliche Kaliber ab und an ihre routinierte Flagge, wirken dabei aber kurioserweise schon relativ vertraut. Kennt man schließlich schon. Hingegen schaffen es die bis dato unbekannten Vanna, in das lähmende Metalcore-Gewand eine frische Brise zu hauchen. Besonders erfrischend kommt dann auch Bedouin Soundclashs sommerliches “Rude boy don’t cry” daher. Spätestens jetzt kann man also ohne Scham auch darüber nachdenken, überzulaufen. Territorial und musiktechnisch. Kein Deutschland-Hype, stattdessen alles rund um Pop, Punk und Metal von und für Jung und Alt. Und das in der strahlenden Sonne unter Palmen. Ami-Flaggen sind auch noch nicht ausverkauft. Überlegt es euch also.

Tracklist:
CD1:
01) saves the day – the end
02) underoath – moving for the sake of motion
03) matchbook romance – my mannequin can dance
04) nofx – wolves in wolves’ clothing
05) flogging molly – laura
06) joan jett and the blackhearts – five
07) riverboat gamblers – don’t bury me … i’m still not dead
08) armor for sleep – remember to feel real
09) helmet – bury me
10) gogol bordello – not a crime
11) the matches – my soft and deep
12) moneen – if tragedy’s appealing, then disaster’s an addiction
13) chiodos – the words ‘best friend’ become redefined
14) american eyes – the girl with the broken heart (by the way)
15) valient thor – tough customer
16) somerset – rhyme over reason
17) protest the hero – hererics and killers
18) i am ghost – we are always searching
19) vcr – do you wanna triumph
20) all time low – coffee shop soundtrack
21) so they say – over exposed photo
22) maxeen – block out the world
23) time again – black night
24) slightly stoopid – nothin over me
25) eight fingers down – everything

CD2:
01) anti-flag – no future
02) the casualties – under attack
03) from first to last – the levy
04) relient k – which to bury, us or the hatchet?
05) rise against – ever changing
06) motion city soundtrack – when you’re around
07) against me – from her lips to god’s ears
08) the bouncing souls – midnight mile
09) bedouin soundclash – rude boy don’t cry
10) the academy is… – the phrase that pays
11) zox – thirsty
12) hellogoodbye – all time low’s
13) love equals death – bombs over brooklyn
14) paramore – emergency
15) vanna – a dead language for a dying lady
16) crash romeo – serious
17) good riddance – shame
18) escape the fate – ransom
19) everytime i die – the new black
20) royden – broken star satellite
21) scotch greens – professional
22) roses are red – these days
23) the banner – venom and hope
24) the expendables – set me off
25) los kung-fu monkeys – short fuse
26) the sunstreak – good looks, bad intentions

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Kinderquatsch mit Hammy

Thursday, June 22nd, 2006 at 19:10

| aktueller song: deftones – digital bath |

Ab durch die Hecke
Vö: 06. Juli 2006
Verleih: Dreamworks / UIP
Genre: Animationsfilm | USA 2006
Länge: 83min
Regie: Tim Johnson, Karey Kirkpatrick
Drehbuch: Len Blum, Lorne Cameron, David Hoselton
Musik: Rupert Gregson-Williams
Visuelle Effekte: Craig Ring
Sprecher: u.a. Bruce Willis, Nick Nolte, Steve Carell, Avril Lavigne
Punkte: 5/10

Ab durch die Hecke

Handlung:

Auch während eines Winterschlafes dreht sich die Welt weiter. Diese Erkenntnis musste die tierische Multikulti-Truppe am eigenen Leib erfahren. Während alle Waldbewohner friedlich im Baumstamm schlafen, stampfen die Menschen eine ganze Vorstadtsiedlung aus dem Boden. Und das ist noch nicht alles. Eine meterhohe und kilometerlange Hecke trennt sie nun von ihrem Futterrevier. Schildkröte Verne, Eichhörnchen Hammy, Stinktier Stella und die anderen Waldbewohner haben in Sachen Futterbeschaffung schon aufgegeben, da kommt der listige Waschbär Richie wie gerufen. Ohne Furcht vor der Hecke und vor der Menschheit, predigt er der Tierbande das Essensparadies auf Erden vor. Dazu heckt er einen raffinierten Plan aus, bei dem die Tiere durch die Hecke schlüpfen und den Menschen die Leckereien in rauen Mengen wegschnappen. Alle sind hellauf begeistert, bis auf Verne, der dem Neuen nicht ganz so traut. Denn in der Tat handelt Richie hinterlistig, denn er hat blöderweise noch eine offene Rechnung mit dem Grizzlybären Vincent zu begleichen. Diesem muss er binnen einer Woche Essen verschaffen und dazu nutzt er die gutgläubige Tier-Bande aus.

Hintergrund:

Im Zeichen des Erfolges passieren komische Dinge. “Antz”, der durchdachte Krabbelfilm, der auch von Regisseur Tim Johnson stammt, floppt an den Kinokassen. Stattdessen startet der andere Kleintierfilm durch: “Das große Krabbeln”. Gleichzeitig wird damit auch der Trend eingeleitet, dass die Animationsfilme immer harmloser und glatt gebügelter werden. Doch im Grunde steckt in der Originalvorlage “Over The Hedge” viel mehr. 1995 erschienen die Comics von Michael Fry und T Lewis erstmals und waren mit ihrer ironischen Weltansicht wesentlich bissiger, als die jetzige Verfilmung. So wurden die Konsumkritik und die durchweg unsympathischen Bemerkungen zur weißen Überflussgesellschaft fast auf ein Null zurückgeschraubt. Weniger zurückhaltend hingegen kommt der Film in Sachen Machart daher. In der Animation ist “Ab durch die Hecke” auf einem absoluten Toplevel. Selbst hitzige Verfolgungsjagden und hektische Aktionen wurden brillant umgesetzt.

Sinn:

Die Originalvorlage zu “Ab durch die Hecke” ist eigentlich schon eine Steilvorlage nach Maß. Animationsfilme tümpeln momentan nur zwischen halbwitzigen und mauen Fortsetzungen hin und her. Da wäre es eine ironische Rache der Waldbewohner an uns Menschen durchaus etwas Neues. Und im Gegensatz zum launischen Phantasie-Shrek eine satirische Real-Animation sozusagen. Doch das mögliche Erfolgs- oder Misserfolgsrisiko wäre zu groß, deswegen wird dem Zuschauer abermals 90 Minuten milder Humor mit primitiv-liebevoller Endbotschaft vorgesetzt: Familie und Freundschaft ist das Wichtigste. Gut zu wissen. Aber so klischeehaft ist das auch wieder nicht, denn ohnehin handelt es sich hier um braves Familienkino. Ebenso brav und niedlich sind auch die Helden der Geschichte. Ja nicht anecken. Einzig der Waschbär Richie und das Eichhörnchen Hammy stechen etwas hervor. Ersterer durch seine Draufgängerart und Hammy durch seine Beklopptheit. Aber genau in diesen Momenten, wenn die Tiere teils vergeblich versuchen die Menschen zu beklauen, besitzt der Film seine Höhepunkte und den meisten Witz. Dann rutschen die Kinder im Kino sicher genauso auf den Sitzen hin und her, wie Hammy naiv rumrennt.

© written for triggerfish

Posted in Filme
by admin

Völlig Wurst

Tuesday, June 20th, 2006 at 10:20

| aktueller song: wintersleep – jaws of life |

Shinedown – Us And Them
Vö: 23. Juni 2006
Label: Atlantic / Inkubator / Soulfood
Länge: 48:55
Hit: I Dare You
Punkte: 2/10

Shinedown - Us And Them

Die Erwartungen sind riesig. Besondere Alben müssen zwangsläufig auch immer besondere Besprechungen hervorbringen. Ist doch so! Man schaue sich nur Tool an. Oder Pearl Jam. Shinedown sind zwar noch keine Weltstars, aber verkaufen trotzdem in den Staaten irgendwie massenhaft Platten. Also muß ja schon eine besonderere Rezension geschrieben werden, weil das Album irgendwas an sich haben muß. Doch was aber, wenn der ganze Trubel das in Wahrheit überhaupt nicht wert ist? Verrisse sind ja gut und schön, aber warum so lange überlegen um besonders witzig zu sein, wenn die Platte kaum den Silberling wert ist?

Kann man eigentlich auch eine Rezension schreiben, die “Us an them” tatsächlich gerecht wird? Also eine, die genauso langweilig, genauso geradeaus, genauso berechenbar ist. Einfach genauso 0815-mäßig? Das wird echt schwer. Aber wollen wir nicht ganz so viel Apathie an den Tag legen. Immerhin haben Shinedown ganze zwei Wochen an diesem Album geschrieben. Zwei Wochen! Also es soll ja Bands geben, die sprühen nur so vor Kreativität und zimmern ihre Stunde Musik auch in 4 Tagen ein, aber in diesem Falle… Nein, nein. Beim besten Willen nicht. Aber wir wollten ja nicht ganz so böse zu den armen Jungs sein, schließlich gibt es auch einen guten Ansatz. Einen! Das Intro. Immerhin. Unseren Respekt dafür. Dort fallen ein paar wahre Worte.

Doch die restlichen 46 Minuten sind textlich so kreativ, wie Pizza Margarita lecker schmeckt. Also gar nicht. Und auch musikalisch regiert eher das Prinzip “Fleischwolf”. Vorne kommt alles rein, was beim Auseinandernehmen eines gezüchteten Massentiers namens Schwein alles anfällt. Also 3-Doors-Down-Lappen, ganz viel Nickelback-Speck und Creed-Backen-Spacken. Das kommt dann durch den Fleischwolf. Und das fertige Endprodukt nennt sich allgemein gesagt “Wurst”. Genauer gesagt: “Us and them”-Wurst. Selbstverständlich roh oder gepökelt dieselbe Sülze.

Und das ist noch nicht einmal übertrieben. Zwar rocken “Heroes” und “Yer majesty” ordentlich drauf los, aber auch nur, wenn man unter “rocken” nichts als lautere Gitarren versteht. Hits oder gar Hymnen haben mit solchen abgenudelten und auf alt gemachten Riffs die ollen Nickelback schon vor paar Jahren gehabt. Schmusesongs und die Nummer für den Radiomann gibt es selbstverständlich auch, aber mehr als eine Aufzählung der Songs “Save me”, “Beyond the sun”, “Shed some light” und “Some day” wäre schon fast zu viel der Besprechung. Shinedown haben sich schließlich auch nur wenig bis gar keine Mühe gegeben. Selbst das Solo in “Lady so divine” kennt man irgendwoher. Keine Ahnung woher, aber man kennt es. Und für eine ausführliche Recherche bei 70er-Jahre-Klassikern geben wir uns für so wenig Engagement nun wirklich nicht auch noch Mühe. Pah!

Tracklist:
01) dream
02) heroes
03) save me
04) i dare you
05) yer majesty
06) beyond the sun
07) trade yourself in
08) lady so divine
09) shed some light
10) begin again
11) atmosphere
12) fake
13) some day

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Geheimniskrämerei

Sunday, June 18th, 2006 at 22:39

| aktueller song: mucc – 666 |

Tool
08. Juni 2006 – Düsseldorf, Phillipshalle

Tool

Was war das doch für ein Trubel im Vorfeld. Tool veröffentlichen ein neues Album. Lange, lange, lange wurde es angekündigt. Unendlich viel Spannung und Vorfreue. Trommelwirbel. Viel Geheimniskrämerei und Getratsche. Dann war es plötzlich da. Aber sofort die nächsten spannenden Momente: werden die Gitarrenmagier auch zu uns auf Tour kommen? Neben den großen Massenfestivals wenigstens für ein oder zwei Konzerte!? Bitte!

Ja sie sind gekommen. Aber die Massen blieben natürlich. Genauso wie die vielen Fragen. Jeder bastelt sich seine Wunsch-Setlist zusammen und fragt sich, was nun diesmal als Sahnehäubchen der Show drauf gepackt wird. Dementsprechend tuscheln im Vorfeld gefühlte 15.000 Männer und Frauen aufgeregt und verursachen nebenbei mit ihren geschätzten 5.000 Autos geschätzte 20km Stau rund um die Philipshalle. Okay, das ist etwas übertrieben, aber es liegt vor Konzertbeginn eine gewisse Atmosphäre in der Luft. Leicht komisch. Angespannt. Fragend. Aber andererseits auch völlig euphorisch. Da brauch man sicherlich nicht zu erwähnen, dass schon Wochen vor dem Konzertabend alle Karten restlos vergriffen waren.

Und welche Band solch eine Aura hat, solch ein begeistertes Publikum, vor allem solch ein gemischtes und zusätzlich solch gute Alben, die braucht selbstverständlich auch keine Vorband als Einheizer. Das Publikum ist schon seit Wochen heiß. Kurzerhand gibt es auch schon Minuten vor Konzertbeginn standing ovations auf den Sitzplätzen, im Innenraum sowieso und mit Sicherheit auch auf den Toiletten. Überpünktlich zur Primetime geht es Punkt 20:15 Uhr los. “Rosetta Stoned” donnert noch relativ matschig aus den Boxen, aber 8.000 nickenden Köpfen ist das völlig egal. Tool stehen seit Jahren wieder auf der Bühne. Also.

Ganz nebenbei verschwinden auch die Fragen nach Bühnenspektakel oder anderen Showeinlagen. Maynards Zuhälter-Outfit reißt es da schon mehr raus, schließlich ist die Videoshow im Hintergrund aus Lateralus-Zeiten bekannt oder verliert sich in Winamp-Visualisierungen. Cowboyhut und Pornobrille hätte man hingegen weniger erwartet. Musikalische Highlights waren danach mit Sicherheit das etwas modifizierte “Stinkfist” und “Lateralus”. Überhaupt boten Tool mehr eine Best-of-Show, als eine Präsentation ihres neuen Albums. Von dem bekam man zusätzlich mit “Jambi”, der Zugabe “Vicarious” und “Right In Two” gerade einmal vier Lieder geboten. Immerhin wurde nach den anfänglichen Schwierigkeiten mit der Zeit der Sound dem Können der Band gerecht, auch wenn weniger Bass manchmal mehr wäre. Aber der Band wurde sicherlich erzählt, dass dieser schöne Kongresszentrumsboden gut mitvibriert. Und standing ovation gab’s doch eh durchweg.

Umso verwundeter waren viele, als es nach 90 Minuten “Thank you Germans and Dutch people” hieß. Dann ging es wieder los: das Getratschte. Hätten Tool doch das Lied gespielt, oder dies, oder jenes … Und überhaupt, was fällt denen ein, nur 90 Minuten zu spielen. Und nochmal: nur 90 Minuten! Aber anstatt die Zeit zu stoppen oder sich aufzuregen, warum ausgerechnet sein eigenes Lieblingslied nicht gespielt wurde, hätte man durchaus konzentrierter das Konzert verfolgen können: denn Tool können wirklich verdammt viel.

© written for triggerfish

Posted in Konzerte
by admin

Neue Horizonte

Tuesday, June 13th, 2006 at 17:30

| aktueller song: the cardigans – erase and rewind |

Underoath – Define The Great Line
Vö: 16. Juni 2006
Label: Virgin / EMI
Länge: 46:14
Hit: Writing On The Walls
Punkte: 9/10

Underoath – Define The Great Line

Schauen wir kurz zurück: “They’re only chasing safety” platzte einfach rein. In unsere Ohren, in unser Herz und dank vieler Hits auch in unsere jung gebliebenen Tanzbeine. Wild rasselte aber auch die Anzeige des Kontostandes beim Label Solid State. Fast eine halbe Million Silberlinge wurden allein in den USA verkauft. Das könnte für Underoath locker dafür gereicht haben, neuerdings in den Hilton-Hotels dieser Welt zu sitzen, um über ihr neues Album zu blafaseln. Da lümmeln sie sich in übergroße Ledersofas und grinsen mit der Marmorausstattung um die Wette.

Leider kam es für uns zu keinem Interview, weil wir uns einfach geschämt haben, mit unseren verfetzten und billig wirkenden Hosen da aufzukreuzen. Aber den Ablauf der Interviews kann sich jeder wahrscheinlich denken. Sänger Spencer Chamberlain fläzt herum und sülzt irgendwas von “It is definitely our fucking hardest album ever!”. Na dann. Haben Taking Back Sunday übrigens auch gesagt. Von wegen neue Horizonte erreichen und so. Wenn ungemein erfolgreiche Ami-Bands zu Protokoll geben, daß ihr Album nach dem Durchbruch ungemein hart und konsequent geworden sei, so heißt das meist tatsächlich: Die Songs sind weicher, langweiliger. Emo wird komplett groß geschrieben, der Core wurde weggeputzt, und alles und jeder schmachtet zufrieden vor sich hin.

Aber hätten wir unsere Minderwertigkeitskomplexe mal kurz beiseite gelegt. Argh, verdammt! Denn irgendwas muß da in diesem funkelnden Hotel schief gelaufen sein. Das Frühstück war angeschimmelt. Paris Hilton kam vorbei. Keine Ahnung. Jedenfalls irgendwas, das erklären könnte, warum “Define the great line” so ist, wie es nun geworden ist. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Tatsache, daß Underoath nicht Fall Out Boy sind und nicht Taking Back Sunday. Das haben sie übrigens wirklich selbst erkannt. Herzlichen Glückwunsch.

Nun endlich zum Album. Das ist: komplexer, vielseitiger, variabler, vertrackter, komplizierter und deswegen auch unberechenbarer. Aber vor allem ist es: härter! Ja, härter! Wirklich! Endlich einmal eine Band also, die ihre Versprechen einhält. “In regards to myself” gibt da gleich erstmal die Richtung vor und brettert mit einem ordentlichen “Wake up!” los. Und wenn darauf, trotz all der neuen alten Härte, mit “A moment suspended in time” der Song mit dem größten Tanzflächenfaktor erhallt, machen wir das doch doppelt so gerne. Also aufwachen. Schließlich gibt es auch genügend Gründe dafür. Denn die Härte wird nicht plump durch das Aufdrehen der Gitarren erzeugt, sondern in nicht unerheblichem Maße durch ein düsteres und klaustrophobisches Keyboard-Spiel. Speziell dem Interlude “Salmarnir” wird dadurch eine fast traurige Note verliehen.

Die neuesten Wege dürfte aber sicher “Casting such a thin shadow” einschlagen. Ein fast instrumentaler Sechsminüter im Isis-Stil, bei dem man sehnsüchtig, aber vergeblich auf einen schaurig-schönen Oceansize-Refrain wartet. Stattdessen Aaron-Turner-Geschrei. Ebenso beängstigend. Furchteinflößend werden dann in der dunkleren Grundstimmung auch eigentliche Mitmach-Songs wie “Writing on the walls”, in dem noch nicht einmal “We walk alone”-Gegrunze und Dudel-Zwischenpart aufgesetzt klingen. Respekt. Überhaupt Respekt dafür, daß uns Underoath zeigen, daß Krach, Melodie, Kunst und Geschäft doch auf nur eine CD passen. Und auch, daß kaputte Hosen, lange Haare und Bart in Designersofas schick aussehen. Wir probieren das bei Gelegenheit auch mal aus.

Tracklist:
01) in regards to myself
02) a moment suspended in time
03) there could be nothing after this
04) ever so inviting
05) salmamir
06) returning empty handed
07) casting such a thin shadow
08) moving for the sake of motion
09) writing on the walls
10) everyone looks so good from here
11) to whom it may concern

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Einklang

Monday, June 12th, 2006 at 02:34

| aktueller song: pelican – last day of winter |

Julia – Sunrise
Vö: 16. Juni 2006
Label: Rodeostar / Edel / Universal
Länge: 43:19
Hit: Everlasting
Punkte: 3/10

Julia - Sunrise

Das waren noch Zeiten damals! Also jetzt nicht in Deiner sündhaften Jugend. Und auch nicht, als Oma noch täglich im Dorf auf der Pirsch war. Nein. Damals. Richtig früher. Als Österreich noch der kulturelle Nabel war. Wiener Klassik und so. Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart oder August Carl Ditters von Dittersdorf. Alles Österreicher. Und die Welt betete sie an. Meine Herren, was die an ihren Instrumenten machten, da ist sogar jedes hinterm Rücken gespielte 10-minütige Mars-Volta-Gefrickel aber so was von Pillepalle.

Und was ist heute los? Wien hat noch ein paar schöne Bauten von richtig früher. Aber sonst? Musikalisch ist doch irgendwie tote Hose. Klar, von barocken Polyphonien wollen wir gar nichts mehr wissen, aber selbst in Sachen Gitarrenvielklang ist eher Einklang angesagt. Naca7 und Burn.Time waren vor Jahren mal cool. 3 Feet Smaller sind so ein Underground-Ding und wollen im punkigeren “Crash test youth” ein bißchen auf sich aufmerksam machen. Und dann kommt schon Julia. Und von Vielklang haben die auch noch nicht viel gehört. Zumindest nicht mehr. Wo “Songs about decay” noch einige Elemente aus Metal und Emo enthielt, kommt “Sunrise” um einiges reduzierter daher. Fast könnte man sogar sagen: noch eintöniger, noch langweiliger. Stattdessen gibt es haufenweise gute Laune in “Give it a try”. Mit “Optimistic” wird sogar ein ganzer Song nach dieser Feelgood-Stadionrock-Stimmung benannt. Negativer Höhepunkt all dieser Refrains zum Migröhlen ist zweifelsohne das “Hello, hello, hello”-Geplärre beim abschließenden “Nothing”. Zum Aufmerksamkeitwecken, falls jemand weggenickt ist. Verwundern würde es sicher nicht.

Aber auch den ganzen Mittelteil mit “Turnaround” oder “Sleepwalk” kann man getrost ignorieren. Außer natürlich, man kann sich an standardisierten “Intro-Strophe-Strophe-Refrain-usw.”-Schema gepaart mit gewöhnlicher Stimme und gewöhnlichen Rock-Melodien plus Punkbrise nicht satthören. Soll es ja angeblich geben. Einzig der halbakustische Gitarrenpop-Song “Everlasting” bleibt dank seiner Eingängigkeit etwas im Ohr hängen, obwohl dieser Song im Grunde auch von 23 anderen Bands hätte stammen können. Nichts da also mit guten alten Zeiten in Wien. Musiker, die angebetet werden, gibt es seit der Wiener Klassik in Österreich nicht mehr. Und darum wünscht man sich doch in diesen mauen Tagen Mozart und seine alten Kumpels so ein bißchen zurück.

Tracklist:
01) intro
02) technology
03) vaseline
04) everlasting
05) give it a try
06) optimistic
07) superficial
08) a kiss for a killer
09) turnaround
10) sleepwalk
11) delicate
12) crash test youth (feat. marcus smaller of 3 feet smaller)
13) medication time
14) nothing

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Engagement

Thursday, June 8th, 2006 at 17:53

| aktueller song: underoath – ever so inviting |

Various Artists – Take Action Vol. 5
Vö: 24. März 2006
Label: Sub City / Hopeless / Soulfood
Länge: 150min
Hit: Horse The Band – Birdo
Punkte: 7/10

“Everybody feels alone or gets down themselves from time to time, but nobody should have to do it on their own …”

Various Artists - Take Action Vol. 5

… Take Action! Und genau darum geht es. Den Arsch endlich einmal hochbekommen. Nicht tatenlos zusehen. Sich in sozialen Projekten engagieren.

Seit nun mehr 5 Jahren gibt es diese amerikanische Benefiz-Tour, die auch jährlich einen Sampler veröffentlicht, dessen Erlöse in diverse Projekte fließen. So wird besonders der “The Kirsten Brooks Hope Center” mit seiner “Youth America Hotline!” (YAH!) unterstützt, der Jugendliche in schweren persönlichen Krisen unterstützt und gar als Selbstmord-Vorbeugung dient. So ist es auch nicht verwunderlich, daß beide CDs mit kurzen Statements namenhafter Künstler beginnen, die sich direkt an jene jugendliche Zielgruppe wenden.

Allerdings wird nicht nur der Zeigefinger gehoben, sondern auch ordentlich musiziert, denn schließlich ist Musik immer noch die stärkste Bindung und Motivation. Und eigentlich ist auch alles vertreten: Punk, Hardcore, Metal, Chaos und Pop. Selbstverständlich jeweils vertreten durch ihre momentanen Aushängeschilder. Sugarcult lassen es noch mächtig ruhig angehen, während schon auf der ersten CD der Bogen weiter über EMOtionale Emery oder jazzige The Fall Of Troy, hin zu schwermetallischen A Life Once Lost gesponnen wird.

Mit Beiträgen von Lagwagon, Strike Anywhere oder Against Me! bekommt der zweite Silberling einen wesentlich höheren Punkanteil. Und Teenage Bottlerocket und The Aka’s stellen zudem bisher unveröffentlichtes Material vor. Alles für den guten Zweck selbstverständlich. Und wenn dann diese gute Mischung zwischen Stars und Nachwuchsbands dermaßen erfrischend losrockt. Take Action!

Tracklist:
CD1:
01) psa by tim pagnotta of sugarcult
02) underoath – i don’t feel very receptive today
03) the fall of troy – whacko jacko steals the elephant man’s bones
04) saosin – sleepers
05) boys night out – medicating
06) sugarcult – crying
07) amber pacific – poetically pathetic
08) rufio – mental games
09) plain white t’s – take me away
10) panic! at the disco – the o. d. b. martyrdom and suicide is press coverage
11) cartel – the minstrel’s prayer
12) hawthorne heights – silver bullet (acoustic)
13) nural – chasing you
14) let go – spotlights
15) armor for sleep – the truth about heaven
16) june – patrick
17) emery – studying politics
18) bedlight for blue eyes – ephemeral addictions
19) the receiving end of sirens – dead men tell no tales
20) a life once lost – vulture
21) horse the band – birdo
22) the # 12 looks like you – the proud parent’s convention held in the er
23) as i lay dying – confined

CD2:
01) psa by joey cape of lagwagon
02) dropkick murphys – the warrior’s code
03) strike anywhere – asleep
04) lagwagon – fallen
05) a wilhelm scream – the soft sell
06) the briefs – getting hit on at the bank
07) the vacancy – so obvious
08) teenage bottlerocket – pull the plug
09) against me! – don’t lose touch
10) lucero – sixteen
11) the horrorpops – where you can’t follow
12) riverboat gamblers – walk around me
13) lost city angels – liberation
14) darker my love – summer is here
15) the loved ones – 100k
16) i am the avalanche – dead and gone
17) cursive – a disruption in the normal swing of thing
18) maxeen – lead not follow
19) the aka’s – desperation is a stinky cologne
20) hockey night – for guy’s eyes only
21) solea – leaving today
22) broken spindles – burn my body

© written for triggerfish

Posted in Platten
by admin

Filmreif

Tuesday, June 6th, 2006 at 17:13

| aktueller song: fight paris – complete heat |

36 Crazyfists – Rest Inside The Flames
Vö: 09. Juni 2006
Label: Roadrunner / Universal
Länge: 40:30
Hit: I’ll Go Until My Heart Stops
Punkte: 7/10

36 Crazyfists - Rest Inside The Flames

Fortsetzungen von irgendetwas sind ja immer so eine Geschichte für sich. Generell ändert sich nicht viel: Das Budget wird nach dem Erfolg des Vorgängers verdoppelt, die Hauptrollen mit hippen Stars und Sternchen besetzt und so weiter. Aber im Grunde bleibt der Schinken derselbe. Nur daß er dann meist floppt, weil er gähnend langweilig ist. Ganz besonders schlimm sind Fortsetzungen von dauerschmachtenden Romanzen. “Dirty dancing 2″ zum Beispiel. Bei “A snow capped romance 2″ – veröffentlicht unter dem Decknamen “Rest inside the flames” – droht nun ein ähnliches Schicksal, war der Vorgänger doch auch so eine herzzerreißende Liebeserklärung an die Liebste: die Heimat.

Vom Gesamtbudget dürfte für die Produktion von Sal Villanueva und das Mischen durch Andy Sneap schon einiges an Zaster drauf gegangen sein. Und auch beim Thema “Stars und Sternchen” muß man sich natürlich an die Vorgaben einer würdigen Fortsetzung halten. So wurde für “Elysium” Howard Jones (Killswitch Engage) und für “We cannot deny” Jonah Jenkins (Only Living Witness, Miltown) als Unterstützung engagiert. Das könnte auch nicht billig gewesen sein. Aber 36 Crazyfists sind ja nicht dumm. Und deswegen dachten sie sich, könnte man ja einfach beim Cover sparen: Eisfilter bei dem alten Herzen von “A snow capped romance” raus. Feuereffekt rein. Fertig. Titel paßt auch dazu. Super.

Der Theorie nach müßte der Schinken jetzt der gleiche sein. Haha, denkste! Man dachte sich: Wieso nicht alte Stärken mit modernen Elementen mischen? Also konnte Sänger Brock Lindow noch ein bißchen mehr bei Gesangsstunden schmoren, während der Rest der Bande Metalcore-Moshparts und messerscharfe Breakdowns üben mußte. Heraus kommt dann “I’ll go until my heart stops” oder jenes “Elysium”, die mit Double Bass und mächtig Geplärre überaus hardcorig ausfallen. Im Gegenzug stechen “We cannot deny” oder auch “On any given night” durch ungewohnte Zurückhaltung und Gesangsmelodien heraus und erinnern an vergangene, romantische Tage, bevor man im folgenden “Between the anchor and the air” aber nochmals unter Beweis stellen kann, daß das Schreiorgan doch noch funktioniert.

Und was wäre eine thematische und inhaltliche Fortsetzung, ohne dieses akustische “The city below” in bester “Song for the fisherman”-Manier? Schön. Nur die Plazierung an letzter Stelle in der Tracklist hinterläßt wieder so ein bißchen melancholisches Romanzen-Feeling. Dennoch eine würdige und ebenbürtige Fortsetzung, die zum Glück nicht den “Dirty dancing 2″-Fehler begeht. Dirty darf aber trotzdem gern getanzt werden.

Tracklist:
01) i’ll go until my heart stops
02) felt through a phone line
03) on any given night
04) elysium (feat. howard jones of killswitch engage)
05) the great descent
06) midnight swim
07) aurora
08) will put this in by hand
09) we cannot deny (feat. jonah jenkins of only living witness)
10) between the anchor and the air
11) the city below

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin

Großeinsteiger

Monday, June 5th, 2006 at 19:04

| aktueller song: casey jones – shit storm |

10 Years – The Autumn Effect
Vö: 19. Mai 2006
Label: Republic / Universal
Länge: 57:16
Hit: The Autumn Effect
Punkte: 6/10

10 Years - The Autumn Effect

Stop, Jungs und Mädels! Dieses Album erscheint zwar über den bösen, globalen Weltbeherrscher Universal, aber Euren plakativen Heuschreckenhaß verschiebt bitte auf morgen. Denn so langsam, ganz, ganz langsam, verstehen auch Pop-Manager, daß verhältnismäßig härtere Musik ein großes Publikum verheißen kann. Sogar in Deutschland. Dredg, Staind und A Perfect Circle machten das schon gekonnt vor. Und genau irgendwo in dieser Schnittmenge bewegen sich auch 10 Years. Nicht so experimentell wie Dredg oder so versiert wie A Perfect Cirlce, aber auch nicht so hausfrauenschnulzig wie Staind. Einigen wir uns jetzt einfach mal auf Chevelle und kümmern uns um die wichtigeren Dinge, als derartige Vergleiche.

Denn eigentlich haben 10 Years schon jetzt, auf ihrem Debütalbum, einen markanten Sound gefunden. Sonderlich kompliziert ist die Rezeptur nicht. Strophen und Refrains wechseln schließlich in ähnlicher Reihenfolge, wie wir das von mehr oder weniger guten Pop-Rock-Hymnen gewohnt sind. Der Opener “Waking up” wirkt dabei noch standardkonform. Aber schon hier stellt sich heraus, daß der dicke Pluspunkt an Sänger Jesse Hasek verliehen werden muß, der diesen noch eher harmlosen Melodien mit seiner Maynard-Keenan-Stimme einen prägnanten Stempel aufdrückt.

Schon mit “The recipe” landen 10 Years ihren ersten kleinen Minihit, der einmal mehr durch die sanfte und vertraute Stimme getragen wird und die Schemata der ersten beiden Songs durchbricht. Trotz potentiell noch zwei oder drei weiteren hitverdächtigen Liedern, wie dem härteren “Half life” oder dem akustischen “Seasons of cycles”, wurde “Wasteland” die erste Auskopplung. Sicher nicht umsonst, denn belegt gerade das in Kooperation mit Amnesty International entstandene Video, daß 10 Years keine reine Liebeslieder-Band ist, sondern durchaus auch ernsthafte Themen ansprechen wollen.

Das eigentliche Highlight offenbart sich im abschließenden 10-Minüter. Fast könnte man denken, eine A Perfect Circle-Coverband würde den Titeltrack einspielen. Auf ähnlichem Niveau, wohlgemerkt. Extrem melodische Riffs, eingängige Gesangspuren und ein treibender Abschluß inklusive instrumentalischem Interlude. Hier spielen 10 Years endlich einmal ihre oft noch zu zaghaft angedeutete Experimentierfreude aus. Denn nur so wird das was mit den großen Vergleichen.

Tracklist:
01) waking up
02) fault line
03) the recipe
04) cast it out
05) wasteland
06) seasons to cycles
07) half life
08) through the iris
09) empires
10) prey
11) insects
12) paralyzing kings
13) the autumn effect

© written for plattentests

Posted in Platten
by admin