Endlich Zugabe
| aktueller song: thisgirl – drake |
Oceansize, Verdena
19. Mai 2006 – Karlsruhe, Substage
[mygal=oceansize01]
© written for triggerfish
| aktueller song: thisgirl – drake |
Oceansize, Verdena
19. Mai 2006 – Karlsruhe, Substage
[mygal=oceansize01]
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| aktueller song: everlast – pain |
Sounds Of The Underground Tour: Chimaira, Madball, Unearth, Terror, All That Remains, Manntis
18. Mai 2006 – Stuttgart, LKA (Longhorn)
[mygal=soundoftheunderground01]
© written for triggerfish
| aktueller song: opeth – atonement |
Godsmack – IV
Vö: 19. Mai 2006
Label: Republic / Universal
Länge: 52:37
Hit: Hollow
Punkte: 4/10
Unser lieber Dauernörgler Theodor W. Adorno soll vor langer Zeit mal gesagt haben: “Jedes Kunstwerk ist der Todfeind jedes anderen”. Typisch umständlich ausgedrückt, aber vereinfacht interpretiert könnte das heißen: Die Wiederholung ist der Todfeind jedes Interesses beim Betrachter. Normalerweise hat sich diese kritische Theorie doch auch bis in die USA rumgesprochen, aber bei Godsmack scheint sie immer noch nicht so recht angekommen zu sein. Oder die wollen das einfach nicht kapieren.
Möglich ist aber beides, denn einen so konsequenten Weg der Nicht-Weiterentwicklung haben noch nicht einmal Korn vorgelegt. Passend dazu ist auch die Betitelung des aktuellen Albums: “IV”. Denn unterm Strich bietet der aktuelle Godsmack Silberling zum mittlerweile vierten Mal die ewig gleichen 50 Minuten. “Faceless”, gesichtslos, ist man immer noch. Hinzu kommt außerdem “idealess”. Zum Gähnen halt.
Unter Umständen und mit Zudrücken aller Augen könnte man jene zwei bis drei klitzekleinen Auffälligkeiten als “Ideen” durchgehen lassen. Aber im Grunde sind die Mundharmonika zu “Shine down” und die weibliche Backgroundstimme in “Hollow” alles andere als neue Ansätze. So ein bißchen Wild-West-Feeling steckt den Möchtegern-Cowboys von der Ostküste wohl im Blut, und halbwegs okaye Gastauftritte von irgendwelchen Sirenen gab es auch schon vor fünf Jahren bei “Spiral”. Höhepunkt des fleißigen Sichselbstwiederholens dürfte fast “Voodoo too” sein, wo der Name eigentlich schon alles sagt. Beim Rest möchten Godsmack dann noch mehr nach ihren beiden großen Helden klingen. “The enemy” erinnert dabei verdammt an eine Metallica-Vorband. Und weil Erna Scully mittlerweile manche Wörter soooooooo endloooooooos laaaaaaang ziehen kann, dürfte es ihn mit Sicherheit mächtig ärgern, daß für die Alice-In-Chains-Reunion schon ein mehr oder weniger passender Layne Staley-Ersatz gefunden wurde. Wir hätten es ihm gegönnt.
Dafür wissen wir aber alte Hits zu schätzen. Fast könnte man behaupten, Godsmack wären schon immer eine Single-Band gewesen. Man bedenke allein die beiden Aushängeschilder “Awake” oder “Straight out of line”. Doch auch die beiden jetzigen potentiellen Hits “Speak” und “No rest for the wicked” wirken zu wenig knackig und zu wenig markant, um aus dem eingeschränkten Soundkosmos in dem Maße herauszustechen wie die Vorgänger. Überhaupt ist Herausstechen nicht (mehr) das Metier von Godsmack. Das weckt natürlich kein Interesse mehr. Auch wenn Godsmack das nicht wahrhaben wollen.
Tracklist:
01) livin in sin
02) speak
03) the enemy
04) shine down
05) hollow
06) no rest for the wicked
07) bleeding me
08) voodoo too
09) temptation
10) mama
11) one rainy day
© written for plattentests
| aktueller song: björk – army of me |
Lampshade – Let`s Away
Vö: 24. Februar 2006
Label: Glitterhouse / Indigo
Länge: 48:13
Hit: Tonight I Will Retire
Punkte: 8/10
Shakespeares Drama “Romeo und Julia” diente als Inspiration, doch eigentlich ging die Geschichte zwischen den beiden gar nicht dramatisch aus. Kein Blut, keine Toten. Sondern beide finden zu einander und leben glücklich zusammen. Und selbst danach von Dramatik keine Spur. Beide kommen in den Himmel und Lampshade dürfen mit ihren Engelsstimmen auf Wolke Sieben den ganzen Tag für die Hübschen singen. Wie rührend.
Doch genau so klingt “Let`s Away”. Aber die grau-melancholische Stimmung von “Because Trees Can Fly” durfte nicht mit in den Himmel und deswegen wurden einfach 12 bittersüße Popsongs geschrieben. “It’s Okay”, “We’ll Be Fine” oder “Come Closer” klingen nicht nur vom Namen her lieblich, sondern sind allesamt weiche und sanfte Kuschellieder voller Einklang und Harmonie. Und wenn die beiden vor lauter Schmachten gern ein bisschen Bewegung wollen, dann können sie ohne Probleme zu “Joy” ihr Tanzbein schwingen. Der Höhepunkt dieser himmlischen Seeligkeit ist mit Sicherheit das markante “By And By I Come”.
Einzig das zerbrechlich angehauchte “In The Woods” und das reduzierte Duett mit Damien Jurado in “Tonight I Will Retire” könnten die neue Fröhlichkeit etwas dämpfen und lassen durchaus alte schwer-melancholische Tage durchschimmern. Romeo und Julia werden es aber gelassen hinnehmen und stattdessen die meiste Zeit völlig entspannt in schwebender Pophit-Atmosphäre schwelgen. Das haben sie sich auch verdient, nachdem was alles so über sie erzählt wurde.
Tracklist:
01) come closer
02) new legs
03) by and by i come
04) it’s ok
05) silver
06) in the woods
07) fjäril (feat. damien jurado)
08) we’ll be fine
09) joy
10) disse fugle
11) feather of lead
12) tonight i will retire (feat. damien jurado)
© written for popcultures
| aktueller song: jesu – star |
Editors – All Sparks
Vö: 19. Mai 2006
Label: Kitchenware / Pias / Rough Trade
Länge: 16:24
Hit: All Sparks
Punkte: 7/10
Eigentlich sind oberschlaue Zitate oder Verweise total abgedroschen, aber manchmal kann man einfach gar nicht anders. Aber “Besser gut geklaut als schlecht erfunden” passt einfach zu gut, so dass es in wirklich jeder Editors Rezension auftaucht. Bei “The Back Room” war dafür noch Interpol die Grundlage. Mittlerweile hat sich der Sound der Editors eingeprägt und dann kopiert man eben sich selbst. Und das ist sogar gar nicht weiter schlimm.
“All Sparks” war schon auf dem 2005er Album der herausragende Song, was bietet sich also besser an diesen als Single auszukoppeln. Jedoch kommt jetzt das eigentlich interessante. Reine Single-CDs mit wahlweise einem Livesong oder einem Demotrack reißen keinen mehr vom Hocker. So gibt es satte vier brandneue Stücke und das Bündel geht problemlos als EP durch – zum Singlepreis wohlgemerkt. Da brauch wahrhaftig keiner meckern.
Meckern brauch bei den neuen Songs auch keiner. “Come Share The View” besticht dabei vor allem durch den dunklen Instrumentalpart, hingegen “Find Yourself A Safe Place” um einiges lockerer, gar fast tanzbar, klingt. Soweit nichts Neues. Auch “Time To Slow Down” klingt mit seiner reduzierten Instrumentalisierung gewohnt melancholisch. “French Disco” wird seinem Namen danach genauso gerecht, denn dezente Elektronik und treibender Refrain lassen zum Schluss noch einmal Disco-Feeling aufkommen. Dennoch ist die EP eher die musikalische Fortsetzung von “The Back Room” auf gleichem Niveau. Deswegen sicher auch das sehr ähnliche Cover.
Tracklist:
01) all sparks
02) come share the view
03) find yourself a place
04) time to slow down
05) french disco
© written for triggerfish
| aktueller song: deadsoil – unspoken |
Vanna – The Search Party Never Came
Vö: 02. Juni 2006
Label: Epitaph / SPV
Länge: 22:13
Hit: That Champagne Feeling
Punkte: 6/10
Gulasch dürfte jeder kennen, oder? Dieser leckere Eintopf, den es in zig Variationen gibt, dass mittlerweile alles Gulasch ist, was irgendwie wie Stückchensuppe aussieht. Metalcore ist eigentlich dasselbe. Ein übergroßer Topf, jeder haut was rein und fertig ist der Metalcore-Gulasch. Der einzige Unterschied sind die Zutaten.
Die Grundzutat ist auch bei Vanna die übliche Suppe mit metallischen Schweineriffs und Doublebass-Drums, schwer wie Rinderhaxe. Ganz wichtig sind weiterhin scharfer Paprika und Zwiebeln, damit die Shouts auch entsprechend gegeift und scharf klingen. Damit dass alles aber nicht zu heftig wird, darf natürlich der Rotwein nicht fehlen. Dieser wird in fast jedem Lied in Form von saften, fast süßen, Mitsingrefrains oder “Oho”-s serviert.
Ab und zu mischen Vanna dem Eintopf noch ein paar Geschmacksverstärker unter. Ein bisschen süße Sahne mit süßen Kinderchören in “A Dead Language For A Dying Lady” oder noch eine Briese angeröstete Death-Growl-Parts für “That Champagne Feeling”. Dann doppelt so kräftig umgerührt, damit alles lecker vermischt ist und schlussendlich das Ganze noch knapp über ein viertel Stündchen garen lassen.
Lange kann sich das Aroma also nicht entfalten, dennoch ist der Geschmack auf dem Teller eingängig und erfrischend lecker. Trotz allem ist “The Search Party Never Came” kein Sonntags-Festschmaus, aber die Kostprobe in EP-Form kam an. Das Rezept kann man so übernehmen und damit das nächste Mal eine ganze Gulaschkanone kochen. Dann aber bitte noch schön viel Knoblauch und Kümmel dazu. Sonst wird’s lasch.
Tracklist:
01) a dead language for a dying lady
02) that champagne feeling
03) i am the wind, you are the feather
04) schadenfreude
05) the search party never came
06) she’s a real battleaxe
© written for triggerfish
| aktueller song: hatebreed – this is now |
Don Caballero – World Class Listening Problem
Vö: 19. Mai 2006
Label: Relapse / SPV
Länge: 44:53
Hit: Mmmmm Acting, I Love Me Some Good Acting
Punkte: 6/10
Daß dieses Kram namens Progrock sich nach dem selbstverschuldeten Tod in den Siebzigern doch noch einmal mit einem Bein aus seinem Sarg trauen würde, war nicht direkt zu erwarten. Daß er aber anno 2006 wieder so erfolgreich sein würde, kam nun gänzlich überraschend. Aber heutzutage ist ja alles Postprog – und zwar das, was nach 1990 veröffentlicht wurde, und Bands, deren maximales Durchschnittsalter bei unter 26 Jahren liegt. Und überhaupt ist alles mit “Post” im Genre aus Prinzip gut. Bestnoten gibt’s dafür an jeder Ecke, und so kann man sich kaum vor immer neuen Soundperlen retten. Jetzt versorgt uns sogar unser aller Lieblings-Böse-Buben-Label von Relapse mit derartigem Stoff.
Die Urväter dieses Instrumental-Postcore-Progrock-blabla-Dingens, lassen sich dafür nicht lumpen. Don Caballero zeigen den härteren Mathe-Nachwuchs-Hühnern von The Number Twelve Looks Like You, Ion Dissonance oder Curl Up And Die, wer hier die Mathe-Formelsammlung immer noch besser beherrscht. Das Ergebnis muß sich also nicht zwangsläufig aus der Quadratwurzel von a × zerschossene Metalgitarren² + b × angepißtes Geschrei³ dividiert durch die Anzahl diverser Klangkörper zusammensetzen, wie das die jungen Wilden heute so gern fabrizieren.
Don Caballero zeigen nämlich, daß auch dezent simplere Formeln aufgehen können: 3 × den gleichen Gitarren- und Schlagzeugrhythmus + 3 × den nächsten Rhythmus + 3 × den letzten Rhythmus + 0 × Gesang + 0 × Firlefanz = “Savage composition”. Fertig ist die einfache Rechnung. Während der Dreiviertelstunde werden zwar auch mal die Variablen ausgetauscht, und manchmal braucht man mehr Finger als die fünf pro Hand, um die Rhythmuswiederholungen zu zählen – die zusammengerechnete Herleitung aber ist im Grunde stets die gleiche. Die Stimmung ist obendrein stets heiter bis sonnig, was zum Großteil an der rhythmischen Spontaneität + dem jazzigen Jamcharakter aller Instrumente liegt.
Was hingegen fehlt ist die Variable x, die zum Beispiel die eingehende Melodie oder die treibenden Riffs zu Beginn des Openers “Mmmmm acting, I love me some good acting” sein könnte, aber ansonsten in der Kalkulation eher selten auftaucht. Andersherum geht aber die Kalkulation des Hörers auf, wenn trotz tanzbarer “Palm trees in the fecking bahamas”-Melodie die Endsumme durchaus abschätzbar ist. Doch statt an Logaritmen, Winkeln und Integralen zu verzweifeln, kann man sich endlich einmal freuen, Mathe ohne Taschenrechner halbwegs kapiert zu haben.
Tracklist:
01) mmmmm acting, i love me some good acting
02) sure we had knives around
03) and and and, he lowered the twin down
04) i agree … no! … i disagree
05) palm trees in the fecking bahamas
06) world class listening problems
07) railroad cancellation
08) theme from bricktop clowns
09) savage composition
10) i’m goofballs for bozzo jazz
© written for plattentests
| aktueller song: isis – in ficition |
36 Crazyfists – Rest In The Flames
Vö: 09. Juni 2006
Label: Roadrunner / Universal
Länge: 40:30
Hit: I’ll Go Until My Heart Stops
Punkte: Milan 4/10 – Christoph 7/10
Milan: Kommen wir direkt auf den Punkt: Tausend mal gehört. Déja-Entendus, egal wie man die Kopfhörer auch einstöpselt oder windet. Es will nicht neu klingen, es will nicht gut klingen. Langweilig. Soweit alles klar?
Christoph: Bedingt. Beim geschätzten tausenden Mal hören bin ich auch gerade, aber Langeweile ist was anderes. Und wirklich neu muss man auch nicht immer klingen, genauso wie man nicht immer unverständliche Fremdwörter benutzen muss, wenn es auch einfacher geht. 36 Crazyfists haben sich konstant weiterentwickelt und die Produktion ist ja wohl mehr als gut. Sal Villaneuva eben.
Milan: “Rest In The Flames” ist doch nur irgendwas zwischen ganz abgenutztem Nu Metal und dem heute allseits beliebten Metalcore. Alleine die Mischung ist nicht die Neuerfindung des Rades. Muss sie auch nicht. Wäre ja auch zu einfach, es auf ein solches zu reduzieren.
Christoph: Nicht alles, was gut produziert ist ist Nu-Metal. Und nicht alles, was neuerdings mit Double-Bass versehen wird ist Metalcore. Es geht um die Weiterentwicklung von “A Snow Capped Romance” hin zu heute. Mehr Melodie. Mehr Härte. Sogar im Cover wird diese Verbindung deutlich.
Milan: Die Problematik ist aber eine andere – eine bereits bekannte. Ähnlich wie es Chimaira schon nicht auf die Reihe bekamen, wird auch hier gnadenlos jeder Ansatz einer Idee ausgespielt, und entpuppt sich als Schlaftablette für eine Elefantenherde. Zu vergleichen mit den letzten Jackie Chan Filmen: hier und da mal eine neue Combo, damit sich der Streifen auch vom Vorgänger unterscheiden lässt. Dieses Merkmal kann man auch gut auf die Musik der 36 Crazyfists übertragen. Da mal ein Melodieeinsprengsel, da die Double-Bass, dann noch herzzerreißendes Gekreische, aber im Grunde immer der gleich bleibende Brei.
Christoph: Melodie, Moshparts, Geschrei, Gesinge. Wenn das gut vermischt wird, was will man mehr? “I’ll Go Until My Heart Stops” brüllt und knüppelt als Opener gleich drauf los. “On Any Given Night” besticht durch seine hoffnungsvolle Melodie. Howard Jones lässt begleitet von scharfen Breakdowns seine Muckies spielen und ein paar Minuten später kommen abermals Ohrwurm-Melodien oder gar die Voll-Ballade “The City Ignites”. Von Eintönigkeit weit und breit keine Spur.
Milan: Naja, dass dabei mal ein Leckerbissen wie “I’ll Go Until My Heart Stops” rausspringt, kann man getrost als Betriebsunfall abheften und zu den Akten “Der nächste Killswitch Engage-Klon” legen.
Christoph: Wobei der Opener eher klingt, wie die Fortführung von “At The End Of August” auf gleich hohem Niveau. Wenn schon Killswitch Engage als Referenz, dann wohl am ehesten in “Elysium”. Was für ein Zufall, wenn deren Sänger zufällig genau hier auch mal ins Mikro schreien darf.
Milan: Aber was nützen einige gute Melodien oder der ein oder andere überzeugende Shoutpart, wenn der Gesamteindruck unter der Einfallslosigkeit leidet? Uninspiriertes Riffing klingt auch rückwärts gespielt nicht wesentlich besser und erst recht nicht innovativ.
Christoph: Ja, rein musikalisch ist das Rad immer noch rund, aber der Haken ist im Detail. Härtere Passagen wurden durch die Double-Bass-Anfälle noch um einiges härter. Dem gegenüber klingt die Singstimme von Brock Lindow mittlerweile weniger kantig.
Milan: Aber über “Someone call the doctor”-Phrasen lässt sich trotzdem nur der Kopf schütteln. Besser man hätte ihn mal beim Songs schreiben vorbei geschickt.
Christoph: Im Gegenteil. Gerade in Sachen Songwriting geben sich 36 Crazyfists doch weiterhin realitätsnah und heimatverliebt. Zwischen Magie und Verzweifelung – passend zum instrumentalen Gewand.
Milan: Am Ende kommen wir so oder so wieder zu den Jackie Chan-Filmchen. Wen interessieren schon Dialoge, wen die Action stimmt. Am Ende müssen die Nasen bluten, so die Devise. Vielleicht sind die 36 Crazyfists aber einfach nur im falschen Film gelandet. Anstatt unentschlossen zwischen neumetallischen und Aggrogebolze rumzuschwirren, wäre es mal angebracht sich zu entscheiden.
Christoph: Und in der Tat stimmt die Action, zumal in Sachen Action im Vergleich zum Vorgänger noch eine Schippe drauf gelegt wurde. Doch der erwachsene Weg zwischen Krach und Leisetreter wird zielstrebig fortgesetzt, sowohl musikalisch als auch textlich. Und sogar im Artwork. Nach Schnee kommt Feuer. Burner!
Tracklist:
01) i’ll go until my heart stops
02) felt through a phone line
03) on any given night
04) elysium (feat. howard jones of killswitch engage)
05) the great descent
06) midnight swim
07) aurora
08) will put this in by hand
09) we cannot deny (feat. jonah jenkins of only living witness)
10) between the anchor and the air
11) the city below
© written for popcultures in cooperation with milan werner
| aktueller song: thursday – at this velocity |
65daysofstatic, Matt Baroff
05. Mai 2006 – Köln, Blue Shell
[mygal=65daysofstatic01]
© written for triggerfish
| aktueller song: lou rhodes – save me |
Boris – Pink
Vö: 19. Mai 2006
Label: Southern Lord / Soulfood
Länge: 55:26
Hit: Just Abandoned Myself
Punkte: 6/10
Persönlichkeitsstörungen sind wahrhaftig keine Sache zum Scherzen, aber zum Glück gibt es Entwarnung. Die Gründe liegen meist in einer traumatischen Kindheit. Und wenn sich der eine oder andere von Euch manchmal heimlich im Keller anzieht wie Axl Rose oder spricht und läuft wie Ozzy Osbourne, der muß also noch nicht gleich von der Krankheit betroffen sein. Das fällt dann eher in die Kategorie “vorzeitige Verblödung”.
Verblödet sind zwar Boris noch nicht. Im Gegenteil. Aber wirklich normal sind sie trotzdem nicht. Jedoch eine lupenreine Persönlichkeitsstörung haben sie dafür. Sie sind die Dr. Jekyll und Mr. Hyde der Musikbranche. Und leben auf “Pink” alles aus, was ihnen in den Sinn kommt. Einerseits den zurückhaltenden und zuvorkommenden Gentleman in ambienter Popform aus dem Opener “Farewell”, den Sigur Ròs oder Cult Of Luna nicht besser mimen könnten. Auf der anderen Seite Mr. Edward Hyde, das kranke und mörderische Stoner-Rock-Schwein aus “Woman on the screen” oder “Nothing special”. Doch glatt könnte man der bekannten Story noch ein drittes Ich hinzufügen. “Blackout” begibt sich in tiefschwarze Wälder, in denen sonst nur im Sarg liegende sunn0)))-Mitglieder versuchen würden, den abgedrehtesten Ton zu treffen.
“Pink” ist ein gespaltenes Album, das dem Hörer viel abverlangt, oft sogar viel zu viel. Bei Boris verwischen kaum die verschiedenen Stile in einem Song, sondern wechseln sich nacheinander immer wieder ab. So verwundert es auch überhaupt nicht, wenn direkt auf den rohen, energiegeladenen Mitsing-”Oooh oooh hu hu”-Hit ein schleppend-psychedelisch-düsterer Siebziger-Song mit passendem Mitklatsch-Rhythmus folgt. Spätestens, wenn der Bogen über Punk-Noise und Ambient-Minimalismus hin zum Mammuntsong “Just abandoned myself” geschlagen wird, ist die Verwirrung komplett. 18 Minuten Psycho-Höllenfahrt über beachtliche Rockberge mit Instrumentalübergang, hin zu einem ellenlangen Droneausgang, den man den Nachbarn zuliebe nicht zu laut aufdrehen sollte. 18 Minuten, in denen aber auch endlich klar wird, daß die Stilvielfalt kein Mangel an Identität ist, sondern genau diese multiple Persönlichkeit das eigentliche Ich von Boris bildet. “Pink” ist wahrhaftig keine Sache zum Scherzen.
Tracklist:
01) farewell
02) pink
03) woman on the screen
04) nothing special
05) blackout
06) electric
07) pseudo-bread
08) afterburner
09) six, three times
10) my machine
11) just abandoned myself
© written for plattentests