Archive for February, 2006

Metalheads töten einen Drachen

Monday, February 27th, 2006 at 15:55

| aktueller song: the secret – oslo |

Randgruppe des Metal töten einen Drachen (oder auch nicht)

Eine wunderschöne Prinzessin wird von einem bösen Drachen in einer finsteren Burg gefangen gehalten. Hier sind verschiedene Möglichkeiten, wie die Geschichte ausgeht, wobei verschiedene Metalheads die Rolle des heldenhaften Retters übernehmen …

POWER METAL:
Der Held kommt auf einem weißen Einhorn angeritten, entkommt dem Drachen, rettet die Prinzessin, und die beiden lieben sich in einem verzauberten Wald.

THRASH METAL:
Der Held kommt an, kämpft gegen den Drachen, rettet die Prinzessin und fickt sie.

HEAVY METAL:
Der Held kommt auf einer Harley angeritten, tötet den Drachen, trinkt ein paar Bier, und fickt die Prinzessin.

FOLK METAL:
Der Held kommt mit ein paar Freunden an, die Akkordeon, Geige, Flöte und diverse andere seltsame Instrumente spielen. der Drache schläft ein (wegen der ganzen Tanzerei). Dann verschwinden sie wieder … Ohne die Prinzessin.

VIKING METAL:
Der Held kommt mit einem Drachenschiff an, tötet den Drachen mit seiner mächtigen Axt, häutet den Drachen und isst ihn, vergewaltigt die Prinzessin zu tote, raubt ihren Besitz und brennt die Burg nieder, bevor er wieder verschwindet.

DEATH METAL:
Der Held kommt an, tötet den Drachen, fickt die Prinzessin und tötet sie, dann verschwindet er.

BLACK METAL:
Der Held kommt um Mitternacht an, tötet den Drachen und spießt ihn vor der Burg auf. Dann schändet er die Prinzessin und trinkt ihr Blut in einem unheiligen Ritual, bevor er sie tötet. Dann spießt er sie neben dem Drachen auf.

GORE METAL:
Der Held kommt an, tötet den Drachen und verteilt dessen Gedärme vor der Burgmauer. Dann fickt er die Prinzessin und tötet sie. Er fickt erneut ihren toten Körper, schlitzt ihren Bauch auf und isst ihre Gedärme. Dann fickt er ihre Leiche zum dritten Mal, verbrennt sie und fickt sie ein letztes Mal.

DOOM METAL:
Der Held kommt an, sieht wie riesig der Drache ist und denkt sich, dass er ihn niemals besiegen wird. Er wird depressiv und begeht Selbstmord. Der Drache verspeist seinen Körper und die Prinzessin zum Nachtisch. Das ist das Ende dieser traurigen Geschichte.

PROGRESSIV METAL:
Der Held kommt mit seiner Gitarre an und spielt ein 26minütiges Solo. Der Drache tötet sich selbst aus Langeweile. Der Held betritt das Schlafgemach der Prinzessin und spielt ein weiteres Solo mit allen technischen Raffinessen, die er während der letzten Jahre auf der Musikhochschule gelernt hat. Die Prinzessin flüchtet und sucht verzweifelt nach dem HEAVY METAL Helden.

GLAM METAL:
Der Held kommt an, der Drache lacht sich über sein Aussehen kaputt. Er klaut der Prinzessin ihr Make-up und versucht, die ganze Burg in einem netten Pink anzumalen.

NU METAL:
Der Held kommt in einem heruntergekommenen Honda Civic an und versucht, gegen den Drachen zu kämpfen. Dabei verbrennt er zu Tode, weil seine bescheuerten Baggy-Pants Feuer fangen

GRINDCORE:
Der Held kommt an, irgendwas Unidentifizierbares grunzend und kreischend und verschwind nach einer halben Minute wieder.

WHITE METAL:
Der Held sieht den Drachen, hält ihn für einer der vielen Erscheinungsformen Satans, und bittet Gott von ihm befreit zu werden. Er sagt dann zur Prinzessin, dass sie kein Sex vor der Ehe haben werden.

HAPPY METAL:
Der Held ruft: Ich bin der Verteidiger des wahren Blödsinns. Aber eben nur des Blödsinns, der Drache tötet den Helden. Und die Prinzessin würde sich
ein Ei ablachen, wenn sie eins hätte.

EBM:
Der Held erschlägt den Drachen im Elektronahkampf zu einem Lied von Skinny Puppy. Die Prinzessin tanzt dazu auf “Blutrünstiges Mädchen” von Soko Friedhof. Danach gehen sie zusammen zum DJ und wünschen sich “Destillat”.

DARK WAVE:
Der Held kommt rein, sieht, wie die Prinzessin und der Drache über ihre Gefühle sprechen, kommt sich dabei etwas dämlich vor, macht dann aber doch mit… Zum Schluss begehen sie Collective Suicide…

REGGAE:
Der Held nebelt den Drachen in eine Graswolke und setzt ihn so außer Gefecht. Danach chillt er gaaanz ruhig, Mohn, mit der Prinzessin.

SKA:
Der Held skankt gegen den Drachen und wird dabei zerstampft. Die Prinzessin nimmt dann den Rest der 10-köpfigen Truppe.

PUNK:
Der Held ist nicht allein. Pogo und Stiefelkreis für den Drachen unter “Drachis raus!”-Rufen! Danach wird die Prinzessin rumgereicht wie ein Joint. Schließlich gehört sie zu dem kapitalistischen Spießer-Pack!

MITTELALTER METAL:
Der Held kommt in Teilplattenrüstung und Lederkilt daher, quält den Drachen mit seinem Dudelsack bis zur Aufgabe und spricht den Spielmannsfluch über ihn. Danach trinkt er mit der Prinzessin ein paar Hörner Met.

INDUSTRIAL METAL:
Der Drache bekommt es mit der Angst zu tun, als er den Helden sieht und ist nicht sicher, ob er Held oder Jungfrau vor sich hat. Der Prinzessin geht es ähnlich. Nachdem der Drache erschlagen ist, werden Make-up Tipps ausgetauscht.

GOTHIC METAL:
Als der Ritter in der Höhle ankam sah er wie die Prinzessin und der Drache gemeinsam Schmink und Style Tipps austauschten. Da ritzte der Ritter sich mit seinem Schwert seine Pulsadern auf.

© written by irgendwem im internet

* part 2 der geschichte (eigenkreation von xBENx)

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Illusion der Sicherheit

Thursday, February 23rd, 2006 at 16:39

| aktueller song: misery signals – five years |

Lord of War – Händler des Todes
Vö: 16. Februar 2006
Verleih: Fox
Genre: Action-Satire | USA 2005
Länge: 123min
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Musik: Antonio Pinto
Darsteller: Nicolas Cage, Ethan Hawke, Jared Leto, Bridget Moynahan, …
Punkte: 8/10

Lord of War

Handlung:

Yuri Orlov ist ein ukrainisches Auswandererkind und ein semiprofessioneller Dieb in seinen Viertel. Gelegentlich er spielt Aushilfe im Restaurant seiner Eltern, aber selbst das klingt nicht nach Lebenserfüllung. Auch sein Bruder Vitaly hat als Koch, der obendrein nur schlecht kochen kann, schon den Kopf in den Sand gesteckt. Um ein Haar wird Yuri eines Tages Opfer einer Schießerei revalisierender Gangs. Seit genau diesem Zeitpunkt weiß er, Krieg und Waffenfetischismus sind menschliche Grundbedürfnisse und dieses will er befriedigen. Zusammen mit Vitaly wickelt er erst kleinere Deals ab, steigt aber schnell in die internationalen Waffenhändler-Elite auf. Während Vitaly sich immer mehr seiner Kokainsucht widmet, ist Yuri mittlerweile fast weltweiter Top-Waffenhändler. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion kommt Yuri endlich an die Millionen Waffenlager seiner alten Heimat und ist seitdem auf allen Kriegsschauplätzen dieser Welt zu Hause. Ein riskantes Doppelleben entwickelt sich. Geschäfte mit Rebellen, Kommunisten, Faschisten, Regierungschefs oder Kriegsverbrechern. Doch den anhänglichen Interpol-Agenten und seiner Ehefrau Ava kann er nicht mehr lange etwas vormachen. Beide kommen schnell den Machenschaften auf die Spur und Yuri gerät immer mehr in die Zwickmühle, bei der er sogar über Leichen geht, aber selbst hinter Gittern dem Gesetz immer einen Schritt voraus ist.

Hintergrund:

Wen wundert es, dass in den USA keiner diesen Film finanzieren wollte. USA, Waffenschieber Nation Nummer 1 und dann dieser zynische Seitenhieb im Filmformat voller Ironie und schwarzem Humor. Dank ausländischer Investoren konnte Lord Of War doch gedreht werden. Und Andrew Niccols vermischt auf brilliante Weise Realität und Fiktion zu einem Film zwischen Dokumentation und bitterbösem Spielfilm. Selbst “Held” Yuri ist nicht völlig erfunden, sondern eine Vermischung aus 5 Biographien verschiedener Waffenhändler. Bittere Realität stattdessen ist, dass die 5 ständigen Mitglieder des United Nations Security Council auch die 5 größten Waffenhändler sind. Die Ironie einer fiktiven Sicherheit.

Sinn:

Aktueller könnte der Film nicht sein: Massaker abseits der westlichen Wahrnehmung, halb-legale Waffengeschäfte, Rebellen die 10-jährige in den Krieg schicken und das finanziert von jeder Regierung dieser Welt. Gegessen wird immer, getötet auch. Ist das wirklich zynisch oder eine Tatsache?

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Döner schmeckt besser als Eisbein

Tuesday, February 21st, 2006 at 04:03

| aktueller song: isis – so did we |

Kebab Connection
Vö: 21. April 2005
Verleih: Timebandits Films
Genre: Komödie | D 2004
Länge: 96min
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Fatih Akin, Ruth Toma, Jan Berger, Anno Saul
Musik: Marcel Barsotti
Darsteller: Denis Moschitto, Nora Tschirner, Güven Kiraç, Hasan Ali Mete, …
Punkte: 7/10

Kebab Connection

Handlung:

Der Hamburger Türke Ibo, mit Bruce Lee als großes Vorbild, möchte den ersten deutschen Kung Fu-Film drehen. Zur Übung dreht er für die Dönerbude des Onkels einen Kino-Werbespot, mit dem er und King of Kebab über Nacht zum Star des Viertels wird. Die Schwangerschaft seiner Freundin Titzi holt Ibo aber umso schneller auf den Boden der Tatsachen zurück, diese setzt ihn vor die Tür, weil er sich nicht klar für das Kind entscheiden kann. Sein Vater enterbt ihn, weil er eine Deutsche geschwängert hat und obendrein bringt sein nächster Werbefilm nicht den erhofften Erfolg. Was bleibt sind seine Kumpels, mit denen er tollpatschig versucht seine Fehler wieder vergessen zu machen, seinen Vater und Onkel nicht weiter zu enttäuschen und Titzis Herz zurück zu erobern.

Hintergrund:

Ibo enthält viele autobiographische Züge von Faith Akin, der es eigentlich selbst war, der einmal den ersten deutschen Kung-Fu-Film drehen wollte. Aber eigentlicher Star und Höhepunkt des Filmes ist Güven Kira, der Vater von Ibo, der in Wirklichkeit kein Wort deutsch spricht und jede Zeile einfach auswendig lernte und trotzdem oder gerade deswegen im Film am meisten Glänzen kann. Ansonsten besteht das Set aus alten “Gegen die Wand”-, “Im Juli”- und “Kurz und schmerzlos”-Freunden, in der selbst Sibel Kekilli (“Gegen die Wand”) ihre Nebenrolle bekommt.

Sinn:

Unterhaltungskino vs. Kulturkampf-Kino. Einerseits bietet das deutsch-türkisch-griechische Kulturenaufeinandertreffen eine Menge Material, andererseits wird Tiefgang oftmals witziger Situationskomik geopfert. Das muss nicht schlecht sein und geht in diesem Rahmen auch völlig in Ordnung, denn in vielen Situationen schwingt eine Brise Ironie mit. Von einer Culture-Clash-Kömodie kann dennoch keine Rede sein, denn dafür stehen zu wenig die eigentlichen kulturellen Konflikte im Vordergrund. Warum auch, wenn man den Film mit einem kleinen Augenzwinkern betrachtet?!

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Goodbye for now

Sunday, February 19th, 2006 at 01:52

| aktueller song: sevendust – shine |

Such A Surge, Shaka Ponk
17. Februar 2006 – Jena, Kassablanca

[mygal=suchasurge01]

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Make a better world

Saturday, February 18th, 2006 at 01:33

| aktueller song: neurosis – shelter |

The Constant Gardener (Der ewige Gärtner)
Vö: 12. Januar 2006
Verleih: Kinowelt
Genre: Polit-Drama | GB/D 2005
Länge: 129min
Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Jeffrey Caine
Musik: Alberto Iglesias
Darsteller: Ralph Fiennes, Rachel Weisz, Danny Huston, Hubert Koundé, …
Punkte: 9/10

Der ewige Gärtner

Handlung:

Im kenianischen Hinterland wird die zugerichtete Leiche der britischen Politaktivistin Tessa Quayle gefunden. Von ihrem letzten Begleiter, dem afrikanischen Arzt Arnold Bluhm, fehlt jede Spur. Alles deutet erst auf eine verhängnisvolle Affäre hin, doch auch Bluhm wird später tot gefunden. Tessas bis dato passiver Diplomaten-Gatte Justin Quayle lässt sich aber nicht mit derlei Erklärungsversuchen hinhalten und begibt sich selbst auf riskante Nachforschungen. Dubiose und falsche Freunde, machtbessesene Wirtschaftsbosse, Milizen oder auch bestechliche Ärzte erschweren die Suche, aber angetrieben von starken Selbstvorwürfen kommt Justin langsam hinter die geheimen Aktivitäten seiner verstorbenen Frau. Doch ein gutes Ende in diesem Sumpf aus Gewalt, Intrigen, finanziellen Interessen und psychischen Problemen scheint fast ausweglos.

Hintergrund:

Abermals dient eine literarische Vorlage Fernando Meirelles als Quelle. Nach seinem hochgehandelten Film “City Of God”, einer Verfilmung einer Novelle von Paulo Lins über brasilianische Jungendbanden, der sogar Oscarnomiert war, bedient sich Meirelles jetzt beim gleichnamigen Bestseller von John Le Carré.

Sinn:

Klasse Darsteller in einem künstlerischen Film mit ästhetischen Bildern und einer ausgereiften Story. Zwar ist dieser Mix aus dramatischer Liebesbeziehung und Wirtschafts- & Politikkritik fiktiv, aber keineswegs völlig aus der Luft gegriffen. Afrika ist und bleibt globaler Spielball der Großen. Ungerechtigkeiten, Ausbeutung und Gewalt sind an der Tagesordnung und so steht nicht eine dramatische Beziehung im Mittelpunkt, sondern auch das tatsächliche Leid unseres vergessenen Kontinents. Nachdenkliches Kino.

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Freudentanz

Friday, February 17th, 2006 at 02:34

| aktueller song: thrice – lockdown |

Modern Life Is War, Omission, Crisis Never Ends, Mad Mags, Llynch
11. Februar 2006 – Saalfeld, Klubhaus der Jugend

[mygal=modernlife01]

Modern Life Is War

Llynch. Da sagt der Name schon fast alles. Da ist David Lynch auch fast Programm, bloß eben in musikalischer Form. L(l)ynch steht für vertrackte Kunst mit Überlänge. Kein Song unter 5 Minuten, keiner ohne ein Wechselspiel irgendwo zwischen Wutausbruch und sphärischen Melodien. Aber vielleicht sind die Emotionen zu tief verborgen, weil es keinen erhobenen Zeigefinger gibt. Vielleicht ist das Verstehen der Songs zu kopflastig, denn so recht mag das alles nicht zum restlichen Programm passen. Fünf Meter Sperrgebiet vor der Bühne, dann kommen 3 oder 4 Leute, die mitwippen und der ganze Rest nuckelt mehr oder weniger desinteressiert an seinem Bier. Hinzu kommt, daß der Sound nicht der Beste ist und das Mikro kaum hörbar. Aber so oder so, Punk und Hardcore Kids mit proglastigen Siebenminütern zu “quälen” verschreckt mehr Leute, als es die 3 oder 4 freut.

Genau andersrum scheint dann das Blatt bei Mad Mags zu sein. Jetzt stehen die 3 oder 4 Leute gelangweilt in der Ecke während die restlichen 98% versuchen aus der typischen Nordseestimme irgendwas Verständliches zu erhaschen. Jogginghose, Mütze im Ben-Stil, Muskelshirt und dieses verrauchte Sprachorgan, bei dem sich jeder Arzt sofort ernsthafte Sorgen machen würde, scheinen hingegen vielmehr Begeisterung auszulösen. Die Sperrzone wurde ausgelöst und gestürmt, wie die beim Fall der Berliner Mauer. Kurze knackige Old School Kracher, bei denen selbstverständlich keiner länger als 3 Minuten geht, laden viele sogar zum Mitsingen und zum Bühnestürmen ein. Und somit ist dann auch der Prollofaktor auf das Publikum übergeschwappt.

Weniger durch ihr Prolloauftreten, sondern durch exzellente musikalische Darbietung konnten Crisis Never Ends überzeugen. Gespielt wurde großteils brandneues Material vom kommenden Album und das mit einer Begeisterung und Freude, die an diesem Abend nicht übertroffen werden sollte. Da strahlt der Gitarrist wie ein Honigkuchenpferd, da macht der Sänger Witze über dies, das und jenes, bewirft die Mad Mags Leute zu Recht mit Bonbons und freut sich wie Kleinkind zu Weihnachten, daß es das kommende Album schon bei Soulseek zum runterladen gibt. Illegal versteht sich. Aber so eng sieht man das nicht, schließlich ist man jetzt berühmt und richtiger Rockstar. Zudem kennt das scheinbar Soulseek-freudige Publikum die Songs schon und kann sie deswegen doppelt und dreifach abfeiern. Das Ausmaß vor und auf der Bühne hat Headliner-Charakter und die Band erfüllte ihren Job als Einheizer mit Bravur.

Das Publikum war nun heiß … auf Modern Life Is War. Nur zu dumm für einen Großteil, daß Omission auch noch spielen durften. Doch so wirklich bekannt sind die Niederländer in Mitteldeutschland noch nicht. Einige Gutinformierte und Offene freunden sich jedoch schnell mit dieser Mischung aus Old School und der neueren Hardcore-Richtung an und kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Doch irgendwie wird man den Eindruck nicht los, Omission dienen nur als Zeitüberbrückung an diesem voll gestopften Abend. Ob es nun daran lag, daß die Setlist relativ kurz war und man sich schnell verabschiedete, um die Weg frei zu machen … man weiß es nicht. Denn gerade live zünden Omission um eine ganze Ecke besser und die Songs erscheinen auch viel abwechselungsreicher, jedoch gab es einfach nicht genug Zeit dies weiter auszubauen. Leider.

Naja gut was heißt “leider”?! Viele hat es scheinbar gefreut, denn plötzlich war der Laden rappelvoll und es wurde mächtig eng da vorn. Und als Modern Life Is War die ersten Saiten anspielten, brach der Organ los. Auf der Bühne und davor sowieso. Wer springt höher? Sänger oder Publikum? Wer schwitzt mehr? Sänger oder Publikum? Wer strahlt mehr Freude aus? Die Gitarristen oder Publikum? Mit einer Antwort würde sich jeder schwer tun. Fest steht, beide pushen sich gegenseitig hoch. Das einzige fast fest steht ist, daß der Modern Life Sänger mit Abstand den rötesten Kopf hatte. Aber das ist auch nicht wirklich verwunderlich. Rumrennen, springen, schreien, sprechen und dann noch die ganzen psychischen Anfälle zwischendurch. Das Durchleben des Leides von “My Love. My Way” und “Witness” – vielleicht sogar in voller Länge. Aber wen interessiert das schon? Spätestens nach 5 Modern Life Is War Songs kann eh keiner mehr und ist zufrieden. Der Rest ist Zugabe. Und was für eine.

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Hannibal für Arme

Thursday, February 16th, 2006 at 17:58

| aktueller song: deftones – pink maggit |

Rohtenburg
Vö: 09. März 2006
Verleih: Senator
Genre: Thriller | D/USA 2005
Länge: 88min
Regie: Martin Weisz
Drehbuch: T.S. Faull
Musik: -
Darsteller: Thomas Kretschmann, Keri Russell, Thomas Huber
Punkte: 2/10

Rohtenburg

Handlung:

Für ihren Studienabschluss der Kriminalpsychologie hat sich die Amerikanerin Katie Armstrong den “Kannibalenmord” von Armin Meiwes an dem Ingenieur Bernd-Jürgen Brandes ausgesucht. Im Film heißen die Personen natürlich nicht so, da tötet ein Oliver Hartwin einen Simon Grobeck. Die Handlund ist trotzdem die gleich: Armin aka Oliver lernt Bernd-Jürgen aka Simon in dubiosen Internetforen kennen, beide Verabreden sich und Oliver tötet Simon “auf Verlangen”, weil dies sein innigster Wunsch ist und Armin seine Perversion ausleben kann. Katie recherchiert nun zu diesem Fall im Internet und begibt sich dann auch auf Spurensuche in Armins Heimatdorf Rothenburg. Dort findet sie Indizien für die vereinsamte Kinderheit des Mörders und die sich entwickelnten Gewaltphantasien. Letztendlich wird ihr das Video zugespielt, auf dem dieser bizarren Akt des Selbstopferns minuziös festgehalten wurde.

Hintergrund:

“Inspiriert von wahren Ereignissen” heißt es in den ersten Sekunden des Vorspanns. In der Tat soll es aber ein authentischer Bericht des realen Mordes aus dem März des Jahres 2001 werden, bei dem die Macher aber sicher schnell Ärger mit den Anwälten bekommen hätten. Um den ganzen noch ein bisschen internationalen Charakter zu verleihen, handelt es sich hier um eine Deutsch-Amerikanische Co-Produktion unter der Regie des Videoclip-Spezialisten Martin Weisz, der sein Spielfilmdebüt abliefert. Mit Thomas Kretschmann und Keri Russel werden zwar die Rollen rein personell mit Prominenz besetzt, aber das reißt auch nichts mehr raus.

Sinn:

Da liefert das reale Leben eine ausgefallene Story und gleich stürzen sich die Mediengurus dieser Welt darauf und wollen wie immer fette Kohle machen. Nur zu blöd, dass der Film ein wahrer Schnellschuss ist, bei dem es an so ziemlich allem mangelt: Tiefgang, Spannung, Authenzität und einer ausgereiften Story. Charaktere sind einfach, wie sie sind. Keiner entwickelt sich und selbst wenn, dann bleibt der Grund verborgen. Der Handlungsstrang mit der Studentin ist mehr als überflüssig, wirkt viel zu erzwungen und wird natürlich auch nicht weiter tiefgründig behandelt. Und spätestens wenn der Mörder, welcher natürlich in seiner Kindheit immer schlimme Erfahrungen mit seinen Eltern macht, in der Schule mit “nice Lederhosen”-germanisch gehänselt wird, dann wird auch aus einem per se ernsten Thema wie Kannibalismus, eine Lachnummer. Ach ja, der Film heißt wirklich RoHTenburg und nicht wie der gleichnamige hessische Ort mit “TH” – ganz cleveres Wortspiel. Wobei das auch schon wieder falsch ist, wird der Penis doch im Film gebraten, bevor er verspeist wird und ist somit nicht mehr roh. Hier passt einfach gar nichts, da hilft noch nicht einmal der Deftones Titelsong.

© written for triggerfish

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“sweet fuck all”

Tuesday, February 14th, 2006 at 01:24

| aktueller song: nora – quitters |

Declan de Barra – Song Of A Thousand Birds
Vö: 17. Februar 2006
Label: Rogue Goat / Al!ve
Länge: 39:49
Hit: Throw Your Arms Around Me
Punkte: 7/10

Declan de Barra - Song Of A Thousand Birds

Wo ist die Grenze zwischen kitschigem Geschnulze und Pathos? Wieviel Schmerz und Leid kann ein Mensch erfahren? Ab wann wird daraus stetiges Klagen und Jammern? Und vor allem, bis zu welchem Grad kauft man dies einem anderen Menschen ab? Clann Zú waren schon der vertonte Weltschmerz. Von Lied zu Lied wich die Hoffnung auf Besserung. Die Melodien wurden schwerer und nachdenklicher. Man konzentrierte sich auf die gute Sache an sich, und das machte es umso komplizierter. Klagend war das letzte Album, und das plötzliche Aus nach “Black coats & bandages” paßte irgendwie in die theatralischen Denkwelten von Clann Zú.

Doch die Welt ist seitdem mit großer Sicherheit nicht besser geworden, und De Barra vertont seine schmerzlichen Gedanken deshalb jetzt auf Solopfaden. Und der sich abzeichnende Trend setzt sich fort: Instrumente rücken immer weiter in den Hintergrund. Entweder erklingen klassisch irische Folk-Instrumente oder eine minimalistische Akustikgitarre. Im Gegenzug bilden emotionale, zerbrechliche und poetischen-philosophische Texte das Identitätsstiftende der elf Ausflüge in die persönlichen Tiefen des Iren. Scheinbar mit jedem Song wird der Leidensweg steiniger. Trotz dieser unmittelbaren und warmen Stimme schwingt immer eine Brise Distanz und Kühle mit, die den emotionalen Zugang abermals erschwert.

Wer sich ihr aber öffnet, der findet ein düsteres und melancholisches Seelenmeer vor, fast genauso endlos, wie die Photographien im Booklet: scheinbar leer und kalt, aber bei genauem Betrachten voller Emotionen und immer mit einem versteckten tieferen Sinn. “Song of a thousand birds” ist ein Album für Verlassene, die sich in schmachtenden Liebeslieder geborgen fühlen und bei denen bittersüße “Apple tree”-Melodien als Therapeuten-Ersatz fungieren. Doch auch abseits der Liebe passieren in dieser absurden Welt leidvolle Dinge. So kommt nicht nur das nackte Überleben als Thema zu Sprache, sondern auch soziale Kritik mit politischen Tendenzen. Aber das kennt man ja schon von seiner Ex-Band.

Das Spektrum an Themen und stimmlichen Lagen ist ebenso vielfältig, wie das an Emotionen und Atmosphären, doch der Pfad, auf dem sich De Barra bewegt ist alles andere als breit. Zufriedenstellendes Selbstmitleid und der innigste Wunsch nach Licht im Dunkel können schnell umschlagen in einsame depressive Verzweifelung. Und auch emotionale Liebeslieder können schnell in kitschigen Nummern enden, die keiner mehr ernst nimmt. Es mag aber auch sein, daß man einfach den tieferen Sinn nicht findet. So ist das nun mal mit der menschlichen Psyche.

Tracklist:
01) throw your arms around me
02) song of thousand birds
03) blackbird song
04) someday soon
05) apple tree
06) leaves in the autumn
07) slow dissolve
08) welcome
09) three days from now
10) curfew
11) improv at 20,000 feet

© written for plattentests

* interview mit declan de barra

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das Beste vom Besten

Sunday, February 12th, 2006 at 23:52

| aktueller song: isis – carry |

Cave In, Pelican
07. Februar 2006 – Köln, Prime Club

[mygal=cavenin01]

Cave In

Zwei alte Freunde trauen sich endlich nach Deutschland. Im Handgepäck haben sie je ein aktuelles Album, das es locker in die musikalische Champions League schaffen würden. Doch hallo, was ist denn hier los? Keiner da im Prime Club. Sind durchschnittliche 9-Minuten Tracks von Pelican zu anspruchsvoll? Verkraften viele die stilistische Vielfalt von Hardcore bis Pop bei Cave In nicht? Halb Köln war vollgeklebt mit Plakaten und die Show auch lang genug angekündigt. Wo stecken die ganzen Leute? Hatte Jeanette Biedermann mit Silverstein in der Live Music Hall gespielt?

Entsprechend lang war demzufolge auch die Wartezeit, bis sich Pelican auf die Bühne getrauten. Immerhin konnte man so noch in Ruhe das spottbillige T-Shirt Sortiment durchforsten und den ein oder anderen Plausch halten. Als der Zeiger dann so langsam auf die zehn zuging, wurde klar, dass es nicht voller werden würde und die Herren von Pelican legten los. Und wie. Ein was gutes hatte die Leere trotzdem: man sah endlich mal was.

Wie immer fing es ganz harmlos an: leise Gitarrenmelodien, vorsichtiges Trommeln. Erst einmal warm werden. Augen schließen, leicht mit dem Kopf nicken und die ersten 5 Minuten einfach irgendwie reinkommen. Die Spannung steigt langsam, die Melodien werden dramatischer und der Schlagzeuger haut auch mit der Zeit doller auf sein Drumset ein. Irgendwann geht es nicht mehr weiter und alles bricht aus. Der Hühne in der Mitte mit dem Bass in den Händen wippt drauf los, wie ein Schiff bei Sturm auf offener See. Das Mikro vor ihm, was er nie benutzen wird, hält dem Orkan nicht stand und verliert sich im Soundmeer. Der Haare des blonden Gitarristen fliegen wie wild rum, fast so wild wie seine Beine – überhaupt sein ganzer Körper. Wie immer ist alles extrem laut, manchmal übersteuert alles, aber ab Lied 2 – also nach rund 15 Minuten – springt der Funke langsam über und auch einige aus dem Publikum scheinen genauso in dieser Lärmtrance zu sein, wie die Band. Nach 45 Minuten macht man die Augen wieder auf, hat ein totales Drönen im Ohr, fühlt sich wie nach einem Drogenabsturz und würde am liebsten drauflos meckern, warum Pelican so schnell verschwunden sind, ohne je ein Wort gesprochen zu haben.

Da tut es richtig gut, nach einem Bier zum wieder normal werden, die Stimme des Cave In Sängers Stephen Brodsky zu hören. Die Band strahlt, das Publikum strahlt. Scheiß drauf, dass keiner da ist. Das tut der Spielfreude von Cave In überhaupt nichts anhaben. Es gibt ja auch keinen Grund nicht glücklich zu sein, man gehört ja schließlich zu denen, die heute nicht bei einer dieser Castingbands zum Konzert sind. Vielmehr ist man Teil einer Cave In-Biographie. “Tides Of Tomorrow”, “Until Your Heart Stops”, “Jupiter”, das aktuelle “Perfect Pitch Black” und mit “Stained Silver” sogar ein Song von “Antenna” … da wird jedem Winkel der Seele etwas gegönnt. Da darf Bassist Caleb ordentlich brüllen, das Publikum bei “Moral Eclipse” richtig abgehen und sich verausgaben, damit Hauptsänger Stephen danach wieder butterweiche Melodien singen kann und sich die gesamte Band in diversen Soli und Instrumentaleinlagen verlieren kann. Und zum genialen Abschluss eines genialen Konzertabends gibt es die Zusammenfassung von allem in einem Song: dem genialen “Trepanning”. Da trifft Härte auf Melodie und nicht nur als Tribut an die Freunde von Pelican verlängern Cave In den Song mit einer Instrumentaleinlage auf ähnliches 7-Minuten Niveau. Genial.

© written for triggerfish

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Thronfolge

Friday, February 10th, 2006 at 23:36

| aktueller song: llynch – vertigo |

Caliban – The Undying Darkness
Vö: 24. Februar 2006
Label: Roadrunner / Universal
Länge: 42:37
Hit: It’s Our Burden To Bleed
Punkte: 6/10

Caliban - The Undying Darkness

Schluß, aus, vorbei. Wer dachte, Metalcore sei ein typisch amerikanisches Phänomen, liegt meilenweit daneben. Das Zentrum befindet sich genau hier. Gut, nun nicht gerade bei Dir im Wohnzimmer, so direkt vor dem Rechner. Aber doch mindestens mitten im schönen Ruhrpott. Essen ist der Nabel der Generation Stimmbandriß. Wer hätte das gedacht?

Vielleicht erscheint diese These etwas gewagt, aber schauen wir uns doch einmal an, wer da am aktuellen Caliban-Release mit rumgewerkelt hat: In Flames-Frontmann Anders Friden als Produzent, Halbgott Andy Sneap als Mixer, Killswitch-Engage-Bassist Mike D’Antonio als Designer und Mille Petrozza von Kreator als Gastsänger. Für so viel Prominenz wurde bestimmt des öfteren der rote Teppich ausgerollt. Das weltweite Touren mit den Grammy-Nominierten Shadows Fall, den Millionen-Sellern Killswitch Engage oder den alten Helden von Machine Head, Slayer und Pantera muß sich ja irgendwann auszahlen. Ja, Caliban haben es definitiv geschafft. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Entsprechend hoch sind allerdings auch die Erwartungen. Die Songs müssen härter werden, weil ohnehin jedes neue Album immer das Härteste wird. Ehrensache. Auf der anderen Seite muß der Lärm aber mindestens genauso melodisch und eingängig werden wie der Vorgänger. Keine leichte Aufgabe also, denn an solchen Ansprüchen hat sich schon manch anderer verhoben. Reden wir jetzt also nicht weiter groß um den heißen Brei und machen es kurz: Der Geist von “The opposite from within” ist allgegenwärtig. Das energische Geschrei, das maschinelle Doublebass-Geprügel, der typische Moshpart in jedem Song und der über allem ragende melodiöse Mitsing-Refrain – all das machte schon den Vorgänger zum Hit-am-Hit-Album.

Ketzerische Münder nennen so was Stagnation oder Einfallslosigkeit. Etwas diplomatischer ausgedrückt könnte man behaupten, Caliban konzentrierten sich auf ihre eigenen Stärken, um ihren typischen Sound zu perfektionieren. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Wie man es auch nimmt: Caliban reizen die Grenzen dieses “Erst kloppen wir uns beim Moshen, dann singen wir Arm in Arm diesen herzzerreißenden Refrain”-Spiel aus. Das ist natürlich keineswegs schlecht, denn auch “The undying darkness” liefert einen Hit nach dem anderen ab. So setzt man abermals hohe Maßstäbe für andere Bands der Stunde.

Was jedoch fehlt, ist ganz einfach dieser Knaller. Der “Wir können Grenzen überschreiten”-Song. Das Unerwartete. Zwar geben Caliban zusammen mit dem Kreator-Sänger in “Moment of clarity” eine Hommage an alle Metalfans zum Besten, aber selbst diese ist eine Spur zu unspektakulär ausgefallen. So hat man schließlich das Tüpfelchen auf dem “i” genauso vergessen wie das lang und breit angekündigte Björk-Cover “Army of me” in der Tracklist. Schade, das wäre dann vielleicht das Tor zum ersten Grammy im Essener Metalcore-Nabel gewesen.

Tracklist:
01) intro
02) i rape myself
03) song about killing
04) it’s our burden to bleed
05) nothing is forever
06) together alone
07) my fiction beauty
08) no more 2nd chances
09) i refuse to keep on living …
10) sick of running away
11) moment of clarity (feat. mille petrozza of kreator)
12) room of nowhere

© written for plattentests

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