Latin Fucking Metal
| aktueller song: julia – perfect |
Ill Nino, Mad Doggin`, Hyproglow
24. Januar 2006 – Bochum, Matrix
Ill Nino sind schon clevere Jungs. Da cancelt man im November die kleine exklusive Clubtour, wartet bis das neue Album im großen Maßstab für gut befunden wurde und zieht dann auf der jetzigen Deutschlandtour vom Kölner Prime Club in die viel größere Live Music Hall oder das Bochumer Matrix. Da rollt der Rubel. Aber das Rezept geht auf, denn trotz arktischer Temperaturen haben sich eine Menge Leute aus ihren Stuben getraut … auch wenn es zu Beginn nicht danach aussah.
Hyproglow aus Essen durften als lokaler Suppoer eröffnen und sind somit sicher auch dem Einen oder Anderen Bochumer bekannt. Aber lag es nun daran, dass noch alle eingefroren waren oder an dem nicht sonderlich spekatukulären Auftritt … keine Ahnung. Jedenfalls wollte noch keiner so recht seine Hüpfte oder den Kopf zum Nicken bewegen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass auf so unaggressive Musik an diesem Abend keiner eingestellt ist. Kein Schreien, alle Refrains schön mehrstimmig zusammengeträllert – das aber nicht schlecht. Und auch instrumental wurde durchaus hörbares geboten, zwar nicht ganz so versiert und melodieorientiert, aber durchaus könnte man Hopesfall als Referenz anbringen. Trotz allem war deutlich zu spüren, dass sich an diesem Abend eher alles einzig um Ill Nino zu drehen scheint.
Nicht ganz so arm dran waren Mad Doggin. Die dachten sich dann ganz fix mal: “Wenn wir schon auf einem ‘latin fucking metal’ Konzert sind, dann spielen wir auch mal alle unsere Latin-Rap-Reggae-usw-Hits”. Klang zwar ganz lustig, aber bitte wer kauft einem dicken, langhaarigen Typ mit Armyhose und 666-Shirt, der viel zu sehr am 80er-Metal hängt, das ab? Keiner, richtig! Deswegen hörten Mad Doggin dann auch mit ihrer tollen Hüpf-Choreograpfie auf und wechselten auf die Metalschiene, was wesentlich besser und auch viel weniger peinlich rüberkam. Zwar sind Songs wie “Lord of Darkness”, “Kill Yourself”-Refrains und Ansagen an “true 80er Metalhelden” auf einem Ill Nino Konzert immer noch reichlich unkreativ, aber immerhin wurde der Sound etwas lauter und härter, was die Meute auf Kommendes besser vorbereitete.
Und das Kommende knüppelte auch gleich ordentlich drauf los. “This Is War” im wahrsten Sinne des Wortes. Und plötzlich waren auch alle hellwach, die gefrorenen Sprunggelenke aufgetaut und das muntere Hüpfen konnte losgehen. Ihren lustigsten Tag hatten die Dread-Köpfe zwar nicht, bedankten sich brav bei ihren Supportbands, stimmten hier und da mal zum Mitsingen an, machten ein paar Standardkomplimente, aber selbst die gab es schon mit mehr Elan. Dafür dürfte der ein oder andere überrascht gewesen sein, wie aggressiv gerade die härteren Songs rübergekommen sind. “Lifeless Life” oder gerade der Moshhit “Turns To Gray” stampften direkt in die Magengegend, was mit Sicherheit auch daran lag, dass das komplette Set mit 2 Drumsets absolviert wurde. Auch nicht wirklich unbekannt, aber immer wieder erstaunlich, was eben jene beiden Drummer in dem obligatorischen Schlagzeug Intrumental-Intermezzo zusammentrommeln. Das dann noch gepaart mit schönen “Unreal”, “My Pleasant Torture” oder “What Comes Around” Melodien und man könnte echt denken, man sei direkt am Zuckerhut. Da das aber natürlich nicht der Fall ist, machten Ill Nino mit den mittlerweile völlig überflüssigen “Fuck you George Fucking W. Bush” Sprüchen mehr als deutlich. Die Welt ist eben doch nicht so schön melodiös und deswegen gibt es als Zusage noch “If You Still Hate Me” und “Liar” inklusive einer richtigen Packung Hass-Geschrei. Und so ein bisschen stimmt man zu.









