Archive for December, 2005

Favoriten von Plattentests.de 2005

Saturday, December 31st, 2005 at 14:44

| aktueller song: fear factory – crisis |

Auch dieses Jahr hat die Redaktion von plattentests wieder ihre internen Charts aufgestellt. Heraus kam dabei folgendes Ergebnis:

Alben des Jahres 2005

  1. Bloc Party – Silent Alarm
  2. Dredg – Catch Without Arms
  3. …And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Worlds Apart
  4. Bright Eyes – I’m Wide Awake It’s Morning
  5. Maximo Park – A Certain Trigger
  6. The Arcade Fire – Funeral
  7. Nada Surf – The Weight Is A Gift
  8. Element Of Crime – Mittelpunkt Der Welt
  9. The Decemberists – Picaresque
  10. Depeche Mode – Playing The Angel

Song des Jahres 2005

  1. Dredg – Bug Eyes
  2. Maximo Park – The Coast Is Always Changing
  3. Nada Surf – Always Love
  4. Element Of Crime – Delmenhorst
  5. Stars – Your Ex-Lover Is Dead
  6. The Robocop Kraus – You Don’t Have To Shout
  7. Ben Folds – Jesusland
  8. Maximo Park – Apply Some Pressure
  9. Coldplay – Talk
  10. …And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Let It Dive

Ansehen kann man das ganze auch nochmal hier:
Jahrespoll 2005 – Die Rangliste der Redaktion

Ich hatte nun die Ehre für unseren zweiten Platz eine Mini-Album-Rezension zu schreiben, die genau jetzt nochmal erscheint …

Dredg – Catch Without Arms
Vö: 27. Juni 2005
Label: Interscope / Universal
Länge: 55:10
Tip: Sang Real
Punkte: 9/10

Dredg - Catch Without Arms

Seit der Geburtsstunde gibt es bei Dredg nur zwei Konstanten: Genialität und Veränderung. Mit dieser Platte definiert sich die Band selbst neu und verändert mein Verständnis von Popmusik. Ein Stück moderne Musikgeschichte voller tiefgründiger Emotionen und musikalischer Raffinessen bei Melodien zum Dahinschmelzen. Wer sich mit ihnen fallen läßt, erlebt das Höchste der Gefühle. Versprochen.

Tracklist:
01) ode to the sun
02) bug eyes
03) catch without arms
04) not that simple
05) zebraskin
06) tanbark
07) sang real
08) planting seeds
09) spitshine
10) jamais vu
11) hungover on a tuesday
12) matroshka
13) uplifting news

© written for plattentests

Meine ganz persönlichen Jahrescharts 2005

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Morgenrot

Friday, December 30th, 2005 at 23:49

| aktueller song: mudvayne – goodbye |

Red Sparowes – At The Soundless Dawn
Vö: 21. März 2005
Label: Neurot / Cargo
Länge: 62:42
Hit: Alone And Unaware, The Landscape…
Punkte: 8/10

Red Sparowes - At The Soundless Dawn

Die Nächte sind lang in diesen Tagen – fast zu lang, aber vor allem zu dunkel. Für viele ist seitdem das Wort “Winterdepression” nicht mehr nur eine Geschichte vom Hörensagen, sondern Realität. Bis jetzt zogen sich all die Nachdenklichen, Einsamen und Gefrusteten in ihre vier Kellerwände zurück und fanden sich in ohrenbetäubend lauten Klängen von Isis, Neurosis und anderen melancholischen Schwergewichten wieder. Meist halfen dann nur noch ein kräftiges Rütteln oder ein Eimer Wasser, um diese Person aus dem Teufelskreis der verlorenen Gedanken wieder ins Diesseits zu befördern.

Und wenn sich dann Mitglieder von eben jenen Isis, Neurosis, Halifax Pier und The Cignal unter dem Decknamen Red Sparowes zum Musizieren zusammenfinden, dann kann man nur hoffen, daß nicht aus diesen schweren melancholischen Klängen krankhaft depressive werden. Doch es geht nicht um das bloße Zuspitzen von Emotionen, schließlich haben wir es hier mit Künstlern zu tun, die vor lauter Kreativität nicht wissen, was sie noch alles für Projekte machen sollen. So betreten die Mannen hinter Red Sparowes durchaus Neuland, wenn sie ihre tageslichtfernen Proberäume verlassen, um die Morgendämmerung zu beobachten.

Trauen wir uns doch einfach, mit ihnen mal einen Fuß in die weiße Winterlandschaft zu setzen. Klar, der oberflächliche Miesepeter wird jetzt sagen: “Boah! Alles weiß, alles sieht gleich aus. Langweilig!” Und ja, auch die knappe Stunde reine Instrumentalmusik von “At the soundless dawn” ziehen sich gewaltig hin, und minutenlange minimalistische Intros könnten langweilig wirken. Doch der Mensch sieht immer nur das, was er sehen will und was er an sich ran läßt. Und wenn wir in diesen Tagen aufstehen, die Sonne langsam am Horizont empor steigen sehen und die ersten Strahlen den Schnee in eine endlose Glitzerlandschaft aus kleinsten Kristallen verwandelt, nur dann können wir auch verstehen, was uns Red Spawores mit diesem Album sagen wollen.

Es geht um die minimalistische Schönheit der Morgensonne, die kleinen Anteile von Strahlen, Glück und Hoffnung in unfaßbar leichtfüßigen Melodiebögen, die völlig abseits tonnenschwerer Neurosis- und Isis-Riffs liegen. Diese kurzen Momente des Glanzes brauchen auch gar nicht dieses typische Gebrüll, denn ohnehin würde man selbst in 60 Minuten die Aussage nicht präziser formulieren können, als in der Tracklist. Hintereinander weg gelesen ergibt diese die poetische Form des Hörbaren.

Doch die Dramatik der Kurzgeschichte deutet schon an, daß am Ende doch nicht alles so glanzvoll ist, wie es scheint. Unserer Geistlosigkeit und Ignoranz ist es zu verdanken, daß durchweg alle Lieder kontinuierlich in ihrem dramatischen Aufbau gesteigert werden, bis irgendwann das Schöne in gewaltigen Gitarrenriffs zerschmettert wird, bevor dann alles im minimalistischen Ausklang in Staub zerfällt. Und abermals schauen wir voller Trauer zurück in die Vergangenheit.

Tracklist:
01) alone and unaware, the landscape was transformed in front of our eyes
02) buildings began to stretch wide across the sky, and the air filled with a reddish glow
03) the soundless dawn came alive as cities began to mark the horizon
04) mechanical sounds cascaded though the city walls and everyone reveled in their ignorance
05) a brief moment of clarity broke through the deafening hum, but it was too late
06) our happiest days slowly began to turn into dust
07) the sixth extinction crept up slowly, like sunlight through the shutters, as we looked back in regret

© written for plattentests

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Porno vs. Politik

Thursday, December 29th, 2005 at 02:02

| aktueller song: johnny truant – vultures |

8mm 2 – Hölle aus Samt
Vö: 07. März 2006
Verleih: Sony Pictures
Genre: Erotik-Thriller | USA 2005
Länge: 102min
Regie: J. S. Cardone
Drehbuch: Dylan Tarason
Musik: -
Darsteller: Lori Heuring, Johnathon Schaech, Alex Scarlis, Julie Benz, …
Punkte: 2/10

8mm 2: Hölle aus Samt

Handlung:

David Huxley, ein amerikanischer Politiker und seine Verlobte Trish verbringen ein paar Tage in einer Pension in Budapest und verfallen zusammen der Schönheit eines Models, die sich später als Prostituierte entpuppt. Ebenfalls dumm, dass der Ausrutscher zu dritt auf Video festgehalten wurde, was dem Ruf des Politikers ziemlich schaden könnte. Die Lösegeldforderungen lassen nicht lange auf sich warten, auf eigene Faust wird im Budapester Rotlichviertel ermittelt und die ersten Personen werden umgebracht. Schließlich wird David gekidnappt und Trish muss sich allein durchkämpfen in der Pornounterwelt.

Hintergrund:

Fortsetzung des Kassenschlagers 8mm mit Nicolas Cage von 1998, in dem jener als Dedektiv den Mord eines Mädchens, der auf einem 8-Millimeter-Pornofilm zu sehen ist, aufklären soll und dabei immer tiefer in die Sexszene von Los Angeles abrutscht.

Sinn:

Fortsetzungen sind nur in ganz wenigen Fällen wirklich angebracht und eben in diesem Fall mit Sicherheit nicht. Immerhin wissen wir jetzt, dass auch Politiker noch Sex haben – stellen wir uns das aber nicht bei Angie oder Guido vor.

© written for triggerfish

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Sex, Drugs & Rock`n`Roll

Wednesday, December 28th, 2005 at 17:23

| aktueller song: johnny truant – the bloodening |

Domino – Live Fast, Die Young
Vö: 29. Dezember 2005
Genre: Action-Thriller | USA 2005
Verleih: Constantin
Länge: 128min
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Richard Kelly, Steve Barancik
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller: Keira Knightley, Mickey Rourke, Edgar Ramirez, …
Punkte: 7/10

Domino

Handlung:

Die Luxusbraut Domino Harvey hat die Schnauze voll von Sekt, Kaviar und Bussi-Gesellschaft und wird Kopfgeldjägerin. Mit Ed und Choco zusammen nimmt das Trio von nun an korrupte Banden hoch. Als dann noch ein TV-Manager die Story der sexy Gangsterin groß rausbringen will, dringend Geld für ein sterbendes Kind benötigt wird und 2 Söhne eines Mafiabosses sterben, ab dann wird das Spiel kniffelig und die Grenzen zwischen Täter & Opfer sowie Dieb & Bestohlenem scheinen nicht mehr deutlich zu sein.

Hintergrund:

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit: Tony Scott lernte Domino Harvey, Tochter von Filmstar Laurence Harvey, vor einigen Jahren kennen und war fasziniert von dem Model, was tierisch gelangweilt war und dann Kopfgeldjägerin wurde. Trauriges Ende der realen Geschichte: die junge Frau wurde im Sommer 2005 unter dubiosen Umständen tot in ihrer Badewanne aufgefunden – soweit geht der Film aber nicht.

Sinn:

Endlichen wissen wir, dass Model sein und Cocktail schlürfen endlos langweilig ist. Rumballern und harte Jungs vermöbeln rockt vielmehr und wenn das ganze noch in eine etwas extravagante Produktion gepackt wird inkl. Zeitsprüngen, grandiosen Aufnahmen und sehr schöner Schnittmontage, dann wissen wir auch, dass wieder einmal die ausgefallenen die interessantesten Filme sind.

© written for triggerfish

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Jahrespoll 2005

Sunday, December 25th, 2005 at 18:46

| aktueller song: minus the bear – pachuca sunrise |

5 Alben des Jahres
1) Klimt1918 – Dopoguerra
2) Dredg – Catch Without Arms
3) 65daysofstatic – The Fall Of Math
4) Pelican – The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw
5) Burst – Origo

5 Songs des Jahres
1) Oceansize – Music For A Nurse
2) Wintersleep – Insomnia
3) Deftones – Be Quiet And Drive Far Away (Acoustic)
4) Cave In – Paranormal
5) Hopesfall – Per Sempre Marciamo

Schlechtestes Album des Jahres
Fort Minor – The Rising Tied

Enttäuschung des Jahres
Moby – Hotel

Artwork des Jahres
Team Sleep – Team Sleep

Band des Jahres
Oceansize

Solo-Künstler
Declan De Barra

Newcomer des Jahres
The Fall Of Troy

Live-Band des Jahres
Cult Of Luna

Videoclip des Jahres
Meshuggah – Shed

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Lutscher 2005

Monday, December 19th, 2005 at 15:08

| aktueller song: sepultura – refuse, resist |

Posterscheisse

Am Jahresende werden immer so tolles Jahresrückblicke gemacht – da will ich mich mal einreihen mit meinen persönlichen Medien-Hackfressen 2005, die echt nerven. Und weil ich nicht weiß, wer davon am erbärmlichsten ist, habe ich sie nicht nach Rangfolge platziert. Vielleicht kommen auch noch ein paar hinzu, wer weiß…

  • Bill Kaulitz
  • Boris Becker
  • Detlef D! Soost
  • Edmund Stoiber
  • Jan Ullrich
  • Michael Ballack
  • Oliver Kahn
  • Papst Benedikt XVI.
  • Sarah Connor
  • Sido & Bushido
  • Sonya Kraus
  • Stefan Raab & Elton

Bei der Situation fällt mir ein, man könnte ja mal das Posterscheisse-Projekt wiederbeleben – Stoff gibt es schließlich genug.

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by admin

knapp daneben

Thursday, December 15th, 2005 at 16:38

| aktueller song: cave in – anchor |

The Bled, Fear Before The March Of Flames, The Fall Of Troy
10. Dezember 2005 – Münster, Sputnikhalle

The Bled

Wie immer das selbe Spielchen. 20:00 Uhr offizieller Beginn laut Karte und Webseite. Und wie es nun mal so ist im Leben, ausgerechnet, wenn man mal gepflegt rocken gehen will, ist arschkalt, die Straßen völlig überfüllt und folglich kommt der gebeultete Konzertgänger zu spät. Zwar nur 10 Minuten, aber selbst das ist viel zu viel, wenn der wahre Headliner Fall Of Troy zu diesem Zeitpunkt schon die Hälfte des Sets absolviert hat. Was bleibt sind 7 Minuten, mit Augen zu drücken 3 Songs und die Erkenntnis, die Geschichte mit dem letzten Drücker kann nie gut gehen. Schöner Schrank auch.

War es der Frust, nur 3 der sehr guten Songs von Fall Of Troy gesehen zu haben oder waren Fear Before The March Of Flames im vergleich wirklicher mieser. Die Entscheidung fällt schwer. Die Band leicht müde und lustlos. Der Sound nicht überragend, das Publkum war auch nicht so begeistert. Irgendwie plätscherte alles so dahin, trotz dass das aktuelle Album durchaus überzeugen kann. Aber live?! Und wieso spielen die überhaupt fast doppelt so lang, wie Fall Of Troy?

Vielleicht würden The Bled als Headliner des Abends das Ding noch retten … Die Band wurde ihrem Ruf als motivierte Liveband durchaus gerecht. Vor und auf der Bühne wurde fleißig gehoppst, man feierte zu den Songs, man feierte die Band und irgendwie auch ein bisschen sich selbst. Vor allem in letzteren waren die die-hard-Fans mal wieder unschlagbar, auch wenn neuere Songs weniger zünden wollten. Zum Glück war die Setliste ziemlich ausgewogen, so dass auch Fans der ersten Stunde auf ihre Kosten kamen.

Apropos kosten und Mühen. So ganz haben die sich nicht gelohnt und wieso spielt überhaupt der Headliner neuerdings zuerst?

(© written by lukas labus for triggerfish)

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by lukas labus

Uniform

Saturday, December 10th, 2005 at 15:51

| aktueller song: burst – rain |

Slipknot – 9.0: Live
Vö: 28. Oktober 2005
Label: Roadrunner / Universal
Länge: 118:10
Hit: Vermillion
Punkte: 5/10

Slipknot - 9.0: Live

Slipknot sind so etwas wie die Achse des Bösen der Musikbranche. Sie propagieren Haß und scharen trotzdem eine verblüffende Menge von Nachwuchs-Maggots um sich. Okay, sie tragen keine Sprengstoffgürtel und bringen keine Leute um, dafür jedoch andere hübsche Anzüge. Und ihre meist minderjährigen Jünger tun sich regelmäßig absichtlich im Moshpit weh. Noch eine Gemeinsamkeit gibt es, schließlich wollten auch Slipknot kollektiven Selbstmord begehen – nach Album Nummer 5.

Das liegt nun, zählt man sowas denn mit, in Form von “9.0: Live” vor. Aber bis zum jetzigen Zeitpunkt leben noch alle neun Mitglieder. Zwar ändert sich so etwas manchmal schneller als man denkt, aber wir wünschen es keinem. Und Slipknot haben momentan auch sicher keinen Grund, derartige Pläne zu schmieden. Alles läuft rosig für die Miesepeter. Bis auf den letzten Platz ausverkaufte Konzerttempel weltweit, Geld wie Dagobert Duck, auch die Fanartikelabteilung boomt. Es würde keinen verwundern, wenn es mittlerweile schon Slipknot-Barbies gibt. Selbst der einst noch eher zweitrangige musikalische Bereich läuft mittlerweile wie geschmiert.

Während sich andere namenhafte Bands im New-Metal-Gedöns selbst verloren haben, entwickelten sich Slipknot stets weiter. Zwar bedurfte es einiger Seitensprünge, um herauszufinden, daß man mehr kann, als nur stupide die Haßkeule der ersten beiden Alben zu schwingen. Aber selbst das haben andere nicht mal kapiert. Völlig Kopf stand die Maggot-Gefolgschaft, als sich bei “Iowa” Melodien einschlichen und die lebende Legende Rick Rubin auf “Vol. 3: (The subliminal verses)” Slipknot beibrachte, Krach und Gewalt auch anders zu kanalisieren.

All diejenigen, die sich die Jahre davor das Gehirn auf Erbsengröße gemosht haben, kommen damit bis heute nicht klar. Daß Slipknot zu ernst zu nehmenden Künstlern gereift sind, das wollen viele nicht wahrhaben. Nicht umsonst ist Joey Jordison einer der gefragtesten Schlagzeuger im Metalzirkus. Selbst in Sachen Design sind Slipknot längst weg vom billigen Gepose vergangener Tage. Das Booklet von “9.0: Live” präsentiert sich als Mini-Hochglanz-Fotoalbum mit – ja, man kann es ruhig sagen – ästhetischem Wert. Und nachdem sich die satte zwei Stunden lange Rundum-Dosis dem Ende geneigt hat, bleibt auch hier der Eindruck des hörbaren Perfektionismus zurück. Tadellose Songauswahl, mit allen Hits und Singles, einigen B-Seiten und sonstigen Krachern. Perfekter Sound, bei dem jedes Saitenzupfen sitzt und mächtig aus den Boxen ballert. Selbst die ruhigen Passagen klingen stimmlich großteils überzeugend.

Es gab Tage, da war diese Band das Symbol des Grauens und der Brachialität. Kontroverse Diskussionen über provokante Auftritte in naziähnlichen Kostümen, über alberne Clowns- und Schweinemasken einerseits und außergewöhnlicher Showkunst auf der anderen, auch über Gewaltinszenierung und -verherrlichung. Ein Verbot lag in der Luft. Doch im Vergleich dazu klingt “9.0: Live” durch seine Perfektion harmlos und verliert an Spannung sowie Energie, die man gerade bei Live-Auftritten erwartet. Stattdessen wurde alles auf Hochglanz poliert, damit es auch schön blitzt und blinkt. Selten hört man die besessenen Maggots kreischen, geschweige denn mal einen Ansatz von Spontaneität, da helfen auch das lustige Intro nichts.

Irgendwie hat das alles einen ziemlich faden Beigeschmack, und letztendlich wird man trotz der umfangreichen Länge des Doppel-CD-Packages übers Ohr gehauen. Etikettenschwindel nennt man so was. Das hier ist eine Best-Of-Live-CD von Slipknot. Und wo dieser Name draufsteht, da sollte auch genau das Produkt drin sein. Man hat es wohl zu gut gemeint und die Schublade der Originalität mit der der durchchoreographierten Britney-Hochglanz-Produktion verwechselt. “Live” steht somit bei dieser Platte leider nur im Titel.

Tracklist:
cd1:
01) the blister exists
02) (sic)
03) disasterpiece
04) before i forget
05) left behind
06) liberate
07) vermilion
08) pulse of the maggots
09) purity
10) eyeless
11) drum solo
12) eeyore

cd2:
01) three nil
02) the nameless
03) skin ticket
04) everything ends
05) the heretic anthem
06) iowa
07) duality
08) spit it out
09) people = shit
10) get this
11) wait and bleed
12) surfacing

© written for plattentests

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by admin

Leben ohne Menschenwürde

Wednesday, December 7th, 2005 at 20:10

| aktueller song: by a thread – skin deep |

Leben ohne Menschenwürde

1000 Fragen

Deutschland 2005. Westliche Industrienation. Wir leben in Europa, in einer zivilisierten Welt. Wir sind Ziel terroristischer Anschläge. Das Grauen in Madrid. Zig Tote in London. Flutopfer in Rumänien.
Die „Bild“ zeigt verbrannte Gesichter aus der Londoner U-Bahn, die englische „The Sun“ zeigt auf der Titelseite einen 8-jährigen Jungen, der in den Fluten hilflos treibt und es sieht so aus, als ob er gleich für immer von der Strömung weggerissen und verschluckt wird und nie wieder lebend zurückkehrt.

Und wir? Wir sitzen in Frankfurt, Düsseldorf oder wo auch immer und ertappen uns dabei am frühen morgen beim Aufschlagen der Zeitung lieber über den kalten Kaffee zu schimpfen. Eigentlich müssten wir am trockenen Brötchen nach diesem Gedanken ersticken, aber die Schicksale dieser Welt berühren uns nicht mehr.
Wir sind Opfer unserer eigenen Medien.

Nackte Leichen als Treibgut sind Alltag. Egal ob im Fernsehen, in der täglichen Zeitung oder im Internet – das Entsetzen wird zum Unerträglichen gesteigert, das Leid anderer ausgeschlachtet und für die Hälfte aller Deutschen ist der Zeitungsgenuss Entspannung.

Das Weltpressefoto 2004 zeigt eine hilflose betende Frau vor einem abgetrennten Arm, womöglich eines Angehörigen, der in den Fluten auf Sumatra ums Leben kam. Das der Gewinner des Wettbewerbes 2003 zeigt einen afrikanischen Soldaten, der am Straßenrand einen alten Mann regelrecht hinrichtet.
Bilder die um die Welt gingen. Bilder für die Milliarden der Öffentlichkeit. Wir betrachten sie 3 Minuten mit halbherzigem Interesse und verbannen sie dann aus unseren Köpfen, weil das Leid weit weg ist. Angeblich. Weil wir abgestumpft und egoistisch sind. Herzlichen Glückwunsch du zivilisierte Welt.

Kameramänner und Fotografen bringen sich in Lebensgefahr für die Aufnahme oder das Bild, das Minuten später schon um die Welt gehen wird. Bringen sich Kameramänner und Fotografen in derselben Situation auch in Lebensgefahr, um eine Sekunde ihre Kamera zu vergessen und den kleinen Jungen mit einem beherzten Griff aus den Fluten ziehen?

Gibt es eine Grenze für die Kamera? Gibt es eine Grenze für die Darstellung der Berichte? Gibt es Ethik und Moral im Mediengeschäft?

Seit Jahrzehnten geistert die Frage durch das Medienzeitalter und nach jeder neuen erschreckenden Katastrophe wird wieder debattiert und die Veröffentlichung solcher Unsäglichkeiten berechtigterweise diskutiert.
Doch genauso schnell wie die Flut kommt oder die Bomben explodieren, genauso schnell verschwindet die Debatte auch wieder – es gibt ja schon wieder neue heiße Ware auf den Titelseiten.

Wie wirken die Bilder auf Angehöriger der Opfer, die vielleicht einen oder gar mehrere Familienmitglieder verloren haben oder noch als vermisst gelten? Wie verkraften Kinder die Bilder? Überschreitet das tägliche Betrachten solcher Bilder nicht selbst unsere seelische Fassungskraft? Was bewirken solche Bilder in unserem Gehirn? Kann man und darf man so eine Berichterstattung verantworten?

Dass der Kanal langsam voll ist, lehrt uns die Traumaforschung. Unruhiger Schlaf und Alpträume sind nur der Anfang und zwanghaft erforderlich, weil wir uns im normalen Leben nicht mehr mit solchen Schicksalen auseinander setzen, es aber menschlich wäre. Die Folge ist das unbewusste Erfassen der Geschehnisse und Bilder im Schlaf. Es dekompensiert, aber es ist nur ein Bruchteil.

Meist bleibt es bei einer kurzzeitigen Starre und Empfindungslosigkeit als reiner Schutz vor Schmerz, der sich aber schnell wieder im Alltag verliert.

Anders bei Betroffenen, an die in der zivilisierten Welt zu wenig gedacht wird: das Hervorbrechen der Bilder, Traumata, längst vergangene Erinnerungen die hochkommen, emotionale Reflexe, die das Denken und Handeln überrennen, verdrängte Angst wird zur schmerzlichen psychischen und physischen Macht.
Panik ist die Folge. Medien nennen das inflationär „Hysterie“.

Wo bleibt die Verantwortung der Medien? Die Würde des Menschen ist unantastbar. Hat ein in Leichenstarre liegender Kinderkörper noch Würde? Darf man diesen Blick Milliarden von Menschen zeigen, wenn gleich man predigt dem Toten einen würdevollen Abschied zu gewähren?

Medien müssen detailliert berichten – das ist ihre Aufgabe. In gewisser Weise müssen sie Mitleid erwecken, woraus dann Hilfsbereitschaft entsteht. Die Zeitungen und Fernsehberichte sind aber voll mit Tot, Krieg, Elend, Hunger und Krankheiten – das verkraftet kein noch so soziales Herz.
Fotografen bekommen Geld für Bilder auf der Titelseite. Geld für jedes Schreckensbild. Ist das die Aufgabe der Medien?

Sensibilität und verantwortungsvolles Handeln sind chinesische Fremdwörter im Medienalltag. Scham, Ehrfurcht vor dem Tot, Scheu, Intimsphäre. Alles wird missachtet und ungefragt entblößt.

Alles wird ausgeschlachtet, Grenzen überschritten. Das ist kein Fortschritt der Menschlichkeit. Diese Art der Medienberichterstattung ist unzulässig und vorbei an jeder Form der Menschlichkeit und das am Tag zehn mal, sieben Tage die Woche und das seit Jahrzehnten.

Der Mensch wird seelisch durchsichtig und verletzt – seine Würde wird wohlwissend angegriffen von den Medien.
Die Würde jedes Menschen ist antastbar. Willkommen in der zivilisierten Welt.

(Juni 2005)

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Ladyfest 2005

Friday, December 2nd, 2005 at 16:39

| aktueller song: disco ensemble – in neon |

Ladyfest 2005 im K4 in Nürnberg
Termin: 16. bis 18. Dezember 2005

Ladyfest 2005

Riot Grrrl war gestern. Heute sind es Ladys und die veranstalten auch dieses Jahr wieder ihr Ladyfest. Mittlerweile hat das Ladyfest seinen festen Platz in der kulturpolitischen Landschaft Deutschlands und öffnet deshalb dieses Jahr nicht nur in Berlin, Dresden, Bielefeld und Mannheim seine Pforten, sondern erstmalig auch in Nürnberg.

Vom 16. bis 18. Dezember 2005 gibt es für „Ladies of all Genders“ eine Plattform ihres Schaffens. Dabei bietet das Ladyfest in seinem Programm kaum Grenzen. Von Filmen, Livemusik, DJs, über Ausstellungen und Diskussionen, bis hin zu Workshops und Außenaktionen wird alles geboten rund um das Thema „Gender“.

Sicher denken spätestens jetzt alle männlichen Leser, dass sie dort Fehl am Platz seinen, doch das Festival richtet sich nicht nur an „biologische Frauen“ und soll auch keine Selbstdarstellung sein, sondern vielmehr den öffentlichen Diskurs anregen, im gegenseitigen Austausch die Gemeinsamkeit stärken und das Facettenreichtum der Ladykultur aufzeigen. Kultur, Politik und verschiedene Kunstformen gehen hierbei Hand in Hand.

Nebenbei haben die Ladys, die das komplette Festival in ihrer Freizeit auf die Beine gestellt haben, auch eine beachtliche Auswahl an musikalischen Highlights auf die Nürnberger Bühnen geholt. Bekanntester Liveact dürfte hierbei ohne Zweifel Chicks On Speed sein, aber unter der Vielzahl der Bands dürfte sich mit Sicherheit noch das eine oder andere Schmuckstück befinden.

Somit dürfte für jeden etwas auf dem Ladyfest geboten werden: Information, Spaß und Spannung … und das nicht nur für Ladys meine Herren!

* programm

© written for triggerfish

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