Archive for November, 2005

der Weg ist das Ziel

Saturday, November 26th, 2005 at 10:31

| aktueller song: power of omens – with these words |

Limp Bizkit – Greatest Hitz
Vö: 04. November 2005
Label: Flip / Interscope / Universal
Länge: 71:59
Hit: Counterfeit
Punkte: 4/10

Limp Bizkit - Greatest Hitz

Versetzen wir uns einen Moment lang ins Jahr 1997 zurück. Das waren Zeiten! Limp Bizkit hatten Feuer unterm Arsch, ihre Aggressionen und Wutausbrüche waren damals auch noch echt. Und was Fred Durst, Wes Borland & Co. auf “Three dollar bill y’all” zusammenspielten und -rappten, war bemerkenswert und gemeinsam mit dem Korn-Debüt der Wegbereiter für New Metal.

Der Weg zu Ruhm und Ehre über die Fred-tätowiert-Fieldy-und-steckt-ihm-ein-Tape-zu-Story ist jedem Kind bekannt. Relativ schnell wurde dann auch klar, daß Limp Bizkit keine Außenstehenden brauchen, um sie zu bändigen. Sie wählten diesen Weg freiwillig selbst. Durch massenkompatible Songs mit angesagten Rappern sollten hier große Wirtschafts-Brötchen gebacken werden. Tatsächlich flutschte “Significant other” über die Ladentische wie warme Semmeln. Und doch wurde mit diesem Album mehr verkauft, als nur eine CD nach der anderen. Die Seele, genau.

Für die Breitenwirkung schrieben Limp Bizkit unkreative Songs für ebenfalls unkreative Filme, und Fred Durst persönlich hüpfte mit Christina Aguilera bei MTV über die Bühne. Irgendwann in dieser Zeit verknallte er sich auch noch in das andere Popsterchen Britney Spears, obwohl immer noch viele Skeptiker denken, daß dort auch die Plattenfirmen ihre schmutzigen Finger im Spiel hatten. Fred Dursts Markenzeichen indes werden zum Symbol vieler Jugendlicher: einen auf dicke Hose machen, die dann auch noch in der Kniekehle hängt. Mit Ohrenstöpseln und der berühmt-berüchtigten roten Kappe zu Limp-Bizkit-Songs durch die Schule rennen. Fünfzigmal am Tag “shut up” oder “yeah fuck you” schreien. Und so weiter. Einige Sozialarbeiter hätten es heute leichter, wenn es Limp Bizkit nicht gegeben hätte. Was Kulturwissenschaftler mit der Verblödung der Jugend anprangerten, freute Marketing- und Merchandiseabteilungen um so mehr.

Negativer Höhepunkt des Schaffens von Limp Bizkit war mit Sicherheit das unsägliche Remix-Album “New old songs”. Aber ab genau diesem Zeitpunkt kam etwas in Gang, was keiner für möglich geglaubt hätte. Limp Bizkit veränderten sich zum Positiven. Vielleicht lag es am Abgang vom zweitwichtigsten Limp-Kopf Wes Borland oder auch einfach nur am Alter. “Results may vary” zeigte zumindest streckenweise, daß Limp Bizkit auch andere Dinge können als peinlich den “Rollin’”-Buslenker zu drehen und Fred Dursts 200 Wörter umfassenden Wortschatz zur Schau zu stellen.

Auf “Greatest hitz” nun geht es nicht wirklich um einzelne Songs. Zum einen, weil manche einfach unterirdisch schlecht sind. Und zum anderen, weil man heute kein Kind mehr mit einem abgenudelten “Take a look around” hinterm Ofen vor locken kann. Die Fähigkeit zur Einsicht muß man Mister Durst schon hoch anrechnen, wenn er sagt: “‘Greatest hitz’ ist in diesem Sinne ein Tribut an den langen Weg, den ich hinter mir habe.” Es ist ein chronologisches Abbild ihrer Karriere, der Entwicklung von aggressiven Kindern, über Sklaven der Wirtschaft, hin zu Erwachsenen, die jetzt langsam wieder anfangen, Songs zu schreiben. Und um diesen Weg auch wirklich erkennbar zu machen und dreifach rot und dick zu unterstreichen, gibt es mit “Why”, “Lean on me” und der weniger schlimm als befürchtet ausgefallenen Mix-Coverversion “Home sweet home / Bittersweet symphony” drei neue Songs, die sich in den neuen Wir-machen-jetzt-alternativen-Rock-Reigen einreihen, inklusive Akustikgitarre, ruhigem Refrain, nichts Schlimmem und auch nichts Aufregendem.

Fragt man sich nur, wo das aktuelle Album “The unquestionable truth (Part 1)” bleibt. Steht man nicht dazu, obwohl es durchaus ein paar interessante Ansätze aufzeigte? Soll das Nicht-Marketing auch jetzt noch fortgesetzt werden? Oder hat man’s einfach vergessen, weil man im Hause Bizkit die Rückeroberung der Welt plant? Will man mit dem Rausschmiß von Trommler John Otto sowie der Rückkehr des Kreativpostens Wes Borland noch einmal von vorne anfangen? Wer weiß das schon. Betrachten wir “Greatest hitz” als Zwischenfazit dieser Karriere. Ein Auf und Ab, vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt. Schließlich ist’s einem bei beidem hinterher ein klein wenig übel.

Tracklist:
01) counterfeit
02) faith
03) nookie
04) break stuff
05) re-arranged
06) n 2 gether now
07) take a look around
08) my generation
09) rollin’ (air raid vehicle)
10) my way
11) boiler
12) eat you alive
13) behind blue eyes
14) build a bridge
15) why
16) lean on me
17) bittersweet home (mötley crüe and the verve cover)

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falsche Zeit, falscher Ort

Friday, November 25th, 2005 at 15:56

| aktueller song: disco ensemble – in neon |

Disco Ensemble – Viper Ethics
Vö: 10. Dezember 2004
Label: Fullsteam Records / Cargo Records
Länge: 40:07
Hit: In Neon
Punkte: 6/10

Disco Ensemble - Viper Ethics

Finnland, dieses große aber unscheinbare Land da oben, dessen Leute sich den ganzen Tag seelenruhig in der Sauna einen abschwitzen und im Gegensatz dazu mindestens acht Monate im Jahr bei Eiseskälte Schnee schieben müssen.
An was denkt man zuerst, wenn dieses Land hört? Wie gesagt, Sauna, Nokia, Pisa-Studie, unendliche Seen-Landschaft und klar in diesen Tagen auch an den Weihnachtsmann. Und genau der hat pünktlich zum Weihnachtsfest eine Überraschung für uns, mit der in Mitteleuropa wenige gerechnet haben. Kein trendy Handy-Schnickschnack, sondern Kulturgut im CD-Format.

Was? In Finnland gibt es Musiker? Jaja, so sieht es aus. Der kritische Musikkenner fragt sich dann gleich, welche finnische Band überhaupt schon mal den Weg zu uns runter geschafft hat. Okay Apocalyptica, ein paar schwedisch klingende Black-Death-Metal-Abklatsch-Bands und irgend so eine New-Metal Band, deren Name zu Recht nicht mehr parat ist, weil sie genauso schnell verschwand, wie kreativ New-Metal war.

Und jetzt schicken sich die Herren von Disco Ensemble an diese gähnende Leere zu beenden. Nein stopp! Eigentlich machen Disco Ensemble schon seit 1996 Musik, aber man weiß ja dass Deutschland immer ein bisschen hinterher ist und da wundert es auch nicht, wenn die Platten jetzt erst in unsere Hände gelangen. Und wie voraus man da oben ist, zeigt die Behauptung Disco Ensemble seien die älteste Emo-Band Europas. Jetzt kann man sich drehen und wenden wie man will, vergeblich Vergleiche ziehen und sonst was – irgendwie stimmt diese Hypothese. At The Drive-In in Ansätzen und ganz viel Billy Talent, das sind die Disco-Boys. Doch Erstere waren ihrer Zeit voraus und Zweitere starteten erst vor ein paar Monaten bei uns richtig durch. Und beide kommen nicht aus Europa.

Doch was nützen so schöne Spielchen als Vorreiterband, wenn sie keiner kennt. Fakt ist, die CD kommt im falschen Moment zu uns. Glattgebügelten Emo-Pop-Rock gibt es mittlerweile in jeder alternativen Bar, da braucht es schon etwas anderes um hervorzustechen.
Die catchy Songs zwischen Melodie und etwas Härte, Gesang und etwas Geschrei sind es schon mal nicht, dafür hat man das alles mittlerweile schon zu oft gehört. Wäre da noch eine gnadenlos gute Produktion, aber auch da tun sich Schwächen aufzeigen. Aber an wem das liegt? Im selben Studio schrieben schon Refused Musikgeschichte, Poison The Well ballerten alles nieder und wenn Magnus Lindberg von Cult Of Luna an den Knöpfen rumdreht, müsste doch eigentlich 1A Breitwandsound als Ergebnis rauskommen. Bleibt es also ein Rätsel, warum auf „Viper Ethics“ alles ein bisschen zurückhaltend klingt. Kein Song der besonders gut ist, keiner der besonders schlecht ist. Kann man hören, muss man aber nicht. Einzig „In Neon“, der verhältnismäßig aggressivste Song, besitzt so etwas wie klitzekleines Hitpotential.

Doch machen wir es den Jungs nicht zum Vorwurf, dass wir übersättigt sind mit derartiger Musik. Beschweren wir uns lieber bei dem Label. Wäre diese Platte bei uns nicht erst Jahre später veröffentlicht wurden, dann hätte sie durchaus etwas Staub aufwirbeln können – rein musikalisch und auch vom Cover. Naja, da hat es wohl aber mal wieder so ein ganz schlauer Manager verbockt…

Tracklist:
01) dynamite days
02) zombies
03) in neon
04) videotapes
05) masquerade
06) mantra
07) scret society
08) cynic
09) invisible ink
10) skeleton key
11) skin your teeth in

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Cologne at night

Friday, November 25th, 2005 at 15:37

| aktueller song: cypress hill – (rap)superstar |

Köln, November 2005

[mygal=koeln01]

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Prog im Kinoformat

Tuesday, November 22nd, 2005 at 16:08

| aktueller song: such a surge – was jetzt? |

Porcupine Tree, Oceansize
21. November 2005 – Köln, Live Music Hall

Porcupine Tree

Eigentlich ist es schon fast unverschämt zu hoffen, dass Oceansize ihren eigenen Auftritt von vor einem Monat selbst übertrumpfen. Und um ehrlich zu sein, ist dies auch gar nicht möglich. Da bringt es auch nichts, wenn die 5 Perfektionisten abermals alles geben. Es liegt ganz einfach in der Natur, dass eine Soundlawine in einem viel kleineren Club eine viel größere Zerstörungskraft hat, als wenn sie sich in den vergleichsweise unendlichen Weiten der Live Music Hall verläuft.

Schon von den ersten Sekunden des Openers „The Charm Offensive” an ist der Sound glasklar, wenn auch bei weitem nicht so bedrohlich. Doch Oceansize leben von der kreierten Atmosphäre, den gestalteten Spannungsbögen zwischen laut und leise, der Zerbrechlichkeit der Stimme und der Aggression, die uns in den Sekunden des kontrollierten Soundgewichses zu überrollen droht.

Doch das ist leider nicht in dem Maße der Fall, in der man eigentlich diese Art von Musik hören möchte. Leise Parts müssen scheinbar unendliche Wege zwischen den Boxen und des Hörers Ohr überwinden und der melancholische Gesang wirkt wie ein verlorenes Wattebällchen im Fussballstation, nicht das er nicht schön war, aber er war einfach viel zu leise, als dass er hätte seine tiefe Wirkung vollends entfalten können.

Trotz allem überzeugen die großteils neuen Songs vom „Everyone Into Position“ Album auf ganzer Linie, auch wenn man weiß, dass Oceansize bei weitem mitreißendere Konzerte spielen können. Außerdem darf man als Vorband auch nur eine knappe halbe Stunde die Bühne betreten, was im Falle von Oceansize maximal 5 Songs bedeutet. Deswegen gibt es mit „One Out Of None“ auch nur einen älteren Song und die Band konzentriert sich vielmehr darauf, dem Publikum ihre aktuelle Platte vorzustellen, weil ohnehin vielen jene älteren Platten nicht bekannt sein dürften. Überraschend war dann allerdings, dass mit „Music For A Nurse“ das vielleicht komplizierteste Stück der Band gespielt wurde, was aber zur Qualität des Sets nur positiv beitragen konnte.

Progressiver Rock ist keine einfache Geschichte, das stellten Oceansize in der kurzen Zeit ziemlich deutlich klar und dass auch einige damit ziemlich überfordert waren, zeigte der Kommentar eines Typen neben mir: „Typisch britischer Rock. Klingen doch wie Oasis!“

Okay, dann wollen wir nicht wissen, was derjenige dann von Porcupine Tree hält, mit wem er diese Band vergleicht und wieso er überhaupt an diesem Abend in der Live Music Hall ist, denn jene würden dann sicher in seinen Augen klingen wie Robby Williams – ist ja auch immerhin Engländer.

Doch was Porcupine Tree in den kommenden grob geschätzten zwei Stunden an den Tag legen und aus den Boxen zaubern, dass ist mit Sicherheit ein Stück moderne Prog-Rock Geschichte: Instrumentalistisch allerhöchstes Niveau, eine Lichtershow vom Feinsten, Videoinstallation in bester Tool-Manier und dazu eine Stimme, die da aus den Boxen erklingt, viel schöner als auf Platte und einfach zum sich fallen lassen. Zum Glück war der WDR dabei und hat dieses Erlebnis für ein Leben nach dem Konzert festgehalten.

Irgendwie hat man das Gefühl hier ein allerletztes Mal eine wirklich großartige Band in einem angemessenen kleinen Rahmen erleben zu dürfen, bevor diese aufbricht und es ihren Vorbildern von Pink Floyd und Led Zeppelin gleich macht und ganze Stadien füllt.
Welche Band sonst darf sich erlauben zwei Übersongs, wie „Blackest Eyes“ und „Lazarus“, gleich am Anfang des Sets zu spielen und dabei einem, durch das Mitsingen der kompletten Live Music Hall, ein derartiges Gänsehauterlebnis zu bereiten!?

Und wirklich jeder einzelne schien glücklich zu sein. Egal ob die Mit-Zwanziger, die mit Songs von „Deadwing“ und „In Abstentia“ gefüttert wurden, die ältere Generation, die sich in Zeiten von „Signify“ zurückversetzt fühlte oder auch eingefleischte Fans, die sich an selten gespielten B-Seiten erfreuen durften.

Begleitet wurde das komplette Konzert von einer Videoprojektion, die allein schon das Kommen wert gewesen wäre und sich perfekt in die Atmosphäre der Songs eingegliedert hat – mal schnell, ruppig und aggressiv, mal langsam, ruhig und nachdenklich. Und nicht nur deswegen fühlt man sich stark an Tool erinnert, denn gerade in den Instrumentaleinlagen, die eben stark nach jener Band geklungen haben, hörte man auch sehr deutlich das Prog-Herz der Musiker klopfen. Paart man dies jetzt noch mit diesen Melodien für die Ewigkeit und den hunderten von Ohrwurm-Refrains, so bekommt man am Ende vielleicht eines der besten Konzerte im langsam endenden Jahr 2005 heraus.

Fragt man sich zum Schluss nur, wo die kritischen Töne bleiben. Sicher hätten Oceansize länger spielen können, sicher hätten Porcupine Tree vier oder fünf andere ihrer Hymnen spielen können, aber im Endeffekt gibt es einfach nichts Negatives. Nicht mal ewig nervende Kameras oder kleine dumme Kinder mit mehr Schminke im Gesicht als Verstand, die sich auf Konzerten für alles interessieren, außer die Musik. Nichts. Okay, verwunderlich war es schon, dass ich mit 21 Jahren der Jüngste war, aber ein Konzertbesucher meinte, die junge Generation würde einfach gute Musik nicht mehr zu schätzen wissen. Vielleicht ist sogar etwas dran und wer denkt ich jubel hier nur rum, der solle bitte im Rockpalast sich das Konzert ansehen und vielleicht kann man danach noch einmal drüber reden, vorausgesetzt er bekommt den Mund wieder zu.

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Qualitätstest

Monday, November 21st, 2005 at 09:24

| aktueller song: miss june – toledo |

It Dies Today – The Caitiff Choir
Vö: 21. November 2005
Label: Trustkill / Abacus
Länge: 41:33
Hit: The Caitiff Choir: Defeatism
Punkte: 5/10

It Dies Today - The Caitiff Choir

Hätte Henry Ford 1913 schon absehen können, was er mit seiner Einführung der Fließbandarbeit und des Akkordlohnes alles so anrichtet, vielleicht hätte er es sich anders überlegt. Stupide Arbeit, bei der man das Absterben der Gehirnzellen live miterleben kann, eine Gesellschaft, die nur noch auf Profite, Maximierungen und Zahlen fixiert ist.

Man darf es dem armen Mann nicht zum Vorwurf machen, aber mittlerweile sind wir soweit, dass diese Monotonie nicht nur die Wirtschaft regiert, sondern auch den Geist der Menschheit. Verkaufszahlen, Plattenveröffentlichungen, Preiskampf – alles längst Alltag in der Labelpolitik und ähnlich der Akkordarbeit am Fließband, in der jeder stupide seine Arbeit macht, trauen sich auch wenige Musiker in heutiger Zeit von ihrem Genrekurs abzuweichen, aus Angst eben jenem Kampf nicht standhalten zu können.

„My Promise“, der Opener von „The Caitiff Choir“, prügelt dann gleich in gewohnter Metalcore-Brachialität mitten ins Gebälk, dass man am liebsten gleich wieder ausmachen würde, weil man das alles schon hundert man gehört hat. Tja ja, Metalcore olè, die Verkaufszahlen freut es immerhin.
Aber verfällt man nicht komplett ins Grenre-Denken und gibt der Band beim nächsten Song noch eine zweite Chance, so wissen It Dies Today ihren Ausrutscher gekonnt wett zu machen. „Severed Ties Yield Severed Heads“ überrascht durch einen klaren Gesang, der über dieses gewohnte laut-leise-Ding hinaus geht und man stellt fest, dass auch die Instrumente Melodien spielen können.

It Dies Today verlassen ihren dumpfen Sound des „Forever Scorned“ Debüts und legen viel mehr Wert auf Melodien und saubere Gesangslinien, ohne aber dabei härtere Parts auszusparen. Insgesamt macht das die Songs überraschender und somit ist es nicht verwunderlich, wenn „The Radiance“ trotz oder gerade wegen seiner Gegensätze zwischen Geknüppel mit Geschrei und einer riesen Packung Melodie zu einer kleinen Hymne mutiert.
Mit „The Depravity Waltz“ und dem darauf folgenden „A Threnody For Modern Romance“ stellen It Dies Today dann noch einmal unter Beweis, dass trotz des ganzen Mosh-Metal-Hardcore-Krams hier Metal am größten geschrieben wird. Mit „Freak Gasoline Fight Accident“ befindet sich auch ein Song mit Metalcore-Hitpotential auf der Scheibe, der dann aber doch leider wieder sehr vorhersehbar ist trotz seiner ohrwurmtauglichen Melodie.

Am Aussagekräftigsten und Facettenreichsten zeigen sich sich It Dies Today beim letzten Song „The Caitiff Choir: Defeatism“: kontrolliertes Metalgedresche ohne technisch aufpolierten Schnickschnack, gefährliche Wutausbrüche, dann Melodie mit Gesang und hinten dran zum Abschluss ein schönes Akustik-Outro. Das alles in einem Song.

Die Jungs haben es nicht leicht im Kampf um die nötige Aufmerksamkeit. Henry Ford sei Dank verkauft sich stupider Metalcore für stupide Leute ziemlich gut und einige davon könnten auch an dieser Scheibe Gefallen finden, doch überstehen It Dies Today die Qualitätskontrolle an der letzten Position im Fließbandbetrieb, der Bands dieses Genres im Akkord produziert?
Noch hat die Qualitätssicherung, dank des schönen letzten Songs und einiger grandioser Melodien, dieser Platte grünes Licht gegeben, aber wie wir alle wissen besticht diese Produktionsweise nicht gerade durch qualitativ hochwertige Ware und so muss man sehen, ob die Band außerhalb der Produktionshallen ankommt und möglicherweise mit Album Nummer 3 ihren wirklich eigenen Stil findet, oder ob man eine große Rückrufaktion starten muss. Die Erste wäre es nicht, aber noch sieht es gut aus …

Tracklist:
01) my promise
02) severed ties yield severed heads
03) the ridiance
04) the depravity waltz
05) a threnody for modern romance
06) marigold
07) freak gasoline fight accident
08) the caitiff choir: revelations
09) our disintegration
10) naenia
11) the caitiff choir: defeatism

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La la la, Party-Ragga

Saturday, November 19th, 2005 at 13:21

| aktueller song: crazed – dead in a ditch |

Ohrbooten
17. November 2005 – Düsseldorf, Unique

Ohrbooten

Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Wieso klingt der Gesang bei Reggae immer, wie wenn Donald Duck zu viel am Heliumballon genippt hat?

Okay, dumme Frage … aber fest steht, auch bei den Ohrbooten ist der Sprechgesang geprägt von der Stimme Bens, die fast jene Grenze des erträglichen Nasalfaktors überschreitet. Vielleicht ist der Vergleich etwas absurd, aber so ein kleines bisschen fühle ich mich in die Konzerte von Gentleman zurückversetzt. Auch er beherrscht die Kunst des verschnupft-klingenden Raps vorzüglich und auch befindet sich seine Musik irgendwo zwischen den Stühlen, auf die sich die Ohrbooten ebenfalls nicht festsetzen wollen. HipHop, Rock, Reggae – wer weiß das schon?

Der Sound fällt jedoch bei weitem nicht so großspurig aus, ganz einfach aus der Tatsache heraus, dass hier nur 4 Musiker am Werk sind und nicht wie bei vergleichbaren Combos, bei denen eine halbe Kleinstadt auf der Bühne steht. Vielmehr verleiht es der Musik etwas Einzigartiges, zumal der Schlagzeuger sehr rockig mit seinem Drumset umgeht, was dem Ganzen noch eine Briese Punk oder auch Ska, ohne die Bläser eben, einhaucht. Die Beats bewegen sich dann typisch HipHop-mäßig, gepaart mit der Akustikklampfe macht das dann insgesamt einen rundum erfrischenden Reggae-Sound.

Erfrischend geht es dann auch vor und auf der Bühne zu Gange. Der Ohrbooten Frontmann hüpft in guter alter Jamaika-Feuertanz-Art auf der Bühne rum, locker-flockiges Armekreisen inklusive und animiert so auch ein paar Leute im Publikum ihre Hüpften zu schwingen und ein paar „o la la la o la la la“ oder ähnlich freudige Sprechchöre mitzuträllern.

Die gute Stimmung breitet sich schnell in Heiterkeit aus, verlieren sich die Ansagen und Strophen immer mehr in den tiefsten Abgründen des Berliner-Deutsches. Die ganzen „icke“ und „wat`n“ prägen somit den Abend maßgeblich und wer mit der „Berliner-Schnauze“ so seine Probleme hat, der dürfte auch hier relativ schnell die Nerven verloren haben.

Gleiches dürfte auch auf textlicher Ebene der Fall sein. Die Ohrbooten stehen für witzige Reime a là „doch Fakt ist, die Dinger sind saupraktisch, alles, wat’n Akt ist, die Maschine macht es” aus dem gleichnamigen Song „Maschine“ oder „jetzt mal ehrlich, ohne Frauen wär`dat Leben so schwerlich und halb so gefährlich“ aus dem Huldigungssong „An alle Ladies“. Ein Schmunzeln treiben solche Zeilen einem schon ins Gesicht, aber für wirklichen Tiefgang stehen sie nicht.
Dabei bieten die Songs „Politix“ oder „Autobahn“ vom bislang einzigen Album „Spieltrieb“ durchaus thematisches Potential. Doch entweder verliert sich dieses im gemeinsamen Party-Mitgesinge oder in Politikverdrossenheit.

Eigentlich schade, wenn zur guten experimentellen Musik sich dann nur mittelmäßige Partylyrics gesellen. Die Masse freut es dennoch und auch dem Radio, für das das heutige Konzert exklusiv gegeben wurde, beschert es eine gute Sendung mit guter Stimmung … gerade wegen der Witzig- und Spritzigkeit und dazu passen dann auch wieder die Donald Duck-Stimme und die zig „oh yeah`s“.

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Fest der Liebe

Thursday, November 17th, 2005 at 18:05

| aktueller song: the juliana theory – my hearth is a soldier |

Various Artists – Taste Of Christmas
Vö: 28. November 2005
Label: DRT Entertainment / Soulfood
Länge: 61:08
Hit: From First To Last – Christmassacre
Punkte: 3/10

Various Artists - Taste Of Christmas

Weihnachten – das Fest der Zweisamkeit, der Familie, der Besinnlichkeit, der leisen Töne. Doch damit ist jetzt Schluss. Metalcore, Emocore, Hardcore und sowieso alle Core-Genres vereinigen sich auf der jährlichen Taste Of Chaos Tour. Da wird alles weggeballert und weggemosht bis der Kajal verrutscht. Taste Of Choas wird momentan in Deutschland ganz groß geschrieben, Bands umjubelt und passend dazu kommt diese Tage das nächste kapitalistische Schmackel dieses Projektes auf uns zugerollt: Taste Of Christmas.

Aber Stopp! Rede ich gerade von Chaos und Weihnachten? Street Drum Corps, das Nebenprojekt von The Used Frontmann Bert, macht den Anfang mit „Happy Christmas“. Danach Funeral For A Friend mit „Miracle Of Christmas“. Irgendwie stinkt das hier gerade gewaltig nach Langweile. Da beginnt die CD mit den momentan meist umjubelten Emocore-Bands überhaupt. Und dann? Weihnachtspathos ohne Ende. Weihnachtssongs in Frank Schöbel Manier. Und die Bands wollen Taste Of Chaos Headliner sein?

Von Chaos ist hier keine Sekunde auch nur der Hauch einer Spur. Okay, es steht nirgends das Wort „Chaos“, aber beim Cover wurde auch einfach nur dieses Wort durch „Christmas“ ersetz. Der Rest wurde im schön langweiligen Corporate Design beibehalten. Ja nichts Neues, ja nichts Extravagantes, erst Recht nicht zu Weihnachten.

Genau dieser Ansatz wird dann auch kontinuierlich verfolgt. Ganzköper-tätowierte, knallharte Jungs machen einen auf Lametta-Atmosphäre, schließlich möchte man Oma nicht auch noch am ersten Weihnachtsfeiertag erschrecken. Immerhin erspart man sich damit die Sprüche, dass es so etwas früher nicht gegeben hätte und vielleicht kann man sogar beobachten, wie Oma zu Emery oder Bleed The Dream mitwippt. Schließlich wird es das nicht oft geben.

Umso erstaunlicher das ausgerechnet From First To Last und Gatsby`s American Dream sich dann doch noch einmal kurz zusammenreißen und das in ihrem Weihnachtsstänchen umsetzen, was der Hörer erwartet. Krach. Schließlich haben wir hier eine Taste Of Chaos Weihnachtsplatte vor uns liegen und dann soll einem gerade eben nicht das jährliche Weihnachtsgedudel von und mit Rolf Zukowski geboten werden. Dass die beiden Titel von Skindred und Opiate For The Masses etwas aus dem Rahmen fallen – im positiven Sinne gesehen – war zu erwarten, wenn man die Bands kennt. Die restlichen 16 Tracks kann derjenige hören, der wirklich mit Oma schunkeln möchte.

Dabei hätten doch die Voraussetzungen besser nicht sein können. Metal-Emo-Core ist auf seinem Höhepunkt der Popularität. „Last Christmas“ mit ordentlichem Wumms, 3/4 Breaks rein, die catchy Melodie und dann mal ordentlich den Refrain inklusive Aggression ins Mikro gebrüllt und die Platte wäre regelrecht über den Ladentisch geflutscht. Nebenbei wäre das dann auch wirklich etwas Neuartiges gewesen, aber was nützt das hätte-wäre-wenn-Spiel …

Fakt ist, diese Taste Of Christmas hier hat mit Taste Of Chaos nichts zu tun und wird es somit schwer haben jene Anhänger zu begeistern. Schade, dabei hat extra jede Band ihren Beitrag exklusiv hierfür geschrieben … verschwendete Zeit.

Tracklist:
01) street drum corps – happy christmas (war is over)
02) funeral for a friend – miracle of christmas
03) skindred – jungle bells
04) the used – alone this holiday
05) roses are red – last christmas
06) the smashup – coventry carol
07) opiate for the masses – christmas evil
08) amped – we three kings
09) emery – the last christmas
10) my american heart – first noel
11) like yesterday – we might be alone tonight
12) bleed the dream – no smiles on christmas
13) versus the world – blue and cold
14) bedlight for blue eyes – christmas song
15) gatsby`s american dream – saint nicholas
16) from first to last – christmassacre
17) black halos – homeless for christmas
18) plain white t`s – season of a lifetime

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besser als ihr Ruf

Monday, November 14th, 2005 at 14:01

| aktueller song: delta activity – what i want |

30 Seconds To Mars – A Beautiful Lie
Vö: 28. Oktober 2005
Label: Immortal / Virgin / Emi
Länge: 60:39
Hit: Was It A Dream?
Punkte: 7/10

30 Seconds To Mars - A Beautiful Lie

30 Seconds To Mars haben genau 2 Probleme. Vielmehr gesagt sind es nicht mal ihre eigenen Probleme, sondern die, die Musiklandschaft mit ihnen hat.

Zum einen wäre da Jared Leto. Ex von Cameron Diaz, Hollywood-Sternchen, Filmstar in “Fight Club” oder “American Psycho” und eben auch Sänger und Gitarrist bei 30 Seconds To Mars. Gleich stürzt sich die Musikpresse auf das gefundene Fressen, spricht von Geldmache, Promibonus und zieht Vergleiche zu deutschen B-Promis, die eine mehr oder weniger erfolgreiche Musikerkarriere einschlagen.
Problem Nummer 2 ist der Bandname. In fast jeder Rezension werden irgendwelche Weltraum Stories ausgekramt, was dem im Grunde interessanten Namen irgendwie ins Lächerliche zieht und unwürdig ist.

Doch wen interessiert das eigentlich? Jared sieht das im Grunde ähnlich und ist auch die Vergleiche und Fragen leid, die mittlerweile fast genauso eintönig sind, wie die jährlichen Karnevalswitze und wiederholt deswegen in fast jedem Interview 7 bis 8 mal, dass er einfach nur seiner Kreativität frei Lauf lassen möchte und seine Musik für sich betrachtet werden soll. Richtig so.

Und im Grunde hat auch schon das selbstbetitelte Album Nummer 1 derartige Vergleiche nicht verdient gehabt. So war es doch eine moderne Packung Rock, gemischt mit Industrialklängen, Elektrosamples, ein paar netten Melodien und auch teilweise sphärischen Klängen. Etwas Tiefgang ließ das Debüt zwar vermissen, aber auch nur, weil klanglische Parallelen zu Größen wie Tool gezogen wurden und demzufolge auch dieselben Maßstäbe angesetzt wurden.

Beim jetzigen Zweitling “A Beautiful Lie” findet man deswegen weniger progressive und vertrackte Strukturen, trotzdem verfallen die Songs keineswegs zu modernem Rock-Einheitsbrei. Von ganz leise bis ganz laut ist alles dabei, bittersüße Melodien und viel mehr Aggressivität, als noch auf dem ersten Album, können jetzt sogar in einem Song nebeneinander stehen.
Bestes Beispiel ist da sicher der locker froh und munter drauflos rockende Opener “Attack”, der so ziemlich alle Merkmale der Jungs vereint. Danach reit sich eine potentielle Single an die andere, egal ob der Titeltrack “A beautiful Lie” oder “The Kill” – Hitpotential hätten alle.
Mit “Was It A Dream?” und “The Story” schleichen sich auch zwei melacholische Balladen in die Tracklist, wobei erstere sogar als Bonustrack in der Acoustic-Version um einiges besser ihr Potential zu entfalten vermag. Obeindrein gibt es mit “The Battle Of One” noch den härtesten Song aus den Federn von 30 Seconds To Mars.

Machen wir es kurz und schmerzlos, ohne lange Stories über Bandname oder sonstige Nebensächlichkeiten: schöne moderne Platte, schöne Melodienen, lupenreine Produktion und schönes Artwork. Wenn die Entwicklung so weitergeht könnte sich beim Schicksalsalbum Nummer 3 Großes anbahnen.

Tracklist:
01) attack
02) a beautiful lie
03) the kill
04) was it a dream?
05) the fantasy
06) savior
07) from yesterday
08) the story
09) r-evolve
10) a modern myth
11) the battle of one
12) hunter
13) was it a dream? (acoustic)

© written for triggerfish

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Ey, uns geht’s doch viel zu gut …

Saturday, November 12th, 2005 at 22:37

| aktueller song: björk – joga |

Ey, uns geht’s doch viel zu gut …
(September 2005)

Konsumwelt

Es sind Tage wie dieser. Warm; fast heiß. Gelb. Die Welt tummelt sich auf den Straßen. London, Bitterfeld, Lamstedt. Alles wird zum Laufsteg. Der Steg von Spaß ist lang und vor allem breit. Vielseitig, dennoch monotone Einfältigkeit. Brauchen wir gebügelte Stehkragen? Brauchen wir Calvin Klein Socken? Brauchen wir das Strahlen? Ich weiß nicht, was es ist: lachen, diese toll blickenden Jette-Ringe oder doch die Sonne, die durch den hohlen Schädel strahlt. Ich weiß nur, ich fühl mich gut. Es ist warm, das Getränk angenehm kalt. Ich isoliert. Irgendwo zwischen Hirn und Ohr: My own summer. Zum Glück. “Shove it” sing ich. der vor Haargel triefende hässliche rosa Stehkragen vor mir dreht sich und ich denke: shove it!

Okay an die rosa Shirts hat sich mein Magen langsam gewöhnt, aber die Kombination mit diesen taucherbrillenähnlichen Sonnebrillen – nein, danke! Und der Blick. Ich fühle mich auf einmal ganz klein. Wie Abschaum. Seine Arroganz erdrückt mich. Hätte ich seine Augen sehen können, hätte ich auch das “shove it” lesen können, was er gerade dachte. Und ja, seine Oberarme hätten mich zu Mus zerquetscht ganz locker. Immer schön ruhig bleiben und nichts anmerken lassen. Als nächstes kommt “be quiet and drive”. Also einfach Haken schlagen und vorbei. Ignoranz, aber Sicherheit. Sein Blick folgt mir noch. Grimmig. Aggressiv durchbohrt er meine ohnehin schon kaputten Klamotten. Er denkt sich Assi. Ich: Opfer. Fashion-Victim. Opfer der Spaßgesellschaft zwischen McDonalds, Beat-Schuppen, prolligen Bettgeschichten und dem 4ten mal in der 10. Klasse der Hauptschule. Schlimm. Überkommt mich Mitleid? Mitleid für seine oberflächliche Clique!? Mitleid für die Einheit der möglichen Vielfalt!? Mitleid für sein armseliges Leben!? Kein Job, miese Ausbildung, ein Wortumfang von A wie “Alter” bis B wie “bitch”. Immerhin unterstützt er unseren kränkelnden Kapitalismus. L`Oreal, Dolce & Gabbana, Calvin Klein, Clerasil. Komsum bis einem die bunten Produkte aus den Ohren kommen. Markenwahn.

Warum aber auch nicht? Status, Ansehen, 20 Frauen um einen herum, finanziert durch einen monatlichen Dauerauftrag von Papa. Habe ich nicht so ein Luxusleben. Neid macht sich breit.

Aber kann es das sein? Der Sinn, die Erfüllung, das glückliche Leben von dem alle reden. Ich glaube (leider) ja. Nie sieht man solche Opfer der modernen Gesellschaft deprimiert da sitzen, nie regt sich einer von denen über die Politik auf. Wenn ich mich recht erinnere, sehe ich die immer nur von Freitag bis Sonntagabend in der Stadt von einem Club zum anderen ziehen. Und jedes Mal frage ich mich – wie machen die das? Wo kommt das verdammte Geld her? Papa? Goldesel? Lotto?

Ja, Lotto! Anders kann ich mir das nicht erklären. Und somit bestätigt sich auch mein Vorurteil: Geld macht glücklich. Definitiv. Geld ist einfach ne geile Sache, das sehe ich doch jeden Tag. Wie oft kann ich mir dies oder jenes nicht leisten, bin dann deprimiert und verfluche alles? Zu oft. Andersrum sehe ich genau den Typen wie eben – er hat alles, kann sich alles leisten: schicken Schmuck, tolle Geschenke für seine Freundin. Er lacht, ist glücklich, macht sich keine Sorgen weil er keine hat. Er ist zufrieden mit seinem Leben. Doch Zufriedenheit ist Stillstand. Vielleicht sollte er mal eben gerade nicht sein glatt gebügeltes Ego durch den ebenso hässlich glatt gebügelten Stehkragen symbolisieren und sich ein paar Macken, Ecken und Kanten zulegen. Identität kann man sich nicht kaufen. Zum Glück. Lächelnd laufe ich einfach weiter und lausche dem nächsten Track: “Im falschen Film”.

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kurz und schmerlos

Saturday, November 12th, 2005 at 21:50

| aktueller song: throwdown – discipline |

Hell Is For Heroes, Disco Ensemble
10. November 2005 – Köln, Underground

Hell Is For Heroes

Sie kamen, spielten und siegten. Doch ganz so einfach war es bei weitem nicht und den Sieg wollte ihnen auch niemand so recht gönnen. Aber der Reihe nach …

Im Gegensatz zu den heute spielenden Bands kam der Rezensent zu spät. So bleibt mir nicht viel zu berichten über die junge finnische Vorband Namens Disco Ensemble. Fest steht, sie polarisieren – das kann ich auch nach nur anderthalb gehörten Liedern sagen.

Die jungen Wirbelwinde spielen einen sehr punkigen Post-Irgendwas-Rock, der trotz eingängiger und modern melodischer Spielereien retromäßig wirkt. Viel Zeit bleibt nicht, um sich ein ausreichendes Bild ihrer Livequalitäten zu machen, trotzdem kann man die aktuelle Platte „First Aid Kit“ nur empfehlen. Zwar wurde ein bisschen hier und da an der Pop-Schraube gedreht, aber das muss ja nicht zwangsläufig schlecht sein. Der Biss geht dennoch nicht verloren. Disco Ensemble spielen den perfekten Soundtrack für die Abende, an denen Kollegen wie Billy Talent & Co. Nintendo zocken.
Leider kommt die Musik bei dem weit verstreuten Publikum nicht so überwältigend an – hier und da nicken ein paar Köpfe, aber das war’s dann auch schon. Bleibt nur zu hoffen, dass man in Zukunft noch einiges von dieser engagierten Band hört und diese uns weiter mit ihren extravagantem Sound und Artwork versorgt. Einzig die Buchstaben S im Bandnamen sollte man dann doch nicht auf den Merchandise T-Shirts im zackigen SS-Stil des 3. Reiches schreiben; das ist dann sich doch ein bisschen zu viel der visuellen Provokation.

Hell Is For Heroes machen es sich und ihrem Publikum aber auch nicht viel leichter. Da katapultierten die Himmelhelden mit dem Debütalbum “The Neon Handshake” direkt in die UK-Charts, tourten monatelang, wurden aber schlussendlich trotzdem von dem Label in den Arsch getreten. Nun spielt man nicht mehr auf den großen Bühnen a là Rock am Ring, sondern steht im ziemlich leeren Underground, der seinem Namen in diesen Minuten mehr als gerecht wird.

“Transmit Disrupt”, das neue Werk irgendwo zwischen Alternative und Hardcore, wirkt weniger aggressiv, trotzdem ist von Freude und Entspanntheit keine Spur zu sehen und zu spüren. Vielmehr wurde die Wut in kreative vertrackte Arrangements gepackt, die sehr sphärisch wirken und nicht selten an Hopesfall erinnern.
Familiäre Atmosphäre kommt trotz der geringen Besucherzahl nicht auf, da die 5 Musiker ziemlich in sich gekehrt sind, was aber soundtechnisch lupenreine Melodien aus den Boxen erklingen lässt. Das Set, das mit neuem und altem Material sehr abwechselungsreich gestaltet wurde, ist trotzdem sehr intensiv und gerade Frontmann Justin singt und schreit sich in einen Rausch und wirbelt im markanten Deftones-Stil über die Bühne.

Doch irgendwie scheint sich das Problem mit dem Durchbruch im Haus der Band wie ein roter Faden durchzuziehen. Musikalisch stimmt alles an diesem Abend und auch die aktuelle Platte könnte wieder ein kleines Meisterwerk werden, doch irgendwie stimmen die Rahmenbedingungen nicht. Der Konzertabend ist ziemlich schnell vorbei und als Zugabe gibt es nur ein Lied, bevor die Band ohne Worte wieder im Backstagebereich verschwindet. So kann man sogar nachvollziehen, wenn im Nachhinein die Wort „für 15€ hätten sie aber noch eine Stunde spielen müssen“ laut werden.

Hell Is For Heroes kamen, spielen und siegten – doch irgendwie stechen sie sich selbst das Messer in den Rücken.

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