der Weg ist das Ziel
| aktueller song: power of omens – with these words |
Limp Bizkit – Greatest Hitz
Vö: 04. November 2005
Label: Flip / Interscope / Universal
Länge: 71:59
Hit: Counterfeit
Punkte: 4/10
Versetzen wir uns einen Moment lang ins Jahr 1997 zurück. Das waren Zeiten! Limp Bizkit hatten Feuer unterm Arsch, ihre Aggressionen und Wutausbrüche waren damals auch noch echt. Und was Fred Durst, Wes Borland & Co. auf “Three dollar bill y’all” zusammenspielten und -rappten, war bemerkenswert und gemeinsam mit dem Korn-Debüt der Wegbereiter für New Metal.
Der Weg zu Ruhm und Ehre über die Fred-tätowiert-Fieldy-und-steckt-ihm-ein-Tape-zu-Story ist jedem Kind bekannt. Relativ schnell wurde dann auch klar, daß Limp Bizkit keine Außenstehenden brauchen, um sie zu bändigen. Sie wählten diesen Weg freiwillig selbst. Durch massenkompatible Songs mit angesagten Rappern sollten hier große Wirtschafts-Brötchen gebacken werden. Tatsächlich flutschte “Significant other” über die Ladentische wie warme Semmeln. Und doch wurde mit diesem Album mehr verkauft, als nur eine CD nach der anderen. Die Seele, genau.
Für die Breitenwirkung schrieben Limp Bizkit unkreative Songs für ebenfalls unkreative Filme, und Fred Durst persönlich hüpfte mit Christina Aguilera bei MTV über die Bühne. Irgendwann in dieser Zeit verknallte er sich auch noch in das andere Popsterchen Britney Spears, obwohl immer noch viele Skeptiker denken, daß dort auch die Plattenfirmen ihre schmutzigen Finger im Spiel hatten. Fred Dursts Markenzeichen indes werden zum Symbol vieler Jugendlicher: einen auf dicke Hose machen, die dann auch noch in der Kniekehle hängt. Mit Ohrenstöpseln und der berühmt-berüchtigten roten Kappe zu Limp-Bizkit-Songs durch die Schule rennen. Fünfzigmal am Tag “shut up” oder “yeah fuck you” schreien. Und so weiter. Einige Sozialarbeiter hätten es heute leichter, wenn es Limp Bizkit nicht gegeben hätte. Was Kulturwissenschaftler mit der Verblödung der Jugend anprangerten, freute Marketing- und Merchandiseabteilungen um so mehr.
Negativer Höhepunkt des Schaffens von Limp Bizkit war mit Sicherheit das unsägliche Remix-Album “New old songs”. Aber ab genau diesem Zeitpunkt kam etwas in Gang, was keiner für möglich geglaubt hätte. Limp Bizkit veränderten sich zum Positiven. Vielleicht lag es am Abgang vom zweitwichtigsten Limp-Kopf Wes Borland oder auch einfach nur am Alter. “Results may vary” zeigte zumindest streckenweise, daß Limp Bizkit auch andere Dinge können als peinlich den “Rollin’”-Buslenker zu drehen und Fred Dursts 200 Wörter umfassenden Wortschatz zur Schau zu stellen.
Auf “Greatest hitz” nun geht es nicht wirklich um einzelne Songs. Zum einen, weil manche einfach unterirdisch schlecht sind. Und zum anderen, weil man heute kein Kind mehr mit einem abgenudelten “Take a look around” hinterm Ofen vor locken kann. Die Fähigkeit zur Einsicht muß man Mister Durst schon hoch anrechnen, wenn er sagt: “‘Greatest hitz’ ist in diesem Sinne ein Tribut an den langen Weg, den ich hinter mir habe.” Es ist ein chronologisches Abbild ihrer Karriere, der Entwicklung von aggressiven Kindern, über Sklaven der Wirtschaft, hin zu Erwachsenen, die jetzt langsam wieder anfangen, Songs zu schreiben. Und um diesen Weg auch wirklich erkennbar zu machen und dreifach rot und dick zu unterstreichen, gibt es mit “Why”, “Lean on me” und der weniger schlimm als befürchtet ausgefallenen Mix-Coverversion “Home sweet home / Bittersweet symphony” drei neue Songs, die sich in den neuen Wir-machen-jetzt-alternativen-Rock-Reigen einreihen, inklusive Akustikgitarre, ruhigem Refrain, nichts Schlimmem und auch nichts Aufregendem.
Fragt man sich nur, wo das aktuelle Album “The unquestionable truth (Part 1)” bleibt. Steht man nicht dazu, obwohl es durchaus ein paar interessante Ansätze aufzeigte? Soll das Nicht-Marketing auch jetzt noch fortgesetzt werden? Oder hat man’s einfach vergessen, weil man im Hause Bizkit die Rückeroberung der Welt plant? Will man mit dem Rausschmiß von Trommler John Otto sowie der Rückkehr des Kreativpostens Wes Borland noch einmal von vorne anfangen? Wer weiß das schon. Betrachten wir “Greatest hitz” als Zwischenfazit dieser Karriere. Ein Auf und Ab, vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt. Schließlich ist’s einem bei beidem hinterher ein klein wenig übel.
Tracklist:
01) counterfeit
02) faith
03) nookie
04) break stuff
05) re-arranged
06) n 2 gether now
07) take a look around
08) my generation
09) rollin’ (air raid vehicle)
10) my way
11) boiler
12) eat you alive
13) behind blue eyes
14) build a bridge
15) why
16) lean on me
17) bittersweet home (mötley crüe and the verve cover)
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