Archive for October, 2005

was lange währt …

Monday, October 24th, 2005 at 21:45

| aktueller song: hope of the states – george washington |

The Deftones – B-Sides & Rarities
Vö: 04. Oktober 2005
Label: Rhino / Maverick / Wea
Länge: 62:24
Hit: No Ordinary Love (Sade Cover feat. Jonah Matranga)
Punkte: 8/10

The Deftones - B-Sides & Rarities

Dass im Hause der Deftones schon immer einiges anders läuft, daran musste sich jeder Freund der kalifornischen Band innerhalb der letzten 2 Jahrzehnte zwangsläufig gewöhnen.
Erst 7 Jahre nach Bandbestehen kam das Debütalbum auf den Markt, aber „Adrenaline“ schoss mit einer Intensität, Energie und vor allem Leidenschaft daher, die auch noch genau 10 Jahre später oftmals ihresgleichen sucht. Für so was nimmt man auch gerne lange Wartezeiten in Kauf. Und daran hat sich bis heute nichts geändert im Kosmos um Mastermind Chino Moreno.
Sei es die immer noch unterbewertete Achterbahnfahrt auf „Around The Fur“, der alternative Meilenstein „White Pony“, das rückbesinnende selbstbetitelte „Deftones“ oder auch das jahrelang angekündigte harmonische Nebenprojekt „Team Sleep“ – die Deftones brauchen immer etwas länger.

Laufen angebliche Genrekollegen a la Korn und Limp Bizkit nach einem Bruchteil ihres Bandbestehens mit Grestest Hits Alben um die Ecke, so gehen die Deftones auch diesen Weg nicht mit, der unter Musikjournalisten immer gerne als Geldmacherei und Ausverkauf abgestempelt wird.

Auf „B-Sides and Rarities“ läuft der Hase andersrum. Erinnert man sich noch an das Outtake Album von System Of A Down, welches auch rein Äußerlich daherkam, als sei die Verpackung ebenfalls ein „Outtake“, so gab man sich hier richtig Mühe. Es sollte auch Tribut an die Fans werden und der wurde es auch. Schon Monate davor, hatte jeder die Möglichkeit rare Bilder, Aufnahmen, Collagen oder was auch immer an die Band zu senden. Zu bewundern gibt es nun diese CD in edler schwarz-gold hochglänzender Hülle, mit umfangreichen Bootleg inklusive einer Unmenge an Bildern, der Diskographie, Kommentaren und Statements. Highlight ist sicher die obendrein beiliegende DVD mit allen Videos der Band, die auch mit Konzertausschnitten einen sehr schönen Rückblick über die letzten 10 Jahre liefert.

Der rote Faden setzt sich in der Tracklist fort. Hier finden sich keine in letzter Zeit so beliebten Coversongs von Pink Floyd, U2 oder The Offspring, die mehr an musikalische Vergewaltigungen erinnern. Die Deftones unterstreichen vielmehr ihren Drang zu Melancholie, düsteren Songs mit Tiefgang und ihre musikalische Breite von The Cure und The Smiths, über Helemt, hin zu Duran Duran oder gar HipHop.
Gerade bei „If Only Tonight We Could Sleep” miemt Chino Moreno einen fast ebenwürdigen Robert Smith Ersatz und die beiden extrem ungewöhnlichen Versionen von „No Ordinary Love“ und „The Chauffeur“ zeigen deutlich die Liebe zum Detail, die in diesem Album stecken und bilden mit Sicherheit auch dessen Höhepunkte.
Ebenfalls zu diesen könnte man die Akustik-Version des vielleicht besten Deftones-Songs „Be Quiet And Drive (Far Away)“ zählen, der gerade jetzt noch um einiges schmerzhafter und zerbrechlicher daherkommt, als er ohnehin schon ist. Komplettiert wird die Akustik-Sammlung mit „Change (In The House Of Flies)“ und „Digital Bath“ vom „White Pony“ Album, die ebenfalls in ihre ruhigen Form mehr als Sinn machen.
Für eingefleischte Fans gibt es zudem noch wirkliche Raritäten. Da wäre zum einen der alte und rohe Song „Crenshaw Punch / I Will Throw Rocks At You“, der aus den Aufnahmen zu „Adrenaline“ entstand und auf der anderen Seite die elektronischen und hiphop-lastigen „Wax And Wane“ sowie „Black Moon“ aus der Zusammenarbeit mit Cypress Hill.

In den 14 Songs zeigen sich die Deftones großteils von ihrer ruhigen, experimentellen, nachdenklichen und düsteren Art. Das geht vollkommen in Ordnung und bildet mit Sicherheit eines der abwechselungsreichsten B-Seiten-Alben. Was fehlt ist der Überblick über das musikalische Schaffen des mittlerweile fast 18-jährigen Bestehens der Deftones, was gerade in Anfangstagen bestimmt war durch pure Energie und der Verbindung aus Aggression und Tiefe. Wären zum Beispiel der Song „Will To Die“, der in Zusammenarbeit mit Strife entstand, oder das emotionale „Lovers“, was schon auf dem aktuellen Album fehlt um dieses zu einem hervorstechenden Release zu machen, noch zusätzlich auf „B-Sides and Rarities“ erschienen, dann hätte die Band mit Sicherheit bis jetzt alles richtig gemacht. Trotz überlanger Wartezeiten.

Tracklist:
cd:
01) savory (jawbox cover feat. jonah matranga of far)
02) wax and wane (cocteau twins cover)
03) change (in the house of flies) (acoustic)
04) simple man (lynyrd skynyrd cover)
05) sinatra (helmet cover)
06) no ordinary love (sade cover feat. jonah matranga of far)
07) teenager (idiot version)
08) crenshaw punch / i’ll throw rocks at you
09) black moon (feat. cypress hill)
10) if only tonight we could sleep (the cure cover)
11) please please please let me get what i want (the smiths cover)
12) digital bath (acoustic)
13) the chauffeur (duran duran cover)
14) be quiet and drive (far away) (acoustic)

dvd:
01) 7 words
02) bored
03) my own summer
04) be quiet and drive (far away)
05) change (in the house of flies)
06) back to school (mini maggit)
07) digital bath
08) minerva
09) hexagram
10) bloody cape
11) engine no. 9 (live)
12) root (live)

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Wo die Sprache aufhört …

Sunday, October 23rd, 2005 at 22:15

| aktueller song: klimt 1918 – lomo |

Oceansize, Autumnblaze
17. Oktober 2005 – Köln, Prime Club

„Wo die Sprache aufhört, fängt Musik an“
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822)
Musiker & Jurist

Oceansize

Die Atmosphäre macht die Musik. Melodien. Emotionen. Stimmungen kreieren das Ausmaß der Musik. Musik erzeugt die Atmosphäre. Wut. Aggression. Verzweifelung. Ausweglosigkeit. Scheitern, um dann wieder zu hoffen. Ein schwaches, aber lebendiges Flackern einer Flamme in einem dunklen Raum.

Dieser Raum liegt inmitten einer lebendigen Stadt, die allerdings seit 3 Stunden still steht. Rückbesinnung auf Null. Auf Trauer und Freude. Die verblüffende Kunst ist, es existiert beides gleichzeitig und parallel. Dies ist die Faszination, das Spannende und die Herausforderung zur Erforschung seiner inneren Gefühle.

Leise flackert die Flamme. Bewegungslos steht die Flamme im herbstlichen Oktober in der Natur. Autumnblaze. Unbeständig ist das Wetter in diesen Tagen und Minuten. Innerhalb von fünf Minuten vom träumerischen Regen, über klaren Sonnenschein, hin zu Gewitter. Es macht Angst. Trotzdem stehen wir am Fenster und schauen fasziniert dem Naturschauspiel zu. Wir schrecken zusammen, wenn es donnert, doch der Blitz ist das Gefährliche. Wir hassen Regen, doch lieben die fröhlichen Regenbögen. Der Herbst ist paradox, aber schön. Wir sind genauso wechselhaft. In den sonnigen Minuten geht uns das Herz auf. Freude. Doch der Übergang ist oft fließend. Regen und Melancholie. Gewitter. Frust. Wut. Wir sitzen zu Hause in diesen Sekunden, haben verlorene Gedanken, doch eigentlich fühlen wir uns bei Kerzenlicht wohl. Die Ruhe vor dem Sturm. Die Abwechselung. Rückbesinnung auf uns selbst. Autumnblaze.

Zumeist wünschen wir uns an Meer. Sonne, Strand: das Meer. Kälte, Untergang, Tot, Überlebenskampf, Stürme. Verschollen und für immer verloren. Auch das ist das Meer. Das Meer der Gefühle. Endlos lang, endlos breit, endlos tief. Oceansize. Wir alle kennen die Riffs, diese schönen bunten Klänge der Farben, die unser Herz erhellen. Glasklar und blau. Nicht tief. Doch so ist das Leben nicht. Auch der Ozean ist nicht so. Wir kennen nur das Meer überhaupt nicht. Wir kennen die Tiefe nicht, die unerforschten Seiten, die wahre Schönheit. Wir kennen uns nicht. Wir sehen diese schönen Wellen am Strand und hüpfen darüber, doch wir verstehen die Wellen in der Mitte des Atlantiks nicht. Keiner kann sie sich vorstellen und begreifen und mit Sicherheit nicht beschreiben. Dort draußen warten die Abgründe des Meeres. Die endlose Weite unserer selbst. Dort sind wir ausgeliefert den Gewalten der Klänge jener Wellen, egal ob groß oder klein, ob bunt oder tiefschwarz. Es existieren kein Raum und keine Zeit. Wir genießen die trügerische Stille vor dem Sturm, haben uns in Sicherheit gefühlt, obwohl die Gefahr schon vor uns zu sehen war. Manchmal ist die Stille selbst die Gefahr und der schmerzlichste Punkt. Auf jeden Fall aber der Emotionalste.

Wir haben aber auf jeden Fall ein Problem mit Abwechselung, wir verstehen die Wechsel nicht und ignorieren den direkten Zusammenhang zwischen Freude und Trauer. Sie existieren immer parallel, egal ob der Raum klein und dunkel ist, wie in diesen Sekunden oder ob er nachher wieder lebendig erscheint. Es beängstigt aber, wenn wir mit unseren tiefsten Gefühlen konfrontiert werden.

Es macht traurig und glücklich, wenn die einsame Flamme im Herbst und die fehlinterpretierte Schönheit des Ozeans uns die eigene Trauer und das eigene Glück aufzeigen. Autumnblaze und Oceansize: Rückbesinnung auf den eigenen Ursprung.

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Halts Maul, sing lieber!

Saturday, October 22nd, 2005 at 17:46

| aktueller song: the revolution smile – payday |

Union Youth, In Veins
14. Oktober 2005 – Essen, Grend

Union Youth

Es war eine lehrreiche Veranstaltung an diesem Freitag. So wurde relativ schnell klar, das Grungemusik nicht mit Kurt Cobain gestorben ist, sondern durchaus auch noch ein Jahrzehnt später unter uns weilt, auch wenn einiges sich zwischenzeitlich geändert hat.
So fand das Konzert von Union Youth mit In Veins als Vorband im Essener Grend statt, einer alles anderen als grunge`chen Ortschaft. Kein schäbiger Keller, vielmehr ein modernes großflächiges Jugendzentrum. Aber modern sollte es auch weitergehen und es sollte auch ein ereignisreicher Konzertabend werden.
2 übergroße Gitarristen mit längeren Haaren betreten die Bühne, dazu noch 3 klein erscheinende Männer, die die Band komplettieren. Meine Damen und Herren: In Veins.

Ich kannte die Band vorher nicht, aber ich kam mir mit dieser Wissenslücke auch ziemlich allein vor. Aber wäre ich gebürtiger NRW`ler, dann wäre ich schon längst begeistert von dieser Band, die sich seit Jahren den Arsch im ganzen Bundesland abtourt. Aber lieber komme ich spät in den Genuss, als gar nicht. Und Genuss ist auch ein gutes Wort; denn sichtlich genossen haben auch In Veins die Jubelstürme und helle Begeisterung der grob geschätzten 200 Mann.
Die Songs waren dem Publikum alle bekannt und sogar für mich angenehm ohrwurmtauglich. Erfreulicherweise viel der Eingängigkeit nicht die Komplexität und die Verschiedenartigkeit zum Opfer. Die Setliste reichte von Halbballaden, über Grunge at his best, regelrechten Hymnen, emotionalen Ausbrüchen, bis hin zu einer langen, mehr als interessanten, Instrumentalimprovisation. In der 1. Etage im Grend wurde energisch gefeiert, gesungen, gepogt und gestagedivt, so dass auch der Sänger selbst sich einmal auf den Händen hinter zur Bar und wieder zurück tragen lies. Eine Etage darunter regte sich die eine Generation ältere Fraktion sicher über die Jugend auf, aber wenn die wüssten, was sie verpasst haben: Einen Sänger mit einem Stimmumfang von Pearl Jams Eddie Vedder bis zum Sprechgesang von One Minute Silence. Einen Bassisten, der vor Freude rumhüpfte, alles mitsang und auch sonst sichtlich bestens gelaunt war. Einen Aushilfsdrummer, bei dem man sich wünschen würde, dass er lieber jetzt als morgen endlich fest in die Band einsteigt. Und schließlich die Beiden Hühnen von Gitarristen, die gerade in dem überlangen Instrumentalstück ihre wahre musikalische Größe zeigen.
Höhepunkt war der Überhit „King Is Dead“, bei dem sich das Publikum sogar ehrfürchtig auf die Knie begab. Dann war erstmal Schluss, aber da es die letzte der unzähligen Shows mit dem alten Material war, waren noch ein paar Extrasongs Pflicht. Aber auch danach gab es noch immer „Zugabe“-Rufe … zu Recht!

Union Youth standen somit vor einer schweren Aufgabe. Sie hatten keinen Heimvorteil und mussten trotzdem das hohe Niveau halten. Die Antwort vorneweg: sie hielten es.
Schon vor 2 oder 3 Jahren wirbelten Union Youth mit ihrem überdurchschnittlich guten Grunge-Rock-Album „The Royal Gene“ die deutsche Musiklandschaft auf und auch live ging es damals schon zur Sache. Nach einem bisschen Hype, großen Bühnen und dann ein paar Problemen, haben wir nun das Glück die Union-Jungs immer noch in kleinen Clubs sehen zu dürfen. Und dort gehören sie auch hin. Der Kontakt mit den Fans, Instrumente rumschmeißen und einfach nur besoffen auf der Bühne zu stehen, das kommt hier einfach besser.
Frisch sehen alle nicht aus an diesem Abend, aber die Tour ist ja auch schon lang. Vielleicht liegt der Hauptgrund auch doch im Alkohol. Das musikalische Treiben schmälert dies aber keineswegs. Hier wird von der ersten Minute an gerockt im großen Stil. Sehr nach Grunge und Nirvana klingt das nicht, auch wenn gerne immer derartige Vergleiche getroffen werden. Das hier ist alles eine Spur härter, auch härter als auf CD. Hier wird richtig geschrieen und die Songs wirken noch eine Runde sperriger. Gerade die aggressiveren Songs wirken doppelt, weil sich Maze da richtig am Mikro austoben kann und auch der Rest der Band ordentlich ins Leder haut. Songs wie „About This Ride“ oder die Single „Sweet Song“ fordern dann auch das Publikum, was im Pogo keine Mühen scheut, auch wenn viele Mädels in Nirvana-Shirts sichtlich erstaunt über die heute keineswegs zimperliche Musik sind.
Lustig waren auf jeden Fall auch die Zwischenunterhaltungen, in der ein etwas sehr angeheiterter Sänger irgendwas erzählte, dass er McDonalds erotisch findet und vergeblich versucht aufzuzählen, mit welchen Bands diese Tour bestritten wurde. Was mir ein Schmunzeln ins Gesicht schrieb, brachte andere zu dem jetzt schon legendären Satz „Halts Maul! Sing lieber!“. Gesagt – Getan. Was folgt ist eine Halbballade, die keiner ernst nehmen kann – am wenigsten Maze selbst. Bei dem durchweg ruhigen Gesang muss er an jeder Stelle laut lachen. Also Song abbrechen und lieber wieder derbe rocken.

Leider schleichen sich dann bei der Zugabe ein paar technische Probleme ein. Ziemlich viele Saiten reißen, aber was bei der energischen Spielweise nicht verwunderlich ist. Gitarrist Orion knallt daraufhin sein Spielwerk sehr gefrustet auf den Verstärker und läuft direkt Richtung Bühnenausgang. Der Rest spielt das Lied noch zu Ende und taumelt durchschwitzt und promillelastig von der Bühne. Authentischer herzhafter Rock. Danke.

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Standardrock

Thursday, October 20th, 2005 at 16:34

| aktueller song: beastie boys – sabotage |

Hell On Earth: As I Lay Dying, Heaven Shall Burn, Evergreen Terrace, Agents Of Man, Neaera, End Of Days
01. Oktober 2005 – Erfurt, Stadtgarten

Hell On Earth Tour

Es war vielleicht das Highlight härterer Musik in Erfurt im Jahre 2005 – die “Hell on Earth”-Tour. Was die Labels Metal Blade und Century Media da auf die Beine gestellt haben und uns an Bands vorbeigeschickt haben, kann sich vom Namen sehen lassen: End Of Days, Neaera, Agents Of Man, Evergreen Terrace, Heaven Shall Burn und As I Lay Dying als Headliner. Eigentlich die crème de la crème national und international aufstrebender Metalcore-Bands.

Doch die erste Ernüchterung kam schon weit im Vorfeld. Wegen dem derzeitigen Erfolg und dem Hype der genannten Bands, verordnete der Booker, die Tour dürfe nur in Clubs ab 600 Mann und mehr gastieren. Damit war dann auch das durchaus schöne Centrum in Erfurt passè. Heaven Shall Burn in der Heimat, in einem kleinen Club, in dessen Mitte sympathisch die Betonpfeiler stehen und sicher schon nach der ersten Band der Schweiß hätte abgepumpt werden müssen – nette Vorstellung. Aber es kam anders. Neuer Spielort war der Stadtgarten in Erfurt, den ich nicht kannte und somit auch gleichzeitig nicht zu den schönsten Orten gehören konnte. So war es dann auch. Man nehme eine 3-Felder-Halle, tue 2 Felder wieder weg, stelle ein paar Opern-Accessoires rein, die mehr nach Attrappe aussehen, eine Bühne noch von 2 Metern Höhe, 6 Boxen oder so und dann in schwindelerregender Höhe ein Dach drauf. Fertig.

Genauso steril verlief dann auch der Abend. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass die Tour im schönen Bochumer Matrix oder im Stuttgarter Universum Halt machte. Aber nun zum Eigentlichen: gegen 19:00 Uhr geht der ganze Spaß schon los und da ich zu diesem Zeitpunkt noch die letzten warmen Sekunden im Zug genieße, verpasse ich die Bottroper End Of Days. Viel los war bestimmt nicht, denn auch bei den nachfolgenden Neaera, die ja als die neuen Metalcore-Sternchen plakatiert werden, steht die Sporthalle im Opernstil noch still. Hier und da mal ein Kopfnicken oder ein leichtes Zucken im Bein, aber vielleicht ging es vielen wie mir, dass einfach nichts ankam, von der großen Bühne mit leisem Sound und emotionsneutraler Performance. Beim abschließenden Mini-Hit “Where Submission Reigns” ließen die ersten harten Jungs ein paar Arme durch die Luft fliegen, aber nach 4 Minuten war ja dann schon Schluss. Instrumente können sie spielen, aber vielleicht sollten Neaera mit ihrem Debüt doch lieber noch ein bisschen die richtig kleinen Bühnen spielen.

Was folgte waren Agents Of Man aus New Jersey, die sich bemühten, schöne schleimerische Ansagen machten und erstaunlich melodisch rüberkamen im Vergleich zu ihren Ex-Bands. Man merkte ihnen den Spaß an, besonders der Gitarrist fühlte sich schon wie im Rock-Olymp. Am liebsten wäre er mit seiner schiefen Kappe bei jedem Lied ins Publikum gesprungen und auch sein emotionales Mitsingen war grandios. Leider war er der einzige, der kein Mikro hatte. Trotzdem oder besser gerade deswegen sehr sympathisch der Typ. Danach enterten die Sonnyboys von Evergreen Terrace aus Kalifornien die Bühne im alles anderen als kalifornisch-sonnigen Erfurt. Rock, ein bisschen Geschrei, eine nette Ausstrahlung, eine Briese Punk gemischt mit ein paar Breakdowns und fertig ist das Konzert beschrieben. Immerhin ein solides Europadebüt, was das Publikum auch mit den ersten richtigen Ausrastern des Abends toleriert. Dass Evergreen Terrace eine spaßige Band sind, weiß man nicht erst seit ihrer Namensgebung nach einer Simpsons-Folge. Zum Glück halten sie den Spaßfaktor heute gering, somit gibt es auch keine Coverversionen von Tears For Fear`s “Mad World” oder “The Kids Aren`t Alright” von den Offsprings. Stattdessen spielen sie ihre eigentlichen Hits wie “Dogfight” und “The Smell Of Summer”. Gerade noch einmal die Kurve bekommen.

Einen klaren Sieg dagegen konnten die Co-Headliner von Heaven Shall Burn einfahren. Das einzige, was in den folgenden Minuten ruhig war, war das Intro “Echoes”. Gerade hat man die sachten Klavierklänge für schön empfunden, dann knüppelt “The Weapon They Fear” los. Ab dann geht es nur noch auf die Mütze. Circle Pits hier und da, hüpfen, springen, treten, Arme kreisen, rumrennen. Das ganze violent dancing Programm konnte die Erfurter Masse vorzüglich, auch wenn viele eher wie “Tokio Hotel” aussahen, wussten sie nicht nur die Metalbrocken vom “Antigone” Album zu schätzen. Weg war auch das Lautstärkeproblem vorheriger Bands. Alles im grünen Bereich also. 2:0 Heimspielsieg für Heaven Shall Burn.

Wenn es einen Sieger gibt, muss es auch Verlierer geben und das war in diesem Fall As I Lay Dying. Was Heaven Shall Burn mit Freude einem rauskitzelten, das verspielten As I Lay Dying mit ihrer Routine. Das übliche hohe Niveau der Band wurde zwar gehalten, aber die Band kam doch schon etwas statisch rüber. Moshen nach Zeitplan. Es gab auch schon energischere Shouter und sicher können es auch As I Lay Dying besser. Der Masse war das ziemlich egal. Sie wurde gefüttert mit allen Hits der neuen Scheibe, aber auch zu älteren Songs wie “94 Hours” oder “Falling Upon Deaf Ears” wurde fleißig geheadbangt. Zum Abschluss einer nicht sonderlichen langen Setlist, folgte der obligatorische Überhit “Forever”. Viele gaben jetzt noch einmal beim Armrundern alles.

Dann war Schluss und die Halle relativ schnell leer. Ob das jetzt an dem “nur okayen” Konzertabend lag, das lassen wir mal unbeantwortet. Der Favorit des Abends war auf jeden Fall die erste original Thüringer Bratwurst seit Monaten.

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modern catchy shit

Tuesday, October 18th, 2005 at 15:28

| aktueller song: inme – underdose |

Adema – Planets
Vö: 11. April 2005
Label: Earache / SPV
Länge: 57:17
Tip: Barricades In Time
Punkte: 3/10

Adema - Planets

Adema? Adema? Irgendwo schon einmal gehört. War das nicht eine dieser neumodischen Rockbands, die vor ein paar Jahren alle klanglos untergingen, wie beim Börsencrash der NewEconomy?

Genau. Adema war die Band des Verwandten von Korn`s Jonathan Davis, in dessen Windschatten man auch durchaus ziemlich bekannt wurde. Millionenfach wurden die Alben „Adema“, „Insomniacs Dream“ und „Unstable“ verkauft. Auch nicht zu Unrecht – waren es zwar alle nicht sonderlich anspruchsvolle Platten, aber durchaus interessanter so genannter NewMetal. Was folgte waren Touren mit Linkin Park oder Korn. Der Metalolymp.

Dann kam der Crash für alle Korn-Kopierer: NewMetal ist tot. Verkaufszahlen bilden Extremwerte gegen Null. Der Major-Deal mit BMG geht verloren und zu guter letzt macht sich Sänger Marky Chavez vom Acker. Adema sind ohne Identität.

Doch die Herren rappeln sich noch einmal auf, das muss man ihnen lassen. Nun liegt der neue Longplayer „Planets“ vor mir, eingesungen mit einem neuen Sänger und vertrieben von einem neuen Label: Earache.
Nicht schlecht. Earache – die Heimat der momentan besten Krachkünstler, wie Beecher, Cult Of Luna oder Callisto. In dem beiliegenden PR-Zettel fallen die Wörter „trend-unabhängige musikalische Integrität“. Ab jetzt bin ich echt gespannt, was aus dieser Band geworden ist.
Doch nach genau 57 Minuten und 17 Sekunden ist Schluss. Zum Glück muss man sagen.
Positive Dinge gibt es nicht zu vermelden. Okay man hat sich geändert, geht neue Wege, aber das man sich damit im Einheitsbrei verliert, das bekommen die Jungs nicht mit. Die CD randvoll mit lahmen null-acht-fünfzehn-Gitarrenriffs, emotionslosem Gesang von Luke Caraccioli und von dem pulsierenden Schlagzeugspiel ist auch nicht mehr viel übrig. Man bemüht sich zwar um Melodien, aber irgendwie klingt das alles wie Cold, Staind oder Sevendust, bloß eine Liga tiefer, weil gerade genannte Bands immerhin charakteristische Sänger haben. Einfallslosigkeit und Monotonie prägen die ganze Platte von der ersten Sekunde an und die mehr oder weniger 14 Halbballaden wirken weder traurig, noch romantisch … sie wirken einfach gar nicht.

Von „devastatingly catchy modern rock songs, with some surprise“ ist auf der CD die Rede. Die einzige Überraschung für mich ist, wie Earache dazukommt so eine dahingerotze CD zu veröffentlichen und dann noch solche Sätze darauf zu schreiben. Trendunabhängig ist hier gar nichts und Überraschungen gibt es nur in einer Hinsicht – überraschend mies.
„Utterly devastating“ sag ich da eher nur.

Tracklist:
01) shoot the arrows
02) barricades in time
03) tornado
04) sevenfold
05) planets
06) enter the cage
07) remember
08) chel
09) until now
10) rise above
11) bad triangle
12) better living through chemistry
13) eyes wide open
14) lift us up
15) vikraphone
16) piano interlude

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IKEA-Metal

Monday, October 17th, 2005 at 03:13

| aktueller song: nine inch nails – wish |

Deathbound – Doomsday Comfort
Vö: 14. Oktober 2005
Label: Dynamic Arts Records
Länge: 33:16
Hit: Gasmask
Punkte: 5/10

Deathbound - Doomsday Comfort

Uff. Meine Fresse. Was für ein Album. Okay, über Geschmack lässt sich streiten, das neue Deathbound Album trifft meinen Geschmack auch nicht, aber man muss es diesen fiesen Jungs lassen: sie meinen es ernst – verdammt ernst.
Vor 2 Jahren schickten sie mit „To Cure The Sane With Insanity“ ihr Debüt ins Rennen und landeten damit aus dem Stand direkt in der erwünschten Death-Metal-Hölle.
Jetzt Anno 2005 kommt das nächste Todes-Album der finnischen Deathbound in die Läden und das geht mitten ins Gesicht ohne Rücksicht auf Verluste.

Hier gibt es keine Sekunde zum entspannen oder verschnaufen, hier wird 30 Minuten lang gedroschen und alles weggehämmert, so dass am Ende kein Leben mehr existiert.
Im Vergleich zum Vörgänger wurde noch einmal ordentlich an der Härteschraube gedreht. 13 Songs in 33 Minuten, da bleibt keine Zeit für Umwege. Alles wird bei „Doomsday Comfort“ kurz und knapp auf den Punkt betracht. Jeder Effekt würde Zeit kosten, also lieber mit allen Instrumenten direkt auf die zwölf. Auch gesanglich, (wobei man hier sicher nicht von Gesang reden kann) versucht man ins Guinness-Buch der Rekorde unter der Rubrik „aggressivste Band“ zu kommen. Und in der Tat, Deathbound kämpfen um den Titel.

Produziert wurde dieser gebündelte Hass in CD-Form von Mieszko Talarczyk, dem mittlerweile verstorbenen Gitarristen der schwedischen Band Nasum. Aber mal abgesehen davon, dass die Platte in Schweden produziert wurde, klingt sie auch mehr als schwedisch. Raue, direkte und trockene, aber trotzdem dreckige und rotzige Produktion auf technisch höchstem Niveau. Erst nach mehrmaligem Hören ergeben sich auch die Feinheiten unter dem Double-Bass-Mantel. Hier und da schleichen sich nach gutem Nasum-Vorbild ein paar Breaks im Gitarrenspiel ein und kurz eingespielte Samples bringen die dringend notwendigen Sekunden zum Atmen.

Ein Manko dürfte vielleicht das einseitige Gegrunze von Sänger Kai sein, aber bei dem relativ abwechselungsreichem Geballer, was keineswegs üblich ist in dem Genre, wird das eh keinen der Grindcore-Jünger stören. Auch die ewig gleichen nihilistischen Texte über Tod und Elend werden unter der Anhängerschaft nicht negativ ins Gewicht fallen – hauptsache der aggressive Grundton der Platte stimmt. Und das macht er in der Tat und somit passen die Texte wahrscheinlich auch wieder prima zum kompromisslosen Soundgewitter.

Schlussendlich ist es wie mit allem aus dem nordischem Lager. Man wird die Platte lieben oder hassen. Für mich ist sie wie IKEA: schwedisch, gut in der Machart, schlicht und konkret in der Aussage, mit Wiedererkennungswert … trotzdem geh ich nicht hin, weil es einfach nicht mein Geschmack ist.

Tracklist:
01) ghost among the dead
02) doomsday comfort
04) inside the nothingness
05) chokehold
06) take left
07) for the rats
08) i god
09) spill the blood
10) in the mud
11) hell today – no tomorrow
12) remake the improved
13) gasmask

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verkehrte Welt

Saturday, October 15th, 2005 at 20:41

| aktueller song: norma jean – murderotica |

The Anti Doctrine, Six Reasons To Kill
23. September 2005 – Köln, MTC

The Anti Doctrine

Irgendwie war an diesem Abend alles ein bisschen anders und ich weiß nicht warum. Ich erinnerte mich an das Jahr 2003. Rock am Ring. Talent Forum. Eine Band stand da auf der Bühne, die mich rein äußerlich stark an Nonpoint erinnerte – sicher wegen der arschlangen Dreadlocks. Doch nicht nur das. Auch musikalisch fühlte ich mich stark an das Nonpoint Konzert genau 1 Jahr davor, zur selben Zeit am selben Ort, zurückversetzt. Die Band um die es geht heißt Straight. Ein scheiß Name, aber sie konnten die Masse mit einer energiegeladenen Show begeistern. Man war relativ unbekannt, hatte Feuer, ein großes Publikum und man gab alles. Die Meute fuhr drauf ab. Wie bei Nonpoint. Ein voller Erfolg. Was folgte waren große Touren mit Soulfly und Slipknot.

Dann war es ruhig. 2 Jahre später las ich den Namen “The Anti Doctrine” und in Klammern dahinter: Ex-Straight. Man hatte sich umbenannt also. Eigentlich nicht schlecht, zumal der neue Name hundertmal besser und ansprechender klingt. Noch mit den guten 2003-Errinnerungen ging ich also relativ unvorbereitet ins MTC. 10 Euro Eintritt für einen Slipknot-Support ging okay, dachte ich.
Doch die Verwirrung folgt prompt. Keine langen Dreadlocks mehr. Keine einfachen Mitschrei-Songs. Keine Masse, die aus dem Häuschen ist. Eigentlich überhaupt keine Masse. Leer war es in Köln an diesem Abend. Die Songs viel komplizierter, als die Alten von damals. Kein Metalcore, kein Hardcore, kein irgendwas – vielmehr sperriges irgendwas. Aber es klang gut; richtig gut sogar. Viel besser als damals. Ich sah keine Band, die sich einfach nur weiterentwickelt hat. Nein, ich sah eine komplett neue Band. Eine erwachsene Band, die weiß was sie will, die es ihren Hörern schwer macht. Das ist gut so. Kein Gedresche, bei dem sich Halbstarke kloppen. Das war damals. Melodien, Rhythmus, Vielseitigkeit – das ist heute.
Auch wenn die Hütte leer war, die Dreads ab und die Musik schwer beschreibbar … lieber so!

Danach fragte ich mich, wieso eigentlich The Anti Doctrine zuerst gespielt haben!? Sie waren doch auf allen Plakaten als Headliner ausgeschrieben, sie waren bekannter und sowieso um Längen besser, als das was folgte. Six Reasons To Kill – eine böse Band. Nicht nur von der Art, auch von der Musik. Kompromisslos, fast engstirnig; monoton, einfallslos, wenig abwechselungsreich.
Death-Metal-Hardcore, der wenig begeistert. Wenig Kopfnicken im starren Publikum, was sehr untypisch ist für Bands dieses Genres. Okay, einer rastet fein brav aus, aber wirkt eher lächerlich. Was soll man groß sagen? Die Tourpartner von Six Reasons To Kill sind meist besser, sei es Since The Day, A Case Of Grenada, The Black Dahlia Murder, Caliban oder eben The Anti Doctrine.

Summa Summarum: 1:0 für Detailverliebtheit gegen Fiese-Fresse-Hardcore.

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