Panta rhei
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Hundreds – Hundreds
Vö: 30. April 2010
Label: Sinnbus / Rough Trade
Länge: 48:33 min
Hit: Solace
Punkte: 7/10
Ob nun die Wolken am Himmel, heißes Magma in isländischen Vulkanen, die globalisierte Weltwirtschaft, Immobilienspekulationen ohne Boden, Blut und Speichelfluss oder vom Regen weggespülte Hundescheiße auf dem Bürgersteig – alles fließt, alles ist stets in Bewegung. Das wusste auch schon ein alter, weiser Mann Namens Heraklit vor ziemlich vielen Jahren, und daran hat sich bis heute exakt gar nichts geändert. Hundreds stehen ganz in seiner Tradition. Bewusst oder unbewusst, aber das ist ja erst einmal egal.
So muss ein Album auch als Ganzes gesehen werden, dieses selbstbetitelte hier besonders. Das Cover: ein komplexer Bewegungsablauf einer wohl schwimmenden Person in einem verrauschten Gewässer – eingefangen in einer Viertelsekunde oder gar noch weniger. Oder die Tracklist: “Happy virus” heißt da ein Song, der so tanzbar-fröhlich ist, dass man den textlichen Beigeschmack fast überhört. Das sind nur zwei kleine Beispiele, aber “Hundreds” steckt voll solcher scheinbar mickriger Spannungen, Widersprüche und Gegensätze, die unterm Strich eigentlich keine sind.
Heraklit hätte aber bestimmt auch sonst seine Freude daran, war er doch gegen jegliche Form von Oberflächlichkeit und hatte einen Hang zu verschiedenen Wahrnehmungswelten, was nicht zwangsläufig etwas mit Drogeneinflüssen zu tun haben muss. Genau diese zwei Dinge zeichnen Hundreds aus: leichtfüßiger Tiefgang und eine angenehme Ambivalenz zwischen unaufdringlicher Popmusik im Tanzformat einerseits und bittersüßer Melancholie andererseits, die der omnipräsenten, sich aber nie aufdrängenden Stimme von Eva Milner anhängt.
Hundreds tanzen unbekümmert zwischen den Stühlen, zwischen Tag und Nacht, zwischen Club und heimischen Sofa, zwischen Bionade und Wodka pur. Deswegen liegt die eigentliche Stärke des Albums auch nicht in den Quasi-Singles “Solace” oder “Happy virus”, sondern in der intimen Atmosphäre, die sich konsequent aufbaut und einen auch auf kompletter Länge behutsam mitnimmt. Zwischendurch streichelt dann mütterlich ein Piano den Hörer wirft ihm dezente Elektronik wirft einem ein Lächeln zu. Selbst die verspielten Interludes “Blank” und “Walking on rails” fügen sich nahtlos ein und ordnen sich dem Gesamtkonzept unter. Alles wirkt wie aus einem Guss. Oder eben Fluss.
Mindestens genauso spannend aber ist, wie es auch die Philosophie besagt, dass man niemals zwei Mal in den gleichen Fluss steigen kann. Genau diese Denkweise spiegeln auch die Songs wider: Man weiß zu jeder Sekunde, in welchem Wasser man sich befindet, aber die Tiefe, die Wärme, der Untergrund bleiben unbestimmt. Hundreds schmeißen den Hörer einfach rein, ohne eine Richtung vorzugeben. Und drin zu schwimmen, will erst einmal gelernt sein.
Tracklist:
01) solace
02) grab the sunset
03) happy virus
04) fighter
05) i love my harbour
06) blank
07) machine
08) song for a sailor
09) walking on rails
10) wait for my raccoon
11) let’s write the streets
12) little heart
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